985/AE XX.GP
ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
der Abgeordneten Dr. Martina Gredler, MMag. Dr. Madeleine Petrovic und weiterer Abgeordneter
betreffend Freilassung des Tibeters Ngawang Choephel und anderer politischer
Gefangener durch China
Der Tibeter Ngawang Choephel, der in den USA und Indien tibetischen Tanz und
tibetische Musik studierte, wurde im September 1995 in Tibet von den chinesischen
Behörden verhaftet, nachdem er versucht hatte, in seiner Heimat, aus der er mit
seinen Eltern schon als Kind hatte flüchten müssen, weitere Studien zu betreiben.
Am 26. Dezember 1996 wurde er wegen Spionage zu 18 Jahren Haft verurteilt. Er
wird nun seit über drei Jahren gefangen gehalten, seit Juli 1998 in einem
Hochsicherheitsgefängnis in Tibet. Sein Gesundheitszustand ist kritisch.
Die Mutter Choephels, Sonam Dekyi reiste in diesem Jahr um die Welt, um für die
Freilassung ihres Sohnes, oder zumindest für eine Besuchserlaubnis zu kämpfen.
Mehrere Parlamente, darunter der US - Senat und das australische Parlament haben
sich mittlerweile für die Freilassung Choephels eingesetzt. Nun war Frau Dekyi kurz
vor dem 50. Jahrestag der Menschenrechte in Wien und erreichte zumindest, daß
Vertreterinnen und Vertreter aller fünf Parlamentsparteien in einem Brief an den
chinesischen Staatspräsidenten Jiang Zemin Freiheit für Choephel verlangen. Daher
wäre ein ähnlicher Schritt der Bundesregierung wünschenswert.
Ngawang Choephel steht für eine nach wie vor große Anzahl politischer Gefangener,
die trotz der unbestreitbaren wirtschaftlichen Öffnung der Volksrepublik China
inhaftiert sind. Ihre Freilassung zu erreichen, bleibt eine ständige Herausforderung
für die internationale Staatengemeinschaft.
Daher stellen die unterzeichneten Abgeordneten folgenden
ENTSCHLIESSUNGSANTRAG:
Der Nationalrat wolle beschließen:
“Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für auswärtige
Angelegenheiten, möge sich bei jeder sich bietenden Gelegenheiten, insbesondere
bei bilateralen Verhandlungen mit der Volksrepublik China und im Rahmen der EU
für folgende Maßnahmen einsetzen:
- Das Urteil gegen Ngawang Choephel soll aufgehoben und dieser sofort und
bedingungslos freigelassen werden.
- Bis zu seiner Freilassung ist der Mutter Ngawang Choepels, Sonam Dekyi, und
anderen Familienmitgliedern des Inhaftierten ein Besuchsrecht einzuräumen.
- Auch die Urteile gegen alle anderen politischen und Gewissensgefangenen in
Tibet wie auch in allen anderen Teilen Chinas sollen möglichst rasch aufgehoben
und diese aus der Haft entlassen
werden. Anklagen, die aus politischen Gründen
erhoben wurden, wie jene gegen den chinesischen Dissidenten Wang Youcai
wegen Gründung einer politischen Partei, sind zurückzulegen.
- Bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen soll eine Resolution
eingebracht werden, um die Freilassung politischer Gefangener in China zu
verlangen,
- International anerkannte Menschenrechtsorganisationen sollen die Lage der
Menschenrechte in Tibet ohne Vorbedingungen vor Ort überprüfen können.”
In formeller Hinsicht wird die Zuweisung an den Außenpolitischen Ausschuß
beantragt