15.41.45

Abgeordneter Mag. Dr. Rudolf Taschner (ÖVP)|: Herr Präsident! Hohes Haus! Lieber Herr Kollege Strolz! Ich kann durchaus nachvollziehen und finde es auch außeror­dentlich sympathisch, dass Sie sagen: Jetzt, da ich gleichsam den Schwanengesang in diesem Parlament halte, werde ich mich dem Zukunftsthema widmen, dem Thema Matura. – Ich kann mich nur dafür bedanken, dass Sie in Ihrer Rede auch meinen Namen genannt haben, was mich sehr ehrt.

Nebenbei gesagt, fühle ich mich auch deshalb geehrt, weil ich schon im Jahre 2008, als dieses Projekt in Gang gesetzt wurde, versucht habe, eigene Gedanken darin einfließen zu lassen – beziehungsweise waren es nicht einmal eigene Gedanken. Ich habe viele Ideen von einem niederländischen Mathematiker bekommen, der wirklich ein guter Mathematikdidaktiker ist, nämlich Jan de Lange, und diese Ideen versuchte ich einzubringen.

Ich habe es auch über die Medien gemacht, aber es war damals so: Ministerin Schmied hatte diese Idee der Zentralmatura, die eine gute Idee ist, einzubringen versucht, und es meldeten sich dann die Scharen derer, die die Bildungsexperten sind und gemerkt haben: Die Spielwiese ist offen, sodass wir unsere im Elfenbeinturm entstandenen Ideen des didaktischen Daseins in dieser Matura verwirklichen können. – Da gibt es dann 50 Kompetenzen in Mathematik. Ich kenne diese Kompetenzen nicht – obwohl ich die Mathematikgrundvorlesungen für künftige Elektrotechnikerinnen und Elektro­techniker halte –, ich brauche sie auch nicht zu kennen, ehrlich gesagt. Ich weiß ungefähr, worum es geht.

Jetzt müssen wir aber auf der Technischen Universität Nullerkurse machen. Nuller­kurse heißt, wir müssen den jungen Damen und Herren beibringen, was ein Doppel­bruch ist, damit sie nicht davor erschrecken, und dass Sinus und Kosinus eine gewisse Bedeutung haben. Die wissen das wirklich nicht! Das ist auch Geldverschwendung, denn diese Nullerkurse müssen ja irgendwie bezahlt werden. Wir wollen doch, dass die Leute, die bei uns zu studieren beginnen, über so viel Wissen verfügen, dass wir mit einer höheren Mathematik beginnen und diese den jungen Damen und Herren bei­bringen können.

Auf dieser Spielwiese haben sich die Bildungsexperten jedenfalls ausgetobt, haben Kompetenzlisten erstellt und dann die Beispiele ihren Kompetenzlisten gemäß verortet. Dann kommen Beispiele vor wie zum Beispiel beim Nebentermin im Jahr 2017, das zweite Beispiel bei der Mathematikmatura der AHS, das so dumm gestellt war, dass es effektiv falsch war. Die, die das gestellt haben, haben nicht einmal gewusst, dass es falsch ist, weil sie einen Lösungsvorschlag gegeben haben, der natürlich falsch war. (Zwischenruf der Abg. Heinisch-Hosek.)

Man muss sich das einmal vorstellen – feldgetestet! Das Beispiel hat nämlich nicht gelautet: Hier ist eine quadratische Gleichung, bitte löse sie – das macht man ja nicht mehr, denn das würde ja zum Rechnen führen, das tun wir uns nicht an –, wir müssen da unsere abstrakten Kompetenzen durchführen. (Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP.)

Das war diese Spielwiese und die haben wir jetzt sozusagen immer vor uns. Daher kommt auch diese Textlastigkeit. Daher kommt auch folgendes Phänomen: Man fragt: Was kommt nach Montag? – Dass die Antwort „Dienstag“ lautet, wird aber so ver­klau­suliert gefragt, dass man sich fragt: Muss ich wirklich „Dienstag“ antworten? – Das ist wirklich kompliziert gemacht. (Heiterkeit und Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Der Jammer ist letztendlich, dass das nicht Mathematik ist. (Abg. Schieder: Was haben jetzt die Wochentage mit Mathematik zu tun?) – Das frage ich mich auch. Das haben nämlich auch die Mathematikprofessoren an deutschen Hochschulen gefragt, die gegen die Matura in Hamburg und in Niedersachsen gewettert und gesagt haben, diese Beispiele sind nicht geeignet für ein WIMINT-Studium – Wirtschaft, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, das, was wir wirklich brauchen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, nachdem die Bildungsministerinnen der vori­gen Regierungen gesagt haben: Nein, weiter so – Sie kennen das –, wir wissen zwar, dass dieser Weg falsch ist, nehmen aber den nächsten Gang und fahren weiter so (Zwischenruf der Abg. Heinisch-Hosek), haben wir jetzt endlich die Möglichkeit, zu sagen: Wir beginnen, neu darüber nachzudenken. – Das ist gut so und dafür sind wir dem Bildungsminister dankbar. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Herr Kollege Strolz, ich verstehe es, dass Sie sagen: Jetzt möchte ich das noch irgend­wie auf Schiene bringen!, aber wissen Sie, wir müssen zum Beispiel die Deutsch­förderklassen auf Schiene bringen (Abg. Strolz: Ja!), weil wir wollen, dass die Kinder, die in diesem neuen Schuljahr in die Klassen kommen, wirklich davon profitieren können. Die müssen wir schnell auf Schiene bringen; bei der Matura aber haben wir Gott sei Dank Zeit, nachzudenken. (Zwischenruf des Abg. Schieder.)

Sie geben Lösungsvorschläge, über die können wir natürlich diskutieren. Wir müssen nicht alle Lösungsvorschläge eins zu eins übernehmen, aber wir wollen doch bitte darüber nachdenken. Ich schlage vor, dass wir wirklich einen tiefen Nachdenkprozess beginnen, der nicht nur von den sogenannten Bildungsexperten geführt wird, sondern vor allem auch von denen, die wirklich Experten sind. Das sind die Damen und Herren, die unterrichten und wissen, was sie mit ihrem Fach machen wollen. Deren Ideen wollen wir uns anhören. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. – Zwischenruf der Abg. Heinisch-Hosek.)

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Was soll die Matura?, wird gefragt. Es wird immer von Vergleichbarkeit gesprochen, und damit müssen wir die Diversität in gewis­ser Hinsicht in Einklang bringen. Das ist ja nicht ganz so einfach. Was versteht man denn unter Vergleichbarkeit?

Matura soll in Wirklichkeit zweierlei sein, meine sehr verehrten Damen und Herren. Auf der einen Seite will ich die Kontrolle haben: Ist wirklich das gemacht worden, wovon ich als Staat erwarte, dass es die jungen Leute können, damit sie studierfähig sind? Auf der anderen Seite ist es der Leistungsnachweis: Wir wollen zeigen, was wir können. – Beides soll ineinandergeflochten werden.

Ich glaube, der Leistungsnachweis ist vielleicht sogar das Interessantere, weil wir unseren Damen und Herren, die unterrichten, ja vertrauen können, dass sie wirklich diese Leistungsfähigkeit bei den Kindern hervorbringen, dass sie wirklich unterrichten können. Und nachdem man unterrichtet hat, sagt man: Schaut, das können unsere Schüler, sie zeigen, was sie können, und mit diesem Wissen können sie dann auch studieren oder vielleicht auch gleich in die Wirtschaft gehen und erfolgreich werden!

Die Matura dient dazu, dass wir den jungen Leuten sagen: So, jetzt habt ihr eine Stufe erreicht und habt eine neue Chance, und diese wird euch fair gegeben! – Meine sehr verehrten Damen und Herren, das wird jetzt gelingen, und ich hoffe, dass es auch gut gelingen wird. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

15.48

Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Frau Abgeordnete Dr. Hammerschmid gelangt zu Wort. – Bitte.