10.12

Abgeordnete Bedrana Ribo, MA (Grüne): Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Hohes Haus! Sehr geschätzte Zuseherinnen und Zuseher zu Hause! Heute sprechen wir über das Frauenbudget. Viele Themenaspekte wurden ja bereits angesprochen, die Budgetzahlen wurden auch mehrfach genannt. Wir wissen, das Budget wurde erhöht. Nach Meinung der Opposition ist es zu wenig Geld. Wir alle würden uns in vielen Bereichen viel mehr Geld wünschen, aber wir wissen auch, dass das Budget kein Wunschkonzert ist.

Ich für meinen Teil möchte hier die Gelegenheit nutzen und über Frauen in systemrelevanten Berufen sprechen. Wer sind diese Frauen? – Ich denke da zum Beispiel an Gabi, die Billa-Kassiererin, 32, zwei Kinder; sie ist in der Coronakrise die ganze Zeit hinter der Kasse gestanden, wurde schief angeschaut, weil sie ihre Kinder im Kindergarten abgeben musste. Ich denke da auch an Dragica, 15 Jahre; sie spricht nicht fließend Deutsch, arbeitet in einer Reinigungsfirma und ist froh, dass sie in der Coronakrise ihren Job nicht verloren hat. Ich denke da auch an Swetlana, 42, aus der Slowakei; sie hat hier über Wochen ihren Dienst in der 24-Stunden-Betreuung verlängert und ihre Kinder in dieser Zeit nicht gesehen. – Das sind alles reale Beispiele, Beispiele, die mir persönlich, wahrscheinlich euch allen ans Herz gehen.

Wir waren diesen Frauen so dankbar, wir haben sie als Heldinnen bezeichnet, wir haben ihnen eine Zeit lang jeden Abend applaudiert. Da habe ich mir gedacht: Moment, diese systemrelevanten Berufe und auch diese Frauen hat es vor der Krise ja auch gegeben, da haben wir sie nicht so beachtet, aber jetzt schätzen wir sie. Uns ist es auch egal, dass viele von ihnen Migrantinnen sind, wir wissen, was für wichtige Arbeit sie leisten. Wir sorgen dafür beziehungsweise werden dafür sorgen, dass sie nach der Coronakrise sichtbar bleiben – so oder so ähnlich habe ich das hier sehr oft gehört, vielleicht auch selbst gesagt. Ich persönlich habe dann aber nachgedacht; ich habe mir gedacht: Geht es diesen Frauen wirklich um das Sichtbarsein? Was haben sie davon, in der Gesellschaft sichtbar zu sein? Ich habe mir einfach vorgestellt, ich wäre eine dieser Frauen – dann würde ich mich fragen: Was habe ich davon, wenn ich jetzt in der Gesellschaft sichtbarer bin? – Ja, das ist nett, aber mehr ist dann nicht dahinter, muss ich ganz ehrlich sagen.

Ich bin mir sicher, dass diese Frauen andere Wünschen haben, und zwar wünschen sich diese Frauen ganz sicher bessere Arbeitsbedingungen. Diese Frauen wünschen sich sicher auch bessere oder flexible Kinderbetreuung. Wenn ich an Gabi denke: Sie muss bei Billa manchmal bis 20 Uhr oder 21 Uhr arbeiten, aber der Kindergarten hat nur bis 18 Uhr offen. – Das ist nicht so ohne, also da muss sie schauen, wie sie da zurechtkommt. Ein gleich hohe Familienbeihilfe wie für ÖsterreicherInnen würde ich mir zum Beispiel für Swetlana und ihre Kinder wünschen (Beifall bei den Grünen sowie der Abgeordneten Brandstötter und Shetty); sie zahlt ja genauso viel in das System ein und ihre Kinder sind auch genauso viel wert.

Was sich, glaube ich, alle diese Frauen wünschen, ist eine bessere Bezahlung, ein Gehalt, von dem sie leben können, ein Gehalt, das irgendwie auch widerspiegelt, dass sie systemrelevant sind, vor allem ein Gehalt, das sie nicht zittern lässt, ob es sich bis zum Monatsende ausgeht.

Meine Damen und Herren! Das sind alles keine unerfüllbaren Wünsche. Diese Wünsche können in Erfüllung gehen. Wir brauchen damit auch nicht bis zur nächsten Krise zu warten, wir könnten eigentlich gleich jetzt starten. – Danke. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

10.16

Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Yannick Shetty. – Bitte.