Stellungnahme zum Gesetzesentwurf zur Bildungsreform 2017

A Z 3 lit. c, § 27a – Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik):

Sehr geehrte Bildungsverantwortliche!

Zentren für Inklusiv- und Sonderpädagogik unterstützen hauptsächlich in den Schulen vorort Kinder, Jugendliche, LehrerInnen und DirektorInnen und sichern die Qualität der Unterstützung. Warum soll diese erfolgreiche Kooperation zerschlagen werden?

Kinder bringen ihre Lebensgeschichte in die Schule mit und stellen mitunter ihre LehrerInnen vor große persönliche Herausforderungen. Kinder mit emotionalen und sozialen Problemen, drücken ihre persönliche Not in ihrem Verhalten aus, stören den Unterricht, können Anforderungen und Anweisungen nicht ohne weiteres Folge leisten, zeigen mitunter aggressives oder apathisches Verhalten, … sind emotional und sozial mit der Schule überfordert. Diese SchülerInnen wie ihre LehrerInnen brauchen Unterstützung durch Personen (PsychagogInnen, MosaiklehrerInnen, BeratungslehrerInnen), die persönlich und fachlich darin geschult sind sowohl die Not der Kinder und Jugendlichen als auch die der LehrerInnen wahrzunehmen und adäquate pädagogische Maßnahmen entwickeln können, die individuell persönliche Entwicklung und erst recht Bildung ermöglichen.

Uns PsychagogInnen, MosaiklehrerInnen und BeratungslehrerInnen unsere Zentren zu nehmen heißt, uns unserer Identität zu berauben und durch die Vereinzelung an den Schulen die Qualität unserer Arbeit zu gefährden. Die Inklusion von entwicklungspsychologisch, emotional und sozial gefährdeten Kindern gelingt in Wien trotz gesellschaftlich oft sehr angespannten Situationen auch deshalb, weil wir uns den gesellschaftlichen und den persönlichen Herausforderungen stellen und entsprechend weiterbilden. Wir arbeiten mit und in Krisen und brauchen den Austausch, den gemeinsamen Diskurs, die regelmäßige Reflexion unsere Fallgeschichten, die Supervision/Balintgruppe (die wir sowieso meist selber finanzieren), die Verlässlichkeit der geballten Erfahrung, auf die wir zurückgreifen können, die gemeinsame Weiterentwicklung, die gemeinsamen Fortbildungen, die Vernetzung und Kooperation mit vielen relevanten Institutionen (Kindergärten, Therapeutische Einrichtungen, Kinderpsychiatrischen Einrichtungen, Jugendämter,  . . . )

Presseaussendung vom 7.4.2017:

„Die Österreichische Kinderliga nimmt den Weltgesundheitstag zum Anlass, um auf die Zunahme von gravierenden Gesundheitsrisiken für Kinder und Jugendliche aufmerksam zu machen….

Rund 20% der Kinder und Jugendlichen in Österreich zeigen Auffälligkeiten im Bereich der seelischen Gesundheit. Belastungsfaktoren sind u.a. Überforderungssituationen der Eltern, brüchiger werdende Beziehungen, Armutsgefährdung, Leistungsdruck und Rückzug in insolierende digitale Erfahrungswelten.“

Wir bitten im Namen aller sozial gefährdeten und benachteiligten Kinder nicht Strukturen zu zerschlagen, die über so lange Zeit und - schon vor der politisch motivierten Inklusion - wissenschaftlich fundiert, fachlich qualifiziert und erfolgreich diesen Kindern, ihren LehrerInnen und Eltern über Jahrzehnte hindurch geholfen haben, den Weg in die Schulgemeinschaft zu schaffen und ihre Schullaufbahn zu meistern.

 

Die Kinder brauchen unser besonderes Augenmerk und haben ein Anrecht auf fachlich wie wissenschaftlich gestützte Hilfestellung!

 

Mit der Bitte um Kenntnisnahme und freundlichen Grüßen

 

Mag.a Waltraud Perkonig

Mobile Mosaiklehrerin im Namen des Kollegiums des ZIS Rudolf Ekstein Zentrum