Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll72. Sitzung / Seite 230

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der Wiener Philharmoniker! Lassen Sie es zu, dass ein Verein sich seine Mitglieder aus­sucht, wenn sie dem Vereinszweck dienen sollen! (Beifall bei der FPÖ.)

Nehmen Sie zur Kenntnis, dass in beiden Klangkörpern Männer und Frauen gleicher­maßen Chancen haben! (Abg. Mag. Schwentner: Eben nicht!) In das Staatsopernor­chester kommt man nur durch ein anonymes Probespiel, bei dem der oder die Beste gewählt wird, egal ob Mann oder Frau. (Abg. Mag. Schwentner: Das glauben Sie!)

Werten Sie die Leistungen der erfolgreichen Frauen nicht durch eine sture Quote ab! Qualität und Quote haben zwingend nur die ersten beiden Buchstaben gemeinsam.

Lassen Sie es zu, dass zwei Wiener Orchester, die aufgrund eines autonomen Ver­einsstatuts kontinuierlich im Laufe der Zeit personenidentisch sind, die zu den besten Orchestern der Welt zählen, Aushängeschilder und Botschafter Österreichs sind, ihren Standard autonom erhalten können! Jedenfalls sind diese beiden Orchester als Klang­körper einzigartig und unverwechselbar. (Zwischenruf des Abg. Dr. Zinggl.) Zitate der bedeutendsten Dirigenten, aber auch Komponisten des 19., 20. und 21. Jahrhunderts be­legen dies.

Erst vor Kurzem hörte man auf Ö1 eine Aussage des großen Bruno Walter über die un­vergleichliche Kontinuität des Orchesterklangs, auch Wiener Klangstil genannt.

Lassen Sie es zu, dass diese Klangkörper auch in Zukunft ihren höchsten eigenen Qua­litätsanspruch gegenüber Ihrem Quotenwahn mit der absoluten Gefahr der Nivellierung nach unten weiter behaupten können! (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Mag. Schwentner: Die Quoten ...!)

Schüren Sie nicht den Neid, nur weil Mitglieder dieser Orchester auch Lehrende an den Musikuniversitäten sind! Lassen Sie zu, dass diese begnadet begabten und fleißigen Menschen, die Beruf und Berufung leben, ihre Erfahrungen, ihr Können und ihre Musi­kalität weitergeben! Nicht umsonst erfreuen wir uns des Zustroms von Studierenden aus aller Welt. Ihre wirtschaftliche Umverteilungs-, Klassenkampf- und Genderideologie hat in der Kunst absolut nichts verloren! (Beifall bei der FPÖ.)

Eine Peinlichkeit darf ich aber den Abgeordneten von SPÖ und ÖVP nicht durchgehen lassen: Ihre Ausschussfeststellung: „Der Kulturausschuss geht davon aus, dass sich die Wiener Philharmoniker ... dazu verpflichten, ...“ – und so weiter –, ist mehr als peinlich. Seit wann mischt sich die Gesetzgebung in einen privaten Verein ein, dessen Statuten gesetzmäßig sind?! – Sonst wäre der Verein gar nicht zugelassen. Gibt es bald Ausschussfeststellungen über die Aufstellung von Fußballmannschaften? Oder über die Skiausflüge eines Skiklubs? Oder über die Kulturreise einer Seniorenvereinigung?

Zum Abschluss noch zum Kollegen Zinggl und zur Kollegin Schwentner: Gerade heute, am 150. Geburtstag Gustav Mahlers, der auch diese beiden Orchester geleitet hat, darf ich mit Freude feststellen, dass im Staatsopernorchester und bei den Wiener Philhar­monikern der Klang heute noch genauso ist wie unter dem Dirigat Gustav Mahlers, weil im Orchester ebendiese Tradition lebendig gehalten wird. So etwas ist einmalig und Weltkulturerbe-verdächtig.

Herr Kollege Zinggl, Frau Kollegin Schwentner, genießen Sie Ihr Hinterhof-Musikbiotop mit autodidaktischem Didgeridoo-Geblöke und Buschtrommeln! Das sei Ihnen unbe­nommen, erfreuen Sie sich daran! Aber lassen Sie Könner und Könnerinnen den Ruf Österreichs als Kulturnation unverfälscht in die Welt tragen! (Beifall bei der FPÖ.)

20.38


Präsident Mag. Dr. Martin Graf: Zu einer Stellungnahme hat sich Frau Bundesminis­terin Dr. Schmied zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


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