3999/AB XX.GP
Die Abgeordneten zum Nationalrat Langthaler, Freundinnen und Freunde
haben am 16. April 1998 unter der Nr. 4306/J an mich eine schriftliche par -
lamentarische Anfrage betreffend Österreichs Position zum Weißbuch, Energie
für die Zukunft: Erneuerbare Energieträger" der Europäischen Kommission ge -
richtet, deren Wortlaut in der Beilage angeschlossen ist.
Diese Anfrage beantworte ich wie folgt:
Zu Frage 1:
Von einer effizienten Umsetzung der im Weißbuch dargelegten Maßnahmen
kann aus meiner Sicht ein Beitrag zur Erreichung des Zielebündels
Versorgungssicherheit, Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und
Umweltschutz erwartet werden.
Davon abgeleitet kann ein Beitrag zur Senkung von Energieimporten oder
zumindest deren geringere Steigerung erwartet werden. Eine gesteigerte
Nachfrage nach Technologien im Bereich erneuerbare Energien sollte
außerdem im Inland, in der Europäischen Union und auf Märkten außerhalb
der EU verstärkte Absatzmöglichkeiten für Unternehmen, die in diesem Bereich
tätig sind,
mit sich bringen. Dies sollte sich auch in der Schaffung neuer, oder
zumindest in der Sicherung bestehender, qualifizierter Arbeitsplätze auswirken.
Aus ökologischer Sicht kann vom verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien -
aus meiner Sicht ein Beitrag zur Reduktion von Emissionen mit Relevanz für
den Treibhauseffekt erwartet werden.
Zu Frage 2 und 3:
Österreich könnte unter den vorhin genannten Voraussetzungen in
wirtschaftlicher sowie umwelt - und beschäftigungspolitischer Hinsicht
profitieren, weil vergleichsweise günstige Ausgangsvoraussetzungen
vorhanden sind.
Gerade bei der energetischen Nutzung von Biomasse hat Österreich
bedeutende Interessen und internationale Technologieführerschaft. Den
österreichischen Firmen ist es etwa gelungen, in den letzten 10 Jahren den
Wirkungsgrad von Holzöfen fast zu verdoppeln und die Emissionen um den
Faktor 100 zu senken. Wenn in der EU - allein aufgrund des wesentlich
niedrigeren Förderbedarfs - ernste Initiativen in Gang kommen, um
Raumwärme aus Holz zu forcieren, wäre das ein riesiger Exportmarkt für
unsere Biomassekesselhersteller.
Diese Chancen können genutzt werden, wenn es gelingt, in den kommenden
Jahren einen starken ,,Heimmarkt” aufzubauen. In diesem Zusammenhang darf
ich darauf hinweisen, daß derzeit im Auftrag von BMUJF, BMLF, BMwA und
BMWV die Grundlagen für einen “österreichischen Bioenergie -Cluster"
erarbeitet werden.
Neben Biomassetechnologien ist natürlich auch der ausgezeichnete Ruf
österreichischer Unternehmen in den Bereichen Wasserkraftnutzung, Kraft -
Wärme -
Technologien und Solartechnik zu erwähnen.
Zu Frage 4:
Nach der in der EU angewendeten statistischen Systematik hat Österreich
einen Anteil von 24,3 Prozent erneuerbarer Energien an der gesamten Primär -
energie. Dieser Anteil kann entsprechend der Konsequenz der Umsetzung der
im Weißbuch vorgeschlagenen Maßnahmen in Zukunft erhöht werden, wobei
nach Einschätzung von Experten eine Erhöhung des Anteils auf etwa 30 % bis
zum Jahr 2010 als machbar erscheint (Siehe Energieprognose des WIFO,
Februar 1996 und "The European Renewable Energy Study - TERES Il").
Zu Frage 5:
Meiner damaligen Aussage ist nichts hinzuzufügen. Selbstverständlich werden
wir dazu beitragen, den Heimmarkt für solche Technologien in Österreich
weiter zu entwickeln und den Herstellern damit helfen, im Binnenmarkt
wettbewerbsfähig zu sein. Welche Möglichkeiten es dazu gibt, ist dem
Weißbuch zu entnehmen. Viel wird auch davon abhängen, welche Maßnahmen
gemeinschaftlich umgesetzt werden.
Zu Frage 6:
Im Weißbuch selbst sind im Abschnitt 1.4 auf den Seiten 14 und 15 einige
Studien mit Schätzungen von Arbeitsplätzen, die durch Investitionen in
erneuerbare Energieträger entstehen könnten, zitiert. Die Kommission selbst
räumt aber ein, daß es nicht möglich ist, verbindliche Schlußfolgerungen
darüber zu ziehen, wieviele Arbeitsplätze durch Investitionen in die einzelnen
erneuerbaren Energieträger insgesamt geschaffen werden können.
Gleichzeitig verdeutlichen die geschätzten Größenordnungen nach Ansicht der
Kommission, daß eine offensive Unterstützung der erneuerbaren Energieträger
erhebliche neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen wird.
Ich teile die Einschätzung, daß Maßnahmen zur Forcierung des Einsatzes
erneuerbarer Energien geeignet sind, positive Effekte auf dem Arbeitsmarkt
nach sich zu ziehen. Angesichts der prognostischen Unsicherheiten nehme ich
jedoch Abstand von
der Nennung zahlenmäßiger Schätzungen.
Zu den Fragen 7 bis 10 und 12:
Dazu verweise ich auf die Beantwortung des Herrn Bundesministers für wirt -
schaftliche Angelegenheiten zu den Fragen 7, 9 und 10 der parlamentarischen
Anfrage Nr. 4308/J.
Zu Frage 11:
Die Meinungsbildung zum Weißbuch wurde bereits seit vergangenem
Dezember auf breiter innerösterreichischer Basis vollzogen. Dabei wurde eine
dem Weißbuch gegenüber grundsätzlich positive Haltung entwickelt, die auch
in Zukunft weiterverfolgt werden wird.
Zu Frage 13:
Eine konkrete Festlegung eines nationalen Zielwertes bedarf einer fundierten
Analyse und Diskussion der österreichischen Möglichkeiten. Vorrangig
erscheint mir daher zunächst ein innerstaatlicher Konsens über Strategien,
Schwerpunkte und Maßnahmen für die innerösterreichische Umsetzung des
Weißbuches. Dabei sind insbesondere die Kosten und politischen
Rahmenbedingungen, die mit unterschiedlichen Zielwerten zweifellos
verbunden sind, zu klären. Ob dafür auch ein formaler Beschluß des
Ministerrates notwendig ist, kann derzeit noch nicht beurteilt werden.