1694/J-BR BR

A n f r a g e


der Bundesräte Jürgen Weiss, Maria Grander und Ilse Giesinger
an die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales
betreffend Preisauszeichnung bei Medikamenten
 
Die im Gesundheitswesen tätige Vorarlberger Landtagsabgeordnete Dr. Greti Schmid hat Sie kürz -
lich in einem Schreiben mit dem Anliegen befaßt, die starke Zunahme der Kosten für Medikamente
durch eine Stärkung des Preisbewußtseins der Konsumenten einzudämmen und dies wie folgt
begründet:
,,Zum Beispiel beinhaltet der Jahresabschluß 1999 der Vorarlberger Gebietskrankenkasse im
Gesamtvolumen von ATS 4.290.510.000.- einen Anteil von ATS 700.600.000.- für Heilmittel. In
der Vorschau 2000 wird zudem eine weitere Steigerung von 12% für Heilmittel prognostiziert.
Österreichweit spricht man von einer Größenordnung von 25,2 Milliarden Schilling für Medika -
mente. Jeder, der sich in seinem Bekanntenkreis umhört, wird die Erfahrung machen, dass es
wenig Kostenbewußtsein für rezeptpflichtige Medikamente gibt. Das ist aber in keiner Weise ver -
wunderlich, da durch die Bezahlung der Rezeptgebühr für den Konsumenten jedes Medikament
einen subjektiven Wert von ATS 45,-- hat. Durch die fehlende Preisauszeichnung und das daraus
resultierende fehlende Kostenbewußtsein kommt es sehr oft zu einem fahrlässigen Umgang mit den
erworbenen Medikamenten. Medikamente werden teilweise gehortet, teilweise nach kurzer Zeit
vernichtet oder teilweise überhaupt nicht eingenommen. Jeder Konsument weiß, wieviel 1 Liter
Milch oder ein Radioapparat in etwa wert ist. Wie kann er jedoch wissen, dass das eine Medika -
ment ATS 3.000.- wert ist und das andere nur ATS 60.- kostet? Der Preis des erworbenen Medi -
kamentes ist nirgends ersichtlich.
In Anbetracht der steigenden Kosten bei den Krankenkassen ist es ein Gebot der Stunde, Über -
legungen anzustellen, wie es zu Einsparungen kommen kann. Wir halten hier eine Preisauszeich -
nung für rezeptpflichtige Medikamente, wie sie unter anderem auch in Italien und in der Schweiz
üblich ist, für einen wichtigen Schritt. Wir sind davon überzeugt, dass eine Preisauszeichnung
einen Schneeballeffekt hat. Eine Preisauszeichnung erhöht das Kostenbewußtsein. Das Kostenbe -
wußtsein bewirkt einen sorgsameren Umgang mit den Medikamenten. Der sorgsamere Umgang mit
den Medikamenten wird die Steigerung der Heilmittelkosten eindämmen. Es geht nicht darum, dass
eine optimale medikamentöse Behandlung in Frage gestellt wird, sondern wir alle sollen wissen,
was Krankheit kostet, vielleicht gehen wir dann sorgsamer mit unserer Gesundheit um." Ergänzend
wurde darauf hingewiesen, daß der durchschnittliche Pro - Kopf - Jahresverbrauch für Medikamente in Österreich ATS 3.119,-- beträgt, in Deutschland nur ATS 2.513,-- und in Italien nur ATS 1.976,--.
 
Daher richten die unterzeichneten Bundesräte an die Frau Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit
und Soziales folgende
 

A n f r a g e:


 
1. Wie beurteilen Sie die Anregung, durch eine Preisauszeichnung bei rezeptpflichtigen Medika -
menten die finanziellen Aufwendungen durch ein stärkeres Preisbewußtsein senken zu können?
2. Was werden Sie unternehmen, um diese Anregung umzusetzen?

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HTML-Dokument erstellt: Mar 17 10:28