4392/J-BR/2026

Eingelangt am 18.09.2026
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ANFRAGE

 

des Bundesrates Peter Samt

an den Bundesminister für Inneres

betreffend Kriminalität an Bahnhöfen und öffentlichen Verkehrsmitteln in den Jahren 2020 – 2025 sowie im ersten Halbjahr 2026

 

Neue Verbindungen, bessere Infrastruktur und viele andere Aspekte animieren viele Fahrgäste dazu, Bahn zu fahren oder andere öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. So haben die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) im Jahr 2025 einen neuen Passagierrekord erzielt: 559 Millionen Menschen wurden mit ÖBB-Zügen oder -Bussen befördert. Das entspricht einem Plus von 1,4 Prozent.[1] In der Steiermark stellte man 2025 ebenfalls einen neuen Rekord an Fahrgästen auf: Die S-Bahn Steiermark konnte mit rund 55.600 täglichen Passagieren einen neuen Höchstwert verzeichnen.[2]

Die Kehrseite der Medaille ist leider jene, dass die Anzahl an Straftaten an Bahnhöfen im Jahr 2024 ebenfalls einen traurigen Höchststand erreichte: Demnach gab es laut Beilage Ihrer Anfragebeantwortung PA 799/J vom 27.03.2025 (XXVIII.GP) österreichweit knapp 8.000 Straftaten an Bahnhöfen. Auch die Anzahl an Straftaten in öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. an den Haltestellen stieg im Zeitraum 2021 bis 2024 von rund 9.000 auf rund 12.500.[3] Zudem stiegen die Taten fremder Tatverdächtiger in den letzten Jahren von rund 1.000 (im Jahr 2020) auf rund 2.000 (im Jahr 2024).

Die aktuellen Werte für 2025 liegen uns noch nicht vor; es ist aber nicht davon auszugehen, dass die Anzahl an Straftaten oder jene der fremden Tatverdächtigen gesunken wäre. In diesem Jahr ereigneten sich ebenfalls mehrere Zwischenfälle, wie aus den Medien zu entnehmen ist. So kam es in Niederösterreich immer wieder zu Zwischenfällen in Zusammenhang mit einer Jugendbande. Ein Zugbegleiter soll attackiert worden sein, zudem gab es mehrere Fälle von Sachbeschädigung.[4] Oder: „Fast jeden Tag ein Angriff auf ÖBB-Mitarbeiter“[5]. Auch diese Schlagzeile lässt erahnen, welches Ausmaß gewalttätige Übergriffe im österreichischen Bahnverkehr mittlerweile angenommen haben.

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Bundesrat an den Bundesminister für Inneres folgende

 

Anfrage

 

1.    Wie viele Polizeieinsätze gab es in den Jahren 2020 bis 2025 sowie im ersten Halbjahr 2026 in Österreich anlässlich von Notrufen oder eigener dienstlicher Wahrnehmung von Exekutivbeamten auf Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. an Haltestellen sowie in deren unmittelbarer Umgebung (aufgeschlüsselt nach Bundesländern, Jahren und Standorten)?

2.    Wie viele Festnahmen resultierten aus diesen Polizeieinsätzen an den Tatörtlichkeiten Bahnhof und öffentliche Verkehrsmittel/Haltestellen sowie in deren unmittelbarer Umgebung (aufgeschlüsselt nach Bundesländern, Jahren, Bezirken und Standorten)?

a.    Wie viele dieser Festgenommenen waren fremde Tatverdächtige (aufgeschlüsselt nach Bundesländern, Jahren, Bezirken und Standorten)?

3.    Wie viele strafrechtliche und verwaltungsrechtliche Anzeigen resultierten aus diesen Polizeieinsätzen an Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln/Haltestellen sowie in deren unmittelbarer Umgebung in Österreich in den Jahren 2020 bis 2025 sowie im ersten Halbjahr 2026 (aufgeschlüsselt nach Bundesländern, Jahren, den straf- und verwaltungsrechtlichen Tatbeständen, Bezirken und Standorten)?

4.    Wurden Exekutivbeamte an Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln/Haltestellen sowie in deren unmittelbarer Umgebung in Österreich in den Jahren 2020 bis 2025 sowie im ersten Halbjahr 2026 im Zuge dieser Einsätze verletzt?

a.    Falls ja, an welcher Tatörtlichkeit (gegliedert nach Bundesland, Jahren, Bezirk und Standort)?

b.    Falls ja, wie viele und wodurch (gegliedert nach Bundesland, Jahren, Bezirk, Standort und Tatmittel)?

c.    Falls ja, kam es dadurch zu längerfristigen Ausfällen der Beamten und wie viele waren es in den jeweiligen Jahren (aufgeschlüsselt nach Bundesland)?

5.    Bei wie vielen Einsätzen an Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln/Haltestellen sowie in deren unmittelbarer Umgebung in Österreich mussten in den Jahren 2020 bis 2025 sowie im ersten Halbjahr 2026 Spezialkräfte (PDHE, SIG, EKO Cobra etc.) zur Unterstützung herangezogen werden (aufgeschlüsselt nach Bundesländern, Jahren und Standorten)?

6.    Aus welchem konkreten Anlassfall mussten die Spezialkräfte herangezogen werden (gegliedert nach Bundesland, Jahren und Anlass)?

7.    Wie hoch war der Anteil fremder und österreichischer Tatverdächtiger in den Jahren 2020 bis 2025 sowie im ersten Halbjahr 2026 an den Tatörtlichkeiten Bahnhof bzw. öffentliche Verkehrsmittel/Haltestellen sowie in deren unmittelbarer Umgebung in Österreich (aufgeschlüsselt nach Jahr, Bundesland, Nationalität, Tatörtlichkeit und Aufenthaltsstatus je Delikt)?

8.    Bei wie vielen in den Jahren 2020 bis 2025 sowie im ersten Halbjahr 2026 in Österreich angezeigten Delikten bzw. Fällen eigener dienstlicher Wahrnehmung spielten Waffen im Sinne des Waffengesetzes eine Rolle (aufgeschlüsselt nach Bundesländern, Jahren und Standorten)?

a.    Um welche Art oder Kategorie von Waffen handelte es sich dabei konkret (aufgeschlüsselt nach Bundesländern und Jahren)?

b.    Bei wie vielen in den Jahren 2020 bis 2025 sowie im ersten Halbjahr 2026 in Österreich angezeigten Delikten bzw. Fällen eigener dienstlicher Wahrnehmung spielten Hieb- und Stichwaffen eine Rolle (aufgeschlüsselt nach Bundesland, Jahr, Bezirk und Standort)?

9.    Gemäß Ihrer Antwort in der PA 799/J soll unter anderem die Veranstaltung „Coffee with Cops“ dazu dienen, „langfristig zur Reduktion von strafbaren Handlungen im Bahnverkehr“ beizutragen. Aufgrund der von Ihnen veröffentlichten Daten stiegen die absoluten Zahlen seit der Einführung dieser Veranstaltung 2023 aber stark an. Wurde eine Evaluierung in Bezug auf diese Veranstaltung seitens des BMI unternommen?

a.    Falls ja, wann wurde evaluiert?

b.    Falls ja, was wurde konkret evaluiert und was war das Ergebnis?

c.    Falls ja, welche Folgen leiten sich daraus ab?

d.    Falls ja, wie erklären Sie sich die gestiegenen Straftaten?

e.    Falls nein, wieso wurde noch nicht evaluiert bzw. wann ist eine Evaluierung geplant?

10. Warum fehlt die Aufzählung des § 91a StGB, „Tätlicher Angriff auf mit bestimmten Aufgaben betraute Bedienstete einer dem öffentlichen Verkehr…“, in Ihrer Beilage betreffend die Anfragebeantwortung PA 799/J vom 27.03.2025 (XXVIII.GP)?

11. An welchen Bahnhöfen und Haltestellen (Zug und öffentliche Verkehrsmittel) in Österreich kommt derzeit eine Videoüberwachung zum Einsatz (aufgeschlüsselt nach Bundesland und Standort)?

a.    Falls es eine Videoüberwachung an einzelnen Standorten gibt, ist die Überwachung eine mit Aufzeichnungsfunktion oder lediglich eine „Liveaufnahme“, ohne die Möglichkeit, sich das Geschehene nochmals anzusehen?

12. Ist eine Ausweitung der Videoüberwachung an kriminalitätsbelasteten Bahnhöfen oder Haltestellen in den einzelnen Bundesländern geplant (aufgeschlüsselt nach Bundesland und Standort)?



[1] https://presse-oebb.at/news-oebb-bilanz-2025-plus-bei-fahrgaesten-rezession-drueckt-oebb-ergebnis?id=240488&menueid=27024&l=deutsch (aufgerufen am 04.09.2026)

[2] https://www.politik.steiermark.at/cms/beitrag/13010071/181958735/ (aufgerufen am 04.09.2026)

[3] https://www.parlament.gv.at/dokument/XXVIII/AB/841/imfname_1689575.pdf (aufgerufen am 04.09.2026)

[4] https://noe.orf.at/stories/3357397/; https://www.heute.at/s/kontrolliert-weiter-tickets-und-ihr-seid-tot-120230613 (aufgerufen am 04.09.2026)

[5] https://www.krone.at/4235761 (aufgerufen am 04.09.2026)