18.30

Abgeordneter Maximilian Köllner, MA (SPÖ): Frau Präsidentin! Hohes Haus! Herr Sportminister, wir haben viel gehört, das ändert aber nichts an Ihrer bis dato eher enttäu­schenden Performance im Bereich des Sports. Grundsätzlich ist das nicht das Problem, mir zuliebe müssen Sie ja nichts tun; ich habe selbst lange Fußball gespielt und weiß auch mit Rückschlägen umzugehen. Aber selbst jene, die Ihrem Amtsantritt im Sport­ressort erwartungsvoll gegenübergestanden sind, kaufen Ihnen die guten Absichten nicht mehr ab. Ich sage ihnen auch, warum.

Ich habe Ihnen zu Beginn der Gesetzgebungsperiode als Sportsprecher einen Brief ge­schrieben, um mit Ihnen gemeinsam und konstruktiv über die zukünftige Entwicklung des Sports zu sprechen, damit der Sport in Österreich endlich den Stellenwert bekommt, den er verdient, dass der Mehrwert, den Bewegung und Sport für eine gesunde Gesell­schaft haben, erkannt wird. Immerhin werden dadurch ja auch einige Hundert Millionen Euro jährlich im Gesundheitssystem eingespart – von der Bedeutung für die Entwicklung von kognitiven, sozialen und psychischen Kompetenzen gar nicht zu reden.

Sie sind bis dato aber weder für ein persönliches Gespräch zur Verfügung gestanden, noch konnten wir im Rahmen eines Sportausschusses mit Ihnen diskutieren, obwohl wir Sportsprecher der Oppositionsparteien dies bereits mehrmals geschlossen gefordert haben. Was Sie also vor der Behandlung der Dringlichen behauptet haben, stimmt somit nicht. Ich kann Ihnen aber versichern, wir haben allesamt nur das Beste für den öster­reichischen Sport im Sinn, Sie brauchen daher vor uns keine Angst zu haben.

Ich bringe Ihnen ein weiteres Beispiel, warum Sie von Tag zu Tag unglaubwürdiger wer­den, wenn Sie so weitermachen. Ich habe Sie mehrfach direkt wegen der flächende­ckenden Umsetzung der täglichen Sport- und Bewegungseinheit angesprochen: im Bud­getausschuss vor zwei Wochen und heute wieder. Heute sagen Sie, dass sie kommt. – Das finde ich wirklich super.

In Wahrheit aber ist es skurril: Zurzeit sind wir nämlich von dieser täglichen Bewe­gungseinheit so weit entfernt wie der Mensch vom Mond. Sie tragen den Irrsinn mit. (Abg. Zarits: ... vom Kanzler!) – Herr Kollege Zarits, übrigens, wie ich gehört habe und soviel ich weiß, beträgt das NPO-Paket insgesamt 700 Millionen Euro und ist nicht nur für den Sport, um Sie zu korrigieren. – Sie tragen den Irrsinn mit, Herr Sportminister, dass gerade in Zeiten von Corona, in der die Stärkung des Immunsystems doch so wichtig ist, Schülern der Turnunterricht gestrichen wird. Bitte kommen Sie mir jetzt nicht (Zwischenruf bei der ÖVP), Herr Sportminister, mit der Ausrede, dafür ist Herr Bildungs­minister Faßmann zuständig! – Ja, das stimmt, aber dann nehmen Sie ihn sich zur Brust, weil er halt in Geografie wahrscheinlich bessere Kenntnisse hat und im Sport Nachhilfe braucht.

Geschadet hätte überdies auch nicht, wenn Sie Ihrem Parteifreund, Gesundheitsminister Anschober, ein bisschen Ezzes gegeben hätten. So hätten gewisse praxisuntaugliche und teils existenzbedrohende Vorgaben für Sportler, Fitnessstudio-, Yogastudio- und Tanzstudiobetreiber vermieden werden können. Da hat mein Kollege von den NEOS schon recht. (Beifall bei der SPÖ.)

Zum Wichtigsten des heutigen Tages noch ganz kurz, dem Geld: Was ist jetzt mit dem Hilfspaket für die 15 000 Sportvereine in Österreich? Sagen Sie ein Datum! Die Beamten warten nur noch auf das Go von Ihnen und dem Finanzminister. Ich bin wirklich gespannt darauf, wann was tatsächlich kommt. Seit Monaten thematisieren wir die Probleme hier im Plenum. Wir hatten seitens der Opposition auch Anträge eingebracht, die halt im Ladl verschwinden.

Ich weiß schon, dass Ihnen Finanzminister Blümel – er ist halt von der ÖVP – keinen Erfolg gönnt, aber dann fahren Sie auch einmal die Ellenbogen aus wie auf dem Fuß­ballfeld; dort muss man ja auch lernen sich durchzusetzen. Denn so werden Sie lange nur der Steigbügelhalter der ÖVP bleiben, bis der Kanzler auch diese Regierung sprengt.

Goethe hätte die Situation im Sport nicht besser beschreiben können als mit: „Die Bot­schaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“. – Aber aufgegeben wird ein Brief, dafür ist der Sport zu wichtig. Ich kann mein Angebot für ein konstruktives Gespräch nur noch einmal aussprechen. (Beifall bei der SPÖ.)

18.34

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Karl Schmidhofer. – Bitte.