Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll51. Sitzung, 22. November 2018 / Seite 163

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vorbringen, die das auch entsprechend umsetzen können. – Danke schön. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.)

16.49


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort ist Frau Abgeordnete Friedl gemeldet. – Bitte.


16.49.48

Abgeordnete Klaudia Friedl (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minister! Liebe Zuseherinnen und Zuseher auf der Galerie und zu Hause vor den Bildschirmen! Hohes Haus! Der Forschungs- und Technologiebericht 2018 liefert gute Ergebnisse. Wir haben mit 3,19 Prozent beim Forschungsinput den guten zweiten Platz hinter Schweden mit 3,25 Prozent belegt. Zur Information: Im Jahr 2016 lag die durch­schnittliche Forschungsquote bei 2,03 Prozent. Wir haben also ein Ergebnis, auf das wir wirklich stolz sein können. (Beifall bei der SPÖ.)

Wir stehen aber vor der verantwortungsvollen Aufgabe, Antworten auf große Fragen unserer Zeit zu finden, die sich eigentlich die ganze Welt stellt. Es geht um Digita­lisierung, Klimaveränderung und demografischen Wandel, aber auch um politische Entwicklungen, die unsere Demokratien schwächen könnten. Mit der Forschung schaffen wir aber die Voraussetzungen dafür, diesen rasanten Entwicklungen mit Evidenz und Innovation, aber auch mit Perspektiven zu begegnen.

Wir können auch sichtlich stolz darauf sein, dass bei uns die Zusammenarbeit zwi­schen Wirtschaft und Wissenschaft besonders gut funktioniert. Wir sind da international ganz weit vorne. Die Kooperation der Universitäten mit unseren Unternehmen funk­tioniert tadellos, da sind wir in der EU spitze. Wir haben uns 2011 mit der FTI-Strategie vorgenommen beziehungsweise zum Ziel gesetzt, dass wir 2020 in die Spitzengruppe der innovativsten Forschungsländer Europas vorpreschen wollen. Ich muss allerdings feststellen beziehungsweise glaube ich aus heutiger Sicht, aus der des Jahres 2018, feststellen zu können, dass uns das leider nicht gelingen wird.

Wenn wir aber im internationalen Wettbewerb ganz vorne mitspielen wollen, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, müssen wir die direkte Forschungsförderung, vor allem aber auch die Grundlagenforschung finanziell massiv stärken und dürfen wir sie nicht aushungern. Fakt ist, dass wir die Mittel für die Forschungsprämien in den vergangenen Jahren fast um das Fünffache erhöht haben, aber die Mittel für den Wissenschaftsfonds nur verdoppelt haben. Im gleichen Zeitraum haben Nachbarländer wie die Schweiz oder Deutschland ein Vielfaches investiert.

Wir haben zum Beispiel im Vergleich zu den Schweizern nur ein Fünftel der Ausgaben in diesem Bereich. (Abg. Deimek: Da muss man aber die Länderspezifika sehen! Die Schweiz hat Pharmaindustrie!) – Investitionen in die Grundlagenforschung, Herr Kol­lege, sind das Um und Auf – das wissen wir und das wissen Sie genauso. Damit investieren wir letztendlich in die gesamte wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes und damit auch in unsere Zukunft. Wir schaffen damit Wirtschaft, wir schaffen damit Arbeit und erhalten den Wohlstand, den wir uns schwer erarbeitet haben.

Österreich hat das Potenzial, europaweit mitzuarbeiten und zu den attraktivsten Ländern für Forschung, Ausbildung und Innovation zu werden. Beginnen müssen wir aber an der Basis, im Kindergarten und in der Volksschule. Fördern wir individuell nach den Talenten, gleichen wir die Schwächen unserer Kinder aus, gehen wir bei der Benotung nach vorn und nicht zurück in die Steinzeit! Digitalisieren wir endlich die Klassenzimmer! Setzen wir vermehrt auf Fremdsprachen und verabschieden wir uns bitte von dem unsäglichen Wiederholen von Schulstufen! (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Zadić.)

 


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