RN/39
12.46
Bundesrätin Antonia Herunter (ÖVP, Steiermark): Danke, Frau Vizepräsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe mir gedacht, wir haben heute auch durchaus schon ein paar hitzige Debatten gehabt. Dabei ist auch immer wieder das Wort Kompetenz gefallen. Ich selber kann für mich jedenfalls auch schlichtweg aufgrund meines Alters eine Kompetenz auf meine Fahnen schreiben, das sind so Geschichten, die im Internet passieren. Ich habe mir gedacht, um vielleicht die Stimmung ein bisschen aufzulockern, bringe ich eine Geschichte zu diesem Tagesordnungspunkt mit, die letztes Jahr im Februar viral gegangen ist – wie man so schön sagt.
Damals hat es an der Küste von Teneriffa einen Anglerfisch gegeben – das natürliche Habitat ist normalerweise circa in 2 000 Meter Tiefe –, der an die Oberfläche geschwommen ist. Den haben Forscher entdeckt und dieses Video dann im Internet geteilt. Das hat Menschen fasziniert: Warum schwimmt der an die Oberfläche? Möchte der einmal einfach über die Wasseroberfläche hinausschauen, einmal im Leben die Sonne sehen? Es hat dann auch einige Geschichten dazu gegeben. Das ist vielleicht jetzt der Stimmungskiller: Das Tier war verletzt und ist kurze Zeit darauf auch verendet, was dann die Menschen wieder mitgenommen hat.
Aber man sieht, wir haben einen Wissensdurst, wenn es um die Dinge geht, die sich auch noch in unseren Weltmeeren verbergen, und die Forschung konnte diesen Wissensdurst bis jetzt noch nicht vollkommen stillen.
Wenn man sich das bis zum Marianengraben anschaut, gibt es noch einiges zu entdecken. Deshalb ist Forschung, glaube ich, bei diesem Abkommen auch ein ganz wesentliches Stichwort, denn mit dem UN-Abkommen schützt man quasi den Boden oder das Wasser, auf dem Wissenschaft und Forschung in der Hochsee passieren können. Da geht es nicht nur um Meereslebewesen wie diesen Anglerfisch, da geht es auch um Bodenschätze, um Rohstoffe, die sehr wohl auch für Österreich relevant sein können.
Ich selbst bin Jägerin. Das hat jetzt mit der Hochsee relativ wenig zu tun. Wenn man nicht bei der bayerischen Polizei ist, hat man auch keine Zusammenstöße mit Fischen dieser Art, aber als Jägerin entwickelt man sehr wohl ein gutes Gefühl für Ökosysteme und Nachhaltigkeit.
Wenn es um Weltmeere geht, dann ist das für Österreich nicht einfach so, dass man sagt, das ist der sprichwörtliche Sack Reis, der irgendwo umgefallen ist – das geht mich nichts an –, sondern es geht um 70 Prozent der Erde, die Wasseroberfläche sind, und 40 Prozent der gesamten Welt sind als Hohe See von keinem Abkommen abgedeckt.
Nicht umsonst ist auch der Schutz des Lebens unter Wasser eines der 17 Sustainable Development Goals, auf die sich 2015 alle UNO-Mitgliedstaaten – also nicht nur die 60, die jetzt bei diesem Abkommen dabei sind, sondern alle UNO-Mitgliedstaaten – geeinigt haben.
Wir haben gesehen, in der Natur gibt es keine Festungen. Sie besteht aus Systemen, die normal ineinandergreifen, und es ist dann schön, wenn in der Art von diesem Abkommen nicht nur die natürlichen Systeme, sondern auch die von Menschen gemachten Systeme ineinandergreifen.
Natürlich braucht es dafür auch ein Sekretariat, um dieses Abkommen mit Leben zu füllen, und ich glaube, als Österreich tun wir uns da keinen Gefallen, wenn wir uns zu weit aus dem Fenster lehnen. Wir haben selber einen UNO-Standort in Wien mit Tausenden Arbeitsplätzen, die sich um viele internationale Abkommen kümmern und diese mit Leben füllen.
Das Übereinkommen regelt eben über kurz oder lang ganz klar den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Meereslebewesen. Die Forschung und Wissenschaft auf Hoher See soll gestärkt werden, und Umweltverträglichkeitsprüfungen bei Aktivitäten auf Hoher See und beim Abbau von Bodenschätzen sollen Ökosysteme schützen.
Die Natur, deren Teil ja auch wir sind, hört nicht an der Staatsgrenze auf wundersame Art und Weise auf. Die Hohe See als solche gehört auch zu keinem nationalstaatlichen Gebiet und damit gehört sie uns allen. Deshalb muss es für uns selbstverständlich sein, dass Österreich sich international einbringt, und die Artenvielfalt unseres schönen Planeten – ich möchte fast sagen, die gesamte Schöpfung – zu schützen, muss uns allen ein Anliegen sein. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP, bei Mitgliedern des Bundesrates von der SPÖ sowie der Bundesrätin Kittl [Grüne/W].)
12.50
Vizepräsidentin Mag. Christine Schwarz-Fuchs: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Mag. Stephan Auer-Stüger. Ich erteile dieses.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.