20.15

Abgeordneter Dipl.-Ing. Nikolaus Berlakovich (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Es mutet wahrscheinlich für die Zuseherinnen und Zuseher einigermaßen kurios an, wenn es draußen weit über 30 Grad hat und wir hier drinnen das  Antarktis-Umweltprotokoll diskutieren. Da kommt dann bei manchen oft die Bemerkung: Na ja, habt ihr keine anderen Sorgen? Welche Dinge diskutiert ihr da im Parlament eigentlich, die irgendwo weit weg sind?

Ich habe das immer wieder im Lauf der Jahre erlebt, wenn wir über entfernte Regionen, über den Schutz des Eisbären – quasi symbolisch für den Klimawandel – und über die Verdrängung des Eisbären gesprochen haben. So ein Plüscheisbär ist ja sehr lieb und nett. Irgendwann kommt man drauf, dass die Leute sagen: Ja, ja, der Schutz des Eisbären ist wichtig, aber was geht uns das hier in Österreich an? Genau diese Debatte müssen wir führen, um die Betroffenheit zu schaffen, dass wir hier im eigenen Land etwas tun müssen und dass die Welt – auch in umweltpolitischer und gerade in klimapolitischer Sicht – ein Dorf ist.

Ein paar Beispiele sollen das veranschaulichen: Vor Kurzem wurde wieder in eindrucksvollen Dokumentationen des Reaktor-Super-GAUs Tschernobyl gedacht. Auch wenn das doch einigermaßen weit weg ist, hat die radioaktive Wolke jedenfalls uns hier sehr stark betroffen und auch weite Teile der restlichen Welt. Bei Fukushima war es ähnlich.

Oder man denke an den Plastikmüll, der hier bei uns entsteht, der im asiatischen Raum entsteht und der dann – über 80 Millionen Tonnen Plastikmüll! – in einer Gegend im Ozean auftaucht, wo nie auch nur ein Flankerl Plastik entstanden ist. Das geht bis hin zur Arktis, wo durch das Abschmelzen des Gletschereises der Meeresspiegel steigt und dann Küstenregionen im asiatischen Raum, im amerikanischen Raum von Überschwemmung bedroht sind.

Das heißt: Wenn wir erkennen, dass es sehr wohl wichtig ist, was in entlegenen Regionen passiert, dann muss ein Bewusstsein entstehen, selber etwas zu tun und auch positiv zu motivieren. Es hat sich natürlich auch das Meinungsbild geändert. Den Menschen ist es bewusster geworden, dass es wichtig ist, hier etwas für den Klimaschutz zu tun. Ein Wissenschafter von der Boston University hat kürzlich gesagt, als es um den Zustandsbericht der Antarktis ging: Wenn wir die Antarktis schützen, dann schützen wir uns selbst.

In diesem Lichte ist dieses Umweltprotokoll zu sehen, wo es ja darum geht, supranational eine Region zu schützen, die in Wahrheit reich an Vorkommen, an wertvollen Stoffen ist. Ich darf hier nur zitieren: Angeblich gibt es unter der Antarktis 45 Milliarden Barrel Erdöl, 115 Billionen Kubikmeter Erdgas, Titan, Chrom, Eisen, Kupfer bis hin zu Platin und Gold, also wirtschaftlich vielleicht interessant. Trotzdem regelt das Übereinkommen, dass hier nicht Bergbau, sondern Forschung betrieben werden soll und dass dieses einzigartige Ökosystem nicht ausgenutzt werden soll.

Deswegen beschließen wir hier auch das Protokoll, weil auch österreichische Forscherinnen und Forscher Interesse haben, an diesem Thema mitzuarbeiten. In diesem Sinne gibt es Unterstützung für dieses Thema, auch wenn die Angelegenheit weit weg ist. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)

20.19

Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Joachim Schnabel. – Bitte, Herr Abgeordneter.