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Rede des Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka zur Veranstaltung "Nachhaltige Baukultur: Denkmalschutz ist Klimaschutz"

Montag, 28. September 2020

Eröffnungsworte

Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Liebe Abgeordnete des Nationalrates!
Liebe Architektinnen und Architekten und Eigner denkmalgeschützter Objekte!
Liebe Interessierte!

Ich darf vorwegschicken, ich habe selbst über zehn Jahre ein Haus aus dem 16. Jahrhundert mit einem Kern aus dem 14. Jahrhundert renoviert und habe es dann, als es fertig war, unter Denkmalschutz stellen lassen, weil es doch in der Bausubstanz und geschichtlich bedeutend war. Ich habe mich damals in den Neunzigerjahren bemüht, es so zu restaurieren, dass es meinen Bedürfnissen, weniger Energie zu verbrauchen und in einer angenehmen Atmosphäre zu leben, gleichzeitig aber auch den denkmalschützerischen Anforderungen genügt.

Heute habe ich Verantwortung für eine Baustelle, die Parlament heißt – sicherlich einer der renommiertesten Bauten, die wir in Wien haben. Das brauche ich Ihnen nicht näher zu erklären, Sie wissen das alle: Es wurde von einem renommierten Architekten wirklich so umgestaltet, dass es eine ungeheuer zeitgemäße Sprache spricht und gleichzeitig unseren Anforderungen als Nutzer und auch den denkmalschützerischen Anforderungen gerecht wird. Zugleich hat es den Klimaaktiv-Goldstandard und alle Auszeichnungen bekommen, die auch von technischer Seite letzten Endes notwendig waren, wenngleich ich sagen muss, dass wir die geniale Entwurfssituation des Theophil Hansen mit seinen Lüftungssystemen, die damals keine Energie gebraucht haben, nicht wiederherstellen und erreichen konnten. Dies war schon aufgrund von Baumängeln beziehungsweise Bauschäden, die durch zwei Bombenabwürfe und durch die nachfolgenden Einbauten passiert sind, nicht möglich.

Es gibt also das Problem des Denkmalschutzes und der dementsprechenden Energieeffizienz des Hauses, des Klimaschutzes und der Frage, wie ich mein denkmalgeschütztes Haus bewirtschafte. Ich kann es ja nicht mehr nach der Sonne ausrichten oder in der Frage der Fensteröffnung beliebig vorgehen. All diese technischen Bedingungen, die wir heute beim Bauen kennen und die ökologisches Bauen sogar als Nullenergiehaus leicht möglich machen, sind beim denkmalgeschützten Objekt selten anwendbar.

Trotzdem glaube ich, dass es viele Möglichkeiten gibt, gerade dem Denkmal auch eine besondere Note zu verleihen, wenn man sich mit dieser Thematik intensiver auseinandersetzt. Ich denke, dabei stellen uns, wenn wir uns das eine oder andere ansehen, gewisse Sicherheitsbestimmungen, die aufgrund mancher Bauordnungen zu erbringen sind, vor größere Probleme. Genau wie Sie erwarte ich eine spannende Diskussion. Ich lasse mich gerne davon inspirieren, was die Experten uns aus ihrer Erfahrung mitzugeben haben, um damit auch zu zeigen, wie intensiv sich Denkmalschutz mit zeitgemäßen Erfordernissen auseinandersetzt.

Eines erscheint mir ganz wesentlich, und ich bekämpfe es, seit ich mit dem Thema verbunden bin: Es geht nicht – und das ist in der Bauordnung der meisten Länder festgeschrieben – um den Stand der Technik, sondern um die Regeln der Technik; der Stand der Technik ist heute in das Normungsinstitut ausgelagert. Es entsteht häufig die Situation, dass sich in der Planungsphase eigentlich nicht mehr reflektieren lässt, was Sie schlussendlich in der Fertigstellungsphase zu gewärtigen haben, weil sich bis zur Bauabnahme oftmals der Stand der Technik schon geändert hat. Sie wissen oft gar nichts, denn jeder, der eine dementsprechende neue technische Errungenschaft erfunden hat, kann sie durch die Önorm zu einem Stand der Technik machen, an den sich alle zu halten haben.

Diese Frage halte ich für ein wesentliches Momentum, um überhaupt leistungsgerecht und objektbezogen entsprechend den Regeln der Technik zu agieren, denn nur dann haben vor allem diejenigen, die über das Sachverständigengutachten zu urteilen haben, die Juristen, auch die Möglichkeit, in Alternativen zu denken. Das ist, glaube ich, gerade in der heutigen Zeit, angesichts der Situation, in der sich unsere Denkmäler befinden, mehr denn je eine Notwendigkeit. Ich wünsche uns allen einen sehr spannenden Abend. (Beifall.)

Schlussworte

Vielen herzlichen Dank für die Keynotes und für die Beiträge am Podium!

Ich glaube, vielen von uns ist dieses Thema sehr bewusst, aber in jeder Diskussion werden auch immer klare Notwendigkeiten für uns aufgezeigt. Es liegt nicht alles an der Gesetzgebung des Bundes – wohl das Denkmalschutzgesetz –, denn vieles ist in den Bauordnungen, in den Bautechnikverordnungen und schlussendlich auch in der Gewerbeordnung, die natürlich wiederum auch für den Bund von Relevanz ist, begründet.

Für mich ist bemerkenswert – und da liegt es an uns allen, das ins Bewusstsein zu rufen –: Historische Bauten sind per se schon einmal sehr ökologisch, weil sie durch ihre Lebensdauer, die wesentlich länger ist, als die geltende Norm sie berechnet, gezeigt haben, dass sie, wenn man eine Gesamtenergiebilanz zieht, mit jedem zeitgemäßen Haus mithalten können. Es ist auch herausgekommen – das hat Herr Pálffy sehr klar herausgearbeitet –, dass Normen für zukünftig zu bauende Häuser in Anwendung sind, die wir auch für Häuser anwenden, die vor 200 oder 400 Jahren gebaut wurden.

Wir leben ja auch nicht mehr so wie damals, als wir seinerzeit diese Häuser befüllt haben. Warum geht denn einer, der ein Riesenschloss besitzt, in das kleinste Gebäude? – Er versucht gar nicht, in der Form zu leben, wie es damals möglich war und wie es dieses Haus vielleicht erfordern würde. Das heißt, wir brauchen da auch ein neues Denken, wie und worauf wir Normen anwenden. Die Gießkanne ist bei dieser Anwendung vielleicht der wenig gute Ratgeber.

Was mit Sicherheit notwendig ist und zum Schluss von Ihnen auch angesprochen wurde, Frau Huber, ist die Frage des Wissens. Ich glaube, das betrifft alle: die Eigentümer, die Professionisten und die, die das baulich-technisch in der Bauausführung begleiten. Auch da hat das Denkmalamt massiv gelernt. Ich kann mich noch erinnern, dass mir Leute bei Kirchen, die feucht waren, vorgeschlagen haben, den Putz bis auf 3 Meter Höhe abzuschlagen, das mit einem Sperrputz zu versehen und dann wieder neu zu verputzen. Und siehe da: Die Ausblühungen, die zuvor nur den unmittelbaren Sockelbereich betroffen hatten, waren dann in 3 Meter Höhe. Das sind vor allem Erfahrungen aus der anschaulichen Arbeit, die in der Kartause Mauerbach geleistet wird. Ich kann mich noch an einen Vorgänger erinnern, der diese mit sehr viel Verve auch Baumeistern in der Provinz mitgegeben hat, wodurch manches Gute auch bei kleinen Denkmälern passiert ist. Ich denke, es ist eine notwendige Herausforderung, uns mit dem nötigen Wissen auseinanderzusetzen.

Ich habe gerade noch einmal dieses Heft durchgeblättert. Wenn Sie den Fenstertausch und die modernen Wohnanlagen betrachten, werden Sie über die kontrollierte Wohnraumlüftung informiert. Diese brauchen Sie, um das Haus nicht verschimmeln zu lassen. Das alte Doppelkastenfenster hat seinen Dienst mit Sicherheit geleistet, nur hatten wir damals einen anderen Zugang. Es wurden auch nicht alle Räumlichkeiten in dieser Form beheizt, wie wir es heute letzten Endes überall tun. Das heißt, es braucht auch eine Abstimmung auf den Nutzer und auf das Nutzungsverhalten.

Wir können die Normen nicht eins zu eins übertragen; ein Energieausweis wird in bestimmten Größendimensionen eines historischen Hauses oder einer Hausanlage keinen wesentlichen Sinn machen. Ich denke, dass wir da alle gefordert sind, die Differenzierung besser in den Griff zu bekommen.

Was angemerkt wurde, nämlich die Frage des Haftungsrechtes anzugehen, ist bereits in Überlegung und Bearbeitung, um wirklich – so wie in anderen Ländern – nur nach grob fahrlässigem Handeln eine Haftung geltend zu machen und nicht so quasi die mangelnde Eigenverantwortung schon zum haftungsrechtlichen Tatbestand für den Eigentümer oder für den, der die Benutzungsberechtigung ausgestellt hat, zu machen. Da gibt es Initiativen, auch des Parlaments, die bei uns in der Gesetzgebung durchaus bereits in Überlegung sind.

Ich denke, dass dieser heutige frühe Abend oder späte Nachmittag uns doch wieder einige Anregungen mitgegeben hat. Frau Harmer, herzlichen Dank für die moderative Begleitung. Es ist nicht depressiv, sondern im Gegenteil: Uns allen sind das Kulturgut auf der einen und die Nachhaltigkeit und der ökologische Fußabdruck auf der anderen Seite ein ganz großes Anliegen. Wenn diese übereinstimmen, können wir vernünftig vorangehen und mit dem richtigen Augenmaß wieder einen Schritt weiter tun. In diesem Sinne: vielen herzlichen Dank! (Beifall.)