12.33

Abgeordnete Rosa Ecker, MBA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geschätzte Damen und Herren hier im Saal und zu Hause vor den Fernsehgeräten! „Es ist eines der Grundrechte jedes Menschen [...], sich einer möglichst guten Gesundheit zu erfreuen.“ – So lautet ein Zitat der WHO. Mit den Ausgaben im Gesundheitsbereich liegt Österreich international tatsächlich im Spitzenfeld. Es gibt viele Gesundheitsziele, die dazu beitragen sollen, dass Herr und Frau Österreicher möglichst viele sogenannte gesunde Lebensjahre in unserem Land verbringen können.

Dabei ist die psychische Gesundheit eines der Schlüsselelemente. Die psychische Gesundheit wirkt sich auf akute und auch auf chronische Erkrankungen aus. Wie schaut es in unserem Land mit dieser Versorgung aus? – Der Herr Minister hat es schon angesprochen: Die psychische Gesundheitsversorgung ist bei uns eine starke Schwachstelle. Die Wartezeiten für Behandlungstermine betragen oft Wochen oder Monate. Da muss die Versorgung dringend ausgeweitet werden!

Noch dazu ist die Psyche seit Covid-19 unter Dauerbelastung. Das zeigt auch eine Studie der Donau-Universität Krems auf: Seit April leidet ein Fünftel unserer Bevölkerung an depressiven Symptomen, Ängsten, Schlafproblemen und Depressionen. Diese lange und starke Belastung hält an, sie hat sich nach dem Ende des ersten Lockdowns nicht verbessert, und wir sind erst am Anfang des zweiten Lockdowns. Die jungen Erwachsenen leiden besonders auffallend darunter.

In diesem Zusammenhang ist auch brisant, dass die Situation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Argen liegt. Eine wohnortnahe Versorgung ist überhaupt nicht sichergestellt, die Kinder- und Jugendpsychiatrieambulanzen und -stationen sind stark überlastet. Es ist so, dass Covid derzeit alles überdeckt und alles andere untergeht. Es wird aber der Tag kommen, an dem wir alle feststellen werden, dass der gesundheitliche Gesamtschaden enorm ist. Viele Erkrankungen werden nicht oder zu spät festgestellt und können dann nicht mehr geheilt werden, und die wirksame Früherkennung ist nicht Covid zum Opfer gefallen, sondern den Maßnahmen der Regierung.

Der Gesundheits- und Pflegekräftemangel, der heute schon oft angesprochen worden ist, ist wirklich ständig in aller Munde. Wo aber ist mehr Geld für Ausbildung, für praxis- und bedarfsgerechte Ausbildung, für kontinuierliche Fortbildung? Wo im Budget schlagen sich gute Arbeitsbedingungen nieder, die einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass das Gesundheitspersonal im Beruf verbleibt – wir haben ja eine hohe Drop-out-Quote –? Warum verlassen 40 Prozent der Jungmediziner Österreich, und warum schauen wir dabei einfach zu? Wie schaut es mit dem Heimatstipendium für Ärzte aus, welches in Ihrem Regierungsprogramm steht? Fällt das auch Corona zum Opfer? Wann verhandelt die Regierung mit der EU über eine neue Quotenregelung bei den Medizinstudienplätzen, damit der drohende Versorgungsengpass, einmal abgesehen von der Pandemie, nicht Realität wird?

Jetzt sind Intensivmediziner, Ärzte, Pflegepersonal und Krankenschwestern in aller Munde und im Fernsehen zu sehen. Sie werden gelobt, beklatscht – wie gerade eben –, manche dürfen sogar bei einer Pressekonferenz ans Rednerpult. Nach der Krise werden sie von der Regierung sicher wieder vergessen. So schaut es in Österreich aus! (Beifall bei der FPÖ.)

12.37

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dietmar Keck. – Bitte.