2657/J XXVII. GP

Eingelangt am 07.07.2020
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

ANFRAGE

 

der Abgeordneten Klaus Köchl, Petra Vorderwinkler

Genossinnen und Genossen

an die Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend

betreffend „Unterstützungs-Maßnahmen für Tourismus-Lehrlinge“

Kurzarbeit und Kündigungen - das waren die dramatischen Folgen der Corona-Krise. Der lange Stillstand der Wirtschaft und die unsichere Zukunft der Unternehmen  treffen einen Teil der jungen Österreicher und Österreicherinnen besonders hart: All jene, die sich heuer um eine Lehrstelle bemühen, denn das Angebot an Lehrstellen ist massiv geschrumpft. Eine der von der Pandemie am meisten betroffenen Sparten ist der Tourismus: Beherbergungs-, und Gastronomiebetriebe haben vielerorts einen kompletten Einstellungsstopp verhängt.

Pro Lehrjahr fangen normalerweise bis zu 35.000 junge Menschen mit ihrer Ausbildung an, rund 7.500 von ihnen beginnen eine Lehre in der Tourismus-Branche. Doch heuer ist alles anders: die Branchenstatistik des AMS zeigt, dass Beherbergung und Gastronomie schon im April im Vergleich zum Vorjahresmonat 137 Lehrstellen weniger anbieten -  das ist ein Minus von 38 Prozent. Die Lehrlingszahl im Tourismus ging bereits zu Beginn der Corona-Krise, im April 2020, um 326 Lehrlinge zurück.

„Der größte Teil jener Tourismus-Lehrlinge, denen eine Lehrstelle schon zugesagt wurde, erhielten dann wegen der Corona-Krise eine Absage“, weiß Berend Tusch vom Fachbereich Tourismus der Gewerkschaft „vida“. Nach Gesprächen mit Unternehmern hat Tusch leider wenig Positives zu berichten: „Von vielen Hotels haben wir die Rückmeldung erhalten, dass sie im September überhaupt keine Lehrlinge aufnehmen werden und sie erst einmal bis Februar 2021 abwarten wollen.“

Jene jungen Menschen, die sich für eine berufliche Zukunft im Tourismus entschieden haben, unsere Fachkräfte von morgen also, finden nun alles andere als gute Startbedingungen vor. Das gleiche gilt freilich auch für die AbsolventInnen der rund 30 Tourismusschulen des Landes, denen ein Berufseinstieg nun entweder gar nicht oder nur unter ungünstigen Bedingungen möglich sein wird.

Im Mai 2020 stieg die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren im Vergleich zum Vorjahr um 117,9 Prozent. „Wenn wir jetzt nicht Lehrstellen schaffen, fehlen uns in drei Jahren die Fachkräfte. Es darf keine ,Generation Corona geben, die in Jugendarbeitslosigkeit abdriftet“, so Susanne Hofer, Jugendvorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB). Auch bei der Wirtschaftskammer (WKÖ) warnt man. „Der Schulabschlussjahrgang 2020 darf nicht jener werden, der als Ausbildungslücke in die Geschichte eingeht", so die stellvertretende Generalsekretärin Mariana Kühnel im Kurier-Interview am 22.05.2020..

Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz wird nicht nur die Zukunfts-Perspektive geraubt, sie kommen dem Staat auch sehr teuer: „Die Kosten für die Arbeitslosigkeit junger Menschen für die gesamte Volkswirtschaft wurden mit rund 3,2 Milliarden Euro berechnet“, weiß vida-Bundesjungendsekretär Sumit Kumar. Es gelte eine verlorene Generation, eine „lost generation“ zu verhindern.

Schon die Eurokrise ab 2009 habe insgesamt rund 5000 Lehrplätze gekostet, sagt Christian Hofmann, Bundesjugendsekretär der GPA-djp. „Die Krise diesmal werden viele Betriebe nicht überleben. Und auch von den Überlebenden werden sich viele aus der Lehrausbildung zurückziehen."

Der rückwirkend mit März geltende Bonus in Höhe von 2.000 Euro für Unternehmen, die neue Lehrlinge aufnehmen, ist zu begrüßen. Insgesamt kann das aber nur ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

Aus diesem Grund stellen unterzeichnete Abgeordnete an die Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend folgende

 

Anfrage:

 

 

 

1.    Welche Maßnahmen setzen Sie in ihrem Verantwortungsbereich, um Lehrstellen im Freizeit- und Tourismusbereich zu sichern?

2.    Haben Sie bereits Gespräche mit Finanzminister Blümel geführt, um einen Finanzrahmen für finanzielle Unterstützung im Freizeit- und Tourismusbereich festzulegen, damit Lehrstellen in dieser Branche gesichert bzw. geschaffen werden können?

a.    Wenn ja, wie hoch wird die Unterstützung sein?

b.    Wenn ja, nach welchen Kriterien wird eine Unterstützung möglich sein? (Angabe im Detail erbeten)

c.    Wenn nein, warum nicht?

3.    Sind Sie in Gesprächen mit den VertreterInnen von Freizeit- und Tourismusbetrieben um über Maßnahmen zu sprechen und damit das Sichern und Schaffen von Lehrstellen in diesem Bereich zu unterstützen?

a.    Wenn ja, wie lautet der derzeitige Stand der Gespräche?

b.    Wenn ja, bis wann wird die Öffentlichkeit erfahren, welche Maßnahmen Sie setzen werden?

c.    Wenn nein, warum nicht?

d.    Wenn nein, wann sind Gespräche geplant?

4.    Werden im staatlichen und staatsnahen Bereich Ausbildungsplätze, die unmittelbar mit dem Freizeit- und Tourismusbereich in Zusammenhang stehen, aufgestockt?

a.    Wenn ja, um wie viele Ausbildungsplätze wird in welchem Bereich aufgestockt?

b.    Wenn nein, warum nicht?

5.    Werden die Finanzmittel für die überbetriebliche Lehrausbildung erhöht und überbetriebliche Lehrstellen im Bereich der Freizeit- und Tourismusausbildung aufgestockt?

a.    Wenn ja, wie hoch wird die finanzielle Unterstützung sein? (Angabe pro Fachausrichtung)´

b.    Wenn nein, warum nicht?

6.    Welche Anreize für große Ausbildungsbetriebe im Freizeit- und Tourismusbereich wie Hotel- und Gastgewerbebetriebe sowie Seilbahn und weitere Beförderungsbetriebe im touristischen Ressort werden seitens der Regierung geschaffen, um auch über Bedarf auszubilden?

7.    Wird es finanzielle Mittel aus dem Insolvenz-Entgelt-Fonds für Freizeit- und Tourismusbetriebe geben, um vor allem die von den Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des COVID-19-Infektionen schwer getroffenen Branche zu unterstützen, damit trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage Lehrlinge ausgebildet werden können?

8.    Welche weiteren Initiativen und/oder Förderungen sowie Job-Offensiven abseits des 2000-Euro-Lehrlingsbonus sind ihrerseits geplant, damit Lehrstellen in heimischen Lehrbetrieben des Freizeit- und Tourismusbereichs gesichert werden?

9.    Welche unterstützenden Maßnahmen sind für die Absolventinnen und Absolventen der Tourismusschulen unseres Landes geplant, um diesen die notwendige Praxis nach Absolvierung Ihrer Ausbildung zu sichern?