RN/137

20.30

Bundesminister für Bildung Christoph Wiederkehr, MA: Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Mitglieder des Bundesrates! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin sehr froh, dass es hier im Bundesrat ein gemeinsames Verständnis gibt, dass Bildung in unserer Gesellschaft einen hohen Wert hat und das Fundament für unsere gesellschaftliche Entwicklung ist. 

Eine gute Schule ist immer nur so gut, wie sie geleitet wird, denn die Führung hat eine wichtige Bedeutung in jeder Organisation und so auch in der Schule. Da geht es um die Frage der Schulkultur, da geht es um Fragen der Unterrichtsqualität, aber genauso der guten Organisation einer Schule. Da benötigt es zusätzliche Unterstützung für die Aufgaben der Direktorinnen und Direktoren in der Führung in ihrer Schule. 

In den letzten Jahren und Jahrzehnten gab es für die Pflichtschulen keine Unterstützung. In den höheren Schulen ist es schon seit vielen Jahren anders, da gibt es beispielsweise an Gymnasien Administratorinnen und Administratoren, die die Schulleitungen unterstützen. Das gab es bisher im Pflichtschulbereich nicht, und deshalb gibt es diese wichtige Initiative, im Pflichtschulbereich ein mittleres Management einzuführen, um Schulleitungen bei der Aufgabe des Führens der Schule zu unterstützen, um so die Bildung an diesen Schulstandorten zu verbessern. 

Einige Beispiele dafür, wofür diese Stunden zur Verfügung gestellt werden und welche Aufgaben diese Personen übernehmen können, wurden ja schon genannt. Mir geht es insbesondere darum, dass diese Personen bei pädagogischen Fragestellungen unterstützen, beispielsweise bei der Schulentwicklung, bei der Unterrichtsqualität, bei der Frage, wie die Schule sich weiterentwickeln kann, damit die Leistungsfähigkeit, aber auch die Chancengerechtigkeit an den Schulstandorten besser wird. 

Das Projekt ist ganz bewusst so gestaltet, dass es sehr viel Schulautonomie gibt, nämlich die Schulleitungen zwischen einer und vier Personen aus dem Lehrerkollegium nehmen können, um ihnen zusätzliche Stunden und damit zusätzliche Aufgaben zu geben. Das kann beispielsweise nach Aufgaben organisiert sein, etwa eine Person, die für die Deutschförderung und die Konzepte der Deutschförderung zuständig ist, oder auch nach Gruppen, beispielsweise Personen, die naturwissenschaftliche Fächer koordinieren und dabei unterstützen, beispielsweise auch Projekte gemeinsam mit der Privatwirtschaft und außerschulische Projekte unterstützen und koordinieren. Da gibt es viele Freiheiten für die Direktorinnen und Direktoren, das in Zukunft zu gestalten. 

Es ist eine große Unterstützung, die die Schulen zusätzlich zur Verfügung gestellt bekommen. Damit man es sich vorstellen kann: Bei einer Pflichtschule mit 15 Klassen sind es immerhin 13 Stunden, die vergeben werden können. 13 Schulstunden sind allgemein 26 Stunden, das ist dann schon eine ordentliche Summe, die zusätzlich an den Schulstandorten zur Verfügung gestellt wird. Um das auch aufzuklären: Das sind natürlich zusätzliche Stunden, und dafür werden auch weiter Stunden frei, beispielsweise für zusätzliche Lehrkräfte in der Klasse. Das heißt aber nicht, dass die Personen, die im mittleren Management sind, nicht mehr in der Klasse stehen, sondern ihre Bereitschaft und Verpflichtung in der Klasse werden etwas reduziert, um so andere Aufgaben zu übernehmen, die damit die Unterrichtsqualität verbessern. 

Es werden nicht nur die Pflichtschulen davon profitieren, sondern in einzelnen Bereichen auch höhere Schulen, beispielsweise AHS-Standorte oder berufsbildende Schulen, nämlich die Standorte, die bisher einen Deckel bei der Administration hatten. Die bekommen den Deckel aufgehoben, und damit werden sehr große Schulstandorte zusätzlich profitieren, aber auch – von der ÖVP heute eingemahnt – kleinere Standorte, die bisher im Gymnasialbereich einen Deckel hatten. Der fällt weg. Kleine Gymnasien hatten nämlich bisher gar keine Unterstützung, die bekommen das gleiche System wie die Pflichtschulen. Damit profitieren auch kleinere Schulen. 

Ganz bewusst sollen natürlich vom mittleren Management aber insbesondere große Schulstandorte profitieren, weil es einfach eine andere Aufgabe ist, ob ich sechs oder drei Lehrkräfte oder 60 habe. In der Privatwirtschaft würde man wohl auch nicht ein mittleres Management in einem Betrieb bei drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einführen. Nichtsdestotrotz profitieren mit dieser Initiative auch kleine Pflichtschulstandorte in einem geringeren Ausmaß, weil wir wissen, manche Aufgaben sind an jeder Schule zu erledigen. Das geschieht, obwohl im Regierungsprogramm anderes vereinbart war, nämlich dass dieses Unterstützungspaket alleinig für mittlere und große Schulen zur Verfügung gestellt wird. Damit ist es ein guter Kompromiss, der gelungen ist, und die Forderung von Ihnen ist erfüllt, es profitieren nämlich auch kleine Schulstandorte davon. 

Natürlich müssen wir aber in Zeiten von angespannten Budgets – neben dem Finanzminister stehend – darauf achten, dass wir unser Budget gezielt einsetzen, nämlich dort, wo es am meisten bringt, und die Mittel dorthin geben, wo die meiste Entlastung notwendig ist – und das ist bei großen Pflichtschulstandorten. Man muss sich vorstellen: Es gab Pflichtschulstandorte mit 60 Lehrkräften, und die Direktion musste bisher alles selber machen: Elternkommunikation, organisatorische Aufgaben, Führung des Kollegiums. Das geht sich in dieser Führungsspanne nicht aus, deshalb ist diese zusätzliche Unterstützung wichtig. 

Auch zur Aufklärung: Es ist keine zusätzliche formale hierarchische Ebene, sondern es geht um ein Führungsteam, nämlich dass die Schulleitung gemeinsam mit anderen Personen das Kollegium gemeinsam leiten kann. Es gibt ganz bewusst keine zusätzliche hierarchische Ebene, weil es auch die Intention ist, nicht mehr, sondern weniger Bürokratie zu schaffen. Das mittlere Management wird auch dann noch genug zu tun haben, wenn wir die Bürokratie weiter reduzieren. Das ist die Initiative des Bildungsministeriums, mit Freiraum Schule in Zukunft auch weiterhin Bürokratie zu reduzieren. 

Zu den Grünen, weil das Argument gekommen ist, das sollen doch andere Personen als Lehrkräfte machen, wenn ich das richtig verstanden habe: Das sind aber pädagogische Aufgaben, die im mittleren Management erfüllt werden sollen. Darum wird es schwierig sein, da für ein mittleres Management beispielsweise eine Sekretariatskraft zu verwenden. Auch da gibt es wieder die Parallele zum Unternehmertum oder zur Wirtschaft: Man wird ja auch nicht in Bezug auf das mittlere Management sagen, das ist das Gleiche wie das Sekretariat. 

Wenn Sie aber das gemeint haben, bin ich bei Ihnen: Es braucht an Schulen beides, es braucht nämlich Sekretariatstätigkeiten, administrative Unterstützung und pädagogische Unterstützung in der Führung. Da gab es einige Schritte, die in den letzten Jahren gelungen sind, damit Pflichtschulstandorte auch ein Sekretariat bekommen. 

Ist das jetzt eine revolutionäre Reform? – Nein, es ist eine Reform des Dienstrechts. Das ist eine Evolution, aber eine wichtige, nämlich eine Evolution der Unterstützung der Lehrkräfte, eine Evolution zur Unterstützung der Schulleitungen, weil wir damit Unterrichts- und Schulqualität verbessern werden.

Darum werbe ich um Ihre Unterstützung, denn die österreichischen Schulen brauchen genau dieses mittlere Management ganz, ganz dringend. (Beifall bei Mitgliedern des Bundesrates von ÖVP und SPÖ sowie der Bundesrätin Deutsch [NEOS/W].) 

20.37 

Vizepräsident Daniel Schmid: Herzlichen Dank, Herr Bundesminister.

Weitere Wortmeldungen liegen dazu nicht vor.

Wünscht noch jemand das Wort? – Das ist nicht der Fall. 

Die Debatte ist geschlossen. 

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.