12.16

Abgeordnete Henrike Brandstötter (NEOS): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Kolleginnen und Kollegen! Corona erlebt ja jeder und jede anders. Die einen versuchen sich an Namaste und im Yogieren, andere haben ihre Liebe zum Stricken entdeckt, wiederum andere entschleunigen nach allen Regeln der Kunst. Manche müssen Verwandte und ihnen nahestehende Menschen bei schweren Erkrankungen begleiten und haben auch neue Arbeitsformen kennengelernt. Viele müssen ihre Kinder, das Homeoffice und den Haushalt balancieren. Andere wiederum machen sich große Sorgen um ihren Job, um beide Jobs, um das Familieneinkommen. Und zu allem Überfluss ist dann da auch noch ein schlecht gelaunter Partner.

Covid-19 bestimmt das Leben von uns allen, und wir müssen alles tun, um das, was mit diesem Virus zu tun hat, gut aufzubereiten, zu analysieren und zu dokumentieren. Die Gesundheitszahlen sind ja mittlerweile ganz gut erfasst. Die Wirtschaftsdaten haben wir auch im Blick, auch wenn es hier unterschiedliche Perspektiven gibt. Wir brauchen diese Daten, um steuern zu können, um Handlungsoptionen abzuleiten, um zu sehen, was wir besser und anders machen können.

Über die eigentliche Situation der Familien zu Hause wissen wir noch viel zu wenig. Wir waren ja auch alle erstaunt, wie viele Kinder für ihre Lehrerinnen und Lehrer nicht erreichbar waren. Das hätten wir alle in dieser Dimension nicht gedacht. (Zwischenruf der Abg. Belakowitsch.)

Über die Situation der Frauen, über die Entwicklung häuslicher Gewalt während der Coronakrise wissen wir ebenfalls sehr wenig. Wir kennen immer nur die ganz besonders tragischen Fälle, wenn wieder eine Frau von ihrem Partner ermordet wird. Diese Unwissenheit ist einer der Gründe, weshalb wir auch zu wenig gegen häusliche Gewalt tun können.

Wir brauchen daher Informationen, wir brauchen Daten, um Entscheidungen treffen zu können, und zwar die richtigen Entscheidungen auf Basis von Evidenz. Wir erleben zwar mit Covid-19 gemeinsam eine Situation, die so noch nie da gewesen ist, und wir üben uns auch in vielerlei Hinsicht in einem neuen Zusammenhalt, aber gleichzeitig sind die Herausforderungen und Auswirkungen für jeden Menschen, für jede Familie und vor allem für jede Frau verschiedene.

Genau dieser Frage, nämlich wie sich Stimmungslagen, Einstellungen, Verhaltensweisen und Informiertheit der Bevölkerung im Laufe der Krise entwickeln, widmet sich das Austrian Corona Panel Project der Universität Wien. Da arbeitet ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen daran, wichtige Fragen zu beantworten, etwa: Wie sehen Menschen die Bedrohungen auf gesundheitlicher und wirtschaftlicher Ebene? Wie stehen sie zu den getroffenen politischen Maßnahmen? Was denken sie von den demokratiepolitischen und kommunikativen Herausforderungen?

Kern der Studie ist eine Panelumfrage mit 1 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Panelumfrage bedeutet, dass dieselben Personen wiederholt befragt werden, um auf diese Art und Weise Veränderungen in einer Zeit rascher Umbrüche nachverfolgen zu können.

Ich mache deshalb auf dieses wichtige Projekt aufmerksam, weil es zeigt, wie wichtig Studien, wie wichtig wissenschaftliche Aufbereitungen generell sind, und in dieser Krise ganz besonders, denn nur das, was gemessen wird, findet offiziell auch statt, und Gewalt gegen Frauen findet statt: jeden einzelnen Tag, auf vielfältige Arten. Wir unterstützen daher selbstverständlich jede fundierte Initiative, jede wissenschaftliche Studie, die Gewalt gegen Frauen untersucht und natürlich auch Handlungsoptionen ableitet. – Vielen Dank.

Ich möchte noch ein Mail vorlesen, das mich vorhin gerade erreicht hat, von Frau Pospischil: „Sehr geehrte Frau Abgeordnete,

Ich verfolge soeben die Fragestunde an die Frauenministerin und möchte

Auf die Gruppe Frauen hinweisen, die oft Jahrzehnte ihr Söhne und Töchter die mit einer Behinderung leben, betreuen, pflegen und begleiten hinweisen. Viele haben während der Coronakrise von heute auf morgen die Betreuung rund um die Uhr übernommen und damit einen großen Beitrag zur Bewältigung der Krise geleistet und verdienen sich bei Euren Diskussion nicht vergessen zu werden.“

Frau Pospischil, Sie haben vollkommen recht, und ich habe damit Ihr Anliegen auch meinen Kolleginnen und Kollegen vorgetragen. – Vielen Dank. (Beifall bei den NEOS.)

12.20

Präsidentin Doris Bures: Nun hat sich Herr Bundesminister Karl Nehammer zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Minister.