17.47

Abgeordneter Dipl.-Ing. Nikolaus Berlakovich (ÖVP): Sehr geehrte Präsidentin! Herr Vizekanzler! Frau Bundesministerin! Meine Herren Volksanwälte! Hohes Haus! Poštovane slušateljice i slušatelji! Dragi pripadniki naših narodnih grup! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich darf zum Volksgruppenbudget Stellung nehmen. Vor Kurzem hat der burgenländisch-kroatische Akademikerklub eine Veranstaltung organisiert, der Anlass: 20 Jahre Aufstellung der zweisprachigen Ortstafeln im Burgenland. Damals, im Jahr 2000, unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, wurden in 47 burgenländisch-kroatischen Gemeinden und in vier burgenländisch-ungarischen Gemeinden die zweisprachigen Ortstafeln aufgestellt – 45 Jahre nachdem sie im österreichischen Staatsvertrag den Volksgruppen zugesichert worden waren, ein sehr, sehr langer Prozess, aber immerhin.

Das Schöne damals bei dieser Veranstaltung in meiner Heimatgemeinde Großwarasdorf in Anwesenheit des Bundeskanzlers war, dass es ein Fest der Gemeinsamkeit, ein Fest der Freude war, dass Menschen verschiedener Sprachen dort gefeiert haben.

Ich erwähne das deswegen, auch wenn es 20 Jahre her ist, weil damals manche sehr wohl Bedenken gehabt haben, dass irgendetwas passiert, so ein kleiner zweiter Ortstafelsturm oder dass die Ortstafeln beschädigt werden. Genau das ist aber nicht passiert, und darauf können wir stolz sein, auf die Bevölkerung im Burgenland, aber auch in Österreich, darauf, dass sie das Gemeinsame sieht, dass man vielleicht nicht euphorisch ist, aber trotzdem akzeptiert, dass Menschen unterschiedlicher Kultur und Sprache, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet leben, auch weiterhin friedlich leben.

Ich meine, wir können darauf stolz sein, dass wir gemeinsam Friedliches schaffen. Das ist ein kleines Beispiel in Europa dafür, hier miteinander, gemeinsam zu leben. (Beifall bei ÖVP und Grünen.)

Diese Gemeinsamkeit ist in der Coronakrise wichtig und ist auch in diesem Volksgruppenbereich wichtig. Wie gesagt, wir haben sechs anerkannte Volksgruppen in Österreich: die burgenländischen Kroaten, die Kärntner Slowenen, die Ungarn, eigentlich burgenländischen Ungarn, die Tschechen und Slowaken und die Roma, Bevölkerungsgruppen, die seit Jahrhunderten auf diesem österreichischen Territorium leben und daher ein Teil Österreichs sind, ein Teil der Geschichte Österreichs, ein Teil auch unserer Identität. Diese Gemeinsamkeit findet sich jetzt auch im Volksgruppenbudget wieder.

Ich danke ausdrücklich Bundesministerin Raab, wir haben im Vorfeld das Regierungsprogramm verhandelt, danke, Kollegin Voglauer, Kollegin Blimlinger, und von der ÖVP war Präsident Sobotka dabei, und wir haben ein sehr, sehr gutes Programm für die österreichischen Volksgruppen ausgehandelt. Ein wichtiger Bereich ist natürlich die Volksgruppenförderung. Ich danke Bundesministerin Raab für ihre Offenheit bei diesem Thema, diesen sehr positiven Zugang und das Bewusstsein, den österreichischen Volksgruppen helfen zu müssen, denn sie sind in Wahrheit im Bestand bedroht.

Wir haben uns im Sinne des Regierungsprogramms für eine Erhöhung der Volksgruppenförderung eingesetzt, und herausgekommen ist eine Verdoppelung. Nach 25 Jahren Verlangen der Volksgruppenorganisationen gibt es jetzt eine Verdoppelung. Das ist wirklich ein großer Schritt, und danke dafür, dass das gemeinsam gelungen ist. (Beifall bei ÖVP und Grünen.)

Das zentrale Element einer Volksgruppe ist die Verwendung der Sprache. Wenn die Kultur nicht mehr gelebt und die Sprache nicht gesprochen wird, verliert die Volksgruppe sozusagen ihre Existenz, ihre Basis, und in Wahrheit ist das im Burgenland das gleiche Problem wie bei den Volksgruppen in Kärnten oder in Wien: Die Sprache geht verloren. Die junge Generation spricht sie nicht mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig. Geschlossene Siedlungsgebiete gibt es nicht mehr. Die Gesellschaft hat andere Herausforderungen für junge Menschen: Englisch muss man lernen, andere Qualifikationen muss man sich aneignen, sodass die Volksgruppensprachen oft ins Hintertreffen geraten.

Umso wichtiger ist daher die Unterstützung für Projekte, die genau das bringen sollen: dass die Kinder und jungen Menschen neben Kindergarten, Pflichtschule und höherer Bildung sehr wohl auch durch andere Projekte – Kinderbetreuung, Sprachenwettbewerbe, kulturelle Projekte und, und, und, alles eben, was aus der Volksgruppenförderung finanziell unterstützt wird – die Volksgruppensprache erlernen. Das ist ganz, ganz wichtig, und wir erwarten uns sehr große Impulse, damit wir den Volksgruppen auch eine Chance geben.

Erwähnen darf ich auch noch, dass die Volksgruppenmedien eine besondere Unterstützung erfahren. Rund 700 000 Euro sind vorgesehen, pro österreichischer Volksgruppe ein Printmedium – die „Hrvatske Novine“ bei den Kroaten, die „Novice“ bei den Slowenen, auch die Tschechen haben ein derartiges Blatt –, damit die Sprache auch transportiert wird. Sie muss im Radio, im Fernsehen gesprochen und gehört und auch in den Medien gelesen werden.

Es wäre schade, wenn diese österreichische Identität langsam verschwindet. Daher nochmals: Frau Bundesministerin, herzlichen Dank für deine Offenheit, auch für den permanenten Dialog mit den Volksgruppenorganisationen – sie kämpfen Tag für Tag um den Erhalt –, und danke für die Unterstützung! Ich hoffe, dass wir gemeinsam mit unserem Koalitionspartner da einen wirklichen Impuls geben, dass die Volksgruppen eine Perspektive bekommen. Srdačna hvala! Alles Gute! – Danke. (Beifall bei ÖVP und Grünen)

17.52

Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Karin Greiner. – Bitte.