RN/19
10.14
Bundesrat Martin Peterl (SPÖ, Niederösterreich): Danke, Herr Präsident! Geschätzter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich, heute hier zu einem Allparteienantrag zu sprechen. Mein Nachredner ist Günter Pröller von der FPÖ, er wird nach mir sprechen, ich bin schon gespannt, was da dann bei Public Viewing nicht passt, denn Kunst, Kultur und Sport verbinden, meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen.
Eines muss man schon sagen (Bundesrat Himmer [ÖVP/W]: Er ist als Proredner gemeldet!) – er ist als Proredner gemeldet, nur das wissen sie nicht immer, ich glaube, Kollege Himmer, du weißt, dass immer irgendetwas nicht in Ordnung ist –, eines wissen wir auf alle Fälle (Zwischenruf des Bundesrates Spanring [FPÖ/NÖ]): Wir sind dabei, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind dabei. Wir sind zwar noch nicht Weltmeister, aber eines sind wir ganz sicher schon: emotionalisiert, mitgerissen und voller Vorfreude. Ich glaube, als patriotischer Österreicher darf man sagen, das wird ein heißer Sommer, aber ein heißer Sommer nicht nur wegen der Temperaturen, sondern vor allem wegen unserer Fußballer, wegen unserer Nationalmannschaft, wegen dieses besonderen Gefühles, das Sport und ganz besonders der Fußball auslösen kann. Sechs Wochen Fußballfieber in Österreich, das bedeutet Begeisterung, Gemeinschaft, aber auch Spannung.
Es bedeutet aber auch, dass wir heute hier eine ganz konkrete Entscheidung treffen müssen, denn aktuell erlaubt die Gewerbeordnung Public Viewing in dieser Form nur vier Wochen lang. Wie schon meine Kollegin vorhin gesagt hat, reichen vier Wochen für dieses weltmeisterschaftliche Turnier nicht aus, das heißt, wir müssen das auf sechs Wochen ändern.
Als Sozialdemokratie sehen wir darin nicht nur eine organisatorische Maßnahme, wir sehen darin eine Chance für viele Menschen in unserem Land, zum einem für unsere Gastronomiebetriebe, für unsere Wirtinnen und Wirte, für die Kellnerinnen und Kellner, für all jene, die tagtäglich dafür sorgen, dass Gastfreundschaft in Österreich nicht nur ein Wort ist, sondern gelebte Realität, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPÖ und bei Mitgliedern des Bundesrates von der ÖVP.)
Public Viewing bringt Menschen zusammen. Ich bin ja eigentlich nicht Tourismussprecher, sondern Sprecher für Kunst und Kultur, ich glaube aber, auch bei Public Viewing wird das in einem gesehen, und wenn wir dann alle miteinander „I Am from Austria“ singen, sind wir auf dem richtigen Weg. (Zwischenruf des Bundesrates Thoma [ÖVP/Vbg.].) Wir konsumieren und bleiben dann auch, das stärkt die Wirtschaft und das stärkt, wie schon gesagt, unsere Gemeinschaft. (Zwischenruf des Bundesrates Spanring [FPÖ/NÖ].)
Zum anderen – und das ist uns besonders wichtig – geht es um die soziale Teilhabe, denn nicht jeder kann in die USA reisen, kann sich die teuren Tickets leisten, nicht jeder kann live im Stadion dabei sein. Durch diese Verordnung und durch Public Viewing kann aber trotzdem jede und jeder in Österreich dabei sein – und das ist das Schöne daran. Man ist nicht nur Zuseherin und Zuseher, sondern man ist mittendrin. Man fiebert gemeinsam, man jubelt gemeinsam und vielleicht singt man gemeinsam. Fremde Menschen werden plötzlich zu Verbündeten, zu Fans derselben Mannschaft, zum Teil eines großen Ganzen.
Gerade in Zeiten, in der in unserer Gesellschaft das Trennende oft stärker sichtbar ist als das Verbindende, ist das von unschätzbarem Wert. Gerade in Zeiten, in denen wir erleben, dass Unterschiede betont werden, dass Spaltung entsteht, dass Unsicherheit wächst, ist es umso wichtiger, Räume zu schaffen, in denen Gemeinschaft gelebt wird – und genau das leisten solche Veranstaltungen. Da steht nicht im Vordergrund, wer man ist, woher man kommt oder wie viel man verdient. Da steht im Vordergrund: Wir sind Österreicher, wir halten zusammen und wir stehen hinter unserer Mannschaft. (Beifall bei der SPÖ und bei Mitgliedern des Bundesrates von der ÖVP.) Dieser Zusammenhalt, den wir auf den Bildschirmen sehen, bei dem die Spieler auf dem Platz sind, überträgt sich auf uns alle.
Meine Damen und Herren, unsere österreichische Gastwirtschaft ist weit mehr als nur ein Wirtschaftszweig. Sie ist ein Aushängeschild unseres Landes, sie ist ein Teil jener Tourismusmaschine, die Österreich zu einem der beliebtesten Reiseziele Europas gemacht hat. Immer mehr Urlauberinnen und Urlauber kommen zu uns – nicht nur wegen der Landschaft, nicht nur wegen der Kultur, sondern auch wegen der Atmosphäre, wegen der Herzlichkeit, wegen dieses besonderen Gefühls, willkommen zu sein; und genau diese Atmosphäre können wir mit solchen Maßnahmen weiter stärken. Das ist ein Mehrwert für Österreich – wirtschaftlich, gesellschaftlich und natürlich kulturell.
Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang – das habe ich schon erwähnt –, dass dieser Antrag ein Allparteienantrag ist, dass er bereits im Nationalrat von allen Parteien unterstützt wurde. Das zeigt aber: Wenn es um das Gemeinsame geht, wenn es um das Verbindende geht, dann können wir hier in diesem Haus hoffentlich auch gemeinsam handeln. (Beifall bei der SPÖ und bei Mitgliedern des Bundesrates von der ÖVP.)
Vielleicht ist das auch eine kleine Lehre aus dem Fußball, wie mein Kollege immer so schön sagt: Man gewinnt nur als Team; denn Fußball verbindet, Fußball schafft Identität und Fußball bringt Menschen zusammen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPÖ.)
Genau deshalb ist es richtig, dass wir heute diese Rahmenbedingungen schaffen, damit wir dieses gemeinschaftliche Erlebnis für alle ermöglichen. Lassen Sie uns hier also dafür sorgen, dass dieses Fußballfieber nicht an bürokratischen Grenzen endet; lassen Sie uns dafür sorgen, dass ganz Österreich von der ersten bis zur letzten Minute dieses Turniers mitfiebern kann. Ich danke Ihnen herzlich, und ich freue mich auf eine großartige Weltmeisterschaft und auf spannende Spiele – und vielleicht sehen wir uns ja bei der einen oder anderen Public-Viewing-Veranstaltung in Österreich. Vielen Dank, danke schön! (Beifall bei der SPÖ und bei Mitgliedern des Bundesrates von der ÖVP.)
10.22
Präsident Markus Stotter, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Bundesrat Günter Pröller. Ich erteile ihm dieses.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.