6913/J XXVII. GP

Eingelangt am 11.06.2021
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Anfrage

der Abgeordneten Gerald Loacker, Kolleginnen und Kollegen

an den Bundesminister für Soziales‚ Gesundheit‚ Pflege und Konsumentenschutz

betreffend Übersieht die Bundesregierung das Problem der abnehmenden „aktiven“ COVID-Impfbereitschaft?

 

Aktive vs. passive Impfbereitschaft: Sinkende aktive Impfbereitschaft?

Zwar freuten sich der Kanzler und der Gesundheitsminister zuletzt über eine gestiegene COVID-Impfbereitschaft (von 30 auf 70 Prozent der Gesamtbevölkerung) (1, 2). Trotzdem besteht die Gefahr, dass hier die passive Impfbereitschaft (bereits angemeldete bzw. noch nicht angemeldete Impfbereite) mit der aktiven Impfbereitschaft (bereit sich sofort fürs Impfen anzumelden bzw. sofort impfen zu lassen) verwechselt wird. Die Differenz sind also jene Menschen, die sich zwar grundsätzlich impfen lassen würden, aber die Impfanmeldung, trotz Freigabe der Impfbuchung, hinauszögern.

Viele freie Impftermine in Niederösterreich

Sehr deutlich erkennt man diese Problematik anhand von Niederösterreich. Denn in Niederösterreich wurden bereits am 10. Mai die Impfbuchungen für alle freigegeben. Trotzdem waren beispielsweise für einen Melker (PLZ: 3390) bei einer Impfterminbuchung am 9. Juni um 14:45 ein Impftermin für 15:15 und zahlreiche weitere zeitnahe Impftermine in nächster Umgebung buchbar (siehe Grafik unten). Diese Abfrage wurde seit dem 1. Juni von Klubmitarbeitern täglich durchgeführt, mit ähnlichen Ergebnissen.

Dieser Umstand spricht dafür, dass in Niederösterreich von einer höheren aktiven Impfbereitschaft ausgegangen wurde als sich dann tatsächlich in Impfanmeldungen niederschlug. In Niederösterreich scheinen also bereits viele grundsätzlich Impfbereite (passive Impfbereitschaft) die Impfungen hinauszuzögern, anstatt sofort zu buchen. Und dass obwohl die Durchimpfung in Niederösterreich erst bei 48 Prozent liegt.

Gläserne Decke bei COVID-Durchimpfungsrate bei etwa 60 Prozent

Es stellt sich also vermutlich weniger die Frage, ob alle Impfbereiten bis Ende Juni geimpft werden können, sondern eher die Frage, ob sich alle grundsätzlich Impfbereiten bis Ende Juni tatsächlich impfen lassen wollen (Differenz zwischen aktiv und passiv Impfbereiten). Auch bei den Impfvorreitern Israel, USA und UK sieht man bereits, dass ab 60 Prozent COVID-Durchimpfung die Rate nur noch sehr langsam steigt (3). Hier ist aufgrund der Diskussion der letzten Tage auch die Frage zu stellen, ob die Problematik der sinkenden aktiven Impfbereitschaft seitens der Regierung erkannt wurde?

Maßnahmen gegen sinkende aktive Impfbereitschaft nötig

Damit der Bevölkerung das Maskentragen und der öffentlichen Hand die massiven Testkosten endlich erspart werden können, ist eine hohe Durchimpfungsrate erforderlich. So sind die Regierungsmitglieder gefordert, in der Kommunikation zur Bevölkerung noch Verbesserungsschritte zu setzen.

 

Beispiel: viele freie zeitnahe Impftermine für Melker (PLZ: 3390) in nächster Umgebung (Abfrage wurde seit dem 1. Juni mehrfach durchgeführt, mit ähnlichen Ergebnissen).

 

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Quelle: https://notrufnoe.com/impfung-terminbuchung/ (Abfrage: 9.6.2021, 14:45)

 

 

Quellen:

(1) https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20210601_OTS0159/kurz-und-mueckstein-erfreut-ueber-steigende-impfbereitschaft

(2) https://viecer.univie.ac.at/corona-blog/corona-blog-beitraege/corona-dynamiken32/

(3) https://ourworldindata.org/covid-vaccinations

 


 

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

Anfrage:



1.    Bis wann wollen Sie die 70-prozentige COVID-Impfbereitschaft (bezogen auf die Gesamtbevölkerung), auf die Sie am 1. Juni via OTS hingewiesen haben, bei der COVID-Durchimpfung realisieren?

2.    Von welcher COVID-Durchimpfungsrate (Erstimpfungen, umgelegt auf die Gesamtbevölkerung) gehen Sie bis Ende August aus?

a.    Von welcher maximalen COVID-Durchimpfungsrate gehen Sie aus?

3.    Welche Maßnahmen setzen Sie der (offensichtlich) sinkenden aktiven Impfbereitschaft entgegen, um schnellstmöglich eine COVID-Durchimpfung von 70 Prozent zu erreichen?

4.    In Israel und dem UK wurden bereits COVID-Durchimpfungsraten von 60 Prozent erreicht. Seitdem steigen die Raten nur noch sehr langsam:

a.    Welche Fehler bei der Impfstrategie haben Sie bei diesen Ländern in Erfahrung gebracht, die Sie bei der österreichischen Impfstrategie vermeiden wollen?

5.    In NÖ sind im Juni zahlreiche COVID-Impftermine ungebucht geblieben, obwohl die Durchimpfung erst bei 48 Prozent liegt:

a.    Sind Sie den Ursachen dafür nachgegangen? Wenn ja, was sind die Ursachen? Wenn nein, weshalb nicht?

b.    Bei welcher fiktiven COVID-Durchimpfung liegt Niederösterreich, wenn die erfolgten Erstimpfungen und die gebuchten Erstimpfungen addiert werden?

6.    Wie viele angebotene COVID-Impftermine wurden in den Bundesländern seit Jänner nicht gebucht oder wurden nach der Buchung nicht wahrgenommen? (nach Bundesland und Monat)

7.    Bei welchen fiktiven COVID-Durchimpfungsraten liegen die Bundesländer, wenn die erfolgten Erstimpfungen und die gebuchten Erstimpfungen addiert werden? (nach Bundesland)