3829/AB XX.GP

 

Die Abgeordneten zum Nationalrat Heidrun Silhavy und Genossen haben am

13.3.1998 an mich eine schriftliche Anfrage mit der Nr. 3874/J betreffend “soziale

Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeit” gerichtet. Auf die - aus Gründen der besse -

ren Übersichtlichkeit - in Kopie beigeschlossene Anfrage beehre ich mich, folgendes

mitzuteilen:

ad 1

Meine Ausführungen anläßlich der von der EURAG - Österreich mit Mitteln meines

Ressorts geförderten Enquete “Ist unbezahlte Arbeit wertlos? Das Ehrenamt im

Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Anerkennung und persönlicher Sinnfin -

dung” beziehen sich auf die Aufwertung der sozialen Anerkennung ehrenamtlicher

Tätigkeiten wie z.B. in den USA oder Schweiz, wo diese als wesentliche Kriterien für

die Aufnahme in Universitäten und Unternehmungen mitentscheiden.

Keine Gesellschaft kommt ohne Privatinitiative und Bürgerengagement aus. Unbe -

zahlte Arbeit im sozialen Bereich kann auch nicht bezahlt werden, dafür fehlen die

Mittel, sie muß aber bedankt und anerkannt werden. Und dafür gibt es eine Vielzahl

von Möglichkeiten, die im Rahmen der in der Anfrage zitierten Veranstaltung disku -

tiert wurden. Auch die in den Familien, zum Großteil von Frauen, erbrachte Leistung

ist in diesem Zusammenhang sichtbar und damit schätzbar zu machen. Die Aner -

kennung dieser Leistung kann sich auf vielerlei Art ausdrücken: Durch Hilfe für die

Helfer, in Form von Supervision, Weiterbildung, Mitsprache, Ersatz für geleistete

Aufwendungen, Tätigkeitsausweise als Bestandteil für Jobprofile, und in Form von

Versicherungsschutz. Dafür setze ich mich als Familienminister ein.

ad 2

Ich habe eine Feasibility - Studie “Freiwillige Tätigkeiten als berufliches Bewerbungs -

kriterium - eine Maßnahme zur Aufwertung des Ehrenamtes" an das Europäische

Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung in Auftrag gegeben, um Anhalts -

punkte für die Möglichkeiten stärkerer Berücksichtigung ehrenamtlichen Engage -

ments bei Bewerbungen - zunächst im öffentlichen Dienst und in der Folge auch in

der Privatwirtschaft - zu erlangen. Dabei sollen Entscheidungsträger im Personalma -

nagement von Beginn an beteiligt werden.

In der ersten Phase des Projektes soll die Akzeptanz und Machbarkeit möglicher

Maßnahmen zur Aufwertung ehrenamtlichen Engagements im Bereich der Personal -

rekrutierung des Bundes (Richter, Lehrer, Polizei etc.) in Interviews mit Personalver -

antwortlichen und Abteilungsleitern analysiert werden.

Gleichzeitig soll in Zusammenarbeit mit Organisationen und Einrichtungen, die mit

ehrenamtlichen Kräften arbeiten, erhoben werden, welche sozialen und sonstigen

Kompetenzen im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeiten erworben werden, um Kriterien

zur Bewertung von ehrenamtlichem Engagement zu entwickeln.

Neben Recherchen in den USA über die Art der Bewertung ehrenamtlichen Enga -

gements soll in der zweiten Phase ein Workshop mit Vertretern des Bundes, der

Gewerkschaften und der Non - Profit - Organisationen abgehalten und Maßnahmen zur

Aufwertung des Ehrenamtes als berufliches Bewerbungskriterium in Österreich erar -

beitet werden.

ad 3 und 4

Durch die Einführung eines Audits für eine familienfreundliche Arbeitswelt seitens

des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie soll ein Standard für famili -

enorientierte Maßnahmen in Unternehmen gesetzt werden. Mit diesem Audit werden

bereits bestehende familienfreundliche Maßnahmen in österreichischen Unterneh -

men erfaßt und die Weiterentwicklung dieser Maßnahmen angeregt. Ein Bereich

dieser familienfreundlichen Maßnahmen ist der Wiedereinstieg für Mütter und Väter

nach einer Familienpause, der eine Voraussetzung dafür ist, daß Mütter und Väter

ihre Lebensplanung betreffend Familie und Beruf nach ihren Wünschen und Mög -

lichkeiten verwirklichen können.

Eine weitere Maßnahme meines Ressorts ist die Prämiierung von “best practice

Modellen” im Rahmen eines Bundeswettbewerbes für den “Familienfreundlichsten

Betrieb”, um familienbewußte Maßnahmen in Betrieben bekanntzumachen und an -

dere Betriebe zu motivieren, diesen Beispielen zu folgen.

Mit der Förderung der jährlichen Wettbewerbe ,,Familienfreundlichster Betrieb” in den

Bundesländern seitens meines Ressorts wird das Bewußtsein der Unternehmer für

familienfreundliche Maßnahmen im Betrieb gesteigert. Auch hier ist ein Teilbereich

der zu bewertenden familienfreundlichsten Maßnahmen im Betrieb die Unterstützung

für den Wiedereinstieg nach einer Familienpause. Auch werden seitens meines

Ressorts Vereine, die Fortbildungsprogramme für Wiedereinsteigerinnen anbieten,

finanziell unterstützt.

Weiters habe ich mich dafür eingesetzt, daß es zu Verbesserungen betreffend der

Regelungen beim Karenz(urlaubs)geld gekommen ist. Seit 1. Jänner 1998 ist es

möglich, über die Geringfügigkeitsgrenze zum Karenz(urlaubs)geld dazuzuver -

dienen, ohne dabei den Anspruch auf das Karenz(urlaubs)geld zu verlieren.

Die Hilfestellungen seitens des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie

werden allen Familien gegeben und kommen daher auch alleinstehenden Elterntei -

len zu Gute.