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Rede des Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka bei der Verleihung der Ludo-Hartmann- und Barbara-Prammer-Preise

Donnerstag, 5. April 2018

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich freue mich, dass ich Sie zu einem ganz besonderen Ereignis in der besonderen Wirkungsstätte des österreichischen Parlaments im Palais Epstein begrüßen darf.

Ich begrüße in unserer Mitte herzlich die Zweite Präsidentin des Nationalrates Frau Doris Bures, den Bundespräsidenten außer Dienst und Präsidenten der Volkshochschulen Dr. Heinz Fischer, den Bürgermeisterelekt, noch Stadtrat in Wien, Dr. Ludwig, den Bundesratspräsidenten außer Dienst Herrn Hösele, unseren Parlamentsdirektor Dr. Dossi und vor allem die Preisträger, die heute diese Preise – auf der einen Seite den Ludo-Hartmann-Preis und den Ludo-Hartmann-Förderungspreis und auf der anderen Seite den Barbara-Prammer-Preis – entgegennehmen können. – Herzlich willkommen! 

Es ist, glaube ich, für das österreichische Parlament – und da darf ich als Nationalratspräsident auch im Namen des Bundesrates sprechen – eine ganz besondere Auszeichnung, Preise verleihen zu dürfen. Wir haben uns aus einem einfachen Grund vorgenommen, Partner der Wissenschaften, Partner der Künste zu sein: Wissenschafter haben ein viel höheres Sensorium dafür, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen in der Zukunft zeigen, und Wissenschafter haben auch ein höheres Sensorium dafür, was für die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung von Notwendigkeit sein könnte.

Sie haben mit Ihren Arbeiten, mit Ihren Dissertationen und mit Ihren Forschungsarbeiten, einen wesentlichen Beitrag zur geisteswissenschaftlichen Landschaft Österreichs gelegt, den wir im Namen von Ludo Hartmann auszeichnen, den Sie ja alle als den Gründer der Volkshochschulen, den Volksbildner und Gründer der Salzburger Hochschulwochen kennen. Er war ein Mann, dem es ein besonders Anliegen war, Bildung nicht mit dem Abschluss einer Schulausbildung oder einer universitären Ausbildung zu beenden, sondern sie darüber hinaus zu einem Lebensprinzip zu machen, das auch ganz wesentlich dazu angetan war, die Menschen in ihrer gesellschaftlichen Entwicklung weiterzubringen und sie zu emanzipieren. Er ist daher für uns ein großes Vorbild, und die Volkshochschulbewegung ist heute in Österreich eine Bewegung geworden, die in allen Städten und Gemeinden eine besondere Bedeutung erfahren hat. 

Ich komme selber aus einer Gemeinde mit einer ungeheuer umtriebigen und rührigen Volkshochschullandschaft, die heute aus der Bildungslandschaft gar nicht wegzudenken ist und die eine Aufgabe übernommen hat, die vielleicht unsere traditionellen Bildungseinrichtungen gar nicht mehr in dieser Form, in dieser Vielfalt, in dieser Flexibilität und schlussendlich auch in dem, was die Zeit erfordert, wahrnehmen können. 

Die Volkshochschulen sind eine Organisation geworden, die nicht nur eine Ergänzung für unsere traditionelle Bildungslandschaft darstellt, sondern in vielen Bereichen auch Vorreiter ist. Ich denke nur daran zurück, wie es im Bereich des EDV-Wesens war, als die Volkshochschulen die ersten waren, die dieses Thema aufgegriffen und in die Breite der Bevölkerung gebracht haben. Wenn wir uns heute mit vielen Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung, der Demografie, der Digitalisierung oder der Social Media auseinandersetzen, dann sind es immer die Volkshochschulen, die durch ihre Kurse und durch ihre Vorträge quasi am Puls der Zeit sind.

Dass Ludo Hartmann, der Namensgeber dieses Preises, Gründer dieser Bewegung war, ist sicherlich etwas, das die Bedeutung und den Wert Ihres Preises – und es ist nicht nur die Dotierung – noch einmal unterstreicht und doppelt auszeichnet.

Wir gedenken mit dem Barbara-Prammer-Preis einer Präsidentin von großem Format, von großem menschlichen Format. Ich komme gerade aus einer Diskussion, in der auch sie als Person Gegenstand war. Sie hat sich für das Parlament, auch für den Umbau des Parlaments, für die architektonische Gestaltung eingesetzt und wirklich dafür gelebt, hat das bis zu ihrem viel zu frühen Lebensende mit großem Respekt mitgetragen und mitbegleitet, und ihr war auch das bürgerschaftliche Element und die Beteiligung ein großes Anliegen.

So freut es mich, dass wir damit auch die Wertschätzung Ihnen gegenüber zum Ausdruck bringen können. Ich darf mich herzlich bei der Jury bedanken, die sich dieser schwierigen Aufgabe stellt, immer wieder auszuwählen und die Besten zu küren, die mit ihrer Referenz damit auch noch einmal unterstreicht, wie wertvoll Ihre Arbeit ist, und die damit auch den Namensgebern alle Ehre macht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen interessanten frühen Abend und dass Sie dann noch einige Zeit hier bei uns bleiben, damit Sie, wenn die Preisträger durch den Geschäftsführer der Volkshochschulen vorgestellt werden, auch hören, welchen Beitrag sie zu dieser Forschungslandschaft leisten. Wir werden das auch noch diskutieren, da und dort erörtern und im direkten Gespräch auch noch vertiefen.

In diesem Sinne: Herzlich willkommen und viel Freude in den nächsten Minuten bei der Vorstellung und in den kommenden Stunden!