RN/108

19.55

Bundesrätin MMag. Elisabeth Kittl, BA (Grüne, Wien): Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Liebe Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher:innen vor den Bildschirmen! In vielen europäischen Museen stehen viele Vitrinen, deren Inhalte nicht bloße Kunst oder bloßes Eigentum sind, sondern weit mehr: Sie sind Gegenstände, die Zeugnis von Identität, von Religion, von Kultur abgeben und auch sehr oft großen symbolischen Wert haben. 

Manche Objekte kommen von sehr weit her und tragen die Geschichte und das kulturelle Gedächtnis einer weit entfernten Gesellschaft in sich, manche von ihnen leider eine Geschichte von Gewalt, Ausbeutung und kolonialer Aneignung

Auch in Österreich finden sich solche Vitrinen mit Objekten von höchst fragwürdiger Herkunft. Zwar war unser Land keine klassische Kolonialmacht wie etwa Großbritannien oder Frankreich, aber auch Österreich hat Expeditionen betrieben, und Sammler:innen und Händler:innen waren Teil eines Systems, das Kulturgüter aus vielen Teilen der Welt nach Europa brachte – und das zu oft höchst fragwürdigen und ausbeuterischen Praktiken. Viele dieser Stücke landeten in Museen, in Österreich zumeist im Weltmuseum in Wien. 

Wenn aber solche Objekte Tausende Kilometer entfernt hinter Glas stehen, dann ist das für die Gesellschaft, aus der das Objekt stammt und unrechtmäßig entwendet wurde, so, als würde ein Kapitel ihrer eigenen Geschichte fehlen. Deshalb ist Kulturrückgabe keine Geste der Großzügigkeit, sondern eine Geste der Verantwortungsübernahme, der Gerechtigkeit, der Würde und des Respekts. 

Andere Länder haben das bereits erkannt, wie zum Beispiel Deutschland, das die Benin-Bronzen – das war sehr lange und sehr viel in den Medien – aus Nigeria bereits zurückgegeben hat, beziehungsweise – und ich finde, auch das ist ein guter Weg – Teile dieser Benin-Bronzen nun Leihgaben von Nigeria an deutsche Museen sind. Damit ist die rechtmäßige Verfügungsmacht wiederhergestellt, und das ist gut so, denn es ist ein wichtiger Schritt in der Anerkennung kolonialen Unrechts. 

Transparenz, Provenienzforschung, faire Rückgaben auf Augenhöhe und Kooperation müssen auch Teil einer modernen Kulturpolitik sein. Das bedeutet einerseits, unsere Vergangenheit ehrlich anzusehen, und andererseits, gleichwertige Partnerschaften aufzubauen. Es bedeutet jedenfalls nicht, sich mit Relikten einer ungleichen Vergangenheit zu schmücken. Ich erinnere an die Krone des Moctezumas, die im Weltmuseum für Besucherströme sorgt, aber für Mexiko ein fehlendes identitätsstiftendes Kulturgut ist, oder auch an die Benin-Bronzen aus Nigeria, die sich bei uns im Weltmuseum befinden, wobei es da, glaube ich, schon einen relativ guten Austauschprozess mit Nigeria gibt.

Ich glaube nicht, dass heute für diese Objekte, für diese Kulturgüter eine Einfuhrgenehmigung erteilt werden würde. Daher, denke ich, haben Sie auch bei uns nichts verloren, denn ein Museum darf kein Tresor der kolonialen Vergangenheit sein, sondern muss ein Ort des Wissens sein, der auch der Aufarbeitung kolonialen Unrechts dient. – Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen.) 

19.59

Vizepräsident Daniel Schmid: Zu Wort gemeldet hat sich Frau Staatssekretärin MMag.Michaela Schmidt. Ich erteile dieses. 

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.