2575/AB XXIV. GP

Eingelangt am 27.08.2009
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BM für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz

Anfragebeantwortung

 

 

 

 

(5-fach)

 

 

 

Frau

Präsidentin des Nationalrates

Parlament

1010 Wien

 

 

 

GZ: BMASK-431.004/0074-VI/BS2/2009

 

Wien,

 

 

 

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin!

Ich beantworte die an mich gerichtete schriftliche parlamentarische Anfrage Nr. 2551/J der Abgeordneten Schwentner u.a. wie folgt:

 

Frage 1:

Die Bundesregierung hat sich im Rahmen eines Nationalen Aktionsplans für Gleich­stellung 2009-2013 unter anderem vorgenommen, die Erwerbsbeteiligung, die Einkommensentwicklung, die Frauen in Führungspositionen sowie die Unterstützung von Mädchen und Frauen bei der Berufswahl zu verbessern. Dabei ist auch eine Weiterführung und der Ausbau von Initiativen und Projekten zur Unterstützung von Mädchen und Frauen bei der nichttraditionellen Berufswahl und Berufsausbildungs­wahl sowie die Sensibilisierung der Unternehmen in Bezug auf nicht-traditionelle Berufswahl geplant.

Ein wesentliches Ziel der Gleichstellungsorientierung in der Arbeitsmarktpolitik ist auch in Zukunft, Frauen und Mädchen den Zugang zu allen Berufen und Positionen zu ermöglichen. Das AMS bietet in Kooperation mit Frauen- und Mädchenberatungs­stellen spezielle Berufsorientierungsmaßnahmen an, mit dem vorrangigen Ziel das auf Grund geschlechtsspezifischer Rollenmuster eingeschränkte Berufswahl­spektrum von Frauen und Mädchen in Richtung nichttraditioneller, zukunftsträchtiger Berufe zu erweitern. Vorbereitungskurse auf technische, handwerkliche oder Um­weltberufe werden angeboten, die das Sprungbrett zu einer Lehrstelle darstellen.

 

Da die Berufswahl der Jugendlichen sehr stark von ihrem Umfeld beeinflusst wird, ist es mir wichtig in Zukunft die Zusammenarbeit mit den Schulen zu forcieren. Ein deutliches Signal und ein klares Bekenntnis für die Bedeutung des Berufswahl­prozesses setzt die Bundesregierung durch den Ausbau der Berufsinformation. In den Berufsinformationszentren des AMS werden bereits ab Ende 2009 30 Mit­arbeiterInnen zusätzlich eingesetzt, weitere 30 sollen später folgen, wodurch in Zukunft ein noch stärkeres Augenmerk darauf gelegt werden kann, Frauen und Mädchen bei der Auswahl der Angebote die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten zu unterstützen und auf die Erweiterung ihres Berufspektrums zu achten.

Weiters werden in einem speziellen Förderprogramm für Frauen dem mehrjährigen Programm "FIT – Frauen in Handwerk und Technik" auch in den nächsten Jahren die Berufswahl und zertifizierte Ausbildungen in handwerklich technischen Berufen forciert. Frauen werden ermutigt, Berufe zu ergreifen, die traditionell männlich dominiert sind, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen und höhere Ein­kommensmöglichkeiten bieten. Allein für dieses Jahr ist geplant, dass mehr als 2000 Frauen an vorbereitenden Perspektivenerweiternden Maßnahmen teilnehmen, rund 2.100 Frauen an technisch handwerklichen Basisqualifikationen und ca. 740 Frauen eine Ausbildung mit mindestens Lehrabschluss in diesem Berufsfeld absolvieren.

 

Frage 2:

In den Jahren 2006, 2007 und 2008 haben 3.003 bzw. 3.319 bzw. 4.049 ArbeitgeberInnen personenbezogene AMS-Lehrstellenförderungen (ohne Berücksichtigung von Förderungen für zusätzliche Lehrstellen) erhalten. In den ange­führten Jahren wurde für 865 bzw. 1.119 bzw. 1.464 Frauen eine spezielle Förderung in nicht-traditionellen Berufsbereichen in Anspruch genommen.

 

Frage 3:

Im Jahr 2008 wurden 11.658 Personen in das System der überbetrieblichen Lehraus­bildung einbezogen, wobei ab dem Ausbildungsjahr 2008/09 auf der Grundlage des § 30b Berufsausbildungsgesetz (BAG) ein neuer Lehrgangstypus geschaffen wurden, der sukzessive die nunmehr auslaufenden Maßnahmen gemäß Jugendausbildungs­sicherungsgesetz (JASG) und § 30 BAG ersetzen soll.

 

Frage 4

JASG-Maßnahmen werden – wie schon erwähnt – nur mehr in auslaufender Form durchgeführt. Unabhängig davon wurden die frauenspezifischen Schwerpunkte im Bereich der Berufswahlunterstützung weiter verstärkt. So wurden etwa die Angebote einer geschlechtssensiblen Berufsorientierung im Rahmen des Programms „Frauen in Handwerk und Technik“ (FIT) entsprechend modifiziert bzw. erweitert: In den vorbereitenden Maßnahmen wie der Orientierungsmaßnahme „Perspektivener­weiterung“ und den technisch-handwerklichen Rampen waren 2.724 Personen im Jahr 2006 einbezogen. Die Anzahl der Teilnehmerinnen konnte im Folgejahr bereits auf 4.139 gesteigert werden und betrug im Jahr 2008 sogar 4.850 Personen. In den verschiedenen Ausbildungs­maßnahmen des FIT-Programms (Lehr- und Fachar­beiterinnen­ausbildungen in Betrieben oder Qualifi­zierungen in Ausbildungszentren, Implacementstiftungen oder AMS-Kursen) waren im Jahr 2006 791 Personen im Jahr 2007 1.017 Personen und im Jahr 2008 1.204 Personen einbezogen, sodass sich infolge der relativ langen Dauer der Ausbildungen im Jahr 2008 insgesamt bereits 2.751 Frauen in den diversen Ausbildungsmaßnahmen in nicht-traditionellen Berufen befanden.

 

Frage 5:

Auf der Grundlage der Auswertungsmöglichkeiten im Rahmen des Verbleibs­monitorings des AMS kann diese Frage wie folgt beantwortet werden: Von den 2.632 Frauen, die im Jahr 2007 die Teilnahme an der über­betrieb­lichen Lehrausbildung beendet haben, waren 12 Monate nach dem indivi­duellen Teilnahmeende 1.218 in einem Lehr- und 498 in einem sonstigen Beschäftigungs­verhältnis. Von den 2.676 Männer, die im Jahr 2007 die Teilnahme an der über­betrieb­lichen Lehrausbildung beendet haben, waren 12 Monate nach dem indivi­duellen Teilnahmeende 1.213 in einem Lehr- und 394 in einem sonstigen Beschäftigungs­verhältnis. Die aus diesen Zahlen ermittelbare Vermittlungs- oder Erfolgsquote beträgt bei den Frauen rund 65 % und bei den Männern rund 60 %.

 

Frage 6:

Mit der Förderung von Mädchen in Lehrberufen mit geringem Frauenanteil soll das

Berufsspektrum der Frauen erweitert, dadurch der Frauenarbeitslosigkeit entgegen­gewirkt und bessere Aufstiegschancen auch in zukunftsträchtigere Berufsbereiche ermöglicht werden. Gefördert werden Ausbildungen in jenen Lehrberufen, bei denen der Anteil der weiblichen Lehrlinge an der Gesamtzahl aller Lehrlinge im vorange­gangenen Ausbildungsjahr unter 40 % lag. Die Liste der Berufe wird entsprechend ihrer Geschlechterverteilung in den Lehrberufen jährlich angepasst.

 

Frage 7:

Aus dem Budget der Arbeitsmarktpolitik werden wesentliche Anteile der Kosten von zahlreichen Frauen- und Mädchenberatungsstellen in ganz Österreich getragen. Das Arbeitsmarktservice arbeitet seit Jahren intensiv mit Frauen- und Mädchenberatungs­stellen zusammen, die durch professionelle Berufswahlbegleitung einen wichtigen Beitrag zur nichttraditionellen Berufswahl von Frauen und Mädchen leisten. Die Beratungsstellen ermöglichen das bewusste Kennenlernen alternativer Berufsfelder, konkrete Erfahrungen in der Berufspraxis von „atypischen Berufen“ und leisten Hilfestellung bei der Überwindung von Barrieren in männerdominierten Berufsbe­reichen. Einen Überblick über Beratungsstellen, deren Schwerpunkt die Berufs­orientierung von Mädchen in nichttraditionelle Berufe bildet, finden sie in der Broschüre „Mädchen können mehr“ http://www.ams.or.at/buw/14295.html

 

Frage 8:

Mädchenberatungsstellen führen in den Berufsinformationszentren des AMS spezielle Techniktage für Schülerinnen der 7. und 8. Schulstufe durch, wo Mädchen die Möglichkeit haben neue Begabungen und Interessen zu entdecken, technisch handwerklich zu arbeiten und zu experimentieren. Manche Beratungsstellen bieten auch spezielle Methodensammlungen für LehrerInnen zur Planung der Berufs­orientierung unter geschlechtspezifischen Gesichtspunkten oder bieten Bewerbungs­trainings an Schulen an. Außerdem haben im Jahr 2008 rund 23.500 Mädchen im Rahmen der Berufsorientierung mit einer Schulklasse ein BIZ besucht.

 

 

Mit freundlichen Grüßen