11.12
Bundesrätin Mag. Bernadette Kerschler (SPÖ, Steiermark): Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat! Liebe Zuhörende hier im Saal und an den Endgeräten! Jetzt haben wir sehr viel zur Quote, zur Gleichstellung gehört und zu der Frage: Braucht es diese Quoten überhaupt? – Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Bundesregierung auf Basis der Realität agiert und nicht auf Basis naiver Lebensvorstellungen. (Beifall bei der SPÖ.)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich werde heuer 52 Jahre alt, und ich muss jetzt einmal ein bisschen aus meinem Leben erzählen: Mit 18 Jahren, kurz vor der Matura und bevor ich ins Studium gegangen bin, dachte ich: Es braucht keine Quoten. Ich bin sehr gut qualifiziert, ich bin gut geeignet für das Leben, standfest, mutig und kann kämpfen, also wozu Quoten? Ich bin leistungsstark, ich werde mich gut durchkämpfen und ich habe alle Chancen dieser Welt!
Irgendwann habe ich dann gemerkt: Uch, das wird nicht so einfach in diesem Leben; irgendetwas funktioniert da nicht so, als Frau hast du dann doch gewisse Hemmnisse! – Es hat schon auf der Uni angefangen und es hat sich so durchgezogen in meinem Leben.
Ich finde es großartig, wenn viele Frauen es ohne Quoten schaffen, aber ich weiß, ich bin ein sehr, sehr leistungsbezogener Mensch, ich habe ein schwieriges Studium abgeschlossen, ich bin in Einsatzorganisationen, ich mache ganz viel, aber, so wie hier: Ich muss mich schon wieder rechtfertigen, dass ich das alles mache, dass ich das alles kann! Und: Es gibt eine Kombination aus Leistung und Quoten! Wir müssen nicht sagen, dass die Frau Ministerin aufgrund ihrer Leistung oder aufgrund einer Quote in diese Position gekommen ist, es gibt eine Kombination aus dem Ganzen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, wie es schon mehrfach angesprochen worden ist: Warum müssen wir das immer rechtfertigen? Warum heißt es bei den Frauen immer: Bist du eine Quotenfrau oder kannst du etwas? – Was soll das? So funktioniert das Leben einfach nicht.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben Verantwortung für alle Menschen in diesem Land, und diese Verantwortung schließt auch ein, dass die besten Köpfe in die Positionen kommen. Und wenn es jetzt eine Gruppe von Menschen gibt, die aufgrund von Daten und Fakten benachteiligt ist – und das sehen wir, Frauen sind sehr gut ausgebildet, Frauen können Großartiges leisten und sie sind in vielen Positionen nicht so gut vertreten –, dann heißt das: Wir haben Verantwortung, dass sie eine Möglichkeit haben, in diese Positionen zu kommen, und deshalb müssen wir diese Quoten hier schaffen.
Wenn jetzt ein Mann oder eine Frau für diese Position nicht geeignet ist, ja dann, bitte sehr, welches Unternehmen lässt diese Person dann lange in dieser Position? Bitte, das sagt mir doch der Hausverstand, dass das nicht so sein wird und diese Person, egal welchen Geschlechts, sich nicht lange in der Position wird halten können. Das sagen ja bitte schon der Hausverstand und das ganze wirtschaftliche Gefüge. Dann wird man nicht lange in dieser Position bleiben können, egal ob das in der Politik oder in der Wirtschaft ist, das wäre ja nicht sehr klug.
Je bunter ein Team, desto besser, wir haben es gehört: Angeblich haben Frauen bessere soziale Eigenschaften, sie sind nicht so stark – okay, ich meine, ich bin auch aktive Feuerwehrfrau, aber ja, auch da braucht man andere Eigenschaften. Ich weiß nicht, ob alle Männer unter Ihnen bei einer Einsatzorganisation sind, aber auch dort braucht man andere Eigenschaften, muss mit Menschen reden können, muss auf sie zugehen können, muss Prozesse ordnen können – ja; und deshalb: Je bunter ein Team, desto besser, denn dann werden alle Eigenschaften eingebracht, in einer Fraktion, in einer Einsatzorganisation, in einem Führungsgremium, in einem Unternehmen.
Deshalb ist es gut so, wenn ein Team gemischt ist, auch wenn ein Führungsteam gemischt ist, und deshalb bitte ich Sie herzlich, dem zuzustimmen. – Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und ÖVP sowie der Bundesrätin Deutsch [NEOS/W].)
11.17
Vizepräsident Daniel Schmid: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Mag. Harald Himmer. Ich erteile ihm dieses.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.