RN/54

13.06

Bundesrat Mag. Bernhard Ruf (ÖVP, Oberösterreich): Danke vielmals. – Geschätztes neues, junges und dynamisches Präsidium, dem ich alles Gute und eine glückliche Hand für die Funktionsperiode wünsche! Ihr seid ja, glaube ich, das jüngste Präsidium aller Zeiten: Durchschnittsalter 44 Jahre, habe ich ausgerechnet. (Heiterkeit bei der ÖVP.)

Werter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Verehrte Zuschauerinnen und Zuschauer, ob freiwillig oder unfreiwillig hier im Saal und vor den Bildschirmen! Jetzt passiert schon wieder etwas, und zwar ein wichtiger Gesetzentwurf auch den Bundesrat. Jetzt geht schon wieder etwas weiter, jetzt liefert diese Volksregierung schon wieder, natürlich zum Leidwesen beziehungsweise Neidwesen und zur Aufregung der selbst verschuldet regierungsverantwortungslosen FPÖ und ihres Volkskraxlers. (Beifall bei der ÖVP.)

In diesem zu beschließenden Gesetzentwurf werden Dinge angepackt, die für eine bessere Integration, für eine bessere Lehrerausbildung und für eine einfachere, weniger bürokratische und damit auch bessere Schule notwendig sind.

Zu Punkt 1, bessere Integration: Die deutsche Sprache ist Voraussetzung für Lernerfolg – da sind wir uns ja einig –, für Teilhabe und für die Bildungslaufbahn, und deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass mit der verpflichtenden Sommerschule für außerordentliche Schülerinnen und Schüler und mit der Autonomie für die Deutschförderung vor Ort weitere gute Dinge auf den Weg gebracht werden. Dass flexiblere Gruppen und Fördermaßnahmen parallel zum Regelunterricht ermöglicht werden, ohne die Mindeststandards der Deutschförderklassen aufzugeben, ist echte Autonomie; das ist bedarfsorientierte Gesetzgebung, das ist Fortschritt. (Beifall bei der ÖVP und bei Mitgliedern des Bundesrates von der SPÖ.)

Vor dem Schulanfang die nicht ausreichend Deutsch sprechenden Kinder in die Schule zu holen und ihnen mit qualifiziertem Personal unter die Arme zu greifen, ist eine wichtige Integrationsmaßnahme. Ich bitte allerdings nur darum, dass es bei diesen Schritten noch Begleitmaßnahmen für den weniger dicht besiedelten ländlichen Raum gibt, damit der zurückzulegende Schulweg von allen Sommerschülern bewältigt werden kann. (Beifall des Bundesrates Tiefnig [ÖVP/OÖ].)

Begrüßenswert ist auch die Reduzierung der Mika-D-Prüfung auf eine Testung pro Schuljahr. Das bedeutet nämlich weniger Bürokratie und deshalb auch mehr Zeit zum Fördern.

Zum Punkt 2, bessere Ausbildung der Lehrenden: Das Ermöglichen von mehr Teilhabe der Praktikanten im Zuge des Lehramtsstudiums am gesamten Schulleben erachte ich als gut und notwendig. Es ist gut, zu wissen und zu erfahren, was denn im Schulalltag neben dem Unterricht und dem Lehrauftrag noch so alles auf einen zukommt: Konferenzen, Elterngespräche. Das alles sind wertvolle Erfahrungen, die für die Berufsausübung von großem Vorteil sind.

Damit zum Punkt 3, bessere Schule durch weniger Bürokratie: Den Wegfall einer Mika-D-Prüfung jährlich habe ich bereits angesprochen und lobend erwähnt. Die Erleichterung von Ersatzterminen für die Reifeprüfung bei Notfällen, wie etwa nach dem bedauerlichen Amoklauf in Graz oder nach Naturkatastrophen, halte ich für genauso sinnvoll wie die Vereinfachung der Abhaltung und Genehmigung von schulbezogenen Veranstaltungen, wie etwa dem Wettbewerb Känguru der Mathematik.

Summa summarum ist dieses Paket ein weiterer Schritt zu einer effizienteren und besseren Schule und hilft denen, die täglich hervorragende Arbeit in unseren Bildungseinrichtungen leisten – den Direktorinnen und Direktoren, den Lehrerinnen und Lehrern, allen Pädagoginnen und Pädagogen, denen unser riesiges Dankeschön gilt. (Beifall bei ÖVP und SPÖ sowie der Bundesrätin Deutsch [NEOS/W].)

Ich kann aber nicht umhin, wie manche Vorredner heute ein bisschen vom Thema abzuschweifen und mich hier auch als Lateinprofessor zu Wort zu melden. (Heiterkeit bei den Grünen sowie Heiterkeit und Beifall bei der ÖVP.) Ihre Pläne, Herr Minister, vermeintlich Altes aus den Lehrplänen zu streichen beziehungsweise zu kürzen, um Platz für modische Medienerziehung zu schaffen, halte ich für äußerst kurzsichtig und gefährlich. 

Gerade der Lateinunterricht, den nicht einmal 5 Prozent der Schüler genießen, hat sich in den letzten Jahrzehnten aus der permanenten Existenz- und Sinnfrage heraus dermaßen modernisiert, dass er die jungen Menschen wie kein anderes Fach auf die ewig gleichen Gefahren der Manipulation, der Desinformation sowie das dadurch geforderte Hinterfragen und die notwendige Kritikfähigkeit vorbereitet. Explizit schaffen es Module wie Politik und Rhetorik oder Rhetorik, Propaganda und Manipulation im Lateinunterricht, die jungen Leute zum Beispiel vor Großmannssucht zu warnen, die sich im „bello Gallico“ des Cäsar – eigentlich Kaisars – genauso findet wie heutzutage in den Wortmeldungen des Donald Trump, der sich ja auch gerne als Kaiser sehen würde – auf seinem eigenen Kanal Truth Social. Der schleichende Übergang von der Demokratie zum Kaiserreich im alten Rom sollte uns genauso Warnung sein wie die Morde an ungeliebten politischen Mitbewerbern und der Untergang eines riesigen Reiches durch detailverliebte Dekadenz. 

Die rhetorischen Stilmittel der Antike sind dieselben, mit denen Influencer und politische Parteien heute die Menschen zu verführen probieren, ganz zu schweigen von den etymologischen Verbindungen zwischen einst und heute. Artificial Intelligence ist ein rein auf Latein basierender Ausdruck, genauso wie etwa Toast oder Computer, und auch wenn die Lingua franca derzeit das Englische ist, so kommen ihre vor allem wissenschaftlichen Ausdrücke durch die Bank aus den antiken Sprachen. 

Eine Frage, die unlängst der Journalist Bernhard Gmeiner im Standard gestellt hat, möchte ich Ihnen noch einmal mitgeben: „Um Raum für das neue KI-Fach zu schaffen, werden Latein und die zweite lebende Fremdsprache gekürzt, also ausgerechnet jene Fächer, die sprachliche Präzision, strukturelles Denken und differenziertes Vokabular trainieren. Gleichzeitig wissen wir, dass die Qualität von KI-Outputs (und auch deren kritische Begutachtung) massiv von genau diesen sprachlichen Kompetenzen abhängt. Wer präzise formulieren kann, bekommt bessere Ergebnisse. Entsteht hier nicht ein Paradoxon?“ – Zitat Ende. (Beifall bei der ÖVP. – Ruf bei der ÖVP: Bravo!)

Ich bezeichne Latein immer als sprachlichen Sezierkurs. Am toten Objekt wird das Lebendige durchleuchtet, verstanden und begriffen. Deshalb bitte ich Sie: Schützen Sie die wahren sprachlichen Doktoren; besinnen Sie sich Ihrer Wurzel! Ihr Gymnasium führt übrigens gerade die Carmina Burana von Carl Orff im Großen Festspielhaus auf – lauter grandiose Texte, nicht alle jugendfrei (Heiterkeit bei der ÖVP sowie des Bundesministers Wiederkehr) –, in der ganzen Bandbreite der lateinischen Sprache. Ich ersuche Sie daher: Kürzen Sie nicht die Kompetenzen, die wir in dieser unserer disruptiven Gegenwart mehr denn je brauchen, und machen Sie nicht den Fehler, Medien zum Inhalt zu machen! Das wäre nämlich so, als würde man Zeitungen nur zum Anheizen verwenden. (Heiterkeit bei der ÖVP. – Bundesrat Himmer [ÖVP/W]: Wäre manchmal besser!)

Ceterum censeo linguam latinam esse defendam. – Danke. (Heiterkeit und Beifall bei der ÖVP und Beifall bei der SPÖ sowie der Bundesrätin Deutsch [NEOS/W]. – Bundesrat Ruf [ÖVP/OÖ] begibt sich zur Regierungsbank und reicht Bundesminister Wiederkehr die Hand.)

13.14

Vizepräsidentin Mag. Christine Schwarz-Fuchs: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Mag.a Daniela Gruber-Pruner. Ich erteile dieses.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.