20.20.24

Abgeordnete Dipl.-Ing. (FH) Martha Bißmann (PILZ)|: Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist klar, dass wir unsere Bauern vor massive finanzielle Heraus­forderungen stellen, wenn sie im Frühjahr nicht mehr per Glyphosat Sikkation – also das Trocknen der Felder oder das künstliche Verwelken der Pflanzenteile vor dem Ernteprozess – betreiben können. (Zwischenruf des Abg. Strasser.) Es ist aber aufgrund der Erfahrungen aus Nordamerika, wo Glyphosat bereits viel länger einge­setzt wird, klar, dass sich eher früher als später Resistenzen gegen dieses Gift bilden, die unsere Bauern später noch viel teurer zu stehen kommen werden. Das Problem der Sikkation muss also gelöst werden.

Weiters wissen wir, dass 2 000 der 4 000 heimischen Schmetterlingsarten vom Aus­ster­ben bedroht sind, dass die heimischen Singvögel unter massivem Populations­rückgang leiden. Wir wissen aber nicht, welche Langzeitfolgen ein derart massives Ein­greifen in das natürliche Gleichgewicht hat. Werden auch wir in Zukunft unsere Feld­früchte mit Drohnen bestäuben müssen, weil wir die natürlichen Pollinatoren ausge­rottet haben?

Wir verschließen uns nicht nur den Problemen der Zukunft, nein, wir verstärken sie auch noch mit Nachdruck. Es braucht eine clevere Strategie, sehr geehrte Damen und Herren. Die Bezeichnung Pflanzenschutzgesetz 2018 suggeriert den Schutz der natür­lichen Umwelt und der Menschen, der Gesundheit. In Wirklichkeit aber findet sich in diesem Gesetz nicht einmal ein schrittweises Verbot, ein schrittweiser Ausstieg aus Glyphosat. Es verdichten sich mittlerweile nachhaltig die Hinweise, dass Glyphosat diverse Erkrankungen auslöst, die WHO hat es als potenziell krebserregend eingestuft. Wir gehen damit so um, dass wir sicherheitshalber weiterhin eine potenziell karzino­gene Substanz unters Volk bringen, bis wir uns wirklich ganz sicher sind, dass sie nicht gefährlich ist. Da hat also eine Umkehr des Schutzprinzips stattgefunden, das einst lautete: Solange nicht eindeutig nachgewiesen ist, dass eine Substanz sicher ist, erhält sie keine Zulassung.

Sehr geehrte Damen und Herren! Der Bauernstand hat es weiß Gott schon schwer ge­nug. Wir alle wissen, dass niemand will, dass weitere Bauern in unserem Land zusper­ren müssen. Über 150 000 landwirtschaftliche Betriebe haben in den letzten 20 Jahren die Tore geschlossen.

Das Problem der Frühjahrssikkation muss also mit Methode angegangen werden. Die Liste Pilz schlägt daher vor, dass die Bundesregierung einen Preis ausschreibt, um das Problem der Sikkation per Wettbewerb zu lösen. Gehen Sie doch auf die Suche nach den besten Köpfen und den kreativsten Ideen zur Lösung dieses Problems! Wir helfen Ihnen auch gerne dabei.

In vielen EU-Ländern wurde dieses Pflanzengift schon längst verboten. Rund 600 österreichische Gemeinden verzichten auch schon freiwillig darauf. Parteienhickhack und das Ziehen von Grenzen zwischen den Parteien ist bei diesem Thema völlig fehl am Platz. Wir brauchen alle unsere Bauern und die Lebensmittel, die sie erzeugen. Lassen Sie uns den Umweltschutz als übergeordnetes Ziel aller Parteien, und zwar auf wissenschaftlicher Basis, in unsere Debatten einbeziehen! (Beifall bei der Liste Pilz und bei Abgeordneten der SPÖ.)

20.23

Präsidentin Anneliese Kitzmüller: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Strasser zu Wort gemeldet. Ich gehe davon aus, dass Sie die für eine tatsächliche Berichtigung geltenden Bestimmungen beherzigen werden. – Bitte.