716/AB XXIV. GP

Eingelangt am 17.03.2009
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BM für Verkehr, Innovation und Technologie

Anfragebeantwortung

 

 

GZ. BMVIT-11.000/0001-I/PR3/2009    

DVR:0000175

 

An die

Präsidentin des Nationalrats

Mag.a  Barbara PRAMMER

Parlament

 

1017    W i e n

 

Wien, am     . März 2009

Sehr geehrte Frau Präsidentin!

 

Der Abgeordnete zum Nationalrat Vilimsky und weitere Abgeordnete haben am 28. Jänner 2009 unter der Nr. 816/J an mich eine schriftliche parlamentarische Anfrage betreffend Geisterfahrerproblematik in Österreich gerichtet.

 

Diese Anfrage beantworte ich wie folgt:

 

Zu den Fragen 1 bis 3 und 10:

Ø      Wie hoch schätzen Sie – ausgehend von den im Jahr 2008 bei Ö3 eingegangenen 497 Warnungen – die tatsächliche Zahl an Geisterfahrern in Österreich im Jahr 2008?

Ø      Wie viele Geisterfahrer hat es schätzungsweise jeweils in den letzten 5 Jahren gegeben und wie viele davon wurden von der Polizei angehalten?

Ø      Mit welchen Fahrzeugen (PKW, PKW mit Anhänger, LKW, Bus etc.) waren die Geisterfahrer unterwegs?

Ø      An welchen Streckenabschnitten gab es überdurchschnittlich viele Geisterfahrer?

 

 

Über die tatsächliche Zahl der Geisterfahrer gibt es in Österreich keine Aufzeichnungen. Es gibt nur die von Ö3 geführte Statistik der Geisterfahrermeldungen. Diese Meldungen wurden allerdings bei Einlangen ungeprüft gesendet und nicht verifiziert.

 

 

Zu den Fragen 4 und 5:

Ø      Wurden sämtliche von der Polizei angehaltenen Geisterfahrer der Führerschein abgenommen und wenn ja, mit welchen weiteren Konsequenzen?

Ø      Wenn nein, aus welchen Gründen wurde darauf verzichtet?


Zu Fragen über die Aktivitäten der Polizei liegen dem BMVIT keine Angaben vor.

 

Zu Frage 6:

Ø      Wie viele Unfälle wurden in den letzten 5 Jahren durch Geisterfahrer verursacht und wie viele Verletzte und Tote hat es dabei gegeben?



Tabelle Geisterfahrer mit Sach- und Personenschäden

 

Unfälle

Verletzte

Getötete

2003

19

25

3

2004

26

19

1

2005

19

13

8

2006

12

14

2

2007

17

25

1

 

Angaben für 2008 liegen noch nicht vor.

 

 

Zu Frage 7:

Ø      Welche Gründe wie Alkohol bzw. Drogen am Steuer, Übermüdung etc. waren die Ursache, dass jemand zum Geisterfahrer wurde?



Hauptursache für Geisterfahrerunfälle ist bei rund 50 % der Fälle Alkoholisierung. Dazu kommt nicht angepasste Geschwindigkeit und erhöhte Risikobereitschaft. Etwa ein Drittel der Geisterfahrerunfälle sind auf Überforderung der Lenker zurückzuführen. Etwa 20 % der Unfälle geschehen durch bewusste bzw. absichtliche Geisterfahrten.

 


 

Zu Frage 8:

Ø      Welche Personengruppen werden überdurchschnittlich häufig zu Geisterfahrern und wie will man dem künftig entgegentreten?

 


In der Unfallstatistik der Statistik Austria für 2007 waren von den insgesamt 10 Geisterfahrer-unfällen mit Personenschaden 80% männliche Geisterfahrer. Die Unfälle waren über die Altersklassen zwischen 31 und über 81 Jahren relativ gleichmäßig verteilt. In der Statistik für 2006 waren von den 6 Geisterfahrerunfällen mit Personenschaden 5 männliche Geisterfahrer. Hinsichtlich der Altersgruppe waren 50 % der Geisterfahrer zwischen 21 und 55 Jahre alt.

Auf Grund der äußerst geringen Anzahl von Geisterfahrerunfällen im Vergleich zum gesamten Unfallgeschehen auf Österreichs Straßen sind die altergruppenspezifischen Zahlen nicht signifikant. Aus diesen Kennwerten können daher keine Maßnahmen abgeleitet werden.

Zu Frage 9:

Ø      Welche Maßnahmen zur Verhinderung von Geisterfahrern wurden wo in den letzten 5 Jahren gesetzt?


Eine entscheidende Verbesserung der Geisterfahrersituation ist ab 2002 mit der Herausgabe der RVS 05.06.31 (Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen) „Maßnahmen gegen Geisterfahrer“, eingetreten. In dieser Richtlinie sind insbesondere die Verkehrszeichen, die Markierungen und die bauliche Gestaltung von Anschlussstellen standardisiert. In der Folge hat die ASFINAG gemeinsam mit den Straßenverwaltungen in den Bundesländern diese RVS fortlaufend umgesetzt. Bemerkenswert ist, dass Maßnahmen bei den Anschlussstellen nur einen Teilbeitrag leisten können, da nach einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit 2006 nur 44,1 % der Geisterfahrer über die Anschlussstellen kommen.

 


Zu Frage 11:

Ø      Was sind die Gründe für die Rückgänge bei den Geisterfahrern in der Steiermark im Jahr 2008 um 43% und welche Maßnahmen hat man in der Steiermark vor dem Rückgang an Geisterfahrer gesetzt?

 

 

Wie  die Straßenverwaltung des Landes Steiermark mitteilt, haben die Geisterfahrermeldungen für das Land Steiermark 2008 um 43 % gegenüber 2007 abgenommen. Allerdings steht dem eine Zunahme der Werte von 2006 auf 2007 um 55% gegenüber, sodass sich die Meldungen etwa wieder auf dem Niveau 2006 befinden. Gemäß Unfallstatistik gab es in der Steiermark 2006 einen Geisterfahrerunfall ohne Personenschaden, 2007 waren es 7 Unfälle mit 8 Verunglückten.

Für 2008 liegen die Unfallzahlen noch nicht vor.

Zu Frage 12:

Ø      Wie häufig wurde bislang das im Juli 2006 eingeführte Straßenverkehrszeichen „Achtung Falschfahrer“, d.h. das elektronisch schaltbare „Geisterfahrer“-Verkehrsschild, auf Wechselverkehrszeichenanlagen verwendet?

 

 

Nach Angaben der ASFINAG wurde das Straßenverkehrszeichen „Achtung Geisterfahrer“ im Zuge der Verkehrsbeeinflussungsanlagen auf der A12 – Inntal Autobahn und A13 - Brenner Autobahn installiert und im Jahre 2008 insgesamt 48 Geisterfahrerwarnzeichen geschaltet.