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Rede der Zweiten Nationalratspräsidentin Doris Bures anlässlich der Buchpräsentation "Der politische Aufstieg der Frauen" im Palais Epstein

Dienstag, 29. Juni 2021

– es gilt das gesprochene Wort –

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Drei ganz unterschiedliche Frauen stellt Professor Anton Pelinka in den Mittelpunkt seines Buches „Der politische Aufstieg der Frauen“. Eleanor Roosevelt, Margaret Thatcher und Indira Gandhi.

Drei Zeitachsen, die sich teils überschneiden und drei Kontinente mit ganz unterschiedlichem politischen Klima, in dem diese Frauen aufwuchsen, politisch aktiv wurden und wirkten.

Die erste Frau, die uns im Buch vorgestellt wird, ist Eleanor Roosevelt 1884-1962:
Feministin, Humanistin, Philosophin, First Lady und Mitverfasserin der Allgemeinen Erklärung der Menschen­rechte.

Der zweite Erzählstrang führt uns nach Indien zu Indira Gandhi 1917-1984:
Politikerin in einem gerade von der Kolonialmacht losgelösten Land voller Unruhen und Krieg. Angehörige einer privilegierten Kaste und erste weibliche Premierministerin.
Professor Pelinka stellt sie uns als eine Regierungschefin mit teils autoritärem Stil, unter Einsatz nötigenfalls gewaltsamer Mittel oder Zwang vor.

Der dritte politische Aufstieg führt uns nach Großbritannien zu Margaret Thatcher 1925 - 2013:
konservative Abgeordnete, Oppositionsführerin, spätere Ministerin. Offen konfliktbereit und erste weibliche Premierministerin. Die sogenannte „Iron Lady“.

Also: zwei gewählte Politikerinnen und eine First Lady, die andere Wege findet, um Politik zu machen.
Auf den ersten Blick sind es drei Frauenleben, die kaum unterschiedlicher sein könnten.

Drei Frauen auf drei unterschiedlichen Kontinenten mit drei ganz unterschiedlichen politischen Perspektiven und Einstellungen.

Aber, wenn wir diese drei Lebensgeschichten vergleichen, dann erkennen wir jedenfalls vier Gemeinsamkeiten: sozusagen die Formel, die diese Frauen auf ihren politischen Weg gebracht hat:

Die erste Gemeinsamkeit
Alle drei wurden in Familien hineingeboren, in denen Verwandte Politiker waren. Zuhause wurde Zeitgeschehen thematisiert, Politik diskutiert und gelebt.

Die zweite Gemeinsamkeit
Durch ihre Familien hatten alle drei Frauen politische Netzwerke. Sie gehörten zu einem elitären Kreis.

Die dritte Gemeinsamkeit
Ihnen allen wurde eine ausgezeichnete Bildung ermöglicht. Alle drei gingen in Europa in Privatschulen. Indira Gandhi und Eleanor Roosevelt verließen für die Ausbildung sogar ihre Heimat.

Die vierte Gemeinsamkeit
Alle drei waren Kämpferinnen, die bei Niederlagen nicht aufgegeben haben, sondern neue Wege suchten und fanden.

Sie alle – Eleanor Roosevelt, Indira Gandhi und Margaret Thatcher waren Pionierinnen,
die erste politisch aktive First Lady der USA,
die erste weibliche Premierministerin Indiens und
die erste weibliche Premierministerin Großbritanniens.

Auch wenn man inhaltlich nicht mit dem übereinstimmt, welche Politik sie gemacht haben, so möchte ich doch festhalten, dass sie Fußabdrücke auf dem Weg ihres politischen Aufstiegs hinterlassen haben. Fußabdrücke, an denen sich andere Frauen und Mädchen der nächsten Generationen orientieren können.

Durch ihre Vorreiterrollen wurden Türen für Frauen geöffnet, wo vorher keine waren. Türen, die – wie Sie, Herr Professor Pelinka, auch in Ihrem Buch anmerken – nicht wieder versperrt werden können.

Aber ich möchte ergänzen: diese Türen werden für die nächsten Frauen auch nicht automatisch aufgehalten!
In Großbritannien hat es 26 Jahre gedauert, bis mit Theresa May erstmals wieder eine Frau Premierministerin war.
In Indien gab es seit Indira Gandhis Tod 1984 – also seit über 35 Jahren keine Frau mehr in vergleichbarer Position – von Frauenleben in Indien heute gar nicht zu sprechen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Eine Frau in Führungsposition freut mich, weil sie ein Zeichen dafür sein kann, dass die gläserne Decke durchbrochen wurde.

Eine Frau, die es nach oben geschafft hat, kann Vorbild sein. Ihr erfolgreicher Aufstieg kann anderen möglicherweise die Kraft geben, gegen Widerstände anzukämpfen, im Wissen, dass frau es schaffen kann.

Eine mächtige Frau kann mit ihrer Biographie zurecht in die Historie eingehen. Jedoch: eine mächtige Frau kann in einem System von mächtigen Männern nicht alles alleine verändern.

Echte politische Veränderungen zu erreichen und einen wirklichen Perspektivenwechsel herbei zu führen, das schafft nicht nur eine. Dafür braucht es viele Frauen.

Es braucht Frauen genauso wie Männer: überall und dauerhaft. Es braucht Diversität. An allen Orten: in der Politik ebenso wie in der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Kultur.

Nur wenn unser gesellschaftliches System mit dieser Vielfalt an Wissen, Perspektiven und Erfahrungen durchflutet wird – können wir die komplexen Herausforderungen unserer Gegenwart und Zukunft demokratisch und gleichberechtigt bewältigen.

Johanna Dohnal formulierte ihre „Vision des Feminismus“ folgendermaßen:

„Die Vision des Feminismus ist nicht eine ‚weibliche Zukunft'. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen Abend voller Einblicke und vielleicht eben auch Ausblicke.