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Rede von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka bei der Verleihung des Staatspreises KnewlEDGE 2018

Donnerstag, 24.5.2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

zuallererst muss ich mich bei Ihnen für mein Zuspätkommen entschuldigen – ich komme direkt aus Ungarn! Bei meinem Aufenthalt dort ging es unter anderem um das ganz wesentliche Thema, wie sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn entwickeln und wie österreichische Unternehmen, die in Ungarn tätig sind, sich aufstellen. Ungarn ist für uns ein sehr wichtiger Partner, der sich in letzter Zeit enorm entwickelt hat.

Bei den Gesprächen mit den Unternehmen dort ging es vor allem auch um jenes Thema, für das Sie heute mit dem Staatspreis KnewLEDGE 2018 ausgezeichnet werden, nämlich die Entwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mitarbeiter von im Ausland tätigen Firmen haben eine ganz andere Perspektive, sie müssen den Markt und die Strukturen vor Ort kennen und diese ihrer Erfahrung entsprechend mitberücksichtigen. Daher ist für österreichische Unternehmen, die österreichweit und auch international tätig sind, die Entwicklung der Human Resources etwas ganz Wesentliches, um erfolgreich zu sein.

Ich freue mich, dass die Verleihung dieses Staatspreises heuer im Palais Epstein stattfindet, dieses Palais gehört zum österreichischen Parlament. Sie wissen, wir befinden uns gerade in der besonderen Situation, dass wir aufgrund der Renovierungsarbeiten aus unserem historischen Parlamentsgebäude ausziehen mussten; wir konnten mittlerweile die ersten Gewerke vergeben und haben einen straffen Zeitplan einzuhalten.

Das Palais Epstein ist deshalb ein besonderes Haus, weil es eine reiche Geschichte hat, auch eine reiche Wirtschaftsgeschichte, auf der anderen Seite aber auch eine etwas traurige Geschichte – es wurde nicht arisiert, sondern war schon davor im Besitz des Staates und Sitz verschiedener Institutionen. Die Geschichte zeigt aber auch, wie volatil Unternehmen sind, und zudem, wie sehr es notwendig ist, sich gerade an einem entwickelten Wirtschaftsstandort nicht nur den Gegebenheiten anzupassen, sondern sie auch vorausschauend zu handeln.

In einer Zeit der Digitalisierung – Ihnen brauche ich das nicht zu sagen – warten große Herausforderungen auf uns. In der Frage der Breitbandstrategie zum Beispiel ist es notwendig, einige Schritte für die Zukunft zu setzen, und zwar schnell zu setzen. Auf der anderen Seite ist, wie wir wissen, die Entwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zentrale Punkt für den Erfolg eines Unternehmens, vor allem auch im Non-Profit-Bereich. Ich freue mich daher, dass neben den Preisen für Wirtschaftsunternehmen auch ein Sonderpreis für Non-Profit-Organisationen verliehen wird. Ich verspreche Ihnen, dass wir, das Parlament, uns auch einmal darum bewerben werden, wenn wir die Benchmarks erreichen. Ich lasse gerade das Haus von einem externen Berater untersuchen: Es gibt vieles, das positiv ist, das sich sehr effizient und professionell darstellt und auch einem internationalen Vergleich standhalten kann, aber es gibt natürlich auch einen hohen Verbesserungsbedarf, denn wie in jedem Unternehmen gibt es noch Luft nach oben.

Ich darf den heute Ausgezeichneten vorweg schon einmal ganz herzlich gratulieren! Ich freue mich, dass Sie die Zeit gefunden haben, die Einreichungen vorzunehmen, denn auch das gehört dazu. Das zeigt, dass dieser Preis eine hohe Reputation hat und die Jury hervorragend ist. Jeder Preis lebt von denen, die die Beurteilungen vornehmen, in diesem Fall die Beurteilung darüber, wie die Entwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen gesehen wird und welche Programme entwickelt werden.

Ein herzliches Dankeschön an die Jury und an die auslobenden Stellen, das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, die Wirtschaftskammer Österreich und die Wirtschaftskammer Niederösterreich! Deren Präsidentin – weil ich sie gerade sehe – ist eine der Umtriebigsten in diesem Metier. Es ist ihr ein großes Anliegen, vor allem auch die Klein- und Mittelbetriebe, die einem speziellen Wettbewerb ausgesetzt sind, in ihrer Entwicklung in ganz besonderer Art und Weise zu unterstützen.

Das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft sind nun einmal diese Klein- und Mittelbetriebe, die auch in Zeiten wirtschaftlich schwieriger Situationen sehr, sehr resistent sind und hinsichtlich ihrer Mitarbeiter auch genau wissen, auf wen sie sich in solchen Zeiten verlassen können. Hire and Fire, das es in den Konzernen und in den großen Unternehmen gibt, die sehr schnell und vielleicht sogar etwas vorgezogen auf Entwicklungen reagieren, findet in den kleinen und mittleren Unternehmen nicht statt. Diese wissen ganz genau, dass sie sehr sorgsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen müssen, auch weil sie sich auf einem engeren Markt bewegen.

Ich denke, dass diese täglich gewonnene Erfahrung, die wir heute mit Ihnen auf die Bühne und vor den Vorhang holen, für uns ein ganz wertvolles Zeichen ist, um zu sehen, welche Kraft in der heimischen Wirtschaft steckt.

In diesem Sinne: Viel, viel Freude in weiterer Folge mit dem Preis, alles Gute und herzliche Gratulation!