RN/136

20.25

Bundesrätin Mag. Dr. Julia Deutsch (NEOS, Wien): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Geschätzte Herren Minister – Sie sind ja schon beide da! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher, sollten Sie noch Ihren Weg in den Livestream gefunden haben! Wie ist Schule organisiert und wie gut kann sie unter den aktuellen Rahmenbedingungen funktionieren? Das ist die Frage, die wir uns stellen müssen, wenn wir heute hier über diese Dienstrechtsnovelle sprechen. 

Eines ist klar: Die Anforderungen an den Schulen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Im Schulalltag kommt einfach immer mehr dazu: unterschiedlichere Klassen, mehr organisatorische Aufgaben, mehr Abstimmung im Team und mehr Kontakt mit den Eltern. Gleichzeitig sind die Strukturen vieler Pflichtschulen ja gleich geblieben. Eine Schulleitung muss irrsinnig viele Aufgaben gleichzeitig stemmen, und das oft ohne ausreichende Unterstützung. Sie muss gleichzeitig Personal organisieren, mit Eltern sprechen, organisatorische Fragen klären und nebenbei quasi auch noch die Schule weiterentwickeln.

Mit diesem mittleren Management, über das wir heute sprechen, wird erstmals eine strukturierte Unterstützung innerhalb der Schule selbst geschaffen. Der Sinn und Zweck dahinter ist nicht, eine neue Hierarchie zu schaffen, sondern praktisch und faktisch zu entlasten. Lehrpersonen übernehmen klar definierte Aufgaben in der Organisation, in der Koordination und auch in der Schulentwicklung und bekommen dafür notwendige zeitliche Entlastung. 

Dabei möchte ich unterstreichen: Viele dieser Aufgaben werden schon jetzt erledigt. Das sind ganz konkrete Dinge: Wer organisiert kurzfristig den Supplierplan, wenn jemand krank wird? Wer koordiniert ein Projekt über mehrere Klassen hinweg? Wer ist Ansprechpartner für die Eltern bei organisatorischen Fragen? Das ist Arbeit, die schon längst anfällt, nur heute oft ungeordnet, zusätzlich und zulasten jener, die sie aktuell nebenbei übernehmen. Mit diesem mittleren Management wird diese Arbeit sichtbar und planbar.

Nun habe ich die Kritik von der grünen Kollegin vernommen. Ich wage zu sagen, dass das kein Etikettenschwindel ist, was Sie uns hier ein bisschen vorwerfen, nicht diese Reform. Etikettenschwindel ist, so zu tun, als könnten die Schulen ohne klare Zuständigkeiten und ohne mehr Ordnung besser arbeiten – dieser Vorwurf kam aber nicht von Ihnen, das möchte ich auch klarstellen. Ich glaube, dass diese Reform deshalb sehr, sehr wichtig ist.

Aber was heißt das jetzt konkret? – Also konkret kann die Schulleitung, abhängig von der Größe des Standorts, bis zu vier Lehrpersonen bestimmte Aufgaben übertragen. Diese Aufgaben können sehr unterschiedlich sein. Das kann die Koordination von Fachbereichen sein, das kann die Organisation schulischer Abläufe sein oder es können auch Beiträge zur weiteren Schulentwicklung sein. Entscheidend ist dabei auch die konkrete Ausgestaltung. Die passiert am Standort selbst, im Sinne der Schulautonomie; denn keine Schule ist wie die andere, und genau deshalb braucht es Lösungen, die vor Ort entschieden werden können.

Außerdem bedeutet das aber auch: Die Schulleitungen bekommen mehr Unterstützung in der Organisation und sie können sich deshalb auch stärker auf ihre eigene Führungsaufgabe, die ja eigentlich eh schon mehr als genug Aufwand bedeutet, konzentrieren. Die Lehrkräfte werden dort entlastet, wo viel administrative Arbeit anfällt. Am Ende geht es ja auch genau darum. Wir brauchen mehr Zeit für das, was die Schule eigentlich leisten soll. Und was ist das? – Das ist guter Unterricht und gute Betreuung der Schülerinnen und Schüler.

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt, den ich ganz kurz hervorheben möchte, den ich auch interessant finde: Die Lehrpersonen bekommen letztendlich die Möglichkeit, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen und damit Führungserfahrung zu sammeln und sich weiterzuentwickeln. Das macht diesen Beruf vielfältiger und damit langfristig auch attraktiver. 

Ja, hier werden ganz bewusst Mittel investiert, das sind rund 20 Millionen Euro jährlich; aber wer bei Bildung spart, der zahlt am Ende drauf, und genau das wollen wir vermeiden. 

In vielen anderen Ländern ist eine solche Struktur übrigens schon längst etabliert, längst Standard, und Österreich zieht hier eigentlich eher nach, als dass wir etwas völlig Neues erfinden. 

Deswegen finde ich es irrsinnig gut, dass wir diesen Schritt gehen, denn wer will, dass Schule im Alltag gut funktioniert oder besser funktioniert, muss auch die Strukturen dafür schaffen. Genau das wird damit getan, und deshalb stimme ich heute hier auch zu. – Vielen Dank.

20.30

Vizepräsident Daniel Schmid: Zu Wort gemeldet hat sich Herr Bundesminister für Bildung Christoph Wiederkehr. Ich erteile dieses. 

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.