55/SBI XXIV. GP

Eingebracht am 25.01.2012
Dieser Text ist elektronisch textinterpretiert. Abweichungen vom Original sind möglich.

Stellungnahme zu Bürgerinitiative

 

 

Bürgerinitiative Nr. 33 betr. "BlO-Schulbuffets"

Sehr geehrte Damen und Herren!

Unter Bezugnahme auf das Schreiben vom 6. Dezember 2011, GZ 17020.0025/40-
L1.3/2011, teilt das Bundesministerium für Gesundheit zu der im Betreff genannten
Bürgerinitiative Folgendes mit:

Im vorliegenden Antrag unterstellt Global 2000", dass in Schulbuffets angebotene
und nicht aus biologischer Landwirtschaft stammende Produkte gesundheitsschädlich
sind. Das ist unrichtig. Alle in Schulbuffets angebotenen Produkte (egal ob biologisch
oder herk
ömmlich erzeugt) müssen sicher sein, d.h. sie dürfen nicht
gesundheitssch
ädlich sein. Würde dies zutreffen, dann müssten die einschlägigen
Regelungen des Lebensmittelgesetzes über die Rückstandshöchstwerte entsprechend
geändert werden. Laut EG-Verordnung Nr. 839/2008 liegt der Rückstandshöchst-
gehalt für Pestizide in Lebens- und Futtermitteln standardmäßig bei 0,01 mg/kg.
Dieser Wert gilt für biologische, wie auch konventionelle Erzeugnisse, wenn kein
spezifischer Rückstandwert für ein Produkt festgesetzt wurde.

Zudem zeigte ein Review von Dangour et al. (2010) keine evidenten Hinweise über
einen positiven Einfluss von biologisch erzeugten Lebensmitteln auf die Gesundheit
im Vergleich mit herkömmlich produzierten Lebensmitteln (bei gleicher
Ernährungsweise).

Vielmehr beeinflusst die Zusammenstellung der täglichen Ernährung d.h. das
Ernährungsverhalten und dabei insbesondere die überhöhte Zufuhr von Fett,
gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz, die Gesundheit. Schon Schulkinder nehmen
von den genannten Nährstoffen zu viel auf, wie der aktuelle Ernährungsbericht
belegt. Ob diese Nährstoffe über biologische oder herkömmliche Produkte zugeführt
werden, spielt keine Rolle. Das Bundesministerium f
ür Gesundheit (BMG) hat daher
im Sommer 2011 ern
ährungsphysiologische Mindeststandards für das Angebot an
Schulbuffets veröffentlicht. Im Rahmen der unlängst vom BMG gestarteten Initiative
Unser Schulbuffet" werden in den nächsten zwei Jahren Schulbuffetbetriebe bei der
Umsetzung der Leitlinie individuell und für die Betriebe kostenfrei unterstützt (z.B.
durch mobile Ernährungscoaches, eine Hotline, eine eigene Homepage als
Kommunikationsdrehscheibe, Veranstaltungen, Marketingideen, innovative Rezepte,
Vernetzungsaktivitäten unter Schulbuffetbetrieben, die ihr Angebot auf
gesundheitsförderlich umstellen etc.). Die Umstellung soll Schritt für Schritt erfolgen,
für die Schulbuffetbetriebe praktikabel und wirtschaftlich sein und die Ess- und
Trinkvorlieben von Kindern und Jugendlichen werden standortspezifisch
selbstverständlich berücksichtigt, damit eine nachhaltige Veränderung des Angebots
gelingt. Empfohlen wird in der genannten Leitlinie, bei der Auswahl von
Lebensmitteln auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen, insbesondere bei Obst
und Gemüse auf regionales und saisonales Angebot zu achten. Der Einbau von
biologischen Produkten ist dabei möglich, jedoch keine zwingende Notwendigkeit.
Die Umstellung von Schulbuffets auf Biolebensmittel ist vordergr
ündig eine
ökologische und letztlich auch eine ökonomische Entscheidung und keine Frage einer
ausgewogenen, gesundheitsförderlichen Ernährung.

Für den Bundesminister:
Petra Woller

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