18.46

Abgeordnete Mag. Sibylle Hamann (Grüne): Liebe Frau Präsidentin! Lieber Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sitzen ja jetzt schon eine Weile hier zusammen und werden auch noch länger hier zusammensitzen. Da kann man dann auch manchmal ein bisschen persönlicher werden und deswegen mache ich das jetzt auch: Ich wohne seit zwei Jahren neben einer ziemlich großen Baustelle und dort kann man ziemlich gut beobachten, was sich da tut: Erst diese riesige Grube, die ausgehoben wird, dann werden langsam die Träger hochgezogen, die Stockwerke, die Gläser werden eingesetzt und man sieht: Da wächst etwas.

Da wächst etwas Wichtiges, im konkreten Fall ist das die Schule, die mein Sohn hoffentlich ab Herbst, ab September besuchen wird und die ein Ort sein wird, an dem er extrem viel Zeit, den Großteil seines Tages, verbringen wird, an dem er wahrscheinlich Dinge erleben wird, die ihn auf ewig prägen werden und an die er sich ganz, ganz lange erinnern wird.

Da entsteht eine Schule, seine Schule, und wenn wir etwas aus dieser Coronazeit gelernt haben, dann ist das die eine wichtige Lehre, dass Schule und Bildung nur ganz schwer in Isolation stattfinden können – zu Hause vor dem Bildschirm, mit Zoom – und dass Bildung und Schule fast immer ein Gebäude, ein Haus brauchen.

Ich möchte deswegen jetzt über die 2,41 Milliarden Euro reden, die wir in den nächsten zehn Jahren in unser Schulentwicklungsprogramm investieren werden. (Abg. Heinisch-Hosek: Zwei Jahre verspätet begonnen!) Das sind echte Zahlen und das ist richtiges Geld (neuerlicher Zwischenruf der Abg. Heinisch-Hosek), das echt verbaut wird, in Neubau, in Ausbau, in digitale Ausstattung und Sanierung. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Ich bin keine Architektin, aber ich weiß, wie wichtig ein Gebäude für die Atmosphäre und für die Gruppendynamik ist, die da drinnen stattfindet, und auch für das Lernen und das, was am Ende dabei herauskommt. Wenn ich mir so überlege, ist es sogar der Dreh- und Angelpunkt unseres gesamten grünen Denkens, wenn man es so sehen will: dass das Individuum mit den anderen immer in einem Zusammenhang steht und diese anderen wiederum in einer Beziehung zur Umwelt stehen, die sie umgibt, dass diese Dinge einfach zusammenhängen und untrennbar verbunden sind, und dass das eine nicht froh wird ohne das andere.

Das kann man an so einem Schulgebäude ganz gut zeigen. Beispiel: Licht und Luft, das lernt man in der Schule inhaltlich in Physik. Wir haben gerade bei Corona aber gleichzeitig auch gesehen, wie wichtig das auch ganz physisch ist: Fenster aufmachen, Frischluft hereinlassen, das ist epidemiologisch wichtig, gleichzeitig lebenswichtig und auch wichtig zum Lernen im übertragenen Sinn.

Für ein Schulgebäude heißt das auch, nach außen aufzumachen – die Öffnung der Schule in den öffentlichen Raum und in die Gemeinde, in den Ort, in dem sie steht. 

Beispiel Temperatur: Dass die Sommer immer heißer werden, das wissen die Kinder und die Jugendlichen, deswegen gehen sie ja auch seit einem Jahr auf die Straße. Wir sind es ihnen verdammt noch einmal schuldig, dass wir ihnen zumindest in den Schulen optimale Bedingungen bieten, dass nach Klimaschutzstandards gebaut wird, sodass sie es dort so kühl und so angenehm haben, wie nur irgendwie möglich.

Drittes Beispiel Raum: Wir wissen, dass Schulen des 19. Jahrhunderts oft nach dem Modell von Kasernen gebaut wurden, bei denen halt immer Kohorten von 30 Kindern hinter einer Tür zusammengefangen wurden. Das wird natürlich den Kindern nicht gerecht und auch den Lehrern und Lehrerinnen nicht gerecht. Wir wissen längst, dass das viel besser geht, dass Schulen abwechselnd Räume brauchen für kleine und größere Gruppen, dass sie ruhige Rückzugsräume brauchen, dass man Raum braucht für individuelles Lernen im Wechsel mit Raum für größere Veranstaltungen und Plena. Das werden die Schulen leisten müssen, die wir bauen.

Das wirkt auch noch in die Familien hinein, weil wir nämlich die meisten dieser Schulen als Ganztagsschulen planen wollen, als Orte, wo Lehrer und Kinder den ganzen Tag gerne verbringen, wo sie Freundschaften pflegen, wo sie essen, wo sie auch ihre Freizeit verbringen. Da sieht man, dass das auch noch weiter in die Familien hineinwirkt.

Zusammenfassend: 2,41 Milliarden Euro – mir fällt kaum etwas ein, in das man Geld besser investieren hätte können, und ich freue mich darüber. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

18.51

Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Martina Künsberg Sarre. – Bitte.