10.18

Abgeordnete Dr. Astrid Rössler (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuhörerinnen und Zuhörer vor den Bildschirmen! Warum kommen Menschen gerne nach Österreich auf Urlaub? – Es sind die Städte, es ist die Kultur, es ist ein enorm großes Sport- und Outdoorangebot vom Skifahren bis zum Wandern, aber es sind auch die Landschaft und die Natur. Die Topangaben, warum Menschen nach Österreich auf Urlaub kommen, sind: Berge, Wälder, Seen – und Gastlichkeit gleichauf. Es sind diese Qualitäten, die für Österreichs Tourismus das größte und wertvollste Kapital sind.

Das ist die Marke Qualitätstourismus, also: Come back Qualitätstourismus in Österreich! Das ist unser Kapital, das sind hochwertige Arbeitsplätze, das sind Arbeitsbedingungen, die Qualität und Gastlichkeit bieten. Gastlichkeit lebt von der Begegnung. Gastlichkeit ist mehr als Service. Gastlichkeit ist die Begegnung mit Gästen, eine persönliche Beziehung zu ihnen aufzubauen, damit sie auch wiederkommen – das ist unser wichtigstes Kapital. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Qualitätstourismus bedeutet aber eben nicht Masse und Preiskampf. Preiskampf führt zu schlechten Arbeitsbedingungen, zu schlechterer Lebensqualität durch Overtourism in der Region und auch zur Überlastung von Naturräumen und Landschaft. Die Marke Urlaub in Österreich verbindet diese Qualitätsmerkmale. Naturraum und Gastlichkeit sind damit unser Kapital. Erholung, Erholungslandschaften sind damit auch ein Kapital unserer touristischen Zukunft.

Die Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern, eine Tourismusregion, eine große Tourismusregion in einem großen Skigebiet, Salzburg, Tirol, eingebettet in die grandiose Naturlandschaft des Nationalparks Hohe Tauern, hat vor einigen Jahren ein Leitbild entwickelt beziehungsweise überarbeitet. Das hat damit begonnen, junge Menschen, junge Unternehmerinnen und Unternehmer einzuladen und zu fragen: Welche Rahmenbedingungen braucht ihr, damit ihr euren elterlichen Betrieb übernehmen wollt? Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass die nächste Generation den Betrieb übernehmen möchte. (Beifall bei Grünen und ÖVP.)

Erstens: Junge Menschen wollen in der Region bleiben, sie wollen den Betrieb übernehmen.

Zweitens: Es gab ein klares Bekenntnis zu naturverträglichem und vor allem naturverbundenem Qualitätstourismus. Gastlichkeit braucht diese Begegnung. Das war der Wunsch und das war auch der Ausdruck im Rahmen dieses Leitbilds.

Drittens: Es kam der dringende Appell, den Bettenstopp auszusprechen und nicht planlos und ungezügelt die Kapazitäten im Tourismus mit sehr fragwürdigen Tourismuskonzepten auszubauen – vom Aparthotel bis zu Chaletdörfern, die in Wahrheit nichts anderes als Veranlagungs- und Spekulationsobjekte sind, immobiliengetrieben, und nicht mit Qualitätstourismus verbunden sind.

Viertens: Der Wunsch Regionalität bedeutet, regionaltypische Angebote zu schaffen, vom Speisenangebot bis zu regionaltypischen anderen Angeboten, Veranstaltungen und so weiter.

Es geht um die Marke Gastlichkeit und die Marke Wertschätzung des Produktes, das man anbietet, und das beinhaltet auch, Wertschätzung für den Gast zu vermitteln.

Das ist unsere Chance, und jede Chance birgt auch Risiken in sich, und das derzeit größte Risiko ist die planlose Errichtung von nicht qualitätstourismusgetriebenen Angeboten. Und es macht einen Unterschied, ob der Gast persönlich empfangen wird oder ob er einen vierstelligen Zahlencode übernimmt und zum Schlüsselkasten geht und irgendeine Tür aufsperrt. Das ist der Unterschied, und wir müssen unbedingt beim Qualitätstourismus bleiben. (Beifall bei Grünen und ÖVP.)

Das ist das Plädoyer für das Comeback des österreichischen Qualitätstourismus, für das Comeback der Marke Urlaub in Österreich und es ist vor allem ein Appell an die Bundesländer und die Gemeinden betreffend die Raumordnung, denn dort werden die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, ob wir weiterhin wirtschaftlich tragfähige Qualitätsbetriebe haben, ökologisch tragfähig in einer grandiosen Naturlandschaft und auch sozial tragfähig mit guten Arbeitsbedingungen, die Qualitätsarbeitskräfte in der Region erhalten und binden. (Beifall bei Grünen und ÖVP.)

Diese Raumordnungsrahmenbedingungen entscheiden über die Standortsicherung für die Leitbetriebe des österreichischen Qualitätstourismus – es ist notwendig, dass die Raumordnung diese Verantwortung übernimmt – und Planungssicherheit durch geordnete Entwicklung. Dafür sind die Gemeinden und die Länder verantwortlich.

Ich komme zum Schluss: Qualitätstourismus ist auch der maßgebliche Faktor für den Erhalt von lebendigen Stadt- und Ortskernen, das bedingt einander. Der Gast sucht ein regionaltypisches Angebot am Urlaubsort. Er braucht die Geschäfte, er braucht das Kunsthandwerk, er braucht das regionaltypische Angebot.

Ich wünsche allen UnternehmerInnen und Unternehmen im Tourismus einen erfolgreichen Sommer und ich freue mich auf den Urlaub in Österreich. (Beifall bei Grünen und ÖVP.)

10.23

Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Fiedler. – Bitte sehr.