11.00
Bundesrätin Viktoria Hutter (ÖVP, Niederösterreich): Danke sehr, sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren hier im Saal und zu Hause vor den Bildschirmen! Wir diskutieren heute über eine Gesetzesänderung, deren Ziel es ist, den Anteil von Frauen in Leitungsfunktionen börsennotierter Gesellschaften auf 40 Prozent zu erhöhen. Kaum fällt das Stichwort Quote, wird reflexartig ein bestimmtes Bild gezeichnet, das Bild einer sogenannten Quotenfrau, einer Frau, der unterstellt wird, nicht ausreichend qualifiziert zu sein und eine Position nicht aufgrund ihrer Leistung, sondern allein aufgrund ihres Geschlechts zu erhalten. Ebenso reflexartig melden sich dann Stimmen, die sagen: Ich habe es aber auch ohne Quote geschafft, allein durch meine Qualifikation und Leistung! – Ja, Gott sei Dank gibt es auch solche. Diese Leistung will und soll auch niemand schmälern, das meine ich wirklich ernst – meine Höchstachtung davor! (Beifall bei der ÖVP.)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich eines klar sagen: Mir wäre es auch definitiv lieber, wenn wir als Gesellschaft bereits so weit wären, dass wir keine Quoten mehr bräuchten, wenn Frauen und Männer selbstverständlich gleich bewertet werden würden, wenn Frauen nicht mehr mit der Frage konfrontiert wären: Planen Sie in der nächsten Zeit Kinder?, wenn in Gremien genauso viele qualifizierte Frauen wie Männer vertreten wären und wir uns diese Diskussion heute und für immer schlichtweg sparen könnten. Doch die Realität ist leider eine andere: Frauen werden nach wie vor viel seltener in entscheidende Gremien berufen, sie werden bei Besetzungen noch immer benachteiligt, und – das gehört leider auch zur Wahrheit, das müssen wir Frauen uns eingestehen – die falsche Bescheidenheit, die wir leider sehr oft oder allzu oft an den Tag legen, ist hier auch fehl am Platz. Viele Frauen trauen sich oft weniger zu und müssen einfach häufiger ermutigt werden.
Das sind Fakten. Das sind Fakten, vor denen wir die Augen verschließen können oder denen wir aktiv begegnen können. Ich entscheide mich für Letzteres.
Zahlreiche Studien, Frau Kollegin Jäckel, zeigen zudem, dass es bewiesen ist, dass divers besetzte Gremien wirtschaftlich erfolgreicher sind.
Abschließend möchte ich eines betonen: Es gibt ausreichend qualifizierte Frauen, die bereit sind, Verantwortung in Aufsichtsräten und Führungspositionen zu übernehmen. Wir sind es nur leider gewohnt, immer zuerst an die Männer zu denken. Vielleicht könnte die FPÖ ja zustimmen, wenn wir eine Männerquote einführen, sagen wir fürs Erste 60 Prozent. (Heiterkeit bei der ÖVP.) Und sollte es wie überall einmal zu einer Fehlbesetzung kommen, unabhängig davon, ob jetzt eine Frau oder ein Mann „fehlbesetzt“ – unter Anführungszeichen – wird, dann, bin ich mir sicher, wird dieser Fehler nicht sehr lange bestehen bleiben und rasch korrigiert werden.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, vor allem die Herren, haben Sie also keine Angst davor, Kolleginnen zu bekommen! (Beifall und Heiterkeit bei der ÖVP sowie Beifall bei Mitgliedern des Bundesrates von der SPÖ.)
11.04
Vizepräsident Daniel Schmid: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Andreas Arthur Spanring. Ich erteile ihm dieses.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.