1624/J XXVII. GP

Eingelangt am 22.04.2020
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Anfrage

 

 

der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch, Peter Wurm

und weiterer Abgeordneter

an die Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend

betreffend Erntehelfer aus Rumänien

 

Die Tageszeitung der Standard vom 15.April 2020 berichtete:

Erntehelfer für Tirol und Kärnten aus Rumänien eingeflogen

Weil sich offenbar nicht genug einheimische Arbeitskräfte fanden, wurden am Mittwoch Feldarbeiter per Direktflug geholt. Sie sollen schon während der Quarantäne arbeiten

Innsbruck – Um 17 Uhr landete am Mittwoch auf dem Innsbrucker Flughafen ein Airbus A320 der Fluglinie Laudamotion, der direkt aus Cluj-Napoca in Rumänien kam. An Bord mehr als 120 Erntehelfer für Landwirte in Tirol und Kärnten. Vor dem Flughafengebäude warteten bereits Landwirte und Busse auf die Rumänen. Organisiert wurde der Charterflug laut Auskunft der Tiroler Landwirtschaftskammer vom österreichischen Branchenverband für Obst und Gemüse zusammen mit den Tiroler Gemüsebauern

Die Ankommenden wurden noch auf dem Flughafen mit Abstrichen getestet und ihre Temperatur gemessen. Danach traten sie die Fahrt in ihre Quartiere bei den Betrieben an. Ab Donnerstag werden sie als Erntehelfer angemeldet, und sobald ihr negatives Testergebnis vorliegt, sollen sie in kleinen Teams auf dem Feld eingesetzt werden. Während die "faktische zweiwöchige Quarantäne" gilt, dürfen sie allerdings die Betriebe, denen sie zugeteilt sind, nicht verlassen.

Obmann der Gemüsebauern: "Zu wenig für Spitzenzeiten"

Josef Posch, Obmann der Tiroler Gemüsebauern, begründet das Einfliegen der Erntehelfer so: "Wir brauchen zu den Spitzenzeiten rund 800 Arbeitskräfte zum Einbringen der Ernte. Nur ein geringer Teil unserer Stammkräfte steht heuer dafür zur Verfügung. Ein Teil dieser Schlüsselarbeitskräfte wurde heute mit einem eigenen Flug nach Innsbruck gebracht. Das sind langjährige Mitarbeiter von uns, die die Basis bilden, damit die Arbeiten überhaupt erledigt werden können."

Die Vermittlung der zusätzlich benötigten Arbeitskräfte über die Plattform "Die Lebensmittelhelfer" laufe parallel dazu weiter. Posch bedankt sich bei allen, "die uns bereits unterstützen beziehungsweise sich dort beworben haben". Wie viele Einheimische sich bislang über die Plattform "Lebensmittelhelfer" beworben haben und eingesetzt werden, war am Mittwoch allerdings nicht zu erfahren.

Tiroler Grüne: "Absurdes System Landwirtschaft"

Das Land Tirol wollte auf Anfrage des STANDARD vorerst keine Stellungnahme zum Einfliegen der Erntehelfer abgeben. Man verwies auf eine offizielle Aussendung, die dazu noch folgen sollte. Seitens der Tiroler Grünen zeigte sich Landwirtschaftssprecher Georg Kaltschmid wenig erfreut. Zum einen sei man vom Koalitionspartner ÖVP nicht über den Charterflug informiert worden. Zum anderen zeige diese Vorgehensweise, "wie absurd das System Landwirtschaft" hierzulande sei, so Kaltschmid: "Wenn der Grundlohn so gering ist, dass sich keine einheimischen Arbeitskräfte mehr dafür finden und man billige Arbeiter per Luftbrücke einfliegen muss, stimmt etwas nicht mehr."

Die Arbeitskräfte seien nach der Ankunft in Kleinbussen in Gruppen zu maximal fünf Personen zu ihren Betrieben gebracht worden, heißt es von der Tiroler Landwirtschaftskammer. Vor Ort bot sich auf dem Flughafen allerdings ein etwas anderes Bild. Dort warteten mindestens zwei große Reisebusse, und während der Wartezeit nahmen es die Eingeflogenen mit Beschränkungen wie Abstandhalten und Maskentragen nicht sonderlich genau. (Steffen Arora, 15.4.2020)

https://www.derstandard.at/story/2000116890200/erntehelfer-fuer-tirol-und-kaernten-aus-rumaenien-eingeflogen

Demgegenüber stand auf der Plattform Vienna.at folgende Information:

 

Den heimische Bauern und Lebensmittelverarbeitern fehlen aufgrund der Corona-Krise und den Grenzschließungen tausende Arbeitskräfte aus Osteuropa. Über die Online-Plattform www.dielebensmittelhelfer.at

haben sich bisher tausende Interessierte gemeldet und es befinden sich derzeit rund 1.000 Personen in der Vermittlung, hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium.

https://www.vienna.at/erntehelfer-plattform-1-000-personen-in-vermittlung/6578316

 

Die Plattform https://www.dielebensmittelhelfer.at/ wird vom Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend; vom Bundesministerium Landwirtschaft, Region und Tourismus ; Wirtschaftskammer und Landwirtschaftskammer unterstützt.

 

Weitere Kooperationspartner sind die Veterinärmedizinische Universität, die Universität für Bodenkultur, die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik und die Agrar Markt Austria.

 

Auf dieser Plattform gibt es auch Jubelmeldungen von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, Arbeitsministerin Christine Aschbacher, Wirtschaftskammerpräsident-Harald Präsident Mahrer,  Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger und Landmaschinenring-Bundesobmann Christian Angerer:

 

Mit der Plattform „Die Lebensmittelhelfer“ wollen wir Entlastung schaffen. Landwirtschaftliche und verarbeitende Betriebe werden in den nächsten Tagen tausende Arbeitskräfte suchen. Mit dieser Plattform wollen wir unseren Betrieben in dieser schwierigen Situation zur Seite stehen.“

 

 

Elisabeth Köstinger

Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

 

Nur gemeinsam meistern wir die aktuellen Herausforderungen. Mit der Plattform Lebensmittelhelfer bringen wir Arbeitskräfte und Betriebe zusammen. Mein Appell vor allem an junge Menschen, die derzeit nicht arbeiten und auch keine Kinder oder Großeltern zu versorgen haben:  Wir brauchen jetzt jede helfende Hand.

Christine Aschbacher

Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend

 

Unsere Bäuerinnen und Bauern haben die Saat für bestes heimisches Obst und Gemüse ausgebracht und gepflegt. Jetzt gilt es, als Team Österreich zusammenzuhalten und gemeinsam die Ernte von unseren Feldern zu holen! Mit vereinten Kräften werden wir es schaffen, unsere Lebensmittelversorgung sicherzustellen!

Josef Moosbrugger

Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich

 

„Die neue Plattform ist ein weiterer wichtiger Baustein um die Corona-Krise zu meistern und zeigt wie Betriebe und Arbeitnehmer gemeinsam diese herausfordernde Situation bewältigen können. Eine wichtige Initiative der Regierung, die wir als Wirtschaftskammer unterstützen.“

 

Harald Mahrer

Präsident der Wirtschaftskammer Österreich

 

Viele Landwirte und Lebensmittel-Betriebe brauchen jetzt Unterstützung, um die Österreicher mit heimischen Lebensmitteln versorgen zu können. Gemeinsam vermitteln wir die dazu dringend benötigten Arbeitskräfte.

 

Christian Angerer

Bundesobmann Maschinenring

 

Jetzt stellt sich die Frage, warum der Erntehelferbedarf nicht durch diese Plattform abgedeckt worden ist bzw. aus aktuell vorhandenen Arbeitskräften, die bis zum 16. März 2020 in AMS-Schulungen gewesen sind bzw. nach dem 16.März als arbeitslos gemeldete Arbeitnehmer durch das AMS betreut wurden.

 

 

Vor diesem Hintergrund stellen die unterfertigten Abgeordneten an die Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend folgende

 


 

Anfrage

 

1)    Wie viele Arbeitnehmer aus dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft waren mit 16.März 2020 österreichweit arbeitslos gemeldet?

2)    Wie teilen sich dieses arbeitslos gemeldeten land- und forstwirtschaftlichen Arbeitnehmer auf die Kategorien Österreicher, sonstige EU-Bürger, Drittstaatsangehörige, Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte auf?

3)    Wie teilen sich diese arbeitslos gemeldeten land- und forstwirtschaftlichen Arbeitnehmer auf die einzelnen Bundesländer auf?

4)    Wie teilen sich dieses arbeitslos gemeldeten land- und forstwirtschaftlichen Arbeitnehmer pro Bundesland auf die Kategorien Österreicher, sonstige EU-Bürger, Drittstaatsangehörige, Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte auf?

5)    Wie viele Arbeitnehmer aus dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft waren mit 16.März 2020 in AMS-Schulungen?

6)    Wie teilen sich diese land- und forstwirtschaftlichen Arbeitnehmer in AMS-Schulungen auf die Kategorien Österreicher, sonstige EU-Bürger, Drittstaatsangehörige, Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte auf?

7)    Wie teilen sich diese land- und forstwirtschaftlichen Arbeitnehmer in AMS-Schulungen auf die einzelnen Bundesländer auf?

8)    Wie teilen sich diese land- und forstwirtschaftlichen Arbeitnehmer in AMS-Schulungen pro Bundesland auf die Kategorien Österreicher, sonstige EU-Bürger, Drittstaatsangehörige, Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte auf?

9)    Wie viele der arbeitslos gemeldeten Arbeitnehmer aus dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft wurden nach dem 16.März 2020 als Erntehelfer vermittelt?

10)  Wie viele Arbeitssuchende waren seit dem 16. März 2020  angemeldet und wie viele Arbeitssuchende haben sich seit dem 16. März 2020 bei dieser Plattform angemeldet?

11) Wie viele Arbeitnehmer wurden seit dem 16. März 2020 über die Plattform www.dielebensmittelhelfer.at insgesamt in Österreich pro Bundesland auf die Kategorien Österreicher, sonstige EU-Bürger, Drittstaatsangehörige, Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte, vermittelt?

12)  Über welche Vermittlungsagentur wurden die 120 Erntehelfer aus Rumänien vermittelt?

13) Aus welchen anderen EU-Ländern wurden seit dem 01.01.2020 Land-und Forstwirtschaftliche Arbeitnehmer in Österreich beschäftigt (bitte um Aufschlüsselung nach Drittstaatsangehörige, Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte)?