4362/J-BR/2025
Eingelangt am 18.12.2025
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ANFRAGE
des Bundesrates Andreas Arthur Spanring
an den Bundesminister für Bildung
betreffend Schusswaffenvorfall in Ziersdorf und die Konsequenzen für die Schul- und Sicherheitsorganisation
Am 7. November 2025 kam es in Ziersdorf zu einem gravierenden Vorfall: Ein zwölfjähriger Schüler feuerte auf einem Spielplatz mit einer Pistole (Glock 19) mehrere Schüsse in die Luft. Die Waffe stammte aus einem illegalen Waffenbestand im Elternhaus. Die Ermittlungen führten zur Sicherstellung mehrerer illegaler Schusswaffen und zur Einschaltung der Kinder- und Jugendhilfe.[1]
Besonders besorgniserregend ist, dass der Schüler trotz des Vorfalls und des Einsatzes des Einsatzkommandos Cobra noch vier Tage regulär die Schule besuchte. Dies wirft schwerwiegende Fragen zur Kommunikation zwischen Schulleitung, Bildungsdirektion und Ihrem Ministerium sowie zu den geltenden Sicherheits- und Krisenprotokollen an österreichischen Schulen auf.[2]
Laut einem Bericht der „Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN)“ vom 26. November 2025[3] wurden im Jahr 2025 bereits „bislang 85 Vorfälle“ an die Bildungsdirektion Niederösterreich in Form sogenannter sicherheitsrelevanter Meldungen durch niederösterreichische Pflichtschulen gemeldet.[4] Dennoch scheint es in diesem Fall zu keiner umgehenden Reaktion gekommen zu sein. Eltern und Mitschüler berichten von Angst und Verunsicherung, während die Bildungsdirektion betont, es habe „zu keinem Zeitpunkt eine akute Gefährdung“ bestanden.
Besagte Medienberichte weisen zudem auch darauf hin, dass es bereits zuvor zu problematischen Vorfällen rund um den Schüler gekommen sein soll. Vor diesem Hintergrund ist eine umfassende Klärung erforderlich, wie die Kommunikation und die Sicherheitsmaßnahmen in solchen Fällen geregelt sind und ob bestehende Richtlinien ausreichend greifen.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Bundesrat an den Bundesminister für Bildung nachstehende
Anfrage
1. Wann und auf welchem Wege wurde das BMB über den Schusswaffenvorfall in Ziersdorf informiert?
2. Wann hat die Bildungsdirektion Niederösterreich von dem Vorfall erfahren?
3. Wann wurde die Schulleitung der Mittelschule Großweikersdorf informiert?
a. Welche Maßnahmen hat diese unmittelbar ergriffen?
4. Welche konkreten Schritte wurden nach Bekanntwerden des Vorfalls durch die Bildungsdirektion Niederösterreich und das BMB gesetzt?
5. Warum konnte der Schüler nach dem Vorfall noch vier weitere Tage völlig unbehelligt die Schule besuchen?
a. Gab es eine Gefährdungsanalyse?
i. Falls ja, zu welchem Ergebnis gelangte diese?
6. Waren der Schule oder der Bildungsdirektion Niederösterreich bereits vor dem Vorfall frühere Zwischenfälle mit diesem Schüler bekannt?
a. Falls ja, welche Maßnahmen wurden damals gesetzt?
7. Gibt es ein verpflichtendes Verfahren zur Datenweitergabe zwischen Schulen und Bildungsbehörden bei sicherheitsrelevanten Vorfällen?
a. Falls ja, wurde dieses Verfahren im vorliegenden Fall eingehalten?
8. Welche Konsequenzen und Lehren zieht das BMB aus diesem Vorfall?
a. Sind Änderungen an den bestehenden Krisen- und Sicherheits-protokollen geplant?
9. Wie wird künftig sichergestellt, dass bei Vorfällen mit Waffen oder schwerer Gewalt eine sofortige und einheitliche Reaktion erfolgt?
10. Wie viele sicherheitsrelevante Vorfälle (z.B. Gewalt, Waffen, Bedrohungen) wurden im Jahr 2025 österreichweit an die Bildungsdirektionen gemeldet?
[1] https://www.meinbezirk.at/hollabrunn/c-lokales/zwoelfjaehriger-feuert-schuesse-ab_a7818161 (aufgerufen am 09.12.2025)
[2] https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/niederoesterreich/12-jaehriger-glock-schuetz-drueckte-nach-cobra-einstz-noch-schulbank/656988213 (aufgerufen am 09.12.2025)
[3] NÖN 48/2025, S.32 (26.11.2025)
[4] https://www.noen.at/tulln/bub-hantierte-mit-glock-schuesse-am-spielplatz-verfahren-gegen-zwoelfjaehrigen-eingestellt-499077835 (aufgerufen am 09.12.2025)