4404/J XXIV. GP

Eingelangt am 29.01.2010
Dieser Text ist elektronisch textinterpretiert. Abweichungen vom Original sind möglich.

ANFRAGE

 

 

der Abgeordneten Dr. Kurzmann

und weiterer Abgeordneter

 

an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur

 

 

betreffend Stellenwert der Förderung der deutschen Sprache in Österreich.

 

 

Die deutsche Sprache ist eine der wesentlichen Grundlagen, auf der das Gemeinwesen der Republik Österreich ruht.

Artikel 8 der Bundesverfassung normiert: "Die deutsche Sprache ist, unbeschadet  der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik."

Die Vermittlung und Pflege der deutschen Sprache im In-und Ausland sind daher zentrale Aufgaben der Bildungs- sowie der auswärtigen Kulturpolitik.

 

Deutsch ist die meistgesprochene Muttersprache in der Europäischen Union, die deutsche Sprachgemeinschaft ist die wirtschaftlich stärkste in Europa und die drittstärkste der Welt. Fast 100 Millionen Menschen sprechen in Europa Deutsch als Muttersprache, in sieben Ländern hat Deutsch einen offiziellen Status.

 

Auch wenn Englisch unbestritten als lingua franca unter den rund 80 in Europa gesprochenen Amts- und Regionalsprachen gilt, ist Deutsch neben dem Englischen die wichtigste zweite Fremdsprache auf unserem Kontinent. Nach dem politischen Umbruch der 90-er Jahre nimmt die deutsche Sprache in den Reformstaaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas eine wichtige Brückenfunktion zur EU ein.

 

Das Erlernen und die Beherrschung der deutschen Sprache ist auch für die Integration von in Österreich lebenden Ausländern eine unverzichtbare Voraussetzung für spätere gesellschaftliche Anerkennung und Teilhabe. Daher ist  der Spracherwerb auch eine "Bringschuld" von Menschen ausländischer Herkunft, und die Förderung des Spracherwerbs für Kinder noch vor dem Schuleintritt von besonderer Bedeutung.

 


 

 

Die überragende Stellung des Englischen in der Weltwirtschaft und die starke Zunahme von Anglizismen oder anglo-amerikanischen Ausdrücken im Deutschen -vor allem in der Werbung und in manchen Medien - verändern unsere Sprache nachhaltig.

 

Eine übergreifende Beschäftigung der österreichischen Politik mit dem Thema -besonders im Bezug auf die Vermittlung der deutschen Sprache im Inland oder ihre Rolle in der Europäischen Union - hat im letzten Jahrzehnt kaum stattgefunden. Im Gegenteil, das Augenmerk wurde in letzter Zeit fast ausschließlich auf die Problematik von ausländischen Zuwanderern und deren meist fehlende Deutschkenntnisse und alle damit verbundene Schwierigkeiten im Berufs-,Schul-, und Vorschulbereich gerichtet.

 

 

 

In diesem Zusammenhang richten die unterfertigten Abgeordneten an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur folgende

 

 

Anfrage:

 

1. Verfügen Kultur- und Unterrichtsministerium über Datenmaterial, wie viele österreichische und ausländische Staatsbürger   im In- und Ausland die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen?

 

2. Wie viele österreichische und ausländische Staatsbürger erlernen derzeit die deutsche Sprache?

    a) im Inland,

    b) im Ausland

 

3. Wie hat sich die Verbreitung der deutschen Sprache in den vergangenen 20 Jahren entwickelt?

    a) in der EU

    b) in Mittel-, Ost- und Südosteuropa

 

4. Gab/Gibt es auf Regierungsebene gemeinsame Bemühungen von Österreich, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz die Verbreitung der deutschen Sprache in Europa, aber auch in anderen Erdteilen zu fördern?

 

5. Verfügen Kultur- und Unterrichtsministerium über statistisches Material, aus dem hervorgeht, in welchen Staaten Deutsch eine besondere Rolle spielt?

    a) als Sprache in Schule und Ausbildung

    b) als Pflicht- oder Wahlfach an Schulen

 

6. Welche Gesamtaufwendungen leistet der Bund gegenwärtig pro Jahr für die Vermittlung der deutschen Sprache?

    a) im Inland

    b) im Ausland

 


7. Deutsch wird als Arbeitssprache gegenüber Englisch und Französisch innerhalb der EU noch immer benachteiligt. Welche Maßnahmen – unter Verweis auf die entsprechende Entschließung des Nationalrates vom 21. Jänner 2009 (6/E (XXIV.  GP)) – werden aus ihrer Sicht ergriffen werden, um diesen Mißstand zu ändern?

 

8. Welchen Stellenwert hat nach Ansicht der Bundesministerin die Übersetzung deutschsprachiger Literatur in Fremdsprachen für die Förderung des Interesses an deutscher Sprache und Literatur? Und wie hoch sind die Mittel für diese Übersetzungsförderung?

 

9. Wie beurteilen Sie als Regierungsmitglied die Tatsache, dass Deutsch als internationale Wirtschafts- und Handelssprache  zunehmend an Bedeutung verliert?

 

10. Teilen Sie die Ansicht mancher Wissenschafter, dass Deutsch als Wissenschaftssprache heute nur noch eine geringe Beutung habe?

 

11. Wie beurteilen Sie die Zunahme fremdsprachiger Begriffe und Ausführungen in Waren- und Dienstleistungsbeschreibungen und in der Werbung vor dem    Hintergrund einer verbraucherfreundlichen Information?

 

12. Welche Erkenntnisse liegen Ihnen über die Auswirkungen der 1994 in Frankreich und 1999 in Polen zum Schutz der Muttersprache beschlossenen Gesetze vor und  wie beurteilen Sie diese?