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Rede von Doris Bures bei der Beerdigung von Dr. Sabine Oberhauser

Sonntag, 05. März 2017

Lieber Gerold! Liebe Sophie! Liebe Franzi! Liebe Mama von Sabine!
Werte Trauergemeinde!

Ich denke so viel an dich, liebe Sabine, gerade in diesen Tagen. Und ich sehe dich vor mir: strahlend, lachend – über das ganze Gesicht! Unglaublich humorvoll, warmherzig, voller ansteckender Lebensfreude. Dieses Bild von dir wird bleiben. Unberührt von den Belastungen und Spuren deiner schweren Krankheit, die du so unglaublich tapfer, so bewundernswert getragen hast. "Ich lasse mir den Spaß am Leben einfach nicht verderben." Das waren deine Worte. "Alles wird gut." Das war dein Lebensmotto. So sehr wir uns das auch gewünscht haben, so sehr du auch gekämpft hast, dieses Mal ist es nicht gut geworden.

Liebe Sabine, du wirst uns sehr fehlen!

Als Mensch, als Freundin, als Politikerin. Als leidenschaftliche Kämpferin für Gerechtigkeit. Du warst ein politischer Mensch, durch und durch – im besten Sinne des Wortes. Eine Frau, die die Möglichkeit, gestalten zu können, als großes Privileg empfunden hat. Als Privileg, das du zu hundert Prozent in den Dienst derer gestellt hast, die es nicht so leicht im Leben haben. Sich in den Dienst der Schwächeren zu stellen, war deine Mission. In jedem Gespräch, in jeder Diskussion wurde dein ausgeprägtes Sensorium für Ungerechtigkeiten spürbar.

Mit dir zu diskutieren, war eine Freude. Du hast Meinung bezogen. Klar und deutlich. Unmissverständlich. Aber immer – ausnahmslos, allen deinen Gesprächspartnern gegenüber – respektvoll und wertschätzend.

Und wir haben viel diskutiert. Und wir hätten noch vieles zu besprechen gehabt. Wir hätten gemeinsam noch vieles vor gehabt.

Liebe Frau Hermine Schuh, Sie haben mir erzählt, dass Ihnen der tägliche morgendliche Anruf ihrer Tochter so sehr fehlt, "ihr täglicher Weckruf", wie sie es genannt haben. Ich weiß, euer samstägiges Familienessen – es werden unzählige Dinge sein, die euch fehlen werden.

Der Abschied von Sabine kommt viel zu früh. Die Liebsten gehen zu lassen, ist wohl das Schwierigste, was wir im Leben erfahren müssen. Erst recht, wenn jemand geht, der so voller Leben war. Vielleicht liegt aber gerade auch in dieser Lebensfreude, in dieser Lebensintensität die Hoffnung auf Trost. Nach allem, was ich mit Sabine erleben und über sie erfahren durfte, glaube ich, ehrlich sagen zu können: Sabine war eine erfüllte, eine glückliche Frau. Wir haben so viel gelacht. Und sie hat mich immer wieder überrascht. So hat sie vor drei Jahren, zu ihrem 50. Geburtstag, im Schutzhaus auf der Schmelz – stimmgewaltig und tänzerisch auf höchstem Niveau – alle ihre Geburtstagsgäste in Staunen versetzt. Es war ihr ein Vergnügen, uns eine Freude zu bereiten.

Genauso wie sie uns, ihren Freunden eine Freude gemacht hat, hat sie als Kinderärztin ihre kleinen Patienten als singender Cliniclown zum Lachen gebracht – ohne es an die große Glocke zu hängen.

Und ich habe sie auch sehr glücklich erlebt, als sie vor zweieinhalb Jahren zur Gesundheitsministerin der Republik Österreich ernannt wurde. Ich glaube, damit ist für sie ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.

„Ich will das und ich kann das“, hat sie gesagt. „Dieser Job ist mir auf den Leib geschneidert.“ Und genau das hat Sabine an jedem Tag ihrer Amtszeit unter Beweis gestellt.

Aber ihr größtes Glück war ihre Familie. Wenn sie mit mir über ihre Familie sprach, hatte sie dieses Leuchten in den Augen.

Ein Leuchten, das ich nie vergessen werde.

Alles in allem dürfen wir die berechtigte Hoffnung haben, dass Sabine ein glücklicher Mensch war.

In dieser Hoffnung möchte ich zwei Zeilen aus einem Gedicht von Ilse Aichinger zitieren, die mir persönlich sehr nahe gehen, die mir so passend erscheinen:

Eine Hilfe, aber keine Hilfe. Kein Trost, aber ein Trost.

- Es gilt das gesprochene Wort -