RN/135

20.20

Bundesrätin Simone Jagl (Grüne, Niederösterreich): Danke schön, Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Herren Minister! Vielleicht noch Zusehende zu Hause vor den Bildschirmen! Die Novelle finden wir jetzt auch nicht so wahnsinnig rasend aufregend, aber, Kollegin Jäckel – ich weiß jetzt nicht den genauen Wortlaut, den Sie verwendet haben, aber irgendwas in die Richtung „bildungspolitische Irrfahrt“ –, diese Novelle als „bildungspolitische Irrfahrt“ zu bezeichnen, ist eine Übertreibung besonderen Ausmaßes.

Ich habe es hier schon einmal gesagt: Ich hatte wirklich große Hoffnung (in Richtung Bundesminister Wiederkehr) in Sie, in Ihre Verantwortung als Bildungsminister, dass sich in unserem Bildungssystem endlich etwas weiterbewegt. Angekündigt haben Sie einen Aufbruch, geliefert wird hier heute mit dieser Novelle bestenfalls ein Update. Jetzt haben wir hier wieder so ein kleines Novellchen, und in Wahrheit ist das wenig mehr als eine Umetikettierung. Hier wird als großer Wurf verkauft, was einfach nur eine Weiterentwicklung einer Maßnahme ist, die wir erst unlängst eingeführt haben.

Worum geht es genau? – Darum, dass Lehrerinnen und Lehrer in Österreich, die tagtäglich teilweise wirklich Übermenschliches leisten und unsere Kinder und Jugendlichen im Rahmen dessen, was unser Schulsystem hergibt, bestmöglich begleiten. Was das heißt, kann man wirklich nicht oft genug betonen, und ich möchte mich hier an dieser Stelle wieder einmal ganz herzlich bei unseren Lehrerinnen und Lehrern bedanken. (Beifall bei Mitgliedern des Bundesrates von der ÖVP sowie der Bundesrätinnen Kittl [Grüne/W] und Deutsch [NEOS/W].)

Was aber oft übersehen wird, ist, dass manchmal auch die Direktorinnen und Direktoren wahre Zauberkünstler:innen sein müssen. Sie leisten Management ohne Managementstrukturen. Sie administrieren, sie leiten, sie lenken, sie verhandeln oft mit den finanzierenden Stellen um jedes Blatt Papier, das sie zusätzlich verwenden möchten. Für Klassenlektüren müssen sie sich oft an den Elternverein wenden und um Unterstützung bitten. Sie vermitteln zwischen Lehrerinnen und Lehrern und Eltern. Sie schaffen es, zu Beginn jedes Schuljahres wundersamerweise einen Stundenplan aus dem Hut zu zaubern. Eine von mir sehr geschätzte Direktorin hat erst unlängst zu mir gesagt: Im Prinzip geht es eigentlich nur darum, alle Bälle irgendwie in der Luft zu halten. 

Sie haben und hatten lange Zeit viel zu wenig Unterstützung, waren für all diese Dinge zuständig, mussten vieles alleine managen, und um jede Stunde Unterstützung für die Verwaltungsarbeit mussten sie feilschen und ringen. Dann haben wir die pädagogisch-administrativen Fachkräfte eingeführt – das war schon eine nicht unwesentliche Erleichterung und Unterstützung – und dieses Konzept soll jetzt quasi weiterentwickelt werden. Dabei wird es umbenannt in mittleres Management – das klingt vielleicht moderner, vielleicht ein bisschen mehr nach NEOS. Es geht dabei darum, Lehrerinnen und Lehrer, aber auch insbesondere Schulleitungen weiter zu entlasten und Aufgaben in den Schulen besser zu verteilen. Es wird ermöglicht, dass diese Aufgaben von nun an auf vier Personen aufgeteilt werden können, und das ist gut so. Gut finden wir auch, dass größere Schulen dafür mehr Ressourcen bekommen. Es ist halt eine Weiterentwicklung in einem sehr überschaubaren Maß, denn es wäre noch deutlich mehr möglich gewesen.

Ja, es braucht für diese Aufgabe pädagogische Kompetenzen. Dafür muss man aber unserer Meinung nach nicht unbedingt Lehramt studiert haben. Eine Ausweitung auf Pädagoginnen und Pädagogen, die eben nicht Lehramt studiert haben, wäre unserer Meinung nach sinnvoll. 

Lieber Herr Minister, wie gesagt, ich hatte wirklich große Hoffnungen in Sie – habe ich immer noch –, aber die Frage ist schon: Wo bleiben die großen Würfe? Wo bleibt die große Bildungsreform? Ich bin ein prinzipiell sehr positiver Mensch und lasse mir meine Hoffnung nicht leicht nehmen, aber wo bleiben die großen Würfe, wo bleibt die Bildungsreform?

Mit so einem kleinen Novellchen wie mit diesem hier wird das mit dem großen Umbau des Bildungssystems noch länger dauern und möglicherweise länger, als Sie beziehungsweise die NEOS für Bildung zuständig sind. Es wäre schön, wenn es ein bisschen rascher ginge. – Vielen Dank! (Beifall bei Mitgliedern des Bundesrates von der ÖVP sowie der Bundesrätin Kittl [Grüne/W].)

20.25

Vizepräsident Daniel Schmid: Als Nächste ist Frau Bundesrätin Mag. Dr. Julia Deutsch zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihr.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.