Stenographisches Protokoll

20. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

 

 

XXII. Gesetzgebungsperiode

 

Dienstag, 10. Juni 2003

und

Mittwoch, 11. Juni 2003

 

 

Band 1

Dienstag, 10. Juni 2003

 

 

 

 

 


 

Stenographisches Protokoll

20. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

XXII. Gesetzgebungsperiode

Dienstag, 10., und Mittwoch, 11. Juni 2003

Dauer der Sitzung

Dienstag, 10. Juni 2003: 10.00 – 22.08 Uhr

Mittwoch, 11. Juni 2003:   9.02 – 20.42 Uhr

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Tagesordnung

1. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Bundesstatistikgesetz 2000, das Bundes-Sportförderungsgesetz, das Presseförderungsgesetz 1985, das Publizistikförde­rungs­gesetz 1984, das KommAustria-Gesetz, das Privatfernsehgesetz, das Par­teiengesetz, das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979, das Gehaltsgesetz 1956, das Vertragsbe­dienstetengesetz 1948, das Richterdienstgesetz, das Landesleh­rer-Dienstrechtsge­setz 1984, das Land- und forstwirtschaftliche Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz 1985, das Bundeslehrer-Lehrverpflichtungsgesetz, das Pen­sionsgesetz 1965, das Bundes­theaterpensionsgesetz, das Teilpensionsgesetz, das Verfassungsgerichtshofge­setz 1953, das Bundesbahn-Pensionsgesetz, das Bundesbahngesetz 1992, das Bun­desbediensteten-Sozialplangesetz, das Schü­lerbeihilfengesetz 1983, das Bundesge­setz über die Förderung der Erwachse­nenbildung und des Volksbüchereiwesens aus Bundesmitteln, die Fernmeldege­bührenordnung, das Rundfunkgebührengesetz, das ÖIAG-Gesetz 2000, das Poststrukturgesetz, das Bundeshaushaltsgesetz, das Finanz­ausgleichs­ge­setz 2001, das Katastrophenfondsgesetz, das ASFINAG-Gesetz, das Schieneninfra­strukturfinanzierungsgesetz, das Ausfuhrfinanzierungsförde­rungsge­setz 1981, das Ausfuhrförderungsgesetz 1981, das Bundesfinanzie­rungsgesetz, das Glücks­spielgesetz, das Pensionskassengesetz, das Einkom­mensteue­rge­setz 1988, das Körperschaftsteuergesetz 1988, das Umgründungs­steuergesetz, das Umsatzsteu­ergesetz 1994, das Gesundheits- und Sozialbe­reich-Bei­hilfen­gesetz 1996, das Be­wertungsgesetz 1955, das Erbschafts- und Schenkungs­steuergesetz 1955, das In­vestmentfondsgesetz 1993, das Kraftfahr­zeugsteuer­gesetz 1992, das Straßenbenüt­zungsabgabegesetz, das Norm­verbrauchsab­gabe­gesetz, das Elektrizitätsabgabege­setz, das Erdgasabgabege­setz, das Ener­gieabgabenvergütungsgesetz, das Mineral­ölsteuergesetz 1995, die Bundesabga­ben­ordnung, das Abgabenverwaltungsorganisa­tionsgesetz, das Zollrechts-Durch­führungsgesetz, das Produktpirateriegesetz, das Bundesgesetz über die Bundesrechenzentrum GmbH, das Zivildienstgesetz 1986, das Gesetz betreffend die Anlegung von Eisenbahnbüchern, die Wirkung der an einer Ei­senbahn ein­geräumten Hypothekarrechte und die bücherliche Sicherung der Pfand­rechte der


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Besitzer von Eisenbahn-Prioritätsobligationen (Eisenbahnbuch­gesetz), das Han­dels­gesetzbuch, das Bundespflegegeldgesetz, das Opferfürsor­gegesetz, das Be­hinderteneinstellungsgesetz, das Familienlastenausgleichsge­setz 1967, das Allge­meine Sozialversicherungsgesetz, das Gewerbliche Sozial­versicherungs­gesetz, das Bauern-Sozialversicherungsgesetz, das Beamten-Kranken- und Uni­ver­sitäten­fall­ver­sicherungs­gesetz, das Rezeptpflichtgesetz, das Tierseu­chen­gesetz, das Tierarzneimittelkontroll­gesetz, die Straßenverkehrsord­nung 1960, das Innovations- und Technologiefondsge­setz, das Forschungs- und Tech­no­lo­gieförderungsgesetz, das Arbeitslosenversiche­rungsgesetz 1977, das Arbeits­marktpolitik-Finanzierungsgesetz, das Arbeitsmarktser­vicegesetz, das Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz, das Karenzgeldgesetz, das Ar­beits­verfas­sungsgesetz, das Bundesimmobiliengesetz und das Marchfeldschlös­ser-Gesetz geändert, ein Bundesgesetz über die Leistung eines besonderen Er­stattungs­betrages anläss­lich der Aufnahme in ein Dienstverhältnis zum Fürsten­tum Liechten­stein als Rich­ter oder Staatsanwalt, ein Luftfahrtentschädigungsge­setz, ein Bundesge­setz über die Vergütung von Steuern an ausländische Vertre­tungsbehörden und ihre im diplo­matischen und berufskonsularischen Rang ste­henden Mitglieder (Inter­nationa­les Steuervergütungsgesetz – IStVG), ein Kohle­abgabegesetz; ein Bun­desgesetz, mit dem vorübergehende Maßnahmen im Be­reich des Strafaufschubs getroffen werden, und ein Bundesgesetz über den Nachkauf von Luftraum­über­wachungsflugzeugen er­lassen werden sowie das Bundesgesetz über den Beirat für die Statistik des Außen­handels beim Österrei­chischen Statistischen Zentral­amt aufgehoben wird (Budgetbe­gleitgesetz 2003)

2. Punkt: Bericht über den Antrag 132/A der Abgeordneten Mag. Wilhelm Molte­rer, Herbert Scheibner, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bezügegesetz, BGBl. Nr. 273/1972, und das Bundesbezügegesetz, BGBl. I Nr. 64/1997, geändert werden

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Inhalt

Personalien

Verhinderungen ...................................................................................................... 10, 209

Ordnungsrufe ........................................................................................  59, 138, 224, 305

Geschäftsbehandlung

Redezeitbeschränkung nach Beratung in der Präsidialkonferenz gemäß § 57 Abs. 3 Z. 2 der Geschäftsordnung .................................................................................................  11, 209

Antrag des Abgeordneten Karl Öllinger im Sinne des § 18 Abs. 3 der Ge­schäftsord­nung auf Anwesenheit des Bundesministers für Finanzen – Ablehnung
..............................................................................................................................  126, 126

Unterbrechungen der Sitzung ...........................  208, 378, 381, 382, 384, 386, 388 ,390

Antrag der Abgeordneten Dr. Alfred Gusenbauer, Kolleginnen und Kollegen im Sinne des § 84 der Geschäftsordnung, den Gesetzesbeschluss betreffend das Budgetbe­gleitgesetz 2003 (59/111 d. B.) gemäß Artikel 42 des Bundes-Verfas­sungsgesetzes einer Volksabstimmung zu unterziehen – Ablehnung (na­mentliche Abstimmung) ......................................................................................  366, 386


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Verlangen auf Durchführung von namentlichen Abstimmungen
 ....................................................................................  378, 380, 382, 384, 386, 388, 390

Ausschüsse

Zuweisungen .................................................................................................................. 10

Dringliche Anfrage

der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminis­ter für Finanzen betreffend Eurofighter-Schiebung (501/J) ....................................................................................... 93

Begründung: Dr. Peter Pilz ........................................................................................... 95

Bundesminister Mag. Karl-Heinz Grasser ................................................................ 99

Debatte:

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 106

Werner Amon, MBA ................................................................................................... 109

Anton Gaál .................................................................................................................. 111

Dr. Reinhard Eugen Bösch ....................................................................................... 113

Bundesminister Günther Platter .............................................................................. 115

Dr. Evelin Lichtenberger ........................................................................................... 116

Dr. Reinhold Mitterlehner .......................................................................................... 118

Bettina Stadlbauer ..................................................................................................... 120

Dr. Günther Kräuter ..........................................................................................  123, 131

Dr. Peter Pilz ......................................................................................................  127, 131

Herbert Scheibner ...................................................................................................... 128

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend Abbruch des Beschaffungsvorganges von Eurofighter-Typhoon – Ablehnung ........................  118, 132

Verhandlungen

1. Punkt: Bericht des Budgetausschusses über die Regierungsvorlage (59 d. B.): Bun­desgesetz, mit dem das Bundesstatistikgesetz 2000, das Bundes-Sport­förderungsge­setz, das Presseförderungsgesetz 1985, das Publizistikförde­rungs­gesetz 1984, das KommAustria-Gesetz, das Privatfernsehgesetz, das Par­teien­gesetz, das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979, das Gehaltsgesetz 1956, das Vertragsbedienstetenge­setz 1948, das Richterdienstgesetz, das Landesleh­rer-Dienstrechtsgesetz 1984, das Land- und forstwirtschaftliche Landeslehrer-Dienst­rechtsgesetz 1985, das Bundesleh­rer-Lehrverpflichtungsgesetz, das Pen­sionsge­setz 1965, das Bundestheaterpensions­gesetz, das Teilpensionsgesetz, das Ver­fas­sungsgerichtshofgesetz 1953, das Bun­desbahn-Pensionsgesetz, das Bundes­bahn­gesetz 1992, das Bundesbediensteten-So­zialplangesetz, das Schü­lerbeihil­fengesetz 1983, das Bundesgesetz über die Förde­rung der Erwachse­nenbildung und des Volksbüchereiwesens aus Bundesmitteln, die Fernmeldege­bührenord­nung, das Rundfunkgebührengesetz, das ÖIAG-Gesetz 2000, das Poststruktur­gesetz, das Bundeshaushaltsgesetz, das Finanzausgleichsge­setz 2001, das Ka­tastro­phenfondsgesetz, das ASFINAG-Gesetz, das Schienen­infra­strukturfinan­zie­rungsgesetz, das Ausfuhrfinanzierungsförderungsge­setz 1981, das Ausfuhr­förderungsgesetz 1981, das Bundesfinanzierungsgesetz, das Glücksspielge­setz, das Pensionskassengesetz, das Einkommensteuerge­setz 1988, das Körper­schaftsteuergesetz 1988, das Umgründungssteuergesetz, das Umsatzsteuerge­setz 1994, das Gesundheits- und Sozialbereich-Beihilfengesetz 1996, das Be­wer­­tungsgesetz 1955, das Erbschafts- und Schen­kungssteuergesetz 1955, das Invest­mentfondsgesetz 1993, das Kraftfahr­zeugsteuergesetz 1992, das Straßen-


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benützungs­abgabegesetz, das Norm­verbrauchsabgabegesetz, das Elektrizitäts­abgabegesetz, das Erdgasabgabege­setz, das Energieabgabenvergütungs­ge­setz, das Mineralölsteuerge­setz 1995, die Bundesabgabenordnung, das Abga­benverwaltungsorganisationsgesetz, das Zollrechts-Durchführungsgesetz, das Pro­duktpirateriegesetz, das Bundesgesetz über die Bundesrechenzentrum GmbH, das Zivildienstgesetz 1986, das Gesetz betreffend die Anlegung von Ei­sen­bahnbüchern, die Wirkung der an einer Eisen­bahn eingeräumten Hypothekar­rechte und die bücherliche Sicherung der Pfand­rechte der Besitzer von Eisen­bahn-Prioritätsobligationen (Eisenbahnbuchgesetz), das Handels­gesetzbuch, das Bundespflegegeldgesetz, das Opferfürsorgegesetz, das Behinderten­einstellungs­gesetz, das Familienlastenausgleichsgesetz 1967, das Allgemeine Sozial­versi­che­rungsgesetz, das Gewerbliche Sozialversiche­rungsgesetz, das Bauern-So­zial­­ver­sicherungsgesetz, das Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetz, das Re­zeptpflichtgesetz, das Tierseuchengesetz, das Tierarzneimittel­kontroll­gesetz, die Stra­ßenverkehrsordnung 1960, das Inno­vations- und Technologie­fondsgesetz, das For­schungs- und Technologieförde­rungsgesetz, das Arbeitslo­sen­versicherungsge­setz 1977, das Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz, das Arbeitsmarktservicege­setz, das Insolvenz-Entgelt­si­cherungsgesetz, das Karenz­geldgesetz, das Arbeitsver­fassungsgesetz, das Bun­desimmobiliengesetz und das Marchfeldschlösser-Gesetz geändert, ein Bundes­gesetz über die Leistung eines besonderen Erstattungsbetrages anläss­lich der Aufnahme in ein Dienst­verhältnis zum Fürstentum Liechtenstein als Rich­ter oder Staatsanwalt, ein Luft­fahr­tent­schädigungsgesetz, ein Bundesgesetz über die Ver­gütung von Steuern an ausländische Vertretungsbehörden und ihre im diploma­tischen und berufs­konsularischen Rang stehenden Mitglieder (Internatio­nales Steuer­vergütungs­gesetz – IStVG), ein Kohleabgabegesetz; ein Bundesge­setz, mit dem vorü­bergehende Maßnahmen im Bereich des Strafaufschubs ge­troffen werden, und ein Bundesgesetz über den Nachkauf von Luftraumüberwa­chungsflugzeugen erlassen werden sowie das Bundesgesetz über den Beirat für die Statistik des Außenhandels beim Österreichischen Statistischen Zentralamt aufgehoben wird (Budgetbegleitge­setz 2003) (111 d. B.) ....................................................................................................................... 12

Redner:

Dr. Alfred Gusenbauer .......................................................................................  13, 374

Dkfm. Dr. Günter Stummvoll ...................................................................................... 17

Dr. Alexander Van der Bellen ..................................................................................... 21

Dr. Helene Partik-Pablé ......................................................................................  25, 296

Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel ..................................................................... 29

Dr. Josef Cap .......................................................................................................  34, 365

Dr. Michael Spindelegger ............................................................................................ 36

Dr. Eva Glawischnig .................................................................................................... 39

Mag. Dr. Magda Bleckmann ...............................................................................  41, 327

Vizekanzler Mag. Herbert Haupt ................................................................................. 43

Doris Bures ................................................................................................................... 46

Fritz Grillitsch ............................................................................................................... 48

Mag. Werner Kogler ..................................................................................................... 49

Sigisbert Dolinschek .................................................................................................... 51

Bundesminister Mag. Karl-Heinz Grasser ................................................................ 52

Dr. Christoph Matznetter ............................................................................................. 55

Walter Murauer ............................................................................................................. 57

Dr. Peter Pilz ................................................................................................................. 58

Maximilian Walch ................................................................................................  59, 258

Heidrun Silhavy ............................................................................................................ 60

Mag. Walter Tancsits ................................................................................................... 62

Dr. Evelin Lichtenberger ............................................................................................. 63

Klaus Wittauer .............................................................................................  65, 166, 303


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20. Sitzung / Seite 5

Peter Schieder .............................................................................................................. 67

Johann Kurzbauer ........................................................................................................ 68

Sabine Mandak ............................................................................................................. 69

Dipl.-Ing. Elke Achleitner ............................................................................................. 71

Dr. Caspar Einem ......................................................................................................... 72

Dr. Reinhold Mitterlehner ............................................................................................ 74

Dipl.-Ing. Wolfgang Pirklhuber ..........................................................................  76, 308

Mares Rossmann ................................................................................................  78, 286

Josef Broukal ................................................................................................................ 80

Edeltraud Lentsch ........................................................................................................ 81

Dieter Brosz .........................................................................................................  83, 337

Otto Pendl ..................................................................................................................... 85

Dr. Erwin Rasinger ....................................................................................................... 86

Heidemarie Rest-Hinterseer ..............................................................................  87, 294

Mag. Eduard Mainoni ..........................................................................................  89, 321

Mag. Christine Lapp ..................................................................................................... 91

Dr. Reinhold Lopatka ................................................................................................. 132

Mag. Ulrike Lunacek .................................................................................................. 134

Detlev Neudeck ........................................................................................................... 137

Karl Dobnigg ............................................................................................................... 138

Karlheinz Kopf ............................................................................................................ 140

Theresia Haidlmayr ...........................................................................................  141, 302

Anton Wattaul ............................................................................................................. 143

Walter Schopf ............................................................................................................. 145

Karl Freund ................................................................................................................. 146

Dr. Kurt Grünewald ...........................................................................................  147, 275

Barbara Rosenkranz .................................................................................................. 150

DDr. Erwin Niederwieser ........................................................................................... 152

Mag. Cordula Frieser ................................................................................................. 153

Mag. Terezija Stoisits ........................................................................................  154, 283

Astrid Stadler .............................................................................................................. 156

Heidrun Walther ......................................................................................................... 158

Dipl.-Ing. Maximilian Hofmann ........................................................................  159, 313

Mag. Brigid Weinzinger ....................................................................................  160, 267

Mag. Dr. Josef Trinkl .................................................................................................. 163

Christian Faul ............................................................................................................. 164

Ing. Kurt Gartlehner ................................................................................................... 167

Christine Marek .......................................................................................................... 168

Mag. Hans Moser ....................................................................................................... 169

Ing. Hermann Schultes .............................................................................................. 170

Mag. Kurt Gaßner ....................................................................................................... 171

Barbara Riener ........................................................................................................... 172

Heinz Gradwohl .......................................................................................................... 173

Mag. Dr. Alfred Brader .............................................................................................. 175

Mag. Dietmar Hoscher ............................................................................................... 176

Mag. Peter Michael Ikrath .......................................................................................... 177

Mag. Melitta Trunk ..................................................................................................... 178

Franz Glaser ................................................................................................................ 180

Dkfm. Dr. Hannes Bauer ........................................................................................... 181

Carina Felzmann ........................................................................................................ 183

Josef Broukal (tatsächliche Berichtigung) ................................................................. 184

Kai Jan Krainer ........................................................................................................... 184

Christoph Kainz .......................................................................................................... 186

Mag. Walter Posch ..................................................................................................... 187

Peter Haubner ............................................................................................................. 188

Rainer Wimmer .......................................................................................................... 189


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20. Sitzung / Seite 6

Herta Mikesch ............................................................................................................. 191

Anton Wattaul (tatsächliche Berichtigung) ................................................................. 192

Kurt Eder ..................................................................................................................... 192

Dipl.-Ing. Uwe Scheuch ....................................................................................  194, 277

Peter Marizzi ............................................................................................................... 195

Anton Gaál .................................................................................................................. 197

Marianne Hagenhofer ................................................................................................ 198

Dipl.-Ing. Werner Kummerer ..................................................................................... 199

Katharina Pfeffer ........................................................................................................ 200

Rudolf Parnigoni ........................................................................................................ 201

Stefan Prähauser ........................................................................................................ 202

Hermann Krist ............................................................................................................ 204

Kai Jan Krainer (tatsächliche Berichtigung) ............................................................... 205

Anton Heinzl ............................................................................................................... 205

Petra Bayr ................................................................................................................... 206

Friedrich Verzetnitsch ............................................................................................... 209

Jakob Auer .................................................................................................................. 213

Karl Öllinger .......................................................................................................  221, 367

Dr. Reinhard Eugen Bösch ....................................................................................... 225

Bundesminister Dr. Martin Bartenstein .................................................................. 228

Gabriele Heinisch-Hosek ........................................................................................... 233

Ridi Steibl .................................................................................................................... 235

Michaela Sburny ......................................................................................................... 238

Sigisbert Dolinschek .................................................................................................. 240

Staatssekretärin Ursula Haubner ............................................................................. 249

Mag. Andrea Kuntzl ................................................................................................... 252

Matthias Ellmauer ...................................................................................................... 254

Dr. Gabriela Moser ..................................................................................................... 256

Bundesministerin Maria Rauch-Kallat .................................................................... 261

Mag. Barbara Prammer ............................................................................................. 263

Mag. Karin Hakl .......................................................................................................... 265

Josef Bucher ............................................................................................................... 270

Rudolf Nürnberger ..................................................................................................... 271

Georg Keuschnigg ..................................................................................................... 274

Renate Csörgits .......................................................................................................... 279

Karl Öllinger (tatsächliche Berichtigung) ................................................................... 280

Karl Dobnigg (tatsächliche Berichtigung) .................................................................. 281

Mag. Elisabeth Scheucher-Pichler ........................................................................... 281

Franz Riepl .................................................................................................................. 287

Karl Donabauer .......................................................................................................... 292

Heidrun Silhavy (tatsächliche Berichtigung) .............................................................. 298

Erika Scharer .............................................................................................................. 298

Dietmar Keck (tatsächliche Berichtigung) .................................................................. 299

Dipl.-Ing. Mag. Roderich Regler ............................................................................... 300

Dietmar Keck ........................................................................................................... ... 305

Helga Machne ............................................................................................................. 307

Mag. Elisabeth Grossmann ...................................................................................... 315

Ing. Norbert Kapeller .................................................................................................. 317

Georg Oberhaidinger ................................................................................................. 318

Ulrike Königsberger-Ludwig .................................................................................... 322

Susanne Wegscheider ............................................................................................... 324

Bettina Stadlbauer (tatsächliche Berichtigung) ......................................................... 325

Gerhard Steier ............................................................................................................ 325

Dr. Christian Puswald ................................................................................................ 328

Konrad Steindl ............................................................................................................ 330

Bettina Stadlbauer ..................................................................................................... 332


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20. Sitzung / Seite 7

Michael Praßl .............................................................................................................. 333

Gabriele Binder .......................................................................................................... 335

Gabriele Tamandl ....................................................................................................... 336

Fritz Neugebauer ........................................................................................................ 342

Mag. Gisela Wurm ...................................................................................................... 344

Martin Preineder ......................................................................................................... 345

Dr. Johannes Jarolim ................................................................................................ 346

August Wöginger ....................................................................................................... 348

Mag. Ruth Becher ...................................................................................................... 349

Johann Ledolter ......................................................................................................... 350

Anita Fleckl ................................................................................................................. 351

Silvia Fuhrmann ......................................................................................................... 352

Mag. Christine Muttonen ........................................................................................... 353

Manfred Lackner ........................................................................................................ 354

Beate Schasching ...................................................................................................... 355

Mag. Ulrike Sima ........................................................................................................ 356

Ing. Erwin Kaipel ........................................................................................................ 357

Erwin Spindelberger .................................................................................................. 358

Gerhard Reheis .......................................................................................................... 359

Rosemarie Schönpass .............................................................................................. 360

Dr. Robert Rada .......................................................................................................... 361

Dr. Peter Wittmann .................................................................................................... 362

Herbert Scheibner ...................................................................................................... 363

Mag. Wilhelm Molterer .............................................................................................. 373

Herbert Scheibner (tatsächliche Berichtigung) .......................................................... 376

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Wilhelm Molterer, Herbert Scheib­ner, Kolleginnen und Kollegen betreffend einheitliches Pensionsrecht für alle Er­werbstätigen – Annahme (E 8) (namentliche Abstimmung) ........................................................................................................ 218, 388

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Alfred Gusenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Pensionen, die harmonisiert, fair, sicher und gerecht sind – Ableh­nung (namentliche Abstimmung)         289, 390

Entschließungsantrag der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend ein gerechtes Pensionssystem – Ablehnung .............................................................................  371, 392

Annahme des Gesetzentwurfes (namentliche Abstimmung) ................................  376 ff.

2. Punkt: Bericht des Budgetausschusses über den Antrag 132/A der Abgeord­neten Mag. Wilhelm Molterer, Herbert Scheibner, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bezügegesetz, BGBl. Nr. 273/1972, und das Bundesbe­zügegesetz, BGBl. I Nr. 64/1997, geändert werden (116 d. B.) ............................................................................................................................. 392

Redner:

Dr. Josef Cap .............................................................................................................. 392

Mag. Wilhelm Molterer .............................................................................................. 393

Karl Öllinger ................................................................................................................ 395

Herbert Scheibner ...................................................................................................... 399

Christine Marek .......................................................................................................... 402

Mares Rossmann ....................................................................................................... 403

Karl Öllinger (tatsächliche Berichtigung) ................................................................... 404

Dipl.-Ing. Uwe Scheuch ............................................................................................. 405

Klaus Wittauer ............................................................................................................ 406

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 407

Annahme des Gesetzentwurfes ................................................................................... 408


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20. Sitzung / Seite 8

Eingebracht wurden

Petition .......................................................................................................................... 10

Petition betreffend „Wer ist Eigentümer des Staatswaldes“ (Ordnungsnummer 8) (über­reicht vom Abgeordneten Dipl.-Ing. Uwe Scheuch)

Regierungsvorlagen ................................................................................................... 10

94: Bundesgesetz, mit dem das Luftfahrtgesetz geändert wird

95: Abkommen zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regie­rung der Republik Aserbaidschan über gegenseitige Amtshilfe und Zusammenar­beit in Zoll­sachen

97: Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über Immobilienfonds (Immobilien-In­vestmentfondsgesetz – ImmolnvFG) erlassen und mit dem das Bankwesenge­setz, das Investmentfondsgesetz 1993, das Kapitalmarktgesetz, das Wertpapier­auf­sichtsgesetz, das Betriebliche Mitarbeitervorsorgegesetz, das Pensionskas­sen­gesetz, das Finanz­marktaufsichtsbehördengesetz, das Einkommensteuerge­setz 1988 und das Körper­schaftsteuergesetz 1988 geändert werden

Antrag der Abgeordneten

Werner Amon, MBA, Mares Rossmann, DDr. Erwin Niederwieser, Dieter Brosz, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Unterrichtsprakti­kumsgesetz, BGBl. Nr. 145/1988, geändert wird (148/A)

Anfragen der Abgeordneten

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Büro für interne Angelegenheiten (BIA) – Aufgaben und Kompetenzen (499/J)

Mag. Andrea Kuntzl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Kunstförderung des Bundes (500/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betref­fend Eurofighter-Schiebung (501/J)


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20. Sitzung / Seite 9

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Gender Mainstreaming (502/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für auswär­tige Angelegenheiten betreffend Gender Mainstreaming (503/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend Gender Mainstreaming (504/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Gender Mainstreaming (505/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesund­heit und Frauen betreffend Gender Mainstreaming (506/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend Gender Mainstreaming (507/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Gender Mainstreaming (508/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landes­verteidigung betreffend Gender Mainstreaming (509/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Gender Mainstreaming (510/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Gender Mainstreaming (511/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Gender Mainstreaming (512/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Gender Mainstreaming (513/J)

Mag. Dietmar Hoscher, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirt­schaft und Arbeit betreffend TOP Tourismusförderung zur Schaffung von Personalun­terkünften (514/J)

Mag. Ulrike Lunacek, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für auswär­tige Angelegenheiten betreffend Nepal – Deportation tibetischer Flüchtlinge (515/J)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Verkauf der bundeseigenen Wohnungen (516/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Da­tenschutz bei Versicherungen (517/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Datenschutz bei Versicherungen (518/J)

Dipl.-Ing. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend massenhaftes Bie­nensterben in Europa (519/J)

Anfragebeantwortungen

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Kurt Grünewald, Kolleginnen und Kollegen (309/AB zu 304/J)

der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Kurt Grünewald, Kolleginnen und Kollegen (310/AB zu 307/J)

des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit auf die Anfrage der Abgeordneten Bet­tina Stadlbauer, Kolleginnen und Kollegen (311/AB zu 282/J)



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Beginn der Sitzung: 10 Uhr

Vorsitzende: Präsident Dr. Andreas Khol, Zweiter Präsident Dr. Heinz Fischer.

*****

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Die Sitzung ist eröffnet. Ich begrüße Sie alle sehr herz­lich, meine Damen und Herren.

Die Amtlichen Protokolle der 18. und 19. Sitzung vom 4. Juni 2003 sind in der Parla­mentsdirektion aufgelegen und unbeanstandet geblieben.

Für den heutigen Sitzungstag als verhindert gemeldet sind die Abgeordneten Dr. Jarolim und Dipl.-Ing. Prinzhorn.

Einlauf und Zuweisungen

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Hinsichtlich der eingelangten Verhandlungsgegen­stände und deren Zuweisungen verweise ich gemäß § 23 Abs. 4 der Geschäftsordnung auf die im Sitzungssaal verteilte Mitteilung.

Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

A) Eingelangte Verhandlungsgegenstände:

1. Schriftliche Anfragen: 499/J und 500/J.

2. Anfragebeantwortungen: 309/AB bis 311/AB.

3. Regierungsvorlagen:

Bundesgesetz, mit dem das Luftfahrtgesetz geändert wird (94 der Beilagen),

Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über Immobilienfonds (Immobilien-Invest­mentfondsgesetz – ImmolnvFG) erlassen und mit dem das Bankwesengesetz, das Investmentfondsgesetz 1993, das Kapitalmarktgesetz, das Wertpapierauf­sichtsgesetz, das Betriebliche Mitarbeitervorsorgegesetz, das Pensionskassen­gesetz, das Finanz­marktaufsichtsbehördengesetz, das Einkommensteuergesetz 1988 und das Körper­schaft­steuergesetz 1988 geändert werden (97 der Beilagen).

B) Zuweisungen:

1. Zuweisungen seit der letzten Sitzung gemäß §§ 32a Abs. 4, 80 Abs. 1, 100 Abs. 4, 100b Abs. 1 und 100c Abs. 1:

Ausschuss für Petitionen und Bürgerinitiativen:

Petition Nr. 8 betreffend „Wer ist Eigentümer des Staatswaldes“; überreicht vom Abge­ordneten Dipl.-Ing. Uwe Scheuch.

2. Zuweisungen in dieser Sitzung:

zur Vorberatung:

Finanzausschuss:


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Abkommen zwischen der Regierung der Republik Österreich und der Regierung der Republik Aserbaidschan über gegenseitige Amtshilfe und Zusammenarbeit in Zollsa­chen (95 der Beilagen).

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Ankündigung einer Dringlichen Anfrage

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Die Abgeordneten Dr. Pilz, Kolleginnen und Kollegen haben das Verlangen gestellt, die vor Eingang in die Tagesordnung eingebrachte schriftliche Anfrage 501/J der Abgeordneten Dr. Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend „Eurofighter-Schiebung“ – so bezeichnet die den Antrag stellende Fraktion diesen Vorgang und diese Anfrage – dringlich zu behan­deln.

Gemäß der Geschäftsordnung wird die Dringliche Anfrage um 15 Uhr behandelt wer­den.

Wir gehen in die Tagesordnung ein.

Redezeitbeschränkung

 


Präsident Dr. Andreas Khol: In der Präsidialkonferenz wurde Konsens über Ge­staltung und Dauer der Debatten erzielt. Demgemäß wurde für den heutigen Sitzungs­tag sowie für den folgenden Sitzungstag am 11. Juni 2003 jeweils eine Tagesblockzeit von 10 „Wiener Stunden“ vereinbart, sodass sich folgende Redezeiten ergeben: ÖVP und SPÖ je 175 Minuten, Freiheitliche 120, Grüne 130 Minuten.

Weiters wurde folgende Redezeitvereinbarung für die heutige Debatte in der Zeit von 10 bis 13 Uhr, die vom Österreichischen Rundfunk übertragen wird, getroffen: Zu­nächst je eine Wortmeldung pro Fraktion mit je 15 Minuten, anschließend ein Regie­rungsmitglied mit 15 Minuten, sodann je eine Wortmeldung pro Fraktion mit je 8 Minu­ten, in weiterer Folge ein Regierungsmitglied mit 12 Minuten, danach je eine Wort­meldung pro Fraktion mit je 5 Minuten, anschließend ein Regierungsmitglied mit 10 Minuten und ferner je eine Wortmeldung pro Fraktion mit je 5 Minuten.

Für den morgigen Sitzungstag wurde folgende Redezeitvereinbarung für die Debatte in der Zeit von 9.05 Uhr bis 13 Uhr, die ebenfalls vom Österreichischen Rundfunk über­tragen wird, getroffen: Wortmeldung pro Fraktion je 15 Minuten, Regierungsmitglied 15 Minuten, Wortmeldung pro Fraktion 10 Minuten, Regierungsmitglied 12 Minuten, Wortmeldung pro Fraktion 8 Minuten, Regierungmitglied 10 Minuten, Wortmeldung pro Fraktion 7 Minuten und ferner je eine Wortmeldung pro Fraktion mit je 5 Minuten.

Für beide Sitzungstage wird die restliche Redezeit bis 13 Uhr von dem den Vorsitz führenden Präsidenten vor Beginn der letzten Runde auf die vier Fraktionen in der Weise verteilt, dass noch alle Fraktionen gleichmäßig zu Wort kommen.

Weiters besteht Einvernehmen darüber, dass an beiden Sitzungstagen tatsächliche Berichtigungen erst nach 13 Uhr aufgerufen werden.

Wir kommen sogleich zur Abstimmung.

Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Vorschlag zustimmen, um ein diesbezüg­liches Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen.

Nach Rücksprache mit der Präsidialkonferenz schlage ich vor, dass die Redezeit eines jeden Abgeordneten in der Debatte über den Tagesordnungspunkt 1, Budgetbegleitge-


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setz 2003, auf 30 Minuten verlängert wird. Die Redezeitvereinbarung während der Fernsehübertragung wird davon nicht berührt.

Ich ersuche jene Damen und Herren, die diesem Vorschlag beitreten, um ein diesbe­zügliches Zeichen. – Das ist wiederum einstimmig angenommen.

1. Punkt  

Bericht des Budgetausschusses über die Regierungsvorlage (59 der Beilagen): Bundesgesetz, mit dem das Bundesstatistikgesetz 2000, das Bundes-Sport­för­derungsgesetz, das Presseförderungsgesetz 1985, das Publizistikförde­rungs­ge­setz 1984, das KommAustria-Gesetz, das Privatfernsehgesetz, das Par­teien­ge­setz, das Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979, das Gehaltsgesetz 1956, das Ver­trags­bedienstetengesetz 1948, das Richterdienstgesetz, das Landeslehrer-Dienst­rechtsgesetz 1984, das Land- und forstwirtschaftliche Landeslehrer-Dienst­rechtsgesetz 1985, das Bundeslehrer-Lehrverpflichtungsgesetz, das Pen­sionsgesetz 1965, das Bundestheaterpensionsgesetz, das Teilpensionsgesetz, das Verfassungsgerichtshofgesetz 1953, das Bundesbahn-Pensionsgesetz, das Bun­desbahngesetz 1992, das Bundesbediensteten-Sozialplangesetz, das Schü­lerbeihilfengesetz 1983, das Bundesgesetz über die Förderung der Erwachse­nenbildung und des Volksbüchereiwesens aus Bundesmitteln, die Fernmeldege­bührenordnung, das Rundfunkgebührengesetz, das ÖIAG-Gesetz 2000, das Post­strukturgesetz, das Bundeshaushaltsgesetz, das Finanzausgleichsgesetz 2001, das Katastrophenfondsgesetz, das ASFINAG-Gesetz, das Schieneninfra­struk­tur­finanzierungsgesetz, das Ausfuhrfinanzierungsförderungsgesetz 1981, das Aus­fuhr­förderungsgesetz 1981, das Bundesfinanzierungsgesetz, das Glücksspiel­ge­setz, das Pensionskassengesetz, das Einkommensteuergesetz 1988, das Körper­schaftsteuergesetz 1988, das Umgründungssteuergesetz, das Umsatzsteuer­ge­setz 1994, das Gesundheits- und Sozialbereich-Beihilfengesetz 1996, das Bewer­tungs­gesetz 1955, das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz 1955, das In­vest­mentfondsgesetz 1993, das Kraftfahrzeugsteuergesetz 1992, das Straßen­be­nützungsabgabegesetz, das Normverbrauchsabgabegesetz, das Elek­trizitätsab­gabegesetz, das Erdgasabgabegesetz, das Energieabgabenvergü­tungsgesetz, das Mineralölsteuergesetz 1995, die Bundesabgabenordnung, das Abgaben­ver­waltungsorganisationsgesetz, das Zollrechts-Durchführungsgesetz, das Pro­dukt­pirateriegesetz, das Bundesgesetz über die Bundesrechenzentrum GmbH, das Zivildienstgesetz 1986, das Gesetz betreffend die Anlegung von Ei­sen­bahnbüchern, die Wirkung der an einer Eisenbahn eingeräumten Hypothekar­rechte und die bücherliche Sicherung der Pfandrechte der Besitzer von Eisen­bahn-Prioritätsobligationen (Eisenbahnbuchgesetz), das Handelsgesetzbuch, das Bundespflegegeldgesetz, das Opferfürsorgegesetz, das Behinderteneinstel­lungsgesetz, das Familienlastenausgleichsgesetz 1967, das Allgemeine Sozial­ver­sicherungsgesetz, das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz, das Bauern-Sozialversicherungsgesetz, das Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsge­setz, das Rezeptpflichtgesetz, das Tierseuchengesetz, das Tierarzneimittelkon­trollgesetz, die Straßenverkehrsordnung 1960, das Innovations- und Technolo­giefondsgesetz, das Forschungs- und Technologieförderungsgesetz, das Ar­beitslosenversicherungsgesetz 1977, das Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungs­ge­setz, das Arbeitsmarktservicegesetz, das Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz, das Karenzgeldgesetz, das Arbeitsverfassungsgesetz, das Bundesimmobilien­ge­setz und das Marchfeldschlösser-Gesetz geändert, ein Bundesgesetz über die Leistung eines besonderen Erstattungsbetrages anlässlich der Aufnahme in ein Dienstverhältnis zum Fürstentum Liechtenstein als Richter oder Staatsanwalt, ein Luftfahrtentschädigungsgesetz, ein Bundesgesetz über die Vergütung von


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Steuern an ausländische Vertretungsbehörden und ihre im diplomatischen und berufskonsularischen Rang stehenden Mitglieder (Internationales Steuervergü­tungsgesetz – IStVG), ein Kohleabgabegesetz; ein Bundesgesetz, mit dem vorü­bergehende Maßnahmen im Bereich des Strafaufschubs getroffen werden, und ein Bundesgesetz über den Nachkauf von Luftraumüberwachungsflugzeugen erlassen werden sowie das Bundesgesetz über den Beirat für die Statistik des Außenhandels beim Österreichischen Statistischen Zentralamt aufgehoben wird (Budgetbegleitgesetz 2003) (111 der Beilagen)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen nun zu Punkt 1 der Tagesordnung.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Dr. Alfred Gusenbauer. Seine Redezeit beträgt vereinbarungsgemäß 15 Minuten. – Herr Abgeordneter, Sie haben das Wort. (Abg. Dr. Gusenbauer begibt sich mit einem Paket an Petitionen an den Nationalrat betreffend Pensionsreform, das mit einem rot-weiß-roten Band verschnürt ist, zum Rednerpult. – Abg. Großruck: Spargelrezepte sind da drinnen!)

 


10.05

Abgeordneter Dr. Alfred Gusenbauer (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Mitglieder der Bundesregierung! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Herr Bundeskanzler hat vergangene Woche bei der Diskussion zur Pensionsreform darauf hingewiesen, dass in Österreich schon in den achtziger Jahren tief greifende Pensions­reformen gefordert wurden. – Ich verweise darauf, dass die letzte Pensionsreform, da­tiert aus dem Jahre 2000, noch nicht einmal drei Jahre alt ist – und der Herr Bundes­kanzler hat im Jahre 2002 gemeint, diese Pensionsreform werde die Pensionen auf Jahrzehnte in Österreich sichern.

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die aktuelle Debatte zeigt, dass das, was auf Jahrzehnte gelten sollte, für den Herrn Bundeskanzler offensichtlich nicht einmal drei Jahre gehalten hat! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen.)

Frau Bundesministerin Rauch-Kallat hat noch in der Wahlauseinandersetzung im ver­gangenen Herbst gesagt, es stehe in dieser Legislaturperiode keine Erhöhung des Pensionsalters nach langer Versicherungszeit an. – Was die Regierung nun vorlegt, ist jedoch eine ganz massive Erhöhung des Pensionsalters nach langer Versicherungs­zeit. Die Versprechungen der Frau Rauch-Kallat haben keine drei Jahre, ja nicht ein­mal wenige Monate gehalten! Das ist die Wahrheit, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen.)

Trotz all dieser Ankündigungen, die eigentlich die österreichische Bevölkerung darauf einstellen sollten, dass in der Frage der Pensionsreform längere Zeit nichts geschehen wird, gibt es eine große Bereitschaft in der österreichischen Bevölkerung zu einer Pen­sionsreform, und zwar dann, wenn eine solche dazu führt, dass die Pensionen langfris­tig finanzierbar sind, die Pensionsgerechtigkeit erhöht und damit auch der Lebensstan­dard der Menschen im Alter gesichert wird.

Das Problem ist nur: Die von der Bundesregierung vorgelegte Pensionsreform ist keine Pensionsreform, sondern eine höchst einseitige Pensionskürzung – und daher wird sie von der österreichischen Bevölkerung auch abgelehnt, meine Damen und Herren. (Bei­fall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen.)

Die so genannten Eckpunkte dieser Pensionskürzungsreform bedeuten, dass die Pen­sionen nach langer Versicherungsdauer abgeschafft werden, dass Menschen, die in den nächsten Jahren in Pension gehen, damit rechnen müssen, dass ihre Pensionen um 10 bis 12 Prozent gekürzt werden (Abg. Großruck: Falsch!), dass jene Menschen, die heute unter 40 sind, damit rechnen müssen, dass sie irgendwann einmal nur Pen-


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sionen erhalten, die um 30 Prozent geringer sein werden als das bisherige Pensionsni­veau. (Abg. Großruck: Auch falsch! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Entgegen den Ankündigungen greift die Regierung auch in bestehende Pensionen ein (Abg. Großruck: Auch falsch!), denn für alle Menschen, die eine Pension von über 650 € pro Monat haben – das ist noch immer weniger als 10 000 S –, wird es im nächs­ten Jahr keinen Wertausgleich mehr geben, sondern ausschließlich eine Abschlags­zahlung, und damit werden, und zwar ab den kleinsten Pensionen, die Pensionen der Österreicherinnen und Österreicher entwertet, meine sehr verehrten Damen und Her­ren! (Beifall bei der SPÖ sowie bei den Grünen. – Rufe bei der ÖVP: Auch falsch!)

Entgegen den öfters getroffenen Ankündigungen gibt es auch keine Dauerregelung für Nachtschicht- und Schwerarbeiter, und – eines Ihrer Lieblingsthemen – all das, was die Menschen durch die staatliche Pensionsversicherung verlieren, soll durch die zweite und dritte Säule ausgeglichen werden. Auch da gibt es einen ganz massiven Eingriff: Durch Ihre Veränderung bei den Pensionskassen und den Mindestverzinsungsgaran­tien erfahren zwischen 350 000 und 400 000 Österreicherinnen und Österreicher, die Pensionen aus der zweiten Säule – sprich: aus Pensionskassen – erhalten würden, eine Kürzung ihres Pensionseinkommens! Damit schwächen Sie – entgegen Ihren An­kündigungen! – die zweite Säule! Das heißt, die erste Säule wird gekürzt und die zwei­te Säule geschwächt. – Das ist kein Pensionsreformmodell, meine sehr verehrten Da­men und Herren! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen.)

Sie von ÖVP und FPÖ haben bei Ihrem Eingriff in bestehende Pensionen angefangen bei Pensionisten mit 650 € pro Monat, haben aber gleichzeitig einen Solidarbeitrag für diejenigen abgelehnt, die heute hohe und höchste Pensionen beziehen. – Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn man sozial gerecht und fair vorgegangen wäre, dann hätte man die Pensionen von Klein- und Kleinstpensionsbeziehern auch in den künftigen Jahren mit einem Wertausgleich erhöht und hätte anstatt dessen diejenigen, die über hohe und höchste Pensionen verfügen, zu einem 10-prozentigen Solidaritäts­beitrag herangezogen. Das wäre bedeutend fairer gewesen als Ihre jetzige Vorgangs­weise, meine sehr verehrten Damen und Herren von ÖVP und FPÖ! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen.)

Sie von den Koalitionsparteien haben bei den Politikerpensionen am Anfang mit einer so genannten Trägerrakete operiert, die nichts anderes als die Neueinführung von Frühpensionierungsregelungen für Politiker bedeutet hätte. (Rufe bei ÖVP und Frei­heitlichen: Falsch!) Erst nach massivem öffentlichem Druck und einer massiven öffent­lichen Debatte waren Sie bereit, auch bei den Politikern Solidarbeiträge einzuführen. Hätte es diesen massiven Widerstand nicht gegeben, wären Sie wahrscheinlich die Privilegierten dieser Pensionsreform gewesen (Abg. Scheibner: Es ist ungeheuerlich, was Sie da sagen!), während die Menschen eben Pensionskürzungen zu gewärtigen hätten! (Widerspruch bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Das zeichnet den Charakter Ihrer Pensionskürzungsreform aus, meine Damen und Herren von ÖVP und FPÖ! (Bei­fall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen. – Abg. Scheibner: Das sagen gerade Sie, der ...!)

Der wesentliche Teil zur Erreichung einer Pensionsgerechtigkeit, nämlich eine Harmo­nisierung der bestehenden Pensionssysteme, ist weiterhin auf die lange Bank gescho­ben. Außer einer müden Absichtserklärung liegt bis zum heutigen Tag kein Vorschlag von Ihnen auf dem Tisch, wie die Harmonisierung der Pensionssysteme aussehen soll. Daher verzichten Sie offensichtlich auf jeglichen Beitrag einer Hamonisierung zum Zwecke der Pensionssicherung.

So lange die österreichischen Pensionssysteme nicht harmonisiert sind, wird es auch keine Pensionsgerechtigkeit geben – und darüber sind die Menschen in Österreich zu


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Recht erbost, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen.)

Ganz offensichtlich ist das wesentlichste Ziel dieser Pensionskürzungen, dass im Jah­re 2006 eine ganz massive Menge Geldes ins Budget kommt. Jeder stellt sich daher die Frage: Wofür wird so dringend so viel Geld gebraucht?, denn der Beitrag des Bun­des im Verhältnis zum Volkseinkommen wird bis zum Jahre 2006 für Pensionen nicht steigen. Das heißt, das Geld wird offensichtlich für etwas anderes verwendet. (Abg. Mag. Hakl: Für die Universitäten!) – Die Universitäten bekommen leider keinen einzi­gen Euro mehr, Frau Kollegin Hakl! Auch das ist ein Punkt, den man bei diesem Bud­getbegleitgesetz betonen sollte. (Beifall bei der SPÖ sowie bei den Grünen. – Neuerli­cher Zwischenruf der Abg. Mag. Hakl.)

Vergangenen Herbst sagten Sie von den Koalitionsparteien, dass der Ankauf von Ab­fangjägern nicht aus dem Budget finanziert werden wird. – Es hat sich jedoch heraus­gestellt: Das gesamte Geld kommt aus dem Budget! (Abg. Murauer: No na!) Sie ha­ben gesagt, der Abfangjägerkauf werde durch eine Wirtschaftsplattform finanziert. – Von einer solchen ist heute nichts zu sehen!

Weiters haben Sie gesagt, dass man die Luftraumüberwachung nicht mit geleasten oder geborgten Flugzeugen durchführen könne. – Nun aber sehen Sie das selbst für die Zeit von 2005 bis 2007 vor! (Abg. Scheibner: Das sind lediglich zwei Jahre! – Wei­terer Zwischenruf bei den Freiheitlichen.)

Während in Deutschland bereits eine Diskussion darüber beginnt, ob wegen strategi­scher Überalterung dieses Eurofighter-Projekt gestoppt werden soll, kauft die österrei­chische Bundesregierung die teuersten und noch nicht ausgereiften Kampfflugzeuge für das österreichische Bundesheer. (Abg. Scheibner: Sie wollten noch teurer kaufen!) Genau mit diesem Ankauf werden jene Budgetlöcher aufgerissen, die dann durch die Kürzung der Pensionen geschlossen werden sollen! Meine Damen und Herren von ÖVP und FPÖ, das ist bezeichnend für Ihre Politik! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Ab­geordneten der Grünen. – Abg. Scheibner: Eine Frechheit ist das, was Sie da sagen! Die unterste Schublade, in die Sie da greifen!)

Der ehemalige Verteidigungsminister Scheibner gehört ja einer Partei an, die im ver­gangenen Herbst noch plakatiert hat: Abfangjägerankauf gestoppt! (Abg. Scheibner: Ich habe das gesagt? – Wirklich nicht!) Herr Abgeordneter Scheibner, was ist aus die­sem Stopp geworden? (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Scheibner.) Wie treu sind Sie von der FPÖ Ihren Wahlversprechungen geblieben? Wie viel Wert legen Sie über­haupt darauf, dass in den gesamten Beschaffungsvorgang für die Abfangjäger Licht kommt, wenn Sie nicht einmal bereit sind, einen Prüfungsbericht des Rechnungshofes abzuwarten?! Hier wird Schlimmes vermutet – und offensichtlich geht es Ihnen um das Vertuschen und das Verschweigen von unter Umständen vermuteten Unregelmäßig­keiten in diesem Zusammenhang! Bei einem ordentlichen Beschaffungsvorgang – wenn Sie schon die Abfangjäger wollen – hätte man zumindest auf den Prüfungsbe­richt des Rechnungshofes gewartet, meine sehr verehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen.)

Bei den Pensionen ist es so wie bei den Abfangjägern: All das, was vor der Wahlaus­einandersetzung gesagt wurde, zählt am Tag der Wahl nichts mehr! Und dasselbe ist auch gültig für andere Teile des Budgetbegleitgesetzes: wie zum Beispiel die Gesund­heitsreform. Erst vor kurzem wurde die Tabaksteuer erhöht, mit dem richtigen Hinweis: Das soll zweckgewidmet werden für das Gesundheitssystem! – Nun aber, mit diesem Budgetbegleitgesetz, schaffen Sie die Zweckbindung der Tabaksteuer für das Ge­sundheitssystem wieder ab. Das heißt, diese Bundesregierung vergrößert sogar noch die Finanzierungslöcher im Krankenversicherungssystem, verkleinert sie also keines-


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falls, und damit führen Sie die österreichischen Krankenversicherungen und damit die Garantien für das Gesundheitssystem in eine schwere Finanzkrise! Das ist genau der falsche Schritt, meine sehr verehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen.)

Was in diesem Gesetz noch diplomatisch formuliert ist, nämlich dass Selbstbehalte im Gesundheitssystem ab dem Jahre 2005 eingeführt werden sollen, heißt doch in der Praxis nichts anderes als das – wenn man Ihren Ankündigungen glauben darf, dass es in Zukunft in unserem Gesundheitssystem einen Selbstbehalt von 20 Prozent geben soll –, dass genau jene Menschen, die jetzt schon durch massive Kürzungen ihrer Pensionen getroffen werden, im Jahre 2005 ein zweites Mal zur Kasse gebeten wer­den, wenn Sie von den Koalitionsparteien Selbstbehalte im Gesundheitssystem einfüh­ren. (Zwischenruf bei der ÖVP.)

Damit findet ein ganz dramatischer Einschnitt in unseren Sozialstaat statt, ein Anschlag auf das, was Österreich wirklich groß gemacht hat, nämlich die solidarische Versiche­rungsgemeinschaft, in der alle Menschen dafür aufkommen, dass wir Gesundheit und Arbeitslosigkeit sowie Unfälle solidarisch finanzieren. – Sie von ÖVP und FPÖ indivi­dualisieren mit diesen Maßnahmen das Risiko, und das ist der falsche Weg, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grünen. – Meh­rere SPÖ-Abgeordnete begeben sich Richtung Rednerpult und deponieren neben die­sem zahlreiche Pakete, alle mit einem rot-weiß-roten Band verschnürt, beinhaltend Petitionen an den Nationalrat betreffend Pensionsreform. – Rufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen: Das wird dort gleich umfallen! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich mache Ihnen, Herr Bundeskanzler, einen solidarischen Vorschlag: Wenn Sie sich so sicher sind, dass Ihre Pensionsreform eine sozial gerechte ist, wenn Sie der Mei­nung sind, dass Ihre Pensionsreform dazu führt, dass die österreichische Bevölkerung dem zustimmen kann, wieso unterziehen wir dann diese Pensionsreform nicht einer Volksabstimmung?! Über 400 000 Menschen fordern in einer Bürgerinitiative, in einer Petition an den Nationalrat, dass das letzte Wort über die Pensionskürzungen nicht durch den Nationalrat gesprochen wird, sondern dass das letzte Wort die österreichi­sche Bevölkerung in einer Volksabstimmung hat. (Beifall bei der SPÖ sowie bei den Grünen. – Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich verstehe die Aufregung vor allem in den Reihen der FPÖ, Frau Abgeordnete Partik-Pablé, waren es doch Sie von der FPÖ, die Sie monatelang gesagt haben: Am Ende soll es eine Volksabstimmung über die Pensionskürzungsreform geben! – Über 400 000 Menschen fordern nun diese Volksabstimmung, und morgen – eine Stunde der Wahrheit! – werden die Abgeordneten der FPÖ die Möglichkeit haben, zu zeigen, ob sie auf der Seite des Volkes, ob sie zu ihren eigenen Vorschlägen der letzten Mona­te stehen – oder ob sie wieder liegend umfallen und ihrem Regierungspartner ÖVP folgen. Diese Entscheidung wird Ihnen niemand ersparen, meine sehr verehrten Da­men und Herren von der FPÖ! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der Grü­nen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Schlusssatz, Herr Abgeordneter! Ihre Redezeit ist zu Ende!

 


Abgeordneter Dr. Alfred Gusenbauer (fortsetzend): Lassen wir daher in einer Volks­abstimmung die Qualität der Argumente sprechen! Zeigen Sie, dass Sie bereit sind, sich der Bevölkerung zu stellen! (Unter lang anhaltendem Beifall der SPÖ über­reicht Abg. Dr. Gusenbauer dem den Vorsitz führenden Präsidenten Dr. Khol ein Pa­ket mit Unterschriftslisten, an den Nationalrat gerichtet.)

10.20

 



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Präsident Dr. Andreas Khol: Ich bitte die Parlamentsbediensteten, die Unterschrifts­listen in die Nationalratskanzlei zu bringen.

Ich erteile Herrn Abgeordnetem Dr. Stummvoll das Wort. Redezeit: 15 Minuten. – Bitte. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Die SPÖ-Abgeordneten sollen das wegräumen!)

 


10.21

Abgeordneter Dkfm. Dr. Günter Stummvoll (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundes­kanzler! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Herr Kollege Gusenbauer, ich kann Sie verstehen. Sie sind seit vielen Wochen mit dem Wunsch Ihres Klubs konfrontiert, Ihre Mandatare wollen auch einmal eine „tra­gende Rolle“ haben. Sie haben ihnen diese „tragende Rolle“ heute verpasst. (Beifall und Heiterkeit bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Lebhafter Widerspruch bei der SPÖ. – Abg. Reheis: Sie verhöhnen das Volk! 400 000 Menschen! – Weitere Zwi­schenrufe der Abgeordneten Mag. Posch, Eder, Mag. Wurm und Reheis.)

Herr Präsident, ich darf allerdings um Folgendes bitten: Ich würde dafür plädieren, dass die Abgeordneten der SPÖ diese „tragende Rolle“ fortsetzen und die Pakete selbst wieder hinaustragen, damit nicht die Mitarbeiter des Hauses damit belastet wer­den! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Eine kleine Anregung von mir. (Leb­hafte Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Was die Glaubwürdigkeit des Kollegen Gusenbauer betrifft, darf ich nur auf Folgendes verweisen – diese Zitate wurden ja hier im Hohen Haus schon mehrmals verlesen –: Noch im Jänner dieses Jahres hat sich Kollege Gusenbauer dazu bekannt, dass die Frühpensionen auslaufen sollen; ebenso hat er sich zu Einsparungen von 1 Milliarde Schilling beim Pensionsbeitrag bekannt. (Anhaltende Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Herr Kollege Gusenbauer, Sie haben sich auch zu Eingriffen in bestehende Pensionen ab der ASVG-Höchstbeitragsgrundlage bekannt. Herr Kollege Gusenbauer! Für mich haben Sie in diesen Fragen keine Glaubwürdigkeit! (Beifall bei der ÖVP und den Frei­heitlichen.)

Meine Damen und Herren! Wenn wir dieses Budgetbegleitgesetz 2003 mit insgesamt 90 Gesetzesvorlagen heute und morgen hier im Hohen Haus sehr intensiv diskutieren und debattieren, dann steht über diesem gesamten Paket eine große Überschrift: Ver­antwortung für die Zukunft. – Meine Damen und Herren! Das ist die Politik dieser Bun­desregierung: Verantwortung für die Zukunft! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitli­chen.)

Meine Damen und Herren! Ich möchte auch eines sehr deutlich sagen: Es hätten diese Regierung und wir von den Regierungsfraktionen ein viel schöneres Leben, ein viel leichteres Leben, wenn wir all das nicht umsetzen würden, wenn wir es etwa so ma­chen würden wie die Bundeskanzler Vranitzky und Klima (Zwischenrufe bei der SPÖ), die den Menschen Sand in die Augen gestreut und die wahre Problematik nicht aufge­zeigt haben, die die warnenden Rufe von Klubobleuten wie Sepp Wille im Jahre 1986 oder von Alfred Dallinger von der Gewerkschaftsseite, ebenfalls in den achtziger Jah­ren, die all diese dringenden Appelle nach einer Pensionsreform einfach zur Seite ge­schoben haben.

Ich rechne es diesem Bundeskanzler, Dr. Wolfgang Schüssel, und auch Vizekanzler Haupt sehr hoch an, dass sie bewusst gesagt haben: Wir wollen nicht die Strategie von Vranitzky und Klima fortsetzen und den Menschen Sand in die Augen streuen, sondern wir bekennen uns zu einer Politik der Ehrlichkeit, wir haben den Mut zur Wahrheit, und wir haben Vertrauen in den gesunden Menschenverstand unserer Bürgerinnen und Bürger, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Mag. Posch: Genau! Ehrlichkeit beim Stummvoll – die kennen wir! – Weitere Zwi-


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schenrufe bei der SPÖ.) Und noch so laute Zwischenrufe können eine Pensionssiche­rungsreform nicht ersetzen, meine Damen und Herren. (Abg. Reheis auf die Pakete mit den Unterschriftenlisten neben dem Rednerpult weisend –: Das sind die „Zwischen­rufe“! 400 000 Menschen!)

Sie können auch die Daten und Fakten nicht wegwischen, Herr Kollege Reheis. Und es bedeutet Zukunftsgestaltung, es bedeutet Verantwortung für die Zukunft, wenn wir mit diesem Paket diesen Daten und Fakten Rechnung tragen.

Was sind die Fakten? – Punkt 1: Die berühmte Formel 3 – 6 – 12. Was heißt das? – Im Vergleich zu 1970 tritt der Durchschnittsösterreicher drei Jahre später ins Erwerbsle­ben ein, das heißt ein drei Jahre späterer Beginn von Beitrags- und Steuerzahlungen. Mit sechs ist gemeint, er arbeitet insgesamt um sechs Jahre weniger als 1970. Und zwölf heißt: Auf Grund einer erfreulicherweise gestiegenen Lebenserwartung bezieht er die Pension zwölf Jahre länger. (Abg. Eder: Schönrednerei!)

Meine Damen und Herren! Wer hier glaubt oder vorgibt, mit einer „Pensionsreform light“ diese Probleme lösen zu können – ich nenne keine Namen, aber egal, wer das tut, den bezeichne ich als Scharlatan (Zwischenrufe der Abgeordneten Gaál und Eder), denn hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben. In diesem Bereich muss die Regierung han­deln, wenn sie Verantwortung trägt, und diese Regierung übernimmt die Verantwor­tung.

Es gibt eine zweite Zahl. Professor Rürup hat das in der Fernsehdiskussion vor einigen Wochen sehr schön erklärt. Es geht um die einfache Zahl „ein Drittel“. Was heißt das, „ein Drittel“? – Rürup hat sehr schön dargelegt, wenn man den Pensionsversiche­rungsbeitrag und den Anteil der Steuermittel bei der Pensionsfinanzierung zusammen­legt, dann erkennt man, dass derzeit der Durchschnittsösterreicher bereits ein Drittel seines Arbeitsverdienstes nur für die Finanzierung der Pensionen der heute im Ruhe­stand Befindlichen aufwendet.

Wollen Sie diese Politik fortsetzen? Wollen Sie, dass unsere Kinder in 20, 30, 40 Jahren ihr halbes Arbeitseinkommen nur für die Finanzierung der Pensionen auf­wenden müssen? (Abg. Eder: Genau diese Kinder kriegen keine Pension mehr!) Das ist verantwortungslos, Herr Kollege! Sie verspielen die Zukunft unserer Kinder! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Gaál: Das ist ein Pensionskürzungspro­gramm!)

Lassen Sie mich einen dritten Punkt anführen. Diese Regierung bekennt sich auch zum Drei-Säulen-Prinzip. (Abg. Mag. Posch: Vier Säulen! Vier! – Weitere Zwischenru­fe der Abgeordneten Dipl.-Ing. Kummerer, Eder, Mag. Wurm und Gaál.) – Sie von der SPÖ haben diesen Konsens nicht nur verlassen, im Budgetausschuss und im Finanz­ausschuss haben Sie das Drei-Säulen-Prinzip sogar massivst attackiert. Sie haben dieses System massivst attackiert.

Sie streuen den Menschen Sand in die Augen! (Widerspruch bei der SPÖ.) Sie geben vor, die staatliche Altersversorgung sei allein selig machend. Sie geben den alten Slo­gan vor: Du brauchst dich um nichts zu kümmern, der Staat sorgt für dich vor. – Ich halte auch das für verantwortungslos, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Sie können hier mit noch so klassenkämpferischen Argumenten das nicht widerlegen, was die große Mehrheit der Österreicher und Österreicherinnen spürt. Sie spüren, sie sind gut beraten, sie sind klug beraten, wenn sie im Rahmen dieses Drei-Säulen-Prinzips selbst etwas für ihre Eigenvorsorge tun. (Anhaltende Zwischenrufe bei der SPÖ und den Grünen. – Abg. Gaál: Schwache Argumentation! – Weitere Zwischenrufe der Abgeordneten Dipl.-Ing. Kummerer, Dr. Matznetter, Mag. Posch und Eder.)


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Herr Kollege, Sie wissen es: Je schwächer Ihre Argumente, desto lauter Ihre Zwi­schenrufe. Das ist leider zu wenig für eine verantwortungsvolle Politik. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Lassen Sie mich auch eines sagen: Diese Regierung hat den Nachweis dafür er­bracht – an Runden Tischen, in Nachtsitzungen, in über 90 Stunden Beratungen im Budgetausschuss –, dass hier sehr weit gehende inhaltliche Zugeständnisse gemacht wurden. Das geht sogar so weit, dass es bereits viele Experten gibt, die sagen, die Pensionsreform sei schon viel zu stark verwässert. Rürup, Tomandl, Mazal, Marin – alle sagen schon, die Pensionsreform ist verwässert. 

Sie von der Opposition sagen, diese Reform ist ein brutaler Pensionsraub, sie erfolgt überfallsartig, obwohl Übergangsfristen von bis zu 25 Jahren enthalten sind. – Wenn einerseits der „brutale Pensionsraub“ behauptet wird und andererseits die Experten sagen, die Reform sei zu stark verwässert, dann muss ich sagen, es ist offensichtlich gelungen, einen gesunden, richtigen Mittelweg zu gehen, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Scheibner.)

Ich gebe gerne zu: Die Experten haben es natürlich ein bisschen leichter. (Abg. Mag. Posch: Der Stummvoll hat es auch leicht!) Sie fragen: Was ist langfristig notwen­dig? Und es ist die Staatskunst dieser Bundesregierung: Das, was langfristig notwen­dig ist, müssen wir kurzfristig mehrheitsfähig machen. Das ist die Aufgabenstellung, meine Damen und Herren.

Ich gebe zu, und ich habe das schon einmal gesagt: Wenn ein Fehler gemacht wurde, dann ist das nicht der Inhalt der Reform, dann sind es nicht die Maßnahmen, die darin enthalten sind, sondern vielleicht haben wir ein bisschen zu wenig kommuniziert. (Abg. Dr. Glawischnig: Ist das Ganze ein Missverständnis?)

Ich habe in den letzten Wochen in meinem Wahlkreis viele Diskussionen erlebt, und am Schluss haben sehr oft Teilnehmer gefragt: Ja, wieso sagt uns das niemand? – Das heißt, die Menschen sind bereit, diese Argumente anzunehmen (ironische Heiter­keit bei den Grünen und der SPÖ – Abg. Öllinger: Bitte!), und wir werden diese Kommunikation auch nach der Beschlussfassung fortsetzen, um Ihnen zu beweisen, Herr Kollege Öllinger, dass die Menschen viel vernünftiger sind, als Sie glauben. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Glauben Sie mir das: Die Menschen sind viel vernünftiger, als Sie glauben!

Eines darf auch nicht unwidersprochen bleiben: Wenn auf Grund dieser inhaltlichen Zugeständnisse – ich erinnere an von Ihnen angedrohte Pensionskürzungen von bis zu 40 Prozent! – die Kürzungen nunmehr mit einem Deckel von 10 Prozent gedeckelt wurden – im schlimmsten Fall heißt das, alle Maßnahmen zusammen können höchs­tens 10 Prozent Abzug bewirken –, dann sagen Sie, das seien kosmetische Operatio­nen gewesen!?

Meine Damen und Herren! Das ist zutiefst unglaubwürdig und zeigt, dass Sie keine Verantwortung übernehmen wollen, dass Sie Oppositionspolitik betreiben, um der Op­position willen, dass Sie den Menschen Angst machen und ihnen nach wie vor Sand in die Augen streuen wollen. Das ist nicht unsere Politik – und kann es nicht sein! (Zwi­schenrufe der Abgeordneten Brosz und Mag. Wurm.)

Meine Damen und Herren! Uns sind natürlich auch die kleinen Pensionen ein großes Anliegen. (Abg. Öllinger die Hände bittend in die Höhe haltend –: Nein! Nein!) Des­halb haben wir auch im Zuge der Steuerreform hier verankert, dass alle Einkommen bis zu 1 000 € brutto monatlich steuerbefreit sind. Das wird in hohem Ausmaß kleine Pensionsempfänger betreffen. 200 000 Menschen fallen mit dieser Maßnahme aus der


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Steuerpflicht heraus, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheit­lichen.)

Alle Ihre Berechnungen, die Sie ohne Berücksichtigung dieser Maßnahme erstellt ha­ben, können Sie sofort in den Papierkorb werfen, denn diese Berechnungen sind falsch. Machen Sie neue Berechnungen unter Einbeziehung dieser Steuerreform, die den Kleinsten der Kleinen entsprechende Hilfestellung bietet.

Aber natürlich sind wir nicht nur dazu da, den Kleinen zu helfen, sondern wir von der ÖVP als Partei der Mitte bekennen uns dazu, dass wir auch den Mittelstand (Abg. Dr. Matznetter: Auch dem Mittelstand alles wegnehmen!) entlasten müssen. Wir müssen auch jenen eine Chance geben, die dafür sorgen, dass in unserem Land Ar­beitsplätze, Einkommenschancen und soziale Sicherheit bestehen. Dafür sorgt die große Zahl unserer Klein- und Mittelbetriebe. (Abg. Parnigoni: Klein- und Mittelbetrie­be! Das wird spannend!)

Bei unserer Struktur der Wirtschaft – über 90 Prozent unserer Betriebe haben weniger als 20 Mitarbeiter! – ist die zweite Maßnahme dieser Steuerreform, Teil 1, die Eigenka­pitalstärkung der Klein- und Mittelbetriebe durch die Halbierung des Steuersatzes für jenen Gewinn, der im Betrieb bleibt und in Arbeitsplätze investiert wird, ein erster Schritt in die richtige Richtung. (Abg. Parnigoni: Womit?)

Ich gebe gerne zu, das kann nur ein erster Schritt sein. Ich gebe zu, wir konnten man­gels Finanzierbarkeit die Freiberufler nicht erfassen. Ich gebe zu, wir haben auch die Kapitalgesellschaften nicht erfasst. Aber wir wissen – der Herr Finanzminister hat es wiederholt gesagt, und wir stehen dazu –: Es wird noch in dieser Legislaturperiode die größte Steuerreform in der Geschichte der Zweiten Republik geben (ironische Heiter­keit bei der SPÖ), und da werden diese Maßnahmen gesetzt! (Beifall bei Abgeordneten der Freiheitlichen. – Abg. Parnigoni: Da klatscht nicht einmal die eigene Partei!)

Es wird eine Steuerreform geben mit der strategischen Zielsetzung: Wir wollen Stabili­tät im Staatshaushalt, wir wollen eine Entlastung der Bürger und der Betriebe, und wir wollen Investitionen in die Zukunft, und wir werden genau dieser Strategie folgen. Die­se Regierung ist bereit, auf Grund dieser programmatischen, strategischen Ausrichtun­gen konkrete Politik zu betreiben, Herr Kollege Cap. Das ist für Sie natürlich etwas Unverständliches, denn Sie sind ein Populist und schauen immer nur (Abg. Dr. Matz­netter: Auf die Menschen!) auf den nächsten Wahltermin.

Auch dass die 13. Umsatzsteuer-Vorauszahlung wegfällt, meine Damen und Herren, war eine jahrelange Forderung jener kleinen und mittleren Betriebe, die bei uns den Arbeitsmarkt gehalten haben. Es ist ja an sich eine völlige Absurdität gewesen – das Jahr hat nur zwölf Kalendermonate! –, eine 13. Umsatzsteuer-Vorauszahlung einzufüh­ren. Ich bin sehr froh darüber, dass es in der Amtszeit dieser Bundesregierung gelun­gen ist, auch diesen Unfug wegzubringen! (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich noch Folgendes erwähnen – ich muss das sagen, weil wir heute, morgen und in dieser ganzen Woche die Debatte wieder auf den Boden der parlamentarischen Demokratie zurückführen –: Ich bin sehr froh darüber, Herr Präsident Verzetnitsch, dass der ÖGB angekündigt hat, es werde keine weiteren Streikmaßnahmen geben.

Ich bin sehr froh, dass Sie damit das zur Kenntnis nehmen, was der legendäre ÖGB-Präsident Franz Olah vor kurzem in einem Aufsehen erregenden Interview der „Kleinen Zeitung“ gegenüber gesagt hat: „Streiks sichern keine Pensionen.“ – Ich bin froh, dass es diese Einsicht gibt, denn das Zwischenspiel, das es gegeben hat – Herr Präsident Verzetnitsch, Sie wissen es –, waren rein politische Streiks. (Zwischenruf des Abg. Parnigoni.)


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Es waren politische Streiks gegen Regierung und Parlament. Es waren Streiks mit der Zielsetzung, einen erfolgreichen Regierungskurs, einen erfolgreichen Bundeskanzler aus dem Sattel zu heben. Dieser Versuch ist gescheitert, Herr Kollege Parnigoni! (Bei­fall bei der ÖVP.) Aber im Interesse der demokratischen Kultur in unserem Lande bin ich froh darüber, dass dieser Versuch gescheitert ist. (Abg. Parnigoni: Wieso? Wieso haben die Schwarzen mitgestreikt? Die wollen auch den Schüssel nicht! Auch Neuge­bauer will den Schüssel nicht! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Ich möchte das nicht überbewerten, aber für die Zukunft festhalten: Einzelne Aktionen sind so weit gegangen, dass sie sehr in die Nähe des § 251 Strafgesetzbuch geraten sind. Das ist jener Paragraph, der besagt: Wer Abgeordnete mit gefährlichen Drohun­gen und Gewalt zu einem bestimmten Stimmverhalten zwingt, begeht eine Straftat mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Hier sitzt Kollegin Maria Fekter – ihr wurde wirtschaftlicher Schaden zugefügt. Hier sitzt Kollegin Susanne Wegscheider – ihr wurde wirtschaftlicher Schaden zugefügt, um ein bestimmtes Stimmverhalten zu erzeugen. (Abg. Gaál: Sie schaden der Politik!)

Meine Damen und Herren! Ich wäre dankbar, wenn ein Vertreter Ihrer Fraktion heraus­käme und sich für die Zukunft von diesen Aktionen im Interesse der demokratischen Kultur unseres Landes distanzieren würde, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) – Das musste noch gesagt werden.

Insgesamt halte ich fest: Diese Phase ist vorbei. Ich bin froh, dass wir heute und mor­gen die politische Kultur in unserem Lande wieder hier im Hohen Haus, wo sie hinge­hört, praktizieren können! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

10.35

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gemeldet ist nunmehr Herr Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen. Redezeit: 15 Minuten. – Bitte, Herr Professor.

 


10.36

Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr Kollege Stummvoll, bei Ihrer Rede stellt man sich schon einige Fra­gen, wie zum Beispiel: Kein Mensch bestreitet, dass sich die Alterspyramide verändert, aber wenn die Schlussfolgerungen daraus so eindeutig wären, dann frage ich mich wirklich: Was ist in den letzten Wochen alles passiert? Warum wird angeblich immer noch – heute! – zwischen FPÖ und ÖVP verhandelt, um irgendetwas herauszuverhan­deln? Warum rätselt die Öffentlichkeit seit Wochen, ob die Regierungskoalition über­haupt hält, wenn das alles so eindeutig ist?! Geh, bitte! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Zweitens, Herr Kollege Stummvoll: Auch Wiederholungen machen gewisse Dinge nicht wahrer. Pensionen unter 1 000 € oder bis zu 1 000 € sind von den Kürzungen genauso betroffen wie andere Pensionen. Staatssekretärin Haubner hat sich – ich glaube, ver­gangene Woche noch – dafür stark gemacht, Pensionen unter 1 000 € auszuneh­men. – Das ist aber nicht der Fall! Warum leugnen Sie das?

Berufen Sie sich doch nicht auf die Einkommensteuerreform, die angeblich gerade diese Personengruppe begünstigt! Sie wissen doch ganz genau, dass die Einkom­mensteuerreform Einkommen zwischen 900 und 1 100 € besonders begünstigt – das finden wir gut und richtig –, dass aber Einkommen unter dieser Grenze überhaupt nicht davon betroffen sind, weil die schon jetzt keine Lohnsteuer und keine Einkommens­steuer zahlen. (Beifall bei den Grünen. – Aha-Rufe bei der SPÖ. – Abg. Öllinger: Ja, Kollege Stummvoll!)

Wie stehen Sie dazu? Diese Gruppe der Pensionsbezieher unter 900 € – und das be­trifft natürlich Arbeitnehmer in diesem Einkommensbereich genauso, und das haben


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Sie auch hinzuzufügen vergessen, Herr Kollege Stummvoll von der ÖVP – wird natür­lich zum Beispiel von der Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge genauso betrof­fen sein. (Abg. Dr. Stummvoll: 200 000 Menschen werden entlastet!)

In Ihrem Regierungsprogramm war allein zu diesem Punkt für das nächste Jahr ein fiskalisches Zusatzaufkommen von 100 Millionen € eingeplant. Sind diese Bezieher niedriger Pensionen von den Krankenversicherungsbeiträgen ausgenommen? – Nein! Sollen sie halt zahlen von ihren Pensionen unter 1 000 €! (Abg. Mag. Wurm: Sollen sie doch gesund bleiben!) Ganz zu schweigen von den anderen Abgaben und Steuern, die eingeführt werden, wie zum Beispiel die Energieabgaben, wo Sie von den Koalitions­parteien auch keine Vorsorge dafür getroffen haben, dass die untersten Einkommen und die Bezieher der geringsten Pensionen nicht davon betroffen sind. So ist es, Herr Kollege Stummvoll: Drei Viertel der Wahrheit haben Sie hier am Rednerpult verschwie­gen! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Einen Punkt ganz kurz. Wir debattieren heute das so genannte Budgetbegleitgesetz, dieses Konvolut (der Redner hält einige Schriftstücke in die Höhe), ich habe es nicht nachgezählt, aber 200 Seiten wird es schon haben. Ich möchte bei dieser Gelegenheit den Bediensteten der Parlamentsdirektion ausdrücklich meinen Dank aussprechen, die es im Wesentlichen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag vergangener Woche ge­schafft haben, die verschiedenen Abänderungsanträge im Laufe von Wochen zu kom­binieren und in die seinerzeitige Regierungsvorlage einzuarbeiten. Das muss eine schreckliche Aufgabe gewesen sein, die sie mit Bravour gemeistert haben! (Beifall bei den Grünen.) Allerdings: Der Inhalt des Budgetbegleitgesetzes mit seinen rund 100 Gesetzen bleibt trotz dieser bravourösen Arbeit der Parlamentsmitarbeiter natür­lich unverändert.

Am Rande möchte ich anmerken, dass sich seinerzeit – 1996/97, wenn ich mich recht erinnere – auch die FPÖ, damals in Opposition, vehement gewehrt hat gegen die Vor­gangsweise der damals rot-schwarzen Bundesregierung, die ein ähnliches Budgetbe­gleitgesetz mit ähnlich vielen Gesetzen vorgelegt und das in einem ähnlichen Schnellzugsverfahren durchgezogen hat. (Abg. Scheibner: Das war aber anders!) Jetzt, wo Sie in der Regierung sind (Abg. Scheibner: Nein, nein! In der zweiten Le­sung sind die Abänderungsanträge gekommen!), ist das natürlich alles ganz anders – wie mir Kollege Scheibner in einem Zwischenruf gerade mitteilt. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Rund 100 Gesetze werden jetzt in rund 20 Stunden im Nationalratsplenum – unter An­führungszeichen – „diskutiert“. Jetzt kann man sich ausrechnen: 100 Gesetze, 20 Stun­den, das heißt pro Gesetz 12 Minuten; es gibt vier Fraktionen im Haus, das heißt 3 Minuten pro Fraktion für jedes Gesetz. Da ist ja ganz offenkundig, dass nicht alle Gesetze – oder überhaupt die allermeisten nicht – hier besprochen werden kön­nen, schon angesichts der Tatsache, dass die Pensionsreform dieses Gewicht hat. Wir sind überhaupt nicht in der Lage, all diese Gesetze in irgendeiner Weise hier sinnvoll zu debattieren.

Das reiht sich würdig ein in das Chaos der letzten Wochen und Monate, wo sich Ter­mine täglich geändert haben. – Mein Beileid dem Vorsitzenden des Budgetausschus­ses, der (Abg. Mag. Molterer: Der das hervorragend gemacht hat!) immer noch ver­sucht hat, das Beste daraus zu machen, aber natürlich der Willkür der Regierungspar­teien ausgeliefert war. Danke, Herr Kollege Auer, Sie trifft noch die geringste Schuld! (Beifall bei den Grünen sowie demonstrativer Beifall bei der ÖVP und den Freiheitli­chen.)

Nur zur Erinnerung: Das Budgetbegleitgesetz sollte schon am 4. Juni beschlossen werden, doch dieser Termin ist geplatzt. Jetzt laufen angeblich immer noch Verhand-


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lungen zwischen ÖVP und FPÖ über irgendwelche Korrekturen. – Herr Kollege Stummvoll! Das kollidiert aber wirklich mit Ihrer Vorstellung hier am Rednerpult, dass ohnehin alles leiwand ist und jeder vernünftige Mensch einsehen muss, warum dieses Konvolut so hier und jetzt beschlossen werden muss. – Das ist natürlich Unsinn. (Abg. Dr. Stummvoll: Das habe ich nicht gesagt!)

Gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang noch eine Bemerkung zur FPÖ. Ich habe schon einiges dazugelernt in diesen letzten Wochen und Monaten. Ich habe ursprüng­lich gedacht: Regierungsverhandlungen, das bedeutet, dass man versucht, sich in ei­nem Kompromiss auf ein gemeinsames Programm zu einigen, dieses Programm wird dann unterschrieben, wird zu einem Regierungsprogramm, das die zuständigen Minis­ter dann durchsetzen. Ich habe gelernt, dass man es auch ganz anders machen kann: Man verhandelt – ÖVP und FPÖ, nehme ich an, haben die Pensionsreform im Detail verhandelt –, man unterschreibt das gemeinsame Regierungsprogramm, es gibt einen zuständigen Minister, nämlich Vizekanzler Haupt, als Sozialminister zuständig für die Pensionsreform, und danach betreibt man jeden Tag Kindesweglegung.

Das ist interessant, wie das geht. Mein Beileid für die Kollegen von der ÖVP, wenn man so will, aber von der FPÖ kann man noch etwas lernen – ich meine das natürlich ironisch, damit kein Missverständnis entsteht; das ist wichtig, denn sonst kommt ir­gendein humorloser Kollege und sagt: Sie haben gesagt, dass man von der FPÖ etwas lernen kann! Unterschriften werden geleistet, verhandelt wird ein gemeinsames Pro­gramm, ein Minister von der FPÖ ist zuständig, aber zu tun hat er nichts mit dieser Art von Pensionskürzungen. Diese Art der Vorgehensweise ist wirklich bemerkenswert. Kindesweglegung Tag für Tag. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Herr Kollege Stummvoll! Ich finde, diesem so genannten Druck der Straße, dem, was Sie als politischen Streik bezeichnen, diesen Hunderttausenden von Leuten, die sich eingesetzt haben, ist es zu verdanken, dass zumindest einige Punkte, die besonders brisant waren, aus diesem Pensionskürzungsprogramm herausgestrichen wurden. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.) Ich persönlich bin diesen Leuten dankbar, und ich sehe keinen Grund, diese Menschen hier im Parlament zu diskreditieren in der Art, wie Sie das gerade vorhin versucht haben.

Vor allem bleiben Sie ja bis heute – Herr Gusenbauer hat schon darauf hingewiesen – die Antwort schuldig, wie denn die große Pensionsreform aussehen soll. Sie bleiben bis heute die Auskunft schuldig, warum jetzt im alten System diese Maßnahmen getrof­fen werden müssen, wenn angeblich ohnehin im Herbst die große Reform mit der Ver­einheitlichung der Systeme und so weiter und so fort kommt.

Ganz abgesehen davon war es schon auch bemerkenswert, wie Sie darauf „verges­sen“ haben – zuerst offenbar in den Verhandlungen, dann im Regierungsprogramm, dann später in der Praxis –, dass die Politikerpensionen alt, die Altpensionen für Politi­ker, die nicht von der Reform 1997 betroffen waren, wohl auch irgendwie einbezogen werden müssen. Unter höchsten Druck gesetzt haben Sie sich bereit erklärt, die eine oder andere Maßnahme durchzuführen, aber es ist offensichtlich, denke ich – und wir werden heute und morgen noch genug Zeit haben, darüber zu reden –, dass diese Altpensionen der Politiker unvereinbar sind mit den ASVG-Regelungen und es un­möglich ist, die Art von Kürzungen, die Sie hier durchführen, 1 : 1 – wie von der Re­gierungsbank aus behauptet wurde – auf die Politikerpensionen zu übertragen.

Deswegen ist unsere Position: Weg mit den Altpolitiker-Pensionen! Es tut mir wirklich Leid, dass sich die FPÖ, namentlich Herr Kollege Scheibner, der auch immer dafür eingetreten ist, in diesem Punkt offensichtlich nicht durchgesetzt hat oder, wie man so schön sagt, schlicht und ergreifend umgefallen ist, Herr Kollege Scheibner! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)


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Etwas wurmt mich schon auch ein wenig, Herr Kollege Molterer und Herr Kollege Stummvoll: Sie betonen immer: die Veränderung der Alterspyramide, die Herausforde­rung, die hier vor uns steht. (Abg. Mag. Molterer: Das stimmt auch!) – Das stimmt. Aber die Antwort darauf kann nicht allein diese Art von Pensionskürzungsmaßnahmen oder irgendeine Art von Pensionskürzungsmaßnahmen sein. Sie sollten – das hätte ich mir auch beim Budgetbegleitgesetz erwartet – doch darüber nachdenken, wie denn die begleitenden Parallelmaßnahmen, die absolut notwendig sein werden, jetzt schon an­gegangen werden. (Abg. Mag. Molterer: Lohnnebenkostensenkung!)

Zum Beispiel: die Erhöhung der Erwerbsquote für Frauen. Wo sind die Maßnahmen in diesem Bereich? – Sie haben ein Kindergeld durchgesetzt. Gut und schön. Aber wir wissen alle, dass das die Frauen zu einem erheblichen Teil dazu gebracht hat, zu lan­ge nicht im Erwerbsleben zu stehen. Wir wissen, dass die Erwerbsquote der Frauen, ihre Teilnahme am Arbeitsmarkt erhöht werden muss. Wo sind die entsprechenden Maßnahmen? Wir können nicht zehn oder 20 Jahre warten, bis sich die Alterspyramide ändert, das muss jetzt gemacht werden. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Oder: die Maßnahmen im Bereich der so genannten Zukunftsaufgaben, die zu beschwören Sie nicht müde werden. Wo sind die Maßnahmen im Bereich der Forschung und Entwicklung? Ich hätte mir erwartet, dass diese im Budgetbegleitgesetz vorkommen – nichts davon steht drinnen! Zuerst haben Sie uns einzureden versucht, dass 800 Millionen € mehr für Forschung und Entwicklung, Bildung und Wissenschaft ausgegeben werden. Das war ein Schmäh, sonst nichts! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Andere Maßnahmen finde ich nicht. Im Gegenteil: Wenn man sich die Mühe macht, den Nationalen Forschungs- und Innovationsplan vom 3. Dezember durchzulesen – das ist Ihr Rat, der Rat für Forschung und Technologieentwicklung, der von der schwarz-blauen Regierung eingesetzt worden ist; gute Leute –, so kann man davon ausgehen, dass die Forschungs- und Entwicklungsquote bis 2005 auf 2,5 Prozent er­höht werden soll. Im nächsten Papier, Österreichischer Forschungs- und Technologie­bericht 2003, unterschrieben von Ministerin Gehrer und Minister Gorbach – schön auf­geteilt, ÖVP und FPÖ –, wird das Ziel stillschweigend auf 2006 verschoben.

In beiden Berichten wird ausführlich dazu Stellung genommen, wie auch die öffentli­chen Ausgaben, nicht nur die Unternehmensausgaben, bis 2005 – von mir aus 2006, wenn Sie es schon stillschweigend verschoben haben – erhöht werden müssen. Wie spiegelt sich das im Budget für 2003/2004 wider? – Gar nicht! So nehmen Sie Zu­kunftsaufgaben wahr, so nehmen Sie die Aufgaben wahr, von denen wir alle hier im Saal, alle vier Parteien, zu betonen, wie wichtig diese sind, nicht müde werden: Bil­dung, Ausbildung, Forschung, Entwicklung, Innovation! (Zwischenruf der Abg. Dr. Bri­nek.)

Die Ausgaben für die Universitäten sinken im Jahre 2003 – das wissen Sie ganz ge­nau, Frau Kollegin Brinek; Sie wissen ganz genau, dass die Rektoren schon um die Zahlungsfähigkeit der Universitäten fürchten –, sie werden 2004 etwas ansteigen, um wieder auf dem Niveau von 2002 zu sein.

Die Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsförderung durch den Bund, meine Damen und Herren von ÖVP und FPÖ, hinkt weit zurück hinter jenem Plan, den Sie einhalten müssten – nach Ihrem eigenen Bericht, Mai 2003; er ist gerade erschienen –, wenn Sie Österreich tatsächlich bis 2006 an den internationalen Standard bei den For­schungsausgaben heranführen wollen.

Sie treffen keine entsprechenden Maßnahmen dafür, Sie quälen uns vielmehr mit der Abfangjäger-Geschichte. Dafür haben Sie Geld! Und kommen Sie mir jetzt nicht mit der Aussage, dass sie in dieser Legislaturperiode nicht bezahlt werden müssen! (Abg.


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Scheibner: Stimmt aber!) Bezahlt werden muss, Herr Kollege Scheibner, ob in den kommenden oder in den Jahren darauf! 2 Milliarden € sofort, mit den Betriebs- und Systemkosten vielleicht 4, vielleicht 6 Milliarden €.

Finanzminister Grasser wird heute Nachmittag Gelegenheit haben, zu erklären, wes­halb er letztes Jahr plötzlich für die teuerste Variante bei den Abfangjägern eingetreten ist, weshalb nicht die billigere Variante, seien es die schwedischen SAAB, sei es eine andere Marke, gereicht hätte, um die Aufgaben, die Sie für notwendig halten, zu erfül­len, weshalb es dieser teure Flieger sein musste. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Dafür haben Sie Geld, dafür wird im Budgetbegleitgesetz mit einem Ermächtigungsge­setz vorgesorgt, aber für Forschung und Entwicklung, für Bildung und Wissenschaft, für die Zukunft der jungen Leute und damit aber auch der älteren, die diese Pensionen ... (Präsident Dr. Khol gibt das Glockenzeichen.)

Mein Schlusssatz, Herr Präsident, an den Sie mich zweifellos erinnern wollen, lautet: Diese Woche bitte das Greenpeace-Volksbegehren für ein AKW-freies Europa unter­schreiben! – Danke schön. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

10.51

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gelangt nunmehr Frau Abgeordnete Dr. Helene Partik-Pablé. Frau Abgeordnete, Sie haben 15 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


10.52

Abgeordnete Dr. Helene Partik-Pablé (Freiheitliche): Sehr geehrte Damen und Her­ren! Hohes Haus! Als langjährige Oppositionspolitikerin habe ich natürlich schon ein gewisses Verständnis dafür, dass die Opposition eine so große Reform dazu benützt, alles zu zerpflücken, alles mies zu machen und überhaupt keine inhaltlich guten Grün­de gelten zu lassen. Wir waren lange Zeit selbst in Opposition, nur: Wir haben, als wir in Opposition waren, immer Gegenkonzepte vorgelegt! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Ironische Heiterkeit bei der SPÖ und den Grünen.)

Wir haben immer eine bessere Lösung als die der Regierung vorgelegt. Wir haben niemals die Sachlichkeit außer Acht gelassen, aber von Ihnen hört man nicht ein ein­ziges sachliches Argument, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Abg. Reheis: Zuhören!) Für eine so große Fraktion wie die Sozialdemokratie ist es eigentlich wirklich eine Schande, dass sie sich nur darauf beschränkt, zu zerpflücken, anstatt etwas Kon­struktives auf den Tisch zu legen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Das Allergemeinste – ich weiß nicht, ob dieses Wort schon einen Ordnungsruf hervor­ruft; wenn ja, dann nehme ich es zurück, wenn nicht, dann möchte ich es Ihnen sagen (Heiterkeit bei den Freiheitlichen und der ÖVP) –, das wirklich Gemeinste ist es, die Leute so zu verunsichern. Weil Ihnen das noch zu wenig Verunsicherung ist, behaup­ten Sie, Herr Klubobmann Gusenbauer, heute, dass auch in bestehende Pensionen eingegriffen wird. – Eine völlig falsche Information geben Sie hier weiter, meine sehr geehrten Damen und Herren, und dafür, finde ich, müssten Sie sich schämen. Stellen Sie doch endlich die Verunsicherungen ein! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Gerade Sie von der SPÖ sollten wirklich leise treten, denn Sie trifft die Hauptverant­wortung dafür, dass es jetzt notwendig ist, eine so tief greifende Reform mit so ein­schneidenden Eingriffen zu machen. Sie haben mehr als 20 Jahre lang die verantwort­lichen Minister gestellt (Abg. Öllinger: Erinnern Sie sich an Ihre Pensionistenbriefe! – Abg. Scheibner: Die waren von Vranitzky! – Abg. Öllinger: Nein, Sie hat auch einen geschrieben!) und haben niemals wirklich entscheidende Reformschritte unternommen, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)


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Als sich schon herausgestellt hat, dass das Pensionssystem nicht mehr langfristig fi­nanzierbar ist, haben Sie noch weitergewurschtelt. Sie haben niemals gesagt: Herr­schaften, wir müssen endlich etwas tun! (Abg. Öllinger: Sie auch nicht!) Wir waren in Opposition, Herr Abgeordneter Öllinger! Wir haben Konzepte vorgelegt, wir haben im­mer gesagt, die Pensionen müssen auch für die Zukunft gesichert sein.

Dass Sie jetzt nicht an einer Reform mitwirken, das finde ich ganz einfach nicht seriös. Dass Sie verunsichern, das führe ich wirklich darauf zurück, dass es Ihnen nicht darum geht, die österreichischen Pensionen zu sichern, sondern darum, parteipolitisches Kleingeld zu machen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Sie glauben, dass Sie politisch profitieren werden, und die müden und angeschlagenen Gewerkschaften, der ÖGB (Abg. Mag. Trunk: Das ist unerhört!), der in den letzten Jahren nur noch dahinvegetiert ist, haben jetzt die Chance gesehen, endlich einmal eine Aktion zu starten und gegen die Regierung etwas zu machen. Sie waren fast 50 Jahre lang fast ununterbrochen in der Regierung – und von der Gewerkschaft hat man nichts gehört. (Abg. Eder: Weil es nicht notwendig war!) Mich haben ununterbro­chen Leute gefragt, weshalb sie überhaupt einen Gewerkschaftsbeitrag zahlen sollen, wenn die Gewerkschaft ohnehin nichts für sie tut.

Jetzt, weil Sie – die SPÖ, und die Gewerkschaft ist ja eine Vorfeldorganisation der SPÖ – nicht in der Regierung sind, haben Sie sozusagen endlich einmal Licht am Hori­zont gesehen (Rufe bei der SPÖ: Neugebauer!) und sich gedacht: Jetzt können wir endlich einmal etwas gegen die Regierung tun. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Ich kann mich daran erinnern, sogar Gewerkschaftspräsident Benya hat sich einmal über die Untätigkeit der Gewerkschaft anlässlich eines Gewerkschaftstages mokiert, und daraufhin hat irgendeiner Ihrer Gewerkschaftsfunktionäre gemeint: Was sollen wir tun? Wir können ja nicht gegen die eigene Regierung rebellieren! – Jetzt haben Sie Ihre Aktionen gesetzt, eben weil es eine VP/FP-Regierung gibt.

1986 – Herr Abgeordneter Stummvoll und letzte Woche der Herr Bundeskanzler haben es schon angeschnitten – hat der ehemalige Klubobmann Wille eine Harmonisierung der Pensionsrechte gefordert. 1986! Seither sind fast 20 Jahre vergangen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Und jetzt stellt sich Herr Klubobmann Gusenbauer hier­her und sagt, wir hätten nur einen müden Entschließungsantrag, in dem die Harmoni­sierung als Programm dieser Bundesregierung festgelegt worden sei. Da frage ich Sie wirklich: Weshalb haben Sie nicht schon vor 20 Jahren die Worte Ihres Klubobmannes Wille aufgenommen und eine Harmonisierung in die Wege geleitet? Sie hätten damals die politische Macht dazu gehabt, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Öllinger: Bitte, sagen Sie irgendetwas! Mehr Inhalt!)

Wir haben uns schon in unserer ersten Regierungserklärung mit der ÖVP, also im Jahr 2000, zu wichtigen Reformschritten bekannt, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben die Steuerreform mitinitiiert, wonach monatliche Einkommen unter 1 000 € nicht mehr der Steuerpflicht unterliegen werden. (Abg. Öllinger macht eine wegwerfende Handbewegung.) Die Klein- und Mittelbetriebe werden heuer ... Wischen Sie das nicht alles mit so einer Handbewegung weg, machen Sie das einmal, Herr Ab­geordneter Öllinger! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Zum ersten Mal seit langem werden die österreichischen Klein- und Mittelbetriebe im Jahr 2003 nicht mehr die 13. Umsatzsteuervorauszahlung leisten müssen – eingeführt unter einem sozialistischen Finanzminister! Das ist eine ungeheure Erleichterung für die Klein- und Mittelbetriebe.


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Es wird auch eine Erleichterung für Betriebe, die Gewinne machen, geben. (Abg. Mag. Wurm: Das bringt aber nichts!) Das wollen wir ja, dass die Betriebe Gewinne machen. Durch den halben Steuersatz, den es ab dem Jahr 2004 geben wird, wird es möglich sein, Eigenkapital in einem größeren Ausmaß zu bilden.

Das alles sind Maßnahmen, die diese blau-schwarze Regierung getroffen hat – Sie haben mehr Inhalt eingefordert, jetzt haben Sie einen ganzen Brocken an Inhaltlichem, Herr Abgeordneter Öllinger! –, die die österreichische Bevölkerung goutieren und posi­tiv zur Kenntnis nehmen wird. (Abg. Öllinger: Wie schaut es mit Ihrer Pension aus?) Also bitte nicht immer nur verunsichern, mies machen und jede Reformbereitschaft ablehnen! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Wir haben schließlich die Pensionsreform in Angriff genommen. (Abg. Öllinger: Aber wie!) Kernpunkte dieser Pensionsreform waren die langfristige Absicherung und die langfristigen Übergänge, sodass niemand überrascht wird vom Ende der bisherigen Durchrechnungszeit, niemand überrascht wird von der 40-jährigen Durchrechnungs­zeit, vom Pensionskonto, von dem einheitlichen Pensionsantrittsalter. (Abg. Öllinger: Wo gibt es denn das?) Es gibt wirklich ganz lange Übergangsfristen, sodass sich nie­mand fürchten muss.

Herr Klubobmann Gusenbauer hat heute wieder den Vorwurf erhoben – es ist wirklich unwahrscheinlich, was da alles an Vorwürfen erhoben wird, wenn man selbst einmal 50 Jahre lang an der Macht war; das wundert mich immer wieder. (Abg. Mag. Wurm: Er ist erst 44!) Schon, aber es war Ihre Partei; er hält ja jetzt auch nicht im Namen von Gusenbauer seine Reden, sondern im Namen der Sozialdemokratie.

Jetzt hören wir wieder, dass in der vorigen Legislaturperiode Gesetze geschaffen wur­den, die nur drei Jahre gehalten haben. Ich erinnere Sie daran: In sozialdemokratisch geführten Regierungen, unter sozialdemokratischen Sozialministern hat es immer ge­heißen: Jetzt haben wir ein Jahrhundertgesetz! (Abg. Mag. Wurm: Das war der Schüs­sel!) Die Pensionen werden bis weit über das Jahr 2000 hinaus gesichert sein! (Abg. Mag. Wurm: Der Schüssel hat das gesagt!) Selbst im Jahr 2010 werden wir noch nicht reformieren müssen! (Abg. Mag. Wurm: Schüssel! – Abg. Öllinger: Das haben Sie Ihren Pensionisten gesagt!) – Tatsächlich musste es dann ununterbrochen wieder neue kleine Reformschritte geben, weil Sie nicht in der Lage waren oder sich auch nicht getraut haben – man sieht ja, welche Brisanz im Thema „Pensionsreform“ liegt, Sie haben sich daher nie getraut (Abg. Öllinger: Wir?) –, dieses Thema in Angriff zu nehmen. (Präsident Dr. Fischer übernimmt den Vorsitz.)

Wir haben uns getraut – ich bekenne mich dazu, weil ich auch für die heute ins Ar­beitsleben Eintretenden und für die jungen Menschen, die heute im Arbeitsprozess stehen, eine Pensionsabsicherung haben möchte. Als Politiker sind wir dafür verant­wortlich, dass auch diese Menschen noch eine Pension bekommen, von der sie leben können, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Ich meine, es ist uns doch klar, dass Österreich das teuerste Pensionssystem in der gesamten EU hat. 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes – das sind nicht weniger als 32 Milliarden €! – müssen für die Sicherung der Pensionen ausgegeben werden. (Abg. Mag. Wurm: ... für die ASVG-Pensionisten?) In der EU werden 10,4 Prozent des Brut­toinlandsproduktes ausgegeben, bei uns 15 Prozent, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Abg. Mag. Wurm: Und bei den ASVG-Pensionisten, wie schaut es da aus?) Österreich hat die ältesten Studenten und die jüngsten Pensionisten – das muss man zur Kenntnis nehmen. (Abg. Öllinger: Und wie hängt das zusammen?)


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Es hängt deshalb zusammen (Abg. Öllinger: Das ist ja lächerlich!), weil damit unge­heuer viel Geld verbunden ist, Herr Abgeordneter Öllinger, und das muss ja aus dem Budget bestritten werden!

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sie wollen es hier im Plenum nicht hören, aber ich möchte es Ihnen noch einmal vor Augen führen: Die Arbeiterkammer Vorarl­berg hat errechnet (Abg. Öllinger: Nein!), dass ohne Reform entweder von zukünftigen Generationen 53 Prozent an Beiträgen bezahlt werden müssten, oder die Menschen müssten um zehn Jahre länger arbeiten und die Pensionen müssten um 45 Prozent gekürzt werden. – Das wollen wir nicht, sondern wir wollen, dass der Generationenver­trag weiterhin aufrecht bleibt (Abg. Öllinger: Ihr persönlicher Generationenvertrag!), dass nicht im Jahr 2020 die Jugendlichen sagen: Ich bin doch nicht verrückt und erhal­te mit meinem Gehalt einen Pensionisten! – So wird es nämlich ausschauen, wenn es keine Reform gibt! Es bestand also dringender Handlungsbedarf. Sie wissen das ganz genau, auch wenn Sie noch so laut schreien, auch wenn Sie noch so sehr Verunsiche­rung betreiben und noch so stark kritisieren. Es hat keine andere Alternative gegeben, als diese große Pensionsreform in Angriff zu nehmen. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Herr Abgeordneter Van der Bellen ist derzeit nicht im Saal. (Abg. Dr. Van der Bellen: O ja!) – Ach ja, doch! Entschuldigen Sie, Sie haben mir den Rücken zugekehrt (Abg. Neudeck: Das ist kein Nachteil!) – ich mache Ihnen aber deshalb keinen Vorwurf. Herr Abgeordneter, Sie haben die Frage – ich würde sagen: die hämische Frage – aufge­worfen: Wenn alles so gut ist, warum wird dann noch verhandelt?

Herr Abgeordneter Van der Bellen! Gerade Sie als Wirtschaftsprofessor wissen doch ganz genau, dass das sehr, sehr schwierig ist: Die Materie ist schwierig, die Verhand­lungen sind schwierig (Abg. Dr. Cap: Alles ist schwierig! Alles ist kompliziert und schwierig!), auch jene mit den Sozialpartnern, und es ist schwierig, weil sozial verträg­liche Bestimmungen geschaffen werden müssen. Daher ist es auch unsere Pflicht, bis zur letzten Minute zu verhandeln, und das haben unsere Abgeordneten auch getan! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Der ehemalige Vorsitzende der Sozialisten beziehungsweise der Sozialdemokraten Sinowatz hat einmal gesagt: Es ist alles sehr kompliziert! – und jeder hat darüber ge­lacht. Aber man sollte eigentlich nicht darüber lachen! Irgendjemand von Ihnen hat zuerst gerade gesagt: Ja, es ist alles so schwierig, alles so kompliziert!, und damit meine Aussage, mit der ich betone habe, wie schwierig die Materie ist, wieder lächer­lich gemacht.

Sie als Politiker wissen ganz genau, wie schwierig es ist, einen Interessenausgleich zwischen den verschiedenen Interessengruppen herbeizuführen, auch hinsichtlich der Finanzierbarkeit auf Bundesebene. Deshalb: Verhöhnen Sie uns hier nicht, sondern gestehen Sie ein, dass es ganz einfach notwendig ist, bis zum letzten Tag zu verhan­deln, um soziale Härten zu vermeiden!

Ein ganz kühner Vorwurf des Herrn Abgeordneten Gusenbauer war auch, wir hätten nicht genügend getan, um die Politikerpensionen zu vereinheitlichen. (Abg. Mag. Wurm: Sie haben die Uralt-Regelung, oder?) – Herr Abgeordneter Gusenbauer, jetzt habe ich zwar gerade gehört, Sie seien noch nicht so alt, aber unter Ihrer Partei haben sich all jene Privilegien herausgebildet, die es jetzt gibt und bis zum Jahr 1997 gegeben hat! (Beifall bei den Freiheitlichen sowie der Abg. Dr. Fekter. – Abg. Mag. Wurm: Sie haben die Uralt-Regelung! – Abg. Öllinger: Sie beanspruchen sie!)

Welche Privilegien, welcher Dschungel an Privilegien sich da unter Ihrer Regierung gebildet hat (Abg. Öllinger: Sie beanspruchen sie! – Abg. Mag. Wurm: Sie und der Herr Stummvoll!), das sieht man jetzt, wenn wir diese Privilegien abschaffen, wie bei-


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spielsweise den Bezug einer Ministerpension neben einer Abgeordnetenpension. Das gibt es ganz einfach nicht mehr, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Abg. Dr. Gusenbauer: Sie profitieren ...! Sie sind eine Doppelpensionsbezieherin!) Es gibt jetzt eine Angleichung des Pensionsantrittsalters an den ASVG-Bereich, es gibt keine Doppelpensionen zwischen Ministern und Abgeordneten mehr. (Abg. Öllinger: Stimmt nicht! Stimmt nicht!) Nein, das gibt es jetzt nicht mehr, meine sehr geehrten Damen und Herren, es gibt keine doppelte Anrechnung mehr!

Das Pensionsantrittsalter, auch jenes für Politiker, wird mit dem Jahr 2017 auf 65 Jahre angehoben. (Abg. Dr. Gusenbauer: Sie sind eine Doppelpensionsbezieherin!) – Re­den Sie nicht ununterbrochen drein, sondern schauen Sie sich endlich einmal an, was ausgehandelt worden ist, Herr Abgeordneter! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Dr. Gusenbauer: Sie sind doch eine Doppelpensions­bezieherin!)

Ein weiterer Vorwurf ... (Zwischenruf der Abg. Silhavy.) – Ich kann auf Ihre Argumente nicht eingehen, ich muss mich mit den Hauptrednern beschäftigen, Frau Abgeordnete Silhavy! (Abg. Dr. Gusenbauer: Das ist Ihnen unangenehm, weil Sie eine Doppelpen­sionsbezieherin sind! Sie sind eine Doppelpensionsbezieherin, eine der wenigen!)

Ein weiterer Vorwurf: Herr Van der Bellen hat gesagt, es wäre für die Opposition zu wenig Zeit gewesen, zu verhandeln. (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer von Ihnen war im Sozialausschuss? (Abg. Silhavy: Dort ist das gar nicht behandelt worden!) Am Donnerstag ist verhandelt worden, am Freitag wurden die Verhandlungen für diesen Tag gestrichen, weil die Op­position ...

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Ich bitte um den Schlusssatz! (Abg. Silhavy: Im Sozial­ausschuss ist das gar nicht behandelt worden!)

 


Abgeordnete Dr. Helene Partik-Pablé (fortsetzend): Meine sehr geehrten Damen und Herren! (Abg. Öllinger: Der Sozialausschuss hat gar nicht getagt! Sie haben ja keine Ahnung!) Hören Sie auf zu verunsichern und legen Sie konstruktive Vorschläge auf den Tisch, wenn Sie noch welche haben! (Abg. Dr. Gusenbauer: Sie sind eine Dop­pelpensionsbezieherin!) Und wenn nicht, dann nehmen Sie zur Kenntnis, dass diese Regierung Verantwortung für die Zukunft trägt! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

11.07

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Bundeskanzler Dr. Schüssel. Die Redezeit beträgt 15 Minuten. – Bitte, Herr Bundeskanzler.

 


11.07

Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel: Herr Präsident! Hohes Haus! Ein Thema, das heute noch nicht angesprochen wurde, aber für Österreich und seine Bevölkerung von größter Bedeutung sein wird und gerade in diesen Tagen besondere Aktualität hat, ist die Erweiterung der Europäischen Union. Es finden in diesen Tagen serienweise – praktisch jede Woche – Abstimmungen, Volksabstimmungen in den Beitrittsländern statt: Vorige Woche, am Samstag und am Sonntag, in Polen, mit einem großartigen Ergebnis – mehr als eine Dreiviertelmehrheit hat für den Beitritt gestimmt. Am Wo­chenende ist die Tschechische Republik an der Reihe. Die Slowakei, Ungarn und Slo­wenien, unsere anderen Nachbarländer, haben bereits mit Ja gestimmt.

Ich möchte an dieser Stelle diesen Nachbarländern, aber auch allen anderen Ländern unter den zehn Beitrittskandidaten herzlich gratulieren zu diesem großartigen Erfolg für einen europäischen Weg, für all die Arbeit, die dahinter steckt, um diese Länder über­haupt beitrittsfähig zu machen. Ich bin stolz darauf und glücklich darüber, dass wir als


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Bundesregierung daran mitwirken konnten und damit auch innerhalb Österreichs die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, dass dieser Beitritt wirklich ein Erfolg für uns und für die Kandidatenländer sein wird. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitli­chen.)

Natürlich wünsche ich mir, dass das Ergebnis in der Tschechischen Republik genauso großartig ausfallen möge, denn für uns Österreicher ist das natürlich ein ganz wichtiges Ereignis. Wir sind Länder, die geschichtlich große Probleme aufarbeiten mussten und es noch immer müssen: Österreich war in der Zeit des Dritten Reiches sowohl Opfer, aber es waren auch genug Österreicher als Täter mit unterwegs, gerade auch in unse­rem Nachbarland. Das soll nicht verschwiegen und auch nicht unter den Teppich der Geschichte, des geschichtlichen Vergessens gekehrt werden.

Auf der anderen Seite wissen wir aber auch, und immer mehr Tschechen fühlen es auch, dass in der Nachfolgezeit, nach 1945, Verbrechen geschehen sind, die so nicht annehmbar sind und die den heutigen Vorstellungen, was Menschenrechte betrifft, in keinster Weise entsprechen.

Diese europäische Destination gibt erstmals die Chance, diese Fragen in Freiheit, in friedlicher Zusammenarbeit gemeinsam zu lösen – und auf diese gemeinsame Zukunft freue ich mich! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Wir sind seit vier Monaten im Amt, und die Bundesregie­rung hat sich keineswegs faul auf die Bank gelegt, sondern hat heftig gearbeitet. Das, was wir Ihnen heute zur Schlussabstimmung beziehungsweise zu den Schluss­abstimmun­gen vorlegen, ist ein Bündel von Arbeit, hinter dem drei Monate Regie­rungsverhand­lungen mit jedem von Ihnen stecken. Nichts von dem, was heute be­schlossen wird, Herr Professor Van der Bellen und Herr Dr. Gusenbauer, ist neu, son­dern es ist in der Substanz mehrfach mit Ihnen, Herr Professor, und auch mit Ihnen, Herr Abgeordneter Gusenbauer, besprochen worden. Wir haben auch in vielen Berei­chen Teilkonsense erzielt, und das soll auch heute – in Stunden, in denen es natürlich auch um Zuspitzung oder um Konflikte geht – nicht unter den Tisch fallen. Ich hatte während der drei Monate der Regierungsverhandlungen das Gefühl, dass bei allen politischen Parteien in Österreich großes Verständnis, große Einsicht besteht, was die Notwendigkeit von Strukturreformen betrifft.

Das, was wir Ihnen heute vorlegen, ist ein Bündel von Maßnahmen, die meiner Über­zeu­gung nach absolut notwendig und wichtig sind. Wir legen Ihnen nicht nur zwei Bud­gets vor, die die Jahre 2003 und 2004 außer Streit stellen sollen, sondern wir legen Ihnen auch eine ganze Reihe von strukturellen und wirtschaftsbelebenden Maß­nahmen vor, die von vielen Rednerinnen und Rednern aller Fraktionen bisher gefordert wurden.

Erstens: Konjunkturbelebungsprogramme. Zwei davon sind bereits in Kraft und helfen mit, in einer sehr, sehr schwierigen Wirtschaftssituation die Wirtschaft einigermaßen in Gang zu halten und auch die Belebung, den Konsum so weit zu stabilisieren, dass wir etwa Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres in eine Aufschwungphase eintreten können.

Wir haben zweitens für die Familien und für die Kinder einen ganz großen Schwer­punkt gesetzt. Ab 1. Jänner 2003 haben wir rund 340 Millionen € an zusätzlichem Ein­kommen geschaffen und haben damit gerade die Familien-, die Kindersituation deutlich entschärft. Das soll in dieser Diskussion nicht untergehen. Ich glaube, dass es in die­sem Bereich einen großen Konsens aller politischen Parteien gibt, dass die Themen Kinder, Familien, Konsumstärkung bei aller wirtschaftli­chen Betrachtung des Stand­ortes und der Wettbewerbsfähigkeit für uns alle hoffentlich große Bedeutung und Priori­tät haben. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)


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Wir haben uns darüber hinaus sehr genau angesehen: Was können wir für die jungen Menschen tun? – Es wird für 5 000 Jugendliche zwischen 19 und 24 Jahren, die ar­beitslos sind, ein Weiterbildungsprogramm geschaffen, das 18 Monate dauert und eine abgeschlossene Qualifizierung bringt. Diese Altersgruppe ist deshalb sehr wichtig, weil sie bis zuletzt die höchste Steigerungsrate bei den Arbeitslosenzahlen – obwohl wir in der Jugendbeschäftigung sehr, sehr gut liegen – aufgewiesen hat. Aber die Devise dieser Bundesregierung lautet: Rechtzeitig handeln!, und daher sind diese Programme besonders wichtig.

Das gilt genauso für die Forschung, wie Professor Van der Bellen zu Recht einge­mahnt hat. Da Sie es nicht im Budget finden, darf ich ein wenig nachhelfen: Es ist bei­spielsweise in diesen Konjunkturprogrammen eine Erhöhung des Forschungsfreibe­trages von 10 auf 15 Prozent oder eine alternative Prämie, die 5 Prozent ausmachen wird, enthalten.

Wir haben im Budget einen Anstieg der Forschungsausgaben im nächsten Jahr vorge­sehen. Heuer ist, zugegeben, eine Stabilisierung gegenüber 2002 angesagt; nächstes Jahr wird es mehr! Wir haben zusätzlich 600 Million € außer Streit gestellt, die in dieser Legislaturperiode von der öffentlichen Hand in die Forschungsinstitutionen einfließen sollen, und wir erwarten, dass auch die private Wirtschaft hier ihren Beitrag leistet. Wir haben weiters gemeinsam die Verhandlungen mit der Notenbank darüber geführt – und da sind wir, glaube ich, sehr weit gekommen –, dass wir zusätzlich zu all diesen Maßnahmen noch eine Forschungsstiftung, eine Österreich-Stiftung, finanziert aus der Nationalbank, bekommen werden, aus der zusätzlich noch Mittel in Forschung und Entwicklung fließen werden.

Angesichts dessen werden Sie verstehen, dass ein junger Forscher, der aus Kanada zurückgekommen ist, nämlich Professor Penninger, der jetzt gerade eines der span­nendsten Biomedizinprojekte in Wien gegründet hat – er hat sein ganzes Team, zehn internationale Forscher, mitgenommen –, öffentlich gesagt hat, dass derzeit der Platz, wo sich am meisten in der Forschung, vor allem in der Bio- und in der Medizin­forschung abspielt, Wien ist. Auch das sollte an einem solchen Tag nicht in Verges­senheit geraten: dass hier sehr viel mehr in Bewegung ist, als bisher gesagt wurde! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Auch für die Ökologisierung möchte ich eine Lanze brechen – es ist interessant, dass Sie dazu kein Wort gesagt haben –: Wir haben erstmals im Bereich der Mineralölbe­steuerung für Diesel und Benzin einen ganz klaren ökologischen Schwerpunkt gesetzt. (Abg. Eder: Überhaupt nicht!) Ich halte das in der heutigen Zeit für sehr wichtig. (Abg. Eder: Das ist eine reine Belastung der Leute!) – Natürlich ist es eine Belastung. Glau­ben Sie, dass es Energiesteuern gibt, die irgendjemand anderer zahlt, außer den Kon­sumenten?

Es ist wichtig, dass damit auch die Ökologisie­rung im Klimaschutz, im Klimapaket, im Kyoto-Ziel außer Streit gestellt wird und sich bitte auch, liebe Kolleginnen und Kollegen von der grünen Fraktion, im Budget wider­spiegelt. Darauf sind wir stolz! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Nun zum Thema Abfangjäger. Ich will mich dazu überhaupt nicht verschweigen. Na­türlich ist der Schutz des österreichischen Luftraums absolut notwendig. Jeder, der es mit der österreichischen Landesverteidigung, die ja eine umfassende sein soll und da­her auch eine materielle, aber hoffentlich auch eine geistige Landesverteidigungskom­ponente beinhaltet, ernst meint, wird den Standpunkt vertreten: Es ist wichtig, dass wir zu unserem Heer und zur Exekutive in allen Facetten stehen! – Ich sage das nicht nur, weil der oberste Chef der Truppen hier im Saal anwesend ist, sondern ich würde es auch sagen, wenn er nicht hier wäre. Ich würde es auch bei einer Angelobungsfeier


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unserer Jungmänner sagen. Ich würde es in jeder öffentlichen Diskussion vertreten und bin mir sicher, dass die absolute Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher (Abg. Mag. Wurm: ... die teuersten Abfangjäger kaufen wollen! Natürlich!) ein glaub­haftes, von uns allen unterstütztes Bundesheer haben möchte. (Beifall bei der ÖVP und den Frei­heitlichen.)

Dazu gehört nun auch einmal eine österreichische Luftwaffe, und das sind natürlich Flugzeuge, die in einem Krisenfall eingesetzt werden können und müssen. Das sind Flugzeuge, die, wie erst unlängst im Irakkrieg, den souveränen österreichischen Luft­raum bewachen müssen (Abg. Mag. Wurm: ... schützen die Amerikaner!), und sie müssen dazu auch bewaffnet sein – das ist gar keine Frage.

Ich darf dazu einen mei­ner Vorgänger zitieren, der anlässlich eines Besuches bei der Panzergrenadierbrigade in Zwölfaxing wörtlich Folgendes gesagt hat:

Die Armee der Republik muss eine Ausrüstung haben, die nach allgemeiner Auffas­sung benötigt wird, um die Neutralitätspolitik glaubwürdig darzustellen. Dazu gehöre auch die Möglichkeit, entsprechende Warnungen zu demonstrieren, wenn der österrei­chische Luftraum verletzt würde. Nichts wäre gefährlicher, als wenn ein neutraler Staat zum militärischen Freiwild nichtneutraler Staaten erklärt werden würde. – Ende des Zitats.

Wissen Sie, wer das gesagt hat? – Bruno Kreisky. (Abg. Mag. Wurm: ... Die Neutrali­tät wird ausgehöhlt!) Und er hat absolut Recht! Er hat in einer schwierigen Zeit, in der es uns schlechter gegangen ist als heute, den Mut gehabt, für die Landesverteidigung in allen Facetten einzutreten. Nichts anderes tun wir alle in dieser österreichischen Bun­desregierung, und wir halten dies für absolut notwendig! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wir haben in den Budgets und in den Budgetbegleitgesetzen Ernst gemacht mit den Ansagen, dass wir die Lohnnebenkosten reduzieren wollen. Wir haben gerade für älte­re Mitarbeiter und für die jungen, für die Lehrlinge, praktisch die Lohnnebenkosten auf ein minimales Maß reduziert. (Abg. Heinisch-Hosek: ... Lehrplätze?) Wir haben zum Beispiel für über 60-Jährige die Lohnnebenkosten jetzt um 12 Prozent reduziert. (Ruf bei der SPÖ: Was nützt es?) Damit fällt aber auch jede Ausrede von Unternehmens­führern, wenn sie jetzt sagen, ältere Mitarbeiter seien zu teuer. Ich glaube, dass jetzt auch überprüft werden muss – evaluiert werden muss, wie es auf Neudeutsch heißt –, ob diese Maßnahme greift. Ich stehe dazu. Herbert Haupt und ich haben sie gemein­sam mit den Sozialpartnern ausverhandelt, und ich stehe absolut dafür ein, dass wir mit den Sozialpartnern am Verhandlungstisch – nicht über Demonstrationen und Streiks – zu vielen gemeinsamen Wegen fähig und in der Lage sind. Gerade die Lohn­nebenkostenreduktion gehört dazu.

Nun zur Pensionsreform, meine Damen und Herren. Wiederum für diejenigen, die es noch nicht gehört haben – gerade diese abschließende Debatte gibt ja die Möglichkeit, noch einmal die Eckpunkte zusammenzufassen –, darf ich im Folgenden kurz aus­führen, was wir wollen.

Erstens: Es wird in keine bestehende Pension eingegriffen. Dies gilt für Arbeiter, für Angestellte, für Bauern, für Selbständige – der Beamten-Pensionssicherungsbeitrag und der Politiker-Solidarbeitrag sind ein anderes Thema. Alle anderen Pensionen blei­ben unangetastet! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Zweitens: Wer jetzt schon in Pension gehen könnte, aber lieber länger arbeiten möch­te – was ja sehr sinnvoll ist –, soll es tun. Er hat keinerlei Nachteile durch die Reform, die im Jahr 2004 anlaufen wird.


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Drittens: Die Altersteilzeit, die ein ganz wichtiges Thema ist, sehr viel Geld kostet und ein solidarischer Beitrag der Steuerzahler und Beitragszahler für eine Verbesse­rung der Situation von älteren Mitarbeitern ist, wird verlängert, in manchen Bereichen sogar verbessert.

Viertens: Wir haben für die Kinder, für die Familien einen weiteren Durchbruch ge­schaf­fen: zwei Jahre Kindererziehungszeit werden pensionsbegründend wirken, drei Jahre werden pro Kind aus der Durchrechnung herausgenommen werden; vier Jahre Ersatz­zeit pro Kind wird es geben. Ich glaube, das ist ein großzügiges Programm. Da­zu kommt auch noch die Aufwertung der pensionsbegründenden Ersatzzeit, ein Punkt, der hoffentlich viele Frauenpolitikerinnen und Familienpolitiker aus allen Frak­tionen einigen wird. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wir haben langfristige Maßnahmen gesetzt, damit dem Vertrauensschutz Rechnung getragen wird und damit sich die Menschen rechtzeitig darauf einstellen können.

Wir haben – das war auch ein Ergebnis der Gespräche mit den Sozialpartnern, vor allem aber auch mit den Sozialpolitikern unserer Fraktionen – den Übergangszeitraum, in dem die Frühpensionen auslaufen sollen, auf 14 Jahre gestreckt. Der Übergangs­zeitraum für die Durchrechnung auf das lebenslange Arbeiten dauert 25 Jahre. Wer heute noch von „Überfall“ oder von „Pensionsraub“ spricht, meint es mit der Pen­sionsreform überhaupt nicht ernst. Das sage ich auch einmal ganz, ganz deutlich! (Bei­fall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Erlauben Sie mir, Ihnen eine Zahl zu nennen, die die Dramatik der Situation vielleicht ein bisschen besser beschreibt: Die Kosten der heutigen Frühpensionen sind gewaltig. Professor Marin hat einmal ausgerechnet, dass die Kosten der Frühpensionierung – also für Frauen vor dem 60. und Männer vor dem 65. Lebensjahr (Abg. Mag. Wurm: „Aktion 55“ haben Sie gemacht!) – insgesamt ein Volumen haben, das jeden Versi­cherten im Monat 150 € kostet, grob gesagt also etwa 1 500 bis 1 800 €.

Jetzt überlegen Sie einmal: Sie werden draufkommen, dass bei einem durchschnittli­chen Einkommen eines Arbeitnehmers der ganze Dienstnehmerbeitrag beziehungs­weise der Dienstgeberbeitrag – wie immer Sie es wollen, jedenfalls die Hälfte der Sozi­alversicherung eines aktiv Beschäftigten – nur für die Frühpensionskosten draufgeht. Ich frage Sie, ob das gerechtfertigt ist. Herr Dr. Gusenbauer, ich frage Sie, ob Ihr Mo­dell, zehn Jahre zu warten (Abg. Mag. Wurm: Mit 55 in die Pension ..., das machen Sie für die Bundesbeamten!) und erst dann anzufangen, korrekt, fair und gerecht ist. (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.)

Meine Damen und Herren Ich glaube daher, dass Österreich so wie vor der Reform auch nach der Reform das beste Pensions- und Gesundheitssystem haben wird. Aber ich schließe mich dem Wunsch des Abgeordneten Stummvoll an: Lassen Sie bitte freie Abgeordnete auch frei entscheiden. (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ und den Grü­nen.) Es darf nicht sein, dass Druck ausgeübt wird auf Unternehmerinnen, dass ih­nen ...

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Herr Bundeskanzler! Die Redezeit ist durch Be­schluss festgelegt.

 


Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel (fortsetzend): Das halte ich nicht für richtig, meine Damen und Herren! (Anhaltender Beifall bei der ÖVP und den Frei­heitlichen.)

11.23

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Cap. Die durch Beschluss des Nationalrats festgelegte Redezeit der nächsten vier Redner beträgt je­weils 8 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter. (Abg. Dr. Partik-Pablé – in Rich­tung des Abg. Dr. Cap –: Also: Was sagt die „Kronen Zeitung“?)

 



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11.24

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Und wieder haben wir eine Darstellung selek­tiver Wirklichkeitswahrnehmung bei der heutigen Stellungnahme des Herrn Bundes­kanzlers unter dem Motto: Was die Wirklichkeit ist, bestimmt er und nicht, was wirklich wirklich ist! erleben können. (Abg. Scheibner: Jetzt werden Sie philosophisch!) Das, glaube ich, ist deutlich geworden! (Beifall bei der SPÖ.)

Er hat sich halt zu einer gewissen Form von politischer Vergesslichkeit entschlossen. Natürlich sind Beamte mit 55 Jahren in Frühpension geschickt worden, Herr Bundes­kanzler! Können Sie sich an diese sündteure Aktion noch erinnern, mit der Sie dann endlich Posten frei hatten, um dort Schwarze hinsetzen zu können? Vergessen Sie das nicht! Das war Ihre Frühpensionsaktion, die wir so kritisieren! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen. – Abg. Scheibner: Wie war denn das bei euch bei der Post?)

Zum Umstand, dass es für alle Pensionen über 650 € keinen Wertausgleich mehr gibt: Ist das eine reale Kürzung, oder ist das keine reale Kürzung, Herr Bundes­kanzler? Diesen Teil der Wirklichkeit sollten Sie auch sehen und sich vor den Bürge­rinnen und Bürgern auch dafür verantworten! Wir werden dafür sorgen, dass Sie sich noch zu ver­antworten haben, spätestens am nächsten Wahltag. (Beifall bei der SPÖ.)

Herr Bundeskanzler, der andere Teil der Wirklichkeit, den Sie hier nicht dargestellt ha­ben: Wer sind die Verlierer? – Die unter 35-Jährigen! Wo greifen Sie ein? – Bei den zukünftigen Pensionen! Wer sind die Verlierer? – Die Frauen natürlich! (Zwischenruf der Abg. Dr. Brinek.)

Und nicht einmal auf die Betriebskassen kann man sich, wenn man auch wollte, ver­lassen, denn von der versuchten Streichung der Mindestver­zinsung von 1,5 Prozent waren ebenfalls 320 000 Personen betroffen. Aber nicht ein­mal darauf kann man sich verlassen!

Diesen Teil der Wirklichkeit, Herr Bundeskanzler, müssen Sie darstellen, nicht einfach flüchten und, wie Sie es am Anfang Ihrer Ausführungen getan haben, von der Erwei­terung oder von irgendwelchen anderen, wenngleich wirklich wichtigen Themen spre­chen, denn diese sind nicht Gegenstand der heutigen Debatte.

Stellen Sie sich der Wirklichkeit und geben Sie endlich zu, dass Sie damit Pensions­kürzungen und eine negative Umverteilung beabsichtigen! Sie stürzen damit künf­tig viele in die Armut, und dafür müssen Sie sich verantworten, Herr Bundeskanzler! (Bei­fall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Welche acht Abgeordneten sind das? Bucher, Dolinschek, Lichtenegger, Mainoni, Ro­senkranz, Rossmann, Scheuch, Wittauer? Die wollen wir morgen bei der namentli­chen Abstimmung genau beobachten. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Sie haben wieder ein­mal falsch beobachtet, weil die haben ja gesagt, ... noch Änderungen ...!) Was machen diese acht dann bei der Abstimmung? Auch Kollegen Neugebauer werden wir genau beobachten. Wir wollen uns genau ansehen, wie sie morgen bei der namentlichen Ab­stimmung über die Durchführung einer Volksabstimmung über dieses Gesetz ab­stimmen werden. Da werden wir es dann sehen! Das ist die Stunde der Wahrheit!

Bei der namentlichen Abstimmung morgen über dieses Budgetbegleitgesetz, na­mentlich ins Protokoll: Da ist dann Schluss mit dem blauen Wasserdampf! Da zählt dann nur mehr, welche Karte hier in den Schlitz geworfen wird! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Wie es ihm eben passt, dem Herrn Bundeskanzler, so wählt er dann jeweils die Zitate. Nur: Manchmal kommt er mir wirklich bereits wie ein Kapitän vor, dessen Schiff schon längst an den blauen Klippen zerschellt ist, der nur mehr auf einer Holzplanke sitzt,


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aber immer noch Kommandos verteilt. Keiner hört mehr die Kommandos, nur die Fi­sche schauen verwundert hinauf, und einer fragt: Was will der da oben? (Heiterkeit bei der SPÖ und den Grünen.) Darauf sagt ein anderer Fisch: Der kommt ohnehin ir­gendwann herunter, reg dich nicht auf! (Abg. Neudeck: ... So schwach waren Sie über­haupt noch nie!)

Das ist im Endeffekt die Situation! Und diese Situation entstand – deswegen habe ich die acht Abgeordneten hier zitiert – auf Grund der Unkalkulierbarkeit, der Instabilität dieser Bundesregierung, sofern man überhaupt von einer Bundesregierung sprechen kann in dem Zustand, in dem sie sich zurzeit befindet. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Neu­deck: Für diese Opposition reicht es noch immer!)

Herr Bundeskanzler, wenn Sie schon Bruno Kreisky zitieren – Sie sollten versuchen, Ihre politische Vergesslichkeit zu überwinden und einmal an diese Zeit zu denken –: Das war halt die Zeit, als es noch eine Außenpolitik gab. Das war die Zeit, als Außen­politik und Sicherheitspolitik noch eng verflochten waren. (Zwischenruf der Abg. Dr. Brinek.) Das war die Zeit, als man es zum Beispiel auch als einen Teil der Außen- und Sicherheitspolitik begriffen hat, Wien zu einem Zentrum der UNO zu machen, wäh­rend Sie mit Ihren provinziellen Initiativen damals versucht haben, selbst den Bau der UNO-City zu verhindern! (Abg. Mag. Wurm – in Richtung ÖVP –: Das ist halt der Un­terschied!) Das war halt die Zeit, als noch Beschäftigungspolitik gemacht wurde (Abg. Amon: Schulden haben Sie gemacht!), als es noch eine hohe Beschäftigungsra­te und eine äußerst niedrige Arbeitslosenrate gab. Das war die Zeit, als es noch Chancen­gleichheit gab, meine Damen und Herren von ÖVP und FPÖ! (Beifall bei der SPÖ so­wie des Abg. Dr. Van der Bellen. – Zwischenbemerkung von Bundeskanzler Dr. Schüssel.)

Das, was Sie jetzt machen (Abg. Dr. Trinkl: Ist reparieren!) mit Ihrer Umvertei­lungs­politik, mit den Bildungsbarrieren, die Sie einführen, ist: keine Steuerre­form (Zwischen­ruf des Abg. Scheibner), nicht den Konsum ankurbeln, nicht die Wirt­schaft beleben – denn auf die Steuerreform warten wir auch schon ewig –, keine Beschäftigungspolitik.

Das, was Sie jetzt machen, bedeutet auch, dass Sie das Prinzip der Chancengleichheit be­seitigen: Oben soll wieder oben bleiben, unten soll wieder unten bleiben! Keine Durch­lässigkeit! Keine offene Gesellschaft! Keine Chancengleichheit! Das ist die Schüssel-Republik, die wir ablehnen! (Beifall bei der SPÖ.)

Aber der „beste“ Witz des Tages ist folgender: Jeder, der gegen die Beschaffung der Eurofighter ist, ist nach Meinung des Bundeskanzlers gegen das Bundesheer. (Abg. Großruck: So ist es!) – Dann müssten 90 Prozent derer, die im Bundesheer tätig sind, gegen das Bundesheer sein, weil sie eben nicht verstehen, dass so viel Geld in den Ankauf dieser sündteuren Kriegsflugzeuge fließt, während es für die anderen Berei­che – die Instandhaltung der Kasernen, die Artillerie (Abg. Murauer: Die ÖBB!), die Transportfahrzeuge und die Kommunikation – kein Geld gibt. (Abg. Amon: ÖBB!) Der Unmut im Bundesheer wächst von Stunde zu Stunde, weil nur Geld für diese sündteu­ren Kriegsflugzeuge vorhanden ist. (Abg. Dr. Fekter: ÖBB!)

Weiters sagt der Herr Bundeskanzler: Die Eurofighter müssen auch mit Bewaff­nung ausgestattet sein. – Das ist wiederum ein Teil der Schüsselschen Wirklichkeit – nur ein Teil! –, denn nur 4 Flugzeuge sind tatsächlich bewaffnet (Abg. Mag. Molterer: Wol­len Sie mehr?), 14 sind nicht bewaffnet, diese werden als sündteu­re Fotoapparate durch die Gegend fliegen, wenn sie einmal fliegen können, sofern sie überhaupt fertig gestellt sind und geliefert werden können, obwohl das oh­nehin schon nicht mehr sinnvoll ist, wie „Die Zeit“ in ihrer Ausgabe von vergangenem Samstag geschrieben hat, da diese Flugzeuge bereits überholt, vor allem strategisch überholt sind.


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Also: Das ist ein Unsinn, ein sündteurer Unsinn! Ich sage Ihnen, dass die Österreiche­rinnen und Österreicher Ihnen das nicht vergessen werden: keine Steuerreform (Abg. Scheibner: Wo ist „keine Steuerreform“?), Griff in ihre Taschen und Pensionskürzun­gen, nur damit man diese sündteuren Eurofighter ankaufen kann. (Zwischenruf der Abg. Dr. Fekter.) – Diese Vorgangsweise lehnen wir von der SPÖ total ab; das sage ich Ihnen hier noch einmal eindeutig! (Beifall bei der SPÖ.)

Milliarden und Abermilliarden fließen in diese Beschaffung. Es werden über ei­nen län­geren Zeitraum an die 5 Milliarden €, 70 Milliarden Schilling sein. Ich frage mich: Wer soll das bezahlen? Der Herr Finanzminister wird dann schon lange nicht mehr auf der Regierungsbank sitzen. Er wird es sich mit Sicherheit durch sein Jobhopping schon wieder verbessert haben, aber das, was er uns hier gelassen hat, ist dieses „Schulden­batzerl“, das in Wirklichkeit ein riesiger Batzen ist.

Das werden noch Generationen abzahlen müssen! (Abg. Dr. Trinkl: Lies nach bei Kreisky!) Dazu kann ich Ihnen nur sagen: Der nächste Wahltag ist der Zahltag. – Ich freue mich schon darauf. (Beifall bei der SPÖ.)

11.32

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Spin­delegger. Redezeit: 8 Minuten. – Bitte.

 


11.33

Abgeordneter Dr. Michael Spindelegger (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundes­kanzler! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Wir haben vom Kollegen Cap gerade wieder etwas über die rühmliche Zeit von Bruno Kreisky und dessen Ar­beitsmarktpolitik gelernt. Diese ist uns wirklich in Erinnerung, denn die Schul­den, die damals aufgenommen wurden, müssen wir heute noch mühsam zurück­zahlen, Herr Kollege Cap. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Mag. Prammer: Wo würden wir denn stehen ...? – Abg. Dr. Gusenbauer: Aus Ihrem Wort spricht die ...!)

Nebenbei haben Sie auch noch die nach Kreisky regierenden sozialdemokratischen Bundeskanzler – Sinowatz, Vranitzky, Klima – ein wenig ins Eck gestellt. Sie wollen offenbar nicht mehr gerne daran erinnert werden, was in deren Regierungszeit alles geschehen ist. (Abg. Mag. Gaßner: Ja wo wart denn ihr damals?)

Kollege Cap, einen Vorwurf darf ich Ihnen allerdings nicht ersparen: Es zieht sich in Ihren Debattenbeiträgen wirklich wie ein roter Faden durch: keine Ernsthaftigkeit der Diskussion, sondern müde Scherze, kein einziger sachlicher, kritischer Alternativvor­schlag, den Sie vorbringen. Und insgesamt repräsentieren Sie eine Fraktion, die auch heute wieder versucht, hier auf dieses Parlament Druck auszuüben. – Ich werde darauf noch später eingehen und das auch schärfstens verurteilen. (Zwischenruf des Abg. Dr. Matznetter.)

Meine Damen und Herren von der SPÖ! Erstens: Die steuerlichen Maßnahmen, die in diesem Budgetbegleitgesetz enthalten sind, haben Sie offenbar ganz vom Tisch ge­wischt. (Abg. Dr. Glawischnig: Gar nicht ...!) Ich halte fest: Wir von der ÖVP wollen für die Bezieher kleinster Einkommen – bis 1 000 € Bruttoeinkommen pro Monat – künftig keine Steuerleistung. (Abg. Dr. Glawischnig: Das ist aber unrichtig!) Wir sagen das deshalb, weil uns diese Menschen wirklich am Herzen liegen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Zweitens: Sie haben kein Wort darüber verloren, was wir für ältere Arbeitnehmer tun wollen. Wir haben im Budgetbegleitgesetz vorgesehen, dass die Lohnnebenkosten ge­senkt werden, dass sie ein Recht auf Weiterbildung haben, und zwar deshalb, weil es uns ganz wichtig ist, dass die älteren Arbeitnehmer im Erwerbsleben bleiben. (Abg. Heinisch-Hosek: Ein Rechtsanspruch, der keiner ist!)


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Drittens: Gesundheitspolitik. Nichts erwähnen Sie, meine Damen und Herren von der SPÖ, über dieses Thema. Die künftige Politik im Gesundheitsbereich soll sein, viel stärker auf die Vorsorge zu achten, viel stärker die Prophylaxe ins Zentrum der Bemü­hungen zu stellen, damit man nicht die Krankheit bekämpfen muss, sondern bereits deren Entstehung verhindert. Das ist ein wichtiger Meilenstein in der Politik dieser Bundesregierung. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Aber ich möchte natürlich auch auf die Pensionssicherungsreform eingehen. Sie ist ein ganz zentrales Thema, meine Damen und Herren, und es verwundert mich, dass kein Redner der Opposition bisher auf die Rahmenbedingungen eingegangen ist. Glau­ben Sie, dass Sie eine andere Bevölkerungsentwicklung vor sich haben, wenn Sie das durch die rote Brille anschauen?

Jeder Bürger in Österreich kennt das und weiß, dass in seiner Umgebung viel weniger Kinder existieren als früher. (Abg. Dr. Matznetter: Es gibt auch weniger Bauern und trotz­dem ...!) Das bedeutet: weniger Einzahler in das System. (Abg. Grillitsch – in Rich­tung des Abg. Dr. Matznetter –: Wiederholen Sie das mit den Bauern!) Und jeder weiß doch ganz genau, dass auch in seiner Familie die Familienmitglieder eine höhere Lebenser­wartung haben. Also, ein doppeltes Altern: nicht nur jener, die heute schon älter sind, sondern auch der zukünftigen Generationen, und unterm Strich viel mehr „He­rausnehmer“ aus dem System. (Abg. Dr. Glawischnig: Aber was ist Ihre Ant­wort?) – Die Antwort ist, dass wir natürlich jetzt eine Pensionssicherungsreform ma­chen müs­sen, damit in vielen Jahren die Pensionen sicher sind, meine Damen und Herren. (Bei­fall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Wir muten dabei den Österreichern auch einiges zu, selbstverständlich. Es ist für nie­manden lustig, wenn er zukünftig weniger Pension hat als heute, aber die Alternativen sind Sie uns schuldig geblieben. (Zwischenruf des Abg. Öllinger.) Was würden denn Sie sagen? (Abg. Dr. Matznetter: Mehr Wachstum, mehr BIP, mehr ...! Das ist die Lö­sung! Aber darauf sind Sie noch nicht gekommen!)

Einmal haben wir einen Vorschlag des ÖGB-Präsidenten Verzetnitsch gehört, der hieß: Wir wollen einfach die Beiträge erhöhen. – Meine Damen und Herren! Herr Prä­sident Verzetnitsch! Sie sollten eigentlich alle Ar­beitnehmer in diesem Land vertreten, vor allem jene, die jetzt im Erwerbsleben stehen und durch ihre Pensionssiche­rungs­beiträge, die sie Monat für Monat leisten, den Pen­sionisten eine Pension ermöglichen. An diese sollten Sie auch einmal denken und nicht nur an die über 55-Jährigen, die jetzt kurz vor der Pension stehen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Frei­heit­lichen.)

Meine Damen und Herren! Das, was wir zumuten, ist eine langfristige Änderung. Das Frühpensionsalter wird jetzt über einen Zeitraum von 14 Jahren an das gesetzliche Antrittsalter herangeführt. Das soll überfallsartig sein?

Wir muten den Leuten zu, dass sie zukünftig einen 40-jährigen Durchrechnungszeit­raum haben. 40 Jahre wird der Durchrechnungszeitraum aber erst 2028 betragen, also eine Übergangsfrist von 25 Jahren! Das soll überfallsartig sein, meine Damen und Her­ren?

Wir verändern auch die Berechnung der Steigerungsbeträge in einem Übergangs­zeit­raum von fünf Jahren. (Abg. Heinisch-Hosek: Ohne Aufwertung!) Das soll über­falls­artig sein?

Meine Damen und Herren! Das sind langfristige Maßnahmen, die langfristig wirken sol­len, die auf die vorliegenden Budgets fast keine Auswirkung haben, die aber wichtig sind, damit längerfristig Pensionen auch Pensionen bleiben können. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)


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Wir haben uns, was die soziale Dimension anlagt, nach sehr vielen Diskussions­pro­zessen in der eigenen Fraktion und zwischen den Regierungsparteien, an den Tisch ge­setzt und versucht, etwas für die Bürger, auch in Richtung sozialer Verantwortung, so in den Gesetzesprozess einzubringen, wie wir das heute und spätestens morgen mit einem weiteren Abänderungsantrag auch verantwortungsvoll tun können. (Abg. Dr. Gusenbauer: Aha! Ein neuer Abänderungsantrag!)

Wir werden eine 10-Prozent-Deckelung von allen möglichen Verlusten verankern. Mei­ne Damen und Herren! Wenn ich nicht mehr als 10 Prozent einer Pension von 2003 verlieren kann, dann, glaube ich, kann niemand mehr sagen, wir müssen auf die Stra­ße gehen, streiken und sagen: Pensionsraub! (Abg. Verzetnitsch: ... die 700 € weni­ger!) Das, was Sie hier geliefert haben, ist völlig überzogen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Wir werden zum Zweiten die so genannte Frühpension wegen sehr langer Versiche­rungs­dauer bei 45 Beitragsjahren fortbestehen lassen. Es wird auch künftig die Mög­lichkeit geben, nach 45 Beitragsjahren, weil man eben so lange gearbeitet hat, in Pen­sion zu gehen. Wir werden den Ausgleichszulagenrichtsatz für Ehepaare auf 1 000 € an­heben – auch eine soziale Dimension! Und wir werden einen Härtefonds einrichten, der all jene Fälle mildert, die durch alle gesetzlichen Regelungen nicht erreicht werden können.

Das ist eine soziale Dimension, die diesen Namen verdient, meine Damen und Herren! Es war schwierig genug, zu dieser Lösung zu kommen, aber ich halte sie im Interesse der Österreicher für sehr verantwortungsvoll und zukunftsreich. (Abg. Dr. Matznetter: Warum haben Sie den ... Vorschlag nicht genommen?)

Lassen Sie mich noch zu den Alternativen kommen, die Sie von der Opposition auf den Tisch gelegt haben. Bei der SPÖ sind wir da schnell fertig: Ein Konzept, ja, aber erst nächste Woche, und dann ein wenig später und in ein paar Ansätzen, aber nicht mehr. (Abg. Dr. Gusenbauer: Sie haben es nicht gelesen!)

Vom ÖGB habe ich bereits erwähnt, dass Herr Präsident Verzetnitsch mit seinen sozi­aldemokratischen Gewerkschaftern von Beitragserhöhungen gesprochen habe. Dies ist nicht der richtige Weg! (Abg. Gradwohl: Der Neugebauer wird sich bedanken, dass er sozialdemokratischer Gewerkschafter ist!) Aber dass Sie jetzt auch noch versuchen, auf uns Druck auszuüben! Dazu darf ich Ihnen ein Schreiben vorlesen – ich zitiere –:

Wie soeben bei der Sitzung der Vorsitzenden besprochen, führt der ÖGB am heutigen Tag folgende Aktion durch: Am Vormittag führen wir rund um das Parlament einen Au­tokonvoi durch. Abgesehen von den Fahrern muss in jedem Auto eine zweite Person sitzen, die ein Plakat mit aussagekräftigen Aufschriften Richtung Parlament hält. Dies wird lautstark durch Gashupen, wie sie die Sportfans benutzen, unterstützt. Nach eini­gen Runden wird die Polizei reagieren und die Nebenstraßen rund ums Parlament sperren. – Zitatende. Und so weiter und so fort.

Meine Damen und Herren! Das wird offensichtlich mit den Beiträgen, welche die ÖGB-Mitglieder zahlen, von Ihnen, Herr Präsident, vorgesehen. Ich frage mich: Wo bleiben die soziale Dimension und die Verantwortung des ÖGBs? Welche soziale Kompetenz hat er heute noch, wenn mit solchen Maßnahmen, die wir hier herinnen nicht einmal hö­ren – Herr Präsident, das können Sie Ihren Leuten erzählen: Hier im Plenarsaal hö­ren wir gar nichts davon! –, vorgegangen wird? Wenn das seine soziale Kompetenz ist, meine Damen und Herren, dann gute Nacht ÖGB! Mit unseren Mitgliedsbeiträgen, auch mit meinen, sollten Sie das wirklich nicht finanzieren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzeichen.)


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Ich darf meinen Schlusssatz sagen: Meine Damen und Herren! Diese Pensionssiche­rungsreform war schwierig, aber sie ist sozial gerecht und verantwortungsvoll. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

11.41

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Dr. Gla­wischnig. Die Redezeit beträgt ebenfalls 8 Minuten. – Bitte.

 


11.41

Abgeordnete Dr. Eva Glawischnig (Grüne): Herr Präsident! Meine Damen und Her­ren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Wir erleben das jetzt schon mehrere Male hintereinander: Vertreter der Regierungsparteien und auch der Bundeskanzler selbst versuchen, mit Schönreden und weniger Eingehen auf Argumente und Kritik­punkte etwas schönzumachen, schönzufärben, was nicht möglich ist.

Ich glaube, die Bevölkerung und auch die politischen Kommentatoren haben das durchschaut. Die Bilanz, die Sie in den letzten Tagen ausgewiesen bekommen haben, war verheerend: So schnell hat noch keine Bundesregierung das Vertrauen der Bevöl­kerung verspielt – minus 10 Prozent in den Umfragen. Die Arroganz der Macht wird hier herausgestellt. Seit dem Wahlsieg glaubt die ÖVP auf die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern verzichten zu können. (Abg. Dr. Trinkl: Geh! Geh!)

Aber es ist tatsächlich so: Große Änderungen brauchen Akzeptanz. Ich denke, die Men­schen in Österreich lassen sich nicht für dumm verkaufen, und Akzeptanz erhält man nur dann, wenn man die Argumente, die hinter einer Reform stehen, ansatzweise nachvollziehen kann.

Die Pensionsreform ist nicht nachvollziehbar, sie ist nicht verständlich. Der Kauf der Abfangjäger ist nicht nachvollziehbar; noch dazu mit dem Behübschungsversuch, den Menschen einzureden, dass sie dadurch, dass die Abfangjäger gekauft werden, sogar noch etwas bekommen.

Sozialpolitik – es ist nicht nachvollziehbar, wenn man Sozialpolitik ausschließlich auf Budgetrestriktionen beschränkt, Zukunftsfragen völlig ausklammert und immer nur in Reden beschwört, aber nie in den Gesetzen umsetzt. Vom Technologiefonds war heu­te die Rede, auch vom Ausbildungsprogramm für die Jugendlichen – davon spre­chen Sie hier, im Budgetbegleitgesetz und im Budget ist es jedoch nicht enthalten.

Die Bevölkerung hat Sie durchschaut: Sie haben einen massiven Vertrauensverlust ge­genüber den Österreicherinnen und Österreichern zu verantworten. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Aber es geht nicht nur um die Missachtung der Bevölkerung, sondern auch um die Miss­achtung des Parlaments. Es muss hier noch einmal vor Augen geführt werden, was in den letzten Monaten, in denen angeblich so viel verhandelt worden ist, soviel diskutiert worden ist im Budgetausschuss, geschehen ist: Es waren ursprünglich acht Stunden, und es sind auch nicht mehr geworden als die acht Stunden, denn die letzt­gültigen Abänderungsanträge sind erst ganz zum Schluss vorgelegen, und zwar abge­sichert mit einem entsprechenden Fristsetzungsantrag, sodass im Budgetausschuss ja nichts mehr schief gehen kann. Ein Antrag, der die Regierungsvorlage sofort ins Ple­num „zieht“; angeb­lich wird ja jetzt noch verhandelt. Es ist das, was dieses Budget­be­gleitgesetz betrifft, letztendlich eine beispiellose Missachtung und ein Tiefpunkt parla­mentarischer Kultur! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Zu den Eckpunkten dieses Budgetbegleitgesetzes: Pensionsreform. Viele Fragen sind nach wie vor unbeantwortet. Es stört mich unermesslich, dass Sie jedes Mal, wenn es um Argumente geht, eine Formel beschwören, die nichts anderes ist als der Versuch einer Beschwörung, aber keine Politik, nämlich ausschließlich auf die so genann­ten


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Interessen der Jugend und auf die Pensionssicherung der jungen Leute zu verwei­sen, ohne jedoch die Fragen zu beantworten, die Sie eigentlich zu beantworten hätten.

Was sind denn die Eckpfeiler Ihrer zukünftigen Reform? Wo ist denn die Harmonisie­rung? – Außer einem müden Abänderungsantrag, der vom Kollegen Dolinschek ange­kündigt worden ist, weiß ich von nichts. Wo ist denn die ausreichende Mindestpension? Wo ist denn die eigenständige Frauenpension? Wo ist denn die Zukunftsplanungssi­cherheit für Menschen unter 35 Jahren (Abg. Dr. Fekter: Beim Pensionskonto! Beim eigenen Pensionskonto!), außer jetzt im ASVG-System einfach nur zu kürzen? Wo ist denn die Rechtssicherheit? Wo ist denn die Verfassungsgesetzmäßigkeit? Wo sind denn all diese wichtigen Punkte, die Grundpfeiler und Fundamente einer Re­form dar­stellen sollten? Wo bleibt denn insgesamt Ihr Modell für Menschen unter 35 Jahren? (Abg. Dr. Fekter: Pensionskonto, Frau Kollegin!) Worauf können sie sich denn in Zu­kunft verlassen? – Auf gesetzliche Pensionskassen, die Sie jetzt aus der Misere holen wollen, indem Sie den gesetzlichen Mindestzinssatz senken – ist das Ihre Antwort für die jungen Leute? (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Es gibt keine nachvollziehbaren Argumente, und es gibt keine Argumente, warum die­se Pensionsreform in dieser Form über die Bühne gehen muss. Nachhaltig ist nur die Verschlechterung, die Verschlechterung für junge Menschen und auch für Frauen, die in unvergleichbarer Weise zusätzlich zu ihrer bestehenden Lebenssituation noch ein­mal diskriminiert werden. Es ist ein unglaublicher Hohn, Herr Bundeskanzler, wenn Sie davon sprechen, dass sich mit dieser Pensionsreform die Situation für Frauen verbes­sern wird. Das Gegenteil ist der Fall. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Der zweite Eckpunkt: die Abfangjäger, die so genannten Kampfjets. Sie haben ein Kreisky-Zitat gebracht, nur, denke ich, etwas zeitgeschichtliche Aufarbeitung inklusive Umfeldanalyse wäre ganz gut. Das Zitat, das Sie gebracht haben, stammt aus einer Zeit, als die Tschechoslowakei und Ungarn noch Mitglieder des Warschauer Paktes waren. (Zwischenruf der Abg. Dr. Brinek. – Abg. Mag. Molterer: Glawischnig vertei­digt!) Ich denke, es empfiehlt sich ein anderes zeitgeschichtliches Interpretationsmus­ter, das Kreisky angeboten hat für Journalisten; allerdings ist es auch für Politiker ganz hilfreich, Geschichte zu lernen und sie auf aktuelle Situationen anzuwenden. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Die Höhe der Gesamtkosten sind Sie uns nach wie vor schuldig geblieben, die Hunder­ten Fragen, die unsere Abgeordneten im Budgetausschuss gestellt haben, sind unbe­antwortet geblieben. Die Frage nach den wahren Kosten der Kampfjets ist unbeantwor­tet. Auch in diesem Zusammenhang frage ich mich, wo die Kärntner Rebellen bleiben, die letztes Jahr den Kärntner Wahlkampf damit geführt haben, dass die Abfangjäger verhindert sind. Gibt es hier keinen Entschließungsantrag, erstens die wahren Kosten auf den Tisch zu legen und zweitens die Abfangjäger tatsächlich zu verhindern? Herr Kollege Dolinschek, Herr Kollege Scheuch, die Abgeordneten aus Kärnten, gibt es hier keinen Widerstand gegen die Abfangjäger? (Beifall bei den Grünen und bei Abgeord­neten der SPÖ.) 6,8 Milliarden € an Belastungen für die zukünftigen Generationen. (Abg. Scheibner: Es wird immer mehr! Jetzt sind wir bald bei 10 Milliarden!)

Auch das wieder, ohne eine Systemfrage zu beantworten, nämlich: Was ist unsere Rolle in einem künftigen EU-Sicherheitssystem? – Außer Kampfflugzeuge zu kaufen, ha­ben Sie keine Antwort darauf gegeben, Herr Bundeskanzler. (Abg. Scheibner: Le­sen Sie die Sicherheitsdoktrin!)

Der dritte Kernpunkt Ihrer Budgetbegleitgesetze: die Steuerreform. Zwei Missverständ­nisse hier kurz faktenmäßig aufgeklärt: Die angebliche Entlastung der untersten Ein­kommensschichten trifft nur einen ganz schmalen Bereich. Die Bezieher der kleinsten


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Einkommen werden durch die so genannten Ökosteuern voll belastet – ich sage: so genannten Ökosteuern, weil es ein Missbrauch der Idee einer ökosozialen Steuerre­form ist.

Sie belasten natürlich wieder einmal – denn auf diesem Auge sind Sie völlig blind – Frauen viel stärker als Männer. 17 Prozent der Frauen haben unter 1 000 € Mo­nats­einkommen, und diese erhalten null Entlastung, nur Belastungen. Ich frage Sie, wo die von Ihnen angekündigte Prüfung der Auswirkungen Ihrer Steuerreform auf die Ge­schlech­ter geblieben ist. Auch in diesem Zusammenhang haben Sie Argumente ver­missen lassen, warum Sie das ständig übersehen oder sichtlich bewusst missachten.

Ökosteuer – ich weiß nicht, was da ökologisch sein soll? Die Schere zwischen Diesel und Benzin geht weiter auseinander, obwohl wir nachweislich Tausende Todesfälle und vor allem sehr viele Kindererkrankungen auf Grund der Rußpartikel in Österreich haben. Es ist nichts als eine weitere Subvention für die Frächterlobby, Diesel weiterhin billiger zu halten, und kann mit einer ökologischen Steuerreform nicht im Funken ver­glichen werden.

Weil meine Redezeit jetzt schon zu Ende geht, nur noch Folgendes: Herr Bundeskanz­ler, Sie haben am Anfang sehr, sehr ausführlich zur Erweiterung gesprochen, und ich bin sehr verwundert, dass Sie zu einer wesentlichen Frage, die jetzt auf europäischer Ebene ansteht, keinen einzigen Satz verloren haben, nämlich zum Konvent, zur euro­päischen Verfassung und zu einer dramatischen Entscheidung, die in diesen Tagen dort ansteht: nämlich EURATOM, die milliardenschweren Atomsubventionen weiterhin in der europäischen Verfassung zu verankern. – Kein österreichischer Widerstand, keine österreichische Initiative, kein Wort unseres Bundeskanzlers? (Zwischenruf der Abg. Dr. Fekter.)

Herr Bundeskanzler! Ich bin schwer enttäuscht, und deswegen meine ich, dass es ab­solut dringend notwendig ist, das Greenpeace-Volksbegehren zu unterschreiben, denn dieser Bundesregierung kann man weder bei Zukunftsfragen noch bei Überlebensfra­gen, noch bei Sozialfragen, noch bei europäischen Fragen trauen. Deswegen ist es wich­tig, das Volksbegehren ab heute zu unterschreiben.

Dieser Bundesregierung ist nicht zu trauen, was die Entscheidungen auf europäischer Ebene betrifft. – Danke. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

11.49

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Dr. Bleck­mann. Redezeit ebenfalls 8 Minuten. – Bitte.

 


11.49

Abgeordnete Mag. Dr. Magda Bleckmann (Freiheitliche): Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes Haus! Um es mit den Worten des Abgeordneten Van der Bellen zu sa­gen: Es ist nicht „leiwand“ oder „leinwand“ – oder wie er gesagt hat. – Das ist richtig: Heute Politik zu machen, das ist nicht mehr leiwand, nicht mehr einfach, denn die Zeit des Geldausgebens ist vorbei! (Abg. Mag. Wurm: Außer für die Abfangjäger!) Jetzt ist die Zeit der seriösen, verantwortungsvollen Politik angebrochen. Das ist richtig. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.) – Sie nicken, danke.

Gleich zu Ihnen, ich verstehe Sie nämlich jetzt wirklich nicht mehr, Kollegen von der SPÖ: In den ersten Wortmeldungen, Kollege Cap, haben Sie davon gesprochen, dass die Älteren zu schützen sind, dass deren Pensionen zu sichern sind. Dann sind Sie draufgekommen, dass mit dieser Pensionsreform in bestehende Pensionen nicht ein­gegriffen wird – nur in Politikerpensionen, aber in andere bestehende Pensionen wird nicht eingegriffen –, und jetzt fällt Ihnen dazu nichts mehr ein. Dann haben Sie gesagt, es müsse all jenen geholfen werden, die angeblich so enorme Verluste ha­ben. Ihr Ex-


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perte im Budgetausschuss hat gesagt, 15 Prozent seien in Ordnung – jetzt setzt die Regierung 15 Prozent Deckelung der Verluste (Abg. Dr. Fekter: 10 Prozent!) – Ent­schul­digung, 10 Prozent! –, 10 Prozent Deckelung der Verluste fest, und auch dazu fällt Ihnen nichts mehr ein.

Das letzte Argument, das Ihnen noch bleibt: Man muss die unter 35-Jährigen schüt­zen! – Die unter 35-Jährigen, die Ihnen jahrzehntelang egal waren. (Beifall bei den Freiheitlichen.) Fragen Sie einmal die unter 35-Jährigen, ich gehöre nämlich auch da­zu – die waren Ihnen egal! (Zwischenrufe bei der SPÖ und den Grünen.)

Fragen Sie einmal Leute in meinem Alter, die sagen: Bei der Regierung, die es früher gegeben hat, ist uns klar, dass die Pensionen nicht gesichert sind, denn die hat das Geld in hohem Bogen, in Bausch und Bogen hinausgeworfen, sodass der Generatio­nenvertrag nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Und deshalb gibt es die Proble­me, vor denen wir heute stehen. – Das ist das, worum es eigentlich geht: Die Pro­bleme, die Sie in die Welt gesetzt haben, indem Sie nicht verantwortungsvoll ge­handelt haben, müssen jetzt beseitigt werden. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abge­ordneten der ÖVP.)

Wir Freiheitliche wollen reformieren statt zu blockieren, wir wollen reformieren statt zu demonstrieren, und wir wollen ... (Zwischenruf bei der SPÖ.) Ja, genau, Sie wissen es schon: Wir wollen reformieren statt abzukassieren, wie es Teile von Ihnen tun. Denn wir Freiheitliche verhandeln bis zum Schluss. Statt zu jammern und zu beklagen, was es alles nicht gibt, verhandeln wir bis zum Schluss! Wir verlassen nicht den Verhand­lungstisch, sondern unsere Abgeordneten verhandeln bis zum Schluss, um das Beste für die Bevölkerung herauszuholen. Das ist verantwortungsvolle Politik! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei den Grünen.)

Sehr geehrte Damen und Herren! Es sind drei Punkte, die uns wichtig sind: erstens die Harmonisierung (Abg. Dr. Glawischnig: Ja wo ist denn die Harmonisierung?), zwei­tens der Schutz der kleinen Einkommen – warten Sie ein bisschen (Abg. Dr. Gla­wischnig: Wo ist sie, wo denn?) – und drittens die Politikerpensionen.

Der erste Punkt: die Harmonisierung. Dazu gibt es ein Zitat: Mit der Harmonisierung werden die bestehenden Ungerechtigkeiten zwischen den einzelnen Berufsgruppen auf unbestimmte Zeit einzementiert. Nur wenn es ein einheitliches System mit gleichen Beiträgen und gleichen Leistungen gibt, haben wir ein gerechtes System, das auch finanzierbar ist. (Abg. Mandak: Wo ist die Harmonisierung?) Jeder Euro, der einge­zahlt wird, muss gleich viel wert sein. – Stimmen Sie dem zu? Ich frage Sie, vor allem die Kollegen der SPÖ, es ist das nämlich ein Zitat von Ihnen, von Ihrem Par­teiobmann, aus dem offenen Brief.

Er hat ja vollkommen Recht: bestehende Ungerechtigkeiten. – Frage eins an Sie: Wo kommen die bestehenden Ungerechtigkeiten denn her? – Das ist das System, das Sie mit Ihrer jahrzehntelangen Sozialpolitik geschaffen haben! (Abg. Dr. Matznetter: Sie machen es schlechter!) Sie lamentieren hier über bestehende Ungerechtigkeiten, die Sie in die Welt gesetzt haben! – Warum haben Sie denn das nicht verändert, warum haben Sie das nicht anders gemacht? Für uns ist es jetzt schwierig, da haben Sie Recht, aber warum haben Sie es nicht verändert, denn wir sind noch nicht so lange in der Regierung?! Das, was Sie jahrzehntelang aufgebaut haben, können wir leider nicht von heute auf morgen ändern. Es braucht ein bisschen Zeit, Ihre Ungerechtigkeiten zu beseitigen. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Zwischen­rufe bei der SPÖ und den Grünen.)

Frage zwei: Werden Sie der Harmonisierung zustimmen? – Sie werden sich wundern: Es wird die Harmonisierung festgeschrieben in einem Entschließungsantrag. Und jetzt sagen Sie: Der ist nichts wert, der ist müde! (Abg. Dr. Matznetter: Sehr müde!) – Ein


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Entschließungsantrag, in dem die Regierungsparteien sagen, sie bekennen sich zur Harmonisierung, sie bekennen sich dazu, dass die Harmonisierung der Beitragssätze und Beitragsgrundlagen bei gleichzeitiger Vereinheitlichung der Leistung stattfindet, dass es zu einer Verbesserung der Aufwertung kommt, dass es zur Einbindung aller kommt – der Sozialversicherungen und Sozialversicherungsträger, eben auch Ihrer Klientel, was Sie auch nicht gerne hören –, dass es dazu kommt, dass alle in ein einheitliches System kommen – Beamte, ASVG-ler, Gewerbetreibende, Bauern und alle anderen, auch Selbständige. (Abg. Silhavy – ein Konvolut an schriftlichen Unter­lagen zeigend –: Und wo steht das da drinnen?) All das wird festgeschrieben werden. Das neue einheitliche Pensionssystem für alle Erwerbstätigen soll jedenfalls im Jahre 2004 in Kraft treten.

Das wird ein Entschließungsantrag sein (Abg. Silhavy: Ach so!), und ich bin gespannt, ob Sie dem zustimmen werden, Kollegin Silhavy! Sie reden ja davon, dass Sie das haben wollen, daher wird das die Nagelprobe auch für Sie werden. Wir werden sehen, ob Sie dem dann zustimmen werden.

Ihre Sozialpartner haben sich ja geweigert, an den Verhandlungen weiter teilzuneh­men, vielleicht wäre ja mehr drinnen gewesen, wenn sie weiterverhandelt hätten, viel­leicht hätte man noch mehr festschreiben können. Aber wir versichern Ihnen: Wir wer­den es für die Zukunft auch festschreiben, jetzt als erstem Schritt in einem Entschlie­ßungsantrag, aber vielleicht werden wir auch speziell für Sie noch einen Extra-Antrag machen, wodurch auch Sie die Möglichkeit haben (Zwischenruf der Abg. Silhavy), dem zuzustimmen, einen Antrag, in dem nämlich steht, dass auch in den Ländern und Gemeinden harmonisiert werden soll – das braucht nun einmal eine Zweidrittelmehr­heit, eine Verfassungsmehrheit, die wir nur mit der SPÖ gemeinsam erreichen können; dem haben Sie sich ja bisher auch verweigert. Wir sind daher schon sehr gespannt auf Ihr Abstimmungsverhalten, denn es wird zeigen, ob Sie wirklich für die Harmonisierung sind.

Der nächste Punkt sind die Politikerbezüge. (Abg. Öllinger: Ja, da passe ich jetzt auf!) Wir haben immer gesagt: Hier muss das Pensionsantrittsalter auf 65 Jahre angehoben werden, wie im ASVG auch, es soll keine Doppelbezüge geben, und die Solidaritäts­abgabe wird kommen. – Wir werden sehen, wie sich die Kollegen von der SPÖ verhal­ten werden, wenn wir die Solidaritätsabgabe dann für die Politiker festschreiben wer­den. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP. – Abg. Dr. Bleck­mann überreicht Abgeordnetem Dr. Gusenbauer einen weißen Luftballon, an dem ein Taferl mit einer Aufschrift angebracht ist. – Nach kurzer Zeit steigt der Luftbal­lon bis zur Saaldecke.)

11.56

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Genau das wollte ich eigentlich vermeiden. (Beifall bei Abgeordneten der SPÖ. – Zwischenrufe.)

Nächste Wortmeldung: Herr Vizekanzler Haupt. Redezeit: 12 Minuten. Das Licht be­ginnt nach 10 Minuten zu leuchten. – Bitte, Herr Vizekanzler.

 


11.57

Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz Vizekanzler Mag. Herbert Haupt: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Da­men und Herren! Hohes Haus! Wenn wir heute über das Budgetbegleitgesetz disku­tieren, stehen zwei Dinge im Vordergrund: das Paket über die Pensionsreform und die Dis­kussion über die Sicherheit in Österreich, nämlich ob es notwendig ist, Abfangjäger anzuschaffen oder nicht.


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Ich als Sozialminister möchte klar sagen: Beides ist notwendig, die Pensionsreform und die Abfangjäger. Ich halte nichts davon, dass man Tag für Tag unsinnige Verglei­che tätigt, was jeder ad libitum abschaffen möchte, um auf der anderen Seite anderen Bereichen Geld zuzuführen. Ich halte überhaupt nichts davon, das Burgtheater zuzu­sperren, Olympische Spiele nicht zu veranstalten, die Fußfall-EM nicht zu veranstalten, und ich halte auch nichts davon, die Abfangjäger nicht anzuschaffen, denn es gibt kei­ne Aufrechnung zwischen den einzelnen Budgetbereichen, sondern nur eine gesamt­staatliche Notwendigkeit, und dafür muss man den Österreicherinnen und Österrei­chern gegenüber die Verantwortung wahrnehmen! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Ich finde es müßig: Der derzeitige Klubobmann Scheibner hat in der Zeit, als er Vertei­digungsminister war, die Hubschrauber besorgt, von denen heute noch immer die Re­de ist. Er hat Lenkwaffen besorgt, um die Lufthoheit bis 3,5 Kilometer zu sichern, neue Tarnanzüge und neue Kampfanzüge in Auftrag gegeben, die Mannsicherung verbes­sert, gehärtete Fahrzeuge für das Bundesheer zur Verfügung gestellt, sodass wir heute bei Auslandseinsätzen nicht mehr wie eine bessere Schweizergarde ausgerüstet sind, und auch noch die Herkules-Flugzeuge angeschafft, um Truppentransporte selbst und damit billiger als mittels Leasingflügen durchzuführen. (Zwischenruf der Abg. Dr. Gla­wischnig) – Vielleicht ist all das nicht ins Bewusstsein der österreichischen Be­völkerung eingedrungen, dass die Sozialdemokraten mit diesen Dingen, die bereits umgesetzt sind, immer noch Werbung machen wollen. Wir jedenfalls wollen darauf aufbauend auch den Schlussstein setzen und die Neutralität auch dort sichern können, wo uns in Zukunft auf Grund der Bedrohungslage auch im internationalen Terrorismus als dritter UNO-Stadt unter Umständen einiges an Aufgaben beschert sein kann; auch Aufgaben, die wir heute und morgen noch gar nicht sehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von allen Fraktionen! Im Zusammenhang mit der Pen­sionsreform – das können Sie auch den Beiträgen in den österreichischen Medien ent­nehmen – habe ich schon am ersten Tag, als ich mit Kollegem Bartenstein die Pensi­onsreform präsentiert habe, für die Bundesregierung klar und deutlich gesagt, dass wir erstens eine gesetzliche Begutachtung haben wollen und dass wir zweitens die Ergeb­nisse der Begutachtung auch berücksichtigen werden.

Es ist daher auch nur verantwortungsvoll und normal, dass die Bundesregierung das, was im Rahmen der Begutachtung hereingekommen ist, nachgerechnet hat und an den Runden Tischen – zunächst beim Herrn Bundespräsidenten und dann mit den Sozialpartnern – den Sozialpartnern deutlich entgegengekommen ist. Ich meine daher, dass es ungerecht ist, wenn nunmehr manche so tun, als hätten sie die Bundes­re­gierung von der Straße her unter Druck gesetzt.

Nein, wir haben ein Begutachtungsverfahren gehabt und haben das Begutachtungsver­fahren berücksichtigt. Dazu hat es der Straße nicht bedurft, sondern dazu hat es nur des Lesens bedurft, einer Technik, die die österreichischen Schülerinnen und Schüler in den Schulen ohnehin lernen. Wir hätten uns sehr viel Geld ersparen können, wenn wir am Verhandlungstisch verhandelt hätten, anstatt die österreichische Wirtschaft über Stunden oder vielleicht Tage lahm zu legen. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Ab­geordneten der ÖVP.)

Ich habe daher konsequenterweise die Sozialpartner wieder eingeladen, am Modell für die Schwerarbeiter mitzuarbeiten, es mitzugestalten, weil das, was wir den Sozialpart­nern angeboten haben, auch für mich Verpflichtung ist, dieses Modell der Frühpensio­nierung für schwer arbeitende Menschen in diesem Lande – eine Frage, die im Übrigen die Sozialdemokratie in 50 Jahren Regierungsbeteiligung nicht gelöst hat – endlich umzusetzen und diesen Menschen auch vom Pensionssystem her entgegenzukom­men.


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Hier strebe ich nicht den Termin 1. Jänner 2007 an, sondern den 1. Jänner 2004 oder zumindest einen knapp danach, damit wir möglichst schnell mit den Experten zu einem Ergebnis kommen. Die Sozialpartner sind eingeladen, ihre Experten gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Sozialministerium über den Sommer ar­beiten zu lassen, damit auch dieses Problem positiv für die Bevölkerung gelöst wird. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Liebe Kolleginnen und Kollegen des Nationalrates! Wenn die Diskussion auch über die unteren Einkommen geführt wird, so glaube ich, dass wir mit der Überlegung, einen Härtefonds einzuführen, jenen entgegenkommen, die lebenslang gearbeitet haben, und ihnen – weil es den Sozialpartnern nicht gelungen ist, ihnen am Verhandlungstisch Kollektivverträge zuzumitteln, die dafür sorgen, dass ihre Pensionen nach 35 oder 40 Jahren ununterbrochener Arbeitstätigkeit über 1 000 € liegen – wenigstens die Fol­gen und Nachteile dieser Pensionsreform bis zu zehn Prozent ersparen.

Ich bitte Sie, sehr geehrte Damen und Herren von den Sozialpartnern, auch am Ver­handlungstisch tätig zu werden, dass kleine Gewerbetreibende, Angestellte oder Mitar­beiter in den Betrieben nach 35 oder 40 Jahren nicht mit so kleinen Pensionen nach Hause gehen müssen, dass sie mit ihrer Pension unter der Armutsgrenze liegen.

Aber keinesfalls kann es sein, jenen, die drei und vier Pensionen bekommen, entge­genzukommen, sondern das gilt nur für jene, die ausschließlich kleine Pensionen auf Grund ihrer langjährigen Tätigkeit haben. Hier gibt es sehr viele im Bereich der Gewer­betreibenden und auch sehr viele im Bereich der Mitarbeiter, die ohne Berufsschutz sind, denen wir mit diesem Härtefonds entgegenkommen werden. (Beifall bei den Frei­heitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Sehr geehrte Damen und Herren! Wir kommen auch den Frauen massiv entgegen. Dass es heute Regelungen gibt, die schon in dem im Parlament liegenden Abände­rungsentwurf, der im Übrigen auch schon im Ausschuss war, enthalten waren und die den Frauen im Rahmen der so genannten Hackler-Regelung sogar mehr zugestehen, als sie bei der heutigen Gesetzeslage bekommen, widerspricht all jenen, die meinen, dass es hier eine ausschließliche Schröpfungsaktion zugunsten des Finanzministers ist. Das zeigt vielmehr, dass es sich hier tatsächlich um eine Reform handelt, endlich die Familienleistungen für jene, die sie erbracht haben, und für jene, die damit den Ge­nerationenvertrag eingelöst haben, im Sinne eines leistungs- und beitragsorientierten Pensionssystems zu vergelten – „vergelten“ im positiven Sinne.

Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn Sie heute 400 000 Unterschriften von besorg­ten Bürgern, die sich über die Harmonisierung den Kopf zerbrochen haben, im Parla­ment deponiert haben, so brauchen Sie nicht auf eine Volksbefragung zu warten, denn Sie werden im Rahmen der zwei Plenartage, an denen wir über das Pensionssystem diskutieren, einen Initiativantrag der Bundesregierung zur Harmonisierung der Pensio­nen vorgelegt bekommen, der die auch von der Sozialdemokratie vertretenen Eckda­ten enthält: 65. Lebensjahr, 45 Beitragsjahre, 80 Prozent, lebenslange Durchrechnung, individuelles leistungs- und beitragsorientiertes Pensionskonto, Beginn mit 1. Jänner 2004 für alle Österreicherinnen und Österreicher, die unter 35 sind. Die Op­position ist herzlich eingeladen, mitzustimmen und damit aus dem Antrag der Bundes­regierung einen Vier-Parteien-Antrag im Interesse jener 400 000 zu machen, die hier unterschrieben haben.

Sehr geehrte Damen und Herren! In den nächsten 48 Stunden wird es ja die Nagelpro­be geben, und es wird sich zeigen wird, wer für die Harmonisierung ist (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP): entweder jene Abgeordneten von Sei­ten der Bundesregierung, die diesen Initiativantrag ausgearbeitet haben, oder das gan­ze Haus, das diesen Initiativantrag zur Harmonisierung im Hohen Hause mitträgt.


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Ich bin mir dessen sicher, dass es hier im Hohen Hause diese für alle Österreicherin­nen und Österreicher klar und deutlich nachvollziehbare Nagelprobe geben wird. Von Seiten der Bundesregierung steht nach wie vor die Einladung an alle, die daran inte­ressiert sind, an einem harmonisierten Pensionssystem mitzuarbeiten. Auch hier sollte es keine Frage sein, dass die Sommermonate dazu genutzt werden, um dann das, was wir hier vorhaben, mit einem qualitativ hochwertigen, gemeinsamen und mit den Sozi­alpartnern abgesicherten Antrag – mit Umsetzung per 1. Jänner 2004 – im Hohen Haus zu verabschieden.

Sehr geehrte Damen und Herren! Noch etwas zur Schwerarbeiterregelung: Wir werden auch über die Sommermonate ein Angebot der AUVA nutzen und den Betrieben und den Mitarbeitern in den wichtigsten und ausgewählten österreichischen Arbeitsbezir­ken, in denen hohe Krebsraten, hohe Frühpensionierungsraten, hohe Krankheitsraten zu verzeichnen sind, anbieten, in einem Screening die Gesundheitssituation und die Auswirkungen der einzelnen Berufe auf das Leben in der Arbeitswelt und auf die Früh­pensionierung so zu erforschen, dass wir, basierend auf gesicherten neuesten Daten, die in der aktuellen Arbeitswelt erhoben werden, im Herbst den Antrag und die Verord­nung des Sozialministeriums zur Schwerarbeiterregelung hier verabschieden können. Ich glaube, sehr geehrte Damen und Herren, die Schwerarbeiter haben lange genug darauf gewartet, dass sie endlich für ihre schwere Arbeit und für ihre schlechteren Le­benschancen durch ein gerechtes Pensionssystem honoriert werden.

Ich glaube daher, es lohnt sich, dem Antrag der Bundesregierung zuzustimmen. (Abg. Dr. Glawischnig: Welchen Antrag? Welchen Antrag? – Abg. Öllinger: Wo ist Ihr An­trag?) Wer nicht mitstimmt, muss es sich gefallen lassen, wenn man ihm dann sagt, dass er in den Diskussionen seit 1986, als Sepp Wille hier im Hohen Haus schon die Harmonisierung verlangt hat, und 1991, als die Sozialpartner insgesamt in ihrem Be­richt zur sozialen Lage in Österreich und zu den Vorstellungen eines Pensionssystems die Harmonisierung verlangt haben, nichts dazugelernt hat, dass er keine Verantwor­tung übernehmen will und nur politisches Kleingeld schlagen will.

Wir von der Bundesregierung wollen den Menschen Sicherheit geben im wichtigen Sozialbereich, im wichtigen Bereich der Pensionen. Ich lade Sie ein, mitzustimmen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Öllinger: Wo ist der Antrag? – Abg. Dr. Lichtenberger: Der ist noch nicht fertig!)

12.07

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Die nächsten vier Redner haben eine Redezeit von je­weils 5 Minuten.

Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Bures. – Bitte. (Abg. Öllinger: Der Antrag, Herr Vizekanzler, von dem Sie gesprochen haben! Der Antrag!)

 


12.08

Abgeordnete Doris Bures (SPÖ): Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Vizekanzler! Sie haben jetzt mit vielen Worthülsen versucht, die Wendun­gen, den Richtungswechsel und die Richtungsänderung der FPÖ hier wegzureden. Ich möchte aber in Erinnerung rufen, was Sie alles versprochen haben. Auch Sie, Frau Bleckmann, haben viel versprochen. Der Luftballon passt zu Ihnen: Sie agieren so ab­gehoben und haben die Bodenhaftung längst verloren. (Beifall bei der SPÖ.)

Was haben Sie denn alles den Österreichern und Österreicherinnen versprochen? Und was haben Sie heute gesagt? Sie haben eine adäquate Lösung für Schwerarbeiter versprochen. In der Gesetzesvorlage ist davon nichts zu finden. Sie haben schnell et­was versprochen, und genauso schnell haben Sie es auch gebrochen.


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20. Sitzung / Seite 47

Sie haben davon gesprochen, dass Pensionen unter 1 000 € nicht betroffen sein sol­len. Was ist wahr? Wahr ist, dass sie massiv von Pensionskürzungen betroffen sind; Kleinstpensionen, Frauenpensionen sind davon betroffen. Und natürlich greifen Sie auch in bestehende Pensionen ein (Abg. Dr. Bleckmann: Bei Politikern, ja! Das tut Ihnen weh!), wenn Sie Pensionisten, die nicht einmal 650 € im Monat haben und damit das Auslangen finden müssen, nicht einmal den Wertausgleich zukommen lassen. Das ist sehr wohl ein Eingriff in bestehende Pensionen! Sie haben es, kaum versprochen, schon gebrochen. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Herr Vizekanzler, Sie haben jetzt davon gesprochen, dass die Harmonisierung eine Ihrer zentralen Bedingungen ist. In der Vorlage finden wir von dieser Harmonisierung nichts. Es ist nichts davon zu finden! Und selbst den zitierten Antrag, von dem Sie hier sprechen, gibt es im Hause nicht. Das sind alles leere Worthülsen, hinter denen nichts steht. Von Harmonisierung ist im Gesetz keine Rede, und einen diesbezüglichen Ent­schließungsantrag gibt es im Hohen Haus auch nicht. (Beifall bei der SPÖ und bei Ab­geordneten der Grünen.)

Wahr ist vielmehr, dass sich trotz aller Retuschen, trotz aller Versuche am unsozialen Charakter Ihres Pensionsreformmodells nichts geändert hat. Das Einzige, was in den letzten Tagen neu dazugekommen ist, ist der von Ihnen erwähnte Härtefonds. Aber was ist denn ein Härtefonds? Ein Härtefonds soll Pensionen zum Gnadenakt machen? Herr Vizekanzler! Ein Härtefonds ist doch der beste Beweis dafür, dass Sie diesem Haus eine Regelung vorlegen und den Menschen in Zukunft eine Pension zumuten, die zu Härtefällen führt! Das ist der Grund für diesen Härtefonds. Sie machen ganz bewusst ein Gesetz, das zu sozialen Härten führt und massive Pensionskürzungen zur Folge haben wird. Und das ist der Vorwurf, den man Ihnen machen muss! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Diese Bundesregierung regiert gegen die Interessen und Anliegen der österreichischen Bevölkerung. Sie macht eine unsoziale Politik, die ausschließlich auf dem Rücken der Angestellten und Arbeitnehmer ausgetragen wird. Sie setzt den sozialen Frieden in Österreich aufs Spiel. Und, Herr Vizekanzler und Herr Bundeskanzler, Sie haben das Vertrauen der Wähler missbraucht, und Sie haben Ihre politische Glaubwürdigkeit völ­lig verloren! (Beifall bei der SPÖ.)

Bei allen 91 Budgetbegleitgesetzen zieht sich ein roter Faden durch: Sie sparen beim Bürger. Ihr politisches Ziel ist, beim Bürger zu sparen. Bei sich selbst aber, da sind Sie großzügig. Wenn es um Ihre Prestigeprojekte geht, vom sündteuren Ankauf von Ab­fangjägern über die Eigenwerbung, Regierungspropaganda bis zu einer aufgeblähten Regierungsriege, spielt Geld keine Rolle. Gespart werden soll nur beim Bürger.

Sie haben alle Ihre Versprechungen über Bord geworfen. Ich fordere jetzt die Abge­ordneten der FPÖ auf, wenigstens ihrer Ankündigung nachzukommen und einer Volksabstimmung zuzustimmen. 400 000 Menschen haben die Abhaltung dieser Volksabstimmung in nur vier Wochen unterstützt; ich glaube, das ist ein klares Zei­chen. Haben Sie den Mut dazu, dieser Volksabstimmung zuzustimmen! Wenn es so ist, wie Frau Partik-Pablé gesagt hat, nämlich dass die Bevölkerung diesen Vorschlag goutiert, dann haben Sie den Mut und stimmen Sie dieser Volksabstimmung zu! (Beifall bei der SPÖ.)

Es geht auch sozial gerecht. Man kann eine sozial gerechte Pensionsreform mit einer langfristigen Sicherung der Pensionen, mit einer den Lebensstandard sichernden Pen­sion, mit der Einführung eines gemeinsamen Modells machen. Wir haben ja dieses „Fairness-Modell“ der SPÖ präsentiert. (Die Rednerin hält eine Broschüre in die Höhe.) Man sieht daran, es geht auch sozial gerecht.


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20. Sitzung / Seite 48

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Österreich hat sich ein besseres Pensions­modell als den Regierungsvorschlag verdient! Österreich hat sich eine bessere Regie­rung verdient! (Beifall bei der SPÖ.)

12.13

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Grillitsch. Glei­che Redezeit. – Bitte. (Abg. Dr. Cap: Noch mehr Geld für die Landwirtschaft!)

 


12.14

Abgeordneter Fritz Grillitsch (ÖVP): Verehrte Mitglieder der Bundesregierung! Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir erleben tatsächlich eine enorme Verände­rungsdynamik und, wenn ich so sagen darf, auch eine umfassende Klimaveränderung. Draußen organisiert der ÖGB mit 60 Autos ein Hupkonzert, um unsere Arbeit hier zu stören, während wir hier versuchen sollten, langfristige Pensionssicherungsmaßnah­men für die Österreicherinnen und Österreicher zu setzen. (Abg. Öllinger: Sind Sie gestört? – Abg. Mag. Wurm: Haben Sie etwas gehört?) Das ist der Unterschied, meine Damen und Herren, zwischen uns und Ihnen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordne­ten der Freiheitlichen.)

Die Zuseher, die ich hier besonders ansprechen möchte, sollen sich ein Bild machen über dieses Hohe Haus: auf der einen Seite eine reformwillige Bundesregierung, aus­gestattet mit Unternehmungsgeist, die ganz im Sinne der Nachhaltigkeit für die Men­schen in diesem Lande Berechenbarkeit, Kalkulierbarkeit und Planbarkeit bieten will, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Widerspruch bei der SPÖ.) Auf der anderen Seite erleben Sie, liebe Zuseher, eine Opposition, die im Schmollwinkel sitzt und trotzig wie kleine Kinder ist: Weil wir nicht in der Regierung sind, stimmen wir nicht zu! Das ist Ihre wahre Motivation, warum Sie nicht bereit sind, bei dieser Sache mit dabei zu sein. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen. – Abg. Dr. Gusenbauer: Ist das Ihre erste Rede? Sind Sie neu? Der redet ja wie der Blinde von der Farbe!)

Meine Damen und Herren! Frau Kollegin Glawischnig! Ich verstehe Sie nicht ganz, wenn Sie heute hier gegen die ökologische Steuerreform auftreten. Wir haben ständig gesagt, auch in den Gesprächen zur Regierungsbildung, wir müssen das Steuersystem ändern, weil es nicht gerechtfertigt ist, durch hohe Abzüge und Steuern die Österrei­cher ständig zu belasten und gleichzeitig jene, die die Umwelt belasten und Ressour­cen verbrauchen, zu entlasten. Diese Änderung wollten wir vornehmen, und wir haben das auch gemacht, indem 200 000 Österreicher gleichzeitig steuerfrei gestellt werden.

Nun, meine Damen und Herren, zu den Pensionen. – Ich glaube, Sie wissen, warum wir eine Pensionssicherungsreform vornehmen müssen: Die Zahl der Geburten ist rückgängig, die Ausbildung dauert länger, die Österreicher werden immer älter. Öster­reich liegt auch bei den Frühpensionen im Spitzenfeld. – Sie kennen die Situation.

Nichts zu tun wäre unverantwortlich! Sie wissen genau, was das bedeuten würde, wie sehr die Beitragssätze erhöht werden müssten. Wir müssten die Pensionen um 45 Prozent kürzen, und wir müssten das Pensionsantrittsalter um beinahe elf Jahre erhöhen – wenn wir nichts tun würden. Daher begrüße ich diese Pensionssicherungs­reform, weil ich glaube und überzeugt bin, dass sie sozial gerecht und ausgewogen und auch ganz im Sinne der Nachhaltigkeit ist.

An dieser Stelle auch ein Wort zu den Bauern, Herr Kollege Matznetter, und das meine ich sehr ernst. 60 Prozent der Nebenerwerbsbauern zahlen heute in andere Pensions­systeme ein. Sie wissen, dass die Bauern meist sehr kinderreiche Familien haben und dass diese Kinder in Zukunft auch in andere Pensionssysteme einbezahlen. Und Sie halten uns ständig diesen hohen Bundeszuschuss vor. (Zwischenruf des Abg.


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20. Sitzung / Seite 49

Dr. Matznetter.) Sie sagen und auch der ÖGB sagt, die Bauern wären die großen Ge­winner und die großen Profiteure dieser Pensionssicherungsreform. (Rufe bei der SPÖ: Genau! Genau!)

Meine Damen und Herren, Sie sagen: genau. – Kennen Sie die Auswirkung der Ab­senkung des fiktiven Ausgedinges? Bei einer Ausgleichsgrundlage von 600 € senkt sich das fiktive Ausgedinge in den nächsten Jahren um 7 Prozent! Das heißt, ein Bauernpensionist bekommt in den nächsten sieben Jahren um 50 € mehr an Pension!

Wenn Sie angesichts dessen sagen, die Bauern seien die Profiteure und Gewinner, dann sollten Sie sich eigentlich schämen! Das muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich bin sehr froh, dass diese Bundesregierung auch im Angesicht der großen Heraus­forderungen für die bäuerlichen Familien in diesem Lande auch Vorsorge dafür trägt, dass auch in Zukunft die bäuerlichen Familien in Österreich das Anforderungsprofil für die Gesellschaft erfüllen können. Das kommt im Budget zum Ausdruck – ich danke dafür –, weil es notwendig ist, gerade auch angesichts der Änderungen im Bereich der gemeinsamen Agrarpolitik in Europa und auch der WTO-Fragen ...

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Bitte um den Schlusssatz, Herr Abgeordneter!

 


Abgeordneter Fritz Grillitsch (fortsetzend): Wir stehen zur Harmonisierung. Wir wol­len uns nicht abkoppeln. Wir wollen keine Schulden bei unseren Kindern machen! (Bei­fall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

12.19

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Kogler. Gleiche Redezeit. – Bitte.

 


12.19

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Diese Steuerreform – wenn man sie so nennen darf – wird nicht von der Agrarlobby schöngeredet werden können. Natürlich hat das mit Ökologisierung nichts zu tun, wenn Sie den Agrardiesel billiger bekommen, aber sei’s drum.

Ansonsten beinhaltet diese Steuerreform nichts wirklich Brauchbares. Investitionsan­reize bleiben aus, stattdessen wird ein Unternehmersparfördermodell gestartet. Nach sieben Jahren kann man den nicht entnommenen Gewinn de facto steuerfrei entneh­men. Ich möchte wissen, Herr Finanzminister – Sie werden sich ja hoffentlich bald zu Wort melden –, was das mit Investitionsanreizen zu tun hat. (Abg. Dr. Fekter: Das ei­gene Kapital wird gestärkt! Nehmen Sie Nachhilfe beim Herrn Professor!)

Bleiben wir dabei: Diese Steuerreform verdient den Namen nicht, es bleibt im Wesent­lichen Stückwerk, wenn überhaupt. Möglicherweise kann man sogar „Gemurks“ dazu sagen. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Es ist auch völlig falsch, so zu tun, als ob hier irgendjemand besonders entlastet wer­den würde. Die meisten, und zwar die, die es brauchen würden, die jetzt schon in der Armutsfalle sitzen, werden durch Ihre Regierungspolitik zunehmend belastet. Aber da wollen Sie sich wieder darüber hinwegreden – in der bewährten Manier der „Firma Schmäh und Schwindel“; wir werden es ja gleich wieder hören. Das wird aber nicht mehr lange funktionieren.

Ähnlich ist es bei den Pensionen. Da werden bestehende Ungerechtigkeiten zwischen den Generationen, aber auch innerhalb der Generationen, also im Alter, zementiert oder verstärkt. Sie verstärken also bestehende Ungerechtigkeiten, und das hat nichts


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20. Sitzung / Seite 50

mit Reformtempo zu tun, das ist einfach ein Unfug. Und jenen, die das anders angehen wollen, werfen Sie mit der gewohnten Suada dann vor, dass man reformunwillig sei.

Das wird immer unglaubwürdiger. Faktum ist, dass wir Handlungsbedarf haben, aber handeln müssen wir mit Rücksicht auf die Probleme auf dem Arbeitsmarkt, so, dass wir später für alle Einkommensschichten entsprechende Absicherungen haben und nicht ein Modell, das Hunderttausende in die Armut treiben wird. Letzteres geschieht näm­lich mit Ihrem Projekt. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Da bejammern Sie dann, dass irgendwelche Säulen nicht mehr tragen. Ja, es ist rich­tig: Sie demolieren die staatliche Säule und reden den Leuten ein, sie müssen alle pri­vat vorsorgen, und dafür haben Sie dann Steuerzuckerln parat. Das ist eine Umvertei­lung, und das ist das Problem an dieser Angelegenheit! (Neuerlicher Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Das Ganze wird dadurch nicht besser, dass Sie Millionen in die Hand nehmen und mit beiden Händen zum Fenster hinausschmeißen – für die unsinnigste Investition der Zweiten Republik: die Abfangjäger. Herr Bundeskanzler, bei allem Respekt vor Ihrem Amt komme ich nicht umhin festzustellen – wenn Sie schon Kreisky zitiert haben –: Lernen Sie Zeitgeschichte!

War bis jetzt die Bedrohungslage so, dass unser Land an zwei miteinander verfeindete Militärblöcke grenzte, so ist sie doch jetzt eine andere, sind doch um uns herum lauter NATO-Länder und die Schweiz. Nehmen Sie also zur Kenntnis, dass sich das geändert hat! Lesen Sie die Berichte aus dem Verteidigungsministerium: Es gibt diese konventi­onellen Bedrohungen nicht mehr.

Und jetzt gehen Sie her und sagen: Luftraumüberwachung! In Wirklichkeit kaufen Sie Kampfflugzeuge, die ganz anderen Zwecken dienen. Aber auch dazu wollen Sie sich nicht bekennen. Und, was das Sträflichste ist, Sie kaufen die teuersten, die überhaupt verfügbar sind! (Abg. Ellmauer: Bleiben Sie sachlich! Nicht so polemisch!)

Und das geht eben nicht zusammen. Das ist in Wirklichkeit keine Argumentation, son­dern ein Jammerbild! Es ist ein Jammerbild, das Sie hier darstellen, und das – und das ist das traurigste an dieser Sache – unter heftiger Beteiligung des Finanzministers. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.) Eines Finanzministers, der ausgezogen ist, um zunächst überhaupt den Ankauf von so genannten Kampf- oder Kriegsflugzeugen, wie er sich auszudrücken pflegt, zu verhindern, um dann mit einer mehr oder weniger raffinierten Finte die Bundesregierung so in die Falle zu treiben, dass am Schluss nur mehr die teuersten gekauft werden.

Sie werden heute Gelegenheit haben – hoffentlich nehmen Sie diese wahr! –, endgültig ein paar Klarstellungen vorzunehmen:

Offen bleibt die Explosion der Anschaffungskosten. Da können Sie noch tagelang hau­sieren gehen mit Ihren „Billa-Preisen“ – 1,969 und sonst etwas (Heiterkeit bei den Grü­nen) –, wenn Sie nicht einbekennen, dass Sie hier die meisten Kosten herausge­schwindelt haben. Das bleibt ein Problem, und Sie müssen verantworten, dass hier viele Legislaturperioden lang mit einem einzigen Akt der größte Schuldenberg aufge­häuft wird, den es jemals gegeben hat in der Zweiten Republik! Und Sie wollen sich dafür feiern lassen mit der Parole: keine neuen Schulden mehr!?

Etwas Unglaubwürdigeres ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen! Nehmen Sie dazu Stellung, Herr Finanzminister! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Jeden Tag, an dem wir recherchieren, kommen da ein paar 100 Millionen dazu oder dort noch 50, und insgesamt explodiert Ihnen das Ganze auf 6 Milliarden € oder mehr.


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20. Sitzung / Seite 51

Sie kennen unsere Zahlen, aber Sie haben sich dazu im Budgetausschuss verschwie­gen. (Abg. Mag. Molterer: Die sind aber nicht richtig!) – Die sind sehr wohl richtig!

Nehmen Sie heute dazu Stellung – oder stimmen Sie unserem Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zu! (Präsident Dr. Fischer gibt das Glockenzei­chen.)

Damit bin ich am Ende. (Heiterkeit und Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitli­chen.) Herr Bundesminister, klären Sie vor der Schlussabstimmung hier die Abgeord­neten auf! Sie binden die Republik auf zig Jahre. Es ist unverantwortlich, was Sie ma­chen! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

12.25

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dolinschek. Redezeit: ebenfalls 5 Minuten. – Bitte.

 


12.25

Abgeordneter Sigisbert Dolinschek (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Aus allen Ausführungen wird deutlich, dass bei den Pensionen Handlungsbedarf gegeben ist. Und ich billige natürlich auch den Oppositionsparteien zu, dass sie sich Sorgen machen, wie die Pensionen in Zukunft ausschauen. (Abg. Öllinger: Oje, der liegt schon flach, der Dolinschek!) Auch ich mache mir Sorgen, nur haben wir, im Un­terschied zu Ihnen, bis zur letzten Minute gearbeitet, um Verbesserungen durchzufüh­ren, und Sie haben gestreikt! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.) Sie haben gestreikt und nichts dazu beigetragen, dass das Pensionssystem in Österreich für die jüngere Generation nachhaltig gesichert wird. (Zwischenruf der Abg. Mag. Trunk.) Und es wird nachhaltig für die nachfolgende Generation gesichert, Frau Kollegin!

Mir war es wirklich ein Bedürfnis, für jene Menschen einzutreten, die lange Beitragszei­ten haben, die schwer gearbeitet haben, für jene, die ein geringes Einkommen haben, und auch für jene, die eine geringe Pension haben. Es ist uns gelungen, die Hackler-Regelung fortzuführen. Unser Bestreben ist es, dass nicht, so wie bisher, die Abschlä­ge vom Regelpensionsalter, also 60 Jahre bei Frauen und 65 Jahre bei Männern, ab­gerechnet werden, sondern vom jeweils geltenden frühzeitigen Pensionsalter, und dass diese Verluste möglichst gering gehalten werden. Am liebsten wäre mir, die Ver­luste lägen dort bei null, und so wird es auch in etwa sein. (Beifall bei den Freiheitli­chen und der ÖVP.)

Die Ausbildungszeit in Österreich, sehr geehrte Damen und Herren – das ist bereits erwähnt worden – wird immer länger. Die Leute sind länger in Ausbildung, und daher ist es auch notwendig, dass wir eine Reform machen. Diese muss aber sozial ausge­wogen sein. Wenn ich mir etwa eine Schwerarbeiterregelung ansehe: In der Zeit, als Sie Verantwortung getragen haben, hat es kaum pensionsrechtliche Begünstigungen für Menschen gegeben, die erschwerte Arbeitsbedingungen gehabt haben. Das gab es bisher kaum. In Zukunft werden Zeiten körperlicher, physischer, gesundheitlicher Be­lastung in besonderer Weise berücksichtigt. (Abg. Öllinger: Ab wann?) Ab 1. Jänner 2004, Herr Kollege! (Abg. Mag. Wurm: Und wie lange? – Abg. Verzetnitsch: Wie lan­ge?)

Herr Kollege Verzetnitsch, ich habe eigentlich erwartet, dass Sie als Präsident des Ös­terreichischen Gewerkschaftsbundes hier konstruktive Vorschläge einbringen, vor al­lem für die schwer arbeitenden Menschen. Aber wenn ich mir das so anschaue: Es gibt heute noch in sämtlichen Berufssparten, beispielsweise in der Land- und Forstwirt­schaft, bei den Mühlen, bei den Handelsangestellten, in den Bäckereibetrieben, ganz geringe Kollektivlöhne, und diese Menschen haben, weil sie so geringe Löhne haben,


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natürlich auch ganz geringe Pensionen. Und für die richten wir jetzt einen Härtefonds ein (Abg. Mag. Wurm: Wer zahlt ein in diesen Fonds?), einen Härtefonds, aus dem gewisse Verluste, sollten sie eintreten, abgegolten werden, geschätzte Damen und Herren. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Dieser Fonds wird jetzt eingerichtet, etwas, das Sie bisher verabsäumt haben. Außer­dem werden Ausgleichszulagenrichtsätze in voller Inflationshöhe abgegolten, und der Familienausgleichszulagenrichtsatz wird ebenfalls auf 1 000 € erhöht. Bisher lag er bei 965 €, sehr geehrte Damen und Herren.

Ich komme zu den steuerlichen Maßnahmen: 14 500 € im Jahr werden steuerfrei ge­stellt, und es wird ein Mindestlohn von 1 000 € eingeführt. Ich hätte eigentlich erwartet, dass auch die Gewerkschaft das hier vorbringt. Aber die Sozialpartner sind ja eingela­den, auch in Zukunft mitzuarbeiten. Herr Präsident Verzetnitsch, ich appelliere vor al­lem an dich, konstruktiv mitzuarbeiten, was die Schwerarbeiter betrifft, damit wir eine gute Regelung ausarbeiten, eine, die nicht nach dem Gießkannenprinzip praktiziert wird, dass, wie es etwa bei den Eisenbahnern der Fall ist, der Direktor gleich behandelt wird wie derjenige, der im Verschub oder im Oberbau tätig ist. So kann es natürlich nicht sein, sondern es müssen jene Zeiten berücksichtigt werden, die die Menschen unter erschwerten Bedingungen arbeiten. – Das ist meine Intention, und in diesem Sinne habe ich gearbeitet.

Übrigens: Alle Verbesserungen, die es für die Frauen gibt, schlagen sich natürlich auch hier nieder.

Und vor allem: Es wird eine Deckelung von 10 Prozent geben. Der Verlust darf maxi­mal 10 Prozent ausmachen – das ist doch eine Errungenschaft, und darauf bin ich stolz! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Der Gewerkschaftsbund wäre mit 12 Prozent zufrieden gewesen; die SPÖ hat plaka­tiert: bis zu 15 Prozent. Wir haben zehn Prozent geschafft, sehr geehrte Damen und Herren, und damit können wir sehr zufrieden sein. (Abg. Dr. Gusenbauer: Unsinn!)

Natürlich muss man immer darauf achten, dass das auch alles so funktioniert. Daher soll bis zur letzten Minute an einer entsprechenden Regelung gearbeitet werden, denn es ist sicherlich vernünftiger, für die österreichische Bevölkerung auch bei den Pensio­nen zu arbeiten, zu kämpfen – und nicht zu streiken. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Öllinger: Umgefallen! – Abg. Dr. Cap: Und wieder einer umgefallen!)

12.30

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zum Wort gelangt Herr Finanzminister Mag. Grasser. Die beschlossene Redezeit beträgt 10 Minuten. – Bitte, Herr Bundesminister.

 


12.30

Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Werte Kolleginnen und Kollegen auf der Regierungsbank! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Wir stehen mit diesen Beratungen über die Budgetbegleitgesetze vor drei wesentlichen Heraus­forderungen:

Kurzfristig geht es darum, dass es uns gelingen muss, die konjunkturelle Schwäche­phase zu überwinden und mehr Wachstum und Beschäftigung für unser Land zu för­dern.

Mittelfristig muss es unser klares Ziel sein, eine nachhaltige Steigerung des österrei­chischen Wachstumspotentials zu erreichen – für mehr Beschäftigung, für mehr Ein­kommen, für mehr Wohlstand in unserem Land.


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Und wir müssen natürlich auch die langfristigen Entwicklungen sehen, die demogra­phischen Verschiebungen, den Alterungsprozess der Bevölkerung und den Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter.

Und genau deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt gestalten, jetzt reformieren. Wir haben Ihnen genau für diese Herausforderungen mit den Budgetbegleitgesetzen entspre­chende, klar nachvollziehbare Strategien vorgelegt – für mehr Wachstum und für mehr Beschäftigung. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Was tun wir für Wachstum und Beschäftigung? (Ruf bei der SPÖ: Nichts!) – Wir lassen die automatischen Stabilisatoren voll wirken. Das heißt, wir stabilisieren die Kaufkraft, wir unterstützen den privaten Konsum und die Investitionen unserer Unternehmen. Wir stimulieren die private Nachfrage, indem wir zum Beispiel viel mehr Geld für familienpolitische Maßnahmen zur Verfügung stellen: allein in die­sem Jahr und im nächsten Jahr pro Jahr mehr als 400 Millionen € zusätzlich für das Kinderbetreuungsgeld, für eine Erhöhung der Familienbeihilfen.

Das heißt, wir geben mehr Geld den Familien und sind Europameister in der Familien­förderung, weil uns unsere Kinder wichtig sind – und das stärkt auch die private Nach­frage. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Die Pensionsanpassung im Jahr 2003 ist wesentlich stärker ausgefallen als die Inflationsrate. Das stärkt natürlich die Kaufkraft unserer Bevölke­rung. Die Konjunkturbelebungspakete 2001 und 2002 wirken jetzt in Form einer Ver­besserung der Beschäftigung vor allem im Bereich Jugendlicher und natürlich auch der Förderung von Investitionen in unseren Unternehmen und der bisherigen Schwerpunk­te (Abg. Mag. Trunk: Ein Plus bei der Arbeitslosigkeit!), die wir weiter verstärken, Be­reiche, in denen es um Forschung, technologieorientierte Förderung und um Bildung und Ausbildung geht.

Wir haben ein Exportstimulierungsprogramm mit der Wirtschaftskammer Österreich entwickelt: im Jahr 2003 und im Jahr 2004 jeweils 25 Millionen € zusätzlich, weil wir wissen, dass die Exporte die Arbeitsplätze in unserem Land absichern. Und wir haben für Forschung und Entwicklung ein neues Offensivprogramm mit 600 Millionen € vorge­legt.

Wir können Ihnen versichern, meine Damen und Herren: Das ist der richtige Weg! Wir nutzen den Spielraum, den eine kleine offene Volkswirtschaft verfügbar hat, und wir richten unsere Politik auf mehr Wachstum und mehr Beschäftigung aus. Ich möchte den Unternehmern in unserem Land und dem Wirtschafts- und Arbeitsminister gratulie­ren: Die Beschäftigungswerte in Österreich belaufen sich im Mai auf 3 186 611 Be­schäftigte in Österreich – ein Rekord in der Geschichte der Zweiten Re­publik! (Rufe bei der SPÖ: Arbeitslose!)

Meine Damen und Herren, in einer schwierigen konjunkturellen Phase ein Rekord in der Beschäftigung – das lässt sich sehen, und darauf sind wir stolz! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Unsere offensive, gestaltende Politik ist in den Budgetbe­gleitgesetzen verankert, und ich möchte Ihre Aufmerksamkeit hier vor allem auf die erste Etappe der Steuerreform lenken. (Abg. Öllinger: Abfangjäger!) Ich bin froh und glücklich darüber, dass es uns gelingt, diese erste Etappe vorzulegen, denn wir reden nicht nur von der Entlastung, sondern wir setzen sie um, und zwar genau zum richti­gen Zeitpunkt. (Abg. Dr. Cap: Abfangjäger!)

Meine Damen und Herren! Erstens: Wir machen eine kleine Tarifreform bei der Ein­kommenssteuer. Das heißt, Bruttojahreseinkommen bis 14 500 € werden steuerfrei gestellt, also in etwa 2,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher sind von dieser


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Tarifreform begünstigt. Bei Nicht-Selbständigen werden sich die Entlastungen auf bis zu 475 € pro Jahr belaufen und bei Pensionisten auf bis zu 450 € pro Jahr. In etwa 200 000 Österreicherinnen und Österreicher, die bisher Steuer bezahlt haben, werden in Zukunft keine Steuer mehr bezahlen.

Das ist also ein sehr, sehr wichtiges Programm für eine Stärkung der kleineren und mittleren Einkommen, und es ist auch wichtig für die Kaufkraft und damit wichtig für eine entsprechende Abstützung der Konjunktur in Österreich. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Es sind hier auch die Klein- und Mittelbetriebe angespro­chen worden. Wir müssen wirklich die Rolle der Klein- und Mittelbetriebe sowohl für die Beschäftigung als auch für die Wertschöpfung in Österreich sehen. Deshalb haben wir ein Programm gemacht, und dieses Programm ist die Erfüllung langjähriger politischer Forderungen: Was machen wir in Bezug auf die Begünstigung nicht entnommener Gewinne?

Meine Damen und Herren! Wir haben es geschafft, etwas, was seit zehn, 15 Jahren diskutiert wird, nämlich: für nicht entnommene Gewinne bis zu 100 000 € pro Unter­nehmen in Einzelunternehmen und Personengesellschaften wird der halbe Durch­schnittssteuersatz bezahlt. Das heißt, bis 100 000 € nicht 50 Prozent, wie jetzt, son­dern 25 Prozent oder weniger. Das ist eine gezielte Förderung von kleinen und mittle­ren Unternehmen, von mehr Eigenkapital in diesen Unternehmen, und wer mehr Ei­genkapital hat, kann mehr in sein Unternehmen investieren, kann mehr forschen und entwickeln und wird damit in der Lage sein, mehr Beschäftigte in Österreich abzusi­chern.

Wir sind stolz auf dieses Programm, das in fünf Jahren bis zu 10 Prozent mehr Eigen­kapital in unsere Unternehmen bringen wird. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordne­ten der Freiheitlichen. – Abg. Öllinger: Stichwort Abfangjäger!)

Herr Professor Van der Bellen hat Forschung und Entwicklung und Bildung angespro­chen. (Rufe bei den Grünen und der SPÖ: Abfangjäger!) – Es wird mir eine große Freude sein, Ihnen die Antworten zu den Abfangjägern um 15 Uhr zu geben. Ich habe auf diese Anfrage gewartet, und ich bin glücklich, dass ich Ihre Fragen voll und ganz – vielleicht nicht zu Ihrer Zufriedenheit, aber so, wie es der Wahrheit entspricht – beant­worten kann. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Es wurde also heute auch Forschung und Entwicklung an­gesprochen. Ein Beispiel dafür, dass wir für Forschung und Entwicklung eintreten: Studiengebühren für ein ordentliches Universitätsstudium – das war Bundesministerin Gehrer ein wichtiges Anliegen – werden in Zukunft steuerlich absetzbar sein. Eine wichtige Maßnahme für unsere Studenten in Österreich! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Technologieförderung, Forschung und Entwicklung. – Wir haben eine zeitlich begrenz­te Förderung in diesem Steuerpaket enthalten, wo es um Internetzugänge mittels Breitbandtechnik geht. Das wird im Bereich von Sonderausgaben, im Bereich Grund­gebühr und Erstanschlüsse absetzbar sein, damit wir zukunftsorientiert eine größere Verbreiterung der Breitbandtechnologie in Österreich schaffen.

Meine Damen und Herren! Senkung der Lohnnebenkosten. – Es ist uns wichtig, beglei­tend zur Pensionsreform dafür zu sorgen, dass ältere Arbeitnehmer länger in Beschäf­tigung bleiben können. Daher: 140 Millionen € Absenkung der Lohnnebenkosten.

Vereinfachungen im Steuerbereich: Wegfall der 13. Umsatzsteuervorauszahlung. – Meine Damen und Herren! Ein Finanzminister vor mir hatte die „Kreativität“, zu sagen, nicht zwölfmal pro Jahr wird Umsatzsteuer vorausbezahlt, sondern dreizehnmal pro


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Jahr. Wir schaffen diese Ungerechtigkeit ab und geben damit den Betrieben einen Im­puls, was ihre Liquidität betrifft.

Genau das Gleiche machen wir mit einer Veränderung der Einhebung, was die Ein­fuhrumsatzsteuer betrifft – auch liquiditätsmäßig eine wichtige Unterstützung für unsere Betriebe.

Kollege Cap hat die Umverteilungswirkungen angesprochen. Auch wenn Sie es nicht hören wollen, Herr Abgeordneter, ich habe Ihnen ein paar Beispiele mitgebracht.

Da ist eine Alleinerzieherin, eine Arbeitnehmerin mit 1 200 € monatlichem Bruttoein­kommen. Die wird, und zwar gegengerechnet, was sie durch höhere Heizkosten, durch höhere Treibstoffkosten hier auch an Verteuerungen durch die Ökologisierung im eu­ropäischen Gleichklang hinnehmen muss –pro Jahr einen Vorteil von 282 € durch die­se erste Etappe der Steuerreform haben. – Eine Arbeitnehmerin mit kleinem Einkom­men von 1 200 €. (Abg. Mag. Wurm: Die kann nicht arbeiten gehen, weil sie keinen Kindergartenplatz hat! – Und was muss sie für die zweite Säule auf die Seite legen?)

Ein Beidverdienerhaushalt, ein Arbeiter, eine Angestellte: er verdient 1 500 €, sie 1 000 €; Nettovorteil durch diese erste Etappe der Steuerreform: 311 € pro Jahr!

Sie fragen mich: Wie wird es ausschauen mit der Pensionsreform, wenn wir hier ge­genrechnen? – Wir haben uns das angeschaut: eine Pension – alte Rechtslage, neue Rechtslage. Und wir haben hier einen durchschnittlichen Fall herangezogen, nämlich 2,7 Prozent Verlust durch die Pensionsreform bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 940 €; verbleibt ein Vorteil von 314 € pro Jahr.

Meine Damen und Herren! Das heißt, die Belastungen werden bei weitem überkom­pensiert. Sie sehen: Nettoentlastung auch für die kleinen Pensionisten. Das ist die Handschrift dieser Bundesregierung! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Verteilungswirkung, frei verfügbares Einkommen. Wir ha­ben uns die Verteilungswirkung angesehen. Alle Bezieher von Einkommen bis etwa 1 200 € pro Monat sind besser gestellt als im Jahr 2002, Arbeiter profitieren bis zu ei­nem Einkommen von knapp 1 500 € pro Monat. Daher eine klare Handschrift: für so­ziale Gerechtigkeit, für die Wiederherstellung des Generationenvertrags, für eine Ver­besserung des Standorts und der Beschäftigung in Österreich. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

12.40

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Matznetter. Während er zum Rednerpult geht, sage ich, dass wir vereinbart haben: restliche Rede­zeit bis 13 Uhr zu gleichen Teilen, macht 5 Minuten pro Redner. Bitte exakt einhalten! – Kollege Matznetter, bitte. (Ruf bei der ÖVP: Oh weh!)

 


12.41

Abgeordneter Dr. Christoph Matznetter (SPÖ): Herr Präsident! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Damen und Herren! Den Topfen, der uns jetzt hier erzählt wurde, muss man ein bisschen korrigieren. (Rufe bei der ÖVP: Geh!) Bei einer Pension in Höhe von 770 € zahlt derzeit ein Pensionist keine Steuer. (Abg. Neudeck: Sie schauen eh aus wie ein Fernsehkoch! – Abg. Dr. Lopatka: Was ist das für eine Wortwahl?) Er erfährt daher keine Entlastung. Er zahlt mehr für Ener­gie, er zahlt mehr in die Krankenversicherung ein. Sie schneiden gerade in einen Be­reich ein, wo wir eher schauen müssten, was wir für die Leute dort tun könnten. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Es ist ja erstaunlich, dass der Herr Finanzminister soeben eine Reihe von Maßnahmen besonders hervorhob, beispielsweise die erstaunlich tolle Absetzbarkeit der Studien-


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beiträge. Das hilft wahrscheinlich jetzt ihm, da er eine Dissertation schreibt, aber nicht jenen Studenten, die davon leben müssen und denen das Geld weggenommen wird! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Meine Damen und Herren! Ich möchte nun zum Hauptpunkt kommen, nämlich zur Fra­ge: Ist das eine Pensionssicherungsreform oder eine Geldbeschaffung? (Abg. Dr. Fekter: Eine Pensionssicherung!) Ich möchte es ganz nüchtern machen. Minister Bartenstein hat uns ein Blatt in die Hand gedrückt, bei dem unter dem Punkt Maßnah­men, die gekürzt werden, 438 Millionen im Jahr 2006 ausgeworfen sind – 438 Mil­lionen, die nur die halbe Wahrheit sind, denn er hat gleichzeitig 230 – genauer gesagt: 232 Millionen – vergessen, die man den Pensionistinnen und Pensionisten, die jenseits von 660 € verdienen, als Geldwertanpassung 2004 und 2005 wegnehmen wird. In Summe wird nach Ihren großartigen Verhandlungen mit der FPÖ mehr wegge­nommen, als in der Regierungsvorlage vorgeschlagen wurde. In Summe 780 Millionen € oder mehr als 10 Milliarden Schiling! – Das ist die Wahrheit, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Nun zu den Herren, die sich am Freitag großmächtig hingestellt und Bedenken geäu­ßert haben. Kollege Dolinschek hat im Budgetausschuss bei der namentlichen Ab­stimmung noch brav genau das mit beschlossen, was angeblich sozial ungerecht ist. Hätten Sie lieber den Antrag der Kollegin Haubner eingebracht, wo ich Ihnen gerne geholfen hätte, nämlich dass unter 1 000 € nichts passieren soll. Das wollten Sie aber nicht. (Abg. Neudeck: Ihr wolltet 15 Prozent!) Ich persönlich empfinde eine Politik, bei der Menschen, die ein Leben lang fleißig gearbeitet haben, die sich ihren Anspruch also erarbeitet haben, heute 10 Prozent weggenommen wird – bleiben wir bei dem „Deckel“, denn 770 € heißt 70 €, also 1 000 S, pro Monat –, als widerlich, und ich glau­be nicht, dass dies Österreich würdig ist. Danke, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen. – Abg. Neudeck: Das ist ein schöner Topfen, was Sie da reden! – Abg. Wittauer: Da wird die ganze Übertragung missbraucht für Halbwahrhei­ten! Als Steuerberater sollte man nachrechnen können!)

Ich möchte aber die Gelegenheit auch nützen, um noch ein paar Worte zur Frage der „großartigen Steuerreform“ – erste Etappe – zu verlieren. Die 200 000 Betroffenen sind nur jener Teil, die bisher in diesem Bereich lange Zeit darauf gewartet haben, dass der Inflationsausgleich bei der Steuerfreigrenze passiert. Die überwiegende Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher bekommt aus dieser so genannten Steuerreform nur Belastungen. Es wird der Diesel teurer, es wird das Heizen teurer. – Das sind die Realitäten, und das ist eine rezessive Politik, keine, die dafür sorgt, dass wir in Zukunft Wirtschaftswachstum haben werden! (Beifall bei der SPÖ.)

Interessant waren die Aussagen des Herrn Finanzministers, der sich selbst gelobt hat, was er doch dafür tut, dass das Wirtschaftswachstum weitergeht. Die Realität ist – und das haben uns eigentlich alle drei Experten im Budgethearing bestätigt –: Diese Bud­getpolitik ist kein Beitrag dazu, dass es mehr Wachstum geben wird. 2003 passiert gar nichts – das gibt er ja zu, wir lassen nur Stabilisatoren wirken –, und 2004 wirkt dieses Budget rezessiv. Kombiniert mit der Geldbeschaffungsaktion im Rahmen dieser Pensi­onskürzungen (Abg. Neudeck: Das ist und bleibt ein Topfen, was Sie sagen!) bedeutet dies – und ich sage es in Schilling, damit auch jeder weiß, welchen Wert dies dar­stellt –: 10 Milliarden Schilling bei den Pensionisten abkassieren (Zwischenruf des Abg. Wittauer), und das ist eine Politik, die genau jenes Wirtschaftswachstum verhindert, das wir zur Sicherung der Pensionen bräuchten. Hätten wir ein dynamisches Wirt­schaftswachstum, meine Damen und Herren, dann bräuchten wir uns um die Siche­rung der Pensionen keinerlei Gedanken zu machen. Das ist die Wahrheit! Solange


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allerdings diese Regierung im Amt ist, wird in diesem Land nichts in diese Richtung passieren. – Danke. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

12.46

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Als Kollege Matznetter einen Ausdruck aus dem Koch­buch verwendete, wollte er, wie ich ihn kenne, von einer nicht ganz exakt erscheinen­den Argumentation des Herrn Finanzministers sprechen, nehme ich an. (Abg. Wittau­er: Das ist widerlich! – Widerspruch bei der ÖVP.)

Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Murauer. Gleiche Redezeit. – Bitte.

 


12.47

Abgeordneter Walter Murauer (ÖVP): Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Wie Sie sich vorstellen können, werde ich als Wehr­sprecher einige Fakten zur Beschaffung der Luftraumüberwachungsflugzeuge, der Abfangjäger bringen. Es ist nämlich notwendig, in diesem Haus einiges seriös festzu­halten Statt in Form von Verunglimpfung und Verdächtigung, wie es zurzeit der Fall ist.

Erstens: Die Bundesregierung orientiert sich, auch wenn Sie es offensichtlich nicht begreifen wollen, Herr Kollege Kogler, an der Verfassung, an der Souveränität, also Eigenständigkeit unseres Staates und am Völkerrecht. Daraus ist abzuleiten, dass wir unseren Luftraum zu schützen, im Ernstfall sogar zu verteidigen haben. (Beifall bei der ÖVP.)

Punkt zwei: Meine Damen und Herren! Ob die Staaten neutral, bündnisfrei oder in ei­nem Bündnis wie der NATO sind, ist es doch wichtig, dass sie mit dem Luftraum äu­ßerst sensibel umgehen und ihn als höchstes Sicherheitselement betrachten. Alle Staaten erneuern ihre Fluggeräte und schaffen zusätzliche an, obwohl sie bereits über wesentlich mehr Flugzeuge verfügen, als Österreich jemals gehabt hat. Zum Beispiel denkt die Schweiz mit 138 Flugzeugen daran, ihre Flotte zu erneuern, obwohl sie über 36 Flugzeuge der Type F-18 – das wäre ein Flugzeug, das mit unserem Eurofighter zu vergleichen wäre – verfügt. Schweden verfügt über 287 Flugzeuge oder Finnland über 56 Flugzeuge. – Das, damit wir, meine Damen und Herren, wenn wir über Sicherheit reden, wissen, wovon wir sprechen sollten.

Nun zur Geschichte, zur Erinnerung: Nicht Bruno Kreisky allein war es, sondern als der Draken 1985 beschafft worden ist, wurde im Landesverteidigungsrat zugrunde gelegt, dass dieser Draken einer Nachbeschaffung bedarf, weil er gebraucht war und weil man wusste, dass seine Zeit begrenzt ist. Damals saßen Sie, geschätzte Damen und Her­ren von der Sozialdemokratie, am Tisch des Landesverteidigungsrates und haben das begründet. Nicht nur zur Zeit, als Warschauer Pakt und NATO noch einander gegenü­berstanden sind, zur Zeit des Kalten Krieges, sondern auch danach haben sich die Kanzler Vranitzky, Klima, Sinowatz bis zum Wehrsprecher, Kollegen Gaál, dafür aus­gesprochen, dass wir, wenn wir unsere Verfassung ernst nehmen, nicht nur auf dem Boden, sondern auch im Luftraum die Sicherheit zu gewährleisten haben.

Ich darf Sie daran erinnern, dass es einer Katastrophe bedurft hat, einer Katastrophe wie Galtür, dass die Hubschrauber Black Hawk beschafft werden durften. Ich wünsche uns und unserer Bevölkerung keine ähnliche Katastrophe, die Sie im Parlament veran­lassen würde zu sagen, wir hätten rechtzeitig dafür sorgen sollen, dass unser Luftraum kontrolliert wird. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Ein wesentlicher Teil dieser Beschaffung, ich würde sagen, eine sehr angenehme, attraktive Begleiterscheinung ist, dass es Gegengeschäfte gibt, dass es für unsere Wirtschaft Aufträge aus der Beschaffung dieser Flugzeuge gibt, und zwar nicht nur wie in der Vergangenheit und international üblich zu 100 Prozent der Beschaffungskosten, nein, das Wirtschaftsministerium, die Wirtschaftskammer ist be-


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müht, bis zu 200 Prozent, ja 240 Prozent Aufträge für unsere Betriebe, und zwar nicht nur für die Industrie, sondern auch für kleine und mittlere Unternehmungen zu bekom­men, und wir sind ausgezeichnet unterwegs. Viele Firmen bestätigen uns das und sa­gen: Gehen Sie nicht ab von dieser Beschaffung, weil wir diese zusätzlichen Aufträge, diese Arbeitsplatzsicherung brauchen. Gerade als Oberösterreicher, als Abgeordneter des Traunviertels und auch Steyrer weiß ich, was es bedeutet, zusätzliche Arbeit zu bekommen.

Abschließend, meine Damen und Herren: Luftraumsicherheit ist Grenzsicherheit.

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Bitte, ich muss jetzt exakt sein wegen des letzten Red­ners, sonst geht es sich nicht mehr aus.

 


Abgeordneter Walter Murauer (fortsetzend): Es leuchtet nichts, Herr Präsident.

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Weil ich, als es zu leuchten begonnen hat, gleich aus­geschaltet habe.

 


Abgeordneter Walter Murauer (fortsetzend): Ich möchte nur sagen, dass Sicherheit im Luftraum auch die Sicherung der Demokratie, der Wirtschaftsentwicklung, der Frei­heit und der Stabilität unseres Landes ist. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

12.52

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Pilz. (Staats­sekretär Mag. Schweitzer: Es sind nur mehr 7 Minuten!) Wenn ich jetzt einen Appell an Ihre Fairness richten darf: Ich teile auf zweimal 4 Minuten auf. – Bitte.

 


12.52

Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Finanzminister hat das getan, was er seit Wochen tut, auf alle Fragen der Opposition, die den Eurofighter, das heißt die größte Geldverschwendung der Zweiten Republik be­tref­fen, nichts geantwortet, schlicht und einfach nichts geantwortet. (Abg. Dr. Fekter: Sinnvolle Beschaffung!) Das unterscheidet sich nur deshalb positiv von seinem Verhalten im Budgetausschuss, weil er dort nur zum Teil nicht geantwortet hat und dort, wo er geantwortet hat, in der Regel die Unwahrheit gesagt hat. (Abg. Neu­deck: Schwerhörig!)

Deswegen, meine Damen und Herren, richten wir heute eine Dringliche Anfrage an den Finanzminister, um ihn erstmals nach der Geschäftsordnung dieses Hauses zu zwingen, dem Nationalrat und der Öffentlichkeit die Antworten zu geben, die bis jetzt verweigert worden sind. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Herr Finanzminister! Wie viel dürfen’s denn kosten – die fliegenden Kleinbildkameras? Sie fotografieren mit Fotoapparaten, mit denen normalerweise die Österreicherinnen und Österreicher nach Lignano auf Urlaub fahren (Abg. Neudeck: Das tut schon weh!), die auf den teuersten Jets Europas angebracht sind, Nato-Flugzeuge, von denen Ihnen jeder, der auch nicht im System Goldhaube sitzt, eines sagen könnte: Es sind Flug­zeuge aus einem befreundeten Nato-Staat. (Abg. Murauer: Wieso wissen Sie das, Herr Pilz?) Dafür über 6 Milliarden € angesichts einer so genannten Pensionsreform auszugeben, das ist, meine Damen und Herren, verantwortungslos und in allerhöchs­tem Maße unfair. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Herr Finanzminister! Wann bekommen wir die richtigen Zahlen? Zu Beginn der Bud­getberatungen hat es geheißen: 1,3 Milliarden €. Dann sind Sie darauf hingewiesen worden, dass das nicht stimmt. (Abg. Öllinger – auf den auf der Regierungsbank sit­zenden Bundesminister Mag. Grasser weisend –: Er rechnet schon wieder!) Dann ha-


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ben Sie auf 1,9 Milliarden € erhöht. Jetzt tauchen fast täglich Akten auf. Wir haben ei­nen Akt aus dem Verteidigungsministerium vorgelegt: Wieder 233 Milliarden aufge­taucht. Wir haben nach den Betriebskosten gefragt: Wieder 1,2 Milliarden € aufge­taucht. (Abg. Neudeck: Welche Währung?) Und wir fragen: Was kostet die Über­gangslösung, die Sie mit verursacht haben? – Und ich sage Ihnen heute schon : jen­seits der 200 Millionen €. Das werden insgesamt samt Nachbeschaffungen über 6 Mil­liarden € sein!

Und ich frage Sie, Herr Finanzminister: Warum haben Sie persönlich es verhindert, dass billigeres Kriegsgerät, gegen das wir auch Einwände gehabt hätten, gekauft wird? Warum waren Sie als Finanzminister persönlich der Verantwortliche dafür, dass die allerteuerste Lösung, die sich dieses Land nicht leisten kann, durchgesetzt wird? – Das ist die große Frage. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Bis jetzt hatten wir es bei Budgetdebatten mit einem Bundesministerium für Finanzen zu tun. Diesmal, in der Frage Eurofighter, haben wir es zu tun mit einem Bundesminis­terium für Verschwendung und Schiebung – und das werden wir aufklären.

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Herr Kollege Pilz, bitte nehmen Sie den Ausdruck „Schiebung“ zurück!

 


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (fortsetzend): Herr Präsident! Wie soll ich das tun? Das Wort ist nicht das Schlimme, sondern der Vorgang ist das Problem. Helfen Sie mir, einen anderen Ausdruck für diesen Vorgang zu finden, und ich werde mit Freuden ei­nen anderen Begriff verwenden, Herr Präsident. Mit Freuden! (Abg. Dr. Fekter: Sie sind ein Verleumder! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Noch ein letztes Wort in Richtung freiheitliche Abgeordnete. Können Sie sich eigentlich noch erinnern, dass es da einen Jörg Haider gegeben hat, der vorigen Herbst erklärt hat: Danke, Jörg! – Er hat sich bei sich selbst bedankt. Dan­ke, Jörg, Abfangjäger gestoppt. Welcher Jörg? Und wir haben uns daran gewöhnt ... (Beifall bei den Grünen.)

12.57

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Die Redezeit ist abgelaufen!

Für den Ausdruck „Bundesministerium für Verschwendung und Schiebung“ rufe ich Sie zur Ordnung, Herr Abgeordneter Pilz! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Walch. – Bitte.

 


12.57

Abgeordneter Maximilian Walch (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Zum Kollegen Pilz möchte ich ein für al­lemal sagen: Wenn Sie Beweise dafür haben, dass da irgendwas passiert ist, dann legen Sie sie gefälligst einmal auf den Tisch und kommen Sie nicht immer mit Unter­stellungen! Es ist doch unerhört, wie Sie die Bevölkerung mit unwahren Aussagen ver­unsichern! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Pilz verweist auf einige schriftliche Unterlagen.)

Und zur SPÖ-Pensionsargumentation möchte ich sagen: Es ist heute nicht nur drau­ßen so heiß, sondern das ist die heiße Luft, die in eurer Pensionsreform enthalten ist. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Kollege Cap kritisiert, dass die Beamten unter der FP/VP-Regierung mit 55 in Pension geschickt worden sind. Kollege Cap, ich möchte nur sagen: Unter eurer Regierung sind in Linz, in der VÖEST, in der Verstaatlichten die Leute mit 48 und 50 zu Tausenden in Pension geschickt worden. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Kollege von der VOEST, dir habe ich ohnehin noch mehrere Dinge zu sagen.


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Außerdem sind zu diesem Zeitpunkt Milliarden von Abgängen in der Verstaatlichten gewesen. Dann haben Sie viele Leute in die Pension geschickt. Danach haben viele bei mir angerufen und gesagt: Soll ich das jetzt annehmen?, weil ihnen ein bisschen mehr Abfertigung gegeben wurde, und nachher haben sie die Pension nicht bekom­men. – So war das unter der SPÖ-Regierung!

Ich möchte nur wissen, wie es morgen bei der Abstimmung über die Pensionsreform ausschauen wird. (Rufe bei der SPÖ.) Ich bin neugierig, wie sich die SPÖ, die Grünen und speziell die Kolleginnen und Kollegen von der Gewerkschaft verhalten werden, wenn es um die Harmonisierung geht, wenn es um gewisse privilegierte Leute in Ös­terreich geht, ob sie Ja sagen. Ich werde jeden Einzelnen ganz genau beobachten. Wir werden auch ein System machen, damit wir wissen, wer es war, und das werden wir der Bevölkerung draußen sagen, wie ehrlich oder unehrlich ihr mit gewissen Sachen in Österreich umgeht. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Das Nächste ist die Politikerpension. Mein Klubobmann hat mir schon erzählt, wie es bei den Verhandlungen zugegangen ist, wo einige gerne Scheinverhandlungen ge­macht hätten. Nehmt es aber ja nicht von mir! – Das ist typisch bei den Sozialdemokra­ten und auch bei einigen Grünen.

Ich möchte daran erinnern, warum wir in Österreich überhaupt eine Pensionsreform machen müssen. – Nicht, weil die Freiheitlichen die Bösen waren und andere Systeme eingeführt haben. Drei verschiedene Systeme, zwei privilegierte und ein nicht privile­giertes, sind in Österreich eingeführt worden – ein Politiker privilegierendes System und ein Beamtensystem. Aber ich rede nur von den hohen Beamten, denn der kleine Gendarm, der Briefträger und der Postler haben auch nicht viel. Ich rede nur von den hohen. Jetzt wird dieses System dem Ende zugeführt. Das wird die Zukunft sein.

Beweist morgen, dass ihr Demokraten seid! (Abg. Mandak: Wo ist die Harmonisie­rung?) Wenn etwas nicht von euch erfunden worden ist, dann wollt ihr dem nicht zu­stimmen, das ist das Ganze. Hört endlich einmal auf, die Bevölkerung zu beunruhigen und Unwahrheiten zu verbreiten! Kein einziger Pensionist, der bereits in Pension ist, keiner der zwei Millionen wird von dieser Pensionsreform belastet! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Ironische Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Die Vorschläge der SPÖ für Abschläge gingen in Richtung 15 Prozent. Ich habe sogar gehört, dass Dr. Gusenbauer gesagt hat, man sollte allen 10 Prozent wegnehmen. Das wäre Pensionsraub, wenn das so gekommen wäre. Aber 10 Prozent und die Kleinen nicht angreifen, das ist Zukunftsmusik für alle Österreicherinnen und Österreicher, das ist Gerechtigkeit. – Danke. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

13.00

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Silhavy. Freiwil­lige Redezeitbeschränkung: 4 Minuten. – Bitte.

 


13.00

Abgeordnete Heidrun Silhavy (SPÖ): Herr Präsident! Werte Regierungsmitglieder! Hohes Haus! Wie ehrlich Politik gemeint ist, Herr Kollege Walch, erkennt man an Ihren Handlungen. Statt dem Hohen Haus eine Regierungsvorlage über die Harmonisierung der Pensionen zuzuleiten, flüchten Sie sich in einen Entschließungsantrag. Das ist kei­ne ehrliche Politik, meine Damen und Herren von der FPÖ! (Beifall bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Wir reden hier über eine so genannte Pensionsreform, bei der es in Wahrheit darum geht, das Umlagesystem in Richtung kapitalgedecktes Ver­fahren zu verlagern. Das ist die wahre Intention, die hinter Ihren Bestrebungen steht. Es geht darum, eine solidarische Alterssicherung in eine eigene Risikovorsorge, die den Kapitalmarktschwankungen ausgesetzt ist, umzuwandeln.


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Meine Damen und Herren! Sie entziehen sich mit dieser Maßnahme auch weitgehend einer anderen Verpflichtung, nämlich der Verpflichtung, eine aktive Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik zu machen. Herr Kollege Walch, Sie werden sicherlich die Pen­sionssicherungsreform und auch den Vorschlag der Pensionsreformkommission gele­sen haben, die sagt: Der Beschäftigungsaspekt ist wichtiger als die demographische Entwicklung. – Das heißt, es ist wichtiger, Vollbeschäftigung zu schaffen, und es ist im Hinblick auf die Sicherung der Pension weitaus weniger wichtig, dass die Menschen immer älter werden. (Präsident Dr. Khol übernimmt wieder den Vorsitz.)

Haben Sie daran auch schon einmal gedacht? – Wie ich sehe, eher nicht, sonst könn­ten Sie dieser Reform nicht Ihre Zustimmung geben. Sie sagen: 10 Prozent ist die ma­ximale Deckelung. (Abg. Dr. Partik-Pablé steht an der Regierungsbank und spricht mit Staatssekretär Mag. Schweitzer.) – Frau Kollegin Partik-Pablé, vielleicht könnten Sie das Gespräch nachher fortsetzen. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Entschuldigung!) Vielleicht würde es Frau Kollegin Partik-Pablé nicht schaden, zuzuhören, denn wenn sie das täte, dann hätte sie gemerkt, dass sie heute in ihren Ausführungen einige Tatsachen behauptet hat, die nicht der Realität entsprechen, also nicht wahr sind. (Staatssekre­tär Mag. Schweitzer: Warum?)

Sie tun nichts zur Sicherung der Beschäftigung, das ist der größte Vorwurf. Sie haben auch jetzt im Mai wieder steigende Arbeitslosenzahlen zu verzeichnen. Herr Bundes­minister Bartenstein meint aber, dass die zusätzliche Arbeitslosigkeit, bedingt durch diese Pensionsreform, verantwortbar sei. Welcher Zynismus! Wahrscheinlich kann sich Herr Minister Bartenstein nicht in einen Menschen hineinversetzen, dessen Existenz von der Erwerbsarbeit abhängig ist, dessen Familie, dessen ganzes Einkommen davon abhängt, dass er Arbeit hat. Und dann sagt Herr Minister Bartenstein: Das ist verant­wortbar. – Für ihn ist es das wahrscheinlich schon, denn wenn man ein Unternehmen im Hintergrund hat, dann wird sich die Situation anders darstellen.

Das ist aber keine Politik, die wir teilen können. Das ist eine Politik, die menschenver­achtend ist, und diese Politik lehnen wir ab! (Beifall bei der SPÖ.)

Da Sie immer großartig von der zweiten und dritten Säule reden – ich glaube, Herr Dr. Stummvoll verfügt sogar über vier solcher Säulen, die wahrscheinlich gar nicht so schlecht sein werden wie die übliche zweite und dritte Säule –, erinnere ich Sie daran (Zwischenruf des Abg. Prinz), dass ein Großteil der österreichischen Betriebe 20 Mitar­beiterInnen hat; das haben wir heute gehört. Da schaue ich mir an, welche Betriebs­pensionskassen diesen zur Verfügung gestellt wird. Dazu kommt noch, dass Sie mit demselben Gesetz auch noch die Situation der Versicherten der Betriebspensi­ons­kassen verschlechtern, indem Sie die Mindestverzinsungsgarantie wegnehmen. Das ist eine Politik, die wir ablehnen.

Zur dritten Säule, meine Damen und Herren. Da heißt es: Warten auf bessere Zeiten. Und hohe Kosten mindern die Chancen auf guten Erfolg.

Das sind keine Säulen, meine Damen und Herren, das sind höchstens Stangerln, die bei jedem Windstoß umfallen, und dafür wollen Sie die erste, die wichtigste, die Grund­säule zerstören beziehungsweise so schwächen, dass die Menschen ausweichen müssen auf diese zweiten und dritten Stangerln, die, wie man sieht, nicht haltbar sind. Das ist keine faire Politik, das ist keine Politik mit Verantwortung, das ist keine Politik der Zukunft! Diese Politik lehnen wir ab! (Beifall bei der SPÖ.)

13.05

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gelangt nunmehr Herr Abgeordneter Mag. Tancsits. Wunschgemäß stelle ich die Uhr auf 6 Minuten. – Bitte, Herr Abgeord­neter.

 



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13.05

Abgeordneter Mag. Walter Tancsits (ÖVP): Herr Präsident! Herr Vizekanzler! Frau Ministerin! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Das Budget­begleitgesetz ist die Grundlage aller jener Materien, die rund um das Doppelbudget 2003/2004 unsere Politik der nachhaltigen Sanierung der öffentlichen Haushalte unter­stützen und mitprägen. Daher werden in diesem Budgetbegleitgesetz nicht nur jene Dinge geregelt, die diesen relativ kurzen Zeitraum betreffen, sondern insgesamt nach­haltige Sanierungsmaßnahmen getroffen.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Abgeordnete Lichtenberger, Sie telefonieren!

 


Abgeordneter Mag. Walter Tancsits (fortsetzend): In diesem Zusammenhang ist es mir aber besonders wichtig, zu betonen, dass die Einsparungsmaßnahmen und die Neustrukturierung von Ausgaben nicht nur nachhaltig sind, sondern für die soziale Ausgewogenheit das entsprechende Augenmaß bewahren. Und mit dem vorliegenden Budgetbegleitgesetz ist dies auch gelungen. Ich möchte in drei Punkten darauf hinwei­sen.

Erster Punkt: Pensionsreform, zweiter Punkt: Altersübergangsgeld, dritter Punkt: die heute schon erwähnte Steuerreform.

Bei den Pensionen weiß jeder, dass es auf Dauer – drei, sechs, zwölf, ich brauche das Beispiel nicht zu wiederholen – nicht so weitergehen kann. Daher werden wir bei kür­zerer Arbeitsdauer weniger bekommen, länger arbeiten müssen und die Pensionsausgaben nicht ad infinitum steigern können. Dabei ist es wichtig, dass Kürzungen gerecht sind, dass auf die eingezahlten Beiträge Rücksicht genommen wird, dass die Kürzungen sozial ausgewogen sind und dass jene, die weniger haben, auch weniger davon betroffen sind.

Nicht so sieht es Kollege Dr. Gusenbauer, der in seiner Presseerklärung am 28. 4. ge­sagt hat: Es ist mit Pensionskürzungen zwischen 10 und 15 Prozent im Durchschnitt zu rechnen – laut SPÖ-Konzept. „Im Durchschnitt“ heißt, es können auch 15, 20 oder 25 Prozent sein. – Das ist nicht sozial, und wahrscheinlich meint das auch Kollege Dr. Gusenbauer, wenn er mir und anderen heute in einem Brief schreibt, dass die Pen­sionen, der Pensionsanspruch um 12 Prozent gekürzt würden. Das entspräche dem von ihm selbst gemachten Vorschlag.

In unserem Vorschlag wird mit 10 Prozent – ich unterstreiche das noch einmal – die absolute Obergrenze aller möglichen Verluste erreicht. Das heißt, dass die durch­schnittliche Kürzung wesentlich geringer ist. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Sie sagen, wenn jemand nur 650 € oder 640 € Pension hat, dann sind diese 10 Prozent auch stark spürbar. Sie wissen aber genauso gut wie ich, und die Zuseher und Zuhörer sollen es auch wissen, dass wir eine Ausgleichszulage in der Höhe von 643 € haben, jene für die Ehepaare mit 1. Jänner erhöhen und dass es unter diesem Betrag natürlich überhaupt keine Kürzung gibt.

Was meine ich mit „gerechter machen“? – Darunter verstehe ich, dass jene, die be­sonders lange arbeiten, auch etwas davon haben sollen. So wird zum Beispiel eine Frau, die unter die so genannte Hackler-Regelung fällt, mit 41 Beitragsjahren im Jahr 2006 bereits eine geringfügige Erhöhung gegenüber dem heutigen Recht haben. Das ist gerecht! (Abg. Dr. Lichtenberger: Das schafft keine Frau!)

Ebenso möchte ich erwähnen, dass das Altersübergangsgeld für zwei Drittel der In-Anspruch-Nehmenden höher sein wird als die vorzeitige Alterspension wegen Arbeits­losigkeit. Auch davon werden in hohem Ausmaß Frauen mit Niedrigeinkommen und Niedrigpensionen betroffen sein.


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Das verschweigen Sie uns, aber das verstehe ich unter nachhaltiger Sanierung, näm­lich dass man auf die geringen Einkommen entsprechend Rücksicht nimmt. (Beifall bei der ÖVP.)

Dritter und letzter Punkt: Steuerreform. Ab 1. Jänner werden weitere 200 000 Österrei­cherinnen und Österreicher keine Steuer mehr zahlen. Das ist mit ein Schritt in Rich­tung soziale Ausgewogenheit in diesem Land (Abg. Mag. Trunk: Gebühr!), denn diese ist für uns die Leitlinie bei der notwendigen und nachhaltigen Sanierung der öffentli­chen Haushalte. (Beifall bei der ÖVP.)

13.10

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nunmehr spricht Frau Abgeordnete Dr. Lichtenberger. Wunschredezeit: 8 Minuten. – Frau Abgeordnete, Sie sind am Wort.

 


13.10

Abgeordnete Dr. Evelin Lichtenberger (Grüne): Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sprechen heute – wie schon oft bei Konfrontationen mit dieser Regierung – wieder einmal von einem Phantom. Der fünfte Redner hat jetzt einen Abänderungsantrag an­gekündigt, dessen Inhalt aber vorsichtshalber im Dunkeln gehalten wird. Dieser Abän­derungsantrag wird wahrscheinlich 30 Sekunden vor der Abstimmung auftauchen, so­dass man keinerlei Möglichkeit mehr hat, zu analysieren, welche Folgen dieser Abän­derungsantrag hat. Und es ist zu befürchten, wie so oft bei Abänderungsanträgen, die von den Regierungsparteien zwei Minuten vor der Abstimmung eingebracht werden, dass genau das darin enthalten ist, was Sie mit diesem Luftballon symbolisiert haben, nämlich heiße Luft.

Meine Damen und Herren! Sie haben schließlich diesen Ballon aufgeblasen, der jetzt so friedlich dort oben hängt. Sie waren es, die immer wieder Leerfloskeln in die Debat­te eingebracht haben. Wenn sich Herr Kollege Walch vorher so sehr ereifert hat, dann muss ich ihm schon eines sagen: Hätte er doch einfach den Abänderungsantrag und dessen Inhalt vorgelesen, dann hätte seine Rede wenigstens Ansätze von Informati­onswert gehabt. (Beifall bei den Grünen.)

Lassen Sie mich aber nun, meine Damen und Herren, zu dem kommen, was in diesen Budgetbegleitgesetzen – man höre und staune – an Ausgaben enthalten ist, die man sehr leicht anders einsetzen oder noch besser einsparen könnte. Ich werde mit der größten unnützen Ausgabe, die wir zu gewärtigen haben, beginnen, nämlich mit der Frage der Abfangjäger beziehungsweise der Kampfflieger, über die es nach wie vor, genau wie bei diesem Antrag, keinerlei Klarheit gibt.

Ich war im Ausschuss, als wir über die finanziellen Konsequenzen dieser Beschaffung diskutiert haben. Ich war im Ausschuss, als der Finanzminister nicht den Ansatz einer klaren Information zu geben bereit oder willens oder fähig war, was zum Beispiel die Übergangslösung bedeuten würde. Wir wurden um Verständnis gebeten, dass das erst verhandelt werden müsse. – Ja, meine Damen und Herren, was ist denn das für eine Politik?

Sie beschließen eine Beschaffung, müssen dazu – ganz anders, als das vorher be­hauptet wurde – Übergangslösungen machen, müssen diese einleiten und verhandeln jetzt darüber. Und ohne dass wir überhaupt nur in Ansätzen Klarheit darüber haben können – aus Ihrer Sicht haben können –, was das Ganze kosten wird, sollen wir Ihnen auf Grund unserer Erfahrungen einen Blankoscheck für diese Abfangjäger ausstel­len? – Meine Damen und Herren! Daran kann eine verantwortungsvolle Opposition natürlich keinesfalls denken. (Beifall bei den Grünen.)

Lassen Sie mich kurz auf die europäische Dimension dieser Frage eingehen. (Abg. Mag. Kogler: Murkspolitik ist das!) Wir diskutieren nun im Europäischen Konvent


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über eine zukünftige Verfassung, natürlich auch über das Kapitel Verteidigung und gemeinsame Verteidigung. In dieser Debatte gibt es Militärs, die sich vehement zu Wort melden und von völlig neuen Bedrohungsbildern sprechen, bei denen man mit konventionellen Antworten keine Chance mehr hat. Und diese Kampffliegerbeschaf­fung ist eine Beschaffung von konventionellem Kriegsgerät, das überhaupt nicht mehr in neue europäische Szenarien passt, meine Damen und Herren!

Viel klüger wäre es – denn dieses europäische Verteidigungssystem ist in Entwicklung begriffen –, an einer europäischen Debatte über neue Bedrohungsbilder und Antworten darauf mitzuwirken, anstatt genau jenes Kriegsgerät zu kaufen, das die USA, die Men­gen davon besitzt, traurigerweise nicht vor dem Terroranschlag des 11. September zu bewahren im Stande war.

Meine Damen und Herren! Damit zeigt sich die Unsinnigkeit dieser Rieseninvestition noch einmal in aller Deutlichkeit. Und ich muss Ihnen sagen: Jeder, der hier mit der Notwendigkeit der Verteidigung des Luftraumes argumentiert, jeder, der – das finde ich besonders ungut – den 11. September als Argument für die Beschaffung der Abfangjä­ger ins Treffen führt, liegt sogar noch weit neben jener Debatte, die über eine neue Reaktion auf die neuen Bedrohungsbilder in unserer Welt geführt werden muss.

Meine Damen und Herren! Setzen Sie den Schritt ins neue Jahrtausend! Stellen Sie sich den Herausforderungen, vor denen wir tatsächlich stehen! Es geht nicht nur dar­um, dass einige vielleicht irgendwann einmal von der Beschaffung von Uraltmodellen profitieren werden, obwohl heute schon in Deutschland darüber nachgedacht wird, dass sie jenseits jeder militärischen Sinnhaftigkeit sind.

Stoppen Sie das, machen Sie einen Schritt ins neue Jahrtausend und hören Sie auf mit dieser Beschaffung! Stoppen Sie diesen Beschaffungsvorgang! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Die Bedrohungen, vor denen wir stehen, meine Damen und Herren, sind ganz andere. Sie bestehen zum Beispiel in einem Neuaufkommen der Atomenergie, indem über die neue Kommissarin De Palacio versucht wird, wieder stärker einen Fuß in die europäi­sche Energiepolitik zu bekommen, als das ohnehin schon der Fall ist. Milliardenschwe­re Kredite sollen nun für die Aufrüstung der alten AKW genehmigt und fortgeschrieben werden, und das Ganze soll auch noch verfassungsmäßig legitimiert werden.

Wir von den Grünen haben mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern aus ande­ren politischen Lagern – auch Kollege Einem und Kollege Bösch haben diesen Antrag mit uns eingebracht – eine Stellungnahme im Europäischen Konvent verfasst, die EU­RATOM endlich zu einem Ende bringen soll.

Ein weiterer Schritt – darum bitte ich Sie – ist: Es liegt jetzt das Volksbegehren für das Ende der Atompolitik in Europa auf. Meine Damen und Herren! Gehen Sie hin, unter­schreiben Sie es, dann tun Sie für die Sicherheit dieses Landes viel mehr, als alle Ab­fangjäger, die hier angeschafft werden sollen, es jemals im Stande wären. (Beifall bei den Grünen.)

Zum Abschluss noch einige Worte über Ausgaben, die schon angesprochen worden sind. Meine Damen und Herren! Die so genannte Ökologisierung der Steuerreform wird schwerstens konterkariert mit Ihren eigenen Vorhaben in finanzieller Hinsicht. Wenn Sie einerseits – der Herr Verkehrsminister tut das auch in Brüssel – mit Vehemenz von Kostenwahrheit im Schwerverkehr sprechen und andererseits zwar den Dieselpreis anheben, aber den Frächtern eine Subvention geben, die diese Anhebung wieder kompensiert, dann muss ich sagen, damit machen Sie sich nicht nur verkehrspolitisch auf europäischer Ebene absolut lächerlich, sondern Sie wirken auch ökologisch gese-


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hen völlig kontraproduktiv, weil damit die Verlagerung auf die Schiene noch unwahr­scheinlicher wird, als sie es ohnehin schon ist.

Das ist ein grober Unfug, der in diesen Ihren Budgetvorhaben enthalten ist. Bitte, stop­pen Sie das, wenn Sie den Rest an Glaubwürdigkeit auf europäischer Ebene in der Verkehrspolitik noch retten wollen! Denn mit dem gleichen Geld, das Sie da hinauswer­fen, kann man mittels eines Programmes zur Althaussanierung dreimal so viele Ar­beitsplätze schaffen, der Umwelt etwas Gutes tun und die Geldtaschen der Bewohne­rinnen und Bewohner des Hauses auch noch entlasten, weil sie in Zukunft weniger an Heizkosten zu gewärtigen hätten. Das wären moderne, zukunftsweisende Konzepte, von denen Sie, meine Damen und Herren von den Regierungsparteien, allerdings Lichtjahre entfernt sind. (Beifall bei den Grünen.)

13.19

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nunmehr gelangt Herr Abgeordneter Wittauer zu Wort. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


13.20

Abgeordneter Klaus Wittauer (Freiheitliche): Herr Präsident! Frau Minister! Meine Damen und Herren! Herr Abgeordneter Cap ist jetzt leider nicht mehr da. Wenn die Fernsehübertragung vorbei ist, dann verschwinden die Herren meistens. Er meinte: blauer Wasserdampf. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) – Da gebe ich ihm Recht, aber wir Freiheitlichen verhandeln mit blauem Volldampf, um eine bessere Zukunft sicher zu stellen, im Gegensatz zu Ihnen. (Abg. Eder: Wo ist Scheibner?) Sie werden es nicht verhindern können, dass wir uns bis zur letzten Minute für diese Gerechtigkeit einset­zen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Im Gegensatz zu uns kommt aus dem Kollegen Cap nur leere Luft beziehungsweise nur Luft mit viel Geräusch heraus. Und das ist mir zu wenig bei dieser Debatte um die Pensionsreform, das muss ich Ihnen auch sagen. (Abg. Eder: Wissen Sie überhaupt, was drinnen steht?)

Folgendes noch zum „Kochbuch“ des Präsidenten Fischer, der das Wort „widerlich“ als normalen Ausdruck gewertet hat. Ich kann das auch, ich denke da an ein Kochbuch, bei dem ein widerlicher Geschmack dabei ist. Dieser Geschmack bleibt mir bei den Halbwahrheiten, die hier verkündet werden, hängen.

Und wenn Herr Kollege Pilz immer Wörter wie „Schiebung“, „Betrug“ und Sonstiges hier beim Rednerpult in den Mund nimmt, dann muss ich ihm eines sagen – da sage ich das Gleiche wie mein Kollege von der freiheitlichen Fraktion –: Legen Sie die Be­weise auf den Tisch! Eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, nur weil die Anonymität Sie, Kollege Pilz, schützt, wenn Sie hier heraußen Dinge, die nicht wahr sind, sagen, das ist eine Gemeinheit! Ich fordere Sie auf, das endlich einmal einzustel­len und mit dem herauszukommen, was tatsächlich die Wahrheit ist. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Wir Freiheitliche stehen für eine Politik der Zukunft – im Gegensatz zu den Sozialde­mokraten, die nie Reformer waren, sondern immer auf ihre eigenen Privilegien ge­schaut haben. (Abg. Öllinger: Na ja! Da fallen mir noch andere ein!) Sorgen Sie mit uns gemeinsam dafür, dass eine zukunftsorientierte, verantwortungsvolle Politik für die nächsten Generationen umgesetzt wird und seien Sie nicht immer dagegen!

Wenn ich Sie, meine Damen und Herren von den Sozialdemokraten und von den Ge­werkschaften, mit den in den letzten Wochen und Monaten unterschriebenen Petitio­nen im Plenarsaal sehe, dann weiß ich, warum in den letzten dreißig Jahren in Öster­reich nichts weitergegangen ist. Gerade in den letzten Tagen und Wochen wurden im Vergleich zur ersten Vorlage durch die Verhandlungen der Freiheitlichen fast in jedem


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Bereich der Pensionsreform Verbesserungen erzielt. (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Öllinger: Nein, leider nicht! Wo denn? Ein Beispiel!)

Die Unterschriften und die Vielzahl an Petitionen, die von den Menschen abgegeben worden sind, sind eben zum ersten Entwurf, gegen den wir Freiheitliche auch waren, abgegeben worden. (Abg. Eder: Zehn Beispiele!) Heute gibt es ein Verhandlungser­gebnis – schauen Sie einmal, ob die Menschen diesbezüglich noch dagegen sind! –, das ausgewogen und gerecht ist. Und die letzten Dinge werden unsere Abgeordneten noch so regeln, dass Gerechtigkeit auch Gerechtigkeit ist. (Beifall bei den Freiheitli­chen.)

Das Einzige, was die Gewerkschaften tun können, ist, mit ihrem Folder quasi einen Vorschlag für die ÖVP- und FPÖ-Abgeordneten zu bringen. Das sind die Vorschläge der Gewerkschaften zur Pensionsreform, und das ist das Einzige, was sie anscheinend zusammenbringen. Und das noch mit Geldern von Gewerkschaftsmitgliedern! – Danke dafür! (Abg. Eder: „Danke, Jörg!“)

Dazu muss man noch Folgendes sagen: Die Gewerkschaften haben ja resigniert, das haben alle gehört. Wir Freiheitliche haben über Pfingsten weitergearbeitet, um die letz­ten Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Die Wähler werden beurteilen müssen, ob sie die Sozialdemokraten oder die Freiheitlichen für diesen Kampf wählen (Abg. Öllinger: Das glauben Sie selbst nicht!), und nicht einzelne Redner hier im Saal. (Beifall bei den Frei­heitlichen.)

Die entsprechende Dotierung des Härtefonds für Pensionen unter 1 000 € muss umge­setzt werden, die Harmonisierung der Pensionssysteme muss umgesetzt werden (Abg. Eder: Wo steht das? – Abg. Dr. Partik-Pablé: Im Entschließungsantrag!), der Abbau der Privilegien in den Sozialversicherungen und in anderen privilegierten Bereichen muss umgesetzt werden. Für diese Politik kämpfen wir Freiheitliche. Wir sind vor allem den Bürgern gegenüber verantwortlich und nicht einzelnen Klientelen verpflichtet, die vom Leben immer bevorzugt wurden. (Abg. Öllinger: Was ist mit der Volksabstim­mung?)

Meine Damen und Herren! Auch wenn diese Regierung einige Turbulenzen hinter sich hat, so hat sie weitaus mehr erreicht als eine dreißigjährige sozialdemokratische Fehl­politik. Ich möchte dieser Regierung ausdrücklich danken, auch wenn sie es nicht leicht hat. Ich danke ihr für ihre Arbeit! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Die Opposition kritisiert, sie ist nicht dazu bereit, ihren Beitrag zu einer ausgewogenen Pensionsreform zu leisten. Es wird Ihnen aber nicht gelingen, uns durch öffentlichen Druck – sei es durch E-Mails oder Briefe oder die Vorlage von Petitionen, die ich genau kenne – von dem Weg abzubringen, eine gerechte und zukunftsorientierte Politik um­zusetzen.

Viele Bereiche in diesen Begleitgesetzen sind positiv (Abg. Eder: Es ist nichts gesche­hen!): etwa die Umsetzung des Generalverkehrsplanes durch unseren Hubert Gorbach oder das 3-Milliarden-€-Paket für die Landwirtschaft, das auch den Konsumenten zu Gute kommt. Qualität vor Masse wird unser Ziel bleiben, und ein umweltbewusster Umgang mit der Natur bleibt in der Landwirtschaft erhalten.

Ich könnte mit dieser Liste noch lange fortfahren (Ruf bei der SPÖ: Bitte nicht!), aber die Zeit würde dafür nicht reichen. Ich fordere Sie, meine Damen und Herren von der Opposition, heute auf, für die Sicherstellung der Harmonisierung der Pensionssysteme auch einen entsprechenden Antrag zu unterstützen. (Ruf bei den Grünen: Wo ist der denn?) Wir werden das auch namentlich machen. Dann wird man ja sehen, wer für die Harmonisierung ist, und wer nicht, oder ob Sie weiterhin den Privilegiendschungel in


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den eigenen Reihen schützen wollen. Damit würden Sie zumindest in dieser Frage glaubwürdig werden.

Arbeiten Sie konstruktiv mit uns für eine bessere Zukunft im Sinne Österreichs und hören Sie auf, Ängste zu erzeugen und die Menschen zu verunsichern! Helfen Sie mit, den sozialen Frieden auch weiterhin sicherzustellen! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

13.25

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nunmehr erhält Herr Abgeordneter Schieder das Wort. Selbst gewählte Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


13.25

Abgeordneter Peter Schieder (SPÖ): Herr Präsident! Frau Bundesminister! Meine sehr geschätzten Damen und Herren! Herr Bundeskanzler Schüssel hat seinen Rede­beitrag zur Pensionsreform und zu den Budgetbegleitgesetzen mit Glückwünschen an die EU-Beitrittsländer betreffend deren Bemühungen und Erfolge bei den Abstimmun­gen in ihren Ländern begonnen. Wir Sozialdemokraten schließen uns diesen Glück­wünschen an.

Der Herr Bundeskanzler hat in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Bundesre­gierung gerühmt. Das ist legitim, aber es ist einseitig – wie vieles in diesen Tagen von der Regierungsbank –, nur dies zu tun und alle anderen unter den Tisch fallen zu las­sen. Auch das Parlament mit allen in ihm vertretenen Fraktionen, die Parteien, ihre Stiftungen, die Gewerkschaften, die NGOs, die Presse und viele andere haben ihren Beitrag geleistet. Wir möchten deshalb allen danken, die dazu beigetragen haben. (Beifall bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Die heutige Debatte ist dadurch gekennzeichnet, dass es wirkliche Gegensätze gibt. Was mir bei dieser Debatte weh tut, ist, dass die Regierung und die Regierungsfraktionen keinen wirklichen Dialog mit der Opposition und den ge­sellschaftlichen Kräften dieses Landes in einer so wichtigen Frage gesucht haben.

Sie haben natürlich Recht, wie alle, die sagen, dass die Pensionsreform notwendig und überfällig sei. Aber deswegen muss sie doch nicht sozial unausgewogen, negativ um­verteilend, unharmonisch und nur im ASVG-Bereich erfolgen. Das Argument der Not­wendigkeit deckt nicht die ungerechte und unsoziale Art und Weise der Durchführung ab. Man kann sich nicht berühmen, dass man etwas tut, wenn man es so unprofessio­nell und so ungerecht tut.

Ähnlich gehen Sie bei der Luftraumüberwachung vor. Selbst wenn man der Meinung ist, dass die Luftraumüberwachung für einen kleinen Staat, für seine Souveränität und Neutralität notwendig ist, selbst wenn man der Meinung ist, dass, wenn dieser Staat von NATO-Staaten und neutralen Staaten umgeben ist, die Luftraumüberwachung trotzdem notwendig ist, selbst wenn man der Meinung ist, dass im Zeitalter der europä­ischen Einigung und einer möglichen gemeinsamen Verteidigungsidentität in Europa eine solche Luftrumüberwachung notwendig ist, selbst wenn man das alles meint und deshalb für die Luftraumüberwachung Österreichs eintritt, dann rechtfertigt das nur das Notwendige, was auf die Abwehr gerichtet ist. Das rechtfertigt eine minimale Lösung, die noch Abwehr und ausreichende Sicherheit bietet, aber nicht die teuerste, risiko­reichste und auf nicht vorgesehene Kampfeinsätze ausgerichtete Verschwendungsva­riante.

Meine Damen und Herren! Mit Ihrer Argumentation verfolgen Sie eine Politik, die die Dinge zwar als notwendig darstellt, aber die Maßnahmen, die Sie setzen, sind falsch beziehungsweise schießen sie über das Ziel hinaus und sind nicht gedeckt.


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Zum Abschluss noch ein Wort zum Solidaritätsbeitrag für Politiker. Ich hätte gerne ge­habt, dass dieser Solidaritätsbeitrag auf andere gut Verdienende ausgedehnt wird, aber ich bin froh darüber, dass es ihn für Politiker gibt. (Beifall bei der SPÖ.)

13.30

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nunmehr gelangt Herr Abgeordneter Kurzbauer zu Wort. Gewünschte Redezeit: 6 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


13.30

Abgeordneter Johann Kurzbauer (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bun­desministerin! Geschätzte Damen und Herren! Bevor ich mit meinen Ausführungen beginne, kurz ein Wort zu Herrn Kollegen Matznetter. Er hat in seinem Schlusssatz sinngemäß gesagt: Solange diese Regierung agiert, wird in diesem Land nichts weiter­gehen. (Ruf bei der SPÖ: Richtig!)

Geschätzte Damen und Herren! Ich erinnere Sie: Im Jahr 1999 gab es ein Budgetdefi­zit von 2,3 Prozent, und zwar bei guter Konjunkturlage und unter einem sozialistischen Finanzminister. Beim Budget 2001/2002 gab es im Jahr 2001 einen Überschuss von 0,3 Prozent und im Jahr 2002 ein Defizit von 0,6 Prozent. Seit dem Jahr 2000 ist die Regierung Schüssel I im Amt – und der Vergleich macht uns sicher!

Wenn wir die letzten Wochen und Monate Revue passieren lassen, dann stellen wir fest, es stand naturgemäß die Pensionssicherungsreform im Mittelpunkt des öffentli­chen Interesses. Aber die Diskussion um diese Reform wurde nicht immer fair geführt, geschätzte Damen und Herren! Vor allem die Opposition, aber auch die Hardliner in der Gewerkschaft haben oftmals mit Unwahrheiten agiert und Szenarien dargestellt, die nicht der Realität entsprechen. So wurde beispielsweise plakatiert, dass künftige Pensionsbezieher in Einzelfällen Kürzungen von bis zu 30, 40 Prozent hinnehmen müssen, und das noch zu einem Zeitpunkt, geschätzte Damen und Herren, da längst bekannt war, dass es zu einer Deckelung der Pensionsverluste von maximal 10 Prozent kommen wird. Mit dieser negativen Propaganda wird versucht, die Bürge­rinnen und Bürger zu verunsichern. (Abg. Silhavy: ...! Das ist unglaublich!)

Zwei SPÖ-Abgeordnete aus meinem Wahlkreis haben noch in einer Presseaussen­dung vom 4. Juni behauptet, dass die Pensionen der Österreicherinnen und Österrei­cher um bis zu 40 Prozent gekürzt werden. (Abg. Silhavy: Am 4. Juni ...!) – Ja, da ha­ben wir aber schon gewusst, dass diese Deckelung kommen wird!

Geschätzte Damen und Herren, vorwiegend von der SPÖ! Ich frage Sie: Ist das not­wendig? Haben Sie es nötig, mit derartigen Unwahrheiten an die Öffentlichkeit zu ge­hen? Ist Ihnen jedes Mittel recht, um wieder an die Macht zu kommen? (Zwischenruf des Abg. Brosz.)

Herr Dr. Gusenbauer bezeichnet diese Pensionsreform als überfallsartigen, dramati­schen Eingriff in die Lebensplanung. – Ihre Politik, Herr Dr. Gusenbauer, und die Politik der sozialistischen Partei war und ist ein Verschieben von notwendigen Reformen, das haben Sie ja bereits mehrmals bewiesen. Aber mit Ihrer Reformblockierungsstrategie, geschätzte Damen und Herren von der SPÖ, und Ihrem Kopf-in-den-Sand-Stecken handeln Sie verantwortungslos und unsozial!

Faktum ist: Eine Pensionsreform ist notwendig und unaufschiebbar! Wenn diese Re­form nicht jetzt umgesetzt wird (Zwischenruf der Abg. Mag. Trunk), dann wird uns die­ser Reformbedarf sehr, sehr schnell einholen, geschätzte Damen und Herren – nur mit dem Unterschied: je später, umso schmerzlicher. (Abg. Silhavy: Was halten Sie von gleichen Beiträgen und ...?)

Aus Umfragen wissen wir, dass über 80 Prozent unserer Bürgerinnen und Bürger eine Pensionsreform befürworten und darauf vorbereitet sind. Die Mehrheit der Bevölkerung


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erwartet sich auch, dass diese Pensionssicherungsreform noch vor der Sommerpause beschlossen, also nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Die Bevölke­rung erwartet sich weiters, dass an den Eckpfeilern dieses vorliegenden Modells nicht mehr gerüttelt wird.

Meine Damen und Herren! Es wurde heute schon darauf hingewiesen: Unsere Ausga­ben für die Pensionen der über 55-Jährigen betragen zirka 15 Prozent. Im EU-Durchschnitt liegt der vergleichbare Wert bei 10 Prozent.

Geschätzte Damen und Herren! Die Bundesregierung Schüssel II ist angetreten, die begonnenen Reformen weiterzuführen. Ein Eckpfeiler dieses Reformpakets ist die vor­liegende Pensionssicherungsreform, die einerseits den Generationenvertrag und ande­rerseits unser soziales Engagement auf hohem Niveau nachhaltig sichern wird. Gerade die darin vorgesehenen Übergangsfristen gewährleisten eine langfristige Lebenspla­nung. Dramatisch, um bei der Ausdrucksweise von Dr. Gusenbauer zu bleiben, dra­matisch würde sich nur eine weitere Verzögerung und eine Kopf-in-den-Sand-Strategie auswirken.

Daher lade ich Sie, geschätzte Damen und Herren von der SPÖ, ein – nein, ich fordere Sie auf! –, nicht nur nach parteipolitischen Überlegungen zu handeln, sondern zum Wohle Österreichs und unserer Bürgerinnen und Bürger dieser dringend notwendigen Pensionssicherungsreform, die sachlich und inhaltlich ausgewogen ist, Ihre Zustim­mung zu geben. (Beifall bei der ÖVP.)

13.36

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nunmehr spricht Frau Abgeordnete Mandak. Ihre Rede­zeit beträgt wunschgemäß 8 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


13.36

Abgeordnete Sabine Mandak (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Herr Kollege Kurzbauer! Sie haben mit Ihrem Vorwurf der negativen Propaganda an die Opposition und die Gewerkschaften geradezu sanft argumentiert – im Vergleich zu dem, was wir uns letzte Woche vom Bundeskanzler anhören mussten, etwa mit seinem Ausdruck der Gräuelpropaganda, die wir verbreitet hätten.

Ich kann mir vorstellen, dass das für Sie nicht angenehm ist, aber es war tatsächlich so. Es war tatsächlich so, dass Ihr erster Entwurf der Pensionsreform zu Pensionskür­zungen von bis zu 40 Prozent geführt hätte. Ich erinnere daran, dass diese erste Ver­sion sowohl vom Bundeskanzler als auch von Ministerin Gehrer – sie sitzt gerade hin­ter mir auf der Regierungsbank – als die Pensionsreform schlechthin dargestellt und damals schon mit Zähnen und Klauen verteidigt worden ist. (Abg. Wittauer: Wir reden über das heutige Ergebnis, nicht über die Vergangenheit!) Und wehe, es hat irgendje­mand etwas dagegen gesagt! Schon damals wurde uns vorgeworfen, Negativpropa­ganda zu machen.

Die Ist-Situation gibt uns aber Recht. Sie selbst mussten einen Teil Ihrer Pensionsre­form zurückziehen! Das Ergebnis ist aber noch immer nicht so, dass man sagen könn­te: Das ist eine Pensionsreform, die zukunftweisend ist, eine Pensionsreform, die die­sen Namen verdient. – Und deswegen werden wir Grüne dranbleiben. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Wittauer: Dann müsst ihr Vorschläge machen!) Deswegen werden wir Grüne dranbleiben, diese Pensionsreform weiter be­kämpfen und das tun, was auch immer nötig ist, um sie zu verhindern.

Ich möchte gerne näher auf das Verhalten der freiheitlichen Abgeordneten eingehen (Abg. Wittauer: Ich wäre froh, wenn ich Ihre Inhalte hören würde und nicht ...!), weil mich das sehr verwirrt, beziehungsweise frage ich mich: Wo sind wir eigentlich?


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In der Sitzung vom ... (Ruf: Geh!) – Ja, ich bin das noch nicht so gewöhnt. Sie sind das wahrscheinlich schon eher gewöhnt, mich verblüfft jedoch so ein Verhalten noch im­mer. Wenn Sie sich das anhören, dann werden Sie vielleicht auch denken: Öha! (Abg. Dr. Mitterlehner: Öha?! – Abg. Wittauer: Ich glaube, es wäre besser, sich mit dem eigenen Abgeordneten Pilz zu beschäftigen, der Dinge sagt, die zu verurteilen sind und sich hinter dem Nationalratsmandat versteckt!)

Am 22. April haben die freiheitlichen Abgeordneten Dipl.-Ing. Scheuch, Bucher, Dolin­schek und Lichtenegger eine Petition hier im Parlament mit dem Titel „Sichere Pensio­nen“ eingebracht. In derselben Sitzung gab es einen Antrag, der fast die gleichen Ziele zum Inhalt hatte – einen Antrag, der vorgesehen hat (Abg. Wittauer: Ist ja zurückge­legt worden! Morgen werden wir es beschließen!), die Beschlussfassung der Pensions­reform zurückzustellen und in dem gleichzeitig verlangt wurde, dass die Pensionen harmonisiert werden müssen und diese ganze Arbeit in einem einzigen Vorgang durchzuführen ist.

Und was haben diese freiheitlichen Abgeordneten getan? – Dieselben Abgeordneten, die eine Petition mit diesem Inhalt eingebracht haben, lehnen in dieser Sitzung den genannten Antrag ab! Das heißt, nach außen hin gehen Sie von den Freiheitlichen zu den Leuten und sagen: Super, was wir alles für euch tun! Wir bringen das ein!, und in derselben Sitzung fahren Sie selbst über die Inhalte drüber und verraten das, was Sie nach außen hin propagieren. – Das ist das, was bei Ihnen wirklich sehr ärgerlich und äußerst unehrlich ist! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Neuer­licher Zwischenruf des Abg. Wittauer. – Abg. Silhavy: ... Luftballone aufblasen!)

Sie hätten in dieser Sitzung die Möglichkeit gehabt, mit uns und den Sozialdemokratin­nen und Sozialdemokraten gemeinsam zu beschließen, dass die Pensionsreform erst dann beschlossen wird, wenn auch die Harmonisierung geklärt ist. Sie haben das nicht getan! Sie haben das damals nicht getan! (Abg. Wittauer: Euch geht es nicht um die Pensionsreform, sondern um die Zerstörung dieser Reform!)

Das Zweite, was Sie sich erlaubt haben, ist Folgendes: Sie haben im Budgetausschuss am letzten Donnerstag den Budgetbegleitgesetzen zugestimmt. Kollege Öllinger und ich sind neben den freiheitlichen Abgeordneten gesessen und haben sie gefragt: Wisst ihr, wozu ihr da zustimmt? Ihr stimmt der Pensionsreform, so wie sie vorliegt, zu! – Kollege Dolinschek hat darauf gesagt: Ja, das weiß ich, ich stimme zu! (Abg. Dr. Partik-Pablé: Dass er Ihnen nicht die richtige Auskunft gibt, das werden Sie ihm doch nicht verübeln!)

Am Vormittag des nächsten Tages gab er eine Pressekonferenz in Kärnten – wieder der „starke Mann“ – und erklärte, dass die freiheitlichen Nationalratsabgeordneten zur Pensionsreform eine Erklärung abgeben werden, in der sie niederschreiben, was alles zu erfolgen hat, damit diese Pensionsreform angenommen werden kann. (Zwischenru­fe bei den Freiheitlichen.)

Sie wissen am nächsten Tag nicht mehr, was Sie am Vortag getan haben, sehr geehr­te Kolleginnen und Kollegen von den Freiheitlichen! (Beifall bei den Grünen. – Neuerli­che Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)

Die Forderungen, die Sie in dieser Erklärung stellen, sind zum Großteil nebensächlich, aber zwei Forderungen davon sind sehr wichtig. Die eine betrifft den Härtefonds. Da hat Kollegin Bures schon sehr gut argumentiert, indem sie meinte, dass Sie allein mit der Einsetzung des Härtefonds als solchem schon zugeben, dass es Härtefälle geben wird. Aber was Sie überhaupt nicht bedenken, ist, dass dieser Härtefonds derzeit keine finanzielle Bedeckung hat. (Abg. Wittauer: Wer kämpft denn für den Härtefonds?)


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Was Sie tun, ist, dass Sie Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, im Alter zu Bittstellerinnen und Bittstellern machen, anstatt ihnen ein Recht auf eine Pension zu geben, mit der sie auch leben können. – So schaut Ihr Einsatz für die kleinen Leute aus! Das ist leider die Wahrheit. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Der zweite Punkt, der in Ihrer Erklärung gefordert wird, ist, dass Pensionistinnen und Pensionisten mit einer Pension bis 1 000 € einen Ausgleich erhalten sollen. Das heißt, Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass diese Pensionistinnen und Pensionisten durch die Pensionsreform verlieren werden. Doch was haben Sie gleichzeitig gemacht? – Sie haben einen von uns im letzten Plenum gestellten Antrag, der mit dem, was Frau Haubner immer wieder fordert, gleichlautend war, abgelehnt. (Abg. Wittauer: Weil Ihr nichts anderes tun könnt als abschreiben! Macht einmal eigenständige Anträge!)

Auch da betreiben Sie ein Doppelspiel: Nach außen verlangen Sie Dinge, die Sie hier in diesem Hohen Haus ablehnen! Diese Art der Politik ist wirklich das Letzte, was ich mir vorstellen kann.

Wenn man zu etwas steht, dann kann man natürlich politisch unterschiedlicher Ansicht sein, aber dann kann man es ausdiskutieren und soll draußen genauso dahinterstehen wie hier herinnen und nicht das Doppelspiel betreiben, das Sie hier die ganze Zeit auf­führen. (Beifall bei den Grünen.)

Heute kündigen Sie einen Entschließungsantrag an, in dem Sie die Harmonisierung der Pensionssysteme fordern. Ich habe den Antrag noch nicht gesehen, aber ich sage Ihnen eines: Ich lasse mich von Ihnen nicht papierln, und ich werde diesem Antrag nicht zustimmen! (Abg. Wittauer: Bei der Harmonisierung seid Ihr auf einmal nicht dabei! Das ist eigenartig!) Sie hätten wiederholt die Möglichkeit gehabt, einem derarti­gen Antrag zuzustimmen, aber Sie haben es nicht gemacht. Da hätten Sie ganz klar Farbe bekennen können! Diesem Antrag, so wie er jetzt vorliegt, werden wir nicht zu­stimmen! – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

13.44

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gemeldet ist nun Frau Abgeordnete Dipl.-Ing. Achleitner. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordne­te.

 


13.44

Abgeordnete Dipl.-Ing. Elke Achleitner (Freiheitliche): Herr Präsident! Frau Bun­desministerin! Hohes Haus! Zuerst möchte ich die Verwirrung der Kollegin Mandak etwas entwirren und Ihnen ganz klar sagen, dass uns Freiheitlichen bei dieser Pensi­onssicherungsreform die soziale Ausgewogenheit ein großes Anliegen ist. Das ist der Grund dafür, dass wir bis zum Schluss, bis zur Abstimmung darum kämpfen werden, dass größte Gerechtigkeit in dieser Pensionsreform beinhaltet ist. (Beifall bei den Frei­heitlichen. – Abg. Eder: Wer kämpft da gegen wen?)

Dass der Sozialstaat beziehungsweise unser Wohlfahrtsstaat gefährdet ist, ist auf eine jahrzehntelange Schuldenpolitik und auf den Unwillen der Sozialdemokraten, die nie nachhaltige Reformen unterstützen wollten, zurückzuführen. Nun führt kein Weg an der Sanierung des Gesundheitssystems, des Pensionssystems und des Budgets vorbei, damit wir den Wohlfahrtsstaat für unsere Zukunft und für unsere Jugend sichern kön­nen.

Nur durch die Beteiligung der Freiheitlichen an der Regierung ist wirklich garantiert, dass diese notwendigen Reformen gerecht und sozial ausgewogen sein werden.

Auch Frauenpolitik ist bei uns Freiheitlichen nicht nur ein Lippenbekenntnis. Es gibt viele Maßnahmen im Budgetbegleitgesetz, die wirklich wesentliche Verbesserungen für


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die Frauen vorsehen. 180 000 bis 200 000 Österreicherinnen und Österreicher werden in Zukunft frei von Steuerpflicht sein, da bis zu einem Jahreseinkommen von 14 500 € Steuerfreiheit besteht. Auch bei der steuerlichen Entlastung im Bereich der Einkom­mensbezieher von bis zu 21 800 € werden über 350 000 Alleinerzieherinnen und Al­leinerzieher beziehungsweise AlleinverdienerInnen profitieren.

Die Steuerreform 2004 bringt wirklich eine wesentliche Entlastung für die Frauen, ins­besondere für jene mit niedrigem Einkommen. Auch im Bereich der Beamten und Ver­tragsbediensteten werden die Bezieherinnen von niedrigen Einkommen von der zu­sätzlichen Einmalzahlung, die jetzt im Juli allen gewährt wird, profitieren.

Spezielle Mittel sind auch im Sportförderungsgesetz vorgesehen, das dahin gehend geändert wurde, dass besondere Schwerpunkte für Mädchen und für den Frauensport vorgesehen sind.

Eine weitere Verbesserung ist die Steuerfreiheit bei der zweiten und dritten Pensions­säule für Hinterbliebene, und da die Frauen eine grundsätzlich höhere Lebenserwar­tung als die Männer haben, ist auch das als Vorteil für die Frauen zu sehen.

Die Pflege von Angehörigen wird in erster Linie von Frauen bewerkstelligt. Die Mög­lichkeit, einen Zuschuss für professionelle oder private Ersatzpflege anzufordern und zu bekommen, wenn die Hauptpflegeperson verhindert ist, erleichtert die mühevolle Pflegearbeit. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Für ältere Arbeitnehmerinnen ist mit besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt gesorgt. Durch den Entfall des Arbeitslosenversicherungsbeitrages und der Senkung der Lohn­nebenkosten gibt es zusätzliche Anreize für Arbeitgeber, wodurch die älteren Arbeit­nehmerinnen sicher mehr oder bessere Chancen haben, einen Job zu erhalten oder im Job zu bleiben.

Eine weitere Verbesserung ist der Zugang zur Altersteilzeit, da die Rahmenfrist verlän­gert worden ist, innerhalb welcher man 15 Jahre lang versichert sein musste. Bei einer Unterbrechung der Erwerbstätigkeit werden nicht die letzten 25 Jahre herangezogen, sondern die Zeitspanne von 25 Jahren plus die Kindererziehungszeiten, was den Frauen ermöglicht, bessere Bedingungen für die Altersteilzeit vorzufinden.

Auch für die Bäuerinnen gibt es Positives beziehungsweise Verbesserungen, da das Ausgedinge geringer bewertet wird und die Gewährung der Ausgleichszulage ab dem Jahre 2009 um über 647 € höher sein wird als derzeit. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Alle Abgeordneten haben von Herrn Dr. Gusenbauer heute einen Brief bekommen, in welchem er uns bittet, Gerechtigkeit und Verantwortung über parteipolitisches Kalkül zu stellen. – Genau an diese Verantwortung appelliere ich, werte Kollegen von der SPÖ und von den Grünen, wenn ich Sie ersuche, einer zumutbaren Lösung nicht aus parteipolitischen Beweggründen die Zustimmung zu verweigern, denn so verlagern Sie die Probleme in die Zukunft und belasten damit kommende Generationen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

13.49

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gemeldet hat sich als Nächster Herr Abgeord­neter Dr. Einem. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 4 Minuten. – Bitte.

 


13.49

Abgeordneter Dr. Caspar Einem (SPÖ): Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kollegin Achleitner hat in ihrer Rede unter anderem darauf hingewiesen, dass die Freiheitlichen bis zuletzt darum kämpfen werden, dass eine soziale Pensi­onsreform zustande kommt.


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Frau Kollegin, wissen Sie, wer Sozialminister ist und wer diesen Vorschlag eingebracht hat, den Sie jetzt die ganze Zeit bekämpfen müssen, damit er besser wird? Können Sie sich noch daran erinnern, dass das Ihr Kollege Haupt war? Oder war es irgendjemand von unserer Seite? (Abg. Neudeck: Das ist Parlamentarismus!)

Frau Kollegin! Sie sollten endlich aufwachen und zur Kenntnis nehmen, dass die Re­form, die Sie bis jetzt zu Recht bekämpft haben, von Ihrer Seite gekommen ist, von Ihrem Parteivorsitzenden und nicht von irgendwelchen bösen Sozialdemokraten, wie Sie es vielleicht vermuten! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Zweiter Punkt: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Bundesminister für Fi­nanzen scheint zu wissen, worum es geht. Er hat in seiner Rede unter anderem darge­legt, dass es kurzfristig darum geht, alles zu tun, um die konjunkturelle Schwäche zu überwinden, und dass es langfristig darum geht, die Pensionen wegen der demogra­phischen Probleme, die es gibt, zu sichern.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben von Anfang an nicht bestritten, dass es eine Pensionsreform geben muss. Ich bestätige es Ihnen gerne heute noch einmal: Ja, es braucht eine Pensionsreform, die diesen Namen verdient! Wir waren uns darüber einig, und wir waren auch bereit, deutlich zu sagen: Sie soll noch heuer be­schlossen werden!

Nur, meine sehr geehrten Damen und Herren: Mit dem, was Sie jetzt beschließen, ma­chen Sie keine Pensionsreform, sondern Sie tun Folgendes: Sie nehmen den Pensio­nisten eines bestimmten Segmentes, nämlich des ASVG-Bereichs, Geld weg, und zwar zwischen 250 Millionen und 780 Millionen € – 780 Millionen € im Jahre 2006 –, und entziehen sozusagen dem Markt das Geld und bewirken damit, dass noch weniger Nachfrage nach Diensten und Produkten entsteht, dass die konjunkturelle Schwäche nicht nur verstärkt, sondern auch verstetigt wird.

Sie bewirken mit dieser Reform, dass die Nachfrage, die wir brauchen würden, damit Österreichs Wirtschaft mehr produziert und verkauft, nicht entsteht, und Sie bewirken damit, dass es zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit kommt. Das ist keine Pensionsreform, die diesen Namen verdient! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordne­ten der Grünen.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das, was wir für jede Pensionsreform brau­chen, sind zwei Dinge: erstens eine Harmonisierung der Pensionssysteme, die sicher­stellt, dass jeder Beitrag zu einem gleichen Ergebnis bei der Leistung führt. Diese Harmonisierungslösung sind Sie schuldig geblieben! Das ist einer der Gründe, wa­rum wir das nicht als Pensionsreform anerkennen können.

Das Zweite, was wir brauchen, sind Maßnahmen, die bewirken, dass es zu Wachstum kommt, damit endlich mehr Menschen Beschäftigung finden können, denn davon hängt letztlich die Finanzierungsbasis der Pension ab. Das könnten Sie eigentlich auch wis­sen.

In Wahrheit haben wir ein sehr schwaches Wachstum, weil die entsprechenden Nach­frageimpulse ausbleiben – sowohl staatliche als auch private – und weil darüber hinaus auch die österreichische Bundesregierung nichts dazu beiträgt (Zwischenruf des Abg. Großruck) – Herr Kollege Großruck, würden Sie vielleicht auch einmal zuhören und nicht dauernd nur hineinschreien! –, dass auf europäischer Ebene Schritte dahin ge­hend gesetzt werden, dass es zu einer gemeinsamen europäischen, auf Wachstum und Vollbeschäftigung und Nachhaltigkeit gerichteten Politik kommt.


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Ihre Politik geht in die falsche Richtung! Wir werden sie daher in der Form, wie sie ge­macht wird, nur ablehnen können. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grü­nen.)

13.53

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gemeldet ist als Nächster Herr Abgeordneter Dr. Mitterlehner. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 6 Minuten. – Bitte.

 


13.54

Abgeordneter Dr. Reinhold Mitterlehner (ÖVP): Herr Präsident! Frau Minister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer Herrn Kollegen Einem, aber auch anderen Vor­rednern von den Oppositionsparteien zugehört hat, der konnte Folgendes ganz deut­lich feststellen: dass von Ihnen auf der einen Seite immer auf der Linie „So geht es nicht!“ argumentiert wird, Sie aber auf der anderen Seite mit keiner Alternative aufwar­ten können. Sie sagen nicht, wie es geht, sondern die einzige Alternative, die Sie brin­gen, ist Ihre Forderung: Machen wir eine Harmonisierung!

Dazu muss ich Ihnen sagen, dass das eigentlich das viel größere Problem ist und dass wir zuerst die kleineren Probleme richtig lösen müssen.

Es ist sowohl von Kollegin Mandak als auch von Kollegin Bures kritisiert worden, dass wir ein Pensionssystem haben, das bestimmte Härten verursacht. – Da muss ich bei­den Recht geben, weil es richtig ist. Wir haben eben ein Pensionsversicherungssys­tem und kein System, mit dem eine staatliche Grundsicherung garantiert wird. Das, was man einzahlt, kommt entsprechend retour, verstärkt durch Leistungen des Staa­tes.

Wenn man weniger einzahlt, dann zeigt sich das natürlich auch in der Pensionsleis­tung. Genau dort besteht ein Problem. Viele Pensionisten glauben noch immer, dass sie das, was sie früher an Beiträgen einbezahlt haben, zurückbekommen. Daher disku­tieren wir jetzt auch über eine Leistungskomponente, die wir in Form eines Pensions­kontos schaffen werden. Damit wird dann deutlich, wie das System wirklich funktioniert.

Was ich von Ihnen vernommen habe, das waren Beiträge, die den Eindruck vermittel­ten, als ob die Pensionsreform eine Art Wettbewerb wäre, bei welchem es um Leis­tungsstärkungen, um Leistungsverbesserungen ginge. Auf der anderen Seite sagen Sie aber, zusätzlich zu den Leistungsverbesserungen müsse man noch erreichen, dass in die Rechte der Pensionisten überhaupt nicht eingegriffen wird. Dafür spricht vieles, aber die Rechenart, nach welcher das funktionieren soll, haben wir noch nicht erfunden. Sie müssen mir schon erklären, wie sich das ausgeht, wie wir dann die Pen­sionen finanzieren sollen, denn dass wir ein Finanzierungsproblem haben, das wird Ihnen wahrscheinlich nicht entgangen sein.

Ich kann Ihnen das mit dem Bundeszuschuss vorrechnen. Sie können es aber noch einfacher haben: Sie brauchen nur zu vergleichen, wie viele Generationen, die derzeit leben, arbeiten und produktiv sind und wie viele in Ausbildung oder in Pension sind. In etwa ist es so, dass wir bei fünf Generationen derzeit folgendes Verhältnis haben: drei arbeiten nicht, und zwei sind in Produktion. Das kann sich rechnerisch nicht ausgehen, wenn die Volkswirtschaft nicht nach oben geht. Jetzt erklären Sie mir einmal: Wie wol­len Sie die Pensionen sichern, wenn Sie nicht umverteilen? (Abg. Eder: Es kommt auch auf die Produktivität an!)

Die Produktivität ist eine eigene Sache: Es wird schwierig, wenn sie nicht steigt. Wir haben jetzt schon drei Jahre lang eher eine Wirtschaftskrise, also wird es wahrschein­lich schwierig werden. (Abg. Eder: Da muss man etwas tun!)

Daher sollten Sie auch sehen – und da sind wir beim springenden Punkt –: Was ist eine richtige Pensionsreform und was ist eine überfallsartige? – Ich selbst habe bei der


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Abschaffung der vorzeitigen Alterspension Probleme gesehen. Warum? Weil man sich vom Jahr 2004 bis zum Jahr 2009 nicht entsprechend vorbereiten kann.

Gerade die Gruppe von angehenden Pensionisten, die schon zu alt sind oder nicht genug Einkommen haben, um gegensteuern zu können, können nichts mehr tun. Da­her hat die Regierung beziehungsweise das Parlament sehr rasch reagiert und den Zeitraum bis zum Jahre 2017 erstreckt. In diesem Zeitraum kann man entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen treffen, insbesondere dann, wenn auf dem Arbeitsmarkt die richtigen Zusatzmaßnahmen gesetzt werden.

Wir reden alle davon, dass die Biennien abgeschafft werden sollen, weil die Älteren im Verhältnis zu den Jüngeren zuviel verdienen. – Ganz richtig! Aber wenn man da zu­mindest einmal ansetzt, und zwar auch mit einer Senkung der Lohnnebenkosten, dann ist das schon ein Schritt in die richtige Richtung. Und das wird gemacht!

Ich muss sagen, da verstehe ich Herrn Kollegen Einem nicht, der jetzt anscheinend Essen gegangen ist ... (Abg. Broukal: Ich hole ihn!) Ja, holen Sie ihn bitte, ich habe aber nicht mehr sehr lange Zeit. (Abg. Broukal holt den sich gerade im Couloir befind­lichen Abgeordneten Dr. Einem.) Wie gesagt: Ich verstehe den Kollegen Einem nicht, wenn er sagt, dass die falschen steuerpolitischen Maßnahmen gesetzt werden und dass für die Wachstumspolitik nichts gemacht wird.

Ganz im Gegenteil: Die Einkommensfreistellung bis zu 14 500 €, Herr Kollege Einem, ist eine durchaus richtige Wirtschaftsbelebung. Die Maßnahmen, die hier gesetzt wer­den, sind sehr wohl richtig. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Einem: Ich kann Ihnen sa­gen: Es ist falsch!)

Meine Damen und Herren! Ganz kurz zu dem, was Sie immer als Harmonisierung be­zeichnen. Die Harmonisierung ist eine wirklich wichtige Sache, aber Sie haben dazu nur zwei Rezepte anzubieten: Auf der einen Seite mehr Kinder und auf der anderen Seite eine Steigerung der Erwerbsquote. – Das ist ein „tolles“ Rezept, aber wenn Sie abwarten und nichts tun, dann werden Sie irgendwann einmal, vielleicht in zig Jahr­zehnten, das vielleicht erreichen, aber nicht jetzt.

Die Harmonisierung ist die viel schwierigere Aufgabe, weil es da um den Ausgleich von Gruppeninteressen geht. Das ist viel schwieriger als das, was jetzt in Form der Pensi­onsreform ansteht. Die Frage, die sich stellt, ist eigentlich nur die: Ist das, was wir jetzt tun, richtig, ist es kompatibel mit der Harmonisierung oder nicht? Ich darf Ihnen sagen: Es ist richtig! Sämtliche Pensionsexperten schlagen es vor.

Was man bei Ihnen antrifft, das ist eigentlich eine mangelnde Kultur der Auseinander­setzung. Wenn man von der Gewerkschaft HTV  einen Gutschein bekommt, auf dem man aufgefordert wird, man soll sich, wenn man zustimmt, einen Einlauf verpassen lassen, dann muss ich Ihnen ehrlich sagen: Ich weiß nicht, wo Sie hingehen, Sie sind wahrscheinlich falsch hier, denn im Parlament ist das nicht das Richtige! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.).

Daher, meine Damen und Herren: Mehr Kultur, mehr Auseinandersetzung mit Sachar­gumenten wäre wünschenswert – im Interesse der Sache! Das Notwendige ist nicht immer erfreulich, aber das Notwendige nicht zu tun, das ist ganz einfach verantwor­tungslos. (Neuerlicher Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

14.00

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gemeldet ist als Nächster Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Pirklhuber. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 8 Minuten. – Bitte.

 



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14.00

Abgeordneter Dipl.-Ing. Wolfgang Pirklhuber (Grüne): Herr Präsident! Frau Bun­desministerin! Hohes Haus! Bevor ich auf die Ausführungen des Kollegen Mitterlehner eingehe, noch etwas Grundsätzliches: Kollege Mitterlehner, Sprechblasen allein ma­chen noch keine erfolgreiche Politik! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Lentsch: Das sagt ausgerechnet ein Grüner!) Wenn wir uns das wochenlang anhören müssen, wie etwa: „Wir reden nicht nur!“, „mehr Wachstum“, „mehr Beschäftigung“, „Europameister“, „Zu­kunftsvisionen“, „Nachhaltigkeit“ et cetera, dann muss man sich natürlich ernsthaft fra­gen: Was ist dann, wenn das auf den Prüfstand kommt, sprich hier im Parlament in den Ausschüssen zur Diskussion steht? Dann sehen wir, dass es nicht hält, was oben auf dem Mascherl draufsteht, sondern drinnen sind eben Konzepte, die aus unserer Sicht zu kurz greifen. Der Reformbedarf, den wir ja alle, glaube ich, zu Recht anerkennen, wird damit wirklich nicht gedeckt, sodass die nächsten Reformschritte sicher ins Haus stehen.

Was kann man, Kollege Mitterlehner, der ÖVP sicher nicht vorwerfen? – Dass sie ein Interesse an einem breiten öffentlichen Diskurs hätte. Das sicher nicht! In diesem Fall wäre es nämlich notwendig gewesen, die Pensionsreform in den Herbst zu verschie­ben, eine Gesamtreform anzustreben und ein harmonisiertes Gesamtkonvolut hier in das Haus zu bringen. Auch hätte man es nicht so vermischen dürfen, wie Sie es tun: zwei Budgets plus Pensionsreform. Das ist einfach unseriös, meine Damen und Her­ren! (Abg. Ellmauer: Warum?) Das ist weder transparent noch nachvollziehbar. (Abg. Ellmauer: Warum?)

Eines kann man Ihnen auch nicht vorwerfen: dass Sie ein Interesse an einer sozial ausgerichteten Pensionsreform haben. (Abg. Großruck: „Ausgewogen“ heißt das!) Sozial ausgerichtet würde bedeuten (Abg. Großruck: Ausgewogen!) – da wäre das Wort „umverteilen“ sehr wohl richtig angewendet –, dass die Bezieher der niedrigsten Pensionen in Zukunft besser gestellt werden. Wenn ein Pensionssystem nachhaltig gesichert werden soll, dann muss es auch seine soziale Ausgewogenheit behalten. (Beifall bei den Grünen.)

Meine Damen und Herren! Zur FPÖ fällt einem ja nicht mehr wirklich viel ein. Sie agiert nach dem Motto: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“ Sie können davon ausge­hen, dass dieser Hase, je nachdem, zwischen Vizekanzler, Walch und Dolinschek im­mer hin und her gereicht wird. Es ist ja unglaublich, dass eine Fraktion, die die Regie­rung stellt beziehungsweise die einen Minister stellt, der die soziale Kompetenz und Verantwortung hat, nicht fähig ist, wirklich ein konsistentes eigenes Modell in die De­batte einzubringen. (Abg. Großruck: Ihnen hätte ja gar keines gefallen! Sie hätten es auch abgelehnt!) Sie haben sich nicht akkordiert, Sie haben gezeigt, dass Sie wirklich alles zu wünschen übriglassen, was Regierungsverantwortung betrifft. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Großruck: Pirklhuber sei ehrlich! Ihr hättet alles abgelehnt, was ge­kommen wäre!)

Es ist bezeichnend, dass nur so wenig FPÖler da sind, aber die werden alle ihre wun­den Knie nach den vielen Umfallern pflegen müssen, die sie in den letzten Tagen und Wochen vollzogen haben. (Beifall bei den Grünen. – Zwischenrufe bei den Freiheitli­chen.)

Aber nun zur Sache selbst, meine Damen und Herren: Worin besteht die Nachhaltig­keit, worin besteht die Zukunftsvision, die Sie vorgeben, Kolleginnen und Kollegen von der ÖVP? Sie sprechen immer wieder von der zweiten und dritten Säule. Wer profitiert denn schlussendlich von Ihrem Pensionsmodell? Sagen wir es doch deutlich, sagen wir es der österreichischen Bevölkerung! Sagen Sie das auch bitte! (Abg. Neudeck: Die Jugend profitiert davon! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitli­chen.)


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Nach den letzten Nationalratswahlen war das Erste, was Bundeskanzler Schüssel ge­macht hat, eine Pensionsreform vom Zaun zu brechen mit Vorschlägen, die unausge­wogen sind und die die Bevölkerung verunsichert haben, meine Damen und Herren (Abg. Großruck: Verunsichert habt ihr, nicht die Regierung!), womit offensichtlich die zweite und dritte Säule, von der Sie immer reden, gestärkt werden soll.

Wer steht denn hinter dieser zweiten und dritter Säule? – Die Betriebe und die Banken und Versicherungen! Die profitieren davon, und wir alle hier wissen, dass im Jahr 2002 der Anteil der Lebensversicherungen im Versicherungs- und Bankensektor drastisch eingebrochen ist. (Abg. Murauer: Ausgebrochen nicht eingebrochen!) Das müssen wir auch einmal zur Kenntnis nehmen, dass offensichtlich reine Klientelfragen eine ganz zentrale Rolle in Ihren Überlegungen spielen. (Abg. Murauer: Der Versicherungssektor ist nicht eingebrochen!)

Nicht umsonst hat es heute der Bundeskanzler sehr treffend auf den Punkt gebracht, als er gesagt hat: Wir haben uns nicht auf die faule Bank gelegt. Er hat nicht gesagt, auf die faule Haut, sondern er hat gesagt, auf die faule Bank. Mich würde interessieren, welche „Bank“ das ist. Vielleicht wird er es uns demnächst hier einmal klarlegen.

Eines zum Kollegen Grillitsch in Bezug auf soziale Ausgewogenheit und bezüglich der Konsequenzen für die Bäuerinnen und Bauern. Sie haben vollkommen Recht, dass die Absenkung des fiktiven Ausgedinges für die Mindestpensionisten im bäuerlichen Be­reich etwas bringt. (Abg. Grillitsch: Kennen Sie die Durchschnittspensionen?) Aber wo bleibt Ihre soziale Verantwortung, meine Damen und Herren von der ÖVP, wenn Sie das nicht mindestens genauso für die Mindestpensionistinnen und Mindestpensionisten im ASVG-Bereich sicherstellen wollen? Kann das nicht und muss das nicht die Heraus­forderung sein, vor der gerade Sie als Bauernvertreter stehen? (Abg. Grillitsch: Ken­nen Sie die Mindestpensionen im bäuerlichen Bereich?)

Wenn Sie schon davon reden, dass es hier um die Sicherung der bäuerlichen Betriebe geht, dann müssten Sie eines endlich einmal umsetzen, nämlich die Agrarförderungen am bäuerlichen Arbeitsplatz ausrichten und nicht an der Größe der Betriebe und nicht an der Zahl der Tiere. Das ist die Herausforderung! (Beifall bei den Grünen.)

Kollege Grillitsch! Das ist die Herausforderung, vor der Sie kneifen, nämlich die He­rausforderung einer ökologisch und sozial ausgewogenen Agrarreform. (Abg. Gril­litsch: Da haben wir heute etwas anderes gehört!) Stattdessen gehen Sie po­pulistisch mit dem „Agrardiesel“ um und holen sich damit die Stimmen bei den Bauern. Das wird nachhaltig keinen bäuerlichen Arbeitsplatz sichern, das wird kei­ne zu­künf­tigen Ein­kommenschancen für die Bäuerinnen und Bauern sichern. (Abg. Grillitsch: Ihre Kol­legen haben sich heute gegen eine ökologische Steuerreform ausgesprochen!)

Sie haben im Rahmen dieser Budgetverhandlungen nicht für eine Modulation ge­kämpft. Modulation heißt umschichten von Fördermitteln im Rahmen des Budgets von den Flächenprämien, von den großen Betriebsprämien hin zu bäuerlichen Betrieben, hin zu Arbeitsplätzen, hin zu mehr Umwelt.

Meine Damen und Herren! In diesem Zusammenhang möchte ich auch darauf hinwei­sen, dass in diesen Tagen die Agrarreform auf europäischer Ebene in großer Diskussi­on steht. Morgen wird der nächste Agrarministerrat stattfinden, und das wäre wert, in diesem Hause einmal ausführlich diskutiert zu werden.

Abschließend: Ihre Politik investiert statt in Bildung, Forschung und Entwicklung in Kampfjets. In Kampfjets! Wieder stellt sich die Frage: Welche Interessen stehen hinter diesen Kampfjets? (Abg. Murauer: Na welche? Sagen Sie es!) Das ist nicht der Schutz der Demokratie, wie es Kollege Murauer hier absurderweise behauptet und anspricht. (Abg. Murauer: Sondern?) Es geht nicht um den Schutz der Demokratie, sondern of-


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fensichtlich auch wieder um die Interessenlagen bestimmter Unternehmen in Öster­reich. Sagen wir es, wie es ist! Warum ist der Herr Finanzminister Grasser umgefallen? Wir werden das am Nachmittag noch ausführlich diskutieren. (Abg. Murauer: Glauben Sie wirklich, Herr Kollege, wir kaufen Flieger für die Wirtschaftstreibenden?)

Meine Damen und Herren! Statt Initiativen in der Europapolitik zu setzen, statt die Her­ausforderung Mittel- und Osteuropas anzusprechen und anzugehen und für eine öko­logische und soziale Neuausrichtung der europäischen Wirtschaftspolitik zu kämpfen, machen Sie nur kleine Kleinstschritte. Doppelbudgetverschachtelung, Missachtung des Parlaments – das sind die Markenzeichen Ihrer Demokratiepolitik!

Dagegen stehen wir Grüne. Wir wollen die Sicherung der Lebensqualität für die Öster­reicherinnen und die Österreicher, und das bedeutet aus meiner Sicht eine soziale und ökologische Neuausrichtung der Budgetpolitik. Doch die steht aus, die findet sich nicht in Ihrem Papier, Herr Kollege Grillitsch. (Abg. Grillitsch: Da haben Sie es nicht gele­sen!)

Und – ceterum censeo (Heiterkeit – Abg. Großruck: Ceterum censeo! Das hat nichts mit der Zenzi zu tun!) –: Ich bin der Meinung, dass Sie und wir alle das Anti-AKW-Volksbegehren von Greenpeace unterstützen sollten, und ich fordere Sie auf, das auch zu tun. (Beifall bei den Grünen.)

14.08

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wie die alten Römer das ausgesprochen haben, wissen wir nicht, weil uns das phonetisch nicht überliefert ist.

Meine Damen und Herren! Zu Wort gemeldet hat sich als Nächste Frau Abgeordnete Rossmann. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 5 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


14.09

Abgeordnete Mares Rossmann (Freiheitliche): Herr Präsident! Hohes Haus! Frau Ministerin! Meine Herren Minister auf der Regierungsbank! Es ist schon sonderbar, wenn die Opposition hier herausgeht und sagt, sie könne dem Harmonisierungsantrag nicht zustimmen. (Abg. Mag. Trunk: Das ist nicht sonderbar! Sie wissen, warum wir nicht zustimmen!)

Ich muss sagen: Das verwundert mich deshalb – und wir werden das auch sehr genau beobachten –, weil möglichst rasche Harmonisierung heißt, dass eine Zweidrittelmehr­heit natürlich hilfreich wäre und dass auch die Länder beziehungsweise vor allem die Statutarstädte dann endlich in ihre bestehenden und durchaus nicht mehr zeitgemäßen Privilegien eingreifen könnten.

Ich sage das aus der Sicht der Stadt Graz. Dort gibt es nach wie vor ein Beamten­dienstrecht und Privilegien, die mit nichts mehr zu erklären sind. Ich sage nur ein Bei­spiel: Ein Altpolitiker der Stadt Graz hat heute auch ... (Abg. Eder: Götz!) Auch Götz, selbstverständlich, aber es gibt auch den Herrn Stoiser  von der SPÖ, der Kollege von Herrn Götz und zu Zeiten des Herrn Götz Finanzstadtrat in Graz war. (Abg. Eder: Wel­che Pension hat der Herr Götz?) Aber ich sage auch, dass es wichtig ist, in diese Privi­legien einzugreifen, und zwar rasch.

Ich sage Ihnen ein Beispiel – und das ist noch viel markanter als jenes von Götz –: Wenn ein Altpolitiker einen Antrag auf Begräbniszuschuss stellt und ihm rechtlich, also nach geltendem Recht, ein Begräbniszuschuss von 20 000 € zusteht (Zwischenrufe bei der SPÖ), dann ist das heute nicht mehr erklärbar, vor allem nicht erklärbar im Lichte dieser Diskussion, die wir hier führen.

Da bin ich auch ganz der Meinung des Kollegen Einem, wenn er sagt, es dürfe keine Kaufkraftschwächung bei den Pensionisten geben. Jetzt frage ich Sie: Wer hat denn in


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den letzten Jahrzehnten, in den letzten 15 Jahren, kann man durchaus sagen, die Kauf­kraft der Pensionisten wirklich ge­schwächt? (Abg. Hagenhofer: Das ist ein Wahn­sinn!) Das waren Sie mit einem sozialdemokratischen Bundeskanzler und mit einem sozialdemokratischen Finanzminister. (Abg. Hagenhofer: Das sagen gerade Sie!) Ja sicher! (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.) Wir waren die Er­sten, diese Bundes­regierung hat erst­mals seit acht Jahren den Ausgleichs­zula­genrichtsatz wieder erhöht. (Abg. Dr. Glawischnig: Um 40 €!) Das ist jetzt ge­schehen. Diese Bundesregierung hat das gemacht. Wo waren Sie die letzten Jahre?

Ich möchte noch etwas ansprechen. Sie haben vom Solidaritätsbeitrag für Bezieher höherer Pensionen gesprochen, also von einem Eingriff in höhere Pensionen. Wir ma­chen es bei den Politikerpensionen, weil uns die Experten sagen, bis zu 15 Prozent ist es verträglich. Das wird vor dem Verfassungsgerichtshof halten.

Was hindert Sie daran? Sie wissen ganz genau, in bestehende Rechte einzugreifen ist gefährlich, aber mit Zweidrittelmehrheit wäre es leichter, wäre es machbar. Was hindert Sie daran? Ich sage Ihnen, was Sie daran hindert? – Ihre eigenen Privilegienritter, auch von Seiten der Beamtenschaft, die natürlich aufschreien würden, wenn hier Maß­nahmen gesetzt würden.

Ich sage Ihnen auch etwas zu den Politikerregelungen, die wir jetzt vollziehen. Ich bin auch eine derjenigen, die es wirklich satt haben, immer mit Altpolitikern in einen Topf geworfen zu werden. Wir haben mittlerweile drei Kategorien von Politikern, auch in diesem Hohen Haus. Die Altpolitiker, die nicht optieren konnten, die sind in der alten Regelung, die Politiker, die zwischen der alten oder neuen Regelung optieren konnten, und die Politiker, die auch nicht optieren konnten und die nur in der neuen Regelung sind. Darüber gibt es  – das sage ich auch – eine Darstellung in der Öffentlichkeit, bei der alles vermischt wird, denn auch dann, wenn man freiwillig auf etwas verzichtet, so wie ich, hat man durchaus immer wieder Erklärungsbedarf, dass man nicht zu jenen gehört, die unter diese Altre­gelungen fallen und die gar nicht einmal ver­zichten konn­ten. (Abg. Hagenhofer: Auf was haben Sie verzichtet?) Deshalb haben wir den Mut und greifen in bestehende Politikerprivilegien ein, und zwar bis zu 15 Prozent.

Ich sage noch etwas: Auch für die­se Ent­geltfort­zahlung habe ich nie Verständnis ge­habt. Jeder von uns, der hier sitzt, ist freiwillig in die Politik gegangen. Es wurde nie­mand gezwungen, seinen Beruf aufzugeben, zu wechseln und in den Nationalrat oder in eine Regierung zu gehen. Das ist eine freiwillige Lebensentscheidung, die jeder ge­troffen hat, auch mit dem Aspekt, dass er weiß, was auf ihn zukommt. Deshalb hält sich auch mein Mitleid mit allen in Grenzen, und deshalb verstehe ich auch die Grünen nicht, dass sie nicht bereit waren, hier mitzugehen, dass man diese Fortzahlung für Politiker überhaupt abschafft.

Ich bin froh darüber, dass es wenigsten gelungen ist, dass man jetzt freiwillig darauf verzichten kann (Abg. Oberhaidinger: Man muss einen Antrag stellen, falls Sie das nicht wissen sollten!), dass man zumindest einen Antrag stellen muss und das nicht automatisch bekommt, dass die Zeiten gekürzt wurden und dass auch der Prozentsatz vom Aktivbezug auf 75 Prozent gesenkt wurde.

Damit komme ich jetzt zum nächsten Punkt, nämlich zu den Verhandlungen, die noch stattfinden. Da sage ich durchaus – auch wenn ich von einem christlichen Blatt als Re­bellin und in kriegerischer Wortwahl als Heckenschütze bezeichnet wurde, was mich von einem christlichen Blatt eigentlich sehr verwundert –: Es muss legitim sein, dass man als freie Abgeordnete bis zur letzten Minute noch versucht, hineinzuverhandeln, was hineinzuverhandeln ist. Das ist unser gutes Recht, das machen wir, und das hat, während Sie auf Urlaub waren, über Pfingsten stattgefunden und findet weiterhin statt. (Zwischenruf der Abg. Silhavy.) Mit den Details werden Sie dann morgen konfrontiert


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sein, und wir werden ganz genau beobachten, wie Sie sich verhalten, vor allem, wenn es um die Harmonisierung geht, vor allem, wenn es um einen Solidarbeitrag geht. (Bei­fall bei den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

14.15

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nunmehr wird Herr Abgeordneter Broukal sprechen. Redezeit: 4 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


14.15

Abgeordneter Josef Broukal (SPÖ): Frau Staatssekretärin! Ja, das ist immer gut, aber Sie kennen dieses alte christliche Zitat – die Gefahr ist nur, dass ich es in jeder Rede verwende –, das vom Balken und vom Splitter. Ich sage nur Götz Alexander. Oder? Wenn ich mich recht er­innere, hat er drei Pen­sionen: die eines Grazer Bürger­meister, die eines Grazer Messe­direktors und die eines Grazer Ma­gistrats­beamten im A-Schema. Das sei ihm alles ge­gönnt. (Zwischenruf der Abg. Rossmann.) Der hat auch eine Pension, soweit ich mich erinnern kann, eine von der Länderbank.

Also ich würde einmal sagen: Beginnen Sie dort mit dem Schuttaufräumen, und wenn Sie damit fertig sind, kommen Sie zu uns! Dann schauen wir, ob es bei uns solche Fäl­le gibt. Meiner Erinnerung nach keinen einzigen. (Beifall bei der SPÖ. – Lebhafte Zwi­schenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Das Nächste ist: Wenn Sie davon reden, dass in den letzten ein­einhalb Jahr­zehnten die Kauf­kraft der Pen­sionen in Österreich ge­schwächt worden wäre und sozial­demokratische Sozial­minister dafür verantwortlich seien, dann frage ich: Wo waren Sie in den letzten 15 Jahren – ausgenommen an einem Tresen in Ihrem Lokal in Graz, wo man wahrscheinlich am späten Abend die Dinge nicht mehr ganz nüchtern sieht? (Abg. Gahr: Na hallo! Hallo, wo sind wir denn? – Wei­tere lebhafte Zwischen­rufe bei den Frei­heitli­chen und der ÖVP.) Die Kauf­kraft der Pen­sionen in Österreich ist durch die Jahre und Jahrzehnte gestiegen. Sie sinkt seit dem Jahr 2000, wenn Sie es genau wissen wollen. So ist es! (Beifall bei der SPÖ.) – Aber ich muss auch aufpassen, dass ich mich nicht ins Beliebige verliere, je länger der Tag wird.

Herr Abgeordneter Mitterlehner, danke, dass Sie hier geblieben sind. Was hätte man tun sollen? – Eine rich­tige Frau­ge! Ich sage: Der Herr Bundes­kanzler hätte bei dem blei­ben sollen, was er im Wahl­kampf den Österreicherinnen und Österreichern ver­sprochen hat: die Ausarbeitung einer Pensionsreform mit den Sozialpartnern und den Seniorenverbänden, bei der sich alle an einen Tisch setzen – mittlerweile kann ich es auswendig, weil es von der Frau Glück  oder von wem immer so gut formuliert war –, eine gemeinsame Lösung für zehn Jahre ausarbeiten und die dann gemeinsam den Menschen erklären.

Vergleichen Sie das, was Sie in den letzten Monaten gemacht haben, beginnend mit dem 31. März, wo Sie den Leuten zuerst einmal gesagt haben: Wir kürzen, und zwar sofort und in Höhe von unwidersprochen 30 bis 40 Prozent!, mit dem, was später kam. Dann kamen Sie einen Monat später her und sagten: Eh alles nicht so arg! Nach einem zweiten Monat kamen Sie wieder und sagten: Ätsch, gilt eh nicht, wir haben es abge­federt! (Abg. Hornek: Was haben Sie die ganze Zeit getan?) Das war die Vorgangs­weise, die Sie gewählt haben, statt der, von der der Herr Bundeskanzler noch im Wahlkampf der Meinung war, sie wäre die richtige. Die Wirtschaftskammer ist, sofern mich nicht alles täuscht, auch ziemlich lange der Meinung gewesen, dass man in Ruhe und gemeinsam hätte verhandeln sollen. (Beifall bei der SPÖ.)

Was hätte man noch machen können, Herr Abgeordneter Mitterlehner? – Nun, man hätte die Kürzungen sozial gerecht vornehmen können. Da stimmen Sie mir zu. Sozial


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gerecht heißt in der Regel: Die, die weniger haben, zahlen weniger drauf als die, die mehr haben. Oder? (Abg. Neudeck: Das machen wir ja!)

Okay, das machen Sie bis maximal 1 000 € im Monat – oder? – bei den gemeinsamen Pensionen, und darüber hinaus ist die 10-Prozent-Sense. Ich sage Ihnen ganz ehrlich: 10 Prozent von 1 000 € spare ich schwerer als 10 Prozent von 2 000 oder 3 000 €. Das liegt für jeden Menschen auf der Hand, ausgenommen für Sie, die sich alle nicht vor­stellen können, von 1 000 € im Monat leben zu müssen. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen. – Lebhafte Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich werde Ihnen etwas erzählen: Ich komme aus einer Zimmer-Küche-Wohnung mit 23 Quadratmetern und Wasser am Gang. Meine Eltern waren lange Zeit Arbeiter. Mein Vater hat eine Pension von, ich schätze, weniger als 2 000 €, von der auch die Mutter leben muss. Ich weiß, was es heißt, mit wenig Geld zu leben, mit so wenig Geld, wie Sie sich gar nie vorstellen können, dass man leben muss über Jahre und Jahrzehnte. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen. – Anhaltende Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Das Dritte ist: Sie hätten bei dieser ganzen Pensionsreformdebatte einfach bei der Wahrheit bleiben können. Sie hätten das sagen können, was die Wahrheit ist. Sie spa­ren bei den Pensionen hier und jetzt und heute und in diesem Umfang, weil Sie, ers­tens Budget­löcher stopfen müssen, weil Sie zwei­tens Steuer­zuckerl für Unternehmer beschließen. Das haben Sie vor einer Stunde noch gelobt. Unerhört! Wissen Sie von der FPÖ eigentlich, welcher Regelung Sie da zugestimmt haben? Ein Unternehmer, der so gut verdient, dass er sein Geld nicht jedes Jahr braucht, sondern es auf dem Firmen­konto lie­gen lassen kann, der bezahlt zu­nächst ein­mal die halbe Steuer, und nach sie­ben Jahren ge­hört es ihm ganz. Das ha­ben Sie heute mitbeschlossen. (Abg. Neudeck: Das ist doch eine Forderung von euch auch! Das ist ja lächerlich! – Weitere Zwischenrufe.) Das beschließen Sie zur gleichen Zeit, zu der Sie Leuten, die 1 000 € Pension haben, von der Pension noch was wegnehmen. Das ist doch unglaublich! Oder? (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Eines zum Abschluss – und damit werde ich wieder versöhnlich –: Wir werden nicht imstande sein, das zu verhindern, was im nächsten Jahr schon wirksam wird, und es tut uns Leid, dass Sie diese Kürzungen schon fürs nächste Jahr beschließen. Das, was Sie sich mittel- und langfristig vorgenommen haben, ist, so hoffe ich sehr, nur das Pa­pier wert, auf dem es derzeit steht, weil wir es ändern werden. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

14.20

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gelangt als Nächste Frau Abgeordnete Lentsch. Sie spricht wunschgemäß 6 Minuten. – Frau Abgeordnete, Sie sind am Wort.

 


14.20

Abgeordnete Edeltraud Lentsch (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Sehr geehrter Herr Broukal, Ihre Polemik verdient es nicht, dass man darauf eingeht. (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Budgetbegleitgesetze haben es an sich, dass sie sehr umfangreich sind, das liegt in der Natur der Sache. Dass es diesmal über 700 Seiten sind, zeigt sehr deutlich, dass der Reformstau enorm ist. Es zeigt aber umgekehrt auch, dass diese Bundesregierung entschlossen ist, diese Reformen anzugehen. Wir haben in den letzten Jahren das Budget stabilisiert, aber jetzt müssen neue Strukturen eingezogen werden, damit man den Staatshaushalt langfristig finanzieren kann. Dieser Staatshaushalt ist nicht irgendein abstraktes Ding, vor allem nicht in Österreich, da hier


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sehr viele Lebensbereiche vom Staat abhängig sind. Das beginnt bei den Schulen und zieht sich über das Gesundheitssystem bis hin zur Alterssicherung.

Ministerin Gehrer ist dabei, im Schulbereich die notwendigen Reformen einzuleiten. Es gibt immer weniger Kinder, das ist uns allen sicherlich sehr schmerzlich bewusst, auch im Hinblick auf die Pensionen. Die Klassen werden immer kleiner, die technischen Mit­tel werden immer besser, da muss sich auch an den Abläufen etwas ändern, sollte man meinen. Die Kürzung der Stundenzahl ist ein erster Schritt; ob er optimal ist, wird sich erst herausstellen. Ich sehe aber weit und breit keine besseren Vorschläge, weder von den Lehrern noch von den Direktoren und schon gar nicht von der Gewerkschaft.

Genauso ist es bei den Pensionen, geschätzte Damen und Herren! Dass unsere Pen­sionen nur dann sicher sind, wenn wir sie auch finanzieren können, weiß in der Zwi­schenzeit jedes Kind. Nur in der Opposition und vor allem in der Gewerkschaft geht man da an der Realität vorbei, aber alle anderen Österreicherinnen und Österreicher haben das längst registriert. (Beifall bei der ÖVP.)

Die Österreicherinnen und Österreicher wissen ganz genau, dass man mit Streiks Pensionen nicht sichern kann. Ganz im Gegenteil: Wir werden uns sehr anstrengen müssen und noch mehr leisten müssen, um das ganze System zu erhalten.

Natürlich ist es für die Oppositionsparteien sehr verlockend, diese Pensionssicherungs­reform schlecht zu reden. Auch das liegt in der Natur der Sache. Ich habe mich erst in der vorigen Woche mit einem Kollegen aus einer Oppositionspartei unterhalten, und er hat gemeint: Sehen Sie, liebe Frau Kollegin, es ist ja die Aufgabe der Opposition, da­gegen zu sein! (Abg. Steibl: Na so was!) – Aber ich ersuche Sie dringend, geschätzte Damen und Herren von der SPÖ und von den Grünen, mit Ihrer Polemik dort Halt zu machen, wo es um das Wohl unseres Staates geht, mit Ihrer Polemik dort Halt zu ma­chen, wo es um das Wohl unserer Bevölkerung geht, denn Sie machen den Menschen draußen Angst, und Menschen, die Angst haben, sind nicht glücklich. (Abg. Reheis: Ihre Politik macht den Menschen Angst!) Nein, das sind Sie! (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Geschätzte Damen und Herren! Tatsache ist, dass wir keinen Spielraum mehr haben. Wir müssen jetzt handeln, um dieses gute System in 15, in 20 Jahren noch erhalten zu können. (Zwischenruf des Abg. Oberhaidinger.) Alles, was wir an finanziellem Spiel­raum hatten, haben Sie, ge­schätzte Da­men und Herren von der SPÖ, und Ihre Finanz­minister in den letzten Jahr­zehnten „vergeigt“. Auch das wissen alle Österreiche­rinnen und Österrei­cher! (Widerspruch bei der SPÖ.)

Geschätzten Damen und Herren! In Wirklichkeit ist es ja so, dass die ganzen Streiks und Krampf-, nein, Kampf­maß­nahmen – fast hätte ich jetzt „Krampfmaßnahmen“ ge­sagt (Zwischenrufe bei der SPÖ) – des ÖGB draußen nur Kopfschütteln auslösen. Sie wissen ganz genau, dass die Stimmung draußen längst gekippt ist, daher haben Sie auch Ihre großen Streiks zurückgezogen und auf den Herbst verschoben.

In der Zwi­schen­zeit kommen wir Ab­geord­nete dran – alle, die die­ser Pensions­siche­rungsreform zu­stimmen werden –, und zwar in Form von Plakaten. Ich möchte mich jetzt schon dafür bedanken, wir hatten das schon einmal: Im Jahr 2000, bei der letzten Pen­sions­reform, als wir das Früh­pen­sions­alter um eineinhalb Jahre hinaufge­setzt hat­ten, gab es auch Plakate. Ein Dankeschön dafür! Meine Popularität in meinem Wahl­kreis ist dadurch enorm gestiegen, und ich habe – möglicherweise auch durch diese Plakate – so viele Vorzugsstimmen bekommen, wie vor mir keiner in unserer Partei hatte. Herzlichen Dank! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Brosz: Wo wohnen Sie eigentlich?) Im Burgenland, im Wahlkreis Nord 1.


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Geschätzte Damen und Herren! Wir haben sehr lange auf Vorschläge von der SPÖ und vor allem vom Gewerkschaftsbund gewartet. Außer einem sehr trotzigen Nein ist nichts gekommen.

Ich sehe, dass meine Redezeit zu Ende ist; daher ein Schlusssatz: Ich möchte dem ÖGB nahe legen, nicht die Muskeln auf der Straße spielen zu lassen, sondern den Kopf einzusetzen. Dann werden Sie auch registrieren, dass man gegen eine allgemei­ne Demographie nicht streiken kann. (Beifall bei der ÖVP.)

14.25

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nun gelangt Herr Abgeordneter Brosz zu Wort. Freiwilli­ge Redezeitbeschränkung: 8 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


14.26

Abgeordneter Dieter Brosz (Grüne): Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Ich möchte mit etwas an­fangen, was an diesen Budget­begleit­gesetzen po­sitiv zu erwähnen ist – das gibt es doch auch. Die Bundessportför­derung soll jetzt novelliert werden, auch die Aufteilung, und es ist nach dieser Neurege­lungen erstmals der Fall, dass auch der Behindertensportverband eine Basisförderung bekommen wird. Wir haben das jahrelang gefordert, daher begrüßen wir diesen Schritt. Wenn Sie es nicht in die Budgetbegleitgesetze verpackt hätten, dann hätten wir sogar zu­stimmen können. Aber da wir der Pen­sionsreform nicht zustimmen werden, muss das leider ohne unsere Zustimmung bleiben, auch wenn es uns freut.

Es freut mich auch, dass Bundesministerin Gehrer hinter mir auf der Regierungsbank sitzt. Es ist schon bemerkenswert, was alles in den Budgetbegleitgesetzen drinnen ist, mit 91 Gesetzen! Dann gibt es eine Debatte, die ja die letzten Wochen in nicht gerin­gem Maße geprägt hat, nämlich jene um die Kürzung der Zahl der Unterrichts­stunden im Schul­system. Siehe da, da­von findet sich nichts drinnen. Kein Wunder ... (Bundes­ministerin Gehrer: Das ist kein Gesetz!) Eben, weil es kein Gesetz ist! Das wollte ich gerade sagen, dass kein Gesetz notwendig ist für eine Maßnahme wie eine Stunden­zahlkürzung. Theoretisch könnte man also in Österreich die Hälfte der Stunden ab­schaffen und bräuchte dafür kein Gesetz, aber wenn man Leibesübungen in „Bewe­gung und Sport“ umbenennen will, dann braucht man nicht nur ein Gesetz, sondern sogar eine Zweidrittelmehrheit. – So viel zu den Wertigkeiten in der Gesetzgebung. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Aber weil Sie gerade hier sind, Frau Bundesministerin, vielleicht doch ein paar Worte zu dem, was eigentlich hätte drinstehen sollen: Die budgetären Auswirkungen davon sind nicht gering, es handelt sich dabei wahrscheinlich sogar um eine der massivsten Einsparungen. Faktum ist, dass diese Stundenzahlkürzung auf einer von Ihnen immer wieder zitierten OECD-Studie basiert, die nicht so ist, wie Sie behauptet haben, und die eigentlich nur dadurch zustande gekommen ist, dass das österreichische Ministerium nicht in der Lage war, die entsprechenden Daten so, wie es vorgesehen gewesen wä­re, an die OECD zu liefern.

Jetzt möchte ich gar nicht sagen, dass man dabei nicht über die Reformen diskutieren kann. Aber es genügt nicht, herzugehen und eine Stundenzahlkürzung auszurufen, die de facto eine reine Streichung ist, ohne genau die Maßnahmen zu ergreifen, die schon lange notwendig wären. Dafür nämlich, im Fördersystem endlich weitere Schritte zu setzen und lernschwächere Kinder zu fördern, geschieht nichts. Sie haben in einem „profil“-Interview vor zwei Wochen gesagt, dass es dringend notwendig sei, die Anzahl derjenigen, die in Österreich am Ende der Schulpflicht große Lernschwierigkeiten und Leseverständnisschwierigkeiten haben – das sind in etwa 14 Prozent –, zu halbieren. Ich frage mich: Wo geschieht das? – Nirgends geschieht es, und dass es allein da­durch, dass Stunden gekürzt werden, zu einer Besserung kommen wird, kann man


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wohl nicht behaupten. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Brinek: In der Volksschule gibt es Gesamtunterricht!)

Aber da­mit Kollegin Brinek nicht so viel zwischenrufen muss, kommen wir zur Pensi­onsreform. (Abg. Dr. Brinek: Das ist nicht eine Frage von Kürzungen ...!) – Ein qualifi­zierter Zwischenruf, wie meistens. (Abg. Dr. Brinek: Ja, weil in der Volksschule Ge­samtunterricht ...!)

Kommen wir zur Pensionsreform! – Die Pensionsreform verkaufen Sie immer so, dass es die Reform ist, die den Jüngeren nützen und helfen soll. Ich finde, es ist die größte Verdrehung an der ganzen Geschichte der Pensionsreform, zu behaupten, dass die nach wie vor bestehenden Kürzungen – Kollege Kurzbauer hat sich, glaube ich, vorhin wie­der darüber aufgeregt – von 30 bis 40 Pro­zent nicht ge­ge­ben wären. Selbst­verständlich gibt es sie: Bei allen, die unter 35 Jahren sind, hat sich ja nichts verändert, warum also sollten dort die Kürzungen geringer sein! (Abg. Dr. Brinek: Wann gehen denn die in Pension?) – Sie wollen also bei den Ausführungen über die Pension auch zwischenrufen? – Okay.

Dass Sie um 30 bis 40 Pro­zent kürzen, ist ein Fak­tum. Dass Sie dann immer behaup­ten, die Jüngeren können sich ihr Leben gestalten und sich darauf einstellen, ist schon bis zu einem gewissen Grad originell. 33-Jährige, 34-Jährige haben wohl nicht mehr die Möglichkeit, sich das komplette Leben neu zu gestalten. Wenn man 45 Jahre gear­beitet haben muss, um auf den Höchstsatz zu kommen, dann muss man dafür relativ früh angefangen haben. Alle, die studiert haben, alle, die später angefangen haben, haben dazu schlicht und einfach nicht mehr die Möglichkeit. Alle, die während ihres Studiums in Teilzeit gearbeitet haben, haben nicht mehr die Möglichkeit, diese Verluste auszugleichen. (Abg. Dr. Brinek: 30-Jährige ...!)

Es kommt hinzu, dass die Aufwertungsfaktoren, von denen Sie immer reden, natürlich gerade die Jüngeren massiv treffen. Diese Faktoren sind bei weitem nicht so, dass das, was man in jungen Jahren verdient hat – auch in hohem Ausmaß, wenn man gut verdient hat –, eins zu eins auf die Pension durchschlägt, weil es einfach über die Zeit weniger wert wird.

Hier nun herzugehen und immer davon zu sprechen, dass die Jungen diejenigen sind, die diese Pensionsreform brauchen, und dass sie die Nutznießer sind – ich weiß nicht! Sie sollten einmal mit den Jungen darüber reden, wie sie das sehen. Die haben andere Probleme bei der Pension, nämlich dass sie wesentlich weniger bekommen werden. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Dr. Brinek: Sie kriegen noch weniger, wenn es keine Reform ...!)

Sie haben auch Probleme mit dem, was jetzt im Pensionssystem läuft. Meiner Meinung nach – das ist das, was ich zu hören bekomme – ärgern sie sich durchaus auch da­rü­ber, dass diese Trennung gemacht wird. Die junge Generation fühlt sich dadurch nicht geschützt, dass die Trennung gemacht wird und dass man sagt: Jetzt wird nicht einge­griffen, danach 10 Prozent Deckelung! – Aber alle, die darunter sind, trifft es voll. Dafür ist das Verständnis sehr gering.

Ich verstehe nach wie vor nicht, warum wir jetzt nicht über den Bereich von hohen Pensionen haben reden können, dass man auch dort etwas zur Pensionssicherung beiträgt. Das ist die Klientelpolitik, die Sie zu verantworten haben, und das verstehe ich im Übrigen bei der FPÖ am wenigsten, denn ich finde, dass es einen Unterschied macht, ob man eine Mindestpension hat – ob jemand eine Pension von 600 € oder 700 € bekommt, und ein großer Teil liegt ja unter 1 000 € – oder ob es wirklich Pensio­nen betrifft, die weit über der ASVG-Höchstbeitragsbemessungsgrundlage und über der Höchstpension liegen. Man sagt bei beiden gleichermaßen: Hier wird nicht einge­griffen! Aber wenn man das Pensionssystem fair gestalten will, dann wird man wohl


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nicht gleichmäßig drübermähen können und alle gleich betroffen machen können. (Bei­fall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ich finde, dass diese Pensionsreform sowohl, was die demographische Entwicklung – und so­mit auch das Pro­blem der Ge­nerationen – be­trifft, nicht fair und nicht ausgewo­gen ist, als auch und vor allem, was die soziale Ausgewogenheit betrifft, nicht fair ist, weil Menschen mit Mindestpensionen und Men­schen, die Pen­sionen von weniger als 1 000 € bekommen, einfach nicht von einer Pensionsreform erfasst werden dürften – wie Sie das machen wollen. (Beifall bei den Grünen.)

14.32

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Der sich auf der Rednerliste befindliche Abgeordnete Scheuch ist von seinem Klub auf seinen Wunsch hin soeben von der Rednerliste ge­strichen worden.

Daher gelangt als Nächster Herr Abgeordneter Pendl zu Wort. Ist er im Saal? – Ja.

4 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


14.33

Abgeordneter Otto Pendl (SPÖ): Herr Präsident! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Nachdem ich mir heute die Ausführungen der Mitglieder dieser Bundesregierung und der Regie­rungsparteien hier angehört habe, habe ich ein bisschen den Ein­druck, dass die Men­schen in unserer Heimat ab 1. Jänner 2004 mehr Geld bekommen – egal, in welchem Bereich. Allein mir fehlt nicht nur der Glaube, son­dern wir kennen auch die nackten Zahlen und die Tatsachen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir wissen, dass in der De­batte zu den Bud­get­begleit­gesetzen – es wer­den ja 91 Ge­setze ge­ändert – der­zeit die Pensionsreform alles überdeckt, auch die Anschaffung der uns immer wieder als so gut geschilderten Kampfflugzeuge. Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren von den Regierungs­parteien und vor allem von der Freiheitlichen Partei, Ihren Kampf, über den Sie uns heute hier erzählt haben und den Sie seit Tagen und Wochen führen, hätten Sie sich wirklich leichter machen können oder ersparen können! Ihr Parteichef hat diesen An­trag eingebracht, und das hätte, wie wir alle wissen, seinerzeit schon der Ministerrat nicht beschließen müssen. Wenn das schon ein Kampf ist, dann ist es vielleicht eine Debatte im eigenen Klub oder in der eigenen Partei. Aber ich glaube, die Österreiche­rinnen und Österreicher haben sich in einer so wichtigen, sensiblen Frage mehr ver­dient als eine Diskussion in einem Parlamentsklub oder in einer Partei, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ.)

Hätte es nicht den Aufschrei von Hunderttausenden, ja Millionen Österreicherinnen und Österreichern gegeben (ironische Heiterkeit und Zwischenrufe bei der ÖVP) – den hat es gege­ben! –, wäre heute wahrscheinlich ein ganz anderer Entwurf hier im Saale als der, über den morgen debattiert und dann abgestimmt wird. Kollege Brosz hat es richtig gesagt: Ich­re so genannten Decke­lungs­rege­lungen lau­fen aus, und die junge Generation in unserer Heimat wird eine um ein Drittel niedrigere Pension haben! Da können Sie dis­kutieren, was Sie wollen.

Da Sie immer wieder von „sozialer Ausgewogenheit“ sprechen, meine sehr geehrten Damen und Herren von der Koalition: Die Menschen in unserer Heimat werden sich ein Bild davon machen, wenn Sie ihnen von 700 € Pension 10 Prozent wegnehmen. Das ist in dieser Einkommenskategorie ein hoher Anteil, das ist sicher in vielen Haushalten nur sehr schwer zu verkraften.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Was ich vermisse – und diese Diskussion gibt es auch im Bezirk und im Wahlkreis –, sind Arbeit schaffende Maßnahmen, davon ist nichts zu sehen. Ich glaube, wenn die Menschen ab einem gewissen Alter vermehrt


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in die Arbeitslosigkeit kommen – und wir kennen die Zah­len darüber und wissen, dass heute in Wirk­lichkeit schon mehr als 50 Pro­zent von der Arbeits­losen­hilfe, von der Not­standsunterstützung oder von der Sozial­hilfe in Pension gehen –, dann wissen wir auch, dass in Zukunft Tausende und Abertausende Menschen quasi in die Armut ge­trieben werden.

Meine geschätzten Damen und Herren! Genau in dieser Zeit feiern Sie: Jetzt werden wir im öffentlichen Dienst noch einmal 10 000 Planstellen reduzieren, und Länder und Gemeinden sind auch aufgerufen. All diese Maßnahmen werden die Problematik auf dem österreichischen Arbeitsmarkt weiterhin verschärfen.

Geschätzte Damen und Herren! Wenn Sie schon Flieger kaufen – ich will dieses The­ma wirklich nicht strapazieren, glaube aber schon, dass man, wie im Ministerrat und in den Budgetbegleitgesetzen beschlossen, die teuersten Kampfflieger anschafft (Abg. Mag. Mainoni: Nein!) –, während gleichzeitig eine Pensionsreform stattfindet, obwohl noch niemand in diesem Saale weiß, ob es die Flieger überhaupt einmal geben wird, dann sollten Sie vorher alle Fragen geklärt haben. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich jemand ein Auto gekauft hat, obwohl er nicht einmal gewusst hat, ob es einmal produziert werden wird. Aber wir sind hier gerade auf dem Weg, Flieger zu kaufen, die von der Aus­stattung her keiner braucht und von de­nen außer­dem kei­ner weiß, ob sie je­mals an­ge­schafft wer­den können. (Zwischen­ruf des Abg. Dr. Spindelegger.)

Das sind keine Reformen für die Menschen in unserer Heimat, und so stellen wir uns auch einen Budgetvollzug nicht vor, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ.)

14.38

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nun gelangt Herr Abgeordneter Dr. Rasinger zu Wort. Gewünschte Redezeit: 6 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


14.38

Abgeordneter Dr. Erwin Rasinger (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Abgeordneter Gusenbauer hat heute ein Musterbeispiel dafür geliefert, wie man die Realität verleugnen kann. Er hat behauptet, dass die Maßnahmen der Regierung zu einer Finanz­krise und einem ver­größerten Loch im Gesund­heitswesen führen würden, und gleichzeitig hat er gesagt, mangelnde Solidarität sei ein Kennzeichen dieser Re­gierung. – Ich glaube, er hat das Gesetz schlecht gelesen. Allein 2004 sind 300 Mil­lion € zusätzlich für das Ge­sundheitswesen budgetiert, und 2005 werden es sogar 400 Millionen € sein.

Es interessiert mich, von Ihnen ein­mal zu wissen: Welche Visionen haben Sie eigent­lich? Welches Niveau wollen Sie in diesem Staat in der Gesundheitsversorgung? Und natürlich: Wer soll es bezahlen? – Fordern ist die eine Seite, aber Bezahlen ist die an­dere Seite! Im Gegenteil: Sie polemisieren genauso wie bei der Pensionsreform. (Abg. Mag. Wurm: Bei Ihnen bezahlen die Armen, dass die Reichen ...!) Da leugnen Sie permanent, dass die Leute älter werden. Heute beziehen die Leute 21 Jahre Pension statt, wie 1970, acht Jahre. Wir wollen das, wir freuen uns darüber! Die Leute werden heute, im Ver­gleich zu 1970, im Durch­schnitt acht Jahre älter (Abg. Mag. Wurm: Ein Arbeiter am Hochofen nicht!), und dieser Trend zu einem höheren Lebensalter wird weiter zunehmen. Das heißt, wir müssen ... (Das Mobiltelefon des Redners beginnt eine Melodie zu spielen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter, ist das Ihr Handy? (Abg. Dr. Rasin­ger schaltet sein Mobiltelefon aus. – Heiterkeit.) Ich bin absolut sprachlos; das nächste Mal erteile ich einen Ordnungsruf!

 



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Abgeordneter Dr. Erwin Rasinger (fort­setzend): Wir haben im Regierungs­programm eindeutig festgelegt, dass wir Weltklasse wollen, und zwar Weltklasse für alle, unab­hängig vom Alter und unabhängig vom Einkommen.

Daher haben wir drei Maßnahmen vorgesehen:

Erstens: Freizeitunfälle. – Die Zahl der Arbeitsunfälle macht heute 25 Prozent der Frei­zeitunfälle aus. Selbstverständlich müssen wir uns dieser Herausforderung stellen. Wir haben jetzt gerade das Pfingstwochenende hinter uns, und Gott sei Dank hat es keinen Rekord an Todesopfern gegeben. Es gab aber sehr viele Autounfälle, die sehr hohe Folgekosten nach sich ziehen. Sich in der Freizeit sportlich zu betätigen, ist gesund, aber es gibt da­bei auch Ver­letzte. Der Schen­kelhalsbruch beispielsweise fällt auch un­ter die Frei­zeit­un­fälle. Jähr­lich er­lei­den 12 000 Men­schen ei­nen Schenkelhalsbruch und werden sehr gut rehabilitiert, während das früher praktisch Siechtum und Tod zur Fol­ge hatte. Zahlenmäßig entspricht das einer mittelgroßen österreichischen Stadt.

Ihre Alternative wären Kürzungen der ohne Bezahlung zur Verfügung gestellten Leis­tungen oder, wie es Rot-Grün in Deutschland vorzeigt, Sen­kung der Leistungen. – Oder?

Zweitens: Der ein Prozent höhere Beitrag der Pensionisten ist meiner Meinung nach ein Solidarbeitrag. Wenn man sich die Daten der Krankenkassen anschaut, dann sieht man: Es decken heute die Einnahmen aus den Beiträgen der Pensionisten 40 Prozent der Aufwendungen. Das soll auch weiter­hin so sein, das Un­gleichgewicht ist nicht kor­rigierbar, weil 80 Prozent der Leistungen eben von Älteren in Anspruch genommen werden und Ältere im Vergleich zu 40-Jährigen sechs Mal höhere Kosten aufweisen. Wenn wir uns diesem Problem nicht stellen, dann müssen wir die Leistungen senken, und ich meine, es ist vertretbar, wenn auch Pensionisten ihren Beitrag leisten.

Zum Thema Selbstbehalte: Ich möchte sie nicht ausklammern. Es steht aber ausdrück­lich im Gesetz, dass man auf die wirtschaftlichen Verhältnisse Rücksicht nimmt. Sie monieren, dass Selbstbehalte generell unsozial sind. Schauen Sie einmal zu den Ei­senbahnern! Die Eisenbahner haben ein System, mit dem sie sehr zufrieden sind. Sie wollen es unter keinen Umständen ändern. Schauen Sie einmal auf die Selbstbehalte, die die SPÖ-Regierung eingeführt hat! 1 Milliarde € sind es bei einem Gesamtbudget von 10,8 Milliarden €. Wenn wir diese Selbstbehalte nicht hätten, dann müssten wir Leistungen reduzieren, und Leistungen reduzieren heißt, dass die Menschen 100 Pro­zent Selbstbehalt zahlen müssten. Ich kenne kein System auf der Welt, wel­ches ohne Selbstbehalte auskommt.

Sie reden ständig vom Bestrafen und betreiben Greuelpropaganda. Kein Mensch in Österreich will Patien­ten von Gesund­heitsleistun­gen ausschließen. Moderate Selbst­behalte, die noch dazu erst­malig auf das wirt­schaftliche Leistungsniveau Rücksicht nehmen, sind vertretbar und helfen, unser Weltklassesystem abzusichern. Sie haben keine Visionen, Sie verleugnen die Realität und gefährden damit die Solidarität, denn Ihr Weg führt in die schleichende Rationierung. Wir hingegen wollen das beste Ge­sundheitswesen in der EU erhalten. – Danke. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitli­chen.)

14.43

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu Wort gemeldet ist als Nächste Frau Abgeordnete Rest-Hinterseer. Gewünschte Redezeit: 8 Minuten. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


14.44

Abgeordnete Heidemarie Rest-Hinterseer (Grüne): Geschätzter Herr Präsident! Ge­schätzte Mitglieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Das gibt mir jetzt einen guten Anknüpfungspunkt, hier weiterzureden. Herr Rasinger, vielleicht bleiben Sie noch kurz


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da, denn ich möchte mich gerne auf Ihre Ausführungen beziehen. (Ruf bei der SPÖ: Es hat doch gerade geläutet! – Abg. Dr. Brinek: Er würde schon so gerne zurückrufen!)

Ich möchte ganz kurz eine Geschichte erzählen, denn wenn wir hier schon so viel vom Leben reden, dann sollten wir auch einmal vom tatsächlichen Leben reden. Anfangs ging ich mit meinem kleinen Kind noch zu einer Wahlärztin. Dann kam ein Arzt, der hatte Krankenkasse. So habe ich mich von meiner Wahlärztin verabschiedet und dabei gesagt: Es tut mir Leid, ich wäre gerne bei Ihnen geblieben, aber ich gehe jetzt zu ei­nem an­deren Arzt, weil der auf Krankenkasse ordiniert! Darauf sagte mir diese Wahl­ärztin ganz bitterböse: Na ja, das ist ja kein Wunder! Die Leute gehen immer dorthin, wo sie etwas gratis bekommen!

Tatsächlich habe ich wirklich oft den Eindruck, dass viele Menschen meinen, dass die­se Leistungen gratis sind, insbesondere bei Ärzten habe ich oft diesen Eindruck. Ich habe aber immer dafür bezahlt, und zwar monatlich und nicht wenig. In der Diskussion über Selbst­behalte wä­re also anzu­erkennen, dass wir die gan­ze Zeit über Selbstbehal­te zahlen. Wir finanzieren unser System ja selbst! Von den Ärzten wird das System nicht finanziert! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ich möchte Sie (in Richtung des Abg. Dr. Rasinger) jetzt nicht mehr aufhalten. Das war alles, was ich zu diesem Thema zu sagen hatte. (Abg. Brosz: Sie dürfen jetzt telefo­nieren!)

Jetzt möchte ich mich ein bisschen auf die Vergangenheit beziehen, weil die ÖVP heu­te so gerne und ausführlich über die Vergangenheit spricht und Aussagen von wich­tigen Männern, ins­besonde­re aus an­deren Fraktio­nen, zitiert. Ich möchte Meilensteine auf dem Weg des Herrn Dr. Schüssel anführen zu einer Zeit, als er noch Wirtschafts­minister war. Vielleicht denken Sie sich: Was hat das alles mit dieser Debatte zu tun? Ich hoffe, Sie dorthin führen zu können, was meine Überlegung dabei ist.

1992 hat Herr Dr. Schüssel als Wirtschaftsminister die Privatisierung von Schloss Schönbrunn veranlasst. (Abg. Dr. Brinek: Eine Erfolgsgeschichte!) 1993 hat er die Umwandlung der sechs Straßensondergesellschaften veranlasst und auch die Reform der Gewerbeordnung. Weiter steht nichts in seinem Lebenslauf über die Periode als Wirtschaftsminister, was sehr überrascht, weil Österreich in dieser Zeit immerhin WTO-Mitglied geworden ist und der Wirtschafts­minister natür­lich auch an der Um­wand­lung des GATT zur Welt­handelsor­gani­sation mit­ge­wirkt hat. (Bun­des­mi­nister Dr. Barten­stein: Seit wann ist Österreich WTO-Mitglied, bitte?) Am 1. Jänner 1995. Die Verhand­lungen führte Minister Schüssel als Wirtschaftsminister. Am 12. April 1994 wurden die­se Verträge ratifiziert. (Bundesminister Dr. Bartenstein: Nein! – Abg. Mag. Wurm: Da waren Sie noch Familienminister! – Bundesminister Dr. Bartenstein: Keine Ahnung!) Gut, wir können dann gerne nachschauen. – So steht es jedenfalls im Internet. (Neuerliche Zwischenrufe des Bundesministers Dr. Bartenstein sowie der Abg. Mag. Wurm.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Meine Herren auf der Regierungsbank! Die Rednerin empfindet es als absolut lästig, wenn ihr hinten in das Genick hineingeredet wird. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

 


Abgeordnete Heidemarie Rest-Hinterseer (fortsetzend): Danke schön. – Wir können uns danach gern von Angesicht zu Angesicht unterhalten, Herr Dr. Bartenstein. Das ist wirklich ein wichtiges und interessantes Thema. Es ist auch interessant, warum immer der Mantel des Schweigens über dieses Thema gebreitet wird.

Jetzt komme ich sozusagen in der großen Runde zurück zur Pensionsreform und zur heutigen Debatte. Wir befinden uns nämlich nicht irgendwie zufällig in einer Situation, in der uns das Geld ausgeht und wir deswegen eine andere Politik beginnen müssen,


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sondern wir bewegen uns in einer massiven Strömung des Neoliberalismus. Das sind alles keine Zufälligkeiten, sondern es handelt sich um eine politische Richtung, die von mächtigen Regierungen, von transnationalen Konzernen oder zum Teil auch von Ein­zelpersonen gelenkt wird. Es herrscht kein Chaos, auch wenn es für uns oft so aus­schaut, sondern es steckt ein großes Muster dahinter.

Die ASVG-Versicherten in unserem Lande – und hierin gebe ich ihnen vollkommen Recht, und ich selbst habe auch oft das Gefühl – denken sich: Nein, wir können das System nicht mehr finanzieren, wir müssen sparsam sein! Insbesondere Frauen sagen in Debatten oft: Wir können doch nicht etwas verlangen, was wir gar nicht eingezahlt haben! – Andere Menschen hingegen plagen solche Skrupel praktisch überhaupt nicht. Viele ASVG-Pensionisten, ASVG-Versicherte haben aber das Gefühl, dass es einfach nicht mehr reicht.

Dabei übersehen Sie völlig, dass die großen Kapitalströme, die es ja gibt, einfach wo­andershin abgesaugt werden. Es gibt große transnationale Firmen, die gar keine Fir­mensitze mehr haben und gar keine Steuern mehr bezahlen. Sie sitzen auf den Jer­sey- oder den Cayman-Inseln  und ersparen sich dadurch die Steuern. Das Geld legen sie insbesondere in mündelsicheren Anlagen, also Staatsanleihen, an, und holen sich damit sozusagen ein zweites Mal Geld von den Staaten, die früher funktionierende Sozialsysteme hatten. Über all das wird jedoch der Mantel des Schweigens gebreitet.

Der Präsident dieses Hauses beliebt zu sagen, er wolle sich eigentlich aussuchen, welche Arme er unterstütze. Er möchte also wieder das Almosenwesen einführen, weil man nur dann die Guten von den Bösen unterscheiden kann und immer nur diejenigen zu unterstützen braucht, die eben der eigenen Auffassung nach die Guten sind. Wir ha­ben große Pro­bleme mit die­sem neuen Gnade-vor-Recht-System. Wir sind überzeugt, dass die Menschen Rechtsansprüche entwickeln, weil sie auch einzahlen. Wir alle, alle, die hier sitzen, zahlen ein und auch alle, die Sie hier immer wieder als Verhinderer und Bremser beschimpfen. Wir alle zahlen also ein in dieses große System, und wir alle profitieren auch davon, wenn es gerecht und sorgsam verwaltet wird. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Eigentlich ist das heute auch eine Rede an meine Kinder, weil nämlich immer die Kin­der angeführt werden, für die wir hier zu sorgen hätten. Ich habe noch nie den Eindruck gehabt, dass irgendjemand dafür zuständig sein sollte, für mich oder später auch für meine Kinder aufzukommen. All diese Menschen, auch meine Kinder, werden später für sich selbst sorgen, und trotzdem werden sie womöglich manchmal Unterstützung von einem Gemeinwesen brauchen. Ich bin überzeugt davon, dass so ein Gemeinwe­sen durchaus organisierbar ist. Es gibt eine gerechte Welt, aber wir müssen daran bauen, sie ist nicht fertig! (Beifall bei den Grünen.)

14.50

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Nun gelangt Herr Abgeordneter Mag. Mainoni zu Wort. Wunschgemäße Redezeit: 5 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


14.51

Abgeordneter Mag. Eduard Mainoni (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren von der Regierung! Ich möchte jetzt natürlich nicht die Dringliche Anfrage vorwegnehmen, aber das Thema „Abfangjäger“ ist natürlich auch ein sehr zentrales bei den Budgetbegleitgesetzen und steht zur Entscheidung an. Die Rolle der SPÖ hiebei ist für mich von besonderer Bedeutung.

Unbestritten ist, sehr geehrte Damen und Herren von der SPÖ, dass beim Ankauf der Draken die Luftraumüberwachung noch kein Problem war. (Abg. Mag. Wurm: Die ist immer ein Problem!) Ich denke, darüber sind wir uns einig. Ich zitiere Ihnen jetzt etwas,


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das Sie eigentlich auch kennen sollten. Zum Thema Landesverteidigung steht hier – ich zitiere –:

Um die Einsatzbereitschaft des Heeres sicherzustellen, wurde die Finanzierung der Hubschrauberbeschaffung und die Ent­scheidung über den Ankauf eines neuen Luft­raumüberwachungsgeräts fixiert. – Zitatende.

Kennen Sie das? – Viele von Ihnen werden es kennen. Das ist die Punktation des Ver­handlungsergebnisses betreffend das Regierungsprogramm von ÖVP und SPÖ, 18. Jänner 2000. (Der Redner hält ein Schriftstück in die Höhe.)

Die Regierung ist dann nicht zustande gekommen, aber darüber, dass Luftraumüber­wachungsflugzeuge angeschafft werden, konnte sich die SPÖ sehr wohl mit der ÖVP einigen. (Abg. Gradwohl: Und wer war dann in der Regierung?) Nur jetzt ist es plötz­lich anders. Das ist doch wohl bemerkenswert!

Sehr geehrte Damen und Herren! Wer die Neutralität versteht – und es gibt nur eine Interpretation darüber –, der muss zur Kennt­nis neh­men, dass Neu­tralität laut Neutrali­tätsgesetz erfordert, eben die Neutralität mit allen zu Gebote stehenden Mitteln auf­rechtzuerhalten und zu verteidigen. (Abg. Mag. Wurm: Der Bundeskanzler hat doch gesagt, die Neutralität ist ein Produkt der Geschichte!) Es ist doch unstrittig, dass das nicht nur zu Lande gilt, sondern auch in der Luft.

Neutralität bedeutet weiters: keine Teilnahme an Kriegen. Das wird wohl auch unstrittig sein. Das bedeutet, dass ein Neutraler im Kriegsfall keiner der beiden Streitparteien einen Vorteil einräumen darf, zum Beispiel durch Überflüge. Deshalb haben wir den Luftraum auch zu verteidigen. Selbst eine Neuinterpretation der Neutralität, wie ich es jetzt in einem Zwischenruf gehört habe, durch den Zusammenbruch des Ostblocks zum Beispiel oder den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union ändert überhaupt nichts an dem Fak­tum, dass Österreich neutral ist und das Neutralitätsgesetz gilt. (Demonstrativer Beifall der Abgeordneten Mag. Wurm und Mag. Lunacek.)

Das sagen im Übrigen auch alle namhaften Verfassungsrechtler in Österreich. Ich zitie­re Heinz Mayer:

„Ein neutraler Staat muss in der Lage sein, seinen Luftraum zu überwachen.“

Manfred Rotter: „Österreich muss die Souveränität seines Luftraumes wahren können. Elektronisches Radarsystem allein ist nicht ausreichend. Fliegendes Gerät ist notwen­dig.“

Ludwig Adamovich: „Neutralitätsgesetz lässt keine Wahl, einen Ersatz zu beschaffen. Wer die Beschaffung verhindern will, muss vorher die Neutralität aufheben.“ (Abg. Mag. Wurm: Es muss aber nicht der Eurofighter sein!)

Meine Damen und Herren! Das sagen alle namhaften Verfassungsrechtler. Ergänzen muss ich: Theo Öhlinger ist anderer Meinung.

Jetzt kommen wir in die Niederungen der heimischen Politik: Herr Klubobmann Van der Bellen sagte laut APA-Meldung vom 8. August 2002 – ich zitiere –:

„Sollten Verfassungsrechtler zu der Auffassung gelangen, Flugzeuge seien aus Neut­ralitätsgründen als“ ... „Luftraumüberwachung nötig, so muss man in den sauren Apfel beißen.“  – Originalaussage Klubobmann Van der Bellen. (Zwischenruf des Abg. Neu­deck.)

Wie chaotisch die Zustände bei den Grünen sind, zeigt, was danach passiert ist, dass nämlich Glawischnig, Kogler und Pilz sofort erklärten, dass Klubobmann Van der Bel­lens Äußerungen nicht so ganz ernst zu nehmen seien. Sie verstiegen sich dann sogar noch weiter – Sie werden sich sicher erinnern können – zu der Behauptung, Herr Klub-


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obmann Van der Bellen sei oft von „dialektischen Fragestellungen“ geprägt und des­halb sei das Ganze nicht so ernst zu nehmen. (Abg. Mag. Wurm: Warum sagen Sie nichts zur Pensionsreform? – Zwischenruf der Abg. Dr. Glawischnig.) – Das waren Ihre Aussagen dazu; ich zitiere das alles nur.

Aber noch kurioser, um wieder zur SPÖ zurückzukommen, sind natürlich die Aussagen Ihres Klub­ob­mannes Alfred Gu­sen­bauer; APA-Meldung vom 3. Sep­tember 2001, „ORF-Sommergespräch“: In deren Verlauf versteigt sich Herr Gusenbauer zu der Aus­sage – ich zitiere –:

„Ich bin überzeugt, dass ein Verzicht auf Draken-Nachfolger nicht dem Neutralitätsge­setz widerspricht.“ – Zitatende.

Ich weiß nicht, welche Position er einnimmt, sämtliche Verfassungsrechtler sind jeden­falls gegenteiliger Ansicht. Gusenbauer hat hier offensichtlich eine eigene Meinung oder er negiert das Neutralitätsgesetz.

Sehr geehrte Damen und Herren! Zum Schluss kommend: Ob Dringliche Anfrage, ob diese widersprüchlichen Aussagen der SPÖ oder auch die Haltung der Grünen: Wer die österreichische Verfassung achtet – und wir Nationalratsabgeordnete sind darauf vereidigt –, der muss unter Wahrung dieses Neutralitätsgesetzes dem Ankauf von Ab­fangjägern zustimmen. – Danke schön. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Matznetter: Das steht aber nicht in der Verfassung!)

14.56

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Abgeor­dnete Lapp, Sie ha­ben sich für 4 Minuten zu Wort gemeldet. Das ginge sich noch ohne Unterbrechung aus. Wollen Sie spre­chen? – Bitte.

 


14.56

Abgeordnete Mag. Christine Lapp (SPÖ): Herr Präsident! Herren Minister! Frau Mi­nisterin! Hohes Haus! Herr Mainoni hat jetzt die Kurve gekratzt, denn er ist ja in den letzten Tagen als einer der Rebellen dargestellt worden, der gegen die Pensionsreform stimmen wird und in sei­ner eige­nen Par­tei alles unternehmen wird, damit noch mög­lichst viele Änderungen kommen. (Abg. Mag. Mainoni: Dazu werde ich morgen eine Rede halten!) Jetzt hat er aber zu den Abfangjägern gesprochen. Wahrscheinlich hat Sie Ihr Klub für 15 Uhr nicht eingeteilt. Das tut mir Leid. (Abg. Neudeck: Bei euch müssen ja Zucht und Ordnung herrschen!)

Ich möchte aber wieder zum Thema zurückkommen. In der Diskussion heute hat ein Redner gemeint, dass die Regierung den Menschen nicht Sand in die Augen streuen wolle. Das ist an und für sich etwas Nettes, außer man ist das Traummännlein. Meiner Meinung nach ist es jedoch so, dass die Regierung mit ihrer Vorlage und dem vorlie­genden Budgetbegleitgesetz den Menschen eher Reißnägel in die Lebenswege streut und so sehr viele Lebensschicksale sehr unangenehm beeinflusst.

Ich habe sehr viele Briefe und E-Mails bekommen, wie sicherlich auch viele andere von Ihnen. Zum Beispiel hat mir ein junger Herr geschrieben – ich zitiere –:

Ich bin im 33. Lebensjahr, habe Architektur studiert und mich nachher drei Jahre lang mit 7 500 S im Monat als Kleinunternehmer durchgekämpft. – Zitatende. (Abg. Neu­deck: Auch so vergeht die Redezeit!)

Jetzt hat er eine Frau und zwei Kinder, und er wird die nächsten Jahre privat nicht vor­sorgen können. Sie sehen hier, dass auch jüngere Leute sehr wohl sehen, dass ihnen Nebel um die Augen gezogen wird und dass die Reißnägel sehr stark kommen.

Die Saison der Radrundfahrten beginnt ja jetzt wieder, und bei der Regierung können wir nur erkennen, dass es eine Kurvenfahrt gibt, wie normalerweise sonst nur bei Berg-


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etappen von Rad­rundfahrten üblich. Der FPÖ-Vizekanzler hat eine Vorlage gebracht, die sehr ein­schnei­dend war, von der dann immer wieder wegverhandelt wurde, ab­verhandelt wurde. Die Kärntner FPÖ-Abgeordneten haben gemeint, dass sie dagegen stimmen würden und ich­ren Klub noch ein­dringlich warnen würden. Es hat Verhand­lungen gegeben, ein Hin und Her. Eine Forderung der FPÖ war auch, dass dieses Pa­ket einer Volks­abstimmung unter­zogen wer­den soll. Wenn Ihre kurvenreichen Taktiken so weitergehen, dann zeigt sich auch hier, dass die Menschen in Österreich einer Re­gierungspartei wie der FPÖ keinerlei Ver­trauen schenken können und dass die Maß­nahmen, die von dieser Regierung gesetzt werden, eher Negatives in den Lebensläu­fen von Menschen bewirken. (Beifall bei der SPÖ.)

Es hat sehr viele Diskussionen im Budgetausschuss, in anderen Ausschüssen et cete­ra zu den unterschiedlichsten Abänderungsanträgen gegeben. Sie verhandeln jetzt anscheinend noch bis zur letzten Minute, weil Sie finden, dass das dann seriöse Arbeit ist. Der Ausschuss­bericht – am Donners­tag hat der Aus­schuss sozusagen die Erledi­gung gebracht – wurde erst heute vorgelegt. (Abg. Murauer: Nur weil sie das am Frei­tag abgelehnt haben!) Auch das ist wieder ein Zei­chen dafür, dass Sie das Parlament nicht ernst nehmen und dass Sie den Abläufen des Parlaments eher sehr schludrig gegenüberstehen.

Ein Vorschlag der Staatssekretärin Haubner, dass bei 1 000 € die Menschen unter­stützt werden müssen, hat sich auch wieder als eine Kurve über die Klippen einer Bergetappe einer Radrundfahrt herausgestellt, denn das gilt jetzt nur für Ehepaare und bringt eine Steigerung um 35 €. Das kommt un­gefähr 15 Prozent der Menschen zugu­te – das sind 35 000 Menschen in Österreich –, aber 200 000 Menschen, die mit 643 € auskommen müssen, bringt diese Änderung überhaupt nichts, da ist keinerlei Unter­stützung gegeben.

Maßnahmen zur Siche­rung der Erwerbs­quote, also wie das Sy­stem langfristig finan­ziert werden kann, werden von die­ser Re­gierung nicht vor­gestellt. Ganz im Gegenteil: Es werden Maßnahmen gesetzt, mit denen die Möglichkeiten der Menschen beschnit­ten werden.

Die Fragen des Pflegegeldes und der Gebührenerhöhung für PflegegeldbezieherInnen, auch der ORF-Gebühren, sind wesentliche Aspekte, die dazu führen, ...

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Abgeordnete, es ist 15 Uhr. Könnten Sie den Schlusssatz formulieren?

 


Abgeordnete Mag. Christine Lapp (fortsetzend): ... dass bei dieser Radrundfahrt die Menschen in Österreich wegen der Regierung einen Patschen bekommen. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

15.00

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Meine Damen und Herren! Herr Abgeordneter Broukal hat in Richtung der Abgeordneten Mares Rossmann folgenden Satz formuliert:

„Wo waren Sie in den letzten 15 Jahren – ausgenommen einem Tresen in Ihrem Lokal in Graz, wo man wahrscheinlich am späten Abend die Dinge nicht mehr ganz nüchtern sieht?“

Herr Abgeordneter Broukal, wollen Sie diesen Satz wirklich gesagt haben? (Abg. Broukal: Nein, Herr Präsident!) – Danke vielmals.

Ich unterbreche nunmehr die Verhandlungen über Punkt 1 der Tagesordnung, damit die verlangte Behandlung einer Dringlichen Anfrage gemäß der Geschäftsordnung um 15 Uhr stattfinden kann.


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Dringliche Anfrage

der Abgeordneten Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminis­ter für Finanzen betreffend Eurofighter-Schiebung (501/J)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen zur dringlichen Behandlung der schrift­lichen Anfrage 501/J. Da diese inzwischen allen Abgeordneten zugegangen ist, erüb­rigt sich eine Verlesung durch den Schriftführer.

Die Dringliche Anfrage hat folgenden Wortlaut:

Während Pensionen gekürzt und PatientInnen finanziell bestraft werden, gibt die Bun­desregierung Milliarden für überflüssige Kampfflugzeuge aus. Mehrere Umstände deu­ten darauf hin, dass beim Eurofighter-Kauf zur Verschwendung auch noch die Schie­bung kommt.

Im Zentrum einer Reihe aufklärungsbedürftiger Vorgänge rund um Ausschreibung, Typenentscheidung, Reduzierung der Stückzahl und Vorbereitung des Budgetbegleit­gesetzes steht der Bundesminister für Finanzen. Gegen seine Verpflichtung zu einem sparsamem Umgang mit knappen Steuermitteln hat er mit seiner Intervention im Minis­terrat durchgesetzt, dass das teuerste Gerät beschafft werden soll.

Da die Regierungsmehrheit im Nationalrat bisher jede parlamentarische Klärung der Vorgänge blockiert und unmittelbar großer finanzieller Schaden für die Republik droht, stellen die unterfertigten Abgeordneten folgende

Dringliche Anfrage:

1. Für welche Abfangjäger-Type hat sich der Bundesminister für Landesverteidigung in der Ministerratsvorbesprechung am 25. Juni 2002 ausgesprochen ?

2. Warum ist die Entscheidung trotzdem auf den 2. Juli 2002 verschoben worden ?

3. Warum haben Sie sich gegen die Entscheidung für den SAAB-Gripen ausgespro­chen ?

4. Warum haben Sie sich als unzuständiger Minister in die Typenentscheidung einge­mischt ?

5. Warum haben Sie als Finanzminister den Kauf der teuersten Type durchgesetzt ?

6. Welche Zusagen zur Finanzierung der Betriebskosten haben Sie dem Verteidi­gungsminister am 2. Juli 2002 gegeben ?

7. In welcher Höhe übersteigen die Eurofighter-Betriebskosten die des Draken ?

8. Wie hoch sind die Betriebskosten für die gesamte geplante Betriebszeit des Euro­fighter ?

9. Wer – BMLV oder BMF – wird die Differenz in den Betriebskosten finanzieren ?

10. Wie hoch sind die „sonstigen Systemkosten“, die neben den mit EADS vereinbar­ten Systemkosten entstehen ?

11. Wer – BMLV oder BMF – wird diese Kosten budgetär bedecken ?

12. Im Budgetausschuss haben Sie erklärt, dass Sie die Kosten einer „Übergangslö­sung“ bereits abgeschätzt haben. Wie hoch sind diese geschätzten Kosten ?

13. Wer – BMLV oder BMF – wird diese Kosten budgetär bedecken ?


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14. Wie hoch sind die Finanzierungskosten für die „sonstigen Systemkosten“ und die Übergangslösung ?

15. Wer – BMLV oder BMF – wird diese Kosten budgetär bedecken ?

16. Wie hoch sind die gesamten Systemkosten (Systemaufwand/Lieferverträge mit Eurofighter-GmbH plus Systemaufwand mit sonstigen Vertragspartnern) ?

17. Warum haben Sie die „sonstigen Systemkosten“ in der Höhe von 233 Millionen Euro verschwiegen ?

18. Wie hoch sind die gesamten Kosten des Systems Eurofighter (gesamte System­kosten plus Kosten der Finanzierung plus Kosten der Übergangslösung plus Betriebs­kosten für den gesamten geplanten Zeitraum des Betriebs) ?

19. Im Ministerratsbeschluss vom 2. Juli 2002 heißt es: „Hinsichtlich der Betriebskosten des neuen Systems, die über jenen des bisherigen liegen, sind ebenfalls budgetäre Vorkehrungen zu treffen, sodass das Budget des BMLV nicht zusätzlich belastet wird.“ Am 26. April 2002 teilte das BMF dem BMLV mit: „Die bei sonstigen Vertragspartnern anfallenden Systemkosten in Höhe von 233 Mio. Euro sowie die gesamten Betriebs­kosten und Kosten für ein allfälliges Überbrückungspaket hat das BMLV aus seinem Budget bereitzustellen.“ Warum haben Sie Ihre Zusage, die erhöhten Betriebskosten aus dem Budget des BMF zu bedecken, zurückgenommen ?

20. Soll das Budget des BMLV in eben diesem Umfang erhöht werden ?

21. Wann haben Sie welche Vertreter von EADS oder der Eurofighter-GmbH wo per­sönlich getroffen ?

22. Wann haben Sie welche Vertreter der Eigentümer von EADS getroffen ?

23. Auf wessen Betreiben kamen diese Treffen zustande ?

24. Wurde bei diesen Treffen die Beschaffung von Abfangjägern erörtert ?

25. Welchen Zweck hatten diese Treffen ?

26. Zu welchen Ergebnissen kam es bei diesen Treffen ?

27. Militärisch ergibt die Beschaffung von Eurofightern keinen Sinn. Finanziell stellt die die größtmögliche Verschwendung dar. Die Gegengeschäfte sind wie immer bei ver­gleichbaren Vorhaben bestenfalls unsicher. Warum setzen Sie sich persönlich trotz­dem mit allen Mitteln für EADS ein ?

In formeller Hinsicht wird verlangt, diese Anfrage im Sinne des § 93 Abs. 1 GOG dring­lich zu behandeln.

*****

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich möchte nur den Begründer dieser Dringlichen Anfra­ge darauf hinweisen, dass es nicht Usus in diesem Haus ist, Worte wie „Schie­bung“ in der Debatte zu verwenden. Sie haben heute dafür ganz zu Recht einen Ord­nungsruf erhalten. Sie können das Thema Ihrer Anfrage frei bestimmen. Da gibt es keine Zen­sur. Aber ich bitte Sie, die Usancen und die Würde des Hauses in den Debat­ten – das gilt ganz allgemein! – zu respektieren.

Ich erteile daher Herrn Abgeordnetem Dr. Pilz nunmehr als erstem Fragesteller zur Begründung der Anfrage das Wort. Die Redezeit darf 20 Minuten nicht überschreiten. – Bitte.

 



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15.02

Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich mit einer Frage beginnen muss, aber ich stelle diese Frage in den Raum:

Wie sollen wir in Zukunft die Unwahrheit bezeichnen, wenn nicht als Unwahrheit? Wie sollen wir in Zukunft etwa ein illegales Baukartell bezeichnen, wenn nicht als illegales Baukartell? (Abg. Neudeck: Eine grüne G’schicht!) Wie sollen wir in Zukunft den Amtsmissbrauch bezeichnen, wenn nicht als Amtsmissbrauch? Und, Herr Präsident: Wie sollen wir in Zukunft eine Schiebung bezeichnen, wenn nicht als Schiebung? (Bei­fall bei den Grünen.)

Ich verstehe natürlich, dass – nicht nur beim Bundesminister für Finanzen – ein gewis­ses Interesse besteht, dass es ganz bestimmte Wörter – zumindest hier im Haus und in der Öffentlichkeit – nicht mehr gibt.

Herr Präsident! Ich würde an die Sache etwas anders herangehen. (Abg. Freund: Das glaubt’s nur ihr, dass ...!) Ich würde sagen, es wäre doch viel sinnvoller und würde uns das Leben viel einfacher machen, wenn es – wie soll ich jetzt sagen? – Schiebungen oder schiebungsartige Zustände in dieser Republik gar nicht gäbe.

Aber wie verhindern wir es, dass es zu schiebungsartigen Zuständen kommt? Wie ver­hindern wir es, dass Minister – nicht nur Finanzminister – in der Öffentlichkeit immer stärker in den Verdacht geraten, ihr Amt missbraucht zu haben? Und wie schaffen wir und sorgen wir für parlamentarische Aufklärung?

Meine Damen und Herren! Ich kann eine lange Geschichte erzählen, wie man versucht hat – und das waren nicht nur die Generaldirektoren einer Wiener Baufirma –, Abge­ordneten, die noch nicht einmal illegale Zustände angeprangert haben, das Wort zu verbieten und die Verwendung des Begriffes zu verbieten. Herr Präsident! Deswegen würde ich gerade im Plenum des Nationalrates mit solchen Akten der Beschneidung von Redemöglichkeiten sehr, sehr vorsichtig umgehen und das freie Wort letzten En­des doch über den Schutz von Mitgliedern dieser Bundesregierung und deren Interes­sen stellen. (Beifall bei den Grünen.) – Das ist das Erste.

Das Zweite – da tue ich mir leichter, da begebe ich mich überhaupt nicht in Ordnungs­rufgefahr – sind drei kleine Rätsel. – Ich frage: Wer war das?

Wer hat am 6. Februar 2002 erklärt, Abfangjäger seien aus finanzieller Sicht nicht leistbar?

Wer war das? (Abg. Nürnberger: Das ist aber schwer! – Ruf bei der ÖVP: Gusenbau­er! – Abg. Öllinger: Der Finanzminister!) – Brav, Abgeordneter Öllinger hat das richtig beantwortet.

Und wer war das? Zitat vom 2. März: Das ist ein heikler Punkt, denn in der Bundesregierung stehe ich mit meiner Ablehnung der Abfangjäger allein. Das passt nicht in das Gesamtbild der Budgetkonsolidierung. – Zitatende.

Wer war das? (Rufe bei den Grünen: Der Finanzminister!) – Richtig, der Finanzminis­ter!

6. April – jetzt begebe ich mich wieder ein bisschen mehr in die Ordnungsrufgegend, aber es ist ein Zitat, und ich wiederhole es nur –:

Zuerst müssen die Damen und Herren die Hosen herunterlassen, dann wird man eine Entscheidung treffen können. – Zitatende.

Wer hat das gesagt? (Abg. Nürnberger: Noch schwerer! – Ruf bei der ÖVP: Der Öllin­ger!) – Der Finanzminister! (Abg. Lentsch: Das glaub ich nicht!)


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Herr Präsident! Ich weiß nicht, wer inzwischen die „Hosen heruntergelassen“ hat und ob es Aufgabe des Finanzministers ist, zum Hoseherunterlassen zu zwingen, aber ich möchte im Weiteren schildern, was mit den Hosen des Finanzministers im Detail pas­siert ist. Ich beginne bei Station eins, der Ausschreibung.

Es gibt lange Vorbereitungen, dann kommt es zum Ende der Ausschreibung und zur Frage der Typenentscheidung. Der Verteidigungsminister, der jetzige freiheitliche Klubobmann, bestreitet überhaupt nicht, am 25. Juni 2002 in die Ministerratsvorbe­sprechung gegangen zu sein und dort erklärt zu haben, er schlage vor, 24 Stück SAAB-Gripen zu beschaffen.

Die Frage – und diese wird uns der Finanzminister heute sicherlich in aller Ausführlich­keit und korrekt ein erstes Mal beantworten – lautet: Warum hat sich der Finanzminis­ter quergelegt? Was hat ihm an der Type nicht gepasst? Was begründet die Gripen-Feindlichkeit des Finanzministers? Warum ist der Finanzminister gegen das billigere von den zwei verbliebenen Systemen? Warum wird dann eine Woche lang verhandelt? Und warum setzt sich am 2. Juli 2002 in der Ministerratsvorbesprechung der Finanzmi­nister durch und kann dann gemeinsam mit dem umgedrehten Verteidigungsminister erklären, es ist nicht SAAB-Gripen, es ist nicht die Empfehlung der Militärs, sondern die Teuersten kommen zum Zug: 24 Stück Eurofighter sollen gekauft werden. (Abg. Dr. Gabriela Moser: Umgedreht! – Abg. Scheibner: Warum bin ich umgedreht? – Ruf bei der ÖVP: Das ist glatt die Unwahrheit!)

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Was ist mit dem Verteidigungsminister passiert? – Der Verteidigungsminister war in einer seltsamen Situation, in der sich Regierungsmit­glieder sehr selten befinden. Der Finanzminister kommt eine Woche lang immer wieder zu ihm und sagt: Warum müssen Sie das Billigere kaufen? Ich würde alles an Mehr­kosten finanzieren. Bitte schön, nehmen Sie das Teurere! (Abg. Neudeck: Das ist ja ein Filmdrehbuch!) Nehmen Sie die Eurofighter!

Am Ende der Woche gibt der Verteidigungsminister die Zustimmung – wohl, weil er sich gedacht hat, wenn mir vom Finanzminister das tollste und teuerste Kampfflugzeug Europas angeboten wird, wie soll ich meinen Militärs erklären, dass ich dieses Ge­schenk nicht nehme? Der Verteidigungsminister stimmt also zu, und der Finanzminis­ter, er und die Bundesregierung beschließen im Ministerrat, die Eurofighter zu beschaf­fen. Sie halten in diesem Beschluss fest – zumindest der Verteidigungsminister und der Finanzminister haben gewusst, dass es sich um gewaltige zusätzliche Betriebskosten handelt –, dass die zusätzlichen Betriebskosten das Bundesministerium für Finanzen übernimmt. – Damit wäre einmal zum Ersten die „Hosenfrage“ geklärt.

Herr Finanzminister! Ein Einziger hat in dieser Causa in der Woche vom 25. Juni bis zum 2. Juli ein Hosenproblem gehabt – ein Spendierhosenproblem, um es genauer zu sagen. Sie, Herr Finanzminister, hatten in einer Art und Weise Spendierhosen an, die eine Nachfrage notwendig macht. – Das ist der erste Teil unserer Anfrage.

Warum tut der Finanzminister etwas, was nicht einmal der Verteidigungsminister will, nämlich um jeden Preis das Teuerste beschaffen? (Abg. Dr. Fasslabend: Preis-Leistungs-Verhältnis!) Das haben wir Sie im Nationalen Sicherheitsrat, im Landesver­teidigungsrat, im Budgetausschuss gefragt, überall, wo wir Sie angetroffen haben. – Wir haben bis heute keine Antwort bekommen.

Sie konnten bisher nicht erklären, warum Sie den Verteidigungsminister dazu gebracht haben, in der Typenentscheidung schlicht und einfach eine völlig andere Position, nämlich Ihre, einzunehmen. – Das war die erste Station.


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Die zweite Station war, was danach passiert ist. (Ruf bei der ÖVP: Das ist ja wie ein Leidensweg!) Da hat es immer eine Frage gegeben, für die auch Sie, Herr Finanzmi­nister, der Hauptzuständige waren, nämlich: Was kostet das Ganze jetzt wirklich?

Sie haben gemeinsam mit dem Verteidigungsminister im Herbst vorigen Jahres erklärt, ein Hochwasser zwinge uns, statt 24 Abfangjägern nur noch 18 zu kaufen. – Sie wuss­ten aber ganz genau, dass die ersten Zahlungen 2007 – und da erst zum Teil – fällig werden. (Abg. Murauer: Jetzt haben wir den Schlimmen!)

Was ist denn das für eine Hochwasser-Bekämpfungspolitik, die sagt, wir lassen die Hochwasseropfer bis zur ersten Abfangjäger-Rate, die dann geringer ausfällt, warten? (Abg. Neudeck: Das gilt nur bei der Pensionsreform!) Wenn Sie heute in die Wachau und in andere Schadensgebiete fahren, dann merken Sie, dass wie bei den Pensionen, wie bei den Universitäten, wie bei Forschung und Entwicklung auch dort das Geld fehlt. (Abg. Scheibner: Da habt ihr aber anders argumentiert! – Abg. Murauer: Wo sind Sie da gewesen, Herr Pilz!) Dort ist zu wenig angekommen, weil schlicht und einfach zu wenig da ist, weil Sie in Ihrem Budget schlicht und einfach andere und noch immer unverständliche Prioritäten gesetzt haben! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordne­ten der SPÖ.)

Wir haben gefragt, wie viel es denn jetzt koste, und da war eine erste Antwort: 1,3 Milliarden €. Daraufhin haben mein Kollege Werner Kogler und mit ihm einige an­dere Abgeordnete aus den beiden Oppositionsparteien darauf hingewiesen, dass das doch nicht stimmen kann. Da gibt es doch noch Logistik und Finanzierung! – Da hat es sich der Finanzminister überlegt und hat – denn das ist ja in dieser Bundesregierung üblich – mit einem Federstrich korrigiert: nicht 1,3 Milliarden €, sondern 1,9. Das hat einen Grund, und auf den werden wir zurückkommen. Der Betrag musste nämlich im­mer unter 2 Milliarden bleiben.

Dann haben wir nachgefragt: Sind das die gesamten Systemkosten? Gibt es sonst wirklich nichts? Ist sonst von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern nichts zu be­zahlen? – Wir haben von Ihnen, Herr Finanzminister, und vom Herrn Verteidigungsmi­nister immer wieder folgende Antwort gehört: Das sind die gesamten Systemkosten.

So etwas sagt man vor Ausschüssen des Nationalrates und vor dem Nationalen Si­cherheitsrat mit Sicherheit – zumindest bisher – nicht leichtfertig.

Es ist Beamten des Verteidigungsministeriums zu verdanken, dass auch hier für Auf­klärung gesorgt wurde und auch hier die Opposition trotz Finanzminister und trotz Ver­teidigungsminister in Unterlagen Einsicht nehmen konnte, in denen steht, der System­aufwand – nur Eurofighter betreffend – beträgt 1,9 Milliarden €. Aber da gibt es noch sonstige Vertragspartner und den sonstigen Systemaufwand, und der beträgt 233 Millionen €. (Der Redner hält die Unterlagen, aus denen er vorgelesen hat, in die Höhe. – Abg. Neudeck: Das kann ich nicht lesen von da! Kann man das durchgehen lassen? Kann man das kopieren?)

Herr Finanzminister, diese 233 Millionen € haben Sie bewusst verschwiegen! Über diese 233 Millionen € haben Sie den österreichischen Nationalrat und die österreichi­sche Öffentlichkeit vorsätzlich getäuscht! Dass es „vorsätzlich“ war, das ist beweisbar und nachvollziehbar, weil in einer Einsichtsbemerkung zu genau diesem Akt des Ver­teidigungsministeriums steht: Die bei sonstigen Vertragspartnern anfallenden System­kosten in Höhe von 233 Millionen € sowie die gesamten Betriebskosten und so weiter hat das BMLV aus seinem Budget bereitzustellen.

Wie ist es möglich, dass Sie trotz Vorliegen dieses Briefes Ihres Ministeriums – mit offiziellem Briefkopf und der Unterschrift des Beamten – im Budgetausschuss erklärt haben – das gilt insbesondere für Sie, Herr Verteidigungsminister –, es handle sich


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dabei um keine Eurofighter-Systemkosten? Herr Verteidigungsminister! Dieser Brief des Finanzministeriums beweist: Sie haben wider besseres Wissen dem Budgetaus­schuss die Unwahrheit gesagt. Sie haben den Budgetausschuss vorsätzlich getäuscht, und wir können das schwarz auf weiß beweisen, auch in diesem Fall! (Zwischenruf des Abg. Murauer.)

Dann haben wir Sie nach den Betriebskosten gefragt, und Sie haben uns im Verteidi­gungsausschuss, im Sicherheitsrat, im Budgetausschuss gesagt, Sie kennen sie nicht genau, Sie wissen nicht, wie es genau ausschaut, das werden Sie erst in Zukunft ver­handeln. (Abg. Dr. Fasslabend: Das kennen wir seit zwölf Jahren! Immer genau das Gleiche!) Dann bekommen wir die Unterlagen des Verteidigungsministeriums aus der Rüstungsdirektion, wo detailliert aufgezählt wird, wie hoch die Betriebskosten Jahr für Jahr sein werden. (Abg. Murauer: Immer dieselbe Masche! Wachelt mit Zahlen und glaubt, wir sind beeindruckt!)

Auf die Zahl hinter dem Komma genau haben Sie gewusst, was die Betriebskosten ausmachen, aber Sie haben es aus einem einfachen Grund nicht gesagt: Weil Sie dann wieder über die magische Schwelle von 2 Milliarden € gekommen wären und weil Sie einer verängstigten und ratlosen Bevölkerung in Zeiten einer so genannten Pensi­onsreform und vor einer so genannten Gesundheitsreform einreden wollten, dass Sie unter 2 Milliarden bleiben und damit sparen.

Wir haben es nachgerechnet: Die 233 Millionen sonstige Systemkosten, die 1,2 Mil­liarden zusätzlichen Betriebskosten über die gesamte Laufzeit und die Kosten eines Übergangspakets, die Sie noch nicht einmal auf den Tisch gelegt haben, das alles ist noch zu bezahlen und das alles wird die Menschen in dieser Republik, wenn diese Entscheidung durchgeht, noch sehr, sehr viel Geld kosten.

Herr Finanzminister, ich fasse daher zusammen: Sie haben die Typenentscheidung persönlich manipuliert. Sie haben die Öffentlichkeit und den österreichischen National­rat getäuscht. Sie haben das Parlament unrichtig und – gemeinsam mit dem Verteidi­gungsminister – nicht der Wahrheit entsprechend informiert. Sie haben dem Vorgänger des Verteidigungsministers suggeriert, er könne das ruhig annehmen, Sie übernehmen alle Mehrkosten. (Abg. Dr. Fasslabend: Das ist ja wirklich unglaublich! Seit zwölf Jah­ren das Gleiche!) Jetzt befindet sich das Verteidigungsministerium in der Eurofighter-Falle, weil Sie und Ihre Beamten nun erklären, alles darüber hinaus habe das Verteidi­gungsministerium zu zahlen. (Abg. Dr. Fasslabend: Das ist widerlich! Seit zwölf Jah­ren das gleiche Spiel!)

Wir fragen Sie nur Folgendes – das ist die einzige Frage, auf die Sie mit Sicherheit keine ausreichende Antwort geben werden –: In wessen Interesse tun Sie das alles? (Abg. Dr. Fasslabend: Sie missbrauchen die Demokratie!) Im Interesse des österrei­chischen Budgets kann es nicht sein, weil Sie das Teuerste gewählt haben. (Abg. Dr. Fasslabend: Ein Missbrauch der Demokratie und des Parlaments!) Im Interesse der Landesverteidigung kann es nicht sein, weil der Verteidigungsminister und seine führenden Offiziere Ihnen einen anderen Vorschlag gemacht haben. – Was bleibt üb­rig? Welches Interesse, Herr Finanzminister, vertreten Sie? (Abg. Dr. Fasslabend: Das ist ja unerhört!)

Deshalb haben wir eine dritte Gruppe von Fragen gestellt: Welche Beziehungen haben Sie? Wem sind Sie verpflichtet, und wessen Interesse vertreten Sie? Ist das Magna, ist das EADS, wer ist es? (Abg. Murauer: Sie wissen es auch, Herr Pilz!) Was steckt da dahinter? – Der Nationalrat hat schlicht und einfach das Recht, zu erfahren, wie es zu diesen seltsamen und nicht nachvollziehbaren Entscheidungen gekommen ist. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)


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Zuletzt nur ein kleiner Appell an die Rebellinnen und Rebellen aus der Freiheitlichen Partei (Abg. Mag. Kogler: Da sitzen ein paar!): Liebe Rebellinnen und Rebellen! Neh­men Sie sich nicht Ihren Vizekanzler zum Vorbild, der als einzige politische Fortbewe­gungsart das Umfallen gewählt hat und immer öfter quasi als blauer Fleck vor dieses Plenum tritt ...

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter, bitte eine etwas mäßigere Sprache! (Abg. Eder: Er redet eh mäßig! Er redet eh schön! – Abg. Großruck: Eine Schande, so eine Rede! Eine Schande fürs Parlament!)

 


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (fortsetzend): Okay, Entschuldigung. – Nehmen Sie sich also nicht Ihren Vizekanzler zum Vorbild, der vor dieses Plenum tritt und nicht mehr in der Lage ist, seine neuesten Wendungen zu rechtfertigen.

Meine Damen und Herren und Rebellinnen und Rebellen aus der Freiheitlichen Partei! (Abg. Neudeck: Rehe bellen nicht!) Sie haben morgen Abend – nicht heute, morgen Abend! – die Entscheidung zu treffen, ob Sie die Verantwortung für diese Manipulatio­nen rund um die Eurofighter-Beschaffung offiziell mit übernehmen (Abg. Scheibner: Für die Sicherheit des Landes habt ihr morgen die Entscheidung zu tragen!), ob Sie Finanzminister Grasser, Ihrem ehemaligen Parteifreund, weiter die Stange halten oder ob Sie im Sinne eines kontrollierenden und sauberen österreichischen Nationalrates die Möglichkeit geben, einen Abänderungsantrag so einzubringen, dass die Eurofighter von der Tagesordnung der morgigen Sitzung des Nationalrates kommen.

Sie werden sich in diesem Punkt nicht an Jörg Haider orientieren können, weil schon längst die Regel gilt: Wenn Herbert Haupt umfällt, dann muss er immer aufpassen, dass er nicht auf Jörg Haider fällt. Da werden Sie sich kein Vorbild nehmen dürfen!

Versuchen Sie einmal zu handeln wie dem Gesetz und den Wählerinnen und den Wählern verpflichtete ganz normale Abgeordnete der Republik Österreich! Kündigen Sie dem Finanzminister und dieser Bundesregierung die bedingungslose Gefolgschaft auf, und schauen Sie, dass der österreichische Nationalrat, solange es noch möglich ist, diese völlig unsinnige und unvertretbare Entscheidung stoppen kann! – Danke schön. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

15.20

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zur Beantwortung der Anfrage hat sich der Herr Bun­desminister für Finanzen Mag. Grasser zu Wort gemeldet. Die Redezeit soll 20 Minu­ten nicht überschreiten. – Bitte.

 


15.21

Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Danke vielmals, Herr Präsi­dent. – Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Herr Verteidigungsminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Ich danke für die Möglichkeit, in der Be­antwortung dieser Dringlichen Anfrage nochmals jene Antworten zu geben, die der Verteidigungsminister, der Wirtschaftsminister und ich als Finanzminister im Ausschuss bereits mehrfach gegeben haben und die an anderer Stelle, im Rahmen von anderen Dringlichen Anfragen bereits mehrfach gegeben worden sind.

Meine Damen und Herren! Erstens: Es ist nicht neu, aber trotzdem richtig – und ich sage das auch ganz offen dazu –, dass ich in der Vorphase, als es um die Entschei­dung gegangen ist: Werden Abfangjäger beschafft oder nicht?, als Finanzminister ge­gen diese Beschaffung aufgetreten bin. Ich glaube, das war, wenn ich Ihren Ausfüh­rungen richtig gefolgt bin, so ziemlich das Einzige, was von dem, was Sie, Herr Abge­ordneter Pilz, gesagt haben, richtig war.

Wenn Sie hinterfragen, warum das der Fall war, dann kann ich Ihnen sagen: Ganz ein­fach deshalb, weil man als Finanzminister geradezu die Aufgabe hat, jeden Euro


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zweimal umzudrehen, und weil man zuallererst budgetpolitische Erwägungen in den Mittelpunkt seiner persönlichen Betrachtung stellt.

Ich bin aber der Überzeugung, dass es absolut legitim ist, dass man nach Diskussion und nach Abwägung budgetärer und sicherheitspolitischer Argumente gemeinsam eine Entscheidung für die Beschaffung trifft, dass man gemeinsam als österreichische Bun­desregierung sagt: Priorität haben die Sicherheit und der Schutz Österreichs, Priorität hat die Souveränität Österreichs, und Priorität hat eine umfassende Landesverteidi­gung.

Der Bundeskanzler hat heute den Bundeskanzler a.D. Bruno Kreisky entsprechend zitiert, und auch ich kann Ihnen nur sagen: Ein sicheres Österreich braucht eine um­fassende Landesverteidigung und braucht auch eine aktive Luftraumüberwachung. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Es ist ein historisches Faktum, dass es eine Zeit gegeben hat, in der die Sozialdemokratie in diesem Land die Federführung hatte, nämlich in den letzten 30 Jahren, und in dieser Zeit hat man sich noch zu staatspolitischer Verantwor­tung bekannt.

1984 hat der ehemalige Bundeskanzler Sinowatz auf die Frage: Kauf Abfangjäger: ja oder nein?, gesagt: Das ist ein klares Ja, weil wir nach innerstaatlichem Recht und nach dem Völkerrecht dazu verpflichtet sind.

Bundeskanzler a.D. Vranitzky 1987: Die Bundesregierung bekennt sich zum Milizsys­tem und zum Konzept der defensiven Raumverteidigung zu Land und in der Luft.

Und auch ganz interessant: Präsident Fischer hat am 1. März 1987 gesagt, dass das Bundesheer ein Minimum an Abfangjägermaschinen brauche und Österreich zu einem Vertrag entsprechend stehen müsse. (Abg. Mag. Wurm: Zu den Fragen!)

Das heißt, es hat eine Zeit gegeben, in der man sich offensichtlich der staatspolitischen Verantwortung bewusst war. Heute ist das nicht mehr der Fall, heute wechselt man staatspolitische Verantwortung gegen parteipolitisches Hickhack. Ich kann nur festhal­ten: Diese Bundesregierung ist bereit, auch wenn es um unangenehme Entscheidun­gen geht, die Verantwortung zu tragen, und deswegen tun wir es auch in dieser Frage, was diesen Beschaffungsvorgang betrifft. (Abg. Mag. Lunacek: Dringliche Anfrage!)

Meine Damen und Herren! Wenn wir den Beschaffungsvorgang selbst heranziehen, dann möchte ich festhalten: Erstens: Eine 33-köpfige Bewertungskommission hat sich mit der Situation im Detail beschäftigt. Es wurden die drei Angebote F-16, SAAB-Gripen und Eurofighter im Detail genauestens beurteilt, und es hat eine klare Empfeh­lung der Bewertungskommission an die österreichische Bundesregierung ge­geben, nämlich dem Eurofighter als Bestbieter den Zuschlag zu geben. Und genau das hat die Bundesregierung mit ihrer Entscheidung am 2. Juli 2002 auch getan.

Ich möchte diese Gelegenheit nützen, um einmal auch ganz klar und deutlich das zu­rückzuweisen, was Herr Abgeordneter Pilz hier unterstellt – ich glaube, nicht erst seit heute, aber es ist das erste Mal, dass ich in den fragwürdigen Genuss dessen komme, was Sie, Herr Abgeordneter Pilz, offensichtlich seit zwölf Jahren an anderen Stellen und auch hier immer wieder aufgeführt haben.

Seit zwölf Jahren sind Sie offensichtlich bei jeder Beschaffung immer wieder in einer Art und Weise vorgegangen, mit der Sie verunglimpft haben, mit der Sie die Redlichkeit und die Lauterkeit abgesprochen haben und von Schiebung sprechen. Für den Aus­druck „Schiebung“ haben Sie heute, Gott sei Dank, einen Ordnungsruf erhalten.

Der Duden übersetzt „Schiebung“ mit betrügerischem Handel beziehungsweise mit Betrug. Sie reden davon, dass man irgendjemandem verpflichtet sei, dass man persön-


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lich manipuliert hätte, dass die Unwahrheit gesagt worden sei, im Ausschuss oder hier im Hohen Haus. – Ich möchte das auf das Allerschärfste zurückweisen und betonen, dieser Beschaffungsvorgang ist transparent abgewickelt worden. (Abg. Dr. Pilz und Abg. Öllinger: Nein!) Er ist sauber, er ist einwandfrei, und dazu stehen wir! Es war uns ein großes Anliegen, dass das völlig korrekt abgewickelt wird. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Ironische Heiterkeit bei den Grünen.)

Herr Abgeordneter Pilz, ich sage Ihnen zum Zweiten: Ich bedauere, dass Sie hier einen derartigen Stil einer zynischen und mit völlig unhaltbaren Unterstellungen arbeitenden Argumentation wählen. Ich bin enttäuscht davon, dass man solche Vorwürfe in den Raum stellt, weil ich persönlich der Überzeugung bin, dass ein Abgeordneter mit Ver­antwortung, ein Abgeordneter mit Seriosität, ein Abgeordneter mit Anstand das nicht tun würde. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Da Sie das offensichtlich nicht erst bei dieser Beschaffung gemacht haben, sondern in den letzten zwölf Jahren regelmäßig, egal, ob es um Uniformen, um Flieger, um Rake­ten oder worum auch immer gegangen ist – bei diesem Thema kennen Sie sich viel­leicht besser aus als ich –, habe ich den Eindruck, dass Sie offensichtlich persönlich eine etwas verkrampfte Position zur umfassenden Landesverteidigung haben. Viel­leicht versuchen Sie hier ein paar Lockerungsübungen und entkrampfen sich, Herr Abgeordneter. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Zwischenrufe bei den Grünen.)

Meine Damen und Herren! Was die Verhandlungen und das Ergebnis der Verhandlun­gen betrifft: Wir haben am 2. Juli im Ministerrat einen Beschluss auf der Basis von 24 Stück gefasst. 24 Stück netto, ohne Finanzierungskosten, ohne Abgaben, ohne Ausbildungs- und Logistikkosten hätten damals laut Angebot 1,791 Milliarden € gekos­tet.

Wir haben ein Verhandlungsergebnis – vergleichbar, also ohne Abgaben, ohne Finan­zierungskosten – von 1,132 Milliarden € erreicht. Das heißt, es ist gelungen, die Stück­zahl um sechs zu reduzieren und gleichzeitig einen deutlichen Abschlag auf den Kauf­preis zu erreichen. In Summe, meine Damen und Herren, waren das um 650 Mil­lionen € weniger, die wir gemeinsam ausverhandeln konnten. Ich denke, das steht für sich selbst, das spricht für sich selbst und ist ein hervorragendes Verhand­lungs­ergebnis, was den Kaufpreis betrifft. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Wir haben nie – und das wissen Sie, aber ich betone es trotzdem noch einmal – nur von 1 337 Millionen € gesprochen, sondern wir haben von Beginn an in einer gemein­samen Pressekonferenz – Verteidigungsminister Platter, Wirtschafts- und Arbeitsminis­ter Martin Bartenstein und Herbert Scheibner, Verteidigungsminister außer Dienst und Klubobmann – ganz klar auf den Tisch gelegt: 1 337 Millionen € Kaufpreis für 18 Flugzeuge inklusive Finanzierungskosten, dazu kommen Ausbildungs- und Logis­tikkosten von 632 Millionen € inklusive Finanzierung, daher in Summe 1 969 Mil­lionen €. – Nie wurde hier etwas verschwiegen, nie wurde irgendetwas im Intranspa­renten gelassen, ganz im Gelegenteil!

Und wenn Sie sich das Gegengeschäft ansehen, das dem Wirtschafts- und Arbeitsmi­nister auszuverhandeln gelungen ist, dann verweise ich auf Folgendes: Bei den Draken zum Beispiel hat man damals eine Kompensation von 130 Prozent des Kaufpreises erreicht. – Jetzt ist es gelungen, ein Gegengeschäftsvolumen in der Höhe von 4 Mil­liarden €, also 4 000 Millionen € zu vereinbaren! Das sind 204 Prozent des Netto­anschaffungspreises, und das bietet uns ein riesiges Potential für die heimische Wert­schöpfung, für unsere Beschäftigten, für unsere Klein- und Mittelbetriebe. Auf dieses Verhandlungsergebnis kann man stolz sein, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)


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Das ist ein wichtiger konjunktureller Impuls in Zeiten schwacher Konjunktur, ohne dass ich sagen möchte, es ist ein Geschäft, Abfangjäger zu kaufen. Das haben wir nie be­hauptet – ganz im Gegenteil! Aber ich denke, dass es gleichzeitig fair und notwendig ist, darauf hinzuweisen, dass bereits im ersten Jahr 150 Geschäfte im Umfang von mehr als einer Milliarde € vereinbart worden sind und dass weitere 40 Gegengeschäfte im Ausmaß von einer Milliarde € im konkreten Verhandlungsstadium sind.

Wir werden Ihnen den Selbstfinanzierungsgrad mit einem virtuellen Beschaffungskonto und Gegengeschäftskonto entsprechend darlegen, dem Sie entnehmen können, was an Gegengeschäften zu wie viel an heimischen Arbeitsplätzen, an heimischer Wert­schöpfung und an zusätzlichem Steuervolumen führt.

Sie können die Vereinbarungen, die Memoranda of Understanding, die es jetzt schon gibt, gerne einsehen. Ich nenne nur einige: Es gibt solche Vereinbarungen mit der AMST Systemtechnik in Ranshofen, mit der Böhler Schmiedetechnik in Kapfenberg, mit der Kapsch-AG in Wien, mit der KTM Sport-Motor-Cycles in Mattighofen, mit der MCE VOEST in Linz, mit Pankl Technologies in Kapfenberg, mit Raytech in Brunn am Gebirge, mit Testfuchs in Großsiegharts, mit Traktionssysteme Austria in Wiener Neu­dorf, mit FACC in Ried, mit Siemens, mit Wild Austria und so weiter.

Meine Damen und Herren! Das ist ein ausverhandeltes Gegengeschäftspaket, das in anderen Ländern zu einem positiven Echo führen würde. In der „Neuen Zürcher Zei­tung“ konnte man etwa beim Kauf von F-16-Jets lesen: „Dollarsegen für Polen“, und es wurde angeführt, wie wichtig so etwas ist und welche Türöffner diese Gegengeschäfte in wesentlichen Forschungs- und Technologiebereichen sind.

Sie kennen Hannes Androsch, er wird gerne und oft zitiert in diesem Haus. Hannes Androsch sagt – ich darf ihn zitieren –: Der Eurofighter ist sicher die beste Lösung, weil österreichische Firmen nun an einer ganz wichtigen europäischen Technologie­platt­form teilnehmen können.

Die Grundsatzentscheidung, sagte Hannes Androsch weiter, für Luftraumüberwa­chungsflugzeuge hat seinerzeit eine rot-blaue Regierung mit den SAAB-Draken getrof­fen. – Zitatende.

Ich denke, das ist eine klare Sprache. Da hat Hannes Androsch Recht: Das Gegenge­schäft ist wichtig, das Paket ist gut ausverhandelt, es ist ein wichtiger Türöffner für Ös­terreich, und es wird uns nützen! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Ein letzter Hinweis sei mir noch gestattet, bevor ich die Fra­gen im Einzelnen beantworte. Natürlich ist das eine sehr große Kaufsumme – 1,969 Milliarden €. Das ist ein riesiger Betrag, wenn man ihn so isoliert betrachtet, das ist überhaupt keine Frage. Wenn man sich ansieht, welche Jahresraten notwendig sein werden, dann stellt man fest, das wird in den nächsten neun Jahren in etwa 220 Mil­lionen € an Kosten verursachen. 220 Millionen € sind in etwa 0,1 Prozent des Brutto­inlandsproduktes, meine Damen und Herren.

Das Landesverteidigungsbudget beläuft sich derzeit, im Jahr 2003, auf rund 1,740 Mil­liarden €. Das sind 0,78 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Das heißt, wir erhöhen das Landesverteidigungsbudget um 0,1 Prozent des Bruttoinlandsproduk­tes, nämlich von 0,78 auf 0,88 Prozent des Bruttoinlandsproduktes – wissend, dass in den Ländern rund um uns Landesverteidigungsbudgets in einer Größenordnung von 1,2, 1,3, 1,5 oder 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und mehr gang und gäbe sind, aber auch wissend, dass wir nicht nur einmalig 1,969 Milliarden € für Abfangjäger aus­geben, sondern dass wir laufend mehr als 4 Milliarden € jährlich für die Österrei­chischen Bundesbahnen als laufenden Zuschuss zu den Personalkosten, zu den Pensionen und zu den Infrastrukturkosten zu leisten haben.


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Mehr als 7 Prozent der Gesamtausgaben der Republik geben wir jedes Jahr für die Österreichischen Bundesbahnen aus! Daran sehen Sie die Relation. Der Vergleich macht uns sicher, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitli­chen.)

Ich möchte nun auf die einzelnen Fragen eingehen:

Die Fragen 1 bis 3 möchte ich gemeinsam beantworten: Der Bundesminister für Lan­desverteidigung a.D. Herbert Scheibner hat persönlich kei­ne Präferenz in dieser Be­schaffung gehabt. Das hat er mir vor kurzem auch selbst bestätigt. Die Aktenlage ist mittlerweile der Öffentlichkeit auch bekannt.

Herr Abgeordneter Pilz, wenn Sie sich rühmen, Sie haben alles im Detail, dann muss ich Ihnen sagen, Sie haben deswegen alles im Detail, weil wir nichts zu verbergen ha­ben. Insofern ist das für uns wirklich kein Problem, im Gegenteil.

In der Gesamtschau hat Herr Verteidigungsminister Scheibner einen Ministerratsvor­trag eingebracht, der dem Vorschlag der Bewertungskommission entsprochen hat. Dieser Vorschlag hat auf „Eurofighter Typhoon“ gelautet, und daher hat man an keinem anderen Tag, sondern am 2. Juli 2002 auf der Grundlage dieses Bewertungskommis­sionsvorschlages, bestehend aus 33 Experten, in der Bundesregierung diese Ent­scheidung einstimmig getroffen.

Zu den Fragen 4 und 5: Die Zuständigkeit, was die Typenentscheidung aus militäri­scher Sicht betrifft, liegt selbstverständlich beim Bundesminister für Landes­vertei­digung, jene zur Beurteilung der Gegengeschäfte beim Bundesminister für Wirt­schaft und Arbeit, und bei den Fra­gen der Finanzierung ist selbstverständlich und laut Haus­halts­gesetz verpflichtend der Bundesminister für Finanzen einzubinden.

Nochmals: Im Übrigen hat die Bundesregierung im Ministerrat einstimmig nach dem Bestbieterprinzip entschieden.

Zur Frage 6: Es wurde im Ministerrat zur Typenentscheidung am 2. Juli 2002 be­schlossen, dass hinsichtlich der Betriebskosten des neuen Systems, die über jenen des bisherigen Dra­ken-Systems liegen, budgetäre Vorkehrungen getroffen werden, sodass das Budget des Bundesministeriums für Landesverteidigung nicht zusätzlich belastet wird.

Zur Frage 7: Die Betriebskosten des derzeitigen Draken-Systems betragen laut Be­rechnungen des Landesverteidigungsministeriums für 1 400 Flugstunden 12 Millio­nen €, die jährlichen Betriebskosten für den Eurofighter werden voraussichtlich für 1 800 Flugstunden knapp unter 50 Millionen € betragen.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass keine Kostenvergleichsbasis vorliegt, zumal der Draken im reduzierten Betrieb fliegt und der Eurofighter auf Vollkostenbetriebsbasis inklusive Fremdmaterialhaltung, Softwarewartung und Nutzwerterhaltung berechnet wurde. Ein solcher Vergleich, wie er in der Frage angestrebt wird, ist daher unseriös. Zulässig wäre vielmehr ein Vergleich mit einem System der heute in Betrieb stehenden dritten Generation.

Zur Frage 8: Basierend auf dem derzeitigen Berechnungsstand von knapp unter 50 Millionen € betragen die Betriebskosten, auf 30 Jahre gerechnet, knapp unter 1,5 Milliarden €.

Zur Frage 9: Das Bundesministerium für Finanzen hat in seiner Einvernehmens­herstellung mit dem Bundesministerium für Landesverteidigung zum Ankauf die Be­reitstellung von 32 Millionen € per anno ab dem Jahr 2007 für den laufenden Betrieb zugesagt. Jene Betriebskosten, die den Betrag von 32 Millionen € überschreiten, hat das Bundesminis­terium für Landesverteidigung in seinem laufenden Budget zu tragen.


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Die Fragen 10, 11, 17, 19 und 20 möchte ich wie folgt beantworten: Erstens, Herr Ab­geordneter Pilz, haben Sie in Ihren Fragen nicht spezifiziert, was unter „sonstigen Sys­temkosten“ zu verstehen ist. Zweitens: Einmal hat man gesagt, 4 Milliarden €, einmal 6 Milliarden €, und in Ihrer Anfrage sprechen Sie davon, dass am 26. April 2002 eine Mitteilung vom Finanzministerium an das Landesverteidigungsmi­nisterium erfolgt wä­re. – Das ist nicht der Fall.

Herr Abgeordneter, Sie haben sich in Ihrer Anfrage offensichtlich geirrt. Ich darf trotz­dem auf diesen Betrag von 233 Millionen € eingehen, den Sie nennen. Er wird in einem Schreiben des Landesverteidigungsministeriums vom 25. April 2003 genannt. Dieser Betrag enthält Aufwendungen für unabhängig vom Beschaffungsvorgang Eurofighter anfallende Infrastrukturmaßnahmen und für die Systempflege der Goldhaube.

Ich habe daher in einem Schreiben vom 26. April 2003 – und nicht 2002, wie Sie sag­ten, Herr Abgeordneter Pilz – die Übernahme dieser Aufwendungen abgelehnt, weil sie eben nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Anschaffung stehen.

Diese allfälligen Ausgaben, die in der Entscheidung des Landesverteidigungsministeri­ums liegen, sind daher vom Landesverteidigungsministerium zu bedecken. Im Übrigen weise ich zu den von Ihnen mystifizierten 233 Millionen € darauf hin, dass wir bei­spielsweise – Sie sollten sich einen solchen Budgeterstellungsprozess vielleicht einmal ansehen – in der Budgeterstellung 2003 mit Forderungen konfrontiert waren, die um 1,7 Milliarden € über das hinausgingen, was wir Ihnen mit unseren Bundesfi­nanz­gesetzen hier präsentieren. Im Jahr 2004 waren die Forderungen der einzelnen Res­sorts um 2,3 Milliarden € höher als das, was wir dann tatsächlich abgeschlossen ha­ben. Es ist völlig klar, selbstverständlich und auch legitim, dass man danach trachtet, größere Mittelzuteilungen vom Finanzministerium zu bekommen.

Ich glaube, es ist auch klar, dass diese 233 Millionen unabhängig vom Eurofighter-Kauf im Verteidigungsministerium entsprechend redimensioniert und restrukturiert werden.

Zu den Fragen 12 und 13: Ich darf im Einvernehmen mit dem Verteidigungsminister sagen: Der Finanzminister beteiligt sich nicht an Spekulationen, sondern wir werden Ihnen Daten und Fakten nach den Verhandlungen mit den entsprechenden Betreiber­nationen vorlegen.

Ich glaube, es ist wichtig, zu wissen: Eine Übergangslösung wird von österreichischer Hand geprägt sein. Das heißt, es werden österreichische Piloten fliegen, die Maschi­nen werden unter österreichischer Verfügungsgewalt stehen, und es wird selbstver­ständlich das österreichische Hoheitszeichen entsprechend verwendet werden.

Aber zuerst ist die parlamentarische Ermächtigung des Nationalrates zum Grundge­schäft einzuholen.

Zu den Fragen 14 und 15: Aus derzeitiger Sicht fallen daher keine Finanzie­rungs­kosten an.

Zur Frage 16: Die Vertragskosten mit der Eurofighter-GmbH umfassen – 18 Stück Eu­rofighter inklusi­ve Finanzierungskosten – 1,337 Milliarden €, wie ich bereits früher ge­sagt habe, die Systemkosten für Logistik, Ausbildung der Piloten, Ausstattungs-, Aus­rüstungskompo­nenten, Hard-, Software, Umlaufteile, Prüf-, Messmittel, technische Do­kumentation, Beratung, Logistik, Service, Flugsimulator auf die nächsten neun Jahre 632 Millionen € inklusive Finanzierungskosten, das sind in Summe 1,969 Milliarden €.

Zur Frage 18: Die Anschaffungskosten wurden bereits ausführlich unter Frage 16 dar­gestellt. Es handelt sich dabei um die einmaligen Anschaffungskosten des Systems.

Die jährlichen Betriebskosten habe ich Ihnen in Beantwortung der Frage 8 genannt. Das sind, wie Sie wohl wissen, laufende Aufwendungen. Die Darstellung in einem Ge-


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samtbetrag wäre aus unserer Sicht selbstverständlich eine unsachliche Vermischung von Einmalkosten und laufendem Aufwand. Die Kosten der Übergangslösung, ich habe es gerade erwähnt, können wir jetzt seriöserweise nicht angeben.

Die Fragen 21 bis 26 möchte ich ebenfalls zusammenziehen. Sie fragen, welche Ge­spräche mit wem und so weiter geführt wurden, dazu Folgendes: Selbstverständlich, Herr Abgeordneter Pilz, haben wir Gespräche geführt. Ich weiß nicht, wie Sie sich vor­stellen, dass wir Verhandlungen führen sollen, ohne dass wir Leute treffen, ohne dass wir Gespräche führen. Seien Sie versichert, natürlich haben wir Gespräche geführt, natürlich haben wir Verhandlungen geführt, natürlich haben wir Persön­lich­keiten getrof­fen und mit ihnen Gespräche geführt.

Ich würde diese Gespräche in zwei Phasen einteilen: Erstens haben wir Gespräche geführt zu einem Zeitpunkt, zu dem es noch lange keine Typenentscheidung gegeben hat, mit der Zielsetzung, Informationen und eine entsprechende Wissensvermittlung zu bekommen, und zwar auf beamteter Ebene und auf politischer Ebene. Zweitens haben wir nach der Typenentscheidung entsprechende Gespräche geführt, was die Finan­zierung und die Erzielung optimaler Preise und Gegengeschäfte betrifft.

Die Kontakte haben Sie hinterfragt. – Es hat Kontakte gegeben mit offiziellen Reprä­sentanten genauso wie mit Firmenvertretern. Wir haben in Summe bezüglich aller Pro­dukte Gespräche geführt.

Ich darf Ihnen auszugsweise folgende Gesprächspartner nennen: den Botschafter des UK, der für das Produkt Gripen Gespräche geführt hat, die Botschafterin Schwedens, Frau Lena Hjelm-Wallén, die stellvertretende Ministerpräsidentin Schwedens, die in Bezug auf Gripen Gespräche geführt hat. Ich darf weiters den amerikanischen Bot­schafter nennen, der in Bezug auf die F-16 Gespräche geführt hat. Weil es ein Go­vernment-to-government-Gespräch war, war klar, dass das keine Firmenvertreter sein konnten, sondern entsprechende offizielle Repräsentanten der Vereinigten Staaten. Und ich habe Gespräche geführt mit Herrn Rauen, genauso wie mit Herrn Bischoff, beide Vertreter der EADS.

Diese Gespräche haben in der ersten Phase, wo es um Information gegangen ist, selbstverständlich zu keinen konkreten Ergebnissen geführt. In der zweiten Phase ha­ben wir das entsprechende Verhandlungsergebnis erreicht.

Zur letzten Frage, Frage 27: Es war dies eine Entscheidung der Bundesregierung. Es war die bestmögliche Ent­scheidung. Es war eine europäische Entscheidung, weil da­hinter die Industrien Deutschlands, Italiens, Spaniens und Englands stehen. Es war eine Entscheidung für den Bestbieter mit den besten Leistungen, mit der neuesten Technologie und mit dem höchsten Zukunftspotential.

Ich möchte ausdrücklich betonen und unterstreichen: Ich habe kein in welcher Art auch immer persönliches Interesse an dieser Entscheidung.

Meine Damen und Herren, abschließend: Die Sicherheit Österreichs sollte nicht Spiel­ball der Politik und Gegenstand von parteipolitischem Hickhack sein. Sicherheit braucht Verantwortung – wir sind bereit, sie zu tragen, sowohl im Bereich der sozialen Sicher­heit als auch im Bereich der inneren und äußeren Sicherheit. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

15.44

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gehen nunmehr in die Debatte ein.

Die Geschäftsordnung ist bekannt: kein Redner länger als 10 Minuten, kein Klub länger als 25 Minuten.

Zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Mag. Kogler. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 



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15.45

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Mitglieder der Bun­desregierung! Geschätzte Damen und Herren! Man konnte ja fast schon wieder be­fürchten, dass die schon im Budgetausschuss übliche Darbietung nach dem Motto „Schmähführen und Schwindeln“ erfolgen wird.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Abgeordneter, bitte! „Schwindeln“ ist schon wieder an der Grenze!

 


Abgeordneter Mag. Werner Kogler (fortsetzend): Wenn Sie mir mit etwaigen Voka­beln weiterhelfen, wenn wir die Vorgänge beschreiben, bin ich sehr dankbar. (Zwi­schenruf des Abg. Großruck.) Es gibt aber interessanterweise eine neue Erkennt­nis, die man gar nicht hinreichend würdigen kann, Herr Kollege. (Abg. Amon: Was für ei­ne?)

Der Finanzminister gibt zu, angesichts dieser Vorwurfslage, dass er, bevor eine Ty­penentscheidung gefallen ist, mit Firmenvertretern von EADS regelmäßig Kontakt hat­te. (Abg. Neudeck: „Regelmäßig“ hat er nicht gesagt!) Nicht so der Verteidi­gungs­minister. Dieser sagt, er habe sich daran gehalten, nicht vor der Typenentschei­dung mit den Firmenvertretern zu sprechen; er nickt jetzt auch noch. – Das ist eine gute Übung, und das haben Sie hier und heute das erste Mal zugegeben, Herr Fi­nanz­minister. Bis jetzt ist immer etwas anderes behauptet worden.

Sie selbst haben in Ihrer Phaseneinteilung zu Recht davon gesprochen, dass die Ver­handlungen vor der Typenentscheidung und die Nachverhandlungen, wo es dann da­rum geht, bei einem entsprechenden Zuschlag günstige Konditionen für die Republik auszuverhandeln, unterschiedlich sind. Bei Ihnen war es genau umgekehrt. (Beifall bei den Grünen.) Sie haben vorher mit den Firmenvertretern verhandelt, offensichtlich um nicht das günstigste Angebot für die Republik auszuverhandeln, wie sich jetzt heraus­stellt, und was Sie nachher gemacht haben, wird ohnehin noch einer eigenen Überprü­fung bedürfen.

Aber das halte ich jetzt hier einmal fest. Das ist zwar, wenn man so will, eine unerfreu­liche, aber immerhin eine Erkenntnis.

Sie haben davon gesprochen, dass jeder Euro zweimal umgedreht wird. – Ich sage Ihnen, wenn das Ergebnis daraus, dass Sie jeden Euro zweimal umdrehen, dazu führt, dass Sie ihn dann doppelt ausgeben, dann verschonen Sie uns in Zukunft mit diesen Umdrehungsübungen! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.) Lassen Sie auch im Ver­teidigungsressort einmal eine gescheite Budgetplanung walten, denn das, was sich hier abspielt, ist ein Chaos, das man, so glaube ich, überhaupt noch nirgends vorge­funden hat!

Sie mit Ihrem Briefverkehr, womit Sie sich jetzt herausreden wollen, wer etwa welche Kosten trägt und dass das gar nicht mehr zum System gehört – Systemkosten, die nicht mehr zum System gehören, da weiß man zum Schluss nicht, wer das zahlen soll. (Zwischenruf des Abg. Amon.) Eines ist aber sicher – Herr Kollege Amon, merken Sie sich das für Ihren Wahlkreis –: Zum Schluss wird das der Steuerzahler zahlen, das ist sicher! Alle Briefverkehre und Ministerratsvorträge, die Sie hier mittlerweile mit wider­sprechenden Inhalten zu Hauf präsentieren, werden über diesen Umstand nicht hin­wegtäuschen können. Sie haben sich in immer mehr Widersprüche verwickelt, weigern sich aber nach wie vor, die Tatsachen aufzuklären. Sie haben 95 Prozent Ihrer Rede­zeit dafür verwendet, auf Fragen zu antworten, die gar nicht gestellt wurden.

Was die Beantwortung der Fragen betrifft, haben Sie ausgelassen, und deshalb wer­den wir diese jetzt noch einmal systematisch durchgehen.


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Auf die Frage betreffend die Bewertungskommission, unter anderem und indirekt, ha­ben Sie geantwortet, eine 33-köpfige Bewertungskommission habe ein eindeutiges Er­gebnis erzielt. (Rufe bei der ÖVP: 4 : 1!) Wie 4 plus 1 33 ergibt, ist Ihr Problem. – Da­mit ist ein interessanter Hinweis gegeben, denn diese 33-köpfige Bewertungskom­mission hat durchaus Dinge zu Tage gefördert, die in Wahrheit zum Schluss der Etap­pe Folgendes zu erkennen gegeben haben – ich zitiere die Einsichtsbemerkung des Leiters der Gruppe Feld- und Luftzeugwesen –:

Zu Folge der festgestellten annähernden Gleichwertigkeit der Angebote und der gege­benen Erfüllung der Anforderungen für die Luftraumüberwachung wird vorgeschlagen, dem Produkt mit den geringeren Anschaffungs- und Betriebskosten, also dem Gripen, den Vorzug zu geben. – Zitatende.

Das ist eindeutig! Genauso eindeutig ist etwa ein Aktenvermerk des Herrn Ministerial­rates Wagner, der schon davon spricht, dass die vier Unterkommissionsleiter eine er­zwungene Vergabeempfehlung abgegeben haben – da sind wir jetzt bei Ihrem 4 : 1 –, eine erzwungene Vergabeempfehlung!

Wenn Sie da hinten (in Richtung ÖVP) auch noch so viel herumnuscheln, es wird nichts helfen. Wir werden diese Dinge morgen für Sie, die Sie jetzt noch lachen – schauen wir, ob Sie noch länger lachen –, kopieren und Ihnen übermitteln, damit Sie zum Schluss nicht sagen können, Sie hätten nie etwas gewusst. Hören wollen Sie of­fensichtlich nicht, vielleicht sind Sie noch des Lesens fähig. Sie sollten Ihre Verantwor­tung als Abgeordnete ernst nehmen und nicht nur das nachbeten, was hier (in Rich­tung Regierungsbank) herunterkommt! Das ist das Wesentliche. (Beifall bei den Grü­nen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Deshalb werden wir Sie bis morgen, so gut wir können, mit diesen Unterlagen informie­ren, weil bis zur morgigen Beschlussfassung offensichtlich alles getan werden soll, um die Dinge zu verschweigen. – Das können wir nicht zulassen. Sie werden Ihrer Ver­antwortung nicht entkommen.

Wenn Sie behaupten, die ganze Sache sei billiger geworden, dann genügt ein einfa­ches Rechenbeispiel: Am Ende sind 18 Abfangjäger teurer als zunächst 24. – Und da wollen Sie uns immer noch vorhupfen, dass das billiger wird. (Bundeskanzler Dr. Schüssel: Das ist ja falsch!) – Das ist nicht falsch!

Sie rekurrieren auf die Stückkosten. (Zwischenbemerkung von Bundesminister Mag. Grasser.) – Das hat einen guten Grund. Damit sind wir ganz genau bei diesem schwerwiegenden Vorwurf des Verdachts auf Schiebung. Ich sage ganz bewusst „Ver­dacht“, aber es ist ein schwerwiegender Vorwurf, das ist richtig. Wenn es nämlich so ist, dass Sie die einzige Ausflucht darin suchen ... (Bundeskanzler Dr. Schüssel: ... dass Sie nicht rechnen können! Das ist der Unterschied!) – Herr Bundeskanzler! Sie haben schon genug Gelegenheit gehabt, sich hier intervenierend zu betätigen, viel­leicht erklä­ren Sie sich auch einmal, aber lassen Sie mich das jetzt einmal zu Ende führen! (Abg. Dr. Fasslabend: Sie erzählen seit zwölf Jahren immer das Gleiche!)

Wenn es der Fall sein sollte, dass Sie ein Gutachten haben, das Sie auch nicht auf den Tisch legen wollen, dass die einzige Chance, mit dieser Typenentscheidung und der Reduktion von 24 auf 18 Stück durchzukommen, die Stückkostengleichheit ist, und Sie dann die Stückkosten mit EADS so verhandeln, dass die Kosten möglichst gleich blei­ben, dann stellt sich doch die Frage: Was ist mit den Systemkosten? Haben sie sich verändert oder nicht? Und genau da haben Sie versucht, das mit aller Gewalt unter 2 Milliarden € zu belassen.

Jetzt tauchen Systemkosten auf, die plötzlich keine mehr sein sollen. – An dieser Stelle trage ich Ihnen wieder etwas vor, Herr Finanzminister, ob es Ihnen passt oder nicht. In


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einer Einsichtsbemerkung zur Frage dieser Kostentragung ist genau festgehalten: die bei sonstigen Vertragspartnern anfallenden Systemkosten. Da stellen Sie die Gegen­frage: Welche sonstigen Systemkosten? – Das sind Formulierungen aus dem Landes­verteidigungsministerium und aus dem Finanzministerium. Putzen Sie sich hier nicht so ab, Sie bleiben diese Antwort schuldig!

233 Millionen € tauchen plötzlich auf – und jetzt wollen Sie sagen, das habe mit der Ent­scheidung der Type nichts zu tun, das habe womöglich nichts mit Abfangjägern zu tun!? Was soll denn das sonst sein? Freund-, Feinderkennung, Data Link et cetera. Ent­schuldigen Sie, aber das können Sie nicht einmal mehr einem Laien einreden. Na­tür­lich hat das ursächlich mit der Beschaffung von Abfangjägern zu tun.

Jetzt wollen Sie diese Argumente mehr oder weniger frech, wie ich meine, vom Tisch wischen und sich dieser Auseinandersetzung nicht stellen. Sie werden damit nicht durchkommen. Der Tag des Wahrheitsbeweises wird kommen, auch wenn Sie glau­ben, sich im Windschatten eines Budgetbegleitgesetzes noch einmal drüberschwindeln zu können. Bis zur Vertragsunterzeichnung wird es eine glaubwürdige Aufklärungsar­beit unsererseits geben (Abg. Dr. Fasslabend: Das müssen Sie aber selbst erfinden!), und wir werden Sie auch dann nicht in Frieden lassen. Sie werden aus diesem Schla­massel nicht mehr herauskommen, wenn Sie sich jetzt darauf einlassen. Das sei Ihnen rechtzeitig gesagt, und es würde Ihnen gut tun, wenn Sie sich an diese meine Empfeh­lung halten würden: Stimmen Sie morgen einem Abänderungsantrag zu, der den Arti­kel 69 und damit die Beschaffung der Abfangjäger aus diesem auch sonst unsinnigen Budgetbegleitgesetz herausnimmt! Nutzen Sie eine Ihrer letzten Chancen, darauf ma­che ich Sie aufmerksam!

Wir haben detto die Löcher bei der Übergangslösung. Da können Sie immer sagen, Sie müssen zuerst etwas machen, was dem zweiten Schritt entspricht, nämlich die Abfang­jäger bestellen, dann machen wir den ersten Schritt, und dann schauen wir, wie teuer das ist. – Eine derartige Lösung ist überhaupt nur deshalb notwendig geworden, weil – hier wieder der Verdacht auf Schiebung – Eurofighter nicht in der Lage ist, im Jahr 2005 zu liefern. Jetzt müssen wir diese Übergangslösung bereitstellen, und siehe da: wieder Kosten von über 200 Millionen €! – Sagen Sie doch etwas dazu. Sagen Sie, dass es billiger ist, aber dann liefern Sie bitte auch den Beweis!

Zuletzt zu den Betriebskosten. Ursprünglich waren Sie in der Bewertung enthalten, aber sie sind herausreklamiert worden, und das aus gutem Grund: weil der Eurofighter das mit Abstand teuerste Produkt ist!

Zu all diesen Dingen wollen Sie weiter schweigen oder mit Ihrem Nebelwerfer in der Gegend herumfuchteln. Das wird aber nichts helfen. Steigen Sie aus aus diesem Ver­tragswerk, und versuchen Sie, die Möglichkeiten der Ausschreibung zu nutzen. Dort steht klipp und klar: Der Republik entfallen keine weiteren Kosten als jene, die bis zu dem Zeitpunkt des jeweiligen Ausstiegs angefallen sind.

Ich empfehle Ihnen: Machen Sie keinen Vertragsentwurf, in dem diese Formel nicht vorkommt, damit nämlich die Folgekosten, die Sie damit verursachen, noch rechtzeitig ge­mindert oder auch, wenn Sie so wollen, noch abgefangen werden können von an­deren Mehrheiten und anderen Bundesregierungen! Es wäre noch möglich. Verbau­en Sie diese Möglichkeit nicht, darauf mache ich Sie aufmerksam!

Wir werden jedenfalls in dieser Sache weiterkämpfen, damit es nicht zur größten Ver­schwendung kommt (Beifall bei den Grünen – Präsident Dr. Khol gibt das Glocken­zeichen) und damit nicht, Herr Bundesminister, ...

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Den Schlusssatz, bitte!

 



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Abgeordneter Mag. Werner Kogler (fortsetzend): ... ich muss es leider sagen, Verrat am Steuerzahler begangen wird. Diese Vorgangsweise und eigentlich Sie selbst sind damit untragbar geworden! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

15.55

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir fahren in der Debatte fort. Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Amon. Redezeit: 8 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


15.55

Abgeordneter Werner Amon, MBA (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bun­deskanzler! Meine Herren Bundesminister! Meine Damen und Herren! Wir haben es eben gehört: Es besteht ein schwerer Verdacht, nämlich der schwere Verdacht, dass die Grünen, insbesondere Herr Kollege Kogler, den Rechnungen des Herrn Bun­desministers für Finanzen nicht folgen können. – Das ist der ganze Verdacht, der be­steht. (Beifall bei der ÖVP und den Frei­heitlichen.)

Sie werfen dem Bundesminister für Finanzen vor – und das ist überhaupt das Drama­tischste –, dass er, bevor es zur Typenentscheidung gekommen ist, Gespräche mit den Anbie­tern geführt hat. – Das ist auch wirklich unglaublich verwerflich! Ich weiß nicht, Kollege Kogler, ob Sie ein Auto besitzen – als Grüner sollten Sie eigentlich nicht –, aber wenn Sie ein Auto kaufen, weiß ich nicht, wie Sie das halten? Gehen Sie auch, nachdem Sie das Auto gekauft haben, zu anderen Händlern und verhandeln mit diesen im Nachhi­nein? Ich glaube, das kann es nicht sein.

Herr Kollege Kogler! Herr Kollege Pilz! Sie agieren hier in einer Art und Weise, in der, wie ich glaube, wir nicht miteinander reden sollten. Das setzt sich seit den Ausschuss­beratungen in einer Linie fort. Kollege Kogler hat via Austria Presseagentur angekün­digt, er werde die drei Bundesminister ins Kreuzverhör nehmen; eine Diktion aus dem Gerichtswesen, wie mir scheint.

Zum einen ist es relativ problematisch, allein jemanden ins Kreuzverhör zu nehmen, das ist physisch nur sehr schwer möglich, zum anderen aber geht es hier um etwas ganz anderes. Da wird von „Kreuzverhör“ gesprochen, da wird von „Schiebung“ ge­sprochen – das ist eine Sprache, mit der Sie versuchen, von vornherein zu kriminalisie­ren. Alles, was Sie – oder andere, ich weiß es nicht – an Vorwürfen der Staatsanwalt­schaft übermittelt haben, wurde innerhalb von wenigen Tagen als völlig haltlose Unter­stellung niedergelegt. Es ist überhaupt nichts dran an Ihren Vorwürfen. Sie als Opposi­tioneller sollten sich endlich einmal inhaltlich mit der Frage auseinander setzen und nicht ständig versuchen, zu kriminalisieren und Malversationen und Ähnliches zu un­terstel­len! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Sie werfen Herrn Bundesminister Grasser vor, dass er zu Beginn der Eurofighter-Debatte, zu Beginn der Debatte um die Abfangjäger-Nachbeschaffung der Meinung war, dass man vielleicht davon Abstand nehmen könnte. Das mag aus der Sorge um das Budget entstanden sein, aus anderen politischen Gründen, es mag viele Gründe geben, weshalb er dieser Meinung war – seine Meinung zu ändern ist aber sicherlich nicht kriminell, und es ist keine Schiebung. Nehmen Sie das endgültig zur Kenntnis! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Zum Grundsätzlichen: Seit dem Jahre 1959 haben alle Bundesregierungen, ganz gleich, wie sie zusammengesetzt waren, ob ÖVP-Alleinregierungen, ob SPÖ-Allein­regierungen, ob die frühere kleine Koalition aus SPÖ und FPÖ, ob die große Ko­alition oder jetzt die Koalition aus ÖVP und FPÖ, alle Regierungen haben sich immer zu einer Luftraumüberwachung auch mit Luftraumüberwachungsflugzeugen bekannt. Also of­fensichtlich gibt es hier so etwas wie eine staatspolitische Erkenntnis insbe­sondere in der Rechtslage der Neutralität, wonach bis hin zum ehemaligen Präsidenten des Ver-


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fassungsgerichtshofs alle namhaften Verfassungsrechtler der Meinung waren, dass zur Umsetzung der Neutralität selbstverständlich auch eine Luftraumüberwachung mit ent­sprechendem Fluggerät notwendig ist.

Ich möchte hier auch einen sehr unverdächtigen Zeugen – viele sind heute schon ge­nannt worden – zitieren, der gesagt hat: Wir haben natürlich, das darf nicht vergessen werden, aus dem Staatsvertrag, aus der Neutralität und durch die Verteidigungsdoktrin ganz eindeutige Verpflichtungen. Das sind Flugzeuge für die Luftkontrolle. Sie haben die Aufgabe, Flugkörper zu identifizieren, sie zu warnen und dazu zu bringen, wieder das österreichische Luftgebiet zu verlassen. – Dieses Zitat stammt von niemand Ge­ringerem als von Herrn Nationalratspräsidenten Dr. Heinz Fischer, bestimmt ein unab­hängiger Zeuge in diesem Zusammenhang und auch unverdächtig. (Präsident Dr. Fi­scher übernimmt den Vorsitz.)

Ich möchte noch einmal in Erinnerung rufen, worin die Strategie insbesondere der Grü­nen in dieser gesamten Debatte besteht. Warum sind denn die Grünen so aggressiv in ihrem Versuch, der Bundesregierung hier etwas am Zeug zu flicken? Da Sie ja mit kei­nen neuen Vorwürfen gekommen sind, Herr Kollege Kogler – wir warten ja förmlich darauf, dass Sie diesbezüglich irgendetwas vorzubringen haben, aber Sie haben ganz einfach nichts! –, muss ich Ihnen noch etwas sagen, was ich Ihnen im Ausschuss auch schon gesagt habe; ich glaube nämlich, dass das durchaus auch eine breitere Öffent­lichkeit interessiert.

Sie haben im Dezember des Jahres 2001 parlamentarische Anfragen an den Herrn Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit ebenso wie an den Herrn Bundesminister für Finanzen und an den Herrn Bundesminister für Landesverteidigung eingebracht. Was war denn der Inhalt dieser parlamentarischen Anfragen? – Sie haben darin aufgewor­fen, dass angeblich SAAB und damit British Aerospace das Industriewissenschaftliche Institut beauftragt haben, in Österreich eine Studie im Zusammenhang mit der Nach­beschaffung von Luftraumüberwachungsflugzeugen durchzuführen. Und das, was Sie in dieser parlamentarischen Anfrage unterstellen, ist, dass in der Ausschreibung für die Nachbeschaffung alles so formuliert wäre, dass die Bundesregierung eigentlich nur eine Entscheidung für den SAAB-Gripen treffen kann. – Das haben Sie zu unterstellen versucht. Hätte die Bundesregierung dann eine Entscheidung für den SAAB-Gripen getroffen, wäre es für Sie natürlich ein Leichtes gewesen, auf diese parlamentarische Anfrage zu verweisen, in der Sie der Bundesregierung von vornherein zu unterstellen versucht haben (Abg. Mag. Kogler: Das war damals auch der Stand! ...!), die Ent­scheidung für den SAAB-Gripen sei ohnehin bereits gefallen.

Blöde Geschichte: Die Beschaffungskommission des Bundesheeres trifft eine andere Entscheidung! Diese Beschaffungskommission ist 33-köpfig und umfasst 5 Spezial­gruppen, daher dann das Ergebnis 4 : 1. Auch der Verdacht liegt nahe, dass Sie sich deshalb nicht erklären konnten, warum das Ergebnis 4 : 1 ausgefallen ist: Es gab fünf Bereiche, die eben die Entscheidung im Verhältnis 4 : 1 getroffen haben, Herr Kolle­ge Kogler! Und diese Beschaffungskommission hat sich eben für den Eurofighter Typhoon entschieden. (Abg. Mag. Kogler: Da ist von einem Gegengeschäft überhaupt keine Rede!) Es ist sowohl Herrn Bundesminister außer Dienst Werner Fasslabend zu dan­ken, dass er maßgeblich dazu beigetragen hat, dass diese Beschaf­fungen aus politi­schen Entscheidungen herausgehalten werden konnten, als auch Herrn Klubobmann Scheibner, der diese Beschaffung vorbereitet hat, und Herrn Bundes­mi­nister Platter, der sie in eindrucksvoller Weise umgesetzt hat.

Abschließend noch ein Satz zur SPÖ, weil die SPÖ hier einen wirklich „beeindrucken­den“ Kurs fährt: Ich möchte darauf verweisen, dass der Wehrsprecher der SPÖ – ich nehme an, dass dieser in Wehrangelegenheiten immer noch für die SPÖ spricht – zu­nächst ein­mal davon gesprochen hat, dass es „keine Alternative zu neuen Flugzeugen“


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gibt, und dass er wörtlich gesagt hat, es müsse unbedingt „Kompensationsgeschäfte“ im Ausmaß „von mindestens 100 Prozent“ geben. – Jetzt haben wir mehr als das Dop­pelte. In diesem Zusammenhang hätte ich mir eigentlich ein Lob von Seiten der SPÖ ge­wünscht!

Und das Allerbeste ist, dass es dann in einem Artikel der „Salzburger Nachrichten“ wörtlich hieß:

„Wenig hält Gaal davon, die Draken durch gebrauchte Flugzeuge – etwa die von der niederländischen Armee angebotenen F 16 – zu ersetzen. Diese Variante sehe auf den ersten Blick zwar billiger aus, käme auf lange Sicht aber teurer, da man dann bald wie­der vor einer Nachfolge-Frage stünde.“

Genau deshalb ist die Entscheidung, die die Beschaffungskommission getroffen hat, eine sehr gute Entscheidung. Nehmen Sie das zur Kenntnis und beenden Sie Ihre Kri­minalisierungsversuche! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

16.03

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Gaál. Die Uhr ist auf 8 Minuten gestellt. – Bitte.

 


16.04

Abgeordneter Anton Gaál (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Meine Her­ren Bundesminister! Sehr geehrte Damen und Herren! (Abg. Mag. Mainoni: Du musst den neuen Kurs mittragen jetzt!) Herr Kollege Amon, es ist natürlich keine gute Entschei­dung, diese Kampfflugzeuge zu kaufen. Ich kenne auch keinen Verfassungs­rechtler, der sagen würde, dass man aus Neutralitätsgründen solche Kampfflugzeuge anzu­schaffen hätte. (Zwischenrufe der Abgeordneten Gahr und Mag. Donnerbauer.) Das ist sicher nicht wahr. Sie wissen sehr wohl auch, dass dieser Kauf von Kampf­flug­zeugen nichts mit Luftraumüberwachung zu tun hat. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Meine Damen und Herren! Es ist wirklich unglaublich, mit welchem Trick Sie, Herr Fi­nanzminister, beziehungsweise die Bundesregierung hier versuchen, diese milliarden­schwere Beschaffung noch vor Erscheinen des Rechnungshofberichtes unter Dach und Fach zu bringen. (Abg. Mag. Molterer: Ist das der Wehrsprecher?)

Herr Bundeskanzler, Sie haben heute ein Bekenntnis zur Exekutive und zum österrei­chischen Bundesheer eingefordert. Wir, die Sozialdemokratie – das hat ja die Vergan­genheit, die Politik der letzten 30 Jahre gezeigt –, bekennen uns zur Exekutive und zum österreichischen Bundesheer! Es hat unter Kreisky, den Sie heute oft zitiert ha­ben, und unter Sinowatz das höchste Budget für Landesverteidigung im Vergleich zur Wirtschaftskraft des Landes gegeben, meine Damen und Herren!

Aus Sorge um die Zukunft des österreichischen Bundesheeres lehnen wir diese sünd­teure Beschaffung ab! Sie ist nicht erklärbar, sie ist nicht begründbar, und es ist Ihnen heute auch nicht gelungen, Herr Finanzminister, sie zu begründen. (Abg. Mag. Don­nerbauer: Wieso haben Sie sie dann verlangt? – Abg. Mag. Molterer: Sie sind ja dafür gewesen!) Dieser Kauf von Kampfflugzeugen, Herr Finanzminister, hat ja nichts mit luftpolizeilichen Aufgaben zu tun. Sie selbst haben richtigerweise gesagt, es sei hier die Beschaffung von Kriegsgerät für den Luftkampf, für den Luftkrieg vorgese­hen, und daher ist diese Beschaffung für die Luftraumüberwachung nicht erforderlich!

Weil der Herr Vizekanzler – er ist jetzt nicht im Saal – immer wieder davon spricht, dass man keine unsinnigen Vergleiche anstellen dürfe, sage ich Ihnen: Wenn etwas Unsinn ist, dann ist es die milliardenteure Beschaffung dieser Luxus-Kampfjets, die niemand braucht – nicht in Europa und auch nicht bei uns in Österreich! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)


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Ich darf den Herrn Vizekanzler daran erinnern, dass er gesagt hat, dieser Vertrag wer­de, wenn überhaupt, nur unterschrieben, wenn der Rechnungshof-Abschlussbericht hier vorliegt, und nur nach umfassender Prüfung der Nachvollziehbarkeit der Gegen­geschäfte werde die Unterschrift unter diesen Vertrag gesetzt. – Das gilt jetzt alles plötzlich nicht mehr! Auch hier ist der Herr Vizekanzler wortbrüchig geworden, meine Damen und Herren!

Herr Finanzminister, Sie wissen sehr wohl, dass Sie mit dieser sündteuren Beschaf­fung das Bundesheer in die Überschuldung und in den finanziellen Ruin treiben, weil damit kein finanzieller Spielraum mehr für andere dringende, notwendige und wichtige Beschaffungen im Rahmen des Bundesheeres bleibt.

Sie sind im Ausschuss sämtliche Antworten schuldig geblieben (Abg. Murauer: In wel­chem Ausschuss?), da kann ich den Kollegen Pilz nur beschäftigen. (Abg. Neudeck: „Bestätigen“, nicht „beschäfti­gen“!) Auch heute haben Sie viele wichtige Fragen nicht konkret beantwortet und daran vorbeigeredet, indem Sie sehr allgemein formuliert ha­ben.

Warum, Herr Finanzminister – das haben Sie bis heute nicht beantwortet – gibt es kei­ne Angebotsgarantie, die international üblich ist? Eine solche wurde nicht verlangt! Es gibt nur Absichtserklärungen, keine Verpflichtungen zur Erfüllung der Kompensations­geschäfte. Nichts ist hier verpflichtend vorgeschrieben. Selbst der Rechnungshof findet die Gegengeschäfte problematisch (Rufe von der Regierungsbank: Was? Was?), sehr problematisch, und er schreibt auch, Herr Bundeskanzler, dass inhaltliche Abweichun­gen zwischen Plandokumenten, also etwa Pflichtenheften und Leistungsbestimmun­gen, nachvollziehbar zu dokumentieren wären. – Das ist in keiner Weise geschehen! Er verlangt eine budgetäre Bedeckung des Kaufes – bis heute gibt es kein schlüssiges Finanzierungskonzept, keine finanziellen Vorsorgen! Der Rechnungshof bestätigt also vollinhaltlich die Kritikpunkte der Sozialdemokraten, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ.)

Herr Finanzminister! Ihr Veto vom 2. Juli 2002, an dem die besagte Ministerratssitzung stattfand, ist schon angesprochen worden. Da haben Sie sich wirklich durchgesetzt! Ihr Veto war entscheidend dafür, dass nicht die kostengünstigen SAAB-Gripen gekauft werden, sondern dass man nunmehr darangeht, die sündteuren Eurofighter zu be­schaffen. Sicherheitspolitik, Herr Finanzminister, besteht bei Ihnen also nur in der Be­schaffung dieser sündteuren Kampfflugzeuge! Und wenn man Sie darauf konkret an­spricht, dann sagen Sie wiederum, dass Sie sich in militärischen Fragen nicht so gut auskennen. Ich kann Ihnen sagen, Herr Finanzminister, Sie können Ihr Wissen ein bisschen verbessern, wenn Sie endlich darangehen, Ihren Grundwehrdienst zu leisten! (Heiter­keit bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Neudeck: Aber nicht als Pilot!) Dort können Sie einiges noch selbst erfahren! (Beifall bei der SPÖ.)

Wenn Sie sich länger verpflichten, dann können Sie vielleicht sogar Kampfflieger mit diesen Eurofightern werden! Das ist auch möglich, wenn Sie technisch begabt sind. Aber das überlasse ich Ihnen; ich kenne Sie da zu wenig. (Beifall bei Abgeordneten der SPÖ.)

Herr Finanzminister, ich frage Sie ganz konkret: Warum haben Sie sich so vehement für die teuerste Variante ausgesprochen, für ein Kriegsgerät, das Sie selbst immer wie­der abgelehnt haben? Was war der Grund Ihres plötzlichen Sinneswandels, Herr Fi­nanz­minister? Sicherheitspolitische Argumente können es nicht gewesen sein (Ruf bei der ÖVP: Kollege Gaál, waren Sie beim Bundesheer?), denn Sie wissen so gut wie ich, dass man diese Luxus-Kampfjets für eine Luftraumüberwachung nicht braucht. Was war also der Grund dafür, dass es zu dieser kostenintensiven Vergabeentschei­dung zu Gunsten von EADS gekommen ist? – Diese Frage haben Sie bis heute nicht beant-


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wortet. Nicht finanzierbar!, nicht leistbar!, haben Sie immer wieder gesagt und haben die Finanzierung auf 2007 hinausgeschoben.

Herr Finanzminister, Sie wissen es ganz genau: Wir bekommen einen Flieger, den es nicht gibt, weil er nicht fertig gestellt ist, nicht serienreif ist, nicht heute, nicht 2007 – das ist mit einem großen Fragezeichen zu versehen, denn was die Tranche 2 des Eu­rofighters, die unsere Bedingungen erfüllen soll, betrifft, so ist bis heute noch nicht be­schlossen, dass sie tatsächlich gebaut wird. Das, worüber wir hier diskutieren, ist die Tranche 1, die nicht den österreichischen Bedürfnissen entspricht und nur für Trai­ningszwecke bestimmt ist. Es ist also ein Eurofighter im Testeinsatz, Herr Finanzminis­ter, den wir probieren. Die Truppenbetreuung macht Österreich – das übrige Europa freut sich! Dieses Probieren kostet mehr als 4 Milliarden €!

Dazu kann ich Ihnen nur eines sagen, Herr Finanzminister: Diese Einkaufspolitik ist un­verantwortlich! Sie findet nicht unsere Zustimmung. Wenn Sie ein reines Gewissen haben, dann stimmen Sie doch nachträglich noch der Einsetzung eines Untersu­chungs­ausschusses zu, sodass man diese Abfangjägerbeschaffung umfassend klären kann! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

16.11

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Bösch. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 8 Minuten, im Rahmen der insgesamt möglichen Redezeit von 10 Minuten. – Bitte.

 


16.12

Abgeordneter Dr. Reinhard Eugen Bösch (Freiheitliche): Herr Präsident! Meine Her­ren auf der Regierungsbank! Meine Damen und Herren! Ich habe mir gerade über­legt, wie die SPÖ heute hier am Rednerpult argumentieren würde, wäre sie in der Bun­desregierung. Herr Kollege Gaál, ich glaube, Sie hätten dafür argumentiert, so wie in all den Jahrzehnten, die hinter uns liegen (Abg. Mag. Wurm: Nein! Nein, ...!), und so, wie das auch SPÖler tun, die irgendwo Verantwortung innehaben. (Beifall bei den Frei­heitlichen und der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Dort, wo die SPÖ noch in der Regierung ist, hat sie noch einen Rest an staatspolitischer Verantwortung – so zum Beispiel in der Steiermark. Dort stimmen Ihre Genossen auch einer Präsentation des Eurofighters im Rahmen der Flugshow von Zeltweg zu. (Ironische Heiterkeit des Abg. Gradwohl.) Die Flugshow von Zeltweg mit ungefähr 250 000 Besuchern ist ein wirtschaftlicher Impuls für die Re­gion – Herr Kollege, Sie werden das besser wissen als ich! Auf alle Fälle sollte die SPÖ hier ihre Unglaubwürdigkeit nicht noch mehr zelebrieren.

Meine Damen und Herren! Ich habe mir aber auch überlegt, wie die Grünen heute hier argumentiert hätten, hätte die Bundesregierung eine andere Type ausgewählt. Ich ha­be mir überlegt, wie Herr Kollege Pilz und Herr Kollege Kogler hier am Redner­pult de­battiert hätten, wenn sich die Regierung für den SAAB-Gripen entschieden hät­te. In Ihrer Anfrage sprechen Sie ja auf Seite 3 von einer „Verschwedung“. Dieser Lapsus Linguae deckt Sie auf! Sie hätten dann, nehme ich an, hier am Rednerpult in derselben Vehemenz dagegen argumentiert wie jetzt gegen den Eurofighter.

Oder allein der Ge­danke, die Bundesregierung hätte sich für den F-16 entschieden und damit sozusagen eine Maschine vom imperialistischen Klassenfeind des Herrn Dr. Pilz ausgewählt: Er wäre heute hier zur Höchstform aufgelaufen und hätte keine so billige Figur ge­macht, wie das der Fall war. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Ihre unwahren Behauptungen und Ihre kryptischen Andeu­tungen werden dadurch, dass Sie sie hier am Rednerpult oder auch in den Ausschüs­sen und in der Öffentlichkeit immer öfter wiederholen, nicht wahrer. Der von der Bewer-


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tungskommission im BMLV in einem nachvollziehbaren Verfahren als eindeutig Best­qualifizierter ermittelte Eurofighter Typhoon wurde von der Bundesregierung als Nach­folgetype für die auslaufenden Draken ausgewählt. Sowohl zwei in jüngster Zeit in Auf­trag gegebene Rechtsgutachten als auch der Rechnungshof, der bis zum Ende des Wettbewerbes involviert war, haben die Richtigkeit des Vorgehens beim Be­schaf­fungs­vorgang bis jetzt bestätigt. (Abg. Mag. Kogler: Das ist falsch!) In einem Be­richt über die Ausschreibungsmodalitäten liegt das auch vor, und das haben Sie auch nie be­stritten, Herr Kollege Kogler. (Abg. Mag. Kogler: Doch! Jetzt wieder!)

Die Staatsanwaltschaft Wien hat alle Verdachtsmomente, die Sie hier wieder erneuert haben, einschließlich der Korruptionsvorwürfe genauestens geprüft und sämtliche An­zeigen – das sollten Sie auch einmal zur Kenntnis nehmen! – zurückgelegt. (Abg. Mag. Kogler: Die sind eh alle von der F gekommen! ...!)

Meine Damen und Herren! Der Eurofighter ist ein hochmodernes Flugzeug, das für die nächsten 30 bis 40 Jahre in der Lage ist, den österreichischen Luftraum zu sichern. Die Beschaffung von Eurofightern ist daher eine Investition für die langfristige Sicherheit Österreichs. Die Kosten werden erst ab 2007 schlagend – das ist in der Debatte schon des Öfteren von uns klargelegt worden und mittlerweile auch von Ihnen nicht mehr zu bestreiten –, also in der nächsten Legislaturperiode. All die von Ihnen gezogenen Pa­rallelen zur Pensionsreform und zu all diesen anderen politischen Bereichen treffen daher nicht zu.

Die Zahlung wird ab dem Jahr 2007 in neun Jahren in jährlichen Raten von 200 Mil­lionen € erfolgen. Der Herr Finanzminister hat das hier auch in aller Klarheit darlegen können. Die durch die Übergangslösung zwischen den Jahren 2005 und 2007 ent­stehenden Mehrkosten gehen ausschließlich, meine Damen und Herren, auf das Konto jener, die eine zeitgerechte Entscheidung und die Beschaffung neuer Flugzeuge bisher erfolgreich verhindern konnten.

Darüber hinaus wird die österreichische Wirtschaft von der Beschaffung der Eurofighter in erheblichem Maße profitieren: Bis 2017 ist mit Gegengeschäften in der Höhe von 4 Milliarden € zu rechnen. Wir sollten bei all diesen Aspekten für die österreichische Wirtschaft auch die Erhaltung der Arbeitsplätze nicht vergessen. Gerade die Kollegen von der SPÖ, die dieses Argument immer wieder im Munde führen, sollten bedenken, dass eine Zerstörung der österreichischen Luftwaffe überhaupt mehrere tausend Ar­beitsplätze in den Regionen selbst, aber auch im Bundesheer gefährdet.

Meine Damen und Herren! Diese Gegengeschäfte machen 200 und mehr Prozent des Anschaffungspreises mit den Finanzierungskosten oder 240 Prozent des Netto-Anschaffungspreises aus. Durch diese Kompensationsgeschäfte kann der Wirtschafts­standort Österreich gerade im Bereich der Hochtechnologie gesichert und auch ausge­baut werden. Sie sollten das in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen wir uns befinden, auch endlich einmal anerkennen!

Meine Damen und Herren! Sie haben heute hier wieder ein billiges Oppositions­spiel­chen auf Kosten der Sicherheit der österreichischen Bevölkerung geliefert. Ich als frei­heitlicher Abgeordneter finde das bedauerlich.

Die Regierung wird hinter die­sen Entscheidungen, die sie getroffen hat, stehen. – Dan­ke. (Beifall bei den Freiheitli­chen und der ÖVP.)

16.17

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gemeldet hat sich Herr Bundesminister Platter. In der Debatte darf kein Redner länger als 10 Minuten sprechen. Ich werde daher auch jetzt das Licht einschalten. – Bitte, Herr Bundesminister.

 



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16.18

Bundesminister für Landesverteidigung Günther Platter: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Geschätzter Herr Finanzminister! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abge­ordneten! Hohes Haus! Ich möchte im Folgenden einige allgemeine Bemerkun­gen ma­chen, weil ich immer wieder feststellen muss, dass die Luftraumüberwachung zur Gän­ze in Frage gestellt wird.

Zum Ersten, meine Damen und Herren: Worum geht es eigentlich? – Es geht um die Überwachung und Sicherung unseres Luftraumes zum Schutze der Bevölkerung, zum Schutze der Österreicherinnen und Österreicher und zur Sicherung der Souveränität unserer Republik Österreich. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitli­chen. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Ich stelle immer wieder fest, dass Schutz und Sicherheit am Boden nicht in Frage gestellt werden. Daher ist es für mich völlig absurd, dass man die Luftraumüberwachung und die Luftraumsicherung in Frage stellt.

Geschätzte Damen und Herren! Diese Beschaffung der Luftraumüberwa­chungs­flug­zeuge ist kein Selbst­zweck der Bundesregierung, ist kein Selbstzweck für das Bundes­heer, sondern diese Beschaffung für die Luftraumüberwachung ist notwendig für die Sicherung und die Si­cherheit der Republik Österreich! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Frei­heitlichen.)

Zum Zweiten: Gerade in der heutigen Debatte – das habe ich am Vormittag gehört – wurde die Bedrohungslage strapaziert. Wie werden wir bedroht? – Meine sehr geehr­ten Damen und Herren! Wenn man sich die derzeitige Situation anschaut, dann muss man feststellen, dass neben den Massenvernichtungswaffen natürlich der internationa­le Terrorismus eine große Bedrohung für Europa und darüber hinaus darstellt. (Zwi­schenruf der Abg. Dr. Lichtenberger.) Halten wir uns doch einmal die Situation vor Augen, der wir uns am 11. September 2001 gegenübersahen! Und da wollen Sie die Sicherung des Luftraumes aufgeben, meine sehr geehrten Damen und Herren? (Abg. Eder: Was nützen denn da die Abfangjäger?)

Schauen wir uns auch die Situation im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg an. Wie froh waren wir, dass Sicherheit gegeben wurde! Hier wurde eine perfekte Arbeit zur Siche­rung unseres Luftraumes geleistet! (Rufe bei der SPÖ und den Grünen: Gegen wen? – Abg. Dr. Pilz: Gegen die irakische Luftwaf­fe?) Und all das wollen Sie auf­geben, meine Damen und Herren? – Dazu ein klares Nein! Wir wollen die Sicherung des Luftraumes weiterhin gewährleisten. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Zum Dritten: Herr Abgeordneter Pilz! Es können manche Abgeordneten nicht glauben, dass ein solch großer, solch wichtiger Beschaffungsakt ohne Skandal, ohne Korruption und ohne Schiebung über die Bühne gebracht werden wird. (Abg. Dr. Pilz: Es besteht der Verdacht der Schiebung!) Meine Damen und Herren! Ich sage Ihnen aus einem ehrlichen Gewissen heraus: Dieser Beschaffungsvorgang wird korrekt, sauber und einwandfrei durchgeführt! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitli­chen.)

Zum Vierten: Es wurden heute viele Fragen an den Herrn Finanzminister gestellt, die äußerst seriös beantwortet wurden. (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ und den Grü­nen.) Als Verteidigungsminister schließe ich mich all diesen Argumenten an. Nun kön­nen Sie, geschätzte Damen und Herren von der Opposition, diese Anschuldigungen zwar immer wieder wiederholen, unsere Antwort aber wird immer eine klare, eine ein­deutige sein: Dieser Beschaffungsvorgang wird einwandfrei, korrekt und sauber über die Bühne gebracht. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)


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Zum Fünften: Interessant ist die Argumentation, die man immer wieder hört. Ich habe mir die Liste der Befürworter von Abfangjägern angeschaut. Der Bundeskanzler und der Finanzminister haben dies bereits ausgeführt, und auch ich darf Ihnen dazu Fol­gendes sagen:

Präsident Fischer hat am 11. Oktober 1984 im „Kurier“ ein Ja zu den Abfangjägern ge­sagt. (Abg. Mag. Kogler: 1984?!) Das Bundesheer werde nicht demontiert, aber auch nicht aufgerüstet, er sage ein klares Ja zu Abfangjägern! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Stummvoll: Bravo, Fischer!)

Bundeskanzler Vranitzky hat am 7. Juni 1988 im ORF-„Abendjournal“ zum Thema Ab­fangjäger Folgendes gesagt (Abg. Dr. Pilz: Die Wahrheit ist eine Tochter von EADS!) – ich zitiere –:

Ich selber bin wirklich nicht dafür bekannt, glühender Militarist oder eisenfressender Kommiskopf zu sein, aber wir können nicht in einer Umgebung, in der alle Länder die Landesverteidigung ernst nehmen, diese nicht ernst nehmen, diese auf das Niveau eines regionalpolitischen Geplänkels herunterdrängen, weil die einzige wirklich ernste Folge all dessen wäre, dass wir dann als Staat mit unserer Landesverteidigung in ganz Europa nicht ernst genommen würden, und dafür stehe ich nicht zur Verfügung. – Zitat­ende.

Also eine klare Pro-Abfangjäger-Aussage von Bundeskanzler Vranitzky! (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Scheibner.)

Herr Bundeskanzler Sinowatz am 28. Juni 1984 zum Thema Abfangjäger – ich zitiere (Abg. Dr. Puswald: ... 2003 haben wir, nicht 1984!) –:

Wenn hier eine sinnvolle Verknüpfung Militär–Aufträge–Arbeitsplätze möglich ist, dann bin ich für den Kauf von Abfangjägern. – Zitatende.

Geschätzte Damen und Herren! Diese Liste kann man fortsetzen. Neben Fischer, Si­nowatz und Vranitzky finden sich auf der Liste der Befürworter von Abfangjägern auch Kreisky, Benya, Gratz, Kirchschläger, Schieder und dergleichen mehr. (Abg. Öl­linger: Und alle waren für den Eurofighter?! – Ironische Heiterkeit bei der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Zum Schluss kommend: Ich muss leider feststellen und zur Kenntnis nehmen, dass die umfassende Landesverteidigung – und dazu gehört natür­lich auch die Sicherung des Luftraumes – als parteipolitischer Spielball verwendet wird. (Abg. Öllinger: Absurdes Theater!)

Ich ersuche Sie daher, meine sehr geehrten Damen und Herren von den Grünen und der SPÖ: Übernehmen Sie ebenfalls Verantwortung und nehmen Sie die Sicherheit unseres Landes ernst. Ich ersuche Sie aufrichtig: Rechnen Sie nicht immer wieder die Leistungen für Sicherheit gegen Leistungen des Sozialen auf!

Meine Damen und Herren! Sicherheit braucht Verantwortung! Und wir nehmen diese Verantwortung wahr. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Öllinger: Eine sehr schöne Zitatensammlung war das! – Abg. Eder: ... total für die Katz’!)

16.24

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Als Nächste gelangt Frau Abgeordnete Dr. Lich­ten­berger zu Wort. Sie möchte 5 Minuten sprechen. – Bitte, Frau Abgeordnete.

 


16.24

Abgeordnete Dr. Evelin Lichtenberger (Grüne): Sehr geehrte Damen und Her­ren! Herr Präsident! Herr Minister! Herr Minister, wir diskutieren heute nicht über die Frage der Luftraumüberwachung insgesamt, sondern über eine Typenentscheidung – und das ist ein gravierender Unterschied (Abg. Scheibner: Aber sind Sie jetzt dafür oder


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gegen die Luftraumüberwachung?), wenngleich ich gerne anmerke, dass diese Debatte über die Luftraumüberwachung und darüber, in welcher Art und Weise sie stattfinden soll, in diesem Haus geführt werden muss. Dazu bin ich auch gerne bereit. (Abg. Scheibner: ... schon seit vielen Jahren!)

Wenn Sie aber dieses Thema andiskutieren, Herr Minister, dann erwarte ich mir von Ihnen eine gewisse Trennschärfe zwischen dem Vorwurf der Massenvernichtungswaf­fen, die der Irak besessen haben soll – es wird gerade im britischen Parlament darüber diskutiert –, und der österreichischen Aufgabe der Luftraumüberwachung. (Abg. Scheibner: Das haben Sie schon wieder nicht verstanden, Frau Kollegin!) Diese unzu­lässigerweise zu vermischen lässt schon den Verdacht aufkeimen (Abg. Amon: Das hat keiner vermischt!), dass man hier mit der Keule droht, um irgendetwas zu verde­cken, was sonst mehr als undurchsichtig ausschaut, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen.)

Die Herren von der Regierungshälfte haben sich in ihren Debattenbeiträgen weiters darüber aufgeregt und alteriert, dass sich die Opposition für die Höhe der Ausgaben und die Beschaffungsvorgänge bei militärischem Gerät so heftig interessiert. Ja leider mussten wir die Erfahrung machen, dass die große Transparenz auf diesem Felde nicht herrscht und auch – man muss es wirklich so sagen – nie geherrscht hat.

Es war mein Hobby im Verteidigungsausschuss, Sie immer wieder darum zu ersuchen, endlich die Liste der Kompensationsgeschäfte für die schon getätigten Anschaffungen vorzulegen. Sie ist nie aufgetaucht! (Abg. Mag. Kogler: Jawohl!) Zu Ihrem jetzigen Versprechen, das werde irgendwann im Internet stehen, muss ich sagen: Die Botschaft hör’ ich wohl, allein bei Ihnen, Herr Finanzminister, fehlt mir noch mehr wie bei allen Ihren Vorgängern der Glaube! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ich möchte vor allem über zwei Fragen, die, zugegeben, in der heutigen Dringlichen Anfrage neu aufgetaucht sind, etwas genauer sprechen. Erstens geht es um jene 233 Millionen € von so genannten bei sonstigen Vertragspartnern anfallenden System­kosten, die Sie sich weigern in den Gesamtpreis einzurechnen, denn sonst kämen Sie mit dem Gesamtpreis über 2 Milliarden €, und dann würde auf dem Tisch liegen, dass 18 Abfangjäger plötzlich viel mehr kosten als vorher 24!

Nun kenne ich das aus dem Supermarkt, dass man manchmal 10 Kilo Kaffee in der Relation billiger bekommt, als wenn man nur ein Paket kauft. (Abg. Scheibner: Ja, aber so einfach ist das nicht bei den Flugzeugen wie beim Kaffee! Das ist ein biss­chen ein ...!) Aber in dieser Kategorie von Beschaffungen würde ich solche Milchmäd­chenrechnungen nicht unterstellen, denn auch die Verhandlungspartner – und das sind ja erfolgreiche große Konzerne – sind nicht auf der Milch- respektive Nudelsuppe da­hergeschwommen (Abg. Scheibner: Nein! Aber auch nicht im Kaffee!) und kennen sich aus, vielleicht ein bisschen besser als einige der Herren, die hier darüber gespro­chen haben. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

In diesen Systemkosten – und die gehören nun einmal zu den Abfangjägern – sind ja Dinge enthalten wie zum Beispiel die Pilotenausbildung oder das Flugfunknetz für den Eurofighter – na nicht wird das zum Beschaffungsvorgang gehören! Wenn Sie uns das einreden wollen, dann rechnen wir überhaupt alles weg und letzten Endes bleibt nur ein Tretradl übrig, das man dann aus den Reifen macht, oder sonst etwas. Und dann können Sie sagen: Eigentlich hat es gar nichts gekostet!

Meine Damen und Herren! Solche Rechnungen sind für Menschen, die über Budgets entscheiden und entscheiden müssen, nicht akzeptabel und nicht hinzunehmen! (Bei­fall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)


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Das Freund-Feind-Erkennungssystem und den Data-Link nicht dazurechnen zu wollen, das ist wirklich mehr als undurchsichtig und mehr, als in der Vergangenheit in diesen Beschaffungsvorgängen an Undurchsichtigkeit geboten wurde.

Zum zweiten Punkt, der mir besonders aufgefallen ist: Der Herr Finanzminister hat heute etwas klar und deutlich erzählt – was sonst unüblich war –, nämlich dass er sich als Einziger und noch dazu als unzuständiger Minister mit etlichen Firmenvertretern getroffen hat. (Abg. Öllinger: Interessehalber!) Die Namen, die er aufgezählt hat, wa­ren nicht auf die gesamte Palette der Anbieter verteilt, sondern das waren EADS-Na­men, und zwar ausschließlich! (Zwischenbemerkung von Bundesminister Mag. Gras­ser.) – Auch wenn Sie mir jetzt ins Genick reden, ich muss mich auf das beziehen, was Sie vorher in Ihrer Anfragebeantwortung gesagt haben, und das war erstens mehr als dürftig und zweitens in dem, was Sie gesagt haben, sehr aufschluss­reich. (Abg. Gaál: Aufklärungsbedürftig!)

Deswegen, Herr Minister, bringe ich wieder einen Entschließungsantrag ein, der for­dert, was unabdingbar notwendig ist, nämlich eine detaillierte Untersuchung der Vor­gänge, die zu dieser Beschaffung geführt haben.

Der Antrag lautet:

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Dr. Pilz, Mag. Kogler, Dr. Lichtenberger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Abbruch des Beschaffungsvorganges von Eurofighter-Typhoon

Der Nationalrat wolle beschließen:

Die Bundesregierung wird aufgefordert, alle nötigen Schritte zum Abbruch des Be­schaffungsvorganges von Eurofighter-Kampfjets zu unternehmen, wie es auch im Ab­fangjäger-Volksbegehren von 624 807 ÖsterreicherInnen gefordert worden ist, und dem Nationalrat darüber zu berichten.

*****

Meine Damen und Herren! (Abg. Mag. Molterer – in Rich­tung des Präsidenten Dr. Fi­scher –: Redezeit! – Präsident Dr. Fischer: Freiwillig!) Ein Untersuchungsausschuss in dieser Sache ist unausweichlich! (Ah-Rufe bei Abgeordne­ten der ÖVP.) Er steht Ihnen ins Haus, früher oder später, es wird so weit kommen. – Danke. (Beifall bei den Grü­nen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

16.31

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Der vorgetragene Entschließungsantrag der Abge­ord­neten Pilz, Kogler, Lichtenberger ist ordnungsgemäß eingebracht und unterstützt, steht daher mit zur Verhandlung und Abstimmung.

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Mitterlehner. Die Uhr ist auf 8 Minuten einge­stellt. Auch diese Redezeit ist – so wie die vorige! – freiwillig. – Bitte.

 


16.31

Abgeordneter Dr. Reinhold Mitterlehner (ÖVP): Herr Präsident! Meine sehr ge­ehrten Herren Minister! Meine Damen und Herren! Ich möchte zuerst einmal etwas zu Metho­dik und Diktion der Dringlichen Anfrage sagen.

Es ist mir schon in der Begründung des Herrn Kollegen Pilz aufgefallen: Er stellt eine Dringliche Anfrage, und noch bevor diese Dringliche Anfrage vom Minister in allen De­tails beantwortet wird, gibt er schon eine entsprechende Bewertung ab. (Abg. Dr. Kräu-


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ter: Sie hat gepasst!) Das ist meiner Meinung nach eine unzulässige Vor­gangsweise. Er sollte eine Begründung abgeben – und keine Bewertung!

Das Zweite ist aber eigentlich noch schlimmer, nämlich die Diktion des Ganzen, das als Schiebung oder als Korruption zu bezeichnen, denn im Endeffekt ist das ein straf­rechtlicher Tatbestand. Wenn aber die Staatsanwaltschaft weder Vorerhebungen noch Voruntersuchungen einleitet (Abg. Dr. Pilz: Kommt schon noch!), dann ist dieses Wort kein Ausdruck der politischen Bewertung, sondern hat hier im Parlament absolut nichts verloren, Herr Pilz! Das sollten Sie einmal zur Kenntnis nehmen! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen. – Abg. Mag. Kogler: Warum stimmen Sie dauernd gegen einen Untersuchungsausschuss?!)

Verfolgt man die ganze Angelegenheit weiter, so kommt immer als einer der ers­ten Redner der Sozialisten Herr Abgeordneter Gaál heraus. Es ist überhaupt eigenartig zu beobachten, was er früher gesagt hat und was er jetzt sagt. – Herr Gaál, Sie sprechen ständig von sündteuren Flugzeugen, Luxusflugzeugen und so weiter. Ich glau­be, der einzige Luxus ist, dass sich die SPÖ noch einen Wehrsprecher leistet, denn sonst bie­ten Sie nicht sehr viel in dieser Richtung. (Heiterkeit und Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen. – Abg. Marizzi: Peinlich!)

Sie haben unter anderem zwei Argumente gebracht. Das eine Argument lautet: Warum wartet man nicht ab, bis der Rechnungshof die ganze Angelegenheit der Vergabe ge­prüft hat, sondern entscheidet jetzt? – Der Rechnungshof macht immer eine Ex-post-Beurteilung, und es spricht ja nicht gegen, sondern für die Regierung, dass man die Entscheidung durchträgt, weil es eben eine sachbegründete Entscheidung ist. Nur dann, wenn ich sozusagen selbst den Verdacht hätte, dass da etwas nicht in Ordnung ist, würde ich zurückstellen, abwarten oder sonst etwas tun. Daher ist das Ar­gument mit dem Rechnungshof ein Argument, das sich gegen sich selbst richtet.

Zweitens: Es sind heute unter anderem schon Zitate von Kreisky und welchen Perso­nen auch immer genannt worden, die gesagt haben, sie seien für eine entsprechende Verteidigung und so weiter. Dagegen ist eingewendet worden – nicht von Ihnen, Herr Kogler, das war das letzte Mal, sondern von Herrn Cap –, dass sich das Bedrohungs­szenario gewandelt habe. (Abg. Mag. Kogler: Habe ich auch gesagt!)

Eine wunderba­re Geschichte, aber das, was mich bei dem Ganzen interessiert, sind gar nicht so sehr die Verfassungsgutachten, sondern die Frage: Sind denn die Schwei­zer blöd? Haben die ein anderes Bedrohungsszenario, sodass sie eigentlich nicht da­von Abstand neh­men, 163 Flugzeuge entsprechend zu warten und in der Luft zu hal­ten? (Abg. Reheis: Machen Sie auch eine Volksabstimmung wie in der Schweiz!) Gibt es dort irgendeinen regionalen Unterschied zu uns? Sind die nicht neutral?

Daher hätte ich ganz gerne gehört, wie die Verteidigungstheorie lautet! Wie macht man denn die Luftraumüberwachung, wenn sie nicht in der Form stattfindet, wie sie zurzeit bei uns läuft? (Abg. Reheis: Die Schweizer machen eine Volksabstimmung!) – Das ist ja ganz egal! Im Endeffekt haben sie sich dafür entschieden, und alle anderen Länder in diesem Zusammenhang auch. (Beifall bei der ÖVP.)

Das Dritte, das dann immer kommt – und das haben Sie heute nicht unterscheiden können –, ist, dass es nicht um das billigste Angebot geht, sondern um das beste An­gebot. Und beim Bestangebot sind natürlich die wirtschaftlichen Gegebenheiten auch entsprechend einzubeziehen, deswegen auch die Zuständigkeiten von insgesamt zwei respektive mit Finanzierung drei Ministerien.

In diesem Zusammenhang kommen dann immer die Gegengeschäfte in Diskussion. Frau Lichtenberger sagte gerade: Was heißt Gegengeschäfte? Wird alles transparent abgewickelt? Aber es sei nicht im Internet, und man wisse ja nicht, wann das über-


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haupt hineinkomme. – Frau Lichtenberger! Meines Erachtens ist nicht entscheidend, wann das hineinkommt (ironische Heiterkeit der Abg. Dr. Lichtenberger), sondern die Tatsache, dass es hineinkommt! (Abg. Dr. Lichtenberger: ... 2010!) Wenn das ge­schieht, so ist das der Beweis dafür, dass die Gegengeschäfte tatsächlich abgewickelt worden sind.

Das Nächste, was mir in diesem Zusammenhang an Argumenten auffällt, ist, dass Sie ständig den Eindruck erwecken wollen, als würden wir die Flugzeuge kaufen, damit die Wirtschaft Aufträge erhält. Genau das Gegenteil ist der Fall: Wir kaufen die Flug­zeuge nicht, damit wir Gegengeschäfte machen, sondern weil die verteidigungspoliti­sche Ent­scheidung gefallen ist – und es ist natürlich üblich, dass man Gegengeschäfte macht.

Ich verfolge in den Zeitungen die Argumentation und die Gutachten, wonach das EU-mäßig eigentlich nicht erlaubt sei und gegen irgendwelche Verträge verstoße. Da geht es nur um Rüstung, und Gegengeschäfte werden nicht erlaubt. Es ist aber an sich eine übliche Vorgangsweise. Es ist nach Artikel 296 des Amsterdamer Vertrages möglich, dass hier Geschäfte und Gegengeschäfte entsprechend abgewickelt werden. (Abg. Dr. Lichtenberger: Sie haben aber auch weitergelesen!) Und dass das so ist und in der gesamten EU so gehandhabt wird, geht daraus hervor, dass es bei einem gemein­samen, britisch-deutschen wehrindustriellen Symposium genau diese Auseinander­setzung mit der Thematik Geschäfte im Rüstungsbereich und Gegengeschäfte gege­ben hat, da natürlich nicht jedes Land Rüstungsgüter allein erzeugen kann. Daher: eine ganz normale, eine ganz seriöse Vorgangsweise! (Abg. Dr. Lichtenberger: Sie haben aber schon weitergelesen! Da steht nämlich ganz etwas anderes!) – Wo steht das? (Neuer­licher Zwischenruf der Abg. Dr. Lichtenberger.) – Das schenke ich Ihnen ger­ne, ich brauche es an sich nicht mehr.

Damit kommen wir zu der Frage: Ist das, was an Gegengeschäften vereinbart wurde, in­ternational nicht nur von der Vorgangsweise her akzeptabel, sondern auch vom Volu­men her in Ordnung? – Dazu muss ich sagen: Ja, das ist es! (Abg. Mag. Kogler: Das glauben Sie doch selber nicht!) Über 200 Prozent – 240 Prozent, wenn ich die Finan­zierung weglasse –, das kann sich sehen lassen! Und 5 Prozent Pönale liegen durch­aus im internationalen Rahmen, wie eigentlich die gesamte Vollziehung.

Sie haben heute schon mehrmals ein paar Dinge bemängelt: Man solle auf den Ar­beitsmarkt schauen, Herr Van der Bellen hat Forschung und Entwicklung angespro­chen und gemeint, dass wir zu wenig tun. Auch die Konjunktur wurde mehrmals er­wähnt. – Durch eben diese Vorgangsweise setzen wir entscheidende Impulse für alle drei Bereiche, für den Mittelstand, für den Arbeitsmarkt, für die Konjunktur, das ist eine Tatsache, sodass darin eine objektive Begründung für diese Vorgangs­weise liegt, und nicht das Gegenteil.

Daher, meine Damen und Herren insbesondere von den Grünen: Bringen Sie Fakten vor! Legen Sie endlich Beweise auf den Tisch oder unterlassen Sie diese Skandalisie­rung, sie ist reine Zeitverschwendung! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen. – Bundesminister Platter: Sehr gut!)

16.38

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Als nächste Rednerin gelangt Frau Abgeordnete Stadl­bauer zu Wort. Die Uhr ist wunschgemäß auf 8 Minuten gestellt. – Bitte.

 


16.38

Abgeordnete Bettina Stadlbauer (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Mi­nister! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Die heutigen Ausführungen, vor allem jene von den Vertretern der ÖVP, waren wieder einmal gespickt mit verschiedenen Zitaten, vor­zugsweise von SPÖ-Politikern. Die Zitate reichen eigentlich relativ weit zurück, genau-


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so gut könnten Sie auch Zitate aus der Römerzeit nehmen. Es wundert mich wirklich, dass Sie nicht noch tiefer in die Kiste gegriffen haben!

Normalerweise ist es ein legitimes Mittel, in einer demokratischen Diskussion zu zitie­ren, aber – und diesen Vorwurf müssen Sie sich einfach gefallen lassen! – Sie zitieren nicht, meine lieben Herren von der ÖVP, sondern Sie manipulieren! (Beifall bei der SPÖ.)

Zeit und geopolitischer Raum, vor allem aber politische Entwicklungen interessieren Sie überhaupt nicht und spielen in Ihrer Argumentation und in Ihrer Zitatensammlung absolut keine Rolle. (Abg. Amon: Aber 1996 bis 2000 haben Sie nicht so drama­tisch ...!) Wenn Sie schon unbedingt Kreisky zitieren müssen, dann lege ich Ihnen noch ein Zitat von Kreisky ans Herz. Kreisky sagte nämlich – ich zitiere –:

„Die Draken-Abfangjäger halte ich für vollkommen überflüssig. Wir haben damals prin­zipiell gesagt: Wir schaffen uns vielleicht Flugzeuge an ...“ – und jetzt hören Sie einmal ganz genau zu! –, „wenn wir uns das leisten können.“

Kreisky sagte weiters: „Ich bin der Meinung, dass, wenn wir uns all die überflüssigen Dinge, die wir haben, ersparen würden, könnten wir leicht das Geld für Schulen und Lehrer und andere Bildungsinstitutionen haben.“ – Zitatende.

Wir hören also: Da war das Zauberwort schon enthalten, nämlich: „wenn wir uns das leis­ten können“! Das ist genau der Unterschied! Wenn die SPÖ in der Regierung wäre und wir sähen, dass wir uns das nicht leisten können, würden wir diesem unsinnigen Deal niemals zustimmen. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Öllinger.)

Da Herr Minister Grasser heute schon zum zweiten Mal Androsch zitiert hat und ihn mehr oder weniger auf seine Seite gezogen hat, möchte ich die Zitate vervollständigen. And­rosch hat in dem Zeitungsartikel, den Sie zuerst zitiert haben, auch gesagt, dass er die Gegengeschäfte für „illusorisch“ hält und wörtlich:

„Gegenüber diesen Zahlen habe ich die größte Skepsis, weil da jede Zahnbürste hin­eingerechnet wird.“

Herr Minister Grasser, Ihnen ins Stammbuch geschrieben: Hannes Androsch sagte auch – ich zitiere –: „Von einer Budgetsanierung durch Finanzminister Karl-Heinz Grasser könne ,über­haupt keine Rede sein, vielmehr sei ein ,asthmatisches Durch­wursteln zu beobach­ten.“ (Zwischenbemerkung von Bundesminister Mag. Grasser.)

Und weiters: „Ich finanziere lieber ein Defizit für Bildung und Forschung statt eines De­fizits für steigende Arbeitslosigkeit und Zuschüsse ins Pensionssystem.“

Sie sollten das genau durchlesen und nicht nur die Zitate herausholen, die Ihnen ge­nehm sind! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Neben den verschiedenen Zitaten haben wir auch heute wieder verschiedene Ge­schichtsinterpretationen gehört. Dass die ÖVP gerne die Geschichte umschreiben will, ist ja nichts Neues. Zur Erinnerung eine Zusammenfassung über das ÖVPsche Ge­schichtsverständnis: Bis 2000 war die ÖVP nie in einer Bundesregierung. Es gibt kei­nen Unterschied zwischen der Zeit vor dem Warschauer Pakt und jetzt. Und es gibt keinen Unterschied zwischen der Zeit vor dem Fall des Eisernen Vorhangs und jetzt.

Sehr geehrte Damen und Herren! Schauen wir doch einmal in die Vergangenheit. In der offiziellen Presseunterlage, in der es um den Ankauf der Abfangjäger ging, die die Bundesminister für Arbeit, Landesverteidigung und Finanzen, glaube ich, gemeinsam vorgestellt haben, steht, dass am 26. März 1985 der Landesverteidigungsrat der Bun­desregierung die Beschaffung der Flugzeugtype J-35D Draken der Firma SAAB-Scania


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empfohlen hat und der Bundesregierung auch empfohlen hat, be­züglich der vierten Flugzeuggeneration rechtzeitig Verhandlungen aufzunehmen.

1986 wurde noch einmal am einstimmigen Beschluss festgehalten. (Abg. Amon: Wer war da in der Regierung?) So, und was war dann? Wie hat damals die weltpolitische Lage ausgesehen, und wie hat sie sich seither verändert? – Ungarn und die Tschecho­slowakei waren noch Teil des Warschauer Paktes, es gab die so genannten Ostblock­staaten, die Jugoslawienkrise begann. Danach folgte die deutsche Wiedervereinigung, und der Eiserne Vorhang fiel. 1991/1992 spitzte sich die Jugoslawienkrise zu, Balkan­auseinandersetzung.

Und wie schaut es heute, 2003, aus? – Tschechien, Slowakei und Slowenien sind Mit­glieder der NATO, werden demnächst Partnerländer innerhalb der EU. (Abg. Amon: 1996 dafür! 1998 dafür!) Bleibt die Schweiz als einziges Land, das keinem Bündnis an­gehört, aber selbst die Schweiz ist seit einiger Zeit UNO-Mitglied. Ich denke, Sie sollten uns jetzt wirklich einmal erklären – vor allem Sie, lieber Kollege Amon –, welche Bedro­hung es notwendig macht, Abfangjäger, und zwar das teuerste Modell, das es gibt, anzuschaffen. Das ist der springende Punkt: Welche militärische Strategie wird ver­folgt, und wo ist die militärische Sinnhaftigkeit?

Sie stellen das ja sogar in Ihren eigenen Beschlüssen fest. In Ihren Schlussfolgerungen der Sicherheitsdoktrin, beschlossen am 12. Dezember 2001 – übrigens nach dem 11. September, der heute auch schon ein paar Mal zitiert wurde –, steht:

„Eine Existenz bedrohende Aggression gegen Österreich mit konventionellen Streit­kräften ist nur im Falle einer grundlegenden strategischen Veränderung der politischen Lage in Europa denkbar; eine solche hätte nach derzeitigen militärstrategi­schen Beur­teilungen eine Vorlaufzeit von 7 bis 10 Jahren.“

Das bedeutet, wir investieren in Kriegsgerät, das wir nicht anwenden müssen, wie Sie selbst feststellen. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen. – Abg. Scheibner: Das ist ein Unsinn! In der Frage sollten Sie sich beim Abgeordneten Gaál informieren, der kennt sich besser aus!)

Was auch so absurd ist und heute wieder sichtbar geworden ist: Sie reduzieren die Si­cherheitspolitik auf den Ankauf von Abfangjägern. Und, Kollege Mitterlehner, unser Kollege Gaál ist der beste Wehrsprecher, den man sich vorstellen kann, weil er Sicher­heitspolitik nicht auf den Ankauf von Abfangjägern reduziert (Beifall bei der SPÖ – Zwi­schenrufe bei der ÖVP – Abg. Scheibner: Aber Sie haben nicht auf ihn gehört! Sie hören nicht auf ihn! Der Mann kennt sich aus!), sondern so wie die gesamte SPÖ einen umfassenden Sicherheitspolitik-Begriff hat.

Uns geht es um die Sicherung der Pensionen, uns geht es um die Sicherung der Ge­sundheit, uns geht es darum, die Arbeitsplätze zu sichern, uns geht es darum, die Si­cherheit für die jungen Menschen in diesem Land zu sichern (Abg. Scheibner: Der Gaál kann Ihnen da ein Privatissimum geben!), und uns geht es darum, die Chancen­gerechtigkeit für Frauen in unserem Land zu sichern. All das sind Themen, für die Sie kein Geld übrig haben, die Ihnen völlig egal sind. (Beifall bei der SPÖ.)

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Tatsache ist, dass Sie weder für ein gerech­tes Pensionssystem noch für ein gerechtes Gesundheitssystem, noch für die so not­wendige Arbeitsmarktpolitik, noch für die Jugend und Frauen in diesem Land Geld zur Verfügung stellen. Dafür geben Sie Geld gegen den Willen der Mehrheit der Bevöl­kerung in diesem Land für 18 Luxuskampfjets, 18 Stück Kriegsgeräte, aus. Welch eine Prioritätensetzung!

Aber das müssen Sie mit sich selbst ausmachen, Sie müssen noch schlafen können, und Sie müssen sich noch in den Spiegel schauen können. Regierungsmitglieder ohne


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Gewissen tun eben am liebsten das, was sie wollen – ohne Kontrolle und ohne Opposi­tion, vor allem aber ohne Bevölkerung.

Vizekanzler Haupt reduziert die Sicherheitspolitik auf den Ankauf von Abfangjägern; wie Sie fast alle.

Minister Grassers Strategie ist: zuerst Gegner sein, um dann nicht zu stark aufzufallen, wenn es das Modell wird, das Stronach bevorzugt.

Minister Platters Strategie ist: Worthülsen zum Besten geben, Augen zu und durch. – Seien Sie mir nicht böse, Herr Minister Platter, aber es fällt schon auf, dass Sie sich immer nicht wirklich wohl in Ihrer Haut fühlen, wenn es um den Ankauf der Abfangjäger geht. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen. – Ironische Heiterkeit bei der ÖVP.)

Bundeskanzler Schüssel hat heute von „Mut in der Landesverteidigung“ gesprochen. Ich denke, dass der Ankauf der Abfangjäger nicht von Mut zeugt, sondern eher von Übermut, der Sie hier reitet, und es ist an der Zeit, vom hohen Ross herunterzusteigen.

Dass die Opposition mit ihrer Kritik nicht allein dasteht, beweist auch heute wieder Jörg Haider in einem Artikel in den „Oberösterreichischen Nachrichten“, in dem es heißt:

„Ein Hinweis von Jörg Haider, dass es beim Eurofighter-Kauf ,strafrechtlich verfolgbare Tatbestände gebe“ – ja was meint er denn damit? Wie sehen denn das die Damen und Herren, vor allem die tapferen Acht von der FPÖ? Fordert in diesem Zu­sam­menhang Abgeordneter Walch auch so laut und wortreich ein, dass Haider die Fakten auf den Tisch legt? (Abg. Scheibner: Natürlich! Das habe ich schon gesagt!)

Ich bin schon sehr gespannt darauf, meine Damen und Herren von der FPÖ, wie Sie entscheiden werden, denn wenn man das Geschichtsverständnis der ÖVP berücksich­tigt, dann werden Sie wieder diejenigen sein, die übrig bleiben, denn die ÖVP wird wieder nicht dabei gewesen sein. – Danke. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

16.47

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zum Wort gelangt Herr Abgeordneter Dr. Kräuter. Frei­willige Redezeitbeschränkung: 8 Minuten. – Bitte.

 


16.47

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Vertei­digungsminister! Der Herr Finanzminister ist nicht mehr hier. Herr Staatssekretär! Es ist so: Woche für Woche, meine Damen und Herren, gibt es neue Fakten, neue Tatsa­chen, neue Ereignisse. (Rufe bei der ÖVP: Wo?) Kollege Tancsits, ich werde Ihnen mindestens drei erläutern, denn heute – tagesaktuell! – hat der Finanzminister hier im Nationalrat, und das ist besonders interessant, unzuständigerweise geführte Vorge­spräche mit EADS zugegeben. Darüber werden sich die Kommentatoren die entspre­chende Meinung bilden! (Beifall bei der SPÖ.)

Es ist so, dass die Luft von Woche zu Woche dünner wird, meine Damen und Herren, und die Suppe dicker. Wir können Sie nicht zwingen, die Wahrheit zu sagen, aber wir können Sie zwingen, immer offensichtlicher die Unwahrheit zu sagen. Und am heuti­gen Tag ist das wieder einmal sehr gut gelungen. (Beifall bei der SPÖ.)

Die „Presse“ – meine Damen und Herren, durchaus kein sozialistisches Rabiatblatt – schreibt heute, dass keineswegs der erhoffte Persilschein, den sich der Herr Verteidi­gungsminister von seinen Gutachten erwartet hatte, gelungen ist. Diese Gutachten lie­gen unter Verschluss – das ist auch interessant. Und wenn die Stückzahl von 24 auf 18 sinkt und sich der Stückpreis dadurch erhöht, dann könne man die komplette Aus­schreibung vergessen.


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Meine Damen und Herren! Herr Verteidigungsminister! Der einzige Strohhalm, an den Sie sich noch geklammert haben, nämlich diese beiden Gutachten, ist geknickt, ist ab­gebrochen, und Ihre Glaubwürdigkeit ist endgültig den Bach hinuntergegangen! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Herr Verteidigungsminister, Sie haben drei Mal die Unwahrheit gesagt – das ist doku­mentiert. (Zwischenruf bei der ÖVP.) Im Rechnungshofausschuss haben Sie gesagt: rechtlich keine Probleme. Im Budgetausschuss haben Sie gesagt: rechtlich keine Prob­leme. Und in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Herrn Wirtschaftsminister, dem Herrn Finanzminister und dem Herrn Verteidigungsminister außer Dienst haben Sie auch gesagt: vergaberechtlich unbedenklich. Aber Ihre eigenen Gutachten, die Sie selbst bestellt haben, sagen genau das Gegenteil, dass das Ganze zu einer Umkehr der Bieterreihung führen würde.

Ich kann jetzt nur Folgendes sagen: Heraus mit den Gutachten! Herr Minister, wo sind sie denn? Halten Sie sich doch an die Anweisung des Herrn Bundeskanzlers, der am 21. Mai im „Kurier“, wo er das Eurofighter-Geschäft gelobt hat, gesagt hat, die Regie­rung habe hier einen „glasklaren, transparenten Weg“ gewählt. – Da muss ich schon die Frage stellen: Warum sind die Gutachten unter Verschluss, Herr Verteidigungsmi­nister? Geben Sie endlich einmal die Gutachten heraus, damit man diesen „glasklaren, transparenten Weg“, den der Bundeskanzler in diesem Zusammenhang versichert hat, wirklich nachvollziehen kann! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Herr Minister, es gibt eben keinen Persilschein auf Grund der Gutachten, wie die „Presse“ schreibt. – Im „profil“ wiederum heißt es – ich zitiere –:

„Wie aus einem internen Dokument des Verteidigungsministeriums hervorgeht ...“ – Zitatende.

Aha, ein internes Dokument! – Herr Minister, wo ist denn diese Dokumentation, wenn alles so „glasklar, transparent“ ist? Warum legen Sie denn nicht diese Dokumentation, von der das „profil“ unter „Kostenexplosion“ berichtet, vor?

Herr Minister Platter, sollten Sie da nicht endlich die Notbremse ziehen? So kurz im Amt – und das alles wollen Sie mitverantworten, was Ihre Vorgänger gemacht haben, diese vielen Ungereimtheiten?! Ich erwähne in diesem Zusammenhang etwa Bundes­kanzler Schüssel mit seiner „Wirtschaftsplattform“, wozu der Rechnungshofpräsident eindeutig feststellte, dass nicht einmal Spuren von einer Wirtschaftsplattform erkennbar sind! Weiters: die „Kompensationen in Milliardenhöhe“ des Wirtschaftsministers, wobei das alles längst umstritten ist. Jener Kollege, der zuvor mit dem EU-Recht daherge­kommen ist, kommt mir vor wie ein laut im Wald Pfeifender! Das alles wird noch große Probleme nach sich ziehen!

Die steirische Autoindustrie beispielsweise verbittet sich, im Zusammenhang mit die­sen „Kompensationsgeschäften“ genannt zu werden.

Eurofighter selbst sagt – ich zitiere –: „Nirgends werde so gelogen“ – nachzulesen in den „Salzburger Nachrichten vom 30. Mai 2003“ – „wie bei Grabreden und bei Gegen­geschäften ...“ dieser Bundes­regierung. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen. – Abg. Amon: Pietätlos ist das!)

Jammerschade ist, dass uns der Herr Finanzminister bei dieser Debatte bereits ab­handen gekommen ist, wäre doch an ihn eine ganz wichtige Frage zu stellen. – Herr Minister Platter, Sie haben ja gesagt, es werde zwei Stützpunkte geben, zwei Abflug­basen für die Eurofighter. – Wahr ist, dass es nur einen Reparaturansatz gibt, und es wird erzählt (Abg. Scheibner: Sie erzählen immer denselben Unsinn!), dass sich vor allem der Finanzminister dafür stark gemacht hat, dass es eben nur einen Reparatur­ansatz geben wird. – Leider können wir den Herrn Finanzminister dazu nicht fragen;


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ich gehe jedoch davon aus, dass Sie, Herr Staatssekretär – wie in so vielen Fällen –, dazu überhaupt keine Informationen haben.

Zum ehemaligen Verteidigungsminister Scheibner: Binnen einer Woche hat er das, was die Bewertungskommission festgestellt hat, umgedeutet: Zuerst waren es die Gri­pen, eine Woche später waren es die Eurofighter. – Herr Minister außer Dienst und jetziger Klubobmann Scheibner, Sie sind uns ja schon letztes Mal in der Debatte betref­fend Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zu diesem Thema eine wich­tige Information schuldig geblieben (Abg. Scheibner: Was denn?), eben im Zu­sammen­hang mit Rechnungshofberichten.

Dass es einen Bericht über das Erstellen der Ausschreibungsunterlagen gibt, dass dieser Bericht in Ordnung ist, ist unbestritten. (Abg. Scheibner: Na endlich! Das ist einmal etwas Neues, dass Sie etwas zugeben!) Dann sagen Sie aber, Herr Klubob­mann Scheibner, immer dazu, Sie hätten den Rechnungshof beauftragt, auch die Ver­gabe zu untersuchen – und daher sei alles in Ordnung. Nein, so einfach kann man es sich nicht machen! Mit dem Auftrag ist es nicht getan, Herr Kollege Scheibner! Wir wol­len diesen Bericht auf den Tisch haben, bevor die Entscheidungen hier getroffen wer­den und womöglich dann noch dieser Vertrag unterschrieben wird. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Scheibner: Und stimmen Sie dann zu, wenn der in Ordnung ist?)

Ihr Parteiobmann Haupt, lieber Kollege Scheibner, sieht die Sache ganz anders, fordert er doch, zuerst den Rechnungshofbericht abzuwarten. Aber apropos Parteiobmann: Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass in der FPÖ blankes Entsetzen geherrscht hat, als es am Wochenende dieses Interview mit Herrn Dr. Haider gab, und dazu auch die Fra­ge:

„... Sie haben plakatiert, Jörg Haider stoppt die Abfangjäger. War wohl nichts?“

Darauf sagte Haider: „Die Abfangjäger sind der Wermutstropfen bei der Geschichte. ...“

Und auf die Frage: „Besteht Ihr Verdacht noch, dass es im Zusammenhang mit den Abfangjägern strafrechtlich verfolgbare Tatbestände gibt?“, ja was glauben Sie, meine Damen und Herren, was der Kärntner Landeshauptmann darauf sagte? – „Absolut, absolut.“, so Haider.

Herr Verteidigungsminister, was ist denn da gemeint? Sind das Vermögensdelikte, ist es Betrug, Untreue, Veruntreuung, Amtsmissbrauch, sind es Urkundendelikte? Worum handelt es sich denn da? Was meint denn Herr Dr. Haider, wenn er sagt: „Absolut, absolut.“

Wie Sie wissen, meine Damen und Herren, fordert der Dritte Nationalratspräsident Prinzhorn eine Neuausschreibung – und er sagte dazu: Geschieht das nicht, dann hat man „den Wähler getäuscht“. – Meine Damen und Herren von der FPÖ: den Wähler getäuscht! – Die Regierung sei jedenfalls verpflichtet, so Prinzhorn, eine Neuaus­schreibung durchzuführen.

FPÖ-Bundesrat und Bundesheeroffizier Gudenus sagt es etwas deftiger: Es bestehe Korruptionsverdacht! Und dies gehöre geklärt, so Gudenus weiter, da eine ganz miese Optik im Raum bleibe, wenn durch die Schaffung vollendeter Tatsachen diese Sache so weitergehe.

Sigisbert Dolinschek sagte „NEWS“ gegenüber, meine Damen und Herren – und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! –:

„Ich könnte mir schon einen Untersuchungsausschuss zum Thema Eurofighter vorstel­len.“


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Wetten würde ich nach Dolinscheks heutiger Rede zum Thema Pensionsreform darauf nicht, aber immerhin: Irgendetwas muss Dolinschek ja dazu veranlasst haben, zu sa­gen, er könne sich einen Untersuchungsausschuss vorstellen. (Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Wir haben einen Rechnungshof, der 24 Millionen € im Jahr kostet; das ist viel Geld. Der Rechnungshof ist gewissermaßen das legitimierte Kon­trollorgan der Republik Österreich. Und Sie von ÖVP und FPÖ können doch der Bevöl­kerung nicht weismachen, dass und warum Sie nicht dazu bereit sind, abzuwarten, bis ein Rechnungshofbericht darüber vorliegt.

Warum können Sie nicht einige Tage zuwarten, bis dieser Bericht kommt?! Warum wollen Sie unbedingt morgen diesen Beschluss über die Bühne bringen?! (Zwischenruf der Abg. Dr. Fekter.) – Frau Kollegin, da erhebt sich eben dann die Frage: Cui bono? Wem nützt das Ganze? (Zwischenruf des Abg. Dr. Trinkl.)

Sie richten hier die Tafel an – und der Steuerzahler hat die Rechnung zu begleichen! Jetzt geht es dann darum, zu wissen: Wer wird da bewirtet? (Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) – Meine Damen und Herren von den Koalitionsparteien, ich versichere Ihnen: Dieser Bissen wird Ihnen im Halse stecken bleiben! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

16.56

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zur Geschäftsbehandlung hat sich Herr Abge­ordneter Öllinger zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


16.56

Abgeordneter Karl Öllinger (Grüne) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Präsident! Da es sich bei unserer Dringlichen Anfrage um eine durchaus an die Person des Herrn Finanzministers und seine persönliche Verantwortung gerichtete Anfrage handelt, emp­finden wir die Nichtanwesenheit des Herrn Finanzministers Grasser als ziemlich un­passend.

Ich stelle daher den Antrag auf Beiziehung des Herrn Finanzministers Grasser, weil es sich bei der in der Dringlichen Anfrage genannten Thematik um eine persönliche Ver­antwortung des Herrn Finanzministers handelt. (Beifall bei den Grünen und bei Abge­ordneten der SPÖ.)

16.56

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Ich stelle fest, dass nach der Geschäftsordnung ein sol­cher Antrag auf Beiziehung eines Bundesministers zulässig ist; er ist ohne Debatte sogleich abzustimmen.

Wir kommen daher zur Abstimmung über den Antrag des Herrn Abgeordneten Öllin­ger, der Nationalrat wolle beschließen, die Anwesenheit des Herrn Bundesministers für Finanzen wird für den weiteren Verlauf dieser Debatte verlangt.

Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Antrag ihre Zustimmung geben, um ein Zeichen. – Der Antrag hat – das Hohe Haus ist voll besetzt – nicht die Mehrheit ge­funden.

*****

Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Pilz. Die restliche Redezeit des Klubs der Grünen beträgt 9 Minuten. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 



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16.57

Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin in einem Punkt mit der Beantwortung der Dringlichen Anfrage durch den Herrn Fi­nanzminister durchaus zufrieden, weil wir jetzt in einem Punkt etwas Neues wissen: Weder Werner Kogler noch ich, noch, glaube ich, fast alle anderen Kolleginnen und Kollegen hier im Hause haben gewusst, dass sich Finanzminister Grasser als Finanz­minister während laufender Abfangjäger-Ausschreibung mit Firmenvertretern getroffen hat. Das ist ein neues Faktum!

Finanzminister Grasser hat auf unsere Fragen hin zugegeben, dass er sich mit zwei führenden Vertretern der Firma EADS mehrere Male getroffen hat – und einer dieser beiden führenden Vertreter war und ist der Geschäftsführer von EADS, Herr Manfred Bischoff. (Abg. Dr. Mitterlehner: Mein Gott, das hören wir jetzt wieder hundert Mal!)

Finanzminister Grasser hat unsere sehr detaillierten Fragen nicht im Detail beantwor­tet, hat nicht beantwortet, wie oft, wann, zu welchem Zweck und mit welchem Ergebnis er sich mit EADS-Managern getroffen hat – aber das war wahrscheinlich einmal ein erster Schritt.

Dieses Eingeständnis von Finanzminister Grasser verstärkt weiter den Verdacht auf Schiebung durch den Finanzminister, den Verdacht auf Manipulation der Vergabe durch den Finanzminister sowie den Verdacht des Amtsmissbrauchs durch den Fi­nanzminister. (Abg. Dr. Mitterlehner: Mach eine Anzeige!)

Nur eine einzige Frage ist nicht mehr als Verdacht zu diskutieren, weil wir hierüber be­reits Klarheit haben: die mehrfach erfolgte, nicht der Wahrheit gemäße Information des österreichischen Nationalrates, seiner Ausschüsse, des Nationalen Sicherheitsrates und der österreichischen Öffentlichkeit. (Beifall bei den Grünen.)

Überall sonst würde jetzt ein Untersuchungsausschuss eingesetzt. Überall sonst müss­ten sich auch Regierungsparteien den Kopf darüber zerbrechen, ob ein Finanzminister dieses Zuschnitts und dieser Qualitäten überhaupt noch haltbar ist. Überall sonst müsste ein Bundeskanzler bereits erklären, warum er dem Finanzminister immer noch die Stange und die Treue hält. Überall sonst müssten Rebellen rebellisch werden und sagen: Nein, das geht nicht mehr! Wir machen an diesem Punkt Schluss, weil wir die Verantwortung für all das, was noch kommt, nicht übernehmen wollen und können!

Ich mache Sie nur auf Folgendes aufmerksam, meine Damen und Herren, nicht nur jene von der Freiheitlichen Partei: Glauben Sie bitte nicht, dass morgen Abend alles vorbei ist! Glauben Sie das bitte nicht! Das haben bei „Noricum“ Politiker auch anderer Parteien geglaubt – und damals ist es nicht um die Freiheitliche Partei gegangen –, das haben beim „Baukartell“ Wiener Kommunalpolitiker geglaubt, und das glauben jetzt Vertreterinnen und Vertreter der Regierungsparteien beim noch stärker begründeten Verdacht auf die größte Schiebung der Zweiten Republik.

Jetzt noch konkret zu einem Faktum – und das werden wir noch so oft wiederholen, bis das vom Verteidigungsminister und vom Finanzminister eingestanden wird, weil Sie zu Ihren eigenen Dokumenten und Unterlagen stehen müssen –: Die geleugneten 233 Millionen € Systemkosten sind Eurofighter-Systemkosten! Herr Verteidigungsmi­nister! Bitte erklären Sie einmal, auch dem wohlwollenden Teil dieses Hohen Hauses, dass die Einsatzausbildung der Eurofighter-Piloten nichts mit dem System Eurofighter zu tun hat (Bundesminister Platter: Stimmt nicht!), dass das Flugfunknetz des Euro­fighter nichts mit den Systemkosten Eurofighter zu tun hat, dass das Freund/Feind-Erkennungssystem des Eurofighter nichts mit dem System Eurofighter zu tun hat, dass der Datalink, also die Datenübermittlung zwischen Eurofighter und Bodenstation, keine Systemkosten des Eurofighter sind! (Abg. Dr. Fekter: Das Bundesheer hat damit etwas zu tun!) Erklären Sie bitte, Herr Verteidigungsminister, nachdem der Herr Finanzminis-


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ter schon seit einiger Zeit abgängig ist, warum Ihre Beamten dann immer wieder Sys­temkosten in die Akte hineinschreiben und warum das Finanzministerium antwortet: die Systemkosten in der Höhe von 233 Millionen €! Erklären Sie, warum Systemkosten nach der Neusprache von Grasser und Platter nicht mehr Systemkosten sind!

Wenn Sie das erklärt haben, wenn Sie der Meinung sind, dass man das irgendwo kau­fen kann, dass man irgendwas nehmen kann, dann ersuche ich Sie, wirklich das Bil­ligste zu nehmen, wenn das alles nichts mit dem Eurofighter zu tun hat! Wenn Sie also der Meinung sind, dass man irgendetwas kaufen kann, zeige ich Ihnen morgen, wo man in Wien die Russen findet, die ganz billig MiG-Bestandteile, MiG-Funkgeräte, MiG-Datalinks  und so weiter verkaufen wollen. (Beifall und Heiterkeit bei den Grünen. – Abg. Dr. Fekter: Am Mexikoplatz vielleicht! – Abg. Neudeck: Und Sie bauen es dann zusammen? – Abg. Scheibner: Was haben Sie für einen Umgang? – Weitere Zwi­schenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich nehme die plötzlich ausbrechende „MiG-Begeisterung“ zur Kenntnis. Das hätten Sie sich aber früher überlegen müssen, jetzt ist es vielleicht schon zu spät.

Damit aber nicht die MiG, sondern die Vernunft eine Chance bekommt, haben Sie, meine Damen und Herren, speziell jene vom rebellischen Teil der FPÖ, bis morgen noch eine Überlegungsfrist. Bedenken Sie dabei immer mit, dass diese Überlegungs­frist, wenn es schief läuft und wenn noch mehr Fragen so beantwortet werden müssen, wie das heute der Finanzminister tun musste, vielleicht eine politische Galgenfrist ist. Mit morgen Abend ist das mit Sicherheit nicht vorbei! Wir sehen uns mit Sicherheit – und da hat Eva Lichtenberger Recht – zumindest, wenn sich politisch ein bisschen et­was in dieser Republik ändert, vor einem Untersuchungsausschuss. Sein wichtigster Zeuge heißt nach heutigem Wissensstand Karl-Heinz Grasser, und ich freue mich auf diese künftige Begegnung. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordne­ten der SPÖ.)

17.05

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Scheibner. Ma­ximale Redezeit: 10 Minuten. – Bitte.

 


17.05

Abgeordneter Herbert Scheibner (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Bundesminis­ter! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Bei solchen Debatten ... (Abg. Mag. Kogler: Aufpassen! Sie könnten auch geladen werden!) – Wohin? (Abg. Mag. Kogler: Vor den Untersuchungsausschuss!) Na glauben Sie, dass ich mich davor fürchte, Herr Abgeordneter Kogler? (Abg. Dr. Gusenbauer: Dann stimmen Sie doch zu!) Ich fürchte mich vor gar nichts, vor Ihnen schon gar nicht, auch nicht vor irgend­welchen Ausschüssen. Wovor ich mich allerdings fürchte (Abg. Eder: Vor Wahlen!), sind Politiker, die mit wichtigen Angelegenheiten so schleißig umgehen wie Sie an­scheinend, Herr Abgeordneter Kogler, und Ihre Fraktion. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Eine Dringliche Anfrage zu diesem Thema haben wir jetzt schon mehrmals gehabt, von den verschiedensten Fraktionen eingebracht. Das ist natürlich auch das Recht von Abgeordneten. Wir haben zum Teil auch die gleichen Fragen, Fragen mit demselben Inhalt gehabt, und es hat auch immer wieder die gleichen Antworten darauf gegeben. Wir haben aber noch nie eine Frage gehabt wie die folgende – auf die zu antworten hätte ich auch ein Problem gehabt, vielleicht können Sie mir sagen, was das heißt, was da steht –: „Finan­ziell stellt die die größt­mögliche Verschwedung dar.“ (Abg. Mag. Mai­noni: Flüchtigkeitsfehler!) – Ein bisschen sorgfältiger sollte man schon sein. Aber die „Verschwedung“ ist schon interessant.


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Es ist immer die Frage bei solchen Debatten: Ist man grundsätzlich gegen die Luft­raumüberwachung, oder passt nur die Type nicht? Wenn die Type nicht passt, dann frage ich mich: Wo sind die Experten hier in diesem Hohen Haus, die genau wissen, welche Type technisch die für das österreichische Bundesheer geeignete ist und wel­che nicht? Ich habe mir, selbst als ehemaliger Verteidigungsminister, nie angemaßt, das zu wissen, und werde das auch in Zukunft nicht tun. Dafür sind die Experten da, die das zu entscheiden haben, und dafür gibt es dann auch Berichte, und die liegen ja vor, auch Ihnen. Die Bundesregierung hat dann eine Gesamtschau in wirtschaftlicher, technischer und finanzieller Hinsicht zu machen. (Zwischenruf des Abg. Dr. Puswald.)

Sie sind wirklich lustig! Gerade bei meinen Reden machen Sie immer die lautesten Zwischenrufe. Besser wäre es, wenn Sie nach vorne kommen würden. Schauen Sie, in der zweiten Reihe ist Platz. Kommen Sie herunter, denn dann verstehe ich auch Ihre Zwischenrufe, weil ich mich grundsätzlich ganz gerne auf einen Diskurs einlassen wür­de! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Aber mir geht es da um das Grundsätzliche, gerade bei den Sozialdemokraten. Weil eine der Vorrednerinnen ... (Abg. Dr. Pilz: Kollege Scheibner! Haben Sie sich mit Fir­menvertretern getroffen?) – Ich habe mich vor der Typenentscheidung nicht mit Fir­menvertretern getroffen, nach der Typenentscheidung mit Vertretern jener Firma, mit der wir verhandeln mussten. Das ist ja keine Frage. Aber, Herr Kollege Pilz, ich bin auch der Verteidigungsminister und deshalb näher am Projekt gewesen als andere Minister. (Abg. Dr. Pilz: Eben, das ist der Unterschied!)

Meine Damen und Herren von der Sozialdemokratie! Weil eine meiner Vorrednerinnen gesagt hat, sicherheitspolitisch sei ja das alles nicht mehr begründbar gewesen, und wir das auch schon so oft gehört haben, möchte ich auf dieses Argument noch einmal eingehen. Ich habe ihr schon als Zwischenruf gesagt: Nehmen Sie einmal ein Privatis­simum, Frau Kollegin, beim Abgeordneten Gaál, der kennt sich in der Sicherheitspolitik aus! (Demonstrativer Beifall bei Abgeordneten der SPÖ.) Ja, das kann ich durchaus sagen: Gaál kennt sich aus in der Sicherheitspolitik, er darf nur nicht immer alles das sagen, was er weiß! Intern wird er aber sicherlich Auskunft geben dürfen, und er wird Ihnen sagen, dass es natürlich eine Veränderung im Bedrohungsbild gegeben hat. Gott sei Dank hat es die gegeben, denn mit 24 Draken, die Sie damals in der Zeit des Kal­ten Krieges beschafft haben, als Abwehr gegen die Armada zu Land und in der Luft des Warschauer Pakts, nur mit Bordkanonen ausgestattet, hätten wir wirklich nicht viel ausrichten können. Das war wirklich nur eine Beruhigungsaktion für die Bevölkerung und vielleicht für einen Fall von Luftraumüberwachung, den wir heute haben.

In Wirklichkeit hat sich das Bedrohungsbild dem angepasst, was Sie damals beschafft haben, nämlich eine Anzahl von Abfangjägern, mit der man keinen Luftkrieg bestrei­tet – das wollen wir auch nicht –, sondern mit der man dem Souveränitätsauftrag der Republik Österreich nachkommt, die Staatsgrenzen zu Lande und in der Luft zu si­chern. Sas geht eben nur mit Flugzeugen, und das geht nur mit technisch gutem Gerät, wie es diese Abfangjäger darstellen.

Das würde Ihnen Abgeordneter Gaál genauso gut sagen können, wie ich es Ihnen jetzt gesagt habe. Mir werden Sie es nicht glauben. Hoffentlich glauben Sie es dem Abge­ordneten Gaál und auch den anderen Mitgliedern des Verteidigungsausschusses!

Darum geht es, meine Damen und Herren.

Abgeordneter Pilz hat gesagt, überall sonst passiere dieses und jenes. Dazu muss ich ihm sagen: Überall sonst gibt es aber meistens einen Konsens, nämlich darüber, dass in Fragen der Sicherheitspolitik nicht parteipolitisch agiert wird, sondern dass man ver­sucht, das Gemeinsame zu finden.


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Man kann grundsätzlich gegen alles sein, gegen die Landesverteidigung, gegen das Bundesheer. Da kann ich ja die Argumentationskette der Grünen noch irgendwo nach­vollziehen; das müssen sie selbst verantworten. Aber Sie von der SPÖ behaupten im­mer, dass Ihnen die Landesverteidigung, die Sicherheitspolitik ein Anliegen ist. Das gilt aber anscheinend nur für die Zeit, in der Sie in der Regierung sind, denn da waren Sie immer für die Luftraumüberwachung. Aber jetzt, wo Sie in der Opposition sind, ist die­ses Verantwortungsbewusstsein anscheinend nicht mehr so hoch gestellt. Da regiert plötzlich der Populismus, da gilt das plötzlich alles nicht mehr, da heißt es plötzlich: Die Abfangjäger können wir uns sparen, dafür investieren wir in Pensionen, Steuersenkun­gen und Kindergärten und was man da alles so gehört hat.

Meine Damen und Herren! Sind Sie sich Ihrer Verantwortung nicht stärker bewusst, die Sie als große Fraktion hier im Parlament haben, dass Sie zumindest diese sicherheits­politischen Anforderungen außer Streit stellen? Ob eine Typenentscheidung richtig oder falsch war, darüber kann man immer diskutieren. Ob in einem Verfahren alles richtig gewesen ist oder nicht, darüber kann man diskutieren. Aber dass Sie nicht bereit sind, einmal auf eine tagesaktuelle Botschaft, auf eine „gute Meldung“, wie man so sagt, zu verzichten, wenn es darum geht, diesen sicherheitspolitischen Konsens über alles zu stellen, das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. (Zwischenruf der Abg. Mag. Wurm.)

Meine Damen und Herren! Das werden Sie dann auch dieser Bevölkerung, Frau Ab­geordnete, wo Sie jetzt sagen ... (Abg. Mag. Wurm: Ihnen ist die soziale Sicherheit egal! Das ist das Problem!) – Die ist mir nicht egal, meine Damen und Herren! Die ist mir nicht egal, und genau gegen diese Unterstellung verwahre ich mich: dass es dieser Bundesregierung nicht auch um die soziale Sicherheit geht – es geht ihr aber auch um die Sicherheit der Staatsbürger in einem Konfliktfall. Auch darum geht es ihr! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Wir wollen nicht erst im Nachhinein überlegen, was wir gebraucht hätten, sondern Vor­sorge betreiben zu einem Zeitpunkt, zu dem es vielleicht nicht jeder versteht. Wenn wir das nicht tun, fragen uns alle nach­her, auch Sie: Warum habt ihr nicht vor­sorglich gehandelt?

Es werden jetzt immer wieder die Hubschrauber genannt und wird gesagt: Dafür waren wir doch alle! Ich kann mich noch als Abgeordneter dieses Hauses erinnern, dass man auch in dieser Frage diesen Konsens nicht gehabt hat, dass gesagt worden ist: Wir brauchen keine Hubschrauber! – Dann kam die Katastrophe von Galtür, und plötzlich waren alle dafür, und man hat gefragt: Warum habt ihr sie nicht schon längst be­schafft?

Frau Kollegin Lichtenberger war es, glaube ich, die gesagt hat, man kann doch jetzt die Abfangjägerfrage nicht mit den Massenvernichtungswaffen des Irak in Beziehung set­zen. Da haben Sie nicht zugehört, Frau Kollegin! (Abg. Dr. Lichtenberger: Sehr ge­nau!) Da geht es nicht um die Massenvernichtungswaffen. Es geht auch gar nicht um den Irak, sondern es geht darum, dass während des Irak-Krieges wir alle – da haben wir einen Konsens gehabt – gesagt haben: Unser Luftraum wird für Flugzeuge und Transporte, die für den Aufmarsch, für die V­orberei­tungen des Irak-Krieges verwendet werden, gesperrt! Da haben wir einen Konsens gehabt.

Jetzt frage ich Sie, meine Damen und Herren von der Opposition: Wie überwachen wir diese Sperre, wie überwachen wir dieses Überflugsverbot, wenn wir keine Möglichkeit haben, das auch in der Luft zu tun? Das ist die Widersprüchlichkeit, die Sie hier nicht aufklären können! Es geht ganz einfach darum, dem ver­fassungsrechtlichen Gebot, unsere Souveränität in der Luft aufrechtzuerhalten und zu überwachen, auch in Zukunft nachkommen zu können. (Abg. Dr. Puswald: Das ist ein völliger Unsinn!)


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Sie sagen: Unsinn – wenden Sie sich an den Abgeordneten Gaál, der wird Ihnen das so wie manches andere besser erklären können!

Ich kann Ihnen nur sagen, weil Sie hier immer die Freiheitlichen im Visier haben: Frei­heitliche Abgeordnete, egal, ob in Opposition oder wie jetzt in Regierung, haben sich immer zu dieser Verantwortung für die Sicherheit Österreichs bekannt. Egal, ob die Stimmung dafür oder dagegen war, wir waren immer für die Sicherheit dieses Landes und auch für die Maßnahmen, die zur Gewährleistung derselben notwendig sind. Wenn hier jemand, auch egal, von welcher Fraktion er kommt, einer Person strafrechtliche Tatbestände vorwirft, dann ist es in einem Rechtsstaat immer noch so, dass er das auch beweisen muss, dass er sagt, welche Personen das betrifft, welche Tatbestände das betrifft. Nicht ein Minister muss erklären, warum etwas nicht passiert ist, sondern man muss hier darlegen, um welche Tatbestände und welche Personen es sich hier handelt. Das einmal auf den Tisch zu bekommen würde ich mir erwarten.

Ich sage Ihnen: Ich bin davon überzeugt – der Rechnungshof, der nachvollziehend prüft, Herr Abgeordneter Kräuter, wird auch zu dieser Erkenntnis kommen, so wie die Staatsanwaltschaft bei vielen anderen Anzeigen auch –, dass das alles in Ordnung gewesen ist, und bin der Meinung, dass es notwendig ist, diese Beschaffung so rasch wie möglich durchzuführen – im Interesse der Sicherheit unseres Landes! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

17.15

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Die nächste Wortmeldung ist die zweite Wortmeldung des Herrn Abgeordneten Kräuter. Restliche Redezeit: 1 Minute. – Bitte.

 


17.16

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Jetzt wird es wirklich noch interessant und spannend, denn Klubobmann Scheibner, der ehemalige Minister, hat gesagt, jetzt gerade, vor einigen Minuten, er habe vor der Typenentscheidung keinen Kontakt mit Firmen ge­habt, er sei gewissermaßen näher am Projekt gewesen. Das ist in Ordnung, Herr Klub­obmann, Herr ehemaliger Minister.

Der Herr Finanzminister hat vor rund zwei Stunden gemeint – er war ja dem Projekt ferner –, er habe sich mit Firmenvertretern getroffen.

Das, meine Damen und Herren, ist ein neuer Sachverhalt, das ist ganz unglaublich, und ich bedanke mich, auch im Namen der österreichischen Bevölkerung, dass Sie uns heute hier diesen neuen Sachverhalt geliefert haben. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Meine Damen und Herren von FPÖ und ÖVP, wenn Sie unter diesen Umständen mor­gen einen milliardenschweren Beschluss zur Beschaffung dieser Eurofighter fassen wollen, dann ist das nicht mehr fahrlässig, sondern vorsätzlich! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

17.17

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Als Nächstes liegt mir die zweite Wortmeldung des Herrn Abgeordneten Dr. Pilz vor. Restliche Redezeit: 2 Minuten. – Bitte.

 


17.17

Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Meine Damen und Herren! Der ressortzuständi­ge Minister hat sich geweigert, mit EADS und anderen Firmen während der Ausschrei­bungsphase zu re­den. Der schein­bar ressortunzuständige Finanzminister hat sich mit EADS-Vertretern getroffen und steht im Verdacht, im Anschluss daran die Typenent­scheidung zugunsten von EADS manipuliert zu haben.


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Wenn Sie, meine Damen und Herren von der Freiheitlichen Partei, aber auch Sie von der ÖVP, sich mor­gen zum Finanzminister ins po­litische Zwielicht begeben wollen, dann ist das Ihre Angelegenheit, aber wir werden es auch zu einer Angelegenheit der Öffentlichkeit machen.

Zweitens: Versuchen Sie sich einen Moment vorzustellen, was Menschen, die gerade die Sicherheit ihrer zukünftigen Pension verlieren, empfinden, wenn sie hören, dass beiläufig der Finanzminister sagt, die 233 Millionen sind irgendwas, und genauso bei­läufig sagt, 1,5 Milliarden € Betriebskosten für den Eurofighter, die bisher noch nicht in dieser Summe auf dem Tisch gelegen sind! 1,5 Milliarden € so ganz nebenbei, und das in Tagen, wo den Menschen die Sicherheit ihrer Zukunft in der Pension zumindest für die nächste Zeit genommen wird. (Abg. Großruck: Das können Sie im Kindergarten erzählen, diese Geschichte!)

Sie sollten sich einen Moment überlegen, was Sie der österreichischen Bevölkerung damit zumuten. Das ist der wirklich entscheidende Punkt: dass Sie im Moment eines Aktes der größten politischen und sozialen Unfairness den Leuten eine Verschwen­dung in einem zweifelhaften Lichte zumuten, die niemand, auch wenn es nicht um eine Pensionsreform gehen würde, vertreten und akzeptieren kann!

Vielleicht denken Sie bis morgen noch einmal darüber nach, wo die Grenze des Zu­mutbaren für die österreichische Bevölkerung liegt. – Danke. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

17.19

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Weitere Wortmeldungen dazu liegen nicht vor. Damit schließe ich diese Debatte.

Wir kommen zur Abstimmung über den eingebrachten Entschließungsantrag. Es ist dies der Antrag Dr. Pilz und Fraktion betreffend Abbruch des Beschaffungsvorganges von Eurofighter-Typhoon.

Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Entschließungsantrag ihre Zustimmung geben, um ein Zeichen. – Das ist die Minderheit. Der Entschließungsantrag ist daher abgelehnt.

Fortsetzung der Tagesordnung

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Ich nehme die Verhandlung über den 1. Punkt der Ta­gesordnung wieder auf.

Zum Wort gemeldet hat sich als Nächster Herr Abgeordneter Dr. Lopatka. Redezeit: 6 Minuten. – Bitte.

 


17.20

Abgeordneter Dr. Reinhold Lopatka (ÖVP): Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Nachdem wir hier jetzt schon zu wiederholtem Male das Stück „Viel Lärm um Nichts“ aufgeführt bekommen haben, können wir wieder zur Tagesord­nung zurückkehren. Denn: Herausgekommen ist nichts, meine Damen und Herren, null und nichts! Oder? (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Gusen­bauer: Wollen Sie sich für den Grasser verbürgen?) Selbstverständlich! Gerne! (Abg. Dr. Gusenbauer: Sie machen das leichtfertig! Sehr leichtfertig!)

Leichtfertig machen Sie immer eines, Herr Klubobmann und Parteivorsitzender Gu­senbauer, nämlich ständig frei von Fakten und auch von persönlicher Verantwortung einfach Behauptungen aufzustellen. Sie machen es sich da sehr leicht, manchmal zu leicht. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)


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Wenn ich nur Ihren Offenen Brief hernehme, den ich dankenswerterweise von Ihnen erhalten habe, und lese, dass Sie da an unser politisches Gewissen appellieren, dann muss ich Ihnen sagen: Da brauchen wir wirklich von niemandem eine Aufforderung, denn bei der Abstimmung morgen werden wir genau unserem Gewissen folgen! (Abg. Dr. Gusenbauer: Das habe ich befürchtet!) Dazu brauchen wir, brauche ich keine Auf­forderung von Ihnen! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Da Sie hier davon sprechen, dass wir um Gerechtigkeit und Glaubwürdigkeit bemüht sein sollen: Es ist es nichts anderes, wenn wir morgen die Pensionssicherungsreform hier beschließen werden, als ein Beitrag zur Gerechtigkeit, zur Generationengerechtig­keit! Ich sage Ihnen: Nichts tun wäre ungerecht! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheit­lichen.)

Was den zweiten Punkt, die Glaubwürdigkeit, angeht, sind Sie Tag für Tag sehr ge­fährdet, denn dass Sie nichts tun, meine sehr geehrten Damen und Herren, macht für mich eine Fraktion von der Größe der SPÖ äußerst unglaubwürdig, wenn es darum geht, Verantwortung wahrzunehmen.

Der dritte Punkt, den Sie hier anschneiden, ist schlicht unwahr, dass nämlich jeder mindestens 12 Prozent des bisherigen Pensionsanspruchs verlieren wird. Das ist schlichtweg unrichtig, das ist falsch – und trotzdem behaupten Sie es!

Sie gehen ja noch weiter: Heute heißt es auf der Homepage der SPÖ – entweder sind Ihre Leute noch im Pfingsturlaub, oder Sie setzen bewusst diese Falschmeldungen fort –: Angestellte, 30 Jahre: – 40 Prozent. – Ist das verantwortungsbewusste Politik? Ist das, wie Sie es in Ihrem Brief nennen, glaubwürdig? (Zwischenrufe der Abg. Mag. Wurm.) Das ist äußerst unglaubwürdig! Sie wissen es: Es gibt diesen Deckel mit den 10 Prozent, der selbstverständlich gilt, und wir lassen uns von Ihnen nicht davon abbringen, bei der Wahrheit zu bleiben! Es ist schlichtweg falsch, hier zu sagen: min­destens 12 Prozent! (Abg. Dr. Gusenbauer: Wie lange hält der Deckel?)

Der Deckel hält so lange, solange dieses Pensionssicherungssystem, das wir morgen beschließen, in Kraft ist; das ist relativ einfach. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitli­chen. – Abg. Broukal: Falsch!)

Falsch ist, was Sie sagen! Und falsch ist auch, wenn hier steht: „Die im Sinne von mehr Gerechtigkeit so dringend notwendige Harmonisierung ist von der Regierung nicht vorgesehen.“ – Das ist unrichtig! Das Gegenteil ist der Fall! Sie können morgen mitstimmen, wenn es um die Harmonisierung geht. Wir laden Sie herzlich ein, mitzu­stimmen! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Die Regierungsfraktionen brin­gen morgen den entsprechenden Antrag ein. (Abg. Silhavy: Warum gibt es dazu keine Regierungsvorlage?)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der SPÖ-Vorsitzende hat sich in diesem Be­reich persönlich ins Abseits gespielt. (Ironische Heiterkeit des Abg. Dr. Gusenbauer.) Zweifach sind Sie ins Abseits geraten, Herr Dr. Gusenbauer: erstens inhaltlich, denn seit dem Jänner, seit den Regierungsverhandlungen, wo Sie noch konstruktiv bei der Sache waren, ist inhaltlich nichts mehr von Ihnen gekommen, und – zweitens – Sie haben sich auch strategisch ins Abseits gespielt. Wenn Sie nämlich geglaubt haben, dass Sie als großer „Sprengmeister“ der Regierung auftreten können, haben Sie sich gewaltig geirrt! Ein Spargelessen reicht dafür nicht aus. Sie sind kläglich gescheitert! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Ich sage Ihnen abschließend Folgendes: Nicht nur, dass Sie persönlich gescheitert sind, es wird auch die SPÖ mit ihrer Verunsicherungskampagne nicht erfolgreich sein. (Abg. Bures: Sind Sie für eine Volksabstimmung? Haben Sie den Mut?) Es wird in den nächsten Wochen unsere Aufgabe sein, deutlich zu machen, wie sorglos Sie mit der


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Wahrheit umgehen, wie sorglos, Kollegin Bures, Sie mit der Wahrheit umgehen. (Abg. Bures: Haben Sie Mut oder haben Sie Angst?)

Nein, wir haben keine Angst. Wir sind mutig, wir wagen Reformen – Sie sind ängstlich und bleiben stehen! – Danke. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

17.26

 


Prä­sident Dr. Heinz Fi­scher: Als Näch­ste ge­langt Frau Ab­geordnete Mag. Lunacek zu Wort. Die Uhr ist wunschgemäß auf 8 Minuten gestellt. – Bitte.

 


17.26

Abgeordnete Mag. Ulrike Lunacek (Grüne): Herr Präsident! Meine Damen und Her­ren auf der Regierungsbank! Meine Damen und Herren! Zunächst kurz zu meinem Vorredner. Wenn der Chef-Stratege des Dirty Campaigning gegen die Grünen im letz­ten Nationalratswahlkampf vom seltsamen Umgang einer Oppositionspartei mit der Wahrheit redet, dann frage ich mich schon, wovon Sie sprechen, Herr Ex-General­sekretär. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ihr Umgang mit der Wahrheit im Nationalratswahlkampf war nämlich gekennzeichnet von größter Seltsamkeit und Merkwürdigkeit. (Abg. Dr. Lopatka: Warum sprechen Sie von „Ex-Generalsekretär“?) Bitte um Entschuldigung! Sie sind es immer noch, aber Sie waren damals Wahlkampfleiter. Tut mir Leid! Bitte um Entschuldigung! Also: Immer noch Generalsekretär oder neuerlich Ge­neral­sekretär der ÖVP und damals Wahl­kampfleiter der ÖVP. (Abg. Dr. Khol: Noch lange Generalsekretär!)

Jedenfalls muss ich Ihren seltsamer Umgang mit der Wahrheit damals im Wahlkampf schon ansprechen, und auf Grund dieses seltsamen Umgangs mit der Wahrheit spre­che ich Ihnen in diesem Fall auch das Recht ab, anderen hier einen Vorwurf zu ma­chen.

Wenn Sie sagen, dass die SPÖ nur bei den Regierungsverhandlungen, die ja angeb­lich gar keine waren, „konstruktiv bei der Sache“ gewesen sei, dann klingt das für mich so – und das haben wir ja in den letzen Wochen des Umgangs mit dieser so genann­ten Pensionssicherungsreform gemerkt –, als ob Sie von der ÖVP meinten, andere seien nur dann konstruktiv, wenn sie Ihrer Meinung sind, und nicht, wenn sie versu­chen, andere Meinungen einzubringen. Das ist auf einmal nicht mehr konstruktiv. – Na gut. (Abg. Mag. Wurm: Das ist Autorität und nicht Demokratie!)

Ein Wort noch zum Bundeskanzler, der heute Vormittag über die EU-Erweiterung ge­sprochen hat, über die Abstimmungen, die Referenden in den Ländern, und dann den merk- und denkwürdigen Satz gesagt hat, dass er stolz und glücklich sei, dass Öster­reich an dieser EU-Erweiterung mitwirken konnte. – Wenn ich daran denke, welcher Koalitionspartner vor allem in den ersten Jahren dieser schwarz-blauen Regierung mit dem Herrn Bundeskanzler Politik gemacht hat, so muss ich sagen: Da war doch einer der Kerne für die Schwierigkeiten, die es bei der Erweiterung gegeben hat, zu suchen. Deswegen wundere ich mich doch schon sehr, wie „stolz“ und „glücklich“ der Bundes­kanzler über die Mitwirkung der österreichischen Bundesregierung an diesem Prozess ist.

Kurz zur Erinnerung: Sie wissen vielleicht, dass das Grenzgänger- und Praktikanten­abkommen mit Tschechien, das seit zwei Jahren, seit August 2001, von Minister Bar­tenstein unterschrieben ist, bis heute nicht das Licht des Nationalrates und des zustän­digen Außenpolitischen Ausschusses gesehen hat. Unter anderem ist das in der letz­ten Legislaturperiode deshalb nicht geschehen, weil die FPÖ dagegen war, es über­haupt in den Ministerrat zu bringen, und diesmal war es im März auf der Tagesordnung des Ministerrates. – Herr Präsident Khol, Sie erinnern sich, dass wir das auf unserem


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Flug nach Prag am 1. April feststellten. – Aber dann wurde es von der Tagesordnung genommen, und wir haben es immer noch nicht hier im Parlament.

Das nennt man eine „gute“ Zusammenarbeit mit den Nachbarn, meine Damen und Herren von der ÖVP?! – Es ist schändlich, dass dieses Gesetz immer noch nicht durch den Ministerrat ist! Es würde mich interessieren, warum, und ob es wieder die Freiheit­lichen sind, die das verhindern. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Das ist keine glückliche Mitwirkung Österreichs und dieser Bundesregierung an dem so wichtigen und notwendigen Prozess der EU-Erweiterung!

Lassen Sie mich nun zu zwei Budgetbegleitgesetzen kommen, die wir hier heute disku­tieren und die Sie morgen husch, pfusch und ruck, zuck beschließen wollen. Mir geht es um das Ausfuhrfinanzierungsförderungsgesetz und das Ausfuhrförderungsge­setz 1981.

Diesbezüglich haben Sie eine Novelle vorgelegt mit dem Ziel, bessere Konditionen für die Exporteure zu schaffen, aber dieses Ziel werden Sie mit diesem Gesetz sicher nicht erreichen. Ich bin erstaunt, dass Sie hier jetzt ein paar Änderungen vorgenom­men haben, aber im Grunde die gesamte Kritik, die einhellig von allen Begutachtern gekommen ist, einfach so den Bach runtergehen lassen. Einhellige Kritik kommt nicht nur von der Arbeiter­kammer, die auf Grund von unterschiedlichen Interessenslagen eine andere Position hat, sondern es kommt auch einhelligste Kritik von der Industriel­lenvereinigung, von der Wirtschaftskammer, von der Oesterreichischen Nationalbank, vom Völkerrechtsbüro des Außenministeriums. Alle sagen – und ich werde Ihnen ein paar dieser Zitate zur Kenntnis bringen –, dass es nicht nötig ist, dieses Gesetz über­haupt zu novellieren.

Da geht es nämlich darum, dass nicht mehr drinnen stehen soll, dass die Österreichi­sche Kontrollbank die Bevollmächtigte des Bundes ist, sondern dass diese Bevoll­mächtigte vom Finanzministerium, vom Finanzminister eingesetzt werden kann. Die Kontrollbank steht nicht mehr drinnen, und die Leute in der Kontrollbank fragen sich: Wer soll denn das jetzt machen? Irgendjemand anderer? Wer denn, Herr Finanzminis­ter – der leider jetzt nicht da ist –?

Sie haben mir, Sie haben den Grünen im Ausschuss keine Antwort auf diese Fragen gegeben. Vielleicht kann es der Herr Staatssekretär beantworten. Wer soll das jetzt machen?

Sie wollen auch die Agenden trennen, die Finanzierungs- und Versicherungsfragen. Vor allem begründen Sie das damit, dass Sie sagen, es müsste mehr Wettbewerb ge­ben, die Exportförderagenturen müssten vor allem im nationalen Bereich verstärkt dem Markt ausgesetzt werden, denn das sei besser für die Exporteure. – Ich glaube, es ist Ihnen entgangen, dass keine einzige Exportförderagentur dieser Welt im nationalen Raum Wettbewerb oder Konkurrenten hat. Die sind dazu da, nicht marktfähige Risken für die heimischen Exporteure und für die heimischen Firmen abzudecken, und nicht dazu, einander im nationalen Rahmen Konkurrenz zu machen. Die haben im nationa­len Rahmen keine Konkurrenten. Wozu machen Sie dann so ein Gesetz?, frage ich mich wirklich.

Ich möchte Ihnen einige der Kritikpunkte, zum Beispiel von der Industriellenvereini­gung, vorlesen. Die Industriellenvereinigung hat kritisiert, dass diese Änderung sogar bedeutet, dass man kei­ne ge­setzliche Zustimmung mehr vom Parlament braucht. – Ich danke der Industriellenvereinigung dafür, dass sie auch an das Parlament gedacht hat.

Aber da heißt es auch, dass es keinen plausiblen Grund gibt – ich zitiere die Industriel­lenvereinigung –, das Bevollmächtigungsverhältnis mit der Österreichischen Kontroll-


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bank in Frage zu stellen, und dass der Aufbau neuer oder gar paralleler Strukturen ohne erkennbare Vorteile mit hohen Kosten sowie mit einer Verunsicherung der Nutzer des Systems verbunden wäre.

Ist das im Interesse der österreichischen Wirtschaft, wenn die Industriellenvereinigung sagt, dem ist nicht so?

Die Wirtschaftskammer findet sogar sehr harte Worte. Sie sagt nämlich, es sei nicht logisch, dieses Argument des Wettbewerbs. Es sei einfach nicht zutreffend, weil es international keine im nationalen Wettbewerb stehenden Exportförderagenturen gibt.

Die Wirtschaftskammer spricht auch davon, dass sie befürchtet, dass es hier größere Unsicherheit vor allem für die Klein- und Mittelunternehmen geben wird, vor allem Richtung Osteuropa. Ich frage mich, wie Sie, Herr Kollege Mitterlehner, das sehen. Ihre Wirtschaftskammer findet, dass dieses Gesetz völlig unnotwendig ist, realitätsfremd, un­logisch und so weiter. Trotzdem wollen Sie dem zu­stimmen? Da frage ich mich schon, mit welcher Begründung Sie das tun.

Sie werden sich vielleicht wundern, warum gerade jemand von den Grünen hier die Interessen der Kontrollbank oder der österreichischen Firmen für den Export vertritt. Ein Punkt ist der, dass ich, dass wir Grünen etwas gegen unseriöse Gesetze haben, gegen Gesetze, für die kein Bedarf besteht, die man wahrscheinlich in Kürze wieder novellieren muss, Gesetze, angesichts derer man sich fragt: Was steht dahinter? Wett­bewerb um jeden Preis? – Herr Staatssekretär Finz! Das nützt den österreichischen Firmen nichts. Diesen Wettbewerb gibt es im nationalen Rahmen nicht, und gegen solche willkürlichen und sinnlosen Gesetze, meine Damen und Herren, sprechen wir Grüne uns aus.

Eine Novellierung dieses Gesetzes wäre zweifellos sinnvoll. Wir hätten auch einige Vorschläge. Es gibt zum Beispiel seit kurzem in Rahmen des Exportförderungsverfah­rens ein Umweltprüfverfahren. Aber es steht in diesem Gesetzesvorschlag kein Wort darüber, wie dieses Umweltprüfverfahren gewährleistet und, wenn es nach uns geht, auch verbessert werden soll, wenn alles nur unter den Primat der Kostenreduktion ge­stellt wird. Wie soll das denn dann weitergehen? Wie sollen denn die Firmen das finan­zieren?

Eine andere Novellierung würden wir sehr wohl akzeptieren, ja wir haben entsprechen­de Vorschläge schon in der letzten Legislaturperiode eingebracht und werden es noch einmal tun. Aber davon ist hier nichts zu lesen, nämlich dass bindende Umwelt-, Sozi­al- und Menschenrechtsstandards sowie eine transparente Vorgehensweise für die Firmen, die Exportförderung bekommen, im Ausland da sind, transparent für alle, so­wohl in dem Land, in dem sie dann investieren, als auch in Österreich selbst.

Von all dem ist in diesen beiden Gesetzesnovellen überhaupt nichts zu sehen! Da fra­ge ich mich – und richte diese Frage noch einmal an die ÖVP, vor allem an die Vertre­ter von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung, an jene, die Klein- und Mittel­unternehmen vertreten –, warum Sie hier einen Weg gehen, den die Interessen­vertre­tungen, die Ihnen nahe stehen, ablehnen. Die sagen: Das brauchen wir nicht, das ist sinnlos, das ist nicht notwendig!

Ist das der neue Weg dieser Regierung, oder geht da einfach der – früher freiheitli­che – Finanzminister jetzt seinen Weg, den die Regierung zwar mit ihm geht, aber viele in der ÖVP nicht? Oder – da ich manche von Ihnen jetzt Zeitung lesend hier sehe – interessiert Sie das alles nicht? Ist es Ihnen recht, wenn diese Regierung Ihnen das und jenes vorgibt? Sie stimmen einfach zu, egal, was das im Detail bedeuetet.


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Jedenfalls: Unsere Zustimmung erhalten Sie zu diesem Gesetzespfusch nicht! (Beifall bei den Grünen.)

17.37

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gemeldet ist als Nächster Herr Abgeordneter Neudeck. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 5 Minuten. – Bitte.

 


17.37

Abgeordneter Detlev Neudeck (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Neben der Pensionssicherungsreform als Kernstück der Budgetbegleitgesetze soll doch nicht untergehen, was diese Regie­rung – obwohl die SPÖ etwas anderes sagt; aber anscheinend lesen Sie das, was im ursprünglichen Text gestanden ist, und nicht das, was im Sinne eines gelebten Parla­mentarismus hier im Hohen Haus noch ausverhandelt wurde und auch jetzt noch aus­verhandelt wird, um eine Pensionssicherungsreform zu machen, die diesen Namen verdient – außerdem noch macht:

Diese Regierung entlastet nämlich kleine und mittlere Unternehmen, indem sie den Rudolf-Edlinger-Ka­lender wie­der rich­tig stellt und ein­en vö­llig unlogischen 13. Um­satzsteuertermin abschafft. Das entlastet kleinere und mittlere Einkommen. Aber all das ist für die SPÖ kein Thema. Sie will die Sicherung ihre Pfründe und ihrer Privi­legien.

Am Freitag stand in der „Presse“ ein Artikel, aus dem ich etwas zitieren möchte. Da heißt es unter der Überschrift „Die kommunalen ,Pensionskaiser‘“:

„Gäbe es ein ,Pensionsbuch der Rekorde‘, dann wäre eine Wiener Stadtwerke-Tochter reif für eine Eintragung: Wiengas hat nämlich mehr Pensionisten auf der Gehaltsliste als aktive Mitarbeiter. Gezählte 1 154 Beschäftigte sorgen für die Gasbelieferung der Wiener Haushalte, 1 435 ehemalige Mitarbeiter schauen nur mehr jeden 1. des Mona­tes, ob die Pension auf ihrem Konto auch eingelangt ist.“

Das sind durchaus Pensionen in einem Bereich, wo Sie hätten harmonisieren können, wo Sie etwas hätten tun können, denn die­se Pen­sionen liegen im Bereich von 1 857 € – Magistrat –, 2 255 € bei den Landeslehrern und 1 652 € bei den Wiener Stadtwerken.

In dem Artikel sagt Alexander Fieber: „Rudolf Hundstorfer, Wiener SP-Gemeinderat, ist ein mächtiger Mann. Er vertritt nämlich als Gewerkschaftsboss alle Gemeindebe­diensteten ...“

Weiters heißt es, das sich Hundstorfer bei 70 000 Mitgliedern für die Bereitschaft, beim Streik mitzutun, bedankt.

„,Diese Art von Reform wollen wir nicht‘“, ... natürlich ohne einen Gegenvorschlag zu unterbreiten.“ – Das ist Tradition in der linken Reichshälfte.

Weiters heißt es in der „Presse“: „Wozu auch. Derzeit genießen doch tausende Pensi­onisten aus dem Wiener Kommunalbereich den Ruhestand in vollen Zügen. Und wa­rum soll es künftigen Pensionisten im Magistrat, unter den Landeslehrern oder bei den Wiener Stadtwerken einmal schlechter gehen als den derzeitigen?

Auf diese Weise gewinnt man zwar Wahlen. Man gefährdet jedoch den Lebensabend der jüngeren Semester.“

Man könnte noch sagen: Was soll man dort tun, beziehungsweise warum ist es schlecht, wenn es einigen wenigen gut geht?

Weiters heißt es in diesem Artikel:


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20. Sitzung / Seite 138

„Und verteuert schon jetzt die Lebenshaltungskosten der Familien. Werden doch die Kunden für die beachtlich über der ASVG-Höchstpension liegenden Ruhestandsbezü­ge bei Wienstrom, Wiengas und Co über die Strom- und Gastarife seit Jahren kräftig zur Kasse gebeten. Davon sind auch viele Mindestrentner betroffen“, die die Privilegien dieser Pensionisten bezahlen müssen.

Weiters: „Von einem sozial gerechten Pensionssystem, das Hundstorfer im Verein mit ÖGB und SPÖ von der Bundesregierung fordert, kann daher in der Wiener Kommune nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Die traditionell in Wien regierende SPÖ hat in den vergangenen Jahr­zehnten ein Zwei-Klassen-Ruhe­stands­system installiert. Es ist höchste Zeit, dass auch Wien sein System reformiert – und vor allem die traditionsrei­chen Privilegien für die kommunalen ,Pensionskaiser‘ stoppt.“ – So weit für die Berei­che, wo die SPÖ das Sagen hat.

Kollegin Lunacek! Dann ist mir gerade beim Lesen der „Kronen Zeitung“ unter „profile pointen“ etwas aufgefallen. Es haben heute ja alle Sekretariate auf Grund einer Ein­schaltung des ÖGB heftige Anrufe gehabt. Das ist interessant, unsere Mitarbeiter ha­ben das durchgestanden. Aber da steht – ich zitiere –: „Ausgerechnet SPÖ-Abge­ordnete ersuchten die Hauszentrale, gewerkschaftlich motivierte Anrufer nicht mehr weiterzuleiten, erzählte man zumindest schmunzelnd im Klub der ÖVP.“ (Zwi­schenruf des Abg. Verzetnitsch.)

Eines noch zum „guten Geschmack“: Die Gewerkschaft hat uns da eine Einladung zu­kommen lassen. Es heißt darin, wir würden ein kleines Präsent bekommen, sollten wir morgen zustimmen.

Kollege Verzetnitsch! Gutschein an die ÖVP und FPÖ-Abgeordneten, „Gutschein für einen besonders deftigen Einlauf“. – Ohne Argumente, muss ich sagen, können Sie sich das wo hinschieben! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

17.43

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Herr Kollege Detlev, bitte! (Abg. Neudeck: Ich heiße Neudeck! – Für Ihre Phantasie kann ich nichts!) Kollege Neudeck, so geht es nicht! Nein, so geht es wirklich nicht! (Ruf bei der SPÖ: Das ist ein Skandal!) Darf ich Sie noch einmal bitten, diesen Ausdruck als nicht parlamentarisch zurückzunehmen. (Abg. Neudeck: Nein, ich kann nichts für Ihre Phantasie!) – Gut, dann erteile ich Ihnen für diese Formulierung einen Ordnungsruf.

Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dobnigg. – Bitte.

 


17.43

Abgeordneter Karl Dobnigg (SPÖ): Herr Präsident! Meine Herren auf der Regie­rungsbank! Werte Kolleginnen und Kollegen! Hohes Haus! Es wäre wohl besser, Kol­lege Lopatka würde sich, bevor er zum Thema „Pensionen“ spricht, besser informieren. Bei Ihnen in der ÖVP scheint es so zu sein, dass die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut, denn vor 12 Minuten hat der ORF Tirol eine Aussage von AK-Präsidenten Dinkhauser gebracht, und zwar dahin gehend, dass laut Dinkhauser die Pensionsre­form abzulehnen sei. Er sagte, diese Reform sei unsozial und die ASVG-Bezieher sei­en Draufzahler. – 10. Juni, 17.30 Uhr, ORF Tirol.

Frau Abgeordnete Bleckmann hat heute die Aussage getroffen: Wir verhandeln bis zum Schluss. Es stellt sich hier die berechtigte Frage: Ja worüber verhandeln Sie? – Über das von Ihrer Regierungsmannschaft vorgelegte Pensionskürzungsprogramm? Sie müssen ja selbst zugeben, dass diese Pensionsreform unsozial, ungerecht und unfair ist. Genau das haben wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten und der ÖGB in den letzten Tagen und Wochen behauptet, und zwar mit Recht behauptet!


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Diese ÖVP/FPÖ-Regierung verunsicherte in den letzten Tagen und Wochen die Bevöl­kerung in Österreich mit ihrer Drüberfahrer-Methode. Die so genannte Pensionsreform und Schulreform verdienen ihren Namen nicht, denn nach Ihrem Vorgehen und Ihrem Vorhaben sind es Unwörter, denn beide so genannten Reformen dienen ausschließlich zum Stopfen von Budgetlöchern.

Wenn Sie, werte Kolleginnen und Kollegen, sich draußen bei den Menschen umhörten, würden Sie vielleicht auch deren Sorgen und Anliegen ernst nehmen, ernster als jetzt, aber anscheinend interessieren Sie die Anliegen, die Sorgen der Menschen nicht. Sie brauchen diese Menschen vor den Wahlen nur als Stimmvieh. Zwischenzeitlich sind Ihnen diese Menschen und deren Probleme völlig egal.

Viele ältere Menschen sagen immer wieder: Wir haben nach dem Krieg wenig bis gar nichts gehabt, haben unser Österreich miteinander und gemeinsam aufgebaut und viele soziale Errungenschaften erreicht! – Ihnen von ÖVP und FPÖ ist es aber vorbild­lich gelungen, innerhalb kurzer Zeit dieses soziale Netz zu durchlöchern und den so­zialen Frieden in unserem Lande zu gefährden. (Beifall bei der SPÖ.)

Viele Eltern und Lehrer quer durch alle Parteien zeigen sich bei den Diskussionen über die fast täglich erfolgenden negativen Aussagen von Frau Bundesminister Gehrer ge­genüber den Lehrerinnen und Lehrern empört, und das mit Recht. Diese Aussagen treffen diese Berufsgruppe in einer Art und Weise, welche sich diese erstens nicht ver­dient hat. Zweitens tritt man zusätzlich auf eine Berufsgruppe, welche unsere Jugend auf die Zukunft und ihr berufliches Wirken bestens vorbereiten soll. Ihre negativen und demotivierenden Aussagen kann sich Frau Bundesminister Gehrer ersparen, sie sind auch sehr entbehrlich. (Beifall bei der SPÖ.) Dafür wäre es ratsamer, sich vor Ort in den Schulen Diskussionen mit den Lehrern, Eltern und Schülern zu stellen. Auch da wäre eine bürgernahe Politik und kein Drüberfahren gefragt.

Diese ÖVP/FPÖ-Regierung scheint ebenso völlig vom Virus des Abkassierens befallen zu sein, denn nicht nur bei den Pensionen, sondern auch im Gesundheitsbereich soll kräftig abkassiert werden. Krank sein wer­den sich in Zu­kunft viele Österreicherinnen und Österreicher, und da im Besonderen die ältere Generation, bald nicht mehr leisten können. So wird der Krankenversicherungsbeitrag für Pensionistinnen und Pensionis­ten um ein Prozent angehoben. Es ist dies eine weitere Schmälerung der Pensionen, welche in den letzten Jahren durch diese ÖVP/FPÖ-Regierung leider ohnehin immer geringer wurden.

Doch damit nicht genug. Es wird auch noch ein 20-prozentiger Selbstbehalt eingeführt. Werte Kolleginnen! Werte Kollegen! Hohes Haus! Österreichs Pensionistinnen und Pensionisten haben es sich nicht verdient, als Melk­kühe der Na­tion missbraucht zu werden (Beifall bei der SPÖ), haben wir doch alle – ich betone: alle – von ihrem groß­artigen Einsatz und ihrer Aufopferung profitiert und hat sich diese ältere Generation deshalb unsere vollste Wertschätzung und Unterstützung für einen sorgenfreien und finanziell abgesicherten Lebensabend verdient. (Beifall bei der SPÖ. – Zwischenruf des Abg. Dr. Trinkl.)

Werte Kolleginnen! Werte Kollegen! Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten stehen jedenfalls für faire, sichere und gerechte Pensionen, und wir stehen zu hundert Prozent zu unserer älteren Generation. (Beifall bei der SPÖ.)

17.49

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Kopf. Die Uhr ist auf 6 Minuten gestellt. – Bitte.

 



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17.49

Abgeordneter Karlheinz Kopf (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Die österreichische Wirtschaft vollbringt Jahr für Jahr großartige Leistungen und behauptet sich im internationalen Wettbewerb wirklich großartig, und das, obwohl sie mit einigen beträchtlichen Handicaps zu kämp­fen hat, Handicaps, die von der Politik, und das vor allem von der Politik zurückliegen­der Jahrzehnte, also sprich sozialdemokratischer Politik im Finanzressort, im Sozial­ressort geprägt sind, Handicaps, die von dort herrühren. (Rufe bei der SPÖ: Oje! – Abg. Steibl: So ist es!)

Er­ster Punkt: Un­sere Betriebe haben eine Eigen­kapitalaus­stattung, die uns mit 28 Pro­zent zu einem der Schlusslichter in Europa macht. Das hat eindeutig seine Ur­sachen in einer verfehlten Steuerpolitik der vergangenen Jahre, nämlich einer Politik, die zu einer der höchsten Steuer- und Abgabenquoten geführt hat. Diese hohe Steuer- und Abga­benquote wiederum führt eins zu eins zu einem Entzug von Eigenkapital aus den Unternehmen.

Wenn man sich dann noch anschaut, wie es den Betrieben geht, die genau die Struktur der österreichischen Wirtschaft verkörpern, nämlich jene mit bis zu neun Beschäftigten, dann sieht man, dass deren Eigenkapitalquote gerade einmal bei noch 9,9 Prozent liegt. Meine Damen und Herren! Die Politik der vergangenen Jahrzehnte heißt hohe Schulden. Diese hohen Schulden produzieren zwangsläufig hohe Steuern und führen, wie gesagt, zu einem Entzug des Eigenkapitals.

Wir tun etwas dagegen, diese Koalition tut etwas dagegen, meine Damen und Herren! Wir haben mit der Sparpolitik der letzten drei Jahre den Spielraum dafür geschaffen, dass wir jetzt einen Entlastungsschritt genau an diesem wunden Punkt setzen können, dass wir nämlich jene Gewinne, die die Unternehmen Gott sei Dank machen, künftig nur noch mit dem halben Steuersatz besteuern werden. Das heißt, nicht entnommene Gewinne werden künftig bis zu einer Summe von 100 000 € nur mit der Hälfte belastet werden, was den Betrieben eins zu eins die Möglichkeit bietet, verstärkt Eigenkapital zu bilden und damit ihre Existenz und die Arbeitsplätze in diesen Betrieben abzusi­chern – etwas, was die Wirtschaft seit langem fordert. Diese Koalition setzt es jetzt um! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Zweites Handycap Österreichs: Wir haben eine Erwerbs­quote der 55- bis 64-Jährigen, die gerade einmal bei knapp unter 30 Prozent, nämlich bei 29,8 Prozent liegt. Wir sind damit ebenfalls nahezu Schlusslicht in Europa. Die EU liegt bei 42 Prozent. – Das ist unter anderem ein Produkt einer völlig falschen Arbeits­marktpolitik sozialistischer Sozialminister. (Zwischenruf der Abg. Sburny.) Wir haben den Sozialminister in dieser Zeit nie gestellt, liebe Frau Kollegin. (Abg. Sburny: Jetzt!) Das ist Produkt dieser verfehlten Arbeitsmarktpolitik, die nichts anderes zu tun gewusst hat, als bei jedem kleinsten Arbeitsmarktproblem die Menschen noch früher in Pension zu drängen, als es ohnedies schon der Fall war. Das Resultat heute: Die Menschen gehen noch weit vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter in die vorzeitige Alterspen­sion; ich rede gar nicht von der gesetzlichen Alterspension. – Das ist ein Resultat der verfehlten Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahrzehnte.

Wir tun mit dieser Pensionsreform etwas dagegen. Wir werden unserer Verantwortung gerecht und erhöhen unter anderem notwendigerweise das Pensionsantrittsalter, um nämlich eines zu sichern: dass unsere unter 40-Jährigen sich dieses umlagenfinanzier­te Pensionssystem auch in Hinkunft noch leisten werden können.

Womit begegnen Sie dann uns und unseren Abgeordneten, die sich dieser Aufgabe stellen, die das sicher nicht leichtfertig tun? – Mit Untergriffen, die wirklich zum Himmel schreien. Unsere Kollegin Susanne Wegscheider muss sich in Oberösterreich Folgen-


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des vor ihrem Geschäft gefallen lassen: Da werden von AK und ÖGB Flugzettel ver­teilt. Da steht: „Susanne Wegscheider Abgeordnete zum Nationalrat der ÖVP“. Der erste Satz lautet:

„Zur Pensionsreform sag nein, dann kaufen wir wieder bei dir ein.“ (Abg. Dr. Stumm­voll: Ungeheuerlich!)

Das erinnert fatal an Sätze, die gefallen sind – Sie wissen, zu welcher Zeit, in der es geheißen hat: „Kauft nicht ein bei ...!“

Meine Damen und Herren! Das ist eine solche Ungeheuerlichkeit einer frei gewählten Abgeordneten dieses Hohen Hauses gegenüber, was die Ausübung ihres freien Man­dates betrifft. Das schreit zum Himmel! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Zwi­schenruf des Abg. Öllinger.)

Meine Damen und Herren! Noch ein letzter Punkt: Die Liquidität, die unseren Finanz­ministern in den Budgets durch die Schuldenpolitik, die gemacht worden ist, abhanden gekommen ist, und die Liquiditätsprobleme, die daraus resultierten, haben zuletzt in einem gegipfelt: dass es einem sozialdemokratischen Finanzminister eingefallen ist, einen 13. Monat zu erfinden. Das hat dazu geführt, dass die Betriebe ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt am Ende des Jahres, zu dem sie noch das 14. Monatsentgelt haben zahlen müssen, auch noch die 13. Umsatzsteuervorauszahlung haben leisten müssen. Damit ist ihnen zum ungünstigsten Zeitpunkt Liquidität entzogen worden. Wir schaffen dieses Ärgernis jetzt ab und beseitigen diese 13. Umsatzsteuervorauszahlung noch im heurigen Jahr.

Zusammenfassend: Eine sparsame Budgetpolitik hat es uns ermöglicht, dass wir in Hinkunft die Ansprüche des Staates zurückschrauben können, dass wir mit weniger Staat auskommen und damit mit einer niedrigeren Steuer- und Abgabenquote.

Meine Damen und Herren! Die Wahl des Jahres 2002 hat es gezeigt: Die Menschen können mit diesem Kurs etwas anfangen. Sie sind damit einverstanden, dass wir sa­gen: Wir geben nicht mehr aus, als wir haben, um den Menschen dann auch nicht mehr nehmen zu müssen, als unbedingt notwendig ist! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

17.56

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Haidlmayr. Die Uhr ist auf 8 Minuten gestellt. – Bitte.

 


17.56

Abgeordnete Theresia Haidlmayr (Grüne): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Mei­ne sehr geehrten Damen und Herren! Folgendes ist schon recht be­zeichnend: Es ist jetzt fünf Minuten vor 18 Uhr, und die Bundesregierung hat heute und auch in den letz­ten Wochen immer wieder versucht, uns klar zu machen, was für ein tolles Budgetbe­gleitgesetz sie eigentlich gemacht hat und dass das das Überdrüber ist. Jetzt sitzen wir da seit 10 Uhr, und acht Stunden später glaubt die eigene Bundesregierung nicht mehr an ihren Murks, den wir schon so genannt haben, denn sonst würden noch mehr Ver­treter der Regierung auf der Regierungsbank sitzen als der Herr Staatssekretär, der wahrscheinlich am wenigsten dafür kann. Aber so ist es halt eben. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ich weiß es nicht, vielleicht ist Ihr Anteil, Herr Staatssekretär, auch sehr gewichtig ge­wesen, aber dies zeigt auf jeden Fall, wie „intensiv“ diese Regierung hinter ihrem Budgetbegleitgesetz steht, wenn nach acht Stunden Sie als Einziger mehr oder weni­ger da sitzen und das noch ver­treten müssen. Zum All­gemeinen brauche ich nicht mehr recht viel zu sagen.


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Wer sich das Budget­begleit­gesetz angeschaut und die heutige Diskussion etwas nach­vollzogen hat, der merkte, dass immer gesagt wurde: Wir brauchen die Abfangjäger, koste es, was es wolle, es ist alles Wurscht, die brauchen wir, das müssen wir uns leis­ten!, nach dem Motto: Jeder braucht sein Spielzeug!, und da hilft halt einmal nichts!

Aber auf der anderen Seite hält es die Bundesregierung für eine Selbstverständlichkeit, dass die Pensionen gekürzt werden, dass Sozialversicherungsbeiträge erhöht werden, indem jetzt auch ein Versicherungsbeitrag für Freizeitunfälle bezahlt werden muss, et cetera. Das alles findet anscheinend die Bundesregierung korrekt. Wenn es darum geht, den Leuten Geld abzunehmen, dann sind Sie die Ersten, die für diese Sache zu haben sind, und wenn es darum geht, für sich selbst irgendetwas anzuschaffen, dann sind Sie auch die Ersten, die das wirklich ohne Hemmung tun.

Herr Sozialminister Haupt hat das auch in seinem Bereich sehr deutlich vorgeführt – schade, dass er heute nicht mehr da ist –, und er wird auch wissen, warum.

Ich möchte das nur am Bei­spiel der Pflege­vorsorge demonstrieren. Damals, als Schwarz-Blau in die Regierung gekommen sind, war es Frau Ministerin Sickl  – einigen doch noch sehr bekannt –, die damals gesagt hat: Es gibt eine Einmalzahlung beim Pflegegeld! Dann ist die Frau Sickl weg gewesen und Herr Haupt gekommen. Er hat gesagt: Ich habe euch nichts versprochen, von mir bekommt ihr nichts! – Okay, das mussten wir zur Kenntnis nehmen.

Jetzt haben wir die neue Regierung. Die ist wieder schwarz-blau. Bevor Herr Haupt noch Sozialminister war, hat er groß­mundig erzählt: Wenn ich wieder Sozialminister werde, gibt es 2,5 Prozent Valorisierung beim Pflegegeld! – Da haben wir uns gedacht, ein schöner Einstieg dafür, dass seit 1996 das Pflegegeld nicht valorisiert worden ist, denn das ist uns damals unter Rot-Schwarz gekappt worden. So ist es eben.

Dann war plötzlich von den 2,5 Prozent nicht mehr die Rede. Er hat gesagt: Nein, das war ein Blödsinn, machen wir nicht die 2,5 Prozent, ihr bekommt alle eine Einmalzah­lung! Es wurde eine Regierungsvorlage gemacht, die eine Einmalzahlung vorgesehen hat, und dann hat es drei oder vier negative Stellungnahmen gegeben, und diese wa­ren für Sozialminister Haupt der Grund, warum er gesagt hat: Okay, wenn es drei, vier gibt, die das nicht wollen, dann gibt es eben gar nichts mehr!

Jetzt gibt es die Einmalzahlung auch nicht. Das kann man, wenn man möchte, zur Kenntnis nehmen. Wenn aber heute über 600 000 Menschen dagegen unterschreiben, dass Abfangjäger angekauft werden, setzt man sich darüber hinweg. Zwei, drei gibt man Recht, aber wenn es Hunderttausende sind, dann setzt man sich darüber hinweg. Angesichts dessen frage ich mich schon: Wo ist da die Wertigkeit?

Ich möchte wirklich einmal aufgeklärt werden, ob 400 000 BezieherInnen von Pflege­geld nichts mehr wert sind, nur weil drei dagegen sind. Wenn aber 600 000 Menschen gegen etwas sind, dann sagt man: Diese sind auch nichts wert, weil wir trotzdem ma­chen, was wir wollen. Es ist also völlig egal, in welche Richtung es geht, es wird sowie­so nur das gemacht, was die Regierung will, und die Stimme der Bevölkerung hat über­haupt keinen Stellenwert mehr. Man setzt sich darüber hinweg und sagt: Wir sind wir, wir machen das, was wir wollen, und das, was die anderen wollen und sagen, ist uns einfach egal! Wir sind die Größten, hinter uns die Sintflut! Da kann jeder machen, was er will, wir ziehen alles durch, was wir wollen!

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das ist nicht die Demokratie, die wir uns vor­stellen und die sich die Bevölkerung vorstellt. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeord­neten der SPÖ.)

Wenn wir heute schon so weit sind, dass die Bevölkerung und Menschen, die ohnehin nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind, heute überhaupt nichts mehr wert


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sind, sondern nur mehr dann der Regierung in den Sinn kommen, wenn es bei ihnen etwas zum Holen gibt, dann, so denke ich, sind wir schon sehr tief gesunken.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Pflegegeld haben wir Menschen mit Be­hinderung nicht freiwillig bekommen, dafür haben wir jahrelang gekämpft, und zwar mit allen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung gestanden sind. Dass man uns aber die letzten acht Jahre auf Grund der Nicht-Valorisierung um 25 Prozent des Pflegegeldes gebracht hat und dass Menschen mit Behinderung mehr denn je wieder gezwungen sind, in stationäre Einrichtungen abwandern zu müssen, weil sie sich ganz einfach die Assistenz zuhause nicht mehr leisten können, das ist für Sie kein Thema mehr. Ganz im Gegenteil: Herr Minister Haupt hat sogar behauptet, die Rücknahme der Einmalzah­lung wäre mit den Behindertenorganisationen abgesprochen, die wären dafür gewe­sen.

Das muss man sich bitte einmal vorstellen! Die Behindertenorganisationen haben na­türlich sofort einen Aufschrei gemacht und gesagt, das sei wirklich der Gipfel, dass sie jetzt auch noch vom Minister für Einschränkungen benutzt werden, indem er behaup­tet, das wäre mit ihnen abgesprochen. Mit uns behinderten Menschen und mit der Dachorganisation war überhaupt nichts abgesprochen, sondern der Herr Minister hat uns dazu benutzt, um diese Einmalzahlung nicht gewähren zu müssen. Nicht nur die Dachorganisation hat sich dagegen gewehrt, dass es diese Einmalzahlung nicht geben soll, sondern auch Teile der ÖVP.

Der Behindertensprecher der ÖVP ist aber jetzt allein sitzen gelassen worden, denn hinter ihm steht oder sitzt auch niemand mehr.

Herr Staatssekretär Finz! Wenn wir schon so weit sind, dass man Gruppen von Men­schen benutzt, um seinen eigenen Vorteil zu lukrieren, nämlich dass man Zahlungen, die man versprochen hat, nicht mehr gewährt und die Leute noch schlechter stellt, dann, glaube ich, sollte uns das allen zu denken geben.

Sie müssen mit diesem System und mit dieser Politik aufhören! Es kann nicht sein, dass immer nur die Schwächsten in der Gesellschaft und diejenigen, die am meisten auf diese Hilfe angewiesen sind, die Letzten sind, die irgendetwas bekommen. Derzeit ist es aber so.

Sie haben die Untergrenze schon lange überschritten. Ich fordere Sie auf, ich weiß, Sie alleine werden es nicht machen können, aber Sie sind Teil dieser Regierung: Valorisie­ren Sie das Pflegegeld! Das Geld ist da, es ist genug Geld da! Das Problem, das Sie mit Ihrer Regierung haben, ist die Umverteilung. Sie verteilen einfach in die falsche Richtung um. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Wenn Sie von der ÖVP immer sagen, Sie seien eine christliche Partei, die auch die Menschenwerte in den Vordergrund rückt, dann ist es höchst an der Zeit, nicht irgend­wann die Valorisierung zu machen, sondern sofort. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

18.06

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Wattaul. Die Uhr ist auf 5 Minuten gestellt. – Bitte.

 


18.06

Abgeordneter Anton Wattaul (Freiheitliche): Herr Präsident! Werte Herren von der Bundesregierung! Hohes Haus! Ich möchte heute über das Road-Pricing bezie­hungsweise über die Kfz-Steuer sprechen, denn die Meldungen aus der österreichi­schen Wirtschaftskammer sind für mich nicht nachvollziehbar.


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Wir alle wissen, dass ab 2004 das Road-Pricing eingeführt wird, dass parallel dazu die StraBA – das ist der Straßenbenützungsabgabe – gänzlich fallen und die 1999 verdop­pelte Kfz-Steuer wieder gesenkt wird. Das heißt, auf Grund dessen, weil diese Sen­kungen natürlich nur den österreichischen Frächter treffen und das Road-Pricing jeden LKW, natürlich auch ausländische LKW, trifft, kommt es zu einer Standortverbesserung für die österreichische Transportwirtschaft. Deshalb verstehe ich nicht ganz, dass jetzt von der Wirtschaftskammer Broschüren verteilt werden, in denen steht, dass quasi das Road-Pricing zu hart sei, dass das nicht in Ordnung sei.

Man weiß natürlich schon, dass der Preis im Vergleich zu Deutschland in Österreich höher ist, aber das hat damit zu tun, dass wir höhere Kosten haben und dass auf den österreichischen Autobahnen nicht so viel Verkehr ist. Dieser Tarif, der im Übrigen von einem privaten Institut, nämlich von Herrn Herri, berechnet worden ist und der dann für das Road-Pricing kassiert wird, wird von der EU kontrolliert. Es ist nicht so, dass der Minister den Preis festlegt, aber das weiß natürlich auch die Wirtschaftskammer. Daher muss ich schon sagen, dass das für mich nicht nachvollziehbar ist, dass man da billige Polemik betreibt, weil, wie gesagt, der Standort für die Frächter in Österreich dadurch verbessert wird.

Ich gebe zu, dass die Kfz-Steuer im internationalen Vergleich noch zu hoch ist. Dies­bezüglich müsste man noch etwas machen, aber es gibt Gespräche in Richtung Öko­logisierung.

Noch eine Bemerkung zu den ÖBB: Die Kosten bei den ÖBB – damit wir das nicht ver­gessen – belaufen sich im Jahr auf 4 Milliarden € oder umgerechnet auf 55 Milliarden Schilling. Da, glaube ich, haben wir schon ein sehr großes Rationalisierungspotenzial. Wenn man von Verschwendung spricht, dann muss man sich einmal anschauen, was in der Vergangenheit – ich sage jetzt einmal, in den letzten drei Jahrzehnten – bei den ÖBB alles passiert ist und wie viel Geld im wahrsten Sinne des Wortes durch den Rauchfang hinausgegangen ist. Das muss man schon einmal sagen, meine Herren! (Zwischenruf der Abg. Dr. Lichtenberger.)

Damit komme ich auch gleich zur SPÖ. Die SPÖ sagt immer wieder, die Pensionsre­form sei unsozial. Wissen Sie, was unsozial ist? – Es ist unsozial, wenn man Schulden macht und diese Schulden dann die nächste Generation, sprich die Erben, bezahlen muss. Das ist unsozial! (Beifall bei den Freiheitlichen. – Abg. Pfeffer: Abfangjäger!)

Ich bringe einen Vergleich, damit Sie es auch verstehen: Wenn Sie und Ihre Familie Schulden machen, so viele Schulden machen, dass Sie drei Jahreseinkommen dafür brauchen, um diese Schulden wieder zu decken, dann werden Sie und Ihre Familie sparen müssen. Und wenn Sie das nicht machen, dann werden Sie irgendwann einmal Ihr Haus und Ihr Vermögen verlieren. Und genauso ist es mit der Republik Österreich. Die Maßnahmen, die jetzt gesetzt werden, sind Maßnahmen, die in den letzten 30 Jahren hervorgerufen wurden, als man in sehr guten Zeiten nicht daran gedacht hat, für die Zukunft vorzubauen, sondern man Schulden gemacht hat. Und wo ist man jetzt? – Jetzt stellen sich jene, die diese Schulden gemacht haben, hier her und erklä­ren uns, wir seien unsozial.

Ich kann Ihnen sagen: Das Gegenteil ist der Fall. Wir denken an unsere Erben. (Abg. Eder: Das glaubt Ihnen niemand mehr!) – Ja, das weiß ich schon, weil ihr glaubt, dass ihr mit eurer Rhetorik die Bevölkerung verunsichern könnt. Das kann ich euch garantieren: Die Bevölkerung wird das erkennen, sie wird sehen, wer in Wahrheit die richtige Politik macht. Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass wir angesichts dieser Pensionsreform am Ende des Tages Recht bekommen werden. – Danke. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

18.11

 



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Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Walter Schopf. Er hat das Wort.

 


18.11

Abgeordneter Walter Schopf (SPÖ): Sehr verehrter Herr Präsident! Werter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Herren der Regierung! Hohes Haus! Herr Abgeordneter Kopf hat wenige Minuten vor mir abwertend für viele Kolleginnen und Kollegen ge­meint, in Österreich gingen die Menschen, vor allem Arbeitnehmer, bereits einige Jahre vor der vorzeitigen Alterspension tatsächlich in Pension. Da sollte man doch die Frage stellen: Warum?

Ich erinnere: Die vorzeitige Alterspension in Österreich ist bekanntlich mit dem Alter von 61,5 Jahren eingeführt worden. Es gibt nur mehr eine Pension, die man vor 61,5 Jahre in Anspruch nehmen kann – außer der Möglichkeit der Altersteilzeit –, und das ist die so genannte Invaliditätspension und Berufsunfähigkeitspension. Das ist jene Pensionsmöglichkeit, bei der auf Grund von ärztlichen Gutachten und speziellen Un­tersuchungen festgestellt wird, dass man nicht mehr in der Lage ist, den Beruf oder eine bestimmte Tätigkeit auszuüben. Vielen Menschen tut es aus finanziellen Gründen Leid, dass sie in Pension gehen müssen, und haben große Schwierigkeiten dadurch. Das ist die Realität. Daher bitte ich jene, die immer so abwertend meinen, mit 61,5 Jahren gebe es zwar Möglichkeit der vorzeitigen Alterspension, doch würden die meisten ohnehin schon vorher in Pension gehen, zu bedenken, dass dies auf Grund massiver gesundheitlicher Schwierigkeiten und Probleme passiert.

Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte nochmals Stellung zu den Abwehrmaß­nahmen beziehen, weil einige gemeint haben, die gewerkschaftlichen Maßnahmen, die in den letzten Wochen und Tagen gesetzt worden sind, seien Maßnahmen, die der Republik Österreich und der österreichischen Wirtschaft nicht dienlich waren und sind. Ich möchte daran erinnern, dass jene Menschen, die an diesen Maßnahmen, egal, ob am 6. Mai, ob bei der riesigen Demonstration mit über 150 000 Menschen am 13. Mai in Wien, teilgenommen haben, aber auch jene über eine Million Menschen in dieser Republik, die sich am 3. Juni am so genannten Abwehrstreik und an ähnlichen Aktivitä­ten beteiligt haben, damit Kritik an der Regierungsvorlage bezüglich Pensionsreform geübt haben. (Beifall bei der SPÖ.)

Diese 1 Million Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen hat teilgenommen und damit sehr klar zum Ausdruck gebracht, dass sie mit dieser Vorlage nicht einverstanden sind. Ich stelle fest: Diese Maßnahmen der Kolleginnen und Kollegen sind Maßnahmen, die sich ganz bewusst nicht gegen den Bundeskanzler und auch nicht gegen die österreichi­sche Regierung gerichtet haben, sondern es sind und waren Maßnahmen, die sich gegen ganz bestimmte Maßnahmen und gegen eine ganz bestimmte Politik gerichtet haben, im Konkreten gegen diesen Regierungsentwurf bezüglich Pensionsreform.

Liebe Damen und Herren! Es war und ist dies eine Politik, die aus rein kurzsichtiger Geldbeschaffungsabsicht massiv und unzumutbar in die Lebensplanung der Menschen eingreift. (Abg. Ellmauer: Das ist ein völliger Blödsinn, was Sie da erzählen!) Nehmen Sie das bitte zur Kenntnis!

Wenn man bei Betriebsversammlungen mit den Menschen darüber diskutiert, dann stellt man fest, dass die Menschen Ängste haben, dass sich die Menschen sorgen, und ich meine, zu Recht. Es geht um jene Menschen, die mit ihrer Arbeit diese Republik und somit unser Österreich aufgebaut und erbaut haben – und dies unter schwierigsten Arbeitsbedingungen. Gerade die ältere Generation hat unter schwierigsten Arbeitsbe­dingungen diese Republik erbaut. Die Arbeiter und Angestellten haben mit ihrer Hän­de- und Kopfarbeit den Wohlstand unseres Landes geschaffen. Sie haben daher, wie schon erwähnt, verständlicherweise Angst, und sie fürchten, dass sie jenen verdienten


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Lohnes, den sie durch ihre Arbeit erworben haben, jetzt von dieser Regierung beraubt werden.

Wir wissen sehr genau, warum man diese Geldbeschaffungsmaßnahmen setzt. Wir wissen genau, dass es darum geht, finanzielle Möglichkeiten zu schaffen, damit Ab­fangjäger angeschafft, Lohnnebenkostensenkungen durchgeführt werden können und damit vor allem vor der nächsten Wahl noch eine symbolische Steuerreform in Kraft treten kann.

Ich bitte – und damit komme ich zum Schluss, meine sehr geehrten Damen und Her­ren – alle, von dieser Reform, von dieser Vorlage Abstand zu nehmen. Ich wiederhole mich – vor zwei Wochen habe ich die Zahlen erwähnt, die mittlerweile auch von den Gebietskrankenkassen Österreichs bestätigt wurden –: Über ein Fünftel der österrei­chischen Arbeiter und Angestellten in Österreich wird nicht älter als 65 Jahre. Sie wer­den daher wegen dieser Regierung bis in den Tod arbeiten.

Sehr geehrte Damen und Herren! Das ist menschenverachtend, unzulässig, und ich bitte daher, davon Abstand zu nehmen. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

18.17

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Freund. Re­dezeit: 6 Minuten. – Bitte.

 


18.17

Abgeordneter Karl Freund (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Geschätzte Herren Bundesminister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geschätzten Damen und Her­ren! Hohes Haus! Diese Bundesregierung nimmt die Verantwortung für die Sicher­heit ihrer Bürger in allen Lebensbereichen sehr ernst: bei der Sicherung der Pensio­nen, bei der Absicherung des Gesundheitssystems, bei der Sicherheit von Leib und Leben und auch bei der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen.

Es steht auch das österreichische Bundesheer im Zentrum, wenn es um die Absiche­rung unserer Lebensinteressen, um Hilfe bei Unfällen und Katastrophen oder die Si­cherung der Staatsgrenzen geht. Dazu gehört auch die Luftraumüberwachung. Ich möchte mich mit diesem Thema heute noch einmal beschäftigen, denn seit Bestehen der Zweiten Republik hat Österreich seinen Luftraum eigenständig überwacht und ge­schützt. Damit dieser Schutz für die Bevölkerung und die Souveränität unseres Staates auch weiterhin gewährleistet ist, muss die Eigenständigkeit erhalten bleiben.

Schon seit den achtziger Jahren war die Nachbeschaffung unter sozialistischen Bun­deskanzlern außer Frage gestellt. Aus populistischen Gründen hat sich jetzt die SPÖ aus dieser Verantwortung verabschiedet – leider. In der Öffentlichkeit wird mit unrichti­gen Horrorzahlen argumentiert. Was haben Sie denn für ein Konzept, um den Luftraum zu schützen? – Keines! Weder Sie von der SPÖ noch Sie von den Grünen haben ei­nes, dafür werden nur unbewiesene Verdächtigungen hier ausgesprochen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Eines muss klar sein: Wir können und dürfen uns in einem Krisenfall nicht auf unsere Nachbarn verlassen, denn in einer Krisensitua­tion denkt jeder zuerst an seinen eigenen Schutz. Und dieser Schutz ist in anderen neutralen Ländern Europas ganz anders als bei uns. Die neutrale Schweiz verfügt über 154 Jagdflugzeuge, Finnland über 64 und Schweden gar über 250! In Österreich sollen 18 Eurofighter angeschafft werden. Das ist das Mindeste, was zur Wahrung der öster­reichischen Lufthoheit vonnöten ist.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass der österreichische Luftraum Teil des EU-Luftraumes ist. Diesen zu sichern ist unsere Pflicht als Mitglied der Europäischen Uni­on. Zu sagen, wir brauchen keine Luftraumüberwachung, ist nicht wahrheitsgemäß. Jährlich werden in Österreich 20 bis 30 Fälle, die den Einsatz von Luftraumüberwa-


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chungsflugzeugen erforderlich machen, gezählt. In den kommenden Jahren werden sie verstärkt zum Schutz bei Großveranstaltungen benötigt werden. Zu vernachlässigen ist natürlich auch nicht der Schutz der Bevölkerung vor möglichen terroristischen An­schlägen.

Selbstverständlich sind Kampfflugzeuge teure Anschaffungen. Das Paket kostet mit der Einführung des Systems knappe 2 Milliarden €, zu bezahlen ab 2007 über neun Jahre hinweg, aber wir dürfen die von der Bundesregierung ausverhandelten Gegen­geschäfte nicht vergessen. 4 Milliarden € oder mehr als 240 Prozent werden die Ge­gengeschäfte beim Kauf der Abfangjäger für die österreichische Wirtschaft ausma­chen.

Eine Reihe oberösterreichischer Firmen wird davon profitieren. Allein in meinem Wahl­kreis werden durch die Firma FACC und weitere mehr als 300 bis 400 Arbeitsplätze in der Region geschaffen. Ebenso positiv werden sich diese Gegengeschäfte natürlich auch auf die Klein- und Mittelbetriebe auswirken. Im Endeffekt werden die gesamte österreichische Wirtschaft und der Arbeitsmarkt in Österreich vom Kauf der Abfangjä­ger profitieren. Ich glaube, diese Regierung hat gut verhandelt.

Arbeitslosigkeit und eine schlechte Konjunkturlage sind zurzeit die größten Probleme in vielen europäischen Ländern. Auch in Österreich müssen wir uns vor dieser Entwick­lung schützen. Im Regierungsprogramm wird daher das Wort „Nachhaltigkeit“ ganz groß geschrieben. Nun bitte ich Sie, meine Damen und Herren von der SPÖ und von den Grünen, ebenfalls nachhaltig beim Kauf der Eurofighter zu denken, die unserer Bevölkerung Sicherheit und auch Vorteile für die Wirtschaft bringen.

Geschätzte Damen und Herren von der SPÖ und von den Grünen! Denken Sie nach­haltig beim Beschluss der Pensionsreform, damit auch die heutige Jugend noch eine staatliche Pension beziehen kann! Die ÖVP nimmt Verantwortung für die Zukunft wahr. Wir stehen für eine Politik der Ehrlichkeit und der Sachlichkeit, wir nehmen die Landes­verteidigung sehr ernst. Sie von der Opposition tun das mit Ihrer Haltung leider nicht. – Danke. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

18.22

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Grüne­wald. – Bitte.

 


18.22

Abgeordneter Dr. Kurt Grünewald (Grüne): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Mit­glieder der Bundesregierung! Hohes Haus! Ich möchte mich notgedrungen etwas all­gemein halten, denn 200 Seiten an Budgetbegleitgesetzen sind, was Sie verstehen werden, in 8 Minuten Redezeit nicht zu bewältigen. Ich möchte aber auf Kollegen Lo­patka zurückkommen, der in seiner Rede gesagt hat, dieser Tag stünde unter dem Motto, so scheine es ihm zumindest, „Viel Lärm um Nichts“. (Abg. Dr. Trinkl: Die Dringliche hat er gemeint!) – Ich glaube, für das, was in den nächsten Tagen hier be­schlossen oder abgestimmt werden soll, ist es mir sogar zu leise im Parlament. Das würde auch mehr Lärm vertragen. (Abg. Dr. Mitterlehner: „Lärm“ ist das falsche Wort!)

Aber kommen wir zu den Methoden der Selbstdarstellung der Bundesregierung, zur Methode – ich würde fast sagen – einer manischen Gigantomanie. Da purzeln Ausdrü­cke wie „Meilensteine“ und „Quantensprünge“ nur so herum, sodass man nicht weiß, ob man sich in einem römischen Steinbruch oder in einem Physiklabor befindet. Je­mandem, der noch nicht in einem Physiklabor war, sei gesagt, dass ein Quanten­sprung weniger als ein Milliardstel eines Flohhüpfers ist. Ich wäre daher vielleicht mit solchen gigantomanischen Ausdrücken in Zukunft etwas vorsichtiger. (Beifall bei den Grünen.)


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Das, was noch auffällt, ist das Selbstbewusstsein der Allmacht und Allwissenheit. Es werden Tatsachen, die jeder von uns ebenfalls weiß – stellen Sie sich vor, sogar die Grünen wissen das! –, genannt: Die Leute werden immer älter, die Ausbildungszeiten werden länger und dadurch die Arbeitszeiten etwas kürzer. – Das ist klar. Aber erklä­ren Sie von der Bundesregierung mir bitte, wie Sie Bildung und Forschung als Schwer­punkt verkaufen wollen, wenn die Ausbildungszeiten nicht länger würden! Wie passt das zusammen? So klug sind Sie wohl schon, dass Sie nicht sagen, das Leben solle sich verkürzen, aber die Lebensarbeitszeit möge sich ausweiten.

Stummvoll hat das aber in eine ganz schöne Formel gebracht, die, wenn ich mich recht erinnere, lautet: 2 – 6 – 12. (Abg. Dr. Spindelegger: Drei!) – Oder: 3 – 6 – 12. Er hat sich selbst die tolle Frage gestellt: Was heißt denn „sechs“? Und er hat geantwortet: „Sechs“ heißt sechs Jahre weniger arbeiten. – Das ist eine wirklich interessante Be­deutungswandlung von sechs. Aber bitte verwechseln Sie den Tiroler Dialekt nicht mit Anzüglichkeiten! (Abg. Dr. Mitterlehner: Sechs mit „ch“!) – Khol hätte mich verstan­den. Sechs mit „ch“, wenn Ihnen das lieber ist, bitte.

Aber ich komme jetzt zu dem Punkt, dass auch Sie Experten bezahlen, Experten als Kronzeugen rekrutieren, die nunmehr von Professorenseite – da kann ich das „-innen“ weglassen – teure Annoncen in allen Zeitungen schalten. Um welches und wessen Geld?, frage ich mich.

Wenn ich mir diese Professoren aber anschaue, so würde ich schon sagen: Das sind keine berühmten Kronzeugen, denn darunter sind wenigstens zwei Spitzenverdiener der Medizinischen Fakultät in Innsbruck – noch Fakultät –, die zumindest das Fünffa­che an Privathonoraren monatlich von dem einstecken, was ihr Ordinariengehalt von vornherein schon beträgt. Diese haben natürlich keine Sorgen mit der zweiten und drit­ten Säule. Die haben ihr Geld, durch Privatordinationen im Krankenhausbereich getä­tigt, schon bei weitem herinnen.

Aber Sie schicken die wie Wanderprediger herum. Einige dieser Experten erzählen immer dasselbe wie Rürup und Marin, Letzterer allerdings jede Woche etwas anderes. Das unterscheidet sie, und das hält eine gewisse Restspannung aufrecht. Wenn man jedoch von Wanderpredigern spricht, dann möchte ich auch nicht auf die Predigten im Stephansdom verzichten wollen.

Ich erlaube mir folgende Bemerkung – sie ist nicht unschicklich –: Wenn man die Pen­sionsreform als gelebtes Christentum schon in den Rang einer Enzyklika heben will und dazu den Stephansdom missbraucht, so empfinde ich das bei ungefähr 15 Prozent Kirchgängern zwar als ein echtes Bekennertum, aber doch vielleicht auch als einen Missbrauch eines Kardinals und einer Religion.

Mir fällt die Symbolik auf: Khol hat mit einer rot-weiß-roten Krawatte als Symbol des gelebten Schulterschlusses und des Patriotismus begonnen. Ich habe nur noch darauf gewartet, bis er in das Kostüm des Wappenadlers schlüpft. Jetzt gibt es aber noch Steigerungen bei der ÖVP: Schüssel reckt seine Hand nach dem Kardinalspurpur. Und das, finde ich, ist kein überzeugendes Argument in der Pensionsreform – zumindest dort nicht. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.) Da hätte ich lieber die Caritas erwähnt, aber das ist Ihnen wahrscheinlich unangenehm, weil die nicht das sagt, was Sie sagen.

Was den Missbrauch des Wortes „Kommunikation“ betrifft, musste ich mir heute anhö­ren, dass alles schon mit uns, mit den Grünen, mit den Roten besprochen worden sei. Ich glaube schon, dass Sie das mit uns besprochen haben – wir waren auch nicht ein­verstanden –, aber tun Sie, wenn Sie mit Leuten etwas besprechen, nicht so, als ob diese zugesagt und ja gesagt hätten. Ich meine, das, was Sie vorhaben, hat schon irgendwie den Charakter einer strengen Kammer für die österreichische Bevölkerung.


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Nun weiß ich schon, dass es einige gibt, die in einer strengen Kammer Lust empfinden, aber bitte verallgemeinern Sie das nicht, und oktroyieren Sie das vor allem nicht den Leuten unfreiwillig auf!

Im Budgetausschuss waren die Unterlagen, was Ihre Art von Kommunikation ist, ja horoskopähnlich, nämlich so vage, teilweise nicht vorhanden, und man hat sich das Sternbild aussuchen können. Einen Volltreffer eines Schützen habe ich dabei aller­dings nicht gesehen.

Wenn Sie noch sagen, dass 100 Gesetze auf über 200 Seiten, wobei pro Fraktion drei Minuten Zeit bleiben, um über ein Gesetz zu debattieren, sozusagen den Charakter von Gründlichkeit, den Charakter von Verhandlung oder Kommunikation haben, so muss ich sagen: Das ist kein Geistesblitz – nicht einmal einer im Niedervoltbereich, möchte ich behaupten.

Der vom Bundeskanzler schon zu Regierungsbeginn nicht nur in dieser Legislaturperi­ode gebrauchte Satz: Fürchtet euch nicht!, gewinnt für immer mehr Leute quasi den neuen Charakter einer Realität, die unangenehm ist. Sie sagen nun, Sie federn ab. – Ich sehe hier Grasser. Das, was Sie abfedern und noch leicht kosmetisch korrigieren, hat vielleicht nicht einmal den Wert seiner Manschettenknöpfe. Das finde ich langsam zynisch. Ich finde das wirklich zynisch.

Eine junge Abgeordnete – es sei ihr nicht übel genommen – hat gesagt: Nun muss Schluss sein mit der Debatte! – Sie weiß aber anscheinend nicht, dass die 35-jährigen Männer und Frauen, dass gerade die Frauen am meisten davon betroffen sein wer­den – nicht jetzt, aber dann, wenn das zum Tragen kommt, dann, wenn das 10-Prozent-Limit nicht mehr gilt.

Und wer leistet sich die zweite und dritte Säule? – Das werden Ihre Experten sein, die Professoren der Medizinischen Fakultät und Ihre Kronzeugen – die schon!

Das, was ich noch an Symbolik und an Schlagworten heraushöre, sind „durchstehen“, „durchhalten“, „durchtragen“. Das erinnert mich an Landserhefteln, die ich – Gott sei Dank – nicht in großer Fülle gelesen habe. (Abg. Dr. Mitterlehner: Aber einen Ein­druck haben Sie schon! – Bundeskanzler Dr. Schüssel: Das unterscheidet uns! Die habe ich nie gelesen!) – Das unterscheidet uns! Ich glaube, ich auch nicht, ich habe sie nur gesehen, aber man hört ja darüber, was da drinnen steht. Und schließlich sind Sie mit einer Partei in einer Regierung, die vielleicht mehr Landserhefteln liest als Sie und ich zusammen. (Bundeskanzler Dr. Schüssel: Glauben Sie?) – Ja, das glaube ich schon. (Abg. Dr. Trinkl: Wir haben sie nicht mitgebracht!)

Wenn Sie mich schon so fragen, Herr Bundeskanzler, muss ich auch Folgendes sa­gen: Das Bundesministerium Gehrer hat ein tolles Symposion einberufen: Die Vertrei­bung der jüdischen Intelligenz aus Österreich und ihre Auswirkungen. – Ich muss dazu sagen: Nach den Kriterien, wie Ministerin Gehrer ihre Universitätsräte ausgewählt hat, empfinde ich das als einen PR-Gag und nicht mehr – und dazu stehe ich. Sie hat nati­onale, rechte Burschenschafter – „-innen“ gibt es nicht – trotz Protesten, trotz Wissens, was diese in der Öffentlichkeit publiziert haben, zu Universitätsräten ernannt. Wenn Ihnen das gefällt, dann können Sie weiterlächeln, ich lächle dabei nicht mehr. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Das, was mir aber wirklich etwas auf die Nerven geht, ist, dass Sie dauernd über For­schung und Entwicklung und die Steigerung des Budgets für diese Bereiche reden. (Abg. Lentsch: Wirres Zeug!) Bitte nehmen Sie zur Kenntnis – und Sie sind so intelli­gent, dass Sie das wissen –, dass Grasser 800 Millionen € an Personalkosten, die zum Bundeskanzleramt ressortieren, als Zuwächse bei den Universitäten in das Budget geschrieben hat! Das ist ein Nullsummenspiel! (Abg. Dr. Mitterlehner: Das haben wir


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schon drei Mal gehört, Herr Grünewald!) Wenn Sie das als Zuwachs verkaufen, ist das unseriös – und das ist noch ein lieblicher Ausdruck für jenen Ausdruck, den man hier eigentlich gebrauchen sollte: Das ist Täuschung, das ist massive Täuschung!

In Grassers Budgetrede war noch dazu zu hören, die Aufwendungen für Universitäten und ihre Forschungseinrichtungen hätten sich von 1999 bis 2003 verdoppelt. Wenn man dann nachzählt, fehlen 543 Millionen €. Toll! 543 Millionen € fehlen!

Kollege Bartenstein! Ich meine, ich bin nicht der Bruder oder der Sohn Van der Bellens, aber ich traue mich auch, den „Economist“ zu zitieren. (Abg. Dr. Mitterlehner: Dürfen jetzt nur Verwandte zitieren?) – Nein, das habe ich nur gesagt, damit Sie mich nicht als befangen erklären, Herr Mitterlehner. – Im „Economist“ steht, dass 110 Millionen € we­niger für Forschung und Universitäten ausgegeben werden, als es Ihr Programm zum Erreichen der 2,5-Prozent-Quote des BIP bedeuten würde.

Herr Mitterlehner, damit Sie sehen, dass ich Ihnen Ihre Bemerkung nicht übel nehme, Folgendes: Die Wirtschaft hat ein Drittel des Solls erreicht, die Bundesregierung liegt ungefähr 100 Millionen darunter – jetzt schon!

Ich hoffe, dass Sie in Zukunft Zahlen ehrlicher und nachvollziehbarer gebrauchen und dass es keine Regierungssprecher und Regierungsabgeordnete gibt, die das, was schwarz auf weiß nachzuweisen ist, immer noch bezweifeln. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

18.33

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt als Nächste Frau Abgeordnete Barbara Rosenkranz. – Bitte, Frau Kollegin.

 


18.33

Abgeordnete Barbara Rosenkranz (Freiheitliche): Herr Präsident! Meine sehr verehr­ten Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Wer eine Politik macht, die sich nicht an Notwendigkeiten orientiert, ist ein Narr und wird auf längere Frist schei­tern. Wer eine Politik verspricht, die sich nicht an Notwendigkeiten orientiert, ist schlicht und ein­fach ein Schwindler und wird jene, die er an der Nase herumführt, schwer zu Schaden bringen.

Das ist etwas, das man auch bei der Debatte über diese Pensionsreform berücksichti­gen muss. Da hat es nämlich schon auch Leute gegeben, die einiges behauptet haben. Ich kann mich gut an ein Interview des Herrn Sallmutter im „Kurier“ erinnern, der be­hauptet hat, man brauche die Pensionsreform eigentlich überhaupt nicht, weil in Wirk­lichkeit drehe es sich nur darum, die Erwerbsquote zu steigern. Man werde das zum Beispiel über die Frauenerwerbsquote und über eine weitere Zuwanderung machen, dann werde man genug Geld haben und könne sich das auf ewig leisten. – Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist unseriös! So sollte man diese Debatte nicht füh­ren. Vorschläge dieser Art führen auch dazu, dass man nicht gemeinschaftlich zu einer vernünftigen Lösung kommen kann.

Meine sehr verehrten Damen und Herren von der SPÖ! Seien Sie doch ehrlich: Sie machen seit 30 Jahren – jedenfalls bis 2000 – in diesem Lande Sozialpolitik! Die Not­wendigkeit, die demographischen Veränderungen – die unerfreulichen demographi­schen Veränderungen (Abg. Dr. Niederwieser: Wieso „unerfreulich“?) – in der Politik zu berücksichtigen, gibt es nicht erst seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten. Sie haben überhaupt nichts gemacht – nicht einmal das, dass Sie den Umbau des Sozialstaates irgendwie auf diese Veränderungen eingestellt hätten, geschweige denn, dass Sie ver­sucht hätten – was zum Beispiel Frankreich macht, und zwar durchgehend, egal, ob eine linke oder eine rechte Regierung im Amt ist –, die demographischen Grundlagen


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des Staates so zu halten, dass dabei auch eine wirtschaftliche und soziale Sicherheit bestehen kann. Das bedeutet nämlich, Familienpolitik zu machen.

Folgendes muss schon gesagt werden: Die vorige schwarz-blaue Regierung war die Erste, die in diesem Bereich wirklich Entscheidendes dazu beigetragen hat, dass ver­sucht wurde, diesen Trend umzukehren, und die auch den Zusammenhang bewusst gemacht hat.

Damit bin ich genau bei jenem Punkt, an dem man ganz deutlich sieht, wie sehr Sie in dieser Frage mit ideologischen Scheuklappen vorgehen und wie sehr Sie sich hier par­teipolitisch hinreißen lassen, das Notwendige eben nicht zu erkennen beziehungswei­se das Notwendige sogar abzuleugnen.

Ich denke nur an die Lage der Frauen: 30 Jahre sozialdemokratische Sozialpolitik, und es gibt Altersarmut bei Frauen? Wie kann das sein? – 48 Prozent aller Frauen im pen­sionsberechtigten Alter bekommen keine Pension, die restlichen nur eine sehr geringe. Wie kann das sein? Können Sie mir das erklären? Sie haben hier offenbar völlig ver­sagt!

Ich möchte nur darauf hinweisen, dass auch diesbezüglich einiges passiert ist. So wird nun etwa der Durchrechnungszeitraum pro Kind um drei Jahre gekürzt (Abg. Mag. Prammer: ...! Das müssen Sie schon sagen!) – das ist schon etwas! –, auch die pensionsbegründende Anrechnung von Kindererziehungszeiten kam unter Schwarz-Blau, etwas, gegen das Sie sich immer gewehrt haben, weil Sie absolut nicht wollten, dass es eine Möglichkeit gibt, etwas länger bei den Kindern zu sein: Sie wollten nicht, dass man das sozusagen sanktionsfrei machen kann. – All das sind Dinge, die ver­nünftig sind!

Sie haben zum Thema „Pension und Frauen“ lediglich immer wieder betont, dass die Angleichung des Pensionsantrittsalters für Männer und Frauen bis zu diesem Zeitpunkt eben nicht passieren dürfe. Und das ist zum Beispiel etwas, das, wenn man mit einem ein wenig realistischen Blick auf das Leben vorgeht, ganz sinnlos ist, weil genau jene Frauen, die mehrere Kinder haben und unter dieser Doppelbelastung leiden, nicht frü­her in Pension gehen können, weil sie die notwendigen Beitragsjahre nicht haben. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Das war also zum Beispiel eine Maßnahme, die vollkommen ins Gegenteil umgeschla­gen hat: Genau jene Frauen, die zwei oder drei Kinder haben, gehen bis 60, 65 arbei­ten, damit sie eben eine halbwegs gute Grundlage für die Berechnung ihrer Pension haben – und so, glaube ich, sollte man es nicht machen!

Und wir brauchen Sie auch nicht, um uns zu entscheiden, wie wir zu guter Letzt mor­gen Abend abstimmen werden. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Ich bin absolut dafür gewesen und stehe auch dazu, dass man mit harten Verhandlun­gen jetzt schon viel herausgeholt hat und dass man diese Spannung bis zum letzten Moment aufrechterhält, um wirklich auszuloten, was drinnen ist. Und genau das wer­den wir machen. Wenn es dann morgen Abend so weit ist, wird man es beurteilen: Kann man es verantworten, so wird man zustimmen, kann man es nicht, so wird man das nicht tun! Aber wir brauchen sicher nicht Sie dazu, wir können das sehr wohl mit uns selbst und unserem eigenen Gewissen ausmachen. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

18.38

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Dr. Niederwieser. – Herr Kollege, Sie haben Papier verloren! (Ruf bei der ÖVP: Er hat die Rede verloren!)

 



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18.38

Abgeordneter DDr. Erwin Niederwieser (SPÖ): Herr Präsident! Geschätzte Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Frau Kollegin Rosenkranz, Sie müssen mir, Sie müssen uns erklären, was Sie damit gemeint haben, als Sie sagten, dass die SPÖ nicht imstande gewesen sei, auf die unerfreuliche demographische Entwicklung recht­zeitig zu reagieren. Meinen Sie damit, dass es unerfreulich ist, dass die Menschen ge­sünder sind, dass sie älter werden? Ist das für Sie unerfreulich? – Für uns ist das eine erfreuliche Tatsache, aber natürlich muss man darauf reagieren. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Öllinger.)

Und Sie müssen sich auch einmal darüber klar werden, wie diese 30 Jahre sozialde­mokratischer Regierungen gewesen sind. (Abg. Wattaul: Eine Katastrophe! Das waren sie!) – Ja, genau! Kollege Wattaul hat davon gesprochen, die guten Jahre sind ... (Abg. Wattaul: Das war eine Katastrophe für Österreich! Ihr habt so viel Geld vernich­tet ...!) – Kollege Wattaul! Sie haben gesagt: Die guten Jahre sind leider vorbei, und ihr – gemeint waren wir – habt versäumt, in diesen guten Jahren vorzusorgen! – Kolle­gin Rosenkranz aber hat gemeint, es wären unerfreuliche Jahre gewesen.

Es waren – Kollege Wattaul, da schließe ich mich Ihnen durchaus an – tatsächlich sehr gute Jahre. Diese 30 Jahre waren eine Erfolgsgeschichte für Österreich! Und es hat sehr wohl auch mit der jeweiligen Regierung zu tun, ob es gute oder schlechte Jahre für die Bevölkerung sind, ja nachdem, ob die Regierung eine gute oder eine schlechte ist. (Abg. Wattaul: Ihr könnt nicht wirtschaften! Das wissen wir schon!) Und wenn Sie selbst sa­gen: Jetzt sind schlechte Zeiten!, dann sagen Sie damit auch: Jetzt gibt es eine schlechte Regierung! Und genau das erkennen auch immer mehr Menschen. (Beifall bei der SPÖ.)

Aber lassen Sie mich kurz zu den bildungspolitischen Akzenten, die mit diesen Bud­getbegleitgesetzen gesetzt werden, kommen. Es gibt solche bildungspolitischen Ak­zente – nicht nur die Pensionsreform, nicht nur die Abfangjäger, sondern auch organi­satorische Vereinfachungen beim Schülerbeihilfengesetz. Es gibt jedoch nach wie vor keine Anpassung der Einkommensgrenzen – seit 1997 nicht! –, und immer mehr Kin­der aus Familien mit unterdurchschnittlichem Einkommen fallen daher durch den Rost – da tun Sie bildungspolitisch gar nichts! (Abg. Mag. Mainoni: „Durch den Rost fallen“ ...! – Abg. Wattaul: Das ist antisemitisch, Herr Kollege!)

Zur Absetzbarkeit von Studiengebühren möchte ich sagen: Die Studiengebühren sind absetzbar für Studierende, die berufstätig sind und gut verdienen. Das sind ein paar tausend. Aber Sie tun absolut nichts für jene Studierenden aus sozial schwachen Fa­milien, die auch berufstätig sind, die aber wenig verdienen und für die die Studienge­bühr eine echte finanzielle Hürde darstellt.

Sie machen eine Pensionsreform, durch welche länger dauernde Studien jemandem zum Nachteil gereichen – das ist offenkundig! –, obwohl unbestritten ist, dass gera­de in den länger dauernden Studien, nämlich in den technischen und naturwissen­schaft­lichen Studien, Österreich wesentlich mehr Absolventinnen und Absolventen bräuchte, als wir sie derzeit haben. Doch diese vergraulen Sie noch dadurch, dass Sie ihnen dieses längere Studium so anrechnen, dass es sich auf die Pension sehr schäd­lich auswirkt.

Womit ich mich nun speziell beschäftigen möchte, das ist die Verabschiedung der Re­gierung von der Weiterbildung, die ebenfalls im Budgetbegleitgesetz enthalten ist. Der Geier kreist ja schon seit geraumer Zeit über dem Minoritenplatz und versetzt die dorti­gen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einen dauernden Bedrohungszustand. Der Gei­er hat einen Namen, er hört auf den schönen Namen Karl-Heinz. (Abg. Wattaul: Herr Präsident! Tiervergleich!) Er ist aus der nahen Himmelpfortgasse ausgeflogen, und


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sein Auftrag ist es, möglichst viele Posten und Positionen ausfindig zu machen, die eingespart werden können. 10 000 sollen es insgesamt sein.

Da ist man auf die Idee gekommen, die Posten der 76 Beschäftigten in den Förde­rungsstel­len für Erwachsenenbildung ebenfalls einzusparen und mit dieser Einsparung gleich­zeitig eine praktische Kompetenzverschiebung, die eigentlich nur dem Verfas­sungs­gesetzgeber zusteht, in der Weise vorzunehmen, dass die Länder künftig für die Er­wachsenenbildung zuständig sein sollen.

All das, was versprochen wurde, all das, was da mit den Ländern angeblich vereinbart wurde, hat nicht gehalten. Von diesen 76 Stellen gibt es eine halbe Stelle jetzt in Salz­burg, die vom Land geschaffen worden ist. Alle anderen Beschäftigten gehen in Früh­pension (Abg. Wattaul: Schon wieder in Frühpension!) oder machen Tätigkeiten, für die sie nicht ausgebildet sind.

Über die Förderungsstellen für Erwachsenenbildung erstellte man sogar ein Gutachten, und von diesem Gutachten hat man erhofft, es würde die Einstellung rechtfertigen. Das Gegenteil hat es getan: Es hat diesen Förderungsstellen gute Arbeit bestätigt.

Inhaltlich lautet der Befund: Alle und auch Sie von der Regierung und von den Regie­rungsparteien reden von lebensbegleitendem Lernen, aber gleichzeitig verzichtet das Ministerium auf jegliche Einflussmöglichkeit mit der Streichung dieser Förderungsstel­len. Sie haben dadurch diese Einrichtungen zerstört. Wir sehen da nur mehr Ruinen und demotivierte Menschen. Es hätte wenig Sinn, zu versuchen, das irgendwann wie­der in der ursprünglichen Form wiederherzustellen. Wenn wir aber die Gelegenheit haben, dann werden wir einen anderen Weg gehen und an den neuen pädagogischen Hoch­schulen Kompetenzzentren für Weiterbildung schaffen, weil wir der Überzeugung sind, dass die permanente Weiterbildung den Schlüssel zum Erfolg jedes Staates, je­der Ge­sellschaft und jedes Einzelnen darstellt. (Beifall bei der SPÖ.)

18.44

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gemeldet ist als Nächste Frau Abgeordnete Mag. Frieser. Redezeit: 6 Minuten. – Bitte.

18.44

 


Abgeordnete Mag. Cordula Frieser (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundeskanzler! Herr Minister! Herr Staatssekretär! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte meinen Debattenbeitrag den steuerrelevanten Gesetzesänderungen im Rahmen des Budgetbegleitgesetzes widmen, auch auf die Gefahr hin, dass die eine oder andere Dublette stattfindet.

Allen voran ist die Errungenschaft der Steuerfreistellung von 14 500 € jährlich zu stel­len. Ich finde es wirklich bedauerlich, dass die Opposition dieser höchsten Steuerfrei­stellung, die es bisher je gegeben hat, nichts Positives abgewinnen kann. (Abg. Dr. Van der Bellen: Schon!)

Herr Professor Van der Bellen! Das Einzige, was Sie dazu bemerkt hatten, war, dass viel zu wenige in diesen Genuss kämen, wiewohl im Jah­re 2004 320 Millionen € und im Jahre 2005 380 Millionen € an Steuermindereinnahmen zu verzeichnen sein werden. (Abg. Dr. Van der Bellen: Aber nicht aus diesem Titel!) Doch! (Abg. Dr. Van der Bel­len: Nein!)

Zum Zweiten, zur Unternehmensbesteuerung. Die Damen und Herren von der Opposi­tion betrachten die Steuernovellen betreffend die Ertragssteuern beziehungsweise die Umsatzsteuer als Geschenke an die Unternehmer.

Darf ich Sie jetzt fragen, meine Damen und Herren von der Opposition: Wer von Ihnen ist Unternehmerin oder Unternehmer? (Zwischenruf bei der SPÖ.) Tragen Sie, Herr


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Kollege, ein persönliches materielles Risiko? Sind Sie verantwortlich für Dienstneh­mer? Ganz sicher nicht! Sie sind Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes, aber Sie sind sicher nicht persönlich haftender Gesellschafter irgendeiner Gesellschaft, und Sie sind auch sicher nicht Alleinunternehmer.

Ich sage Ihnen eines: Ich kenne kein einziges Steuergesetz, kein Gesetz im Sozial­versicherungsbereich, kein Gesetz im Angestelltenbereich, das ein Geschenk für Un­ter­nehmer darstellt. Auch die steuerliche Begünstigung für nicht entnommene Gewinne ist kein Geschenk an die Unternehmer. (Zwischenruf der Abg. Dr. Lichtenberger.) Es ist eine berechtigte alte Forderung der Wirtschaft, eine Freistel­lung für nicht entnom­mene Gewinne zu erwirken, und zwar deshalb, Frau Lichtenber­ger, weil sehr viele Un­ternehmen eine viel zu dünne Kapitaldecke haben. Diese Rege­lung, die wir jetzt be­schließen und die im Zuge der parlamentarischen Diskussion ver­bessert wurde, kommt gerade den kleinen und mittleren Unternehmen zugute. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Lichtenberger: Das hilft ja nicht!)

Die Unternehmungen, insbesondere jene im Bereich des Tourismus, die bekanntlich eine sehr schmale Kapitaldecke haben, sind jene Unternehmungen, die insgesamt etwa 400 000 Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich könnte noch eine Reihe von steuerlichen Begünstigungen aufzählen, aber ich möchte nur noch einmal festhalten: Ich finde es au­ßerordentlich bedauerlich, dass die Opposition diese Errungenschaften in keiner Weise würdigt, sondern im Gegenteil das als Geschenke an Unternehmer abtut.

Es war eine große Leistung dieser Regierung, in Anbetracht der Knappheit des Bud­gets all diese Regelungen durchzubringen. – Danke. (Beifall bei der ÖVP.)

18.47

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zum Wort gemeldet ist als Nächste Frau Abgeordnete Mag. Stoisits. – Bitte, Frau Kollegin.

 


18.48

Abgeordnete Mag. Terezija Stoisits (Grüne): Dobar vecer, poštovane dame i gospo­do! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Herr Staatssekretär! Meine Herren Minister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben es heute nicht nur mit der Pensionsreform zu tun, sondern in diesem riesigen Konvolut des Bud­getbegleitgesetzes sind auch viele andere Gesetzesmaterien enthal­ten. Wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt hat – und ich bin nicht im Budget­ausschuss gewe­sen, weil wir ja nur zwei Mitglieder in diesem Budgetausschuss vertre­ten haben – und in diesem Konvolut, sofern man überhaupt Zugang zu diesem Material hat, jene Punk­te, die ins Auge stechen, studiert hat, so fällt einem eines besonders auf – und das hat mich auch auf Grund meiner seinerzeitigen Berufstätigkeit im Unter­richtsministerium besonders em­pört –: dass in dieser dramatischen Zeit der Pensions­kürzungen, des Abfangjägerankaufs, des Ankaufs von Kampfjets klammheimlich ver­sucht wird – das wurde heute bisher noch gar nicht erwähnt –, die Förderungsstellen für Erwachsenenbildung schlicht und einfach abzuschaffen. Die gibt es aller Voraus­sicht nach nicht mehr ab morgen Abend.

Wissen Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, was das bedeutet? – Das ist meiner Ansicht nach nichts anderes als ein eindeutiges Signal, das die Bundesregie­rung hier ausschickt, nämlich dass ihr Erwachsenenbildung sozusagen nichts bedeutet und ihr nichts wert ist. Schon im letzten Herbst haben wir erlebt, dass Förderstellen, die die Aufgabe haben, die Erwachsenenbildung in den Bundesländern zu koordinie­ren, klammheimlich zugesperrt wurden. Das wird jetzt in diesem Budgetbegleitgesetz finali­siert.


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Die Arbeit dieser Förderungsstellen für Erwachsenenbildung – und es ist jetzt die Frau Ministerin Gehrer nicht auf der Regierungsbank, in deren Kompetenzbereich das fällt –wurde meines Wissens nie in Frage gestellt. Ich kann mich, zumindest w