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Rede von Nationalratspräsidentin Doris Bures anlässlich der Enthüllung des Barbara-Prammer-Portraits im Parlament

Mittwoch, 18. März 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Bundesminister!

Ich darf Sie heute zu einem besonderen Anlass hier im Parlament begrüßen: Zu einer Stunde der dankbaren Erinnerung und zu einem gleich doppelten Festakt für Barbara Prammer. Wir werden ihr Porträt für den Empfangssalon enthüllen und das Buch "Danke Barbara" präsentieren.

Es ist schön, dass heute so viele Freundinnen und Freunde, Weggefährtinnen und Weggefährten und ehemalige Kolleginnen und Kollegen – Sie alle – gekommen sind. Das ist Ausdruck der Wertschätzung für meine Amtsvorgängerin. Ein ganz besonders herzliches Willkommen – auch von meiner Seite – der Familie von Barbara UND einen herzlichen Gruß nach Oberösterreich an Barbaras Eltern, die nicht da sein können, aber sicher in Gedanken bei uns sind.

Barbara Prammer gehörte diesem Haus fast 15 Jahre an und sie war von 2004 bis 2006 – als Nachfolgerin von Dr. Heinz Fischer – Zweite Präsidentin und von 2006 bis 2014 Präsidentin des österreichischen Nationalrates. Sie war zehn Jahre Mitglied des Präsidiums. Barbara Prammer war die erste Frau in dieser Funktion und nicht nur deshalb vielen Frauen ein Vorbild.

Ihre zahlreichen und vielfältigen Leistungen wurden im Rahmen der Trauerfeier im August des Vorjahres gewürdigt. Heute geht es darum, dankbare Erinnerung zu pflegen: Es wird ihr Porträt für den Empfangssalon enthüllt und es wird ein Buch über sie präsentiert.

Es ist gute Tradition, dass NationalratspräsidentInnen, sobald sie aus dem Amt ausgeschieden sind, porträtiert werden. Das hat nichts mit unzeitgemäßem Pathos und schon gar nichts mit selbstherrlichem Personenkult zu tun, sondern ist Ausdruck der Erinnerung. Der Erinnerung an Menschen, die über eine gewisse Zeit hinweg dem Hohen Haus vorgestanden sind, die hier Akzente gesetzt und Spuren hinterlassen haben. Diese Galerie erweist den Präsidenten, die sich der Demokratie – und dem Dienst an der Gemeinschaft – verschrieben haben, Respekt, indem sie die Erinnerung an sie hochhält.

Erinnerung – ob im Privaten oder im Öffentlichen – vergegenwärtigt Vergangenes und ist wesentlich für unsere Identität und deshalb unverzichtbar. Denn eine Gesellschaft ohne Gedächtnis, ohne Kenntnis der eigenen Geschichte und Auseinandersetzung mit ihr, eine Gesellschaft ohne Wissen über jene, die vor uns waren, und ohne Fähigkeit zu Dankbarkeit – eine solche Gesellschaft ist seelenlos.

Die kleine Galerie im Empfangssalon ist über die Jahrzehnte seit 1945 gewachsen. Sie ist ein Zeitdokument und erzählt die jüngere österreichische Geschichte in Gestalt führender Parlamentarier. Zugleich ist sie auch eine aufschlussreiche Dokumentation österreichischer Porträtmalerei und deren Entwicklung. Erstmals reiht sich eine Frau, in die bis jetzt, ausschließlich aus Männern bestehende Galerie ein.

Das Bild von Barbara Prammer wird an eine verdienstvolle Präsidentin erinnern und ihr Porträt wird darüber hinaus für die Gleichberechtigung der Frauen, die ihr zeitlebens ein wichtiges Anliegen war, stehen. Üblicherweise bestimmt der jeweilige Präsident bzw. die Präsidentin, von wem er oder sie porträtiert werden möchte.

Barbara Prammer konnte diese Entscheidung nicht selbst treffen. Stellvertretend für sie, waren ihre Kinder in die Entscheidung über den Porträtstil und in die Auswahl der Künstlerin eingebunden. Ich denke, es wurde eine in jeder Beziehung sehr gute Entscheidung getroffen. Julia und Bertram wussten, dass ihre Mutter dem Medium Fotografie zugeneigt war und sie wussten, dass sie jedenfalls von einer Frau porträtiert werden wollte. Es sollte eine Künstlerin mit hoher Reputation sein. Und es sollte eine Künstlerin sein, die Barbara Prammer geschätzt hat. Alles das trifft auf Eva Schlegel zu. Vielen Dank, dass Sie unsere Einladung angenommen haben. Vielen Dank auch an Georg Wilke, von dem die Fotografie stammt, die Eva Schlegel künstlerisch bearbeitet hat.

Es fügt sich auch gut, dass heute ein „Buch der Erinnerung“ an Barbara Prammer vorgestellt wird. Ich bedanke mich sehr herzlich bei dem Herausgeber-Team – Gerhard Marschall, Christina Hornek-Zeiss und Reinhard Deutsch.

In diesem Buch sind neben den Reden der Trauerfeier auch ausgewählte Nachrufe aus Medien sowie zahllose persönliche Äußerungen aus Briefen, Mails und aus den Kondolenzbüchern zusammengefasst.

Alles zusammen ergibt ein authentisches Bild von unserer Barbara Prammer – was sie ausmachte, wofür sie stand und was von ihr bleiben wird.