3917/J XXIV. GP

Eingelangt am 11.12.2009
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ANFRAGE

 

der Abgeordneten Erich Tadler, Ing. Robert Lugar

Kolleginnen und Kollegen

 

an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft

betreffend brachliegendem Energieholz

 

 

Die Zukunft unserer Energieversorgung muss in Österreich gestaltet werden. Eine Fortführung der Abhängigkeit von Öl- und Gasexporten ist weder aus umweltpolitischen Gesichtspunkten, noch unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit zu verantworten. Insbesondere durch die anhaltende Wirtschaftskrise hat sich eine Situation ergeben, die eine Forcierung des Ausbaus der erneuerbaren Energien auch in Hinblick auf die sich stetig verschlechternde Arbeitsmarktsituation geradezu zwingend notwendig macht.

 

Bei der allgemeinen Diskussion um die erneuerbaren Energien in Österreich wird leider gerade jene Energieform oft stiefmütterlich behandelt, die mit die größten Potentiale bietet: Holz. Im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in Horitschon zum Thema "Erneuerbare Energie als Zukunftschance" hat der Bundesminister  selbst kürzlich bemerkt, dass "Holz zu schade sei, um verheizt zu werden".

 

Diese Aussage ist insofern interessant, als man in Anbetracht der Situation in den österreichischen Wäldern vielmehr froh darüber sein könnte, wenn mehr Holz zur Gewinnung von Raumwärme, also "verheizt" werden würde. Faktum ist jedoch, dass jährlich gewaltige Mengen an Holz weder einer industriellen Nutzung zugeführt, geschweige denn "verheizt" werden. Von einer Verstromung der wertvollen Ressource "Energieholz" kann ebenso wenig die Rede sein. Stattdessen verrotten Unmengen an Holz vor allem in privaten Wäldern ungenutzt, weil die Holzströme in Österreich nicht effizient reguliert werden.


Diese brachliegende Energiequelle bleibt so nicht nur ungenutzt, sondern schadet sowohl dem österreichischen Waldbestand, als auch unserer Klimabilanz. Beim Verrottungsprozess des ungenutzten Holzes wird das zuvor gebundene CO2 wieder in die Atmosphäre freigesetzt – eine sinnlose, weil nicht aufgrund energetischer Nutzung entstandene Emission. Zusätzlich wird durch die unterbleibende Nutzung dieser Holzreserven die CO2-Bilanz zusätzlich verschlechtert, da statt die Möglichkeit heimisches Holz zur Energiegewinnung einzusetzen, auf importiertes Erdöl und Erdgas zurückgegriffen werden. Gerade in Anbetracht des Verfehlens der österreichischen Kyotoziele ist dieser Umstand besonders bedenklich. Darüber hinaus erwächst den gesunden Bäumen eines Waldbestandes aus den Durchforstungsversäumnissen die Gefahr des Schädlingsbefalles und einer allgemeinen Minderung der Qualität der betreffenden Waldbestände.

 

Nicht nur energetische Potentiale bleiben durch diese Nachlässigkeit ungenutzt, auch der Arbeitsmarkt wird dadurch eines wertvollen Impulses beraubt. Besonders im arbeitsintensiven Bereich der Waldpflege durch Durchforstung könnten tausende Arbeitsplätze und zudem garantierte Wertschöpfung im Inland geschaffen werden. Die größten Defizite bei der Durchforstung weisen dabei Wälder in Privatbesitz auf.

 

Um endlich zu einer möglichst vollständigen Nutzung der österreichischen Holzreserven zu gelangen, müssen möglichst rasch die notwendigen Grundlagen geschaffen werden. Dazu gehört vor allem eine Bestandsaufnahme der zur Energiegewinnung in Raumwärme und Verstromung nachhaltig verfügbaren Holzmengen. Zudem sind Maßnahmen für eine Mobilisierung der derzeit brachliegenden Holzreserven unbedingt notwendig.

 

In diesem Zusammenhang richten die unterfertigten Abgeordneten an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft nachstehende

 

ANFRAGE:

1.)Wie groß ist der gegenwärtige Waldbestand in Österreich? (Bitte um separate Angabe der Fläche pro Bundesland)

 

2.)    Wie groß ist der Anteil am gegenwärtigen Waldbestand Österreichs, der jährlich zur Energiegewinnung genutzt wird? (Bitte um separate Angabe pro Bundesland)

 

3.) Wie groß ist der maximale Anteil am gegenwärtigen Waldbestand Österreichs, der pro Jahr nachhaltig zur Energiegewinnung genutzt werden könnte und welche Maßnahmen müssten gesetzt werden, um diesen Anteil auch nutzbar zu machen?


4.) Welche Maßnahmen werden seitens ihres Ministeriums gesetzt, um diesen Maximalanteil an energetisch nutzbarem Holz österreichweit und in den einzelnen Bundesländern auch zu erreichen?

 

5.) Warum konnte bislang dieser Maximalanteil an Holz zur Energiegewinnung nicht eingebracht werden, und welche Maßnahmen werden sie österreichweit und in den einzelnen Bundesländern ergreifen um diese Lücke zu schließen?

 

6.) Welche Menge an Holz geht nach Schätzung ihres Ministeriums jährlich durch unterbleibende Durchforstungsmaßnahmen in privaten Wäldern österreichweit verloren?

 

7.) Wie hoch ist der Anteil der jährlichen Holz- Importe der österreichischen Bundesforste?

 

8.) Wie viel Prozent der österreichischen Wälder sind von (Borken)Käfern befallen?

 

9.) Welche Maßnahmen gegen den Käferbefall werden seitens Ihres Ressorts unternommen?

 

10.) Bestehen seitens ihres Ministeriums Angebote, um private Waldbesitzer bei der Durchforstung und Pflege ihrer Wälder zu unterstützen?

 

11.) Falls ja, wie viele private Waldbesitzer haben von diesen Angeboten österreichweit und in den einzelnen Bundesländern bereits Gebrauch gemacht?

 

12.) Falls nein, warum bestand bislang ihrer Meinung nach nicht die Notwendigkeit derartige Angebote zu erarbeiten und wann haben Sie vor das nachzuholen?

 

13.) Ist Ihnen bekannt, wie viele Menschen in heimischen Wäldern bei Windwurfarbeiten nach den Stürmen Kyrill, Emma und Paula  ums Leben gekommen sind?

 

Wien, 10. Dezember 2009