16.36.11

Abgeordnete Dr. Irmgard Griss (NEOS)|: Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine Damen und Herren! Viktor Mayer-Schönberger, ein Salzburger, der in Harvard studiert hat und jetzt eine Professur in Oxford hat, hat ein Buch mit dem Titel „Das Digital“ veröffentlicht. Er hat den Titel ganz bewusst in Anlehnung an „Das Kapital“ von Karl Marx gewählt, weil er sagt: Die Digitalisierung, die Daten bringen in unserer Zeit eine ähnliche revolutionäre Umwälzung wie das Kapital und der Kapitalismus im 19. Jahr­hundert, denn die Digitalisierung bestimmt längst unser Leben. Das ist keine Frage der Zukunft, das ist die Gegenwart.

Es ist daher selbstverständlich, dass die Schule den Kindern Kompetenzen mitgeben muss, die sie in die Lage versetzen, damit umgehen zu können. Das sind technische Kompetenzen, das sind aber genauso intellektuelle, inhaltliche Kompetenzen.

Die Vorgängerregierung hat ein großes Paket für die Verbesserung der Infrastruktur in den Schulen beschlossen: Ausstattung mit IT-Endgeräten, WLAN, also sehr leistungs­starke Internetverbindungen, und hat die Kosten, die damit verbunden sind, auf 222 Mil­lionen Euro jährlich geschätzt.

Das ist natürlich nur ein Element, und es ist klar, dass auch die beste technische Ausstattung noch nicht dazu führt, dass die Digitalisierung auch wirklich das Leben in der Schule prägt und der Unterricht den Kindern die notwendigen Kompetenzen vermit­telt. Dazu braucht es auch entsprechende pädagogische Konzepte.

Wesentlich wichtiger oder genauso wichtig ist der inhaltliche Bereich. Wir leben in einer Gesellschaft – und ich sehe das bei meinen Kindern und auch bei den Enkelkindern –, in der Kinder ganz automatisch lernen, mit diesen Geräten umzugehen. Was sie aber lernen müssen, und das ist eine Schlüsselfrage für unsere Gesellschaft, das ist die Kompetenz, Informationen einzuordnen, zu hinterfragen, kritisch zu denken.

Herr Bundesminister! Sie haben vorgeschlagen, ein Unterrichtsfach Digitale Grund­bil­dung einzuführen. Ich denke, das muss man breiter aufsetzen. Das muss ein Fach sein, das sich durch die gesamte Schulpflicht zieht, und ein Fach, das vor allem kriti­sches Denken einschließt, kritisches Hinterfragen von Informationen, Medienkom­pe­tenz.

Peter Bieri, der bekannte Schweizer Philosoph, sagt in seinem Buch „Wie wollen wir leben?“: Wann immer neue Entwicklungen oder Informationen auf uns zukommen, müssen wir zwei Fragen stellen. Die erste Frage ist: Was bedeutet das?, und die zweite Frage ist: Woher weiß ich das?

Die Quelle ist ganz entscheidend für die Bewertung einer Information. Das gilt in einem Maß, in dem es noch nie zuvor gegolten hat, für all die Informationen, die wir heute durch das Internet erreichen und die auf uns einströmen. Ich brauche daher bei den Kindern, bei den jungen Leuten und bei jedem von uns auch die Fähigkeit, damit um­gehen zu können, das zu hinterfragen.

Das muss sich in der Zentralmatura abbilden, die ein wichtiges Steuerungsinstrument ist. Es muss Prüfungen geben, die den tatsächlichen Lebensverhältnissen ent­sprechen. Das heißt, ich muss einen Laptop verwenden dürfen; eine sogenannte Open Book Examination, das ist nicht so neu und nicht so modern. Ich habe vor 40 Jahren in Amerika studiert, und dort hatten wir auch Open Book Exams, wo wir eben mit den Informationen, die zugänglich waren, Fälle lösen mussten, was viel anspruchsvoller ist als nur Wissen abzuprüfen. (Beifall bei den NEOS.)

Das heißt, es liegen große Chancen in der Zentralmatura. Ich hoffe sehr – und ich bin ein optimistischer Mensch –, dass diese Chancen genützt werden. – Danke. (Beifall bei den NEOS.)

16.41

Präsident Mag. Wolfgang Sobotka|: Zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Kuss- Bergner. – Bitte.