13.02

Bundesrat Nikolaus Amhof (FPÖ, Wien): Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Frau Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich wollte kurz auf die Frau Kollegin (in Richtung Bundesrätin Eder-Gitschthaler [ÖVP/Salzburg]) eingehen: Bei unseren Anträgen bezüglich Verschärfung des Strafrahmens haben Sie, glaube ich, aber immer dagegengestimmt. Also es wäre ja gut, das nicht nur anzukündigen, sondern auch durchzuführen. 

Nun aber zum eigentlichen Thema: Wir werden dem – das schicke ich voraus – zustimmen, weil es natürlich sinnvoll ist, dass Künstler und Schauspieler auch bei einer Weiterverwertung der Filme finanziell beteiligt werden, obwohl das ja bereits derzeit geschieht und das eine Art Vorsichtsmaßnahme ist. Ich glaube, es ist aber durchaus der Zeitpunkt, hier kurz auf die österreichische Filmindustrie und auf die Ursachen dieses Gesetzesantrages einzugehen, nämlich dass die finanzielle Lage von etlichen Schauspielern eine durchaus prekäre ist. Es stellt sich die Frage, warum das der Fall ist. 

Man sollte einmal die Situation des österreichischen Filmes beleuchten. Von 50 Filmen, die im Kino im Jahresdurchschnitt unter die Topfilme gereiht werden, kommen 42 Filme aus den USA, aus Österreich kommt im eigenen Land einer, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen. Das heißt, das ist die Leistung und das Ergebnis der österreichischen Filmförderung. Warum? – In einem mittelgroßen Land wie Österreich ist es für Filmproduzenten absolut unumgänglich, eine Förderung in Anspruch zu nehmen, und da liegt sozusagen der Hase im Pfeffer. 

Wie kommt man nämlich in Österreich an eine Filmförderung? – Der Film muss sozusagen kulturell geeignet sein und einen kulturellen Wert haben. In diesem Falle werden dann das ÖFI und der Filmfonds Wien zustimmen. Wenn man eine Filmförderung will, empfehle ich also nach der derzeitigen Praxis: eingehen auf extreme Randgruppen, eingehen auf Randgruppen von Randgruppen und eine möglichst negative Darstellung des eigenen Landes und der eigenen Geschichte in Österreich. Dann werden Sie bei den derzeitigen Gegebenheiten gute Chancen haben, eine Filmförderung zu bekommen. (Beifall bei der FPÖ.)

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das führt zu einer thematischen Einengung der Filme. Ich nehme hier zwei heraus: Das eine ist ein gefeierter moderner österreichischer Film, also die Verfilmung eines Romans von Elfriede Jelinek, das war der große Erfolg. Dabei handelt es sich um eine schwerst gestörte Frau, die, von ihrer Mutter unterdrückt, keinerlei Freiraum hat und gezwungen wird, mit ihr im Ehebett zu schlafen, und um ihre Krankheitssymptome, die sie dann sozusagen auslebt. Der Film hieß: „Die Klavierspielerin“. Mit großem Aufwand beworben ist er dann auf 700 000 Zuseher gekommen und wurde als großer Erfolg im deutschsprachigen Raum gefeiert. 

Die „Sissi“-Trilogie ist schon erwähnt worden. Da wurde nicht sehr viel gefördert, da wurde das eigene Land positiv dargestellt. Das waren dann gleich einmal 25 Millionen Zuseher. (Zwischenruf der Bundesrätin Kittl [Grüne/W].) Der gefeierte moderne Film, mit allen Preisen ausgezeichnet, kam also ungefähr auf 3 Prozent der Zuseher von „Sissi“. Das eine war der Erfolg, das andere wird zu Unrecht von den Kritikern belächelt. Die „Sissi“-Filme sind von der schauspielerischen Leistung von Romy Schneider her sehr hochstehend, das Thema ist durchaus nicht uninteressant. (Beifall bei der FPÖ.) Es handelt sich ja um einen jungen Menschen, der in eine Machtposition kommt, aber auch diesen gesellschaftlichen Zwängen ausgeliefert wird. 

Vielleicht sollte man da noch sozusagen die Spitze des Eisbergs erwähnen: Die Babler-Verfilmung von „Wahlkampf“ – (erheitert) in die Katastrophe, könnte man als Untertitel hier beifügen (Heiterkeit bei der FPÖ) – ist gefördert worden. Jetzt muss ich zugeben, ich habe den Film nicht gesehen. Ich rede normalerweise nicht über Filme, die ich nicht gesehen habe, in diesem Fall habe ich aber beschlossen, das vorab zu beurteilen und ihn als entbehrlich anzusehen. (Beifall bei der FPÖ.) Das habe ich mit allen anderen Österreichern gemein, außer 898 Personen (Heiterkeit des Bundesrates Spanring [FPÖ/NÖ]), die diesen Film sehen mussten, warum auch immer er zustande kam. Also in diese Richtung geht es. Früher ist das bei Belangsendungen der SPÖ noch oben gestanden, in diesem Fall hat der Filmfonds Wien sozusagen die eigene Partei mitgefördert. 

Ich komme zur Conclusio: Das hängt natürlich zusammen, denn Schauspieler beziehen ihr Geld ja auch bei der Verwertungsgesellschaft nach dem kommerziellen Erfolg, und ein kommerzieller Erfolg ist bei diesen modernen österreichischen Problemfilmen nicht der Fall, denn der Film muss ja den Zusehern gefallen und nicht den Filmkritikern. Das ist das grundlegende Problem, das in der modernen Kunst im Allgemeinen nicht beachtet wird. Das heißt, es werden Filme mit Themen, die niemanden interessieren und wo im Allgemeinen niemand ins Kino geht, gefördert, das ist das Grundproblem. Dafür sind die Kritiker und die Preisverleiher dann von den Werken begeistert. 

Wie könnte ein Ausweg ausschauen? – Ich glaube, die Filmförderung muss prinzipiell neu aufgestellt werden. Dieses Netz aus Staatskünstlern, aus Kritikern, aus Personen, die im vorauseilenden Gehorsam parteinah sind, ist nicht reformierbar. Da kann nur eine Neuordnung her – und die am besten im Rahmen einer Regierungsänderung! (Beifall bei der FPÖ.)

13.09

Vizepräsident Silvester Gfrerer: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Claudia Hauschildt-Buschberger. Ich erteile es.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 65 Abs. 2 GO-BR autorisiert.