1567/A(E) XXIV. GP

Eingebracht am 18.05.2011
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ENTSCHLIESSUNGSANTRAG

 

der Abgeordneten Mag. Heidemarie Unterreiner

und weiterer Abgeordneter

 

betreffend Aufwertung und Erhalt von Volkskunde- und Völkerkundemuseum

 

 

Vor dem Hintergrund, dass das Konzept „Museum Neu“ der Bundesregierung de facto als gescheitert zu betrachten ist, ist es erforderlich, die Neugestaltung der österreichischen Museenlandschaft unter neuen Gesichtspunkten zu bewerten. Das Konzept "Museum Neu" wollte unter anderem zwei, für die Österreichische Kulturlandschaft wichtige Museen, nämlich das Museum für Volkskunde und das Museum für Völkerkunde zusammenlegen und "verschmelzen". Dieses Vorhaben würde jedoch den Kernaufgaben der beiden Museen nicht gerecht werden und daher die Vielfältigkeit und damit den Reichtum der österreichischen Museenlandschaft schmälern.

 

Das Österreichische Museum für Volkskunde nimmt seit seiner Gründung eine bedeutende Stellung innerhalb der europäischen Kulturmuseen ein. Aufgrund seiner umfangreichen Sammlungen und Forschungstätigkeit zur Volkskunst und Regionalkultur Österreichs, seiner Nachbarländer (ehemaligen Kronländer) und der Geschichte der ehemaligen Monarchie ist es nicht nur das größte seiner Art in Europa, sondern auch einzigartig und bedeutend für einen wichtigen Blickwinkel unserer Geschichte.

 

Internationale Kontakte und Kooperationen machen das Museum heute zu einem Ort des wissenschaftlichen und kulturellen Dialogs in einem sich politisch und gesellschaftlich neu formierenden Europa. Es leistet einen entscheidenden Beitrag zur Kulturanalyse, die Gemeinsamkeiten aber auch Differenzierungen erfasst und somit zum besseren Verständnis der eigenen Kultur beiträgt.

 

Seit Jahren befindet sich nunmehr das zukünftige Schicksal dieses Museums in einem „Schwebezustand“, da sowohl die räumliche Situation im Palais Schönborn in Wien – Josefstadt, als auch die generelle Finanzierung dieser Kulturinstitution nicht geregelt sind. Auf Bundesebene wurde bisher nur eine Fusion mit dem Völkerkundemuseum ins Auge gefasst. Bisher gibt es keinerlei Pläne das Volkskundemuseum als wichtige Kultureinrichtung auf seinem historischen Standort zu belassen, obwohl sich die Mehrheit der Fraktionen im 8. Wiener Gemeindebezirk klar für den Verbleib des Museums im Bezirk ausgesprochen hat.

 


Die Kernaufgabe des Völkerkundemuseums liegt in der Auseinandersetzung mit der kulturellen Vielfalt auf Grundlage von ethnographischer und kulturanthropologischer Forschung. Alleine die Gliederung der Sammlung des Völkerkundemuseums in Nordafrika, Vorder- und Zentralasien, Sibirien, Afrika südlich der Sahara, Süd- und Südostasien, Himalaya, insulares Südostasien, Ostasien, Ozeanien/Australien, Nord- und Mittelamerika, sowie Südamerika zeigt, dass es sich hier um materielle und immaterielle Zeugnisse der globalen kulturellen Vielfalt verschiedenster Völker handelt.

 

Die Kernaufgabe des Volkskundemuseums ist hingegen eine genau diametral entgegengesetzte, nämlich sich mit dem Kulturerbe Österreichs und somit mit der Österreichischen Identität auseinander zu setzten.

 

Während also das Volkskundemuseum sich mit der eigenen Geschichte, der Regionalkultur und der Volkskunst beschäftigt und dadurch die eigene Identität einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, hat ein Völkerkundemuseum die Aufgabe, sich mit den Kulturen anderer Völker zu beschäftigen. Die geplante Verschmelzung der beiden Museen geht daher von grundsätzlich falschen Überlegungen aus und führt in der österreichischen Museumslandschaft nicht zu der sinnvollen Vielfalt der verschiedenen Aufgabengebiete in den verschiedenen Museen.

 

Das Österreichische Volkskundemuseum als größtes Volkskundemuseum Europas muss ein Ort der Österreichischen Volkskunde der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bleiben. Um die Zukunft dieses Museums zu sichern und um ihm den Stellenwert beizumessen, den es auf Grund der herausragenden Sammlung innehat, ist es notwendig es in den Reigen der Bundesmuseen einzugliedern.

 

 

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher nachfolgenden

 

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG

 

Der Nationalrat wolle beschließen:

 

„Die Bundesregierung – und im speziellen die zuständige Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur wird aufgefordert, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Volkskundemuseum als identitätsstiftende Kulturinstitution sowohl organisatorisch als auch finanziell abzusichern und in jedem Fall als eigenständiges Museum zu erhalten.

 

Desweiteren wird die Bundesregierung – insbesondere die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur – wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zuzuleiten, die eine Novellierung des Bundesmuseen-Gesetzes dahingehend vorsieht, das Volkskundemuseum aufzuwerten und in ein Bundesmuseum umzuwandeln, sowie das Völkerkundemuseum wieder aus dem Kunsthistorischen Museum auszugliedern und ebenso als eigenständiges Bundesmuseum zu führen.“

 

 

 

 

In formeller Hinsicht wird die Zuweisung an den Kulturausschuss vorgeschlagen.