18.36

Abgeordneter Mag. Dr. Rudolf Taschner (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ho­hes Haus! Lassen Sie mich angesichts des jetzt eingebrachten Budgets ein Panorama von Bildung, Wissenschaft und Forschung entwerfen. Die Bundesregierung hat sich darin ambitionierte Ziele gesetzt. Wir haben ein Gesamtbudget von rund 14,3 Milliarden Euro, das ist eine Erweiterung im Bildungsbereich von rund 420 Millionen Euro und eine Erweiterung im Forschungsbereich von rund 250 Millionen Euro. – Das sind Zahlen, die sich sehen lassen können.

Ich darf Ihnen eine Liste der Schwerpunkte anbieten:

Erstens, die weitere Intensivierung der Unterstützung des Bildungspersonals, das ja sehr gut arbeitet, in jeglicher Hinsicht.

Zweitens, die Digitalisierung und die Fortführung der Digitalisierung.

Drittens, der Schulausbau.

Viertens, die Schwerpunktsetzung bei der Lehre mit Matura und auch bei den Deutsch­förderklassen.

Fünftens, die Schwerpunktsetzung bei der Elementarpädagogik und auch bei der Tages­betreuung.

Sechstens: Das ist das höchste Universitätsbudget in der Geschichte der Zweiten Re­publik.

Siebentens, eine Schwerpunktsetzung im Mint-Bereich und im klinischen Bereich.

Achtens: Es ist eine Stärkung der Fachhochschulen vorgesehen, auch budgetär.

Neuntens: Das IST, das Institute of Science and Technology Austria, ein Vorzeigeinstitut, wird weiter unterstützt.

Zehntens: Die Forschungsförderung wird erweitert.

Die Liste wird noch länger, das ist nur ein Teil der Vorhaben, meine Nachredner werden das weiter erörtern und auch noch detailliert betrachten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich erlaube mir, noch eine Fußnote zu diesem Panorama anzubringen: Diese Krise, diese wirtschaftliche Krise werden wir im Großen nur dann bewältigen, wenn wir mehr Produktion schaffen, mehr Produktivität schaffen. Produktivität wird aber nur dann erhöht, wenn nachhaltige und hochwertige Bedürfnisse geschaffen werden, die wir dann auch stillen können – und all das setzt voraus, dass man gebildet ist.

Es gibt drei Punkte, die ich da herausgreifen möchte: erstens, Energie und Umwelt; zweitens – im Zusammenhang mit der demografischen Situation, die in der Geschichte der Menschheit einzigartig ist, mit so vielen alten im Vergleich zu so wenigen jungen Menschen –, Pflege und medizinische Versorgung; und drittens, Mobilität. – All das sind Punkte, die Bildung und Ausbildung verlangen: Ausbildung im technischen Bereich, im medizinischen Bereich, vor allem in der Digitalisierung; Bildung in dem Bereich, der im Englischen so schön Humanities genannt wird.

Darum brauchen wir Schulen und Universitäten, die fordern und fördern, und zwar schnell, und gute, hervorragende Qualität. Wenn wir das jetzt nicht machen, dann wird die Musik ganz woanders spielen, in Amerika und im Fernen Osten, und wir werden abgehängt sein. Wir brauchen Schulen, die fördern und fordern.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Krise wird manchmal mit der Krise von 2008/2009 verglichen. Das ist vielleicht nicht ganz richtig, manche vergleichen sie mit 1929, aber ich würde sie ganz gerne mit der Gründerzeitkrise im Jahre 1873 vergleichen. Da gibt es ganz interessante Vergleiche und es war toll, dass sich danach, ab 1890, wiederum eine neue Gründerzeit entwickelt hat und Österreich, und gerade Wien, zum geistigen Zentrum der Welt geworden ist.

Warum ist das gelungen? – Ich will es Ihnen in einer Anekdote erzählen: Geht eine Frau – eine jüdische Mamme – im Jahr 1890 mit ihren beiden Kindern spazieren. Sie trifft einen Mann und er fragt sie: Die beiden Buben, wie alt sind sie denn? Und die Frau sagt: Der Arzt ist sechs und der Rechtsanwalt ist vier. (Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP sowie des Abg. Scherak.) Daran sehen Sie, dass der Ehrgeiz da war; der Ehrgeiz, Erfolg zu haben, indem man lernt, indem man versteht, indem man sich Wissen aneig­net. Das ist der Weg zum Erfolg – und das war allgemein der Weg, der auch zu dieser Produktivität geführt hat.

Meine sehr verehrten Damen und Herren von der Sozialistischen Partei, von Glöckel angefangen bis zu Fred Sinowatz war die Idee vorhanden (Zwischenruf bei der SPÖ), diesen Ehrgeiz zu wissen, zu lernen und zu verstehen bei der gesamten Bevölkerung zu wecken. Die Forderung, dass Schulen fördern und fordern sollen, ist aber jetzt eigentlich nur noch in Spurenelementen bei Ihnen vorhanden. Das ist ein Riesenjammer, aber bei uns ist es vorhanden. (Abg. Heinisch-Hosek: Geh, bitte, Herr Taschner! Sie rechnen falsch, Sie sagen was Falsches! – Zwischenruf des Abg. Silvan.)

Wir werden dieses Schulsystem soweit hinaufbringen, dass wir die Kinder fördern und fordern können und soweit hinaufbringen, dass das auch zur Bewältigung der Krise führen wird. Das ist langfristig gesehen unser Ziel, der Minister ist dafür Garant und auch alle, die in der Schule als Lehrerinnen und Lehrer arbeiten, und auch alle anderen, die dieser Schule ihre Unterstützung geben. – Herzlichen Dank. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)

18.41

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Hermann Brückl. – Bitte.