22.35

Abgeordneter Mag. Georg Bürstmayr (Grüne): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Lassen Sie mich hier gleich anschließen! Fremdenwesen: Das klingt so nach: die, die nicht zu uns gehören, die Fremden eben. Ein Fremder ist aber nach ös­terreichischem Recht einfach ein Mensch, der die österreichische Staatsbürgerschaft nicht besitzt, aus welchem Grund auch immer. Ob man seit Jahrzehnten in Österreich lebt oder erst seit gestern, das Gesetz macht da keinen Unterschied, kein Pass heißt: fremd. Das sind aktuell anderthalb Millionen Menschen in Österreich, jeder Sechste. Die meisten von ihnen haben eines gemeinsam: Sie sind hier in Österreich daheim. (Abg. Yılmaz: Geboren!) Die meisten von ihnen sind genau deshalb auch Mitte März in Öster­reich geblieben.

Wir, die wir einen österreichischen Pass haben, haben gemeinsam mit ihnen diese so besondere, so verrückte, noch nie da gewesene Zeit durchgemacht. Wir haben auf ge­meinsame Gebete verzichtet, in Synagogen, Kirchen und Moscheen, wir haben kurzge­arbeitet oder unsere Jobs verloren, auf Gasthausbesuche und Annehmlichkeiten ver­zichtet und die Regeln befolgt – gemeinsam!

Manchen in diesem Haus passt das nicht. Jene, die unsere Gesellschaft spalten wollen, wollen darauf beharren, dass es zwei Klassen von Menschen gibt, je nach Reisepass. Ein Virus fragt dich aber nicht nach deinem Pass, und in einer Krise kommt es nicht darauf an, woher du kommst, sondern darauf, was du bereit bist, beizutragen.

Es ist in diesem Haus in den letzten Nationalratsdebatten schon einigen gedankt worden, bislang hat niemand eine der größten Gruppen in Österreich überhaupt erwähnt, nämlich die Menschen ohne österreichischen Pass: anderthalb Millionen Menschen, jeden Sechsten.

Deshalb möchte ich mich jetzt einmal bei ihnen bedanken, und zwar dafür, dass sie als Fremde Teil unseres Österreichs sind, dafür, dass sie mitgeholfen haben, dass sie mit geduldig waren, dass sie mit dazu beigetragen haben, das Schlimmste zu verhindern, und dafür, dass wir jetzt gemeinsam darangehen werden, die Schäden der letzten Wo­chen zu beseitigen, aufzuräumen, wieder aufzusperren, weiterzumachen – weil das Ös­terreich ist, weil das Europa ist! Wir schaffen das gemeinsam! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten von ÖVP und SPÖ.)

In diesem Sinne stellvertretend für die über hundert Sprachen, die in Österreich vertreten sind: Dank u wel! Hvala! Spasibo! Merci beaucoup! Tusen tack! Efcharistó polí! Danke! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten von ÖVP und SPÖ. – Zwischenruf des Abg. Lausch.)

22.38

Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Krisper. – Bitte.