475/J XXVI. GP

Eingelangt am 14.03.2018
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

Anfrage

 

 

der Abgeordneten Hoyos, Kolleginnen und Kollegen

an Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie

betreffend bundesweiter Ausbau von Fahrgemeinschaftsspuren

 

Die Geschichte des gemeinsamen Fahrens reicht zurück bis zum Einsetzen der Weltwirtschaftskrise zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Die Ölkrise in den 1970ern führte dann zur Einrichtung der ersten sog. Carpool Lanes an amerikanischen Autobahnen. Gerade in jüngster Zeit gewinnen Mitfahrgelegenheiten wieder zunehmend an Popularität, weniger konjunkturell bedingt sondern begünstigt durch das Aufleben der sharing economy und insbesondere durch den Zuwachs und Ausbau an Internetplattformen mit entsprechenden Angeboten. Daher äußern sich immer mehr Stakeholder und Interessengruppen positiv zu einem bundesweiten Ausbau von Fahrgemeinschaftsspuren. Dahinter stehen sowohl ökologische als auch effizienzsteigernde Überlegungen, deren positive Auswirkungen sich in Ländern mit flächendeckenden Fahrgemeinschaftsspuren, wie England, Spanien oder den USA, deutlich zeigen. Eine Vielzahl an Unternehmen in Österreich schaffen mit Initiativen für ihre Mitarbeiter Anreize und Möglichkeiten, Fahrgemeinschaften zu bilden bzw. private Fahrgemeinschaften zwischen Wohnort und Arbeitsplatz zu koordinieren. Der VCÖ hat dazu unlängst ein paar positive Beispiele hervorgehoben:

"Die EMAS-zertifizierte Infineon Technologies Austria AG mit Hauptsitz in Villach geht mit ihrer Initiative „The Green Way“ mit gutem Beispiel voran: Eine firmen-interne Mitfahrzentrale ermöglicht die Koordination von privaten Fahrgemeinschaften zwischen Wohnort und Arbeitsplatz.  Fahrgemeinschaften werden belohnt: „Beschäftigten, die mindestens zu zweit in einem Auto zur Arbeit kommen, werden definierte Parkplätze zugeteilt“, erklärt Finanzvorstand Oliver Heinrich. „Die Parkplätze sind derzeit im Bereich der Besucherparkplätze und über eine Schrankenanlage erreichbar, die zwei Mitarbeiter jeweils mit ihrem Ausweis freischalten.“ Seit Ende Mai 2017 steht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine kostenlose Mitfahr-App, die „App TwoGo“, zur Verfügung. (...) Bike-Ladestationen, 200 Fahrradständer sowie Duschen und Umkleidemöglichkeiten für Radfahrende: Die Firma Boehringer Ingelheim in Wien Meidling investiert für ihren Standortausbau in ein umfassendes Mobilitätskonzept. „Für unsere derzeit 2.000 Angestellten gibt es einen Werkbus vom Bahnhof Meidling zur Firma, der gerne genutzt wird“, sagt Unternehmenssprecherin Inge Homolka. „Mit dem Ausbau wird zusätzlich ein Express-Shuttle sowie ein eigener öffentlicher Stiegenabgang vom Bahnhof Hetzendorf angeboten.“ Auf einer eigenen Intranet-Plattform wird die Bildung von Fahrgemeinschaften gefördert; zur besseren Koordination aller Maßnahmen wurde ein eigenes Mobilitätsteam gegründet. „Bis zur Inbetriebnahme der neuen Produktionsanlage im Jahr 2021 wollen wir den Anteil der öffentlich fahrenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter knapp verdoppeln, während der Anteil jener, die mit dem Auto zur Arbeit kommen, um mehr als die Hälfte zurückgehen soll“, ergänzt Homolka. Das soll etwa mit gebührenpflichtigen Parkplätzen erreicht werden." (Quelle: VCÖ, Online Zugriff am 12.03.2018. https://www.vcoe.at/news/details/mehr-bewegungsfreiheit-auf-dem-arbeitsweg)

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende

Anfrage:

 

1.    Gibt es seitens des BMVIT Konzepte für den Ausbau bzw. die Einrichtung von Fahrgemeinschaftsspuren?

a.    Wenn ja, wie sehen diese Konzepte aus? Auf welchen wissenschaftlichen Erhebungen/Studien basieren diese?

b.    Wenn ja, welchen Zeithorizont sieht man seitens des BMVIT für die Umsetzung vor?

c.    Wenn es keine Konzepte gibt, gibt es allenfalls Überlegungen dazu, Fahrgemeinschaftsspuren an überlasteten Straßen einzurichten?

2.    Österreichischen Verkehrsforschern zufolge sitzen im bundesweiten Schnitt 1,3 Personen in einem Auto, ein im internationalen Vergleich sehr niedriger Wert. Gibt es seitens des BMVIT Bestrebungen, diesen Wert zu erhöhen?

a.    Wenn ja, welche konkreten Maßnahmen sind dafür vorgesehen?

b.    Liegen Ihnen Studien vor, die eine (positive) Einflussnahme auf diesen Wert durch die Einführung von Fahrgemeinschaftsspuren belegen? Bejahendenfalls bitte um Bekanntgabe des genauen Inhalts dieser Studien.

3.    Liegen Ihnen Zahlen zu einem wie unter Punkt 2. genannten Besetzungsgrad je Bundesland vor?

a.    Wenn ja, wie lauten diese Zahlen? Bitte um genaue Aufschlüsselung nach Bundesländern.

b.    Wenn nein, wieso gibt es eine solche Aufschlüsselung nicht?

4.    Wurden oder werden seitens des BMVIT Studien zu den infrastrukturellen Auswirkungen von Fahrgemeinschaftsspuren in Auftrag gegeben?

a.    Wenn ja, wer führt diese Studien durch?

b.    Wenn ja, was sind die Ergebnisse?

5.    Gibt es eine strukturierte Zusammenarbeit mit dem BMNT in dieser Materie?

a.    Wenn ja, wie sieht diese aus?