5532/J XXVII. GP

Eingelangt am 24.02.2021
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Anfrage

 

der Abgeordneten Mag. Gerhard Kaniak, Dr. Dagmar Belakowitsch, Peter Wurm

und weiterer Abgeordneter

an den Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz betreffend Sinkende Bereitschaft zu Gesundheitsvorsorge

 

 

Am 10. Februar 2021 berichtete der Kurier in seinem Online-Medium folgendes:

 

 

„Sinkende Bereitschaft zu Gesundheitsvorsorge

 

Anträge-Rückgang von über 35 Prozent in den Monaten September und Oktober im Vergleich zum Vorjahr. Erhöhte psychische Belastungen und Bewegungsmangel während Corona-Pandemie gefährden Gesundheit.

Während der Corona-Pandemie, noch vor dem zweiten Lockdown ab Mitte November, wurden deutlich weniger Anträge für die Gesundheitsvorsorge Aktiv (GVA) gestellt, wie Zahlen der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) von September und Oktober 2020 zeigen. Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr beträgt in beiden Monaten über 35 Prozent. „Die persönliche Gesundheitsvorsorge sollte wegen der Corona-Pandemie jedoch keinesfalls aufgeschoben werden“, erklärt PVA-Chefarzt Dr. Martin Skoumal.

 

    Gerade jetzt ist es wichtig, den Gesundheitszustand zu erhalten oder zu verbessern.

Erhöhte psychische Belastung und Bewegungsmangel während Corona-Pandemie

Laut einer aktuellen, repräsentativen Studie der Donau-Universität Krems hat sich die psychische Verfassung der Bevölkerung seit Ausbruch der Corona-Pandemie drastisch verschlechtert. Von 1.505 befragten Personen gaben 26 Prozent an, unter depressiven Symptomen zu leiden. Vor Beginn der Pandemie verspürten nur rund fünf Prozent der Erwachsenen schwere, mittlere oder milde Symptome einer Depression, wie die Österreichische Gesundheitsbefragung 2019 zeigt. Auch Bewegungsmangel und Gewichtszunahme sind seit Beginn der Pandemie Probleme, an denen Menschen zunehmend leiden, wie mehrere Untersuchungen feststellen.

Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge Aktiv gibt es Angebote, die sich je nach individuellem Bedürfnis der PatientInnen der Bewegungsoptimierung, Bewegungsmotivation oder mentaler Gesundheit annehmen.

Ziele der Gesundheitsvorsorge Aktiv: Höheres Gesundheitsbewusstsein und mehr gesunde Lebensjahre

„Die Gesundheitsvorsorge Aktiv ist das Zukunftsmodell einer modernen Gesundheitsvorsorge“, ist Skoumal überzeugt. „Sie unterscheidet sich von der herkömmlichen Kur durch den modularen Aufbau und ein höheres Leistungsangebot, mit dem auf die individuellen Problemstellungen der PatientInnen gezielter eingegangen werden kann“, sagt Skoumal. In Schulungen werden Umsetzungshilfen angeboten, die die PatientInnen aktiv zum Erhalt ihrer psychischen Gesundheit, zur Stress- und Frustrationsbewältigung und im Umgang mit den immer höher werdenden Anforderungen des Alltages anwenden können.

Sozialmedizinische Ziele sind eine positive und nachhaltige Veränderung der Lebensstile der PatientInnen, sodass die Gesundheitsvorsorgemaßnahmen auch langfristig wirken und den PatientInnen mehr gesunde Lebensjahre bringen. Mit den Maßnahmen soll Krankenständen und damit einhergehenden Arbeitsausfällen vorgebeugt, die Arbeitsfähigkeit länger erhalten und der Pflegebedarf im Alter reduziert werden.

Gesundheitsvorsorge Aktiv unterstützt Integration von gesundem Lebensstil im Alltag und passt sich individuellen Bedürfnissen der PatientInnen an

Die Gesundheitsvorsorge Aktiv ist modular aufgebaut. Das Basismodul enthält Einheiten aus Bewegungstherapien, Kraft- und Ausdauertraining, Entspannungstraining und kommt bei allen PatientInnen zur Anwendung. Zusätzlich können drei Aufbaumodule zur Individualisierung der Behandlung ausgewählt werden.

Das Modul Bewegungsmotivation richtet sich an PatientInnen, die bisher wenig Bewegung im Alltag gemacht haben und dies zukünftig ändern wollen. Das Modul Bewegungsoptimierung hilft PatientInnen, die schon sehr aktiv sind, ihr Bewegungsausmaß noch zu verbessern, um Spätfolgen zu vermeiden.

Das Modul Mentale Gesundheit ist für PatientInnen vorgesehen, die im Alltag eine psychische Belastung verspüren und unter dem Druck des Berufs- und Privatlebens leiden. Stressprävention, das Erlernen von Entspannungs-, und Abgrenzungsmechanismen und das Stärken der Selbstschutzmechanismen sind Schwerpunkte der Behandlung.

Aktivtherapien und angepasste medizinische Trainingstherapien bilden die Basis, um vor allem die Eigenverantwortung zu stärken, die erlernten Übungen und trainingstherapeutische Ansätze in den Alltag zu integrieren und dauerhaft umzusetzen. Ernährung und mentale Gesundheit werden als zwei wesentliche Eckpfeiler in die Therapie miteinbezogen.

PVA-Chefarzt Dr. Martin Skoumal

Gemeinsame Informationskampagne von Ärztekammer, Pensionsversicherungsanstalt und Gesundheitsbetrieben

Die Initiative „Tun, was wichtig ist“ der Österreichischen Ärztekammer, der Pensionsversicherungsanstalt und der Österreichischen Gesundheitsbetriebe informiert seit Beginn des Neuen Jahres 2021 über Gesundheitsvorsorge und Rehabilitationen. Ziel der gemeinsamen Informationsoffensive ist die Aufklärung über Gesundheitsvorsorge und Rehabilitationen als für die Menschen wichtige Bestandteile ihrer Lebensqualität und Gesundheit, verbunden mit dem Appell, diese auch während der Corona-Pandemie nicht zu vernachlässigen. Unverändert gilt natürlich nach wie vor als Voraussetzung für die Bewilligung eines Antrages das Vorliegen von medizinischen Gründen beziehungsweise ein ausreichendes Ausmaß an gesundheitlichen Einschränkungen.“

 

https://kurier.at/cm/sinkende-bereitschaft-zu-gesundheitsvorsorge/401183377

 

 

 

In diesem Zusammenhang richten die unterfertigten Abgeordneten an den Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz folgende

 

ANFRAGE

 

1.    Ist Ihnen und Ihrem Ministerium die im Artikel erwähnte Studie der Donau-Universität bekannt und wenn ja, welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

2.    Von wem wurde diese Studie in Auftrag gegeben?

3.    Wie verhält sich die Zahl der an psychischen Störungen Erkrankten im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 2019?

4.    Welche Ursachen nehmen Sie für die Veränderung dieser Zahlen in diesem Zusammenhang an?

5.    Um welche psychischen Erkrankungen handelt es sich dabei und wie haben sich die Fallzahlen in diesem Zusammenhang im Jahr 2020 gegenüber 2019 und in den einzelnen Bundesländern entwickelt?

6.    Welche Maßnahmen haben Sie im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie ergriffen, um psychischen Erkrankungen vorzubeugen?

7.    Welche Maßnahmen haben Sie im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie ergriffen, um Bewegungsmangel vorzubeugen?

8.    Welche gesundheitlichen Schäden an der Bevölkerung und volkswirtschaftliche Schäden sind im Zuge der „Lockdowns“ im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen und Bewegungsmangel verursacht worden?

9.    Welcher volkswirtschaftliche Mehraufwand für das Gesundheitssystem ist im Zuge der „Lockdowns“ im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen und Bewegungsmangel verursacht worden?

10. Wurden im Zuge der „Lockdowns“ diese gesundheitlichen Schäden bewusst in Kauf genommen und wenn ja, auf welcher Grundlage?

11. Welche Ansprüche haben Betroffene, die im Zuge der „Lockdowns“ psychische Schäden erlitten haben?

12. Wie erklären Sie sich den im Artikel beschriebenen Umstand, dass 35% weniger Anträge zur Gesundheitsvorsorge Aktiv gestellt wurden?

13. Nach welchen Kriterien (medizinische Gründe bzw. Einschränkungen) wurde ein Antrag auf Gesundheitsvorsorge Aktiv bewilligt?

14. Wie viele Anträge wurden in den einzelnen Bundesländern abgelehnt und aus welchen Gründen?

15. Wie bewerten Sie die Initiative „Tun, was wichtig ist“?

16. Wer sind die konkreten Beteiligten dieser Initiative?

17. Welche Fördergelder fließen in diese Initiative?

18. Welche konkreten Auswirkungen erwarten Sie von dieser Initiative?